Posts Tagged ‘Motivation’

Reich in der Diskussion (Teil 4)

1. August 2026

Bücherlogo

Leserkommentare zu:

Neo-Psychoanalyse

Zunächst mein eigener Sermon:

Manche Kritiker Reichs bemängeln, daß Reich in alter Freudscher Tradition dermaßen auf die Sexualität fixiert war, daß er das, frei nach Viktor Frankl, entscheidende Element seelischer Gesundheit ganz unter den Tisch fallen ließ: die Sinnhaftigkeit. Jemand, der keinen Sinn in seiner Existenz sieht und keine Motivation hat, muß psychisch kollabieren, während ein zölibatär lebender Mensch, der diese Voraussetzung erfüllt, wie etwa der Papst, bis zuletzt glücklich und zufrieden sein kann.

Gut. Schauen wir uns dazu folgende grundlegende Funktionsgleichung an:

Lustangstschmerz7

Reich ging es darum die chronische ängstliche Kontraktion des Neurotikers (Sympathikotonie) aufzubrechen und eine von lustvoller Expansion bestimmte Existenz herzustellen. Diese leichte Parasympathikotonie ist der Normalzustand jedes Tieres und sollte auch bei uns vorherrschen.

Die Frage ist, wie man dort hinkommt. Die Antwort ist denkbar naheliegend: indem man lernt, die Angst zu ertragen (sich dem Leben stellt) und so nach und nach die Kontraktion überwindet. Die entscheidende Voraussetzung dazu ist ebenfalls offensichtlich: Motivation. Und die Motivation beruht auf der Aussicht auf zukünftige Lust.

Mystiker und etwa auch Kommunisten, die sich für den Wahn einer abstrakten „besseren Zukunft“ aufopfern, leben von dieser Hoffnung zukünftiger Lust. Sie sind bereit, dafür buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen zu opfern! Dabei schwätzen sie von „Moral“ und davon, daß die Sexualität „nicht so wichtig“ ist!

  1. sagte 2013: “Es handelte sich um den Beginn der Orgon-Theorie. Fenichel und ich wagten nicht, uns anzugucken, denn kalte Schauer liefen uns den Rücken hinab.“
    Ich mag mich ja irren, aber 1933 gab es noch keinen Beginn der Orgon-Theorie, weil es das Orgon noch nicht gab; dies enstand als Begriff 1939/40. Der Urgegensatz des Vegatativum war 1934 im enstehen, worüber sich die Herren unterhalten haben können und dies als „schizophrene Vorstellung“ betrachten.
    Irgendwas kam Fenichel hier spanisch vor, was er als „schizophren“ versteht, wenn Reich dies noch mit einem Nachsatz wie „Kinder, wenn ich meiner Sache nicht so sicher wäre, würde es mich anmuten wie eine schizophrene Phantasie“ (Reich) kommentiert haben soll, dann hat Reich den Begriff selbst ausgedrückt, der im Gedächtnis haften blieb. Was war denn die „schizophrene Phantasie“? Das „Orgon“ war es noch nicht, sondern das eine biologische/bioelektrische Energie nachzuweisen wäre. Oder?

Darauf Robert: Naja, Reich hat seine Sachen erst dann veröffentlicht, wenn er sich seiner Sache absolut sicher war, also oft Jahre später. Er hat dann (1933) also sicher schon Vegeto-Therapie betrieben und gemeint, Libido wäre eine eigenständige biophysikalische Energie, die man evtl. am Hautwiderstand messen kann.

O.: Es war der hier genannte „erste Schritt“, der erinnert wird, verbunden mit genau der „Orgonthese“ (die später kam), als Reichs Untergang. Genau genommen ist es die Beschreibung der Funktion des Orgasmus als nachweisbarer Prozess, was nicht ertragen werden konnte. Solange es eine Theorie darüber gab, war noch alles einigemaßen ok, außer bei Freud. – Freud hätte ihn so oder so „gekillt“.

Renate fragte: Warum hätte ihn Freud „so oder so ‚gekillt’“ ?
Hatte den Eindruck, Freud war der einzige, der WR gegen Attacken verteidigt hatte (vor 1930), wo war dann der Bruch?

Sebastian: https://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html#fueberr

O.: Meine schöne Erklärung hat sich im Äther verflüchtet ggrrrrr ….
Da nichts so ätzend ist, wie sich zu wiederholen, fällt die bessere Erklärung für Renate aus. Sorry.
Kurz gesagt: Reich und Freud inhaltliche Differenzen sind so groß, dass beide nicht zusammenpassten, was Freud sehr wohl bemerkte und Reich aber nicht sehen wollte.
Freud schmeißt Reich elegant raus (über Jones) und schmeißt ihn den Nazis zum Frass vor.
Die Freudsche Psychoanalyse passte hervorragend in die „arische Psychologie“, Reichs bessere Charakteranalyse hingegegen entarnte den Faschismus und wandte sich gegen Freuds Konzept der Triebsublimierung, um gesellschaftlich „besser“ zu funktionieren.

O.: Einerseits ging er auf Nummer sicher und hat später veröffentlicht. Die bioelektrischen Untersuchungen kamen aber erst nach 1933 – nämlich 1934 in Oslo als er dort die Geräte hatte.
Andererseits:
Sein „Orgon“ hat er in Anmerkungen erst im Nachhinein noch eingearbeitet in der 2. oder 3. Auflage der Charakteranalyse, die Zwischenphase der Vegetotherapie wird dadurch geschmälert und ein theoretisches Chaos entsteht durch mangelnde Abgrenzung der Phasen zum Nachteil der Orgontherapie, wie ich finde.

Robert: Aber die Hinweise von Sterba und Gerö lassen das Indiz zu, dass er schon angefangen hatte, in diese Richtung zu forschen. Wir wissen nicht, wann er erste Hypothesen diesbezüglich aufstellte, z. B auf der Nässetheorie von Kraus, die er schon in den Zwanziger Jahren laß.

Klaus schrieb 2011: „Es hat sogar ‚Satanisten’ gegeben, die sich auf Adler beriefen!“
Mag sein – besagt aber nicht viel. Man kann so viel Schauriges für „…“ einsetzen in „Es hat sogar … gegeben, die sich auf Reich beriefen!“
„Der Witz bei der ganzen Angelegenheit ist, daß Reich selbst bei sich von Anfang an, konstatierte, er stünde ‚draußen vor’.“ Ja ja, das behaupten allerdings so viele notorische Einzelgänger von sich, die sich für etwas ganz Einzigartiges halten, und spricht nicht für irgendetwas Relevantes.
Warum sich so sehr mit dem Mann Reich befassen und nicht eher nur insofern mit ihm, als es Beobachtung und Deutung interessanter Phänomene formulieren hilft?
Klar, das eine schließt das andere nicht aus; der Kult um IHN ist aber schon nervig genug und Wasser auf die Mühlen der Turners usw.

O.: Leute, die über vermeintliche Persönlichkeitsmerkmale anderer – hier über Reich – reden, sind mir suspekt. An anderer Stelle geäußerte und auch nicht neue Meinung Reich habe viele Frauen um sich gehabt oder die Frauen seien fasziniert von ihm gewesen, nun das halte ich für völlig normal für einen normal entwickelten Menschen. Wer das betonen muss, dem fehlt offensichtlich selbiges und sollte sich diesen Mangel mal anschauen. Das geht jetzt nicht direkt an Turner, der dies als Argument brachte, weil mich seine „Frauengeschichten“ eh nicht interessieren und bei einer solch unqualifizierten Bemerkung, ich ihn bemitleiden müsste.
Reich hatte nicht außergewöhnlich viel Frauen und hatte, was viel auffälliger war, doch schon in der psychoanalytischen Phase, sehen wir vom Altherrenclub einmal ab, und wohl auch in Berlin und Norwegen deultich viel attraktive und intellektuelle Männer um sich. Hieraus ist auch kein besonderer Schluss zu ziehen, außer dass auch diese Männer für Frauen eine Faszination gehabt haben dürften.
Männer, die stets auch (!) von Frauen umgeben sind, die ihnen zugeneigte sind, interessieren sich am wenigsten für dieses Phänomen, um nicht zu sagen, bekommen das meist auch gar nicht mit. Darüber mögen so manche Männer sich dann wundern und eifersüchtig werden. Viel Hass und Kontaktabbruch zwischen Männern kann hieraus resultieren, möglicherweise ist dies auch eher Reichs Problem geworden, dass die „konkurrierenden“ Männer sich in übler Rede selbst post mortem noch rächen wollen. Möglicherweise geht es gar nicht um den ORAC oder das Orgon, welches für die meisten ien Abstraktum bleibt, sondern um ihre eigenen geringe Anerkennung, die sie in ihrem Leben erhalten haben, speziell von Frauen und sich selbst als nicht liebenswert betrachten. Adler hätte dies in seinen Großgruppen themaisieren können. Das dahinterliegende Problem wäre dann wieder auch das der Sexualität geworden, ein Thema, das vorraussetzt, dass man welchen haben kann. Doch ohne ein Selbstwertgefühl wird man sich dem eigenen Gefühl, keine Chance gegenüber dem anderen Geschlecht zu haben, nicht stellen können.
Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.
Betrachtet man die Rolle der Frau innerhalb der Orgonomie, so spielen (von der Museumsleiterin ein mal abgesehen), die Frauen eine unterstützende und sich unterordnende Rolle. Nun das wäre mal auch für Kritiker ein interessantes Thema gewesen, aber offensichtlich sind sie immer nur an der Abarbeitung ihres Minderwertigkeitsgefühls orientiert, ohne dies auflösen zu können. Turner könnte sich mal fragen, wie männlich kommt er in seinem Reichroman rüber? Welche Frau wird so etwas lesen wollen? Frauen würden wohl eher etwas über die Psychologie oder Körpertherapie erfahren wollen, jedoch nicht „Eh, seht her, der Mann war ein Frauenliebling und schizophren! Nur damit alle, die nichts über ihn wissen, das nun endlich mal wissen.“ – So bleibt ein Autor doch single und kann mit seinem „orgasmotron“ spielen oder auf einen „Spontanorgasmus“ warten, der irgendwann dann tatsächlich doch eintritt – ohne einen auslösenden Reiz oder erkennbaren Anlass. Das kann dann auch beim Anblick der BILD-Zeitung passieren.

Darauf Peter: Barbara Koopman, Louisa Lance, Conny Huthsteiner, Irmgard Bertelsen, etc.

Peter: Barbara Koopman (einst zweite Frau des ACO, heute unabhängig), Louisa Lance (erst ACO, dann IOS, heute unabhängig), Conny Huthsteiner (IOS), Irmgard Bertelsen (erst ACO, dann IOS), etc.

Jonas: Sind all diese Damen in den USA ansässig, oder auch in Europa? Meines Wissens gibt es zwei Orgonominnen in Griechenland, und ansonsten noch Frau Fuckert in Waldbrunn. Würde mich interessieren, ob es noch mehr in Europa/Deutschland gibt.

Peter: Alles Ami-Frauen. Ansonsten weiß ich von keinen weiteren Therapeutinnen, nur das welche in Ausbildung sind. Das weiß ich aber nichts genaueres. Vor dem Facharzttitel halten Ärzte ihr Reich-Interesse eh geheim!

O.: Nun mir fällt eine andere Frage ein: Wie alt sind die Damen? Ist eine noch unter 40? Ich denke mal, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Und als 30-Jähriger zu einer 60-Jährigen Therapeutin zu gehen, passt auch nur schlecht.

  1. weiter: Bitte keine Gerüchte in die Welt setzen: Fr. Dr. Buhl und Fr. Dr. Fuckert mögen Medizinerinnen sein, sie sind nicht vom ACO therapiert oder ausgebildet worden. Die Zertifikate möchte ich dann aber sehen. Eva Reich hat nie von einer Ausbildung bei ihrem Vater gesprochen, wir sind ja hier nicht in der Psychoanalyse bei den Freuds, wo der Vater die Tochter analysiert.
    Barbara Koopman gehörte zum ACO. (s. JO) spielt aber keine führende Rolle, sondern bleibt „brav“ untergeordnet. (Baker, Blasband)
    Eine „Schülerin“ von H. ist eben auch untergeordnete Schülerin will ich mal behaupten ohne zu wissen, wer sie ist. Von den anderen Damen habe ich auch noch nichts gehört, von daher scheinen sie in keinen führenden Positionen zu sein.
    Es gab auch andere Ärtzinnen, aber das Studium macht sie meiner Ansicht nach nicht zu „führenden“ Persönlichkeiten, sondern lassen sie auch nicht aus der untergeordneten Rolle gegenüber Männern hervorstechen, insbesondere gegenüber ihren eigenen Partnern.

Robert: „Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.“
Es ist sowieso ein Wahnsinn, Perverse als Therapeuten auszubilden.

O.: Wenn es damals schon eine Ausbildung gegeben hätte, da gab es die Lehranalyse und fertig war der Therapeut.

Robert zu Rattner: Ich habe in den Siebzigern eine Menge Rattneranhänger kennengelernt, meist waren es Dipl-Psychologen/Innen oder LehrerInnen. Es war eine ganz normale Strömung zu der Zeit und sicherlich noch keine Sekte oder Guru-Fangemeinde.
Rattner ist zu verdanken, dass er viele Menschen mit der Tiefenpsychologie bekannt machte, die zu der Zeit noch weit unbekannt war oder falsch dargestellt.
Heutzutage wird die Tiefenpsychologie als eine minderwertige oder veraltete Strömung in der Psychologie angesehen und durch Pharmaka oder Kognitive Psychologie ersetzt (alles läuft nur im Gehirn!).
Einer seiner Anhänger meinte zu mir, es gäbe kar keine Libido, worauf ich fragte, und was ist mit dem Sexualtrieb?

O.: Tiefenpsychologie scheint nach neuerer Rechtslage zum berufsrechtlichen Verbot für Diplom Psychologen, die Psychotherapie ausüben zu können, einseitig als „Psychoanalyse“ definiert zu sein.
Dies ist historisch völlig falsch. Tiefenpsychologie ist ein Oberbegriff unterschiedlichster psychologischer und philosophischer Theorien, zu denen später auch die Psychoanalyse von Freud zählte. DAmit nicht nur die Psychoanalyse (PA) als Richtlinienverfahren anerkannt wurde, sondern auch Adlers Indiviualpsychologie und Jungs Analytische Psychologie wird die „Tiefenpsychologie“ erlaubt, die von Eugen Bleuler wieder popularisiert wurde. Mesmer und Reich würden hier genauso reinpassen, weswegen diese Therapien auch von der Kasse zugelassen wären. Da die Lobby um Prof. Grawe aber definiert, was wissenschaftlich fundiert sei, gelten nur Verhaltenstherapie (VT) und nochmals VT und mit geschlossenen Augen und Schmerz verzerrtem Gesicht auch PA.
Tiefenpsychologie ist schon sehr alt über 200 Jahre. Man kann argumentieren, das die PA keine Wirkung besäße. Dann sollte man auch erwähnen dürfen, das VT keine Therapie ist, sondern eine Verhaltensmodulation.
Faktisch gibt es in der BRD keine Psychotherapie mehr und der Ausspruch eines Prof. Eysenk wird Realität: Psychotherapie wirkt nicht. Daher kann man getrost alle Kosten für Psychotherapie einsparen, da Deutsche im Gegensatz zum Ausland keine Psyche (oder auch Seele genannt) haben. Es ist eben alles irgendwie somatisch und gehirnphysiologisch erklärbar und mit Medikamenten zu behandeln.
Die dt. Psychotherapie besteht modern aus drei Phasen: Aufnahmegespräch – Placebo – Entlassungsgespräch.
Wobei ein Placebo wissenschaftlich erwiesen mindestens genauso, wenn nicht wirksamer als ein Medikament ist.
Demnach besteht die dt. Orgontherapie modern auch aus drei Phasen:
Aufnahmegespräch – ORAC – Entlassungsgespräch.
Die Therapiedauer würde dann ca. 2 Stunden betragen.
Nun, es gibt natürlich auch die klassische Variante der Orgontherapie, die noch mehrere Jahre für die Therapie benötigt, aber so etwas wäre in Deutschland ja nicht nötig, da man die Blackbox der Psyche nicht unnötig überschätzen sollte.
Selbst Reich redete ja gegen Ende seiner therapeutischen Entwicklung nicht mehr von „Psycho-„, sondern Biotherapie zur Behandlung der Biopathie, statt Psychopathie.
Nun sicher wird diese moderne Sicht der „Psychotherapie“ nicht jedem gleich gefallen, aber man wird sich an alles gewöhnen können. Das Diplom wurde auch an den meisten Universitäten abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt.

O.: Zu mir ist nie etwas durchgedrungen, vielleicht habe ich auch erfolgreich nicht mehr zugehört. Und was über einen selbst geredet wird, soll man ja eigentlich nicht erfahren. Ich würde auch auf Gerüchte nichts geben, sondern eine Person selbst kennenlernen wollen. Respekt bekommt eine Person, wenn sie authentisch ist in meinen Augen, ohne sich mit falschen Titeln aufzublasen und mir ist der Status eines Menschen völlig egal.
Im Gegenteil kann ich diese „ich bin Orgonom“ Haltung, weil ich eine Ausbildung gemacht habe (was meist nicht stimmt), nicht leiden. Das ist klarer Etikettenschwindel, weil es diesen Titel überhaupt nicht gibt. Bei Reich kann man nachlesen, was ein Orgonom ist. Da könnte die auch sagen „ich bin ein Bion, ausgebildet unter dem Mikroskop“.
Ferner gibt es auch keinen, der sich rühmen könnte die Orgonomie zu vertreten, außer Herr Nasselstein, der seit vielen Jahren sich hierum bemüht und dies nur auf theoretischer und inhaltlicher Weise macht. Auch Herr Dr. Müschenich hat nicht den Ansrpuch erhoben, die Orgonomie zu vertreten. Die Wilhelm Reich Institutionen usw. in Deutschland sind esoterische Fakes! Sie sind inhaltlich eine Schande für Wilhelm Reich und von ihm nicht authorisiert worden. Sie folgen auch nicht den Grundsätzen von ihm. Jeder Mensch ungeachtet seines Berufes hat das gleiche Recht sich dieser Titel zu bedienen, nur haben diese mehr Anstand, dies nicht zu benutzen, als die, die es tun.

David: In dieser Gesellschaft kann man, Baker zufolge, eh nur mit Einschränkung ein genitaler Charakter sein, nur ein „funktioneller genitaler Charakter“, d.h. man würde nur unter denkbar guten Bedingungen wie ein mustergültiger genitaler Charakter funktionieren – wenn Schwierigkeiten auftreten, fiele man früher oder später in seine alten neurotischen Verhaltensmuster zurück.
Das mit dem Rückfall wird wohl tatsächlich so sein – ich muss auch daran denken, wie berichtet wurde, dass während des Oranur-Experiments Rückfälle körperlicher Erkrankungen – an der biologisch schwächsten Stelle – aufgetreten sind.

O.: Baker bleibt mir zu allgemein: Ich kann dann sagen, ja – er hat da Recht (Irgendwo und irgendwie).
1. Das Erreichen des Genitalen Charakters ist ein Abstraktum, ein Ideal, dass keiner erreichen kann.
2. „Unter denkbaren guten Bedingungen …“, Wo soll es so etwas geben? Wieder ein Abstraktum und Ideal.
3. Ein „fertig therapierter“ Mensch wird nicht in die alten neurotischen Muster zurückfallen, da er sich schon strukturell weiterentwickelt hat, sonst wäre die Therapie wirkungslos gewesen.
4. Der therapierte Mensch muss zurück in die Familie …(aber nicht unbedingt) und in die Gesellschaft und wird dieselben Bedingungen vorfinden, die ihn geprägt und krank gemacht haben. Günstigerweise hat er den Arbeitplatz gewechselt und sich einen besseren besorgt oder einen für ihn günstigeren Weg eingschlagen. Dennoch wird er sich wieder verhärten müssen und seine Panzerung aufbauen und auch als Erwachsener ist er nicht viel kompetenter als er es als kompetenter Säugling war. Eva Reich hat immer gewarnt vor einer Auflösung der Blockaden (Panzerung) bei Säuglingen und Kindern, da sie in die gleiche Umwelt zu ihren neurotischen Eltern zurückkehren und sich nur stärker panzern müssen, um zu überleben. Tendenziell trifft das auch jeden therapierten Klienten. Es muss also auch nach der Therapie eine jahrelange Nachsorge geben, darüber wurde noch nicht nachgedacht!
Das Oranurexperiment war ein Schock und traf unvorbereitet. Oranur auch im kleinen wird den Körper immer treffen – und die Therapie oder ein Erreichen des Genitalen Charakters würde nichts nutzen, wie es auch vor Gift nichts nützt. Es aktiviert alte Wunden und Schwächen, trifft an den schwächsten Stellen zuerst.
Diese Einflüsse haben wir heute dauerhaft. Die Frage wie wir uns davor schützen können, wird zu wenig gestellt und beachtet. Die überkommene Vorstellung, dass man durch Körpertherapie „härter“ wird und nicht mehr so sensibel gegen Oranureinflüsse, dürfte dem therapeutischen Ziel widersprechen.
Baker meinte wohl: Ein Mensch kann auch (Jahre) nach einer Therapie bei einer Krise – meist geht es um das Thema Liebe (Entzug und Zurückweisung) – wieder in dem für ihn typischen Muster reagieren. Er durchlebt dann, genau wie in der Therapie sein Drama neu und intensiv. Es ist zu hoffen, dass er hier wieder alleine rausfindet oder sich Hilfe holt. Dies ist ein normaler Vorgang, eine Therapie gibt nicht die Garantie, das man nicht mehr im Leben leiden muss. Der Mensch stellt sich wieder seinen Problemen neu und kann sie hoffentlich besser lösen.

Schmerz, Lust, Motivation, Emotion, Hauptwiderstand: Orgontherapie

19. November 2025

In der Orgontherapie gibt es zwei in den meisten Darstellungen vernachlässigte zentrale Elemente. Das erste Element verweist auf die Vergangenheit, d.h. auf den Grund, warum wir uns überhaupt abpanzern. Das zweite verweist auf die Zukunft, d.h. was an die Stelle der Panzerung tritt: das freie, lustvolle Strömen der organismischen Orgonenergie.

Meinem Spruchkalender zufolge hat der Kabarettist Anselm Vogt gesagt: „Er verfehlte die Lust, weil er den Schmerz vermeiden wollte.“ Genau dieser Mechanismus verursacht die Panzerung und erhält sie aufrecht. Beispielsweise sehen wir nicht die atemberaubende Schönheit dieser Welt und nehmen nicht am zwischenmenschlichen Dialog teil – an jenem grandiosen Roman, an dem die Menschheit seit Jahrtausenden kollektiv arbeitet –, weil wir schmerzvolle Dinge nicht sehen und nicht hören wollen. Das pulsierende Leben geht an uns vorbei. Stattdessen stolpern wir blind, taub und stumm durchs Leben und scheitern an ihm. Ein ganzes Leben verfehlt, nur weil wir einem kleinen, weil vorübergehenden Schmerz ausweichen wollten. Wir sind wie verschreckte Meeresmuscheln, die sich aus Angst nicht mehr öffnen. Menschen bleiben lieber ein ganzes Leben lang einsam und allein, nur weil sie vor dem Schmerz der Zurückweisung Angst haben. Ein „Ereignis“, das nur Sekundenbruchteile andauert. Wir nehmen lieber Jahrzehnte des Nachbarschaftsstreits auf uns, statt einmal (nämlich ganz zu Anfang) für ein oder zwei Minuten die offene Konfrontation zu suchen. Tatsächlich beruht fast unser gesamtes Rechtssystem darauf: daß die Menschen nicht ihr eigenes Leben in die Hand nehmen, sondern allem ausweichen und sich hoffnungslos verheddern – verpanzern. Die Orgontherapie will diesen sprichwörtlichen Gordischen Knoten durchschlagen.

Wie macht sie das? Nicht durch den Appell an Vernunft und Einsicht, wie man aus den obigen Ausführungen vielleicht schließen könnte, und erstrecht nicht durch „Körperarbeit“, sondern mittels Mobilisierung der organismischen Energie. Dies natürlich in einem sehr spezifischen Sinne, d.h. im Sinne einer Stärkung der Motivation. Nur eine entsprechend große Motivation bringt uns nämlich dazu, den kurzen Schmerz auf uns zu nehmen. „Denke nicht an die mögliche schmerzhafte Zurückweisung, sondern an die ungeheure Lust, die du in ihren Armen genießen wirst!“ – Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber es geht ja schließlich auch nicht um „Motivationstraining“ („Tsjakkaa – Du schaffst es!“), sondern um den Kern der Orgontherapie: die zielgerichtete Mobilsierung von Emotionen: „Die Mobilisierung der plasmatischen Strömungen und Emotionen ist (…) identisch mit der Mobilisierung von Orgonenergie im Organismus“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 472).

Nun, jeder Idiot kann Emotionen mobilisieren. Schließlich ist das das Metier der Politiker, die alle ihrem ungeschlagenen Meister Adolf Hitler nacheifern. Es bedarf eines Therapeuten, der weiß was er tut. Es bedarf jemanden, der sich in der Welt der Psychopathologie, in der Welt der Neurosen und Psychosen auskennt (ein Psychiater) und da Emotionen immer auch etwas Körperliches sind, sollte er selbstredend Arzt sein. Und es bedarf jemanden, der sich in der Funktionsweise der organischen Orgonenergie auskennt: es bedarf eines medizinischen Orgonomen.

Er ist beispielsweise in der Lage einen Wutausbruch des Patienten zu unterbrechen, weil die Wut nur eine in diesem Moment wichtigere Emotion, etwa das Weinen, am Ausdruck hindern soll, also nichts anderes als Abwehr ist. Er denkt funktionell, nicht mechano-mystisch („Der Ausdruck von Wut ist [an und für sich] gut!“). Der medizinische Orgonom ist nicht Teil der anti-autoritären Kultur, in der jeder (fast!) alles und das zu jedem Zeitpunkt ausdrücken darf – nur nicht seine wahren (im Zweifelsfall „faschistischen“) Gefühle. Der medizinische Orgonom mißachtet das zentrale Dogma der anti-autoritären Gesellschaft und fällt Werturteile, aber er wird niemals moralistische Urteile fällen. Beispielsweise wird immer klar sein, daß er Homosexualität als neurotisches Symptom betrachtet, aber er wird niemals einen homosexuellen Patienten moralisch abwerten. Oder mit anderen Worten: der Patient ist 100%ig in sicheren Händen; ihm wird gesagt, was er wissen muß, um zu gesunden, aber er wird niemals und unter keinen Umständen in seiner Integrität angegriffen. Stelle dich deinen Ängsten, versuche sie auszuhalten und werde du selbst und damit Teil dieser wunderbaren Welt. Alles andere, alles andere als Orgontherapie, ist bloße Zeitverschwendung und macht alles nur noch schlimmer. Die Lebensenergie, das Orgon, wurde entdeckt, sie folgt gewissen Gesetzmäßigkeiten, die der medizinische Orgonom kennt und die ausschließlich er therapeutisch nutzen kann.

Ein mir immer mehr ins Auge springendes Problem ist, daß Leute, die brotlose Fächer, etwa Politologie oder Ethnologie, studiert haben (der wirkliche Bedarf an neuen Politologen und Ethnologen pro Jahr läßt sich mit den Fingern einer Hand ablesen!), statt Taxifahrer zu werden, sich als „Reichianische“ „Körperpsychotherapeuten“ niederlassen – und unglaublicherweise auch noch Leute finden, die sie bezahlen. Würden die auch zu einem Automechaniker gehen, dessen einzige Ausbildung ein Studium der, sagen wir mal, Slawistik ist?! Natürlich nicht. Aber in Sachen menschlicher Emotionen hält sich wirklich jeder für einen Experten – und findet Anhänger. Lauter kleine Adolf Hitlers mit ihrem debilen Gefolge auf dem Weg ins Verderben!

All das Muskelquetschen und „Energiemobilisieren“ und „Charakteranalysieren“ bringt rein gar nichts, wenn nicht immer wieder und wieder der Patient mit seinem charakterlichen Hauptwiderstand konfrontiert wird, bis er ihn schließlich existentiell als Symptom erfährt und aufgibt. Orgontherapie ist nicht wildes Herumschreien und Ausleben verdrängter Emotionen, sondern wohldurchdachte „biopsychiatrische Chirurgie“, die ausschließlich von ausgebildeten und ständig supervidierten Spezialisten durchgeführt werden kann.

David Holbrook, M.D.: Über „das Ende der Welt“ / Die Fähigkeit zu weinen / Wie ein Vogel in der Serengeti-Ebene / Die Macht des Vermeidens / Das Prinzip der Liebe / Über die „Emotionelle Pest“ und den „emotionell pestilenten Charakter“ / Ein Weg zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden / Antagonismus, Unsicherheit und die Suche nach der Wahrheit

2. Februar 2025

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Über „das Ende der Welt“

Die Fähigkeit zu weinen

Wie ein Vogel in der Serengeti-Ebene

Die Macht des Vermeidens

Das Prinzip der Liebe

Über die „Emotionelle Pest“ und den „emotionell pestilenten Charakter“

Ein Weg zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden

Antagonismus, Unsicherheit und die Suche nach der Wahrheit

David Holbrook, M.D.: POSITIV BLEIBEN / WAHRHEIT / EMOTION UND VERNUNFT / KONTAKT, KERN, AUTORITÄT / LIEBE, ANGST UND WAHRHEIT

14. November 2024

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Wie ich „positiv bleibe“

Die Wahrheit aussprechen und nicht über die Wahrheit streiten

Emotion und Vernunft

Definitionen von „Kontakt“, „Kern“ und „Autorität“ und wie sie alle zusammenhängen können

Die Miterschaffung der Liebe

Zitternd vor Liebe und Angst

In der Liebe steckt mehr Wahrheit als im Haß

Platz in meinem Herzen

Das Paradox der Zerbrechlichkeit

„Entweder/Oder“ und ihr “gemeinsames Funktionsprinzip“

Der Rote Faden (Band 2): 63. Ad hominem

22. Januar 2024

DER ROTE FADEN (Band 2): 63. Ad hominem

nachrichtenbrief197

21. März 2021

David Holbrook, M.D.: „WORTSPRACHE“: CHARAKTERANALYSE IN DER FRÜHPHASE EINER MEDIZINISCHEN ORGONTHERAPIE (Schlußfolgerung)

14. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

„Wortsprache“: Charakteranalyse in der Frühphase einer medizinischen Orgontherapie (Schlußfolgerung)