DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE
Charles Konia: Orgontherapie (Teil I: Die psychosomatische Beziehung) (Teil 1)
DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE
Charles Konia: Orgontherapie (Teil I: Die psychosomatische Beziehung) (Teil 1)
Dr. Vittorio Nicola: Angst in der Orgontherapie, ihre Bedeutung und ihre Behandlung. Ein Fallbericht
Peter A. Crists Aufsatz „What is the Emotional Plague? A Brief Introduction“ (S. 70-77) wurde in deutscher Übersetzung auf Dr. Vittorio Nicolas Netzseite veröffentlicht.
Hier die beiden Filme, bzw. die TV-Serie, die im Aufsatz eine Rolle spielen:
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Eine der Grundfragen der Orgonomie ist, warum bereits ungepanzerte Babys (!), dann Kinder, Jugendliche und schließlich reife und intellektuell integere Erwachsene lieber auf das orgastische Glück verzichten als den schmerzhaften Kampf für das eigene Lebensglück aufzunehmen. Reich hat dazu gesagt:
Kinder schrecken, sosehr sie ihre vegetative Lebendigkeit und Freiheit ersehnen, selbst davor zurück und begeben sich freiwillig ins Joch der Unterdrückung ihrer Regungen, wenn sie eine entsprechende Umgebung finden, in der sie ihre frische Lebendigkeit relativ konfliktlos ausleben können. Es ist einer der großen Geheimnisse der Massenpsychologie, daß der Durchschnittsmensch, das Durchschnittskind, der durchschnittliche Jugendliche weit lieber die Resignation auf Glück auf sich nehmen, wenn der Kampf um Lebensfreude allzuviel Schmerzen verursacht. Eine Propaganda des Glücks ohne Verständnis und Herstellung der psychischen und sozialen Voraussetzungen eines lebendigen Lebens bliebe somit ödes Gerede. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 271)
Es ist die Angst vor dem kurzen heftigen Schmerz, der uns in ein Leben voller kleinerer Schmerzen treibt. Wir leiden beispielsweise an der Einsamkeit, die uns eine Ewigkeit kleiner Schmerzen bereitet aus katastrophisierender Angst vor einer bedeutungslosen Zurückweisung, die in unserer Phantasie über alle Maßen schmerzen wird. Diese Angst hält uns in unserem Panzer gefangen. Es ist, ganz banal, die durchaus natürliche und rationale Angst vor Schmerz.
Was tun? Gegen Angst (Kontraktion) hilft nur Lust (Expansion)! Ganz banal muß man die (ohnehin meist vollkommen unbegründete!) Angst vor dem zukünftigen Schmerz vertreiben, indem man an die zukünftige Lust denkt.
Die Angst vor heftigen Schmerzen ist der Grund, warum die Menschen vor der Orgonomie fliehen und warum „Orgonomen“ nie die volle Dosis Orgonomie nehmen, sondern sich lieber verwässerten „Reichianismen“ zuwenden. Die diversen angeblich „esoterischen“ Schulen gründen auf das gleiche Zurückschrecken vor dem Schmerz, aber sie bewahren vor der Resignation und dem dauernden kleinen Schmerz, und geben so die Illusion, den Kampf wirklich aufgenommen und bestanden zu haben. Deshalb ist der Mystizismus die größte Gefährdung der Orgonomie, denn er verspricht Lebensglück ohne Anstrengung und ohne Schmerz, d.h. ohne Orgasmusangst, d.h. ohne die Angst von der eigenen Lebensenergie zersprengt zu werden, so wie das Küken die unnachgiebige Eierschale zersprengt.
Der berühmte Finanzexperte Marc Faber führt die gegenwärtige trotzlose Wirtschaftspolitik auf den gleichen Mechanismus zurück, mit dem sich die Orgontherapeuten tagtäglich bei ihren Patienten herumplagen müssen:
Die USA benötigten einige Schmerzen, sagt er, treffend vorexerziert durch die Sparmaßnahmen in der Eurozone, die mit gemischten Erfolg die klaffenden Haushaltsdefizite einzudämmen versuchen. „Das wird Schmerzen verursachen und es werden sehr erhebliche Schmerzen sein. Die Frage ist“, so Faber, „ob wir jetzt geringere Schmerzen durch Sparmaßnahmen auf uns nehmen oder stattdessen einen völligen Zusammenbruch der Gesellschaft in fünf bis zehn Jahren riskieren“, und er fügt hinzu, daß es einen Mangel an politischem Willen gäbe, um den US-Haushalt in den Griff zu bekommen. Faber weiter: „In einer Demokratie, werden sie den Schmerz nicht auf sich nehmen, sie werden die Probleme vor sich herschieben, so daß sie immer größer und größer werden.“ (…) „In der westlichen Welt, einschließlich Japan, ist das Problem“, so Faber, „daß wir zu viel Schulden haben und daß die Schulden jetzt irgendwo und irgendwie zurückgezahlt werden müssen oder es wird das Wirtschaftswachstum verlangsamen.“ „Ich denke, wir lebten von 1980 bis 2007 über unsere Verhältnisse und jetzt ist es Zeit die Rechnung zu begleichen.“
Die Menschen werden die notwendigen und unabwendbaren Austeritätsmaßnahmen (deren einzige Alternative der vollkommene Kollaps der Wirtschaft und damit sämtlicher sozialer Absicherungen ist!) nur auf sich nehmen, wenn es eine politische Führung gibt, die eine bessere Zukunft (Lust) glaubhaft macht. Dies wird durch die Emotionelle Pest hintertrieben, die aktuell immer neue „soziale Ungerechtigkeiten“ aufdeckt und gleichzeitig alle Zukunftshoffnungen in einem nicht enden wollenden Schwall aus Sarkasmus erstickt.
Anfang der 1980er Jahre wurde mir von gutinformierter Seite gesteckt, daß etwa eineinhalb Jahrzehnte zuvor, der damals berühmteste deutsche Psychoanalytiker (ja, genau der!) persönlich beim Verlag Kiepenheuer & Witsch interveniert hatte, um den Druck von Reichs Büchern in Deutschland zu verhindern. Woher diese Abgründe von Haß bei Leuten, die Toleranz und Rationalität wie eine Monstranz vor sich hertragen?
Intuitiv erahnen sie, daß Reich gleichbedeutend mit ihrem Ende, bzw. dem Ende ihrer absurden Profession ist.
Sagen wir, ein Mensch kommt zu ihnen wegen einer Spinnenphobie. Sie werden alles tun, um das „infantile Ich“ (nur Kinder haben Angst vor Spinnen!) zu stärken. Mit anderen Worten, sie werden ihren Patienten dabei behilflich sein, sich noch mehr abzupanzern, den „Loch im Panzer“ wieder zu schließen, auf daß sie sich wieder als brauchbare Roboter in die gepanzerte Gesellschaft einfügen.
In der Psychoanalyse findet Angst sozusagen „im Ich statt“. Es ist ein Warnsignal gegen verbotene Triebe und kann nur bewältigt werden, wenn, wie gesagt, das Ich in der Therapie gestärkt wird. Entsprechend, gelinde gesagt, merkwürdig wirken Psychoanalytiker und ihre Patienten.
Die Psychoanalyse beruhte zwar ursprünglich auf der Libidotheorie, doch endete sie damit, daß ein „souveränes Ich“ Lust im Namen der „Kultur“ von sich weist, bzw. sozusagen „Lustprämien“ bilanziert.
Letztendlich haben wir ein „Kontrollzentrum“ vor uns, in das, wie bei einem Roboter, Signale eingehen und verarbeitet werden.
Die psychoanalytische „Therapie“ dreht sich darum, die Vergangenheit, imgrunde einen zweidimensionalen Film, zu „analysieren“ und entsprechende infantile Triebregungen zu verurteilen. Ein Zuschauer, der Signale verarbeitet.
Die Orgontherapie ist grundsätzlich andersgeartet: Angst und Lust sind keine „Signale“, sondern die beiden grundlegenden Körperströmungen (Kontraktion und Expansion). Es dreht sich alles um das dreidimensionale Hier und Jetzt.
Der Körper panzert sich gegen Angst ab, d.h. die Atmung wird zurückgehalten und die Muskeln angespannt, um die Intensität der Angst so weit wie möglich zu drosseln. Eine andere Möglichkeit liegt darin, gegen die Angst mit Gewalt sozusagen „kontraphobische“ Gefühle zu aktivieren. In die gleiche Kategorie fällt die intellektuelle Abwehr: wir nehmen eine „skeptische“ Haltung ein, relativieren die Bedeutung von Ereignissen, lenken bewußt unsere Aufmerksamkeit auf irrelevante Nebensächlichkeiten, etc. Nicht zuletzt wenden wir die Aufmerksamkeit von der Gegenwart auf eine imaginäre kindliche Vergangenheit, die „psychoanalytisch“ aufgearbeitet wird.
All das hilft zweifellos kurzfristig, doch tatsächlich verschärft es das Problem, denn die Energie hinter dem Affekt staut sich immer weiter auf, bis sie irgendwann dramatisch durchbricht, was dann zu neuen derartigen Interventionen führt und immer so weiter, bis der Organismus schließlich unter der Last dieses grausamen Spiels kollabiert.
„Echte“ Heilungen erfolgen in der Psychoanalyse nicht wegen, sondern trotz ihrer Techniken. Sie erfolgen, weil der Therapeut trotz seiner wirren Theorien kontaktvoll genug ist, den Patienten erst einmal reden zu lassen, was diesem ermöglicht in Kontakt mit seinen Emotionen zu treten. Bioenergetischer Kontakt ist, entgegen allen gottverfluchten „Reichianischen“ kontaktlosen „Körpertherapeuten“, der effektivste Weg, Panzerung zielgerichtet aufzulösen und so den pathogenen Energiestau aufzulösen.
Katharina Kircanski (University of California, Los Angeles) et al. konnten einen Effekt für Arachnophobiker nachweisen, der bereits für andere psychische Störungen verifiziert worden war: bloßes Reden über Probleme und negative Gefühle vermindert deren Gewicht (Druck?).
In der Studie wurden 88 Menschen untersucht, die eine starke Angst vor Spinnen zeigten. Nachdem sie im realen Leben mit ihrer Spinnenphobie konfrontiert worden waren, setzte man sie vor Bildschirme auf denen entsprechende Spinnen gezeigt wurden. In diesem Fall ganz besonders eklige haarige Vogelspinnen.
Die Probanden wurden in vier Gruppen eingeteilt und ihnen jeweils folgende Anweisung gegeben:
Zum Abschluß befragten die Wissenschaftler die Probanden erneut nach ihrer Angst vor den Spinnen. Die Ergebnisse der Befragung sowie die körperliche Anspannung beim Betrachten der Bilder zeigten eine deutlich verminderte Spinnenangst für Probanden, die ihre Empfindungen laut formuliert hatten. Entsprechend trauten sie sich auch näher an die Vogelspinne heran. Der geringste positive Effekt war bei denjenigen zu beobachten, die über Einrichtungsgegenstände gesprochen hatten, sich also von ihrer Angst abgelenkt hatten. (Hervorhebungen hinzugefügt)
All das heißt nicht, daß die Erkenntnisse der Psychoanalyse, aus der die Orgontherapie schließlich erwachsen ist, null und nichtig sind. Der Punkt ist, daß sie, beispielsweise der Ödipuskomplex oder die Entwicklung der Libido, in der Psychoanalyse selbst durch immer kompliziertere Theorien hoffnungslos überwuchert sind.
Was von der Psychonalyse nachwievor brauchbar ist, findet sich, zum Schrecken „orgonomischer“ Puristen, in Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle. Auch daß Myron Sharaf in seiner Reich-Biographie Fury on Earth Reichs Leben psychoanalytisch aufgeschlüsselt hat, ist akzeptabel. Was auf keinen Fall akzeptabel ist, daß Therapeuten ihre Patienten helfen wollen, indem sie sie weiter von ihren Gefühlen im Hier und Jetzt entfremden und ihnen die abstrusen Deutungen irgendwelcher „Schulen“ aufzwingen. Daß die Kassen diesen „tiefenpsychologischen“ Unsinn finanzieren, ist ein Skandal.
Der Ökonom und Psychoanalytiker Mark Stein von der University of Leicester School of Management hat in einer Studie dargelegt, daß die Ökonomien des Westens im 20 Jahre andauernden Vorlauf zur Kreditkrise von 2008 das gleiche manische Verhalten aufwiesen wie bestimmte psychisch gestörte Menschen. Ökonomen und Politikern sei eine „Kultur der Manie“ gemeinsam gewesen, die gekennzeichnet war durch Verleugnung, Allmachtsphantasien, Triumphalismus und Überaktivität. Genau wie bipolare Patienten in der manischen Phase wurde jede Vorsicht in den Wind geschlagen. Ohne Rücksicht auf das Risiko wurde Geld verliehen bzw. geliehen. Stein warnt:
Solange die manische Natur der Reaktionsweise im Vorfeld von 2008 nicht erkannt wird, kann sich die gleiche ökonomische Katastrophe erneut zutragen.
Alle allzu deutlichen Warnhinweise und die Erfahrungen des Zusammenbruchs der japanischen Ökonomie von 1991 (von dem sich Japan bis heute nicht erholt hat!) und der südostasiatischen Krise von 1998 wurden ignoriert. Die politischen und ökonomischen Führungsetagen hätten, so Stein, unisono auf derartige Einbrüche mit ausgesprochener Angst reagiert. Statt jedoch ihre Lektion zu lernen, hätten sie manisch und auftrumpfend reagiert, um die Überlegenheit ihrer eigenen Ökonomien zu zeigen. Es wurde fleißig dereguliert und Geld in hochriskante Kreditgeschäfte investiert.
Stein bringt das ganze mit den Triumphgefühlen des Kapitalismus nach seinem Sieg über den Kommunismus Ende der 1980er Jahre in Zusammenhang. Doch wer damals das Geschehen verfolgt hat, wird sich erinnern, daß diese Zeit ganz im Gegenteil von einem verstörenden Mangel an Triumphgefühlen gekennzeichnet war, wie sie für einen „Sieger“ nur natürlich gewesen wären. Was wir tatsächlich beobachten sind die langsam aber sicher zum tragen kommenden Auswirkungen der antiautoritären Gesellschaft, die sich seit etwa 1960 formiert.
Sowohl bei den Individuen als auch in der Gesellschaft hat die Panzerung nachgegeben, was zu einem erhöhten Angstniveau geführt hat, dem mit einem manischen Verhalten gegengesteuert wird, da gleichzeitig die Fähigkeit abgenommen hat Angst auszuhalten, d.h. in der muskulären Panzerung zu binden. Je größer die Krise, desto „verrückter“ das Verhalten. Daher der Kult der Expansion, den wir gegenwärtig insbesondere in der Wirtschaftspolitik Obamas und der der Eurozone beobachten können. Liest man Zeitung, bekommt man den Eindruck man habe es mit durchgeknallten „Junkies“ zu tun.
Die Verbindung zum manisch-depressiven bzw. „bipolaren“ Verhalten, wie es die Psychotherapeuten aus ihrer Praxis kennen, ist offensichtlich. Der manisch-depressive Charakter leidet unter einem „unbefriedigten oralen Block“, was, wenn dieser und mit ihm die Depression nachgibt, zu einer Überschwemmung des okularen Segments mit Erregung und damit zum entsprechenden quasi psychotischen manischen Verhalten führt. Das geschieht, weil der Wegfall der körperlichen (in diesem Fall oralen) Panzerung durch eine um so stärkere okulare Panzerung kompensiert werden muß.
Die Verbindung zwischen Panzerstruktur und Ökonomie ist sehr weitreichend, denn Kreditvergabe und Kreditaufnahme, die den Kern des Kapitalismus ausmachen, sind funktionell identisch mit der Fähigkeit des Organismus eine angemessene bioenergetische Ladung und d.h. einen angemessenen Wechsel von Ladung und Entladung aufrechtzuerhalten. Bricht die Panzerung zusammen, verliert der Organismus diese Fähigkeit. Das sieht man in der heutigen Gesellschaft, wo die Menschen zunehmend weniger körpergepanzert, dafür aber immer mehr okular gepanzert sind: Spannung (Ladung) wird nicht mehr ertragen zw. kurzschlußartig in „Manie“ umgesetzt. Lehrer, Jugendbetreuer, Personalmanager wissen wovon ich spreche.
Diese bioenergetischen (und nicht nur, wie Stein glaubt, tiefenpsychologischen) Zusammenhänge finden ihren unmittelbaren Niederschlag in der Ökonomie, d.h. konkret in der Kreditaufnahme und –abgabe. Bioenergetische Ladung („Geld“) kann nicht mehr gehalten werden, sondern beginnt buchstäblich „zu fließen“ in einer Art Keynesianischen (krypto-Gesellianischen) Alptraum. Es ist ungefähr so wie in einem „enthemmten“ Swingerparadies, wo jeder Anflug von sexueller Spannung als Angst verspürt wird und sofort triebhaft abgeführt werden muß.
Der Orgonenergie-Haushalt der Wirtschaft selbst ist grundlegend gestört. Linke sprechen in diesem Zusammenhang von „Casino-Kapitalismus“, während Rechte beispielsweise im Sinne der katholischen Soziallehre an die Moral appellieren. Tatsächlich haben wir es jedoch mit bioenergetischen Vorgängen zu tun, die psychoanalytisch geprägte Denker wie Stein zumindest erahnen.
Charles Konia hat die entsprechenden wirtschaftlichen Vorgänge wie folgt orgonometrisch dargestellt:
[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=BOHwqdv20E0%5D