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Ein orgonomisch-funktionalistischer Blick auf den Strafvollzug

14. Juli 2014

Wir alle stecken in jeweils unserem eigenen Gefängnis, dem Gefängnis unserer Panzerung. Sie verhindert, daß wir uns auf Kosten unserer Mitmenschen „ausleben“, aber leider verhindert sie auch, daß wir das Leben in vollem Umfang genießen können. So war es jedenfalls noch vor 20, 30, 40 Jahren. Heute, in der anti-autoritären Gesellschaft, geht die erste Funktion der Panzerung zunehmend flöten und die Rücksichtslosigkeit nimmt zu. Gleichzeitig wird die zweite Funktion immer prononcierter, d.h. die Menschen werden immer unzufriedener und „unbefriedigbarer“.

Damit ist die (Schein-) Rationalität der Panzerung vollends weggefallen und die unaufhebbare Irrationalität einer gepanzerten Gesellschaft tritt immer schärfer vors Auge – jener, die sehen können. Dies um so mehr, als selbst die „richtigen“ Gefängnisse, die aus Stahl und Beton, in Frage gestellt und Täter immer mehr zu den „wahren Opfern“ erklärt werden. Wir sind Zeuge dessen, was passiert, wenn die Panzerung auf chaotische Weise wegbricht. In den Individuen verlagert sich das Blockieren der Energie vom Körper („Muskelpanzer“) immer mehr auf das Gehirn („Augenpanzer“) und parallel dazu, d.h. auf Grund der daraus resultierenden Kontaktlosigkeit, brechen auch in der Gesellschaft alle Dämme. Beispielsweise wird Deutschland zu einem „Einwanderungsland“ erklärt – für Menschen, die niemals in Kanada oder Australien einwandern dürften. Die „Festung Europa“ müsse geschleift werden!

Wo man hinsieht, der schiere Wahnsinn. Aber dank des Mangels an funktionellem Denken hat der Wahnsinn Methode. Man betrachte nur die höchstrichterliche Entscheidung, die den Staat dazu zwang, Sicherheitsverwahrte auf die Bürger loszulassen; man denke nur an den Serien-Vergewaltiger Adolf J. (damals 37), der wegen eines Formfehlers aus der Haft entlassen worden war und später nach letztinstanzlicher Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe endgültig auf freien Fuß gesetzt wurde.

Gutachter halten ihn weiter für hochgefährlich: Weil er als Kind auf den Kopf fiel, funktionieren bei Adolf J. die Hirnareale für Triebsteuerung, Hemmschwelle und Mitleid nicht mehr!

In Glossar von www.orgonomie.net wird „Gefängnis“ wie folgt definiert:

Ersatz für die Panzerung, die den „Kriminellen“, „Süchtigen“ oder „Perversen“ fehlt. Sie können ihre Sekundären Triebe nicht „einsperren“, so daß sie selbst „eingesperrt“ werden müssen.

Diese Definition geht zurück auf den amerikanischen Orgonomen Dr. Charles Konia.

www.theemotionalplague.com

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Der Psychiater Frank Schneider konnte gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren im Rahmen einer empirischen Studie zeigen, daß sage und schreibe 88% der inhaftierten Straftäter an einer psychischen Erkrankung oder an einer Persönlichkeitsstörung leiden.

Vor dem Hintergrund eines Zusammenhangs zwischen unbehandelten psychischen Störungen, wobei vor allem Suchterkrankungen mit Deliktrückfallgefahr eine hervorgehobene Rolle spielen, fordert Professor Schneider gemeinsam mit den beteiligten Forschern den Aufbau adäquater Beratungs- und Behandlungsangebote für diese Menschen.

Kriminalität geht nicht auf unser „unmenschliches Wirtschaftssystem“ zurück. Eine vulgär-marxistische These, die im übrigen eine einzige Beleidigung für Menschen ist, die aus der Unterschicht stammen! Es ist letztendlich ein charakterologisches bzw. sexualökonomisches Problem.

Wie jedes andere neurotische Symptom geht Kriminalität auf ein Versagen der Panzerung zurück. Sie ist nicht mehr in der Lage, die sekundären Triebe in Schach zu halten. Die Lösung kann deshalb langfristig nur darin liegen,

  • die Bildung von Panzerung auf Massenbasis zu verhindern (Reichs Projekt „Kinder der Zukunft“),
  • die Gesellschaft mit Hilfe von Gefängnissen und Psychiatrien vor jenen zu schützen, die ihre neurotische Destruktivität nicht selbst kontrollieren können und schließlich
  • die Ersetzung des moralistischen Gedankens von „Schuld und Sühne“ durch eine strikt psychiatrische Herangehensweise: Straftäter müssen solange (und nur so lange) von der Gesellschaft isoliert werden, bis sie ihre emotionalen Probleme zumindest soweit im Griff haben, wie der Rest der Bevölkerung.

Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 1)

28. Mai 2012

Wie bereits in dem Blogeintrag Ein orgonomisch-funktionalistischer Blick auf den Strafvollzug erwähnt, beruht jedes neurotische Symptom auf einem Versagen der Panzerung. Das ist so im sozialen Bereich (Beispiel Kriminalität), im psychischen Bereich (Beispiel Panikattacke) und im somatischen Bereich (Beispiel Rückenschmerzen). Selbstverständlich bezieht sich das alles ausschließlich auf soziale, psychische und somatische Biopathien, nicht etwa auf Kriminalität aufgrund objektiver sozialer Chancenlosigkeit oder weil imgrunde rationales Verhalten kriminalisiert wird, nicht auf Erbkrankheiten, Krankheiten infolge von Vergiftungserscheinungen, Unfälle, Infektionen, etc.

Reich zufolge erfolgt Heilung, indem den Symptomen die Energie entzogen wird. Diese geregelte Energieökonomie ist wiederum nur durch Auflösung der Panzerung möglich. Deshalb ist Gesundheit funktionell identisch mit orgastischer Potenz. Die konventionelle Herangehensweise ist in jeder Hinsicht naheliegender: die Panzerung versagt, folglich muß sie verstärkt werden. Auf gesellschaftlicher und individualpsychologischer Ebene werden neue Regeln aufgestellt bzw. alten Regeln Nachdruck verliehen, während in der Medizin Symptome medikamentös unterdrückt werden.

Einer der Hauptmechanismen, die zur Anwendung kommen, ist die Kontrolle der Atmung. Das neurotische Gleichgewicht ganzer Kulturen beruht darauf, insbesondere das Indiens.

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Wie in Psychischer Kontakt und vegetative Strömung erläutert, geht die Wirkung von Psychopharmaka weitestgehend auf eine chemisch induzierte Atemsperre zurück oder das Erregungsniveau wird auf andere Weise gesenkt. Das Gehirn wird dann nicht mehr von überbordenden Erregungen in Verwirrung gestürzt bzw. von „depressiogenen Gedanken“ oder Zwangsgedanken überflutet.

Unser gesamtes gesellschaftliches System beruht darauf, daß auf ein Versagen der Panzerung mit zusätzlicher Panzerung, sozusagen „nachgeschobener Panzerung“ reagiert wird. Das ist nicht in jedem Fall zu verurteilen, denn wie anders etwa mit Triebmördern umgehen, als sie webzusperren? Was bleibt einem Psychiater anderes übrig, als einen unter unerträglichen Panikattacken leiden Patienten die entsprechenden Medikamente zu verschreiben und/oder ihn gegebenenfalls in eine Verhaltenstherapie zu schicken? Welche andere Alternative hat ein Hausarzt, als die störenden Symptome seiner Patienten sozusagen zu „kupieren“?

Realistisch betrachtet gibt es meist keine Alternative, allenfalls könnten in ferner Zukunft diese mechanistischen Maßnahmen durch funktionelle Interventionen weitgehend verdrängt werden, wie ich sie beispielsweise hier und hier beschrieben habe.

Problem ist auch, daß nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden wird. Es gibt viele Menschen, die nichts im Gefängnis verloren haben, weil ihre Straftaten Folge davon waren, daß sie einfach ihren natürlichen Instinkten gefolgt sind. Reich erwähnt in diesem Zusammenhang angebliche „Sexualstraftaten“ von Jugendlichen. Ein weiteres Beispiel wäre m.E. Strafen für Leute, die angeblich den Notwehrparagraphen mißbraucht haben.

Was die Medizin betrifft, werden heute ganz normale Verhaltensweisen pathologisiert. Man denke etwa daran, daß „hyperaktive“ Kinder mit der Droge Ritalin ruhiggestellt werden, so als wäre es die natürlichste Sache der Welt, daß Kleinkinder den ganzen Tag bewegungslos rumsitzen. Ganz ähnlich sieht es in der Praxis des Allgemeinmediziners aus, der den Körper medikamentös ruhigstellt, wenn dieser gegen unerträgliche Lebensumstände mit den entsprechenden somatischen Symptomen – imgrunde vollkommen gesund, nämlich realitätsgerecht reagiert.

Auffallend ist, daß in der modernen antiautoritären Gesellschaft die Pathologie immer weiter zuzunehmen scheint. Die Kriminalität ist dermaßen angestiegen, daß Dinge, wegen denen man früher noch zur Polizei gegangen ist, heute mit einem Achselzucken hingenommen werden. Immer mehr Menschen sind manifest psychisch auffallend. Der Verbrauch von Psychopharmaka und illegalen Drogen ist dermaßen angestiegen, daß wir es mittlerweile mit einem veritablen Umweltproblem zu tun haben. Auch körperlich scheint es den Menschen immer schlechter zu gehen. Ein Land voller Halb- und Vollinvaliden!

Diesen auffälligen Wandel kann man mit folgenden Funktionsschemata erklären:

Das erste Funktionsschema beschreibt die alte, autoritäre Gesellschaft und den individuellen Organismus im neurotischen Gleichgewicht. Die nach außen drängenden Antriebe (a) werden von den abwehrenden Antrieben (b) in Schach gehalten. Resultat ist eine Affektsperre (c). Selbstverständlich hat es nie eine solche Gesellschaft und solche Individuen gegeben, aber die sprichwörtliche „Adenauerära“ und beispielsweise der gegenwärtige Papst kommen diesem „Ideal“ ziemlich nahe – solange man nicht genauer hinschaut.

Bei der heutigen, der antiautoritären Gesellschaft und ihren Gliedern braucht man nicht genauer hinschauen. Wie im zweiten Funktionsschema dargestellt, versagt die Abwehr (b) auf ganzer Linie und es kommt wie eingangs beschrieben zum Durchbruch aller möglichen und „unmöglichen“ Symptome (d). Man braucht nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen: ein Irrenhaus, lauter Psychos und Hypochonder. Das ist so, weil im Verlauf der gescheiterten „sexuellen Revolution“, d.h. seit etwa 1960, es zu einer chaotischen Auflockerung der gesellschaftlichen und individuellen Panzerung gekommen ist. Energien, die früher in traditionellen Verhaltensregeln, im „Konservatismus“ der Gesellschaft und der Individuen, gebunden waren, treten als bizarre Symptome in Erscheinung.