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Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 7)

13. August 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 7)

Besprechung der Anthologie DAS LSR-PROJEKT

9. August 2024

Das neue Laska-Buch ist da!

Irgendwie fehlt das „Abstract“ zum LSR-Projekt. Man weiß nicht recht, worauf man sich einläßt und worauf man achten soll. Das scheint mir generell das Problem zu sein, wenn man „so allein vor sich hin tüftelt“: daß man sozusagen sich die Sahnestücke für zuletzt aufbewahren will – es fehlt der heilsame Zwang die Zusammenfassung an den Anfang der Arbeit zu stellen. Der Autor sitzt zuhause und reibt sich genüßlich die Hände bei der Vorstellung, wie der Leser jene Landschaft durchschreitet und in sich organisch aufnimmt, die der Autor für ihn geschaffen hat, um ihn zu ganz bestimmten Ausblicken zu führen. Und wie fühlt sich der Leser? WENN er überhaupt angefangen hat, das unbeschilderte Land zu betreten, d.h. zu lesen, fühlt er sich als würde er durch ein sinnlosen finsteren Irrgarten stolpern, wobei er sich ständig fragt: „Was mach ich hier eigentlich? – und was soll das ganze überhaupt?“

Also: zuerst die Resultate präsentieren! Auch wenn es weh tut: „Perlen vor die Säue werfen!“, „Jetzt verpufft meine hart erarbeitete Wahrheit!“ Die gleich am Anfang präsentierten Früchte kann der Leser wohl nicht würdigen, vielleicht nicht mal verstehen, aber er weiß, worauf er bei der Lektüre achten soll. Zumindest sollte man erklären, was man mit ihm vorhat.

Ein solches „Abstract“ liegt nun mit dem von dem Würzburger Philosophen Dr. Christian Fernandes herausgegebenen Laska-Anthologie Das LSR-Projekt vor.

Man erlaube mir einen eigenen kleinen Versuch:

Begriffe wie „Selbstsucht“, „Egoismus“, „Eigensinnigkeit“, „Sichgehenlassen“ haben zu recht einen denkbar schlechten Leumund. Gleichzeitig erweist sich jedem denkenden und historisch versierten Menschen „die Gesellschaft“, an die man sich anpassen soll, um nicht „selbstsüchtig“, „rücksichtslos“ etc. zu sein, als denkbar „irrational“, im Sinne von destruktiv, verblendet und dem sicheren Untergang geweiht. Jeder Mensch, der in dieser Gesellschaft aufwächst und durch sie „enkulturiert“ wird, verinnerlicht vom Tage seiner Geburt an diese Irrationalität, so daß seine vermeintliche „Eigensinnigkeit“ schließlich nur Ausdruck dieser Irrationalität sein kann. Die Irrationalität wird dadurch verdoppelt, daß die als „Über-Ich“ verinnerlichten gesellschaftlichen Gebote, das bekämpfen sollen, was es ohne sie gar nicht gäbe. Genau das bezeichnet Bernd A. Laska als „irrationales Über-Ich“. Potenziert wird diese Irrationalität dadurch, daß durch die Bildung des „irrationalen Über-Ich“ die Selbstregulierung jedes Einzelnen durch ein „rationales Über-Ich“ (schlichtweg Rücksicht auf andere gemäß der im ungestörten Sozialverkehr jedem sich von selbst evident werdenden Goldenen Regel) unmöglich gemacht wird.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 147)

6. August 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

So gut wie alles, was seit 1845 über Max Stirner geschrieben wurde, also über sein Buch Der Einzige und sein Eigentum, ist für die Tonne. Allgemein ist es einfach nur abstoßend, wie sich irgendwelche Sonderlinge in ihrer „Einzigkeit“ wälzen, einem radikalen Nominalismus frönen, über „das Nichts“ meditieren und sich an ihrer eigenen Bilderstürmerei berauschen. All die Bibliotheken die seit fast 200 Jahre mit diesem Zeugs gefüllt wurden, sind allenfalls zu einem einzigen gut: das dingfest zu machen, dem nicht nur alle ausgewichen sind, sondern das durch diese Papierflut auch auf ewig unerreichbar begraben werden sollte.

Was ist am Grunde des Berges, im Zentrum, weit unten unter dem Gipfel des Papierhaufens, sozusagen die geheime Grabkammer des Pharaos? Es ist der Kern von Stirners Nominalismus. Sein „Nominalismus“ bedeutet, daß es keine „abstrakten Objekte“ gibt, d.h. Begriffe bloße Werkzeuge sind, unsere Werkzeuge – und keinerlei Macht über uns haben sollten. In der amerikanischen Fassung der Massenpsychologie des Faschismus hat Reich ein ganzes Kapitel darüber geschrieben: darüber wie aus unseren Werkzeugen unsere Herrscher wurden. Letztendlich geht es um die Panzerung, deren psychischer Aspekt das Über-Ich ist.

Es geht darum, daß wir uns nicht mittels eines bloßen Willensaktes aus dieser imgrunde lächerlichen Sklaverei befreien können, sondern „nur“ darum, (1.) uns unserer Situation bewußt zu werden und (2.) entsprechend ZU HANDELN, was vor allem heißt, jede Generation so aufwachsen zu lassen, daß sie wirklich „eigener“ sind als die jeweils vorausgehende Generation. Es geht um ein Reha-Programm nach 6000 Jahren in einem psychiatrischen Horrorhospital.

Stirner bedeutet eben nicht, daß, frei nach Hume, die Seele keine Substanz hat, d.h. nur Oberfläche ist, oder ähnlich wie bei Nietzsche alles nur wesenlose Worte und Handlungen sind („Alles ist nur Maske und nichts außerdem!“), wir also wie bei einer CSD-Umzug unsere geschlechtliche Identität frei wählen können, sondern Stirner verweist auf eine Realität hinter dem Virtuellen: die Maske verweist auf einen Maskenträger. Mit anderen Worten: die Wirklichkeit ist nicht so wie sie nun mal halt ist, Nietzsches „Amor fati!“, sondern es herrscht der Große Verdacht, daß zwar alles falsch ist, sich aber hinter der Lüge eine Wahrheit verbirgt.

Das erinnert etwas an Marx‘ Wert- und Fetisch-Theorie: die Preise fluktuieren zwar, aber das ist nicht die wirkliche Wirklichkeit, denn sie hängen mit wenig flexiblen sozusagen „Gummibändern“ vom Wert ab, entsprechend leben die Menschen nicht unbekümmert in einer schönen Warenwelt, sondern waten tatsächlich durch das Blut der den Arbeitern abgepreßten Lebenszeit, die den Wert der Waren bestimmt. Das entspricht ziemlich genau Stirners „Gespinsten“, die die Menschen davon abhalten, die wirkliche Wirklichkeit zu sehen. Bei Nietzsche gibt es keine wirkliche Wirklichkeit, sondern nur die Aktualität, nur Oberfläche, nur „Willen zur Macht“ (das eben kein metaphysisches Konzept ist!). Das zu erkennen, ist der „Große Mittag“: du erkennst, daß alles so ist, wie es ist (Amor fati) und ewig so wiederkehren wird, weil es nichts weiter gibt als das Puzzle der Wirklichkeit, das wie eine Uhr mit Notwenigkeit immer zur gleichen Konstellation zurückkehren muß. Bei Nietzsche ist der Einzige damit nicht „unerschöpflich“ wie Gott, sondern identisch mit der Welt.

Marx hat Stirner „überwunden“, indem er alles auf Ökonomie reduzierte und Stirner als „Fetischisten“ entlarvte, während Nietzsche Stirner (und Marx) „überwandt“, indem er aus Stirners „Alles was man von Gott sagt, trifft auf mich zu!“ das „Gott“ strich. Es gibt keinen „Einzigen“ und er kann kein „Eigentum“ haben, da alles eins ist.

Im krassen Gegensatz zu Nietzsche war Laska zeitlebens ein Revolutionär, der die Wirklichkeit, „wie sie nun mal aktuell ist“, bis aufs Blut haßte. Das einzige, was er als authentisch (sozusagen als „nichtvirtuell“) anerkannte, war die Natur (inklusive noch über-ich-freie Kinder) und „theoriefreie“ Technik, wie sie sich einem Ingenieur darstellt. Marxist konnte er nicht sein, weil die Werttheorie letztendlich Metaphysik ist (kaum mehr als Aristoteles und Thomas von Aquin!) und Nietzscheaner konnte er nicht sein, weil er die Menschenwelt nicht als unwandelbare „Natur“ akzeptierte.

Problem ist, daß Laska diese meine Ausführungen nie und nimmer unterschrieben hätte, weil er immer „Mißverständnisse“ vermeiden wollte. Deshalb sein Rückzug auf die Darstellung der Rezeptionsgeschichte, sozusagen auf eine Aktualität, die sich selbst transzendiert, weil ihre inneren Widersprüche so evident sind. – Aber wer läßt sich darauf wirklich ein? Laskas Funde werden zur Kenntnis genommen und dann, wie etwa bei Ursula Pia Jauch (LaMettrie) oder Rüdiger Safranski (Nietzsche), in irgendwelche Theoriekonstruktionen verwurstet. Stirnerianer nehmen sie zur Kenntnis und machen dann unbekümmert weiter mit ihrem bizarren Stirner-Kult, der (genau wie der Mohammed-Kult im Islam) nur ihre eigenen Perversionen, Idiosynkrasien und Beschränktheiten ideologisch untermauern soll.

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 6)

2. August 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 6)

Die zwei Aspekte der Neurose

30. Juli 2024

Neurosen zeichnen sich durch ihre innere Widersprüchlichkeit aus, denn sie sind einerseits ein Selbstheilungsversuch und andererseits ein Selbstzerstörungsversuch:

1. „Wiederholungszwang“, d.h. die stets erneute Inszenierung des kindlichen Dramas, um doch noch zu irgendeiner Lösung zu gelangen, die natürlich ewig ausbleiben wird.

2. „Selbstbestrafung“, denn nach seiner eigenen mächenhaft-magischen „Logik“ ist das Kind allmächtig und deshalb für alles verantwortlich, was ihm widerfahren ist.

Gemeinsam ist diesen beiden Elementen, daß sie das Infantile ins Erwachsenenleben tragen und dieses vergiften.

Was tun? Einsehen, daß die Sache gegessen ist. Die Vergangenheit existiert nicht mehr. Das, was existiert, sind die Strukturen, die in der Vergangenheit aufgebaut worden sind, d.h. die Panzerung – die stereotypen Verhaltensmuster und „stereotypen Muskelverkrampfungen“ im Hier und Jetzt.

Tatsächlich versuchen wir ständig aus diesem Gefängnis, d.h. unserer Panzerung, auszubrechen und Scheitern daran, weil die Panzerung uns verkrüppelt hat. Die Ausbruchsversuche werden als „Wiederholungszwang“ psychologisiert und unsere Freiheitsangst als „Selbstbestrafung“.

Was getan werden muß, ist die Panzerung selbst anzugehen. Das geschieht, indem wir uns nicht länger mit der Panzerung identifizieren; psychologisch ausgedrückt: nicht mehr das Ich mit dem Über-Ich verwechseln. Das ist genau das, was Max Stirner als „Empörung“ bezeichnet hat. Ich soll alles Mögliche sein, nur nicht ich selbst!

Und was ist mit Frühgestörten und ihrem zerbröselnden Ich? Dazu morgen mehr.

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 5)

23. Juli 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 5)

Wer ist der Einzige?

10. Juli 2024

Stirner zufolge heißt „Du bist einzig“ nichts anderes als „Du bist Du“ (Parerga, Kritiken, Repliken, S. 154). Das impliziert Kontakt: „Nur wenn Ihr einzig seid, könnt Ihr als das, was Ihr seid, miteinander verkehren“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 148).

Der „Einzige“ bedeutet demnach nicht Solipsismus der blinden Monade, sondern ganz im Gegenteil Wahrnehmung der Einzigartigkeit beim Gegenüber:

Das ist die einzig sinnvolle Definition von Liebe. Du bist nicht austauschbar, d.h. mir als Person gleichgültig, sondern ich sehe DICH: Du bist einzig(artig), d.h. du bist nicht austauschbar. Stirner ist der Prophet nicht der Vereinzelung, sondern des Kontakts, der „Mitmenschlichkeit“ (wenn man mir diesen denkbar un-Stirnerschen Begriff erlaubt).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 140)

30. Juni 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Es ist immer dasselbe: das Individuum gegen die Gesellschaft. Kaum hat Stirner Feuerbachs Chimäre „der Mensch“ zerschlagen, kommt Marx und macht das Individuum zu einer bloßen Schnittstelle gesellschaftlicher Beziehungen oder es wird wie bei Nietzsche, Freud, Heidegger auf je eigene Weise Transformator letztendlich mystischer Kräfte. Ausnahmslos allen ist gemeinsam, daß sie dem Individuum nichts zutrauen. Das sieht man ganz praktisch an der Kindererziehung. Das Baby weiß sofort wo die Brustwarze der Mutter ist. Es ist ein Geben und Nehmen, wechselseitige Anregung, der Egoismus des Babys verzahnt sich eins zu eins mit dem Egoismus der Mutter, Bestärkung, wechselweise Verstärkung, organische Entwicklung aus sich selbst heraus. Der Stirnersche „Verein“ ist sofort da. Aber nein, diese natürliche „egoistische“ Entwicklung, die uns alle anderen Lebewesen vorleben, muß zerschlagen werden (das „irrationale Über-Ich“ muß errichtet werden), um dann im Nachhinein durch das ersetzt zu werden, was Reich als („altruistischen“) „Ersatzkontakt“ bezeichnet hat: Hegel, Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud, Heidegger mit ihren grandiosen Systemen versuchen das wildgewordene, irrational gewordene Individuum irgendwie wieder einzubinden. Eine elende Flickschusterei. Dann betrachte man, was LaMettrie, Stirner und Reich gemeinsam ist – die Aussage: „Leute, hört auf Kopfgeburten hinterherzulaufen, sondern geht von der Wirklichkeit aus.“ Platt ausgedrückt: aus jedem Neugeborenen folgt alles mit logischer Konsequenz. Es weiß, was es will und was es will, ist gut. Wie sollte es anders sein? Das Lebendige würde gar nicht existieren, wenn es nicht rational wäre! Und wenn die Umwelt entsprechend rational reagiert…

Warum diese Panik, dieser Haß, dieses Ausweichen, dieses ins Lächerliche ziehen bei den Reaktionen auf LSR? Weil Laska dem Ersatzkontakt, diesen ganzen Mummenschanz ein Ende setzt. Eine ganze Ersatzwelt droht zu kollabieren.

Bei LaMettrie ist es der Maschinenmensch (das heißt der von der Metaphysik, dem sinnlosen Schuldgefühl und der sinnlosen Scham befreite Mensch), bei Stirner der Eigner seiner selbst, der nicht mehr „besessen“ ist und bei Reich der ungepanzerte („über-ich-lose“) Mensch, der an die Stelle einer vollkommen verfehlten Art von Menschsein tritt. Einen größeren Fauxpas kann man sich gar nicht vorstellen. Imgrunde haben LaMettrie, Stirner und Reich gesagt: „Leute, das ist alles kontraproduktiver Blödsinn, was ihr hier veranstaltet.“

Und das Schlimme ist, daß sie für diese Botschaft nicht nur jeweils umgebracht wurden, sondern die Leute aus Panik noch eine Schicht an Blödsinnigkeit draufgelegt haben. Man denke nur an all das Unheil, das, als Reaktion auf LaMettrie, Rousseau in die Welt gesetzt hat (die Französische Revolution), als Reaktion auf Stirner letztendlich das 20. Jahrhundert (Marx und Nietzsche) und als Reaktion auf Reich die „sexuelle Revolution“ a la Genderfluidity etc. Das irrationale Über-Ich feiert heutzutage solche Triumphe, daß Leute sich sogar kastrieren, die Brüste abschneiden und hochgiftige Chemie in sich pumpen.

Das ist letztendlich der Riecher Laskas, der L und S und R gefunden hat. Ich weiß, es klingt verquer, aber es ist der Riecher, der das besagte Neugeborene vollautomatisch zur Brustwarze der Mutter führt.

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 3)

29. Juni 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 3)

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 2)

28. Juni 2024

Laskas Randnotizen zu Hans G. Helms‘ DIE IDEOLOGIE DER ANONYMEN GESELLSCHAFT (Teil 2)