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Von Freud zu Reich (Teil 6)

22. Oktober 2015

Die psychoanalytische Triebtheorie ist u.a. deshalb aus orgonomischer Sicht falsch, da sie die Vorstellung von 100 Prozent sexueller Energie hat, die möglichst 100prozentig in Arbeit umgesetzt werden muß, um Kultur zu ermöglichen. Für Reich hingegen ist es ein Pendeln: ein befriedigendes Genitalleben ist Voraussetzung produktiver Arbeit und umgekehrt.

Nicht nur, daß Freud beispielsweise auch an der Gleichsetzung von Fortpflanzung und Genitalität festhielt, auch seine Todestriebtheorie war nicht etwa ein die Psychoanalyse sprengender Ausrutscher, wie Reich glaubte, sondern die logische Fortführung und konsequente Vollendung der Freudschen Triebvorstellung.

Wie unsicher Reich hier leider selber noch war, zeigt folgender Satz von 1938 (Inhalt der Klammer von 1944?) über seine Haltung von 1934:

Meine Orgasmustheorie und die ihr entspringenden Anschauungen widersprächen in keiner Weise der klinischen Psychoanalyse (heute weiß ich, daß sie ihr doch in wichtigen Punkten widersprachen), doch sie ließen sich mit der Todestriebtheorie nicht vereinbaren. (Menschen im Staat, S. 256, Hervorhebungen hinzugefügt)

Für Freud bestand das Grundwesen des Triebes darin zu vergehen, entsprechend würde der Organismus danach streben, die produzierten Erregungsquantitäten loszuwerden. Seine Triebtheorie spiegelte dergestalt die Thermodynamik des 19. Jahrhunderts wider. Nach dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz strebt das Universum dem Wärmetod entgegen!

Das mechanistische Triebkonzept Freuds, nach dem Spannung mit Unlust und Entspannung mit Lust gleichgesetzt wird, hat Reich überwunden, denn für ihn ist auch die Spannung lustvoll, wenn Entspannung in Aussicht steht (Die Funktion des Orgasmus, S. 161).

Anfangs mag „die analytische Charakterlehre noch als eine Erweiterung der Freudschen Neurosenlehre erscheinen. Doch sie trat bald in Gegensatz zu ihr“ (ebd., S. 107).

Im Oktober 1938 schreibt Reich:

Die Vegetotherapie kann nicht einfach der gebräuchlichen psychoanalytischen Theorie und Technik hinzugefügt werden. Beide sind größtenteils unvereinbar. (Zeugnisse einer Freundschaft, S. 49, Hervorhebungen hinzugefügt)

Reich 1942:

Ich konnte in der IPV [der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung] mit meiner Genitalitätstheorie nur deshalb so lange bleiben, weil ich mich ständig auf Freud berief. Ich tat damit meiner Theorie unrecht und erschwerte meinen Mitarbeitern die Loslösung von der Organisation der Psychoanalytiker. (Die Funktion des Orgasmus, S. 102).

Wenn die Psychoanalyse wenigstens etwas von Psychologie verstehen würde, aber gemäß ihren Darwinistischen Ursprüngen geht sie davon aus, daß die Gegenwart eine Funktion der Vergangenheit ist und überträgt das mechanisch auf die Psychologie. Doch jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, sollte wissen, daß dies für das Innenleben des Menschen nicht zutrifft. Man lese nur eine beliebige Autobiographie und vergleiche sie mit den wirklichen Gegebenheiten, wie sie aus zeitgenössischen Quellen erschließbar sind. Erinnerungen haben kaum objektiven Wert. Im Kopf des Menschen ist die Vergangenheit eine Funktion der Gegenwart.

Für Reich ist das Gehirn nur der „Vollzugs- und Bremsapparat“ der vegetativen Impulse (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 122), d.h. daß man das Eigenleben des Gehirns (Erinnerungen, Bilder, Vorstellungen, „Verdrängungen“) einfach nicht sonderlich ernst nehmen sollte. Wie Reich erschlossen hat, ist die Sprache direkter Ausdruck bioenergetischer Gegebenheiten (z.B. „er ist so hartnäckig“) und ist deshalb dem Psychoanalytiker in ihrem wirklichen Gehalt nicht zugänglich. Die psychoanalytische Grundregel das zu sagen, was einem grade einfällt, ist deshalb schlicht Unsinn – wenn ein Psychoanalytiker zuhört.

Diskussionsforum 2011: eine Nachlese (Teil 4)

2. Oktober 2015

Sebastian: Hi, ich habe ein paar Fragen…
Könnt ihr mir folgenden Satz erklären: „Wir werden später zu zeigen haben, daß es die Funktion der Emotion ist, die das Ziel eines Triebes bildet und nicht umgekehrt, wie die Metaphysiker behaupten.“ (Äther, Gott und Teufel, S. 54)
Wann kommt dieses „später“ (Seitenzahl oder so) und wer sind in diesem Fall die Metaphysiker?
Als Funktion der Emotion nennt Reich Beispiele: Die Lust führt zur Entladung überschüssiger Zellenergie, Wut hat die Funktion lebensbedrohende Situationen zu bewältigen. Welche Funktionen erfüllen Angst (Wahrnehmung von Gefahr?), Trauer (Bewältigung des Verlustes von gewohntem Kontakt?) und Sehnsucht (Streben nach Kontakt?)?
Was für Bewegungszustände spiegeln die primären Emotionen wider? Lust, Sehnsucht, Wut = expansiv und Angst, Trauer = kontraktiv?
Wie muß ich mir das Verhältnis zwischen Emotion und Trieb vorstellen? Eine Emotion ist doch die Reaktion auf einen äußeren Reiz und der Trieb ein innerer, permanenter Reiz, oder? Wie hängen die beiden zusammen?
Und schließlich: In Charakteranalyse geht Reich von Lust, Angst und Wut als den grundlegenden Emotionen aus. Wie ist er zu Trauer und Sehnsucht gekommen? Klinische Beobachtung?
Vielleicht ein bißchen viele Fragen. Wer will, kann mir per Email antworten. Würde mich freuen, weil ich gerade ein bißchen durchhänge. Allgemein ist es der Übergang von primären und sekundären Trieben zu primären und sekundären Emotionen, der mich fragen läßt.

O.: Sowas ist natürlich eine schöne Aufgabe und vermutlich würde ich jeden Tag, etwas anderes darauf antworten … jetzt einmal so aus dem Zusammenhang gerissen, da mir das Buch momentan nicht vorliegt und schon ewig her ist, daß ich es gelesen habe … will ich mal einen Versuch wagen, obwohl es für mich natürlich auch viel interessanter wäre zu schauen, was andere dazu sagen wollen.
In der Psychologie gibt es Grundemotionen und sekundäre Emotionen und irgendwelche Emotionstheoretiker …
Bei Reich gibt es prinzipiell nur zwei Bewegungszustände, wenn man die totale Starre (oder die Nicht-Bewegung einmal ausschließt): Hin zur Welt und weg zur Welt. Soweit so einfach. Anhand der bioelektrischen Untersuchung von Sexualität und Angst erzielt der Lustreiz (Streicheln) das hin zur Welt (Lust) und ein Angstreiz (Schreck) einen Rückzug von der Welt. – Das sind die beiden „Bewegungszustände“.
Diese Bewegungszustände finden auch ohne Reize statt und ohne Emotionen, wenn man jetzt nicht „emotion“ von emovere (bewegen) begreift. Zentrieren/Kontrahieren und Expandieren nur als Energiebewegung in einer Membran. Beim Mensch geht das mit Emotionen einher und der „Beweggrund“ ist die „Trieb-“/Bio-Energie, der Sexualtrieb/Libido.
Es gibt nur einen Trieb (Bei Reich schon mal kritisch zu sehen, wenn er von „einem“ Trieb spricht – welchen gibt es noch???), die Libido.
Ziel dieser Libido sei nun kein Objekt (wie es vielleicht auch klar und richtig wäre), sondern im Reich-Satz eine Funktion!
Was ist die Funktion (hier der Emotion)? Hin zur Welt oder Rückzug, würde ich erstmal annehmen.
Der Trieb ist der Sexualtrieb, die Energie, die sich im Körper aufbaut und natürlich auch psychisch ist und wirkt. Die Funktion, sagt nun, daß etwas mit dem Energiepotential geschehen muß … sonst würde man ja irgendwann platzen …, jetzt müßte sich von außen einmal ein Reiz anbieten, auf den die „Energieladung“ agieren kann.
Je nach Reiz/Anlaß bekommt man die entsprechende passende primäre Emotion: Wut, Lust und Angst als Reaktion auf einen externen Reiz. Wobei natürlich der Mensch nicht passiv zu denken ist, sondern er sich eine Situation aktiv gesucht haben wird. Wird die Lust zurückgewiesen, entsteht (sekundär) Trauer, die Triebenergie verkehrt sich zurück nach innen. Lust, die nachströmt zum Liebesobjekt, aber nicht zum Ziel finden darf, wird wieder zur Trauer und zur (tertiär) Sehnsucht … die dann wieder enttäuscht wird … etc.
Reich fragt jetzt welche Funktion erfüllen die primären Emotionen … Entladung von Sexualenergie, Bewältigung einer bedrohlich erlebten Situation durch Aggression oder Angst (Rückzug, Flucht).
Wenn es nicht um die basalen Emotionen (Durst und Hunger) geht, dann kann man sich andere leisten, wie Sehnsucht, Trauer …
Der Primäre Trieb ist die Libido, der sekundäre bei Reich, der „Thanatos“ (angeblicher Todestrieb), abgeleitet vom verhinderten Libido.
Dann gibt es noch das Schichten-Modell mit dem primären Kern (Lust, Liebe) und der sekundären Triebschicht (Gewalt, Zerstörung, etc.) und die freundliche gesellschaftliche Maske als dritte äußere Schicht.
Auf Metaphysik bin ich mal nicht eingegangen.
Trauer und Sehnsucht ist ihm wohl später auch ins Blickfeld gerückt, aber ließ sich nicht sofort mit energetischen Funktionen verbinden … daher wohl etwas später.
Das war jetzt erstmal eine erste Annäherung und morgen wäre mir evtl. eine andere Antwort eingefallen … d.h. andere Aspekte kann man bestimmt auch betrachten. Je mehr man sich Gedanken macht, desto komplexer wird es. An manchen Textpassagen macht Reich auch nur einen Überflug, um dann später genauer zu werden oder man selbst überfliegt einige Passagen, die dann beim dritten Lesen (nach Jahren) plötzlich an Bedeutung gewinnen können.
Daher kann man Reich auch in viele Richtungen interpretieren, was die Sache nicht angenehmer macht.

Sebastian: Danke, O. Allerdings wird mir durch Deine Ausführung noch nicht die Verbindung der Konzepte (Trieb, Schichtenmodell, Emotionen) ganz klar.
Ich habe nochmal nachgelesen: In Bd. 1 von der Entdeckung des Orgons definiert Reich den Trieb als die motorische Seite der Lust. Das Ziel des Triebes ist nun die Funktion der Emotion, die bei der Lust = die Entladung überschüssiger Zellenergie ist. Kann man sagen, daß Angst, Wut, Trauer und Sehnsucht alle im Dienst der Lust stehen? Das würde mir auch die Rangordnung erklären, die Reich für die primären Emotionen angibt.
Und noch eine Frage: Bevor Reich von Emotionen spricht, spricht er von Affekten. Was unterscheidet diese beiden Begriffe?

O. Sebastian, nageln Sie mich jetzt nicht auf das folgende fest. Ich will einmal antworten, wie ich es mir denke (ohne jetzt bei Reich nachzuschlagen), vielleicht ist das etwas einfacher, zu erklären.
Der Trieb („drive“) ist direkt spürbar und geht in die Motorik, man möchte etwas machen und ist gleich spontan dazu gedrängt. Dahinter steckt die Energie und Power. Es treibt zum Handeln an. = Antrieb für motorische Handlungen (Sexualität, Arbeit).
Die Emotion kommt aus der bewegten Energie mit dem entsprechenden psychischen Gefühl (Angst, Wut, Liebe, Trauer, Sehnsucht); Energie + Gefühl = Emotion
Sexuelle Lust, und davon reden wir hier, ist eine Erregung und Steigerung von Energie (des Triebes) und führt in motorische Aktivität. Im schönsten Fall ist dies durch die Emotion der Liebe getragen und nicht von Wut oder anderen Emotionen.
Das Schichtenmodell zeigt die Struktur des Ichs im Groben in den wesentlichen Schichten: Energie-Kern (primärer Trieb)/ destruktive Schicht (sekundär: Panzerung)/ und nach außen hin verträgliche soziale Maske (tertiäre Schicht). Je durchlässiger die Panzerung ist, desto eher kommen authentische Emotionen durch.
Ein Affekt ist eine alte festgehaltene Emotion, die aus dem Körperpanzer wieder rausbricht, wie ein Heulen, Schrei, Stöhnen oder motorische Entladung.
Die Rangordnung von Emotionen bedeutet nicht ein wichtiger oder besser … sie ergibt sich als Triebschicksal der Auswärtsbewegung: Die (primäre) Lust stößt auf Versagung (Liebes-Objekt sagt „Nein“); was passiert als nächstes? Die Energie richtet sich zurück nach innen und muss sich stauen. Dann folgt eine (sekundäre nach außen) Wut, die vielleicht auch nicht gezeigt werden kann oder eine (sekundär nach innen) Trauer. Die Sehnsucht würde ich nach der Trauer oder Wut ansiedeln als tertiäre Emotion.
Wird der Wut oder der Trauer nun auch etwas entgegengestellt, das können auch eigene gelernte Sätze wie „Du darfst nicht wütend sein, oder Jungen weinen nicht/ beiß die Zähne zusammen“, staut sich diese Energie zur Stauungs-Angst.
Diese Angst muß wieder vermieden werden und wird energetisch aufgespalten in den ursprünglichen Lusttrieb und die Angst, die verhindert, daß die Lust wieder erlebt werden kann. So bildet sich dann der Charakter an dem realen Thema, um das es geht im Konflikt Außenwelt und Ich.
Das war jetzt mal Reich in fast drei Sätzen erklärt. Andere brauchen dazu Bücher 🙂

Peter 2015: Reich war mit einer Psychoanalyse konfrontiert, in der es potentiell unendlich viele Triebe gab. Primitive Völker „erklärten“ den Donner mit einem „Donnergott“ und Psychoanalytiker „erklärten“ beispielsweise den Exhibitionismus mit dem „Exhibitionstrieb“. Für Reich hingegen gab es nur einen Trieb: die Lust. Durch die Umwelt kommt es zum Rückstau der Lust = Angst, wogegen sich der Organismus wehrt = Wut. Das geht einher mit Sehnsucht nach Erfüllung bzw. Trauer bei Nichterfüllung des Strebens nach Lust. Das sind die fünf Grundemotionen.

Ein Pferd kennt nur „Fressen, Ficken, Flüchten“, also Lust und Angst. Wobei Lust und Angst stets mit der dritten Emotion gepaart sind: Aggression (Futterneid, Kampf um die Weibchen, Mobilisierung des Bewegungsapparats). Diese drei „Triebziele“ („die drei F“) sind durch die funktionellen Zusammenhänge vorgegeben: die Expansion (Lust), die Kontraktion (Angst) und die Mobilisation des Bewegungsapparats (Aggression). Es ist metaphysisch zu glauben, daß die Pferde weglaufen, „um nicht gefressen zu werden“, vielmehr geht das Verhalten und seine strukturellen Voraussetzungen (etwa Läufe und Hufe) auf die Bewegung der Orgonenergie zurück, die im Laufe der Entwicklung der Organismen durch die Umwelt geprägt wird. Reichs Beispiel war die Bahnfahrt zwischen New York und Chicago: Man hat nicht einfach (sozusagen „aus dem Nichts heraus“) das Ziel mit der Bahn nach Chicago zu fahren, vielmehr ist die Bahnfahrt Resultat unendlich vieler funktioneller Voraussetzungen. Beispielsweise geht die Entwicklung der Bahngleise bis weit ins Mittelalter zurück und hatte zunächst nichts mit der Bahnfahrt zu tun. – Das steckt hinter: „… daß es die Funktion der Emotion ist, die das Ziel eines Triebes bildet und nicht umgekehrt, wie die Metaphysiker behaupten.“

Das Dreischichtenmodell: Ursprünglich gibt es nur die „lebendige, pulsierende Blase“, die einen Kern hat, von dem die Impulse ausgehen und eine Peripherie. Genauso wie sich in der Onto- und Phylogenese zwischen das Entoderm und Ektoderm das Mesoderm schiebt, bildet sich aus bioenergetischer Sicht die mittlere Schicht aus, die die Energie steuert („Flucht oder Widerstand?“). Diese Steuerung erfolgt weitgehend über die Muskulatur. Kommt Panzerung ins Spiel wird daraus die sekundäre Schicht („sekundäre Triebe“). Entsprechend kennzeichnet deine größte Kalamität, die Hauptpanzerung, potentiell auch deine größte Stärke.

Das, was ich hier eben präsentiert habe, ist einfaches orgonomisches Denken, die Ausführungen der anderen davor waren, Verzeihung, kompliziertes „Reichianisches Denken“, das mittlerweile ganze Bibliotheken füllt.

Anderes Thema: Mesmer

O.: Mesmer muß man im Original (deutsch) lesen und man wird sich an seiner heute befremdlichen Wortwahl und auch am Druckbild etwas schwer tun. Dann kann man wie Eden den Eindruck haben, man habe es verstanden und die Parallelen suchen und meinen „aha, das ist doch dieselbe Energie“. Dann hat man immer noch nichts verstanden, sorry. Mesmers Problem war es natürlich überhaupt die Phänomene zu beschreiben und er hat sich an den gängigen physikalischen Modellen bedient, die heute mechanistisch anmuten. Aus Reichs Sicht versteht man nicht unbedingt, was er gemeint haben könnte, aber man bekommt eine Idee, was er getan hat – eben nur eine Idee. Es gibt verblüffende Ähnlichkeiten mit der Orgonomie, doch man fragt sich, wie kam Mesmer darauf? Wie kam er auf seine Kosmologie, wo er diese doch kaum beobachten konnte. (seine Dissertation ist glaube ich nur auf Französisch erschienen). Die Streitereien, die er hatte, sind gut belegt und thematisiert worden, niemals aber seine therapeutische Technik, das wurde vermutlich alles zerstört, daher war das Tor zur Mystik (bis hin zur Hypnose) weit offen. Er wird bis heute noch dermaßen vernichtend angefeindet, daß seine Gegner wohl intuitiv genau wissen, der Mann ist gefährlich – so wie Reich und Stirner. Jedes Lob über ihn ist ein Schlag in sein Gesicht! So wird heute noch mit ihm umgegangen. Wer‘s kann, sollte ihn unbedingt langsam und gründlich lesen. Aber er ist nichts für jedermann.
Mit ihm wird es einem gehen, wie wenn man in Boadellas Biographie über den ORAC liest, man weiß nicht was man davon halten soll, hält es für wesentlich, doch kann es sich nicht vorstellen. Und anhand des Buches kann man auch keinen ORAC bauen und anwenden, weil erstmal noch zu viele Details fehlen, bis man einen gesehen hat und ausprobieren konnte. Mesmer ist der Tesla der Psychotherapie, geheimnisvoll unverständlich, aber ohne ihn geht gar nichts. Freud und Reich wären nicht denkbar ohne Mesmer gewesen.

Peter: Hat Mesmer nicht alles auf Französisch verfaßt?
Mesmer hat entdeckt, daß der Organismus von einem „Fluidum“ („Animalischer Magnetismus“) durchflossen wird. Störungen dieses Flusses seien für die psychischen und somatischen Erkrankungen verantwortlich. Der „Magnetiseur“ überträgt sein eigenes Fluidum so, daß die Staus wieder aufgelöst werden. Mesmer wurde sexueller Übergriffe verdächtigt und schließlich von einer wissenschaftlichen Kommission zu Fall gebracht.
Reich ahnte gar nicht, in welcher Tradition er stand.

O.: Mesmer wurde erst selbst für eine Kommission hinzugezogen als Gutachter über Gassner, der mystische Praktiken vollzog. Dann hat in Frankreich eine zweite Kommission von „Wissenschaftlern“ sein Fluidum für unmöglich und unsinnig hingestellt, darunter war der erfolgreichste „Körpertherapeut“ Guillotin, nach dem die bekannte Hals-„massage“ (Rübe ab) benannt wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Guillotine
Mesmer hat sich dann zurückgezogen und keiner wußte, wo er war. 1814 wurde er von Wolfahrt wieder aufgesucht und dadurch entstand das einzig übriggebliebene und brauchbare Dokument über den Mesmerismus.
Mesmerismus war damals in aller Munde – auch im positiven Sinne. Der Mann hatte damals weitaus mehr internationalen Erfolg als Reich bezogen auf Europa. Es gibt eine Dissertation (ca. 1950), in der über ca. 200 Seiten nichts anderes steht, als eine gesammelte Literaturliste über Mesmer und den Animalischen Magnetismus (ich hoffe, ich finde die Arbeit nochmal). Doch fast nichts davon hat überlebt. Er hat absolut „energetisch“ gearbeitet, was auch keiner richtig verstehen konnte. Er hat keine Staus aufgelöst, das wäre eine post-reichianische Interpretation, er hat auch keine Hypnose benutzt, wie die Erikson-Leute es verstehen möchte. Stefan Zweig glaubte, daß er einfach nur eine hochgeladenen faszinierende Persönlichkeit war mit enormer Ausstrahlung, das erklärt aber nichts, sondern möchte eine Scharlatanerie andeuten, worauf sich die „wissenschaftliche“ Nachwelt geeinigt hat. Nun dann wären die besten Berliner Ärzte der Charitè Vollidioten gewesen, weil diese Mesmer durchaus folgten und ihn zu verstehen begannen.
Mesmer wurde von seinem Schüler Marquis de Puységur nicht verstanden, Charcot verstand Marquis de Puységur nicht mehr und Freud verstand Breuer und Charcot nicht, dann wollte Reich auch Freud nicht verstehen und ließ von der längst aufgegebenen Libidotheorie nicht ab. So wären wir dann wieder am Anfang vom Fluidum zum Orgon, wobei die Techniken nicht zu vergleichen sind!
Das mit den angeblichen „Übergriffen“ ist wohl offensichtlich zu blöd darzustellen … die Familie bangte um eine Pension, die sie für ihre Tochter, die eine begnadete Musikerin (psychisch/hysterisch) blind war. Mesmer hatte sie sehend gemacht, das gefiel dem Vater nicht. Und bedrängte sie so, daß sie wieder erblindete. (Mesmer hat darüber eine Abhandlung geschrieben.)
Ob Mesmer sich in das junge Ding verliebt hatte, kann ich nicht beurteilen, sie soll aber reizvoll gewesen sein. Breuer hatte sich wohl auch in Anna O. verliebt und Freud war wohl zu sehr auf Männer fixiert dafür. Reich hatte auch eine Affäre mit einer Patientin. Und die anderen Psychoanalytiker … – da war wohl auch des öfteren was, worüber man vornehm schwieg.

Peter: Jerome Eden hat 1974 in Animal Magnetism and the Life Energy 23 Fallberichte von Dr. John Elliotson, Dr. James Esdaille (Mesmeric Hospital of Calcutta, India) und anderen aus dem 19. Jahrhundert abgedruckt. Auch hat er die Methode selbst beispielsweise in Alaska angewandt, wenn kein Arzt zur Stelle war. https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/08/22/jerome-eden-franz-anton-mesmer-teil-2/

O.: Es ist vermutlich mein Lieblingsbuch von Eden. Doch genau wie in vielen anderen Berichten fehlt mir die Beschreibung der Anwendung. Er setzt die „orgone energy“ zu schnell mit Mesmers Fluidum gleich. Der Effekt und der Grund der Behandlung wird erzählt, nicht aber die praktische Anwendung, daß man sie verstehen könnte. Mit den Händen streicht man in etwas Abstand über den Organismus, mehrfach. Wo genau und wie lange (ungefähr)? Und was passiert dann? Wie kann man das erklären? Evtl. sollte ich es nochmal lesen … Die Maxime/Prinzipien des Mesmerismus werden auf englisch abgedruckt (die gibt es auch auf deutsch). Eden (1974) war, glaube ich, der erste, der den Hinweis auf Mesmer gab, neben Henri Ellenberger (1970/1973) in The Discovery of the Unconscious. The History and Evolution of Dynamic Psychiatry, der Mesmer zwar auch falsch versteht, aber von ihm fasziniert war. Vermutlich hat Eden auch dieses Buch gelesen und den Wert bzgl. Reich erkannt. [Peter 2015: Eden hat sich schon in den 1950er Jahren mit Mesmer beschäftigt und dessen Bücher übersetzt.]

Peter: Das folgende erinnert fatal an die Herausgabe der Spätwerke Reichs bei Zweitausendeins Mitte/Ende der 1990er Jahre, denen jeweils „Begleitbände“ beigefügt wurden, um auch ja jede Wirkung dieser Schriften (d.h. die Ausbreitung der Orgonomie nach bzw. in Deutschland) zu hintertreiben: http://www.pi-news.net/2011/09/gouguenheim-daniel-g-konig-und-fuat-sezgin/

das Werk von Sylvain Gouguenheim Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel. Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes herausgebracht, in dem hochbrisanter Weise behauptet wird, daß das mittelalterliche, christliche Abendland dem Islam beileibe nicht soviel verdanke, wie die heutige, nach Mekka gesüdete Wissenschaft nicht müde wird, politkorrekt zu verbreiten.
Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft legte deshalb dem explosiven Buch in einem Nachwort die Kritik zweier Fachleute, Prof. Martin Kintzinger und Dr. Daniel G. König, bei, um eventuelle islamkritische Blogger davon abzuhalten, Buchstellen zu zitieren, wie in Frankreich schlimmer Weise geschehen, wo es dann Boykotte und Proteste hagelte.

Jonas: Eine weitere Parallele zur Reich Ausgabe bei 2001:
Wenn ich mich recht erinnere, weist Laska darauf hin, daß Stirners Einziger mehrfach von fanatischen Anti-Stirnerianern wiederaufgelegt wurde – jeweils versehen mit einem vernichtenden Nachwort.

Peter: The latest madness:

In den 1950er Jahren prägte ein Arzt namens Wilhelm Reich den Begriff „Orgonenergie“ und beschrieb sie als „Lebenskraft-Energie, die sich als sexuelle Energie ausdrückt“. Er wurde auf diesen Forschungsbereich aufmerksam, als er ein Schüler des berühmten Psychologen Sigmund Freud war, der bereits die Idee der „libidinösen Energie“, aus dem lateinischen „Libido“ für „Gier“ oder „Verlangen“, entwickelt hatte. Aber was ist diese Energie wirklich? Bevor Sie Ihr hart verdientes Geld für die neuesten „Orgon“-Emitter ausgeben, die von beliebig vielen ahnungslosen Händler angeboten werden, müssen Sie von den Gefahren dieser Energie erfahren und warum die Alten, einschließlich „Jesus“, versucht haben, uns so vehement davor warnten mit ihr zu spielen. Erfahren Sie, was Dr. McQuate über diese alte, hergestellte Kraft aus seiner jahrelangen Erforschung der ältesten Sprachen gefunden hat. Dies sind Informationen, die Sie nicht verpassen möchten und Forschung, die Sie nirgendwo sonst auf dem Planeten finden … garantiert

http://orgoneuncovered.com/

O. verweist auf einen Reich-Artikel in der Welt: http://www.welt.de/kultur/article1325127/Warum_guter_Sex_die_Welt_heilen_kann.html

Peter: Peter Haffner: Die fixe Idee: 13 Genies und ihre Spleens, S. 184-197 über Reich: http://www.amazon.de/fixe-Idee-Genies-ihre-Spleens/dp/3423202084

Einer, der Zitate aneinanderreiht. Es sind immer die anderen, die den „Spleen“ haben…

Ein Buchtipp von O.: Wilhelm Reich von Ilse Ollendorff Reich (1967; Kindler 1980 vergriffen)

Das Buch hat eine Stärke und Schwäche zugleich, es wurde von einer Frau geschrieben und aus ihrer Perspektive, sie war Reichs Frau in den USA von ca. 1940-54 und hat den „Traumsohn“ Peter Reich geboren und erzogen. Wer Peter Reich einmal sehen und erleben durfte, weiß sofort was ich meine, kaum ein Mensch ist so beeindruckend menschlich wie er. (Und bei aller Kritik an der WRG, kann ich hier auch mal einen Dank aussprechen, daß sie so wundervolle Menschen nach Berlin gebracht hat.)
Ilse beschreibt die Umstände in jener Zeit, wie sie Reich kennenlernte und wer da noch mit ihnen in Kontakt war und wie das Leben zuerst in New York und später in Maine ablief aus ihrem persönlichen Erlebnis. Es ist eine Erzählung wie wenn meine Mutter aus der alten Zeit berichtet, so daß ich mir vorstellen kann, wie einfach die Dinge waren und wie sie sich in kurzer Zeit abspielten. Ob Reich da so manches Mal gut wegkommt, ist eigentlich egal, wenn man lediglich zuhört und nicht sich moralisch ereifern möchte.
Einzelheiten über Theorien werden nicht gegeben, dafür wird die Sorgfalt im Umgang mit den Versuchstieren und einiger Experimente beschrieben, ohne einen Versuchsaufbau zu geben oder über Inhalte von Büchern zu schreiben. Es sind die Details, die es lesenswert machen. Der Einblick in die drei Konferenzen, die Personen, die am Rande erwähnt werden: Neill, Raknes, Hoppe, Sharaf, Tropp, Eva und W. Moise, Lore, Peter, usw.
Der Aufbau von Orgonon, etwas über Finanzen und die Träume von einer Klinik in Maine, die anderen Institute in New York, positive und negative Erlebnisse dichtgedrängt in wenigen Jahren ohne eine Zeit der Ruhe zu finden, mit Zigaretten bis zur Herzattacke, der Alkohol, das Oranur-Experiment, die Krankheiten und schließlich auch die Trennung wegen Reichs Symptomen eines nahenden Burnouts (so würde man heute sagen). Gereizte Stimmung bei Reich, seine Prinzipien und Teile seiner Gedanken. Ilse geht schließlich, weil sie nicht mehr versteht, was Reich nach dem Oranur-Experiment für neue Ideen entwickelt, Reich fühlt sich allein gelassen und ist alleine und sucht wieder Kontakt zu anderen Menschen in Maine, was ihm nur schwer gelingt, weil er schon sehr zurückgezogen in seiner Gedankenwelt gelebt hat. Er fährt durch Arizona mit dem CLB, weil zu Hause seine Frau nicht mehr auf ihn wartet und nimmt Peter, Eva und ihren Mann mit. Die offensichtliche Logik seiner Forschungschritte wird auch durch Persönliches mitbestimmt. Reich schwankt nach Ilse zwischen Anerkennung und den Glaube an einem Durchbruch und einem drohenden Scheitern, insbesondere vor Gericht. Sein möglicherweise tragisches Ende vor Augen, plant er dennoch weiter und neu … er verliebt sich noch einmal, läßt sich auf eine junge Frau ein und würde sie auch heiraten, eine Wendung seines Lebens, das ihm nicht mehr vergönnt war.
Was bleibt im nachhinein? Eigentlich nur der Haß der Gegner, die ihn bis heute verfolgen, nicht realisierend: Der Mann ist tot!
Seine Schriften werden als stilles Zeugnis wieder gedruckt, nachdem sie vernichtet wurden … man möchte meinen, sie werden nur gedruckt, damit man Reich weiter bekämpfen kann. Die Frage, ob Reich paranoid gewesen sei, beantwortet sich von selber: Gegner, die ihr ihn noch zu jagen wagt, APA, FDA, CIA, FBI, die Liste wäre lang, you are so sick and paranoid, you all need psychiatric orgone therapy by Wilhelm Reich, believe me.

Soweit O. Beim folgenden kann ich O. nicht folgen, anyway. O.: In meinen Augen ist Fritz Perls ein so genialer Reichianer, Charakteranalytiker, und die Sprache ist wirklich ähnlich dem von Reich:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=T3jYcDbcpUs%5D

Klaus: In: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46836/Studie_sieht_Elektrosmog_als_Asthmarisiko.htm:

Kinder erkranken dreimal häufiger an Asthma, wenn ihre Mutter während der Schwangerschaft erhöhten elektromagnetischen Feldern exponiert war.

Immer wieder Problem (v.a. ohne Kenntnis Reichs): „Es fehlt vor allem ein überzeugendes biologisches Konzept, daß die pathogenetischen Zusammenhänge plausibel erklären würde.“

Peter: Zu Paul Goodman und seinem Verhältnis zu Reich: http://www.as-anker.de/pg/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=35

Zur Homosexualität: entweder ist sie ein Symptom wie jedes andere auch oder sie ist tief in der Struktur verankert (passiv-femininer Charakter): http://orgonomy.org/articles/Konia/A_Case_of_Homosexuality.html

O.: Das Bild von der Goodman-Familie sagt ja mehr als tausend Worte, ich will es nicht kommentieren.
Paul Goodman ist mir nach diesem Eindruck sehr unsympathisch.
Wenn jemand Schüler von einem anderen wird, geht das vielleicht eine Therapeuten-Generation gut bei Talent der Person, eine zweite Therapeuten-Generation muß quasi schon scheitern. Goodman scheint ein solcher Fall zu sein, die Core-Energetics-Leute sind auch solche Fälle, ebenso die von der Bioenergetik.
Die „KPT-Liga“ ist voll solcher Fälle, wenn die Originale der Therapieschulengründer wegfallen. Ebenso die meisten Freudableger der dritten Generation, manche der zweiten zeugen auch von wenig Qualität und eigener gefundenen Originalität. Das Glück der zweiten Generation liegt wohl darin, daß Persönlichkeiten sich um den Begründer gefunden haben. In der nächsten Generation, kann nur noch das Mittelmaß sich um die neuen Therapie-Ableger gruppieren, die glauben, daß die Technik das wesentliche sei. Wesentlicher sind die persönlichen Eigenschaften der Therapeuten!
Reich hat sich mit Homosexualität kaum befaßt, da er eine Abneigung hat und die von Freud hat er nicht angepackt und unentdeckt gelassen.
Aufgrund von dramatischen Erlebnissen (Ekel gegen das Weib) wenden sich Jungen vom weiblichen Geschlecht ab. Das wäre meine Ausgangshypothese, auf die die Charakterbildung aufbaut. Bei Lesben wäre es dementsprechend umgekehrt. Prinzipiell wäre dies therapierbar durch entsprechende Traumaarbeit (wenn das einer könnte). Die Verhaltenstherapie hat die Phobien, Angstneurosen und Panikattacken zu ihrem Steckenpferd gemacht, hier könnten sie die „Überlegenheit“ ihrer Technik unter Beweis stellen.
Jedoch glaube ich, daß die VT jämmerlich scheitern wird, nicht nur weil Homosexualität als Symptom gesehen werden müßte.
Sie würde vielleicht mit ethischen Fragen aufwarten …
Als Reichianer/Körpertherapeut müßte man seine Scheu gegenüber der homosexuellen Neigung überwinden, ein Hindernis, das ich nicht als unbedingt überwindbar sehe. Dann könnte man den Versuch machen einen homosexuellen Therapeuten zu finden, ein Freund von mir arbeitet hiermit, jedoch glaube ich nicht, daß sein Therapieziel eine Herstellung der Heterosexualität wäre. Das funktioniert eben auch nicht. Ein homosexueller Therapeut würde eher die Beziehungsproblematik von Homo-Paaren bearbeiten und lösen. Praktisch scheint die Homosexualität nicht therapierbar zu sein, die Motivation des Klienten dürfte auch gegen Null gehen, so daß eine Therapie auch deswegen scheitern würde.
Trotzdem könnte man am Trauma arbeiten, jedoch ohne dem Ziel, dem Klienten seine Identität und Liebesorientierung nehmen zu wollen oder gegen eine andere einzutauschen.
Es wäre genauso vermessen, wenn ein homosexueller Therapeut von mir verlangen würde „meine natürliche Homosexualität“ zu entdecken und mich dazu bringen wolle, meine „Frauenfixierung“ aufzugeben.
Man sollte sich auch vor Augen halten, daß es Grenzen gibt in der Psychotherapie, man wird keinen neuen Menschen oder Charakter schaffen, sondern nur Tendenzen verändern.
Gegen das Nichtrauchen könne man mit dem Stechen einer Akupunktur-Nadel einen Raucher zum Aufhören bringen, wenn er dazu bereit sei. Ob die Methode auch für Sexualpräferenzen möglich wäre, bleibt abzuwarten. Ehrlich gesagt rauche ich da lieber oder höre auf, wenn ich es nicht mehr will. Homosexuelle können ja auch mit dem anderen Geschlecht Beischlaf haben, jedoch bleibt ein gewisser Ekel oder eine schwache Erregbarkeit übrig. Das dürfte der Schlüssel zum Problem sein, wenn es denn ein Problem ist! Letztlich schläft ja auch ein Hetero nicht mit jedem … außer in den 70-er Sekten (Kommunen, Kriegsbordellen, Swinger-Clubs etc.), wo man glaubt, man müsse sich nur massiv sexuell betätigen, um unneurotisch zu werden.
Um dem ganzen auch etwas Positives abzugewinnen, bleibt die Frage, warum homsexuelle Paare die gleiche Rollenverteilung leben wollen, wie heterosexuelle Paare? Das wäre absurd, wenn man eben nur Männer/Frauen lieben würde. Durch diese Rollenverteilung wird ja die Homosexualität nicht „normaler“ oder besser. Und dies muß von einer „Dominanz“ unterschieden werden, darum geht es hier nicht, sondern um die gegengeschlechtlichen Rollen!

O. weiter: Es würde mich wundern, wenn Homosexualität im ICD-10 stehen würde. Somit wäre es strenggenommen für die Medizin und Psychologie – einschl. Psychiatrie kein Krankheitsbild.
Nun in Wikipedia stehen weitere Erläuterungen unter Psychologie:

Zitat:

Sigmund Freud bezeichnete Homosexualität „als Abweichung der sexuellen Funktionen, hervorgerufen durch eine gewisse Stockung der sexuellen Entwicklung“ [51]. Als psychischen „Normalfall“ sah Freud die Bisexualität an; auch die Heterosexualität beruhe „auf einer Einschränkung der Objektwahl“.[52] Mehrfach bezog er öffentlich Stellung gegen Kriminalisierung und Pathologisierung der Homosexualität. 1903 betonte er in der Zeitschrift Die Zeit, daß „Homosexuelle nicht als Kranke behandelt werden sollen“. 1905 stellte er fest: „Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen abzutrennen.“[53] 1921 widerspricht er Ernest Jones, der einen homosexuellen Arzt nicht zur analytischen Ausbildung zulassen wollte.[54] 1930 unterzeichnete er einen Appell an den Nationalrat zur Abschaffung der Strafbarkeit. Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, daß auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] Leistungsfähigkeit“[51] gelangen können.
Seine Ansichten zum Thema resümiert er in dem Aufsatz „Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität“ aus dem Jahr 1920. Darin wendet er sich gegen die Vorstellung, „vollentwickelte“ Homosexualität − mit dem Ziel der Wiederherstellung der „vollen bisexuellen Funktion“ − psychoanalytisch behandeln zu können. Dies sei „nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte“ – die Heilung von „vollentwickelter“ Heterosexualität –, „nur daß man dies letztere aus gut praktischen Gründen niemals versucht“.[55] Entsprechende Therapieanstrengungen scheiterten zudem sehr häufig daran, daß homosexuelle Patienten nicht aus Unzufriedenheit mit ihrer Situation, sondern auf äußeren gesellschaftlichen Druck hin eine Therapie begännen:
„In der Regel vermag der Homosexuelle sein Lustobjekt nicht aufzugeben; es gelingt nicht, ihn zu überzeugen, daß er die Lust, auf die er hier verzichtet, im Falle der Umwandlung am anderen Objekt wiederfinden würde. Wenn er sich überhaupt in Behandlung begibt, so haben ihn zumeist äußere Motive dazu gedrängt, die sozialen Nachteile und Gefahren seiner Objektwahl, und solche Komponenten des Selbsterhaltungstriebes erweisen sich als zu schwach im Kampfe gegen die Sexualstrebungen. Man kann dann bald seinen geheimen Plan aufdecken, sich durch den eklatanten Mißerfolg dieses Versuches die Beruhigung zu schaffen, daß er das Möglichste gegen seine Sonderartung getan habe und sich ihr nun mit gutem Gewissen überlassen könne.“
– Sigmund Freud. 1920[56]
Dennoch wurde Homosexualität erst 1973 von der American Psychiatric Association (APA) aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt Homosexualität als psychische Störung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die „sexuelle Orientierungsstörung“, später im DSM-III „ich-dystone Homosexualität“ genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen Homosexualität diagnostiziert werden konnte. Im neuen, aktuellen DSM-IV-TR befindet sich eine Diagnosekategorie „nicht näher bezeichnete sexuelle Störung“, die auch ein „andauerndes und ausgeprägtes Leiden an der sexuellen Orientierung“ (302.9) beinhaltet. Die Streichung erfolgte 1973 gegen den Widerstand der American Psychoanalytic Association (APsaA), die dadurch erheblich an Renommee und Einfluß verlor, dann nach einem Generationswechsel neue Position bezog und sich 1991 entschuldigte:
„Die American Psychoanalytic Association lehnt jede öffentliche oder private Diskriminierung gleichgeschlechtlich orientierter Frauen und Männer ab und bedauert sie. Es ist die Position der American Psychoanalytic Association, daß die mit uns verbundenen Ausbildungsinstitute ihre Kandidaten aufgrund ihres Interesses für die Psychoanalyse aussuchen, wegen ihres Talents, ihrer Vorbildung, ihrer Integrität, ihrer Bereitschaft zu Selbstanalyse und Ausbildung, und nicht aufgrund sexueller Orientierung.“
– American Psychoanalytic Association, Declaration on Homosexuality, adopted 1991, amended May 1992 (…)
Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die Homosexualität erst mit der 1992 veröffentlichten ICD-10 entfernt. Dafür wurde dort das Störungsbild der ich-dystonen Sexualorientierung (F66.1) im Bereich der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen. In der ICD-8 wurde Homosexualität bereits 1968 als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt.
In Psychoanalyse und Psychotherapie gibt es nach wie vor kontroverse Meinungen. Anhänger der Gay Affirmative Psychotherapy, die die internationale Mehrheitsmeinung vertreten, versuchen, den Umgang mit Homosexualität möglichst in das Menschsein zu integrieren. Im deutschen Sprachraum äußerten sich 2000 zwei Standardwerke klar und deutlich: Im Mertens/Waldvogel konstatierte Udo Rauchfleisch, daß Diskriminierung und Pathologisierung wissenschaftlich nicht vereinbar seien.[57] Im Stumm/Pritz verlangte Wolfgang Till von der Psychotherapie „eine nichtpathologisierende, vorurteilsfreie Haltung zur Homosexualität“.[58] Johannes Cremerius nannte (schon 1992) die Pathologisierung der Homosexualität und die Weigerung, Homosexuelle zur analytischen Ausbildung zuzulassen, als einen der wesentlichen Gründe für die Krise der Psychoanalyse.[59]
Dazu entgegengesetzt gibt es eine immer kleiner werdende Minderheit von Medizinern bzw. Psychoanalytikern, die Homosexualität im Gegensatz zum DSM-IV und zur ICD-10 als „krankhafte und behandlungsbedürftige Störung“ sehen (Charles Socarides[60] und Joseph Nicolosi). Der Psychotherapeut Douglas Haldeman, der ehemalige Vorsitzende der American Psychological Association, ist der Meinung, Lesben und Schwule hätten zwar ein Recht auf Veränderung ihrer sexuellen Orientierung, sofern sie mit ihren sexuellen Orientierungen unzufrieden seien. Bisher ist jedoch keine funktionierende „Therapie“ bekannt, mit der langfristig die sexuelle Orientierung verändert werden konnte. Die sogenannte reparative Therapie bezeichnet Haldeman als „Pseudowissenschaft“. Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische Identität eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört.[61] Im Sommer 2008 erklärte die deutsche Bundesregierung im Bundestag, daß die reparative Therapie in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt werde. Die deutsche Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, daß Homosexualität einer Therapie bedarf, noch daß Homosexualität einer Therapie zugänglich ist.[62] Auch Haldeman ist der Meinung, die sogenannte „reparative Therapie“ passe nicht in die moderne „mental health profession“ hinein, und sei „seit Jahren diskreditiert.“[63]” (Zitat Wikipedia Ende)

Ich (O.) interpretiere es mal so, daß nur der, der darunter leide als „ichdystone Sexualorientierung“ (F66.1) im Sinne einer Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden würde.
Freud soll argumentiert haben das Hetero auch nicht normal sei, sondern nur die Bisexualität – Aha, soso!

Peter: F66.1 Ichdystone Sexualorientierung

Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, daß diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.

Der Witz bei der Sache ist, daß noch nie jemand unter einer “heterosexuellen Ausrichtung” subjektiv gelitten hat. In dieser Hinsicht ist F66.1 pseudowissenschaftlicher, von Ideologie bestimmter SCHWACHSINN.

O.: Unter seiner Heterosexualität leidet der, der gerne das andere Geschlecht wäre, daher streben einige eine Geschlechtsumwandlung an, von Geschlechtsmißbildungen einmal abgesehen. Denke ich an meine Jugend zurück, habe ich oft gedacht, als Homosexueller wäre es wesentlich einfacher, Männer kann man leichter verstehen, Frauen überhaupt nicht. Ferner fehlte es nicht an direkten Angeboten unter Männern …, nun sind Männer aber nicht gerade die attraktivsten Geschöpfe, von daher kann man nur froh sein, daß alles so ist, wie es ist. 🙂

Peter 2015: Ich verweise auch auf meinen Blogeintrag Homosexualität und die Angst der Psychiater.

2011 waren „Rassenunruhen“ in England ein wichtiges Thema. Dazu Peter: Gewisserweise eine „gescheiterte biologische Revolution“: man (Labour) wollte ein fröhliches, offenes, buntes, multikulturelles Großbritannien…

http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/law-and-order/6418456/Labour-wanted-mass-immigration-to-make-UK-more-multicultural-says-former-adviser.html

Robert: Mit Biologie hat die Immigration durchaus etwas zu tun:
http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-sagen-sie-mal-irenaeus-eibl-eibesfeldt—_aid_158854.html

O. am 23. August 2011 um 23:23: Ich bring hier mal einen sonderbaren Report rein, der für mich keine plausible Erklärung hat. Diese Beobachtung wurde ca. 50 km von Kassel gegen 4:00 und in Bochum gegen 3:00 gesehen. (Das sind ca. 200 km Entfernung voneinander, kann aber auch viel größer gewesen sein.) Dauer des Phänomens ca. bis 5:15 Uhr am Dienstag den 23.08.2011.
Vorab gab es seit den 17.8.2011 schon vereinzelte Chemtrails am Horizont und in Deutschland über verteilt seit Beginn des Monats August Unwetter mit Überschwemmungen in verschiedenen Regionen. Das nur nebenbei.
Ich wachte aus dem Tiefschlaf auf, weil es blitzte … so dachte ich erst, aber es kam kein Donner. Wieder ein Unwetter, dachte ich, doch keine Winde und kein Regen folgte. Es blitzte wie eine kaputte Neonröhre, doch alle Straßenlampen waren aus. (Dorf eben) Es schien mir als blitzte es in einem Rhythmus, ich zählte. So alle vier Sekunden kam ein großer Blitz gefolgt von einem kleineren, wie ein Blinkzeichen aber nicht regelmäßig, dennoch etwas pulsierend, sich wiederholend, hellweiß. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand, da bin ich nicht gut ausgerüstet und versuchte es mit der Aufnahme über ein Laptop, doch darauf war nichts zu erkennen, als wäre der Blitz zu schnell gewesen und die Kamera zu lahm. Bei Handbewegungen zeigt sie diese auch schon verwischt, also leider war nichts drauf. Ich beobachte das Schauspiel – natürlich beunruhigt über eine Stunde, dann gehe ich doch mal raus als es etwas weniger wird. Der Himmel ist sonst dunkel, nach meinem Eindruck war alles bewölkt. Dunkelblaue Wolken (da kam der Lichtschein nicht durch nur oberhalb erhellte es den Himmel) unten und drüber die Leuchterscheinungen, die von der unteren Wolkenfront abgehalten werden. Als ich gegen 5:00 runtergehe kommt plötzlich ein stürmischer Wind auf, die Bäume biegen sich, die vorher ruhig waren, das Blitzen wird seltener, kein Geräusch. Jetzt denk ich wird es gleich böse schütten und ich gehe wieder zurück ins Haus, doch nichts kommt runter, kein Regen. Da nichts mehr passiert und das Blitzen weniger wird, gehe ich endlich ins Bett (wollte ja auch lieber schlafen). Am nächsten Morgen keine zwei Stunden später ist keine Wolke am Himmel und die Sonne scheint warm. Ein paar Arbeitskollegen haben dieses Phänomen auch kurz bemerkt, sind dann wieder eingeschlafen und haben sich nichts dabei gedacht. Eine weitere Person bestätigt dasselbe um 3:00 in Bochum.
Das Wetterradar hier bei wetteronline zeigt keine Wolkenfelder zu diesem Zeitpunkt (4:00), erst später kommt ein Wolkenfeld durch.
Es ist wohl unnötig zu sagen, daß ich heute morgen erstmal ein paar Stunden gebraucht habe, um mich wieder zu sortieren. Ehrlich gesagt, wäre mir ein kleines Ufo lieber gewesen, das wäre auch schon unheimlich, aber nicht so mächtig. – Von Oranur war jedoch nichts zuspüren …

Darauf Peter: Hier eine mögliche Erklärung: http://www.wz-newsline.de/home/panorama/blitzende-wolken-ueber-dem-rheinland-1.744989

O. 24. August 2011 um 01:35: Wenn der ganze Himmel mit dichten Wolken bedeckt war, hat man von unten keinen Blitz gesehen, auch nicht am „Rand“, ich hatte den Eindruck, daß ich es nur auf einer Seite gesehen hatte … es ist erstmal die beste Erklärung, Danke! Das läßt mich erstmal ruhiger schlafen 🙂
Und heute gibt es einen schönen Sternenhimmel.

O. 25. August 2011 um 00:01: Kaum hatte ich den letzten Kommentar hierzu geschrieben, begann es draußen wieder zu „Blitzen“ – ohne Donner und Blitz. Es waren keine nennenswerten Wolken am Himmel und sternenklar, so daß diese gute Erklärung zu diesem Phänomen nicht paßt. Stattdessen kamen die Leuchterscheinungen wohl vom Boden aus und reflektierten in den Himmel, am Horizont hinter einem Gebäude versteckt war ein wenige Meter großes auf höhen eine vierstöckigen Hauses gelboranges Leuchten zu erkennen. Evtl. schau ich mir das heute nacht mal genauer an. Ich hoffe das werden nicht meine letzten Worte gewesen sein … 😉 Das Phänomen kann eigentlich nur ca. 2-5 Kilometer weit entfernt sein.

O. 25. August 2011 um 02:09: Ich hätte jetzt zu gern eine schöne Videokamera, die das Spektakel aufnimmt. Im Moment ist noch alles ruhig (2:00 Uhr) und nichts zu sehen. Die Umgebung habe ich schon mal etwas erkundet. Ich komme mir schon vor wie der Typ im Fernsehen, der sich durch den Dschungel bewegt und irgendwelche Giftsschlangen suchte und letztlich dann von einem Krokodil erwischt wurde.

O. 27. August 2011 um 16:32: Das Phänomen ist leider nicht mehr aufgetreten …

Sebastian: Kann mir jemand etwas zum unten verlinkten Text sagen (nähere Informationen zum Autor, Beurteilung des Textes etc.)? Ich kann das aufgrund biologischer Unkenntnis weder einordnen, noch beurteilen: http://www.smn-germany.de/dokumente/biogenese.pdf

Peter: siehe dazu „Experiment 20: Frozen Bion Water Yields Life-Like Structures“: http://www.orgonelab.org/DeMeoBionsColor.pdf

Sebastian: Danke für die PDF-Datei. Sie erledigt nicht nur die Kritik am Experiment XX, sondern auch andere Anwürfe. Ich habe mich in den letzten zwei Tagen in die Bionexperimente (habe nur Der Krebs) + Entstehung der Krebszelle hineingearbeitet und mir den Text nochmal genauer durchgelesen. Also… Ich weiß nicht, ob ich übertreibe. Meine biologischen Kenntnisse sind sehr laienhaft, aber ich kann ganz gut den Inhalt von Texten verstehen. Und das, was der Dr. von und zu der Naturwissenschaften da schreibt, regt mich einfach nur auf.
Da beschreibt Reich die Entwicklung von Protozoen aus Bionbläschen, indem er stunden- und tagelang ins Mikroskop glotzt, das fotografiert und filmt, was von DeMeo und anderen nachvollzogen wurde, und dieser „Biologe“ erdreistet sich zu der Behauptung: „Nach aller heutigen Kenntnis handelt es sich weder bei den Koazervattropfen, noch den Mikrosphären und Bionen um Leben und auch nicht um Vorstufen in dem Sinne, daß daraus jederzeit wieder Leben entsteht.“ Ja, meine Güte, was haben die denn sonst bitte beobachtet? „Cysten“. Sind Cysten vor ihrer Entwicklung zu Protozoen unsichtbar (sowas weiß ich als Laie z.B. nicht, bitte um Aufklärung)? Reich schreibt jedenfalls: „Von Bakterien, Zysten oder Protozoen ist auch bei 4000x Vergrößerung nichts zu sehen“ und: „[Die Bionhaufen mit Membran] nehmen immer prallere Form an und sehen tatsächlich wie Zysten aus. Aber es sind nicht eingetrocknete Protozoen, sondern Gebilde in Entwicklung aus Bionhaufen.“
Außerdem hat sich das Folgende mit der PDF erledigt: „Auch wenn Reich, um sicherzugehen, Gras bei bis zu 80 °C sterilisierte und dennoch Protozoenentwicklung in seinen Heuaufgüssen fand, ist dies kein Widerspruch, denn C. cucullus Dauercysten überleben z.B. eine Behandlung mit 2%iger Salzsäure bei 97 °C (Grave, 1975).“ DeMeo autoklavierte mit 130° C.
Und was faselt er noch? „Es wird also kaum gelingen, in nährstoffreichen Lösungen eine Entwicklung von Protozoen einzuleiten, wenn sich keine Substanzen mit anhaftenden Cysten darin befinden, wie z.B. beim Heuaufguß.“ Aber genau das ist doch geschehen, oder irre ich mich??

Peter: http://charleskonia.com/editorials/project-protozoa/

Sebastian: “Project Protozoa” ist noch am Laufen oder besitzt das ACO schon die Aufnahmen?

Peter: Meines Wissens wurde vom ACO noch nichts in dieser Hinsicht veröffentlicht. Problem ist weniger das Phänomen selbst, sondern es so darzustellen, daß es 100% beweiskräftig ist. Bis dahin beispielsweise: http://www.youtube.com/user/arvec2

Peter: http://www.cellulacancerosa.it/
Der Biologe Dr. Armando Vecchietti.

Wilhelm Reich in Norwegen

26. September 2015

Gastbeitrag von Robert (Berlin)

Review:
Mitchel G. Ash (Hrsg.)
Psychoanalyse in totalitären und autoritären Regimen
Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a. M. 2010

Kapitel:
Håvard Friis Nilsen: Widerstand in der Therapie und im Krieg 1933 – 1945 – Die Psychoanalyse vor und während der Besatzung Norwegens durch die Nationalsozialisten (S.176 – 210)

Der folgende Aufsatz wird von mir nur in Bezug auf W. Reich referiert, andere Themen werden beiseitegelassen.

Bisher war nicht bekannt, dass der norwegische Vasall des Hitlerfaschismus, Vidkun Quisling, sich direkt zu Reich geäußert hätte. Durch die neuere Forschung wird aber immer klarer, dass Reich in den Ländern, in denen er sich aufhielt, eine maßgebliche Rolle spielte. In einer Rede von 28. März 1941 äußerte sich Quisling folgenderweise: „Die Psychoanalyse [sei] eine Erfindung des Juden Freud“, Reich ein eingeschleuster „sexualpornografische(r) Psychoanalytiker“, der vom „jüdischen Geist durchtränkt“ wäre. Er meinte, Reich sei „ein jüdischer Pornograf und Pseudo-Wissenschaftler“, der – so offenbar der Eindruck von Quisling – „von allen Seiten als ein Mann mit neuen, fruchtbaren Ideen aufgenommen worden“ sei. Noch spannender wird dessen Ansicht, wenn er behauptet, dass Reich an der Universität „geherrscht“ habe, von „dekadenten Intellektuellen gepriesen und von der regierenden Partei (den Sozialisten) bejubelt“ worden sei. Auch wenn wir manches als propagandistische Übertreibung ansehen müssen, wird doch ein Teil der Wahrheit entsprechen.

Nilsen meint, dass die Psychoanalyse – mehr als in anderen Ländern – in Norwegen politisiert gewesen wäre, wobei Harald Schjelderup, ein Anhänger Reichs, eine maßgebliche Rolle spielte. „Schjelderup vertrat die Ansicht, Wilhelm Reichs Charakteranalyse sei die bislang beste Arbeit über psychoanalytische Therapie und Reichs therapeutische Neuerungen, speziell betreffend das Thema Widerstand, seien … bahnbrechend(…).“ Schjelderup war es auch, der Reich dazu bewog, nach Norwegen zu kommen.

Schjelderup erlebte, wie Reich 1934 in Luzern offiziell aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) ausgeschlossen wurde. Wie inzwischen bekannt, ging man in der linken Psychoanalyse zuerst davon aus, dass Reich sich der skandinavischen Gruppe anschließen könnte. Als Voraussetzung für die Anerkennung dieser Gruppe in der IPV sollte jedoch jeglicher Kontakt zu Reich und seinen Schülern eingestellt werden. „Harald Schjelderup, Ola Raknes und Nic Hoel wollten diese Forderung grundsätzlich nicht akzeptieren. Seit sie Reich in Berlin kennengelernt hatten, waren sie von seiner Idee der Bedeutung des Körpers für die Analyse fasziniert, und die Art und Weise, wie Reich behandelt wurde, empörte sie.“

Auch Nic Hoel verteidigte Reich auf dem Luzerner Kongress. Sie sprach auf dem Kongress direkt zu den Zuhörern. „Laut Nic Hoel waren die Argumente der IPV gegen Reich defensiv und alles andere als überzeugend: »Die Argumentation eines Teils des Vorstands bezog sich nicht darauf, dass Reich Kommunist oder ‚Häretiker‘ war, sondern darauf, dass er aus psychoanalytischem klinischem Material gesellschaftliche Schlüsse zog.«“ W. Reich war sehr zufrieden, dass ihn Schjelderup trotz anderer politischer Ansichten unterstützte – und zwar mehr als seine marxistischen Kollegen. Ein Vorgriff auf spätere Erfahrungen mit Marxisten, die ihn verrieten oder bekämpften. Schjelderups Unterstützung war auch im Gegensatz zu der der marxistischen Psychoanalytiker kein Lippenbekenntnis, sondern Ausdruck seiner Hochachtung vor Reichs wissenschaftlicher Arbeit.

Nach dem Luzerner Kongress zog Reich auf offizieller Einladung von Schjelderup im Oktober 1934 nach Norwegen.

Nilsen ist der Ansicht, dass Reich seine Experimente aufgrund derselben Einstellung wie Schjelderup durchführte: „Schjelderup und Reich teilten wichtige Ansichten: Beide waren skeptisch, was die neuen spekulativen Tendenzen der Psychoanalyse anbelangte, und beide fühlten sich dem Empirismus verpflichtet. Außerdem teilte Schjelderup die Ansicht, die Reich in der Diskussion über Laienanalyse vertreten hatte: Die Psychoanalyse sei eine klinische Spezialdisziplin und der Medizin zuzuordnen. (…)

Schjelderup nahm Reichs Charakteranalyse ebenso wie die folgenden Arbeiten, die in Richtung Vegetotherapie wiesen, zur Gänze an. Für ihn war Reich der wichtigste Pionier, wenn es darum ging, die Psychoanalyse zu einem stärker empirisch orientierten Fach zu machen, und er lobte Reichs Beitrag (…) öffentlich sowohl in wissenschaftlichen Vorträgen als auch bei internationalen Konferenzen.“

In einem Artikel von 1936 war Schjelderup war der Ansicht, „…dass Reichs neue Charakteranalysetechnik ein neues Zeitalter der Psychologie einläuten könnte:
»Es ist nicht länger der Traum, sondern das Verhalten, das den Königsweg, die Via Regia, zum Unbewußten darstellt. […] Ich verweise interessierte Leser auf Reichs Arbeiten Charakteranalyse und Psychischer Kontakt und vegetative Strömung. Meiner Meinung nach repräsentiert Reichs Charakteranalyse den wichtigsten Fortschritt in der Psychotherapie seit Freud.«

Aus diesem Artikel geht klar hervor, dass Reich von Schjelderup nicht etwa als freundliche Geste in politisch schwierigen Zeiten nach Norwegen eingeladen worden war.“

„Das widerspricht allen bisherigen Darstellungen der Geschichte der Psychoanalyse in Norwegen, die Schjelderup Skepsis gegenüber Reich in den Vordergrund gestellt hatten.“ Hier ist besonders R. Alnæs zu nennen, der häufig in deutschen Publikationen zum Thema zitiert wird.

Schjelderup hoffte mit Hilfe von Reichs Charakteranalyse den Brückenschlag zur „Mainstream-Psychologie in Form des Behaviorismus“ schlagen zu können und damit „einen Beitrag zur wissenschaftlichen Akzeptanz der Psychoanalyse“ zu leisten.

In Bezug auf Reichs „Forschungsprojekt“ zur „Erforschung vieler psychoanalytischer Grundsätze im Lichte anderer Wissenschaften wie der Physiologie und der Zellbiologie“ konstruiert Nilsen allerdings eine Chronologie der Ereignisse. „Reichs so genannte Bionen-Experimente und das später folgende Orgon-Konzept, das er in Oslo entwickelte, wurden zur damaligen Zeit von der Wissenschaft abgelehnt.“ Nebenbei sei festgestellt, dass die Psychoanalytiker zwar ständig behaupten, Reich hätte wissenschaftlichen Humbug betrieben, aber selbst sich nie die Mühe machen, dies auch wissenschaftlich zu belegen, mit der Begründung, Reichs Hypothesen und Experimente wären an sich unwissenschaftlich, so als wären die Psychoanalytiker an sich Experten in Physiologie oder Mikrobiologie.

Zwar ist es richtig, dass Reich schon in Norwegen eine Lebensenergie postulierte, aber die Orgon-Energie benannte er erst am Schluss seines Aufenthalts in Norwegen.

Trotz dieser Ablehnung führte „Reichs Einfluss (…) dazu, dass die norwegische Psychoanalyse die Standardtherapie um die Berücksichtigung von Körpersprache, Muskelspannungen, Gesichtsausdruck, Tonfall, Atmungsweise (…) anreicherte.“

Dann geht Nilsen auf Nic Waal näher ein. Er schreibt: „Sowohl Nic als auch Sigurd Hoel zählten während Wilhelm Reichs Aufenthalts in Norwegen zu seinen engsten Freunden und Kollegen.“ Zu den weiteren Freunden zählt Nilsen Arnulf Øverland, der „ein berühmter Autor, Dichter und Herausgeber [und] …neben Sigurd Hoel der wichtigste Exponent und Pionier des Freudianismus in der Literatur war; er stand Reich auch während dessen Aufenthalt in Oslo nahe. Das Gedicht »Du sollst nicht schlafen«, das erstmals in Wilhelm Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualtheorie erschien, beschreibt einen Traum und stellt Øverlands Treue zur Psychoanalyse von Anfang an unter Beweis. […]

Reich, der ob der mangelnden Ernsthaftigkeit der Norweger und ihrer Ignoranz gegenüber dem Extremismus und der Gefahr, die das Hitler-Regimedarstellte, tief verärgert war, ließ Øverlands Gedicht stolz auf der ersten Seite seines Journals abdrucken – ein Text, der mehr bewirkte als jeder Leitartikel.“

Hier ist anzumerken, dass Reichs Journal Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie (und nicht „Sexualtheorie“ wie Freuds Buch von 1905) hieß.

Bevor Reich Norwegen verließ, kam es zu schweren Spannungen zwischen ihm und Schjelderup. Wahrscheinlich Ende September 1939 schrieb er einen Brief an Schjelderup, „…in dem er ihm mitteilte, dass es Schjelderup nicht länger erlaubt sei, die Begriffe »Charakteranalyse« oder »Vegetotherapie« zu verwenden, da diese seine, Reichs, Erfindungen seien und nur in Zusammenarbeit mit ihm angewendet werden dürften. Reichs bitterer Tonfall war Ausdruck seines Gefühls, von Schjelderup verraten worden zu sein, doch Schjelderup war seinerseits ebenso frustriert von der Art und Weise…“, wie Reich seine Reputation und die der Psychoanalyse durch seine Öffentlichkeitsarbeit geschadet hatte. Schjelderup sah sich gezwungen, wegen Reichs schlechtem Ruf sich von ihm in der Öffentlichkeit zu distanzieren. 1940 veröffentlichte er ein Buch Neurosen und der neurotische Charakter mit Angriffen auf „… den Reichschen Sexualismus und seine Überzeugung, eine befreite Sexualität sei das Allheilmittel gegen sämtliche Neurosen.“ Um sich in der Öffentlichkeit von Reich reinzuwaschen, unterstellte er ihm Positionen, die er gar nicht vertrat, während er therapeutisch weiter mit Reichs Charakteranalyse arbeitete. Während Hoel ihm von der Veröffentlichung während und wegen der deutschen Besetzung abriet, auch weil die darin Kritisierten sich nicht mehr dazu äußern konnten, weil sie auf der Flucht waren, wurde Schjelderup vom prodeutschen Hitleranhänger Klaus Hansen ermuntert, das Buch zu veröffentlichen – was dann auch geschah. Hoel brach daraufhin die Beziehung zu Schjelderup ab, der allerdings in einer Widerstandsgruppe an der Universität mitmachte. Am 15. Oktober 1943 kam er deswegen in ein Konzentrationslager in der Nähe zu Oslo, was er knapp überlebte.

Ein weiterer Anhänger Reichs war Nina Hasvold. Sie stammte ursprünglich aus St. Petersburg, war Kindergärtnerin und ließ sich psychoanalytisch ausbilden. Sie besuchte Reichs Seminare in Berlin und zog 1936 nach Norwegen. Dort bekam sie eine zweijährige Charakteranalyse durch Nic Waal. Sie leitete ein Kinderheim für jüdische Flüchtlingskinder, manche kamen aus kommunistischen Familien. Nach der deutschen Besatzung rettete sie die Kinder in einer verwegenen Flucht nach Schweden.

Ob Hasvold in der ZPPS mitschrieb, wäre m. E. noch zu klären. Ebenso ist ungeklärt, ob Reich bei der Rettung der Kinder aus Deutschland 1938 mitwirkte.

Interessant ist ebenso, dass Trygve Braatøy, Ola Raknes und Sigurd Hoel nach Schweden flüchteten.

Nach dem Krieg verhinderte der ehemalige Einfluss Reichs den Anschluss der Norweger an die IPV. Erst nach dem Tod von Schjelderup 1975 wurde die norwegische Vereinigung in die IPV aufgenommen.

320x

Diskussionsforum 2011: eine Nachlese (Teil 2)

10. September 2015

Robert machte aufmerksam auf: Das Korrespondenzblatt der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1910–1941

http://www.luzifer-amor.de/index.php?id=179

Kostenloser Download:

Klicke, um auf korrespondenzblatt_1910-1941.pdf zuzugreifen

Außerdem wies Robert darauf hin, daß es in der Zeitschrift SEIN um orgastistische Geburtsgefühle geht. Ganz das Gegenteil zu den üblichen Schmerzen bei der Geburt. Peter fand beim Zusammenstellen dieser Nachlese das:

Orgasmische Geburt – Das bestgehütete Geheimnis

O. verwies auf die Seite der Wilhelm Reich Gesellschaft (WRG), Berlin, wo die Frage beantwortet wird: „Was ist eigentlich die Reichsche Orgontherapie?“ http://www.wilhelm-reich-gesellschaft.de/content/reichsche-therapie

Kommentar von O.: Wieder eine orientierungslose Definition mit ein paar ausgewählten Reich Zitaten, die alles auszusagen scheinen und nichts ausdrücken. Es pulsiert mal wieder sehr lebendig und vor allem „demokratisch“ in der WRG, möcht man sagen.

O. weiter: Auf der WRG Seite werden die „Essentials“ original bei Reich zitiert – so heißt es:

Diese Frage ist bedeutend leichter zu beantworten als die vorangegangene, denn dazu brauchen wir Reich selbst nur heranzuziehen. Letztlich ist es eine Frage nach dem, was Reich selbst als essentiell für seine Arbeit schriftlich definiert hat.

… ich nun mit dem Ausdruck Orgontherapie auch die Charakteranalyse und die Vegetotherapie zu umfassen vorschlage. …. Die Orgontherapie konzentriert unsere Arbeit an der biologischen Tiefe, am Plasmasystem, oder, wie wir technisch zu sagen pflegen, am biologischen Kern des Organismus. (CA, S. 362)
Die Orgontherapie unterscheidet sich von allen anderen Arten der Beeinflussung des Organismus dadurch, daß sie unter weitgehender Ausschaltung der Wortsprache den Kranken dazu anhält, sich biologisch auszudrücken. (CA, S. 365)
Die zentrale Aufgabe der Orgontherapie ist die Zerstörung der Panzerung …, das Resultat der ideal durchgeführten Orgontherapie ist das Auftreten des Orgasmusreflexes. (CA, S. 369)

Diese 3 Zitate verdeutlichen die Essenz dessen, was wir als Reichsche Therapie benennen können, nämlich die Orientierung an den biologisch-energetischen Prozessen im Organismus jenseits der Wortsprache mit Ziel, ihr zur freien Beweglichkeit zu verhelfen, die für Reich im Orgasmusreflex sichtbar wurde. Verkürzt könnte man deshalb sagen, daß die Essenz Reichscher Therapie die Orientierung am Orgasmusreflex, an der biologisch-emotionalen Hingabehaltung ist.

Darauf Sebastian: Danke für den Text. Mir sind vier Dinge aufgefallen:

  1. widerspricht sich VKD [der Autor des WRG-Textes] bezüglich der statischen „Orthodoxie des ACO“ und geht nicht weiter auf die Qualität der Impulse von außen ein.
  2. kritisiert er die „Orthodoxie“, bemängelt dann aber ironischerweise selbst die Abweichung von den wesentlichen Inhalten der Orgontherapie.
  3. betont VKD organisatorische Probleme.
  4. stammt der Text von 2004. So neu ist er doch gar nicht, oder?

Zu 1.: Er nennt die Orgontherapie des ACO statisch. Als statisch bezeichnet er, was nur Impulse von innen zuläßt. Das ist ein Widerspruch. Wie kann etwas Impulsives statisch sein?
Sein Kriterium für Dynamik sind Impulse von außen und „atemberaubende Entwicklungsschritte“.
Die Impulse von außen rechtfertigt VKD mit neuen Charakterdiagnosen. Auf die Frage, wie man auf Impulse von außen reagieren soll, die Reichs wesentlichen Erkenntnissen diametral entgegenstehen, also die Qualität der Impulse, geht er nicht ein. Zudem stimmt es nicht, daß Reich sich nicht dazu äußerte, was er von Impulsen von außen hält:

Ein zweiter Ingenieur kommt an der Garage unseres Arbeitenden vorbei. Er merkt sofort, mit dem Kennerblick des Erfahrenen, daß der Arbeitende einen schweren Stand hat. Er legt seinen Rock ab, krempelt die Ärmel hoch und versucht zunächst zu begreifen, wie der Defekt beschaffen ist und ob der arbeitende Ingenieur Fehler macht. Er zeigt diesem eine wichtige Stelle, die er übersehen hatte, er überlegt mit ihm zusammen die Fehler, die bei der Arbeit begangen sein mochten. Er faßt mit an, bespricht und kritisiert die Arbeit und hilft, es besser zu machen. Sein Motiv ist keine nörgelnde Schwiegermutter und kein Versagen in seinem eigenen Beruf, sondern sachliches Interesse am Gelingen der Arbeit. […]
Im streng sachlich-wissenschaftlichen Sinne ist nur eine Art Kritik zulässig, die sogenannte immanente Kritik [sic!]; d. h. der Kritiker muß einige Forderungen erfüllen, ehe er sein Recht zu kritisieren in Anspruch nimmt:

  1. Er muß das Arbeitsfeld, das er kritisiert, selbst beherrschen [sic!].
  2. Er muß es zumindest ebensogut, wenn nicht besser kennen, als der, den er kritisiert.
  3. Er muß daran interessiert sein, daß die Arbeit gelingt, und nicht, daß sie mißlingt. Will er sie nur stören, haben seine Kritikmotive nicht mit sachlichem Interesse zu tun, dann ist er ein neurotischer Querulant, aber kein Kritiker.
  4. Er muß seine Kritik vom Standpunkt des kritisierten Arbeitsfeldes leisten [sic!]. Er kann nicht von fremden Standpunkten her kritisieren, die mit dem Arbeitsfeld nichts zu tun haben. (Massenpsychologie…, 6. Aufl., KiWi, S. 328 f)

Sebastian weiter: Die „atemberaubenden Entwicklungsschritte“ sollen Reich charakterisieren. Paradox: Ich habe Reich bisher genau andersherum interpretiert, was sein Werk für mich auch so attraktiv macht. Für mich ist Reich ein wissenschaftlicher Arbeiter, ein Forscher, dessen Forschungsmethodik gerade nicht „atemberaubend“ ist: Er macht eine Beobachtung, schreibt sie in sein Tagebuch, sammelt über lange Zeiträume (Jahre) akribisch weiteres Beobachtungsmaterial, erklärt es sich theoretisch und baut seine Technik aus, sammelt Beobachtungsmaterial, was sich daraus ergibt, stellt es zur Diskussion und nach diesem langen Prozeß veröffentlicht er es erst! So jedenfalls mein Eindruck von seiner medizinischen Entwicklung.

Zu 2.: Er spricht von einer unnötigen Einschränkung der therapeutischen Kompetenz. Wo unterscheidet sich das von der Kritik an den Körpertherapien, der WRG etc.? 🙂

Zu 3.: Ein Teil des Artikels handelt von organisatorischen Angelegenheiten. VKD spricht von „sozialer Kontrolle“, „Qualitätskontrollen“, „geschützten Titel[n]“, „keine[r] unabhängige Instanz [Organisation]“ und will damit zweierlei ausdrücken: Zum einen die Position des ACO unterminieren, zum anderen die (demokratische, organisatorische) Position der WRG stützen. Wenn man sich vor Augen führt, was Reich von Organisationen hält, erübrigt sich jeder Kommentar.

Robert dazu: Dies ganz im Gegensatz zu Angehörigen von erkennbar demokratisch organisierten Instituten und Institutionen, wie dies z.B. die Wilhelm-Reich-Gesellschaft ist.

Dies ist ihr absurder Anspruch, Wissenschaft per Demokratie zu betreiben. Für Reich sollten Fachleute die Entscheidungen treffen (Arbeitsdemokratie), die mit dem Stoff zu tun hatten. Wenn nun der Psychologe über Biophysik entscheiden soll und darüber nichts weiß, kann dies nur schiefgehen. Reich hat auch nicht über seine Forschungen abstimmen lassen. Der Fetisch der Demokratie kann nicht ernsthafte Forschung ersetzen.

Peter 2015: Die psychiatrische Orgontherapie hat sich aus der Psychoanalyse Freuds und dem gängigen Handwerkszeug der Psychiatrie heraus entwickelt (bevor das letztere vollständig von der Psychopharmakotherapie verdrängt wurde). Das dient in der Therapie aber immer nur einem: den Patienten mit seiner Panzerung in Kontakt bringen (in WIRKLICHEN Kontakt!) und dann (WIRKLICH erst dann!) durch denkbar einfache biophysische Eingriffe, die Panzerung aufzulösen. Man kann Jahrzehnte einer „Orgontherapie“ damit verbringen, etwa eine Brustpanzerung „biophysisch“ aufzulösen, ohne Kontakt des Patienten mit seiner Panzerung ist das alles vollständiger Unsinn. Diese Disziplin des Kontaktherstellens bringt kein Laientherapeut auf, zumal er das Handwerkszeug gar nicht hat mit Patienten professionell als Psychotherapeut umzugehen und ein psychotherapeutisches Gespräch lege arte zu führen. Impulse von außen, etwa durch Adlerianische und Jungianische Konzepte, sind, soweit sie nicht eh zur gängigen Psychiatrie gehören, nur ablenkender Firlefanz. Es geht um die Herstellung von Kontakt mit Blockaden und deren Auflösung. Da ist die Orgontherapie, d.h. die „biophysische Chirurgie“ (Reich), genauso primitiv wie die Chirurgie, die für das Herausschneiden von Blinddärmen verantwortlich zeichnet: aufschneiden, abschneiden, zunähen! – Manche verwechseln die Orgontherapie mit einem „spirituellen Weg“, d.h. mit Ideologie und Religion. Kurioserweise werfen sie dann der Orgonomie vor, diese sei ideologisch verhärtet und nicht offen für Impulse von außen. Diese ganze Diskussion ist derartig verquer und kontaktlos. Aaaaarrrggghhhhh!!!

Ich spreche aus eigener Erfahrung mit „Reichianischen“ „Therapeuten“: sie sind nicht in der Lage mit einem psychotherapeutischen Patienten umzugehen, wie es wirklich jeder konventionell ausgebildete Psychotherapeut selbstverständlich kann, wollen die Psychotherapie aber mit allen möglichen Dingen „erweitern“.

Ähnliches läßt sich über die Orgonomie generell sagen, die in den Händen von „Reichianern“ und Pseudo-Orgonomen zu einer Art Naturphilosophie wird. Etwa wie hier http://www.hanspeterseiler.ch/site/ganzheitlich_main.html : „Alles Seiende besteht aus Wellen, Schwingungen und Wirbeln eines lebendigen Fluidums, das als kosmische Urflüssigkeit, Weltäther oder auch als göttlicher Atem oder spirituelles Pneuma bezeichnet werden kann.“ Sicherlich würden 99% von allen Reich-Enthusiasten diesem Satz zustimmen und ihn zur Quintessenz von Reichs Lebenswerk erklären, das entsprechend „ausgebaut“ werden kann, nicht zuletzt „spirituell“. Doch das ist Unsinn! Die Orgonomie ist eine Wissenschaft. In Wissenschaften geht es um funktionelle Zusammenhänge, nicht um die Formulierung eines in sich geschlossenen „Weltbildes“. Und wieder: es sind genau jene, die ein „orgonomisches“ Weltbild vertreten, die für eine „Öffnung“ der Orgonomie eintreten. Was soll das bedeuten? Wissenschaft ist per se offen oder sie ist keine Wissenschaft. Tatsächlich meinen sie, daß sich die Orgonomie „anderen“ (man beachte meine Anführungszeichen) „Weltanschauungen“ öffnen soll.

Peter 2011: In Zeiten des Kults der Expansion wird alles auf Comedy und Fun reduziert. Sie fühlen sich zu Reich hingezogen – und können nur hysterisch, kindisch lachen.

Wenn irgendwas unsere “Kultur” symbolisiert, dann ist es wirklich das “Orgasmatron”: http://www.orgasmatron.com.au/

Frage: Werde ich einen Orgasmus haben?
Antwort: Wir können einen Orgasmus nicht garantieren, aber es macht definitiv Spaß es zu versuchen.

Die Angriffe auf Reich häufen sich, wie Ende der 1940er Jahre in den USA. Sie sind sogar noch gemeiner und hinterhältiger als damals. Linke machen ihn für den Zerfall des Klassenkampfes verantwortlich, Rechte für die Zersetzung aller Werte. Jetzt der britische Guardian anläßlich von Christopher Turners Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron:

http://www.guardian.co.uk/books/2011/jul/08/wilhelm-reich-free-love-orgasmatron

Man lese auch die Kommentare.

Und dann auch noch etwas zum Cloudbuster!

http://www.guardian.co.uk/news/2011/jul/06/weatherwatch-cloudbuster

Und dann der vielleicht schwerste Angriff seit Reichs Tod, vielleicht überhaupt der schwerste Angriff. Auf dem britischen kommerziellen Sender Channel 4 erschien als Folge 2 der Reihe The Sex Researchers:

http://www.channel4.com/programmes/the-sex-researchers/episode-guide

Die Sexforscher (Folge 2)
„Besseren Sex“ zu erreichen ist der Heilige Gral der Sexforschung, aber die Wissenschaft ist sich uneins über die Methoden. Findet alles im Kopf statt? Oder ist die Lösung bei Pillen und in der Chirurgie zu suchen?
Das zweite Programm in der Serie befaßt sich mit der neuesten wegweisenden Forschung in Sachen Sex und der Wissenschaft, den richtigen Partner zu finden.
Es betrachtet die Vor- und Nachteile von chemischen Mitteln, wie Viagra, und die moralischen Dilemmata bei der Entwicklung von „Liebesdrogen“, um die Libido aufzupumpen und Partner anzuziehen.
Der Film bietet auch einige seltsame Episoden in der Geschichte der Sexforschung, wie etwa die Arbeiten von Wilhelm Reich. Ein Kumpel von Einstein, der behauptete, daß er die verborgene libidinöse Kraft entdeckt hatte, die das Universum entstehen läßt und die er „Orgon“ nannte.
Freuen Sie sich auf die enorme Operation, um den Penis eines Taiwanesischen Mannes in eine Art von Gelenklampe zu verwandeln und den Versuch, Männer mittleren Alters durch Transplantation von Affenhoden zu verjüngen.

„Kommerzieller Sender“? Alle Sender der westlichen Welt werden von linken Pestratten dominiert! Hier meine damaligen spontanen Notizen beim Betrachten dieser Scheiße, die nach der ersten Ausstrahlung zurückgezogen wurde, nachdem James DeMeo seine Anwälte darauf angesetzt hatte:

Das schlimmste EP-Angriff JEMALS: ab 06:50 Minuten mit Jim DeMeo. Reich (bzw. der Schauspieler, der Reich spielt) masturbiert vor der Kamera, um die Orgasmusenergie zu messen! „So viele Orgasmen wie möglich führen zur Gesundheit.“ – Reich ist weiter am Masturbieren. DeMeo-Szene. Nächste Szene: Reich masturbiert einen nackten Patienten! Als sich Gerüchte verbreiteten, er sei psychisch krank, floh er in die amerikanische Wildnis! Dort erfand er seine Karriere neu und erfand Boxen, um die Orgonenergie zu nutzen. DeMeo und seine ORACs. Die weltumspannende Orgasmusenergie wird an die Person, die innen sitzt, abgestrahlt. MAN MUSS DIE HÄMISCHE STIMME DES SPRECHERS VOLL ABGRUNDTIEFER VERACHTUNG HÖREN!! Dann wird der ORAC-Trichter (shooter) gezeigt – und aus dem Kontext heraus wird jeder denken, er werde auf den Penis aufgesetzt! Reich und Einstein – Einstein erklärte es als einfache Wärmeübertragung. Als Reich erwähnt, daß die Menschen ihn als verrückt betrachten, antwortete Einstein: „Das kann ich verstehen!“ Reichs Ruf in Amerika war bald so schlimm wie in Europa. Die ORACs wurden zu einem Betrug ersten Ranges erklärt. Es stellte sich heraus, daß die Übel der Gesellschaft von reichlich Orgasmen nicht gelöst werden. 12:15 Minuten.
DeMeo hatte nicht die geringste Ahnung, daß er von Modju mißbraucht wurde. Es war nur eine TV-Dokumentation.

Leider mußte ich über weitere zwei Berichte über Reich in der englischen Presse berichten:

http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2015005/Did-wooden-box-trigger-sexual-revolution.html

http://www.economist.com/node/18956016?story_id=18956016

Es macht den Eindruck, daß diese Angriffe darauf zurückzuführen sind, daß, wenn es ein Hindernis auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft gibt, die dem modern liberal (dem pseudo-liberalen „linksgrünen“ Kommunisten) so wichtig ist, die sexuelle Revolution im Reichschen Sinne verantwortlich gemacht wird. In einer Art „emotionaler Verschwörung“ bzw. „emotionaler Kettenreaktion“ (es geht hier also nicht um eine Verschwörungstheorie im üblichen Sinne!) wird Reich als der imaginierte Schöpfer dieser Kalamität angegriffen.

Robert verwies darauf, daß James DeMeo seinen Kommentar gegeben hat: https://www.economist.com/users/James%20DeMeo/comments

Und schließlich O. mit seiner Generalabrechnung mit DeMeo:

Zur Anmerkung, daß meine Bemerkung zum Filmbeitrag DeMeos sarkastisch sei:
Ich finde, daß wenn Mist gebaut wurde, DeMeo immer dabei war. Er hätte es eigentlich besser wissen müssen, tut es aber nicht, da stimmt für mich was nicht bei ihm. Und das ist das ständige Geltungsbedürfnis, das scheinbar sachliche Beiträge oberflächlich richtig erscheinen läßt, aber da immer was Schräges rauskommt. Und genau das ist ihm in diesem Film passiert, er ist keine Zwanzig, wo man noch naiv agieren kann. Er hat Erfahrung mit F[…], T[…] und anderen und lernt nichts daraus? Haben die ihn nicht genug ver… ? Da läßt er sich von Fernsehleuten noch vorführen, als hätten die noch nie über Reich schlecht geredet, als würden sie „neutral“ urteilen wollen. Das regt mich nicht auf, sondern da kann ich nur – meinetwegen sarkastisch grinsen.
DeMeo meint es vielleicht gut, aber das (mir) reicht nicht. Er ist oberflächlich argumentativ überzeugend und hält die Fahne hoch, doch wir (so wie General Castor) brauchen keinen Fahnenträger.
Konkret: Beispiel 1: Die Saharasiathese sollte mit statistisch signifikanter Studie (seiner Diss) irgendwie belegt sein. Oberflächlich ist sie plausibel als Hypothese. Die methodische Ausarbeitung ist aber nicht aufgeführt. Seine Arbeit ist nicht nachvollziehbar und auch nicht signifikant. Angaben zum Test fehlen. Somit ist sie kritisch betrachtet ein Prosatext ohne Aussage. Das ist um so fataler, da wir hier weitreichende Annahmen machen über die islamische Kultur, arabische Staaten etc. Dann ist einfach zu dünn. [Siehe dazu die Diskussion in den Kommentaren zu https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/09/02/james-demeos-saharasia-theorie/%5D
Beispiel 2: DeMeo entgegnet Harrer (als fast einziger) verbal fundiert und sich auf Reich beziehend [siehe dazu Teil 1]. Das hört sich gut an, ich könnte ihm in manchen Punkten auch Recht geben, aber er weiß nichts von Harrers Arbeit, außer etwas vom Hörensagen.
Sein Motiv ist doch wohl leicht zu unterstellen, er will sich auf der Seite der WRG schlagen, zu denen er auch gute Kontakte hatte, die Harrer damals loswerden wollten.
Das die WRG aufgrund von Unfähigkeit irgendetwas wissenschaftlich zu beurteilen vor Harrer einknickte und um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen (rein taktisches Vorgehen, das Fähnchen nach dem Wind halten), konnte DeMeo nicht ahnen und dann auch nicht fassen, würde ich vermuten. Die Orgonenergie wurde nicht in der „Maierklärung“ wegerklärt, weil Harrer so brillante „Beweise“ hatte, sondern weil ihn keiner verstanden hat.
DeMeos Ausführungen sind keine Auseinandersetzung mit Harrers Ergebnissen, sondern oberflächliche Gegenargumente, die eine Scheindiskussion führen auf fraglichem Niveau, nämlich keinem wissenschaftlichen, den Harrer für sich beanspruchte.
Seine Entgegenung ist der Versuch Reich zu verteidigen oder für sich selbst „Punkte“ zu sammeln (damit man ihm mal sein Labor und seine Ambitionen als zweiter WR finanziert). Hier gilt auch das Prinzip, wer viel „arbeitet“ hat Recht und Ansehen in der Reichszene, ein doch fragliches Dogma, was von Reichs Arbeitsdemokratie abgeleitet sei. DeMeo will hier wieder die Welt retten, als James (007). – Ok, der Kommentar war wieder sarkastisch, aber es soll hier mal sein Motiv zeigen.
Beispiel 3: Wirft das CLB-Projekt nicht Fragen auf? CLB mit F[…], T[…] und S[…]. – In Konkurrenz übrigens zu Harrer.
Daher der unterschwellig persönlich gefärbte und motivierte Diskurs als Abrechnung mit Harrer und nicht als inhaltlicher Beitrag!
Für mich schleimt DeMeo wo er kann auf allen Seiten und es geht ihm nur um Anerkennung (Narzißmus), das ist mein Resümee, sonst hätte er gemerkt, daß er auch nur benutzt wird, um mit ihm zu glänzen. Er stellt im Internet seinen Disput mit T[…] (und umgekehrt) zur Show und lobt kritiklos F[…]. Da dürfte doch mal etwas auffallen, oder? Deftige Kritik an Harrer, obwohl dessen Inhalte nicht bekannt sind (bis heute nicht) und unseren Experten F[…] für Engelsakkumulatoren wird nicht mal in einer Fußnote kritisiert. Also da ist es dann mit der „Verteidigung“ von Reich nicht mehr so wichtig. Das nenne ich eine einseitige und fragwürdige Haltung, die (auch hier) alles in Frage stellt.
Und jetzt sollen bei der Filmdarstellung die anderen Schuld sein? Sind es denn bei DeMeo nicht immer die anderen? Wer schult einen „Haufen Orgonitten“ im CLB, damit sie Wetterchaos anrichten können? Welche anderen waren es? Wer schreibt „So Du willst einen CLB bauen“ in der BZ der Orgonomie, wo klargestellt wird, daß man erstmal eine abgeschlossene Orgontherapie für sich braucht, und läßt dann unsere „Panzerknackergang“ an das Gerät, die von Orgontherapie nur drei Zitate im TB Fischer der Charakteranalyse findet?
Seriöse Arbeit Mr. Dr. phil. DeMeo sieht klar anders aus. (Ich hoffe die Titel sind korrekt, ansonsten entschuldige ich mich an dieser Stelle.)
DeMeo hat nicht ein einziges Mal darüber nachgedacht, geschweige denn seine Methode überprüft, als man ihm vorgeworfen hat, daß er Wetterchaos anrichtet, ob er tatsächlich mit dem „Greening Desert Project“ nicht völlig falsch liegt. – Alle hier bereits ordentlich kritisierten Projekte wie Greening Africa, auch die chemtrail Aktivisten, sind Nachahmungen seiner populistischen Aktivitäten (Orop Namibia, Arizona usw.), die „nie Anerkennung“ erfuhren. (Die anderen sind Schuld). DeMeo irrt nicht – so scheint es – er kann nicht irren und ist unfehlbar, unkritisierbar.
DeMeos Haltung ist für mich nicht konsistent, sondern zu widersprüchlich.
Dies soll als Argumentationslinie für hier einmal ausreichen. Die Kritik und den Hinweis, daß ich sarkastisch war, nehme ich an; das ist unangenehm und dies zu ändern fällt mir schwer, aber ich kann mal daran arbeiten!

Sebastian: Ich habe ein paar Fragen zu den weiblichen Geschlechtsorganen und zum Orgasmus aus orgonomischer Sicht. Was sagt der Orgonom zur Gräfenberg-Zone (G-Punkt), zur erogenen Zone nach Chua Chee Ann (A-Punkt) und was weiß ich, wie die Vagina noch in einzelne Punkte oder Zonen zersplittert wird? Was hat es mit der weiblichen Ejakulation auf sich? Reich beschreibt diese überhaupt nicht. Und was ist von multiplen Orgasmen zu halten, die ja landläufig als „Superorgasmus“ gelten?

Peter: Frauen haben bei der Selbstbefriedigung meist intensivere „Orgasmen“, manchmal sogar „multiple Orgasmen“. Das hat mit einem „Orgasmus“ ziemlich wenig zu tun, der mehr ist als eine starke Nervenerregung und „Jucken“. Was den G-Punkt betrifft, markiert er nur das innere Ende des sehr umfangreichen Klitorisgewebes. Dieses trägt zur Erregungssteigerung bei, der Orgasmus (= Plasmazuckung) selbst ist jedoch unabhängig von derartigen Nervengeweben. Siehe auch https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/05/28/die-funktion-des-orgasmus-und-%E2%80%9Edie-moderne-naturwissenschaft%E2%80%9C/

Sebastian: Mir kam da eben so ein Gedanke. Die Beschreibung des Erregungsverlaufs bei multiplen Orgasmen einer Frau (…) hat mich an Reichs Beschreibung der Nymphomanie erinnert. Kann das sein? Sie beschreibt den Verlauf als eine Welle. Reich schreibt:

Das achte Schema stellt den Verlauf der Erregung bei Frauen dar, die sehr darunter leiden, daß sie während eines Geschlechtsaktes mehrere Male der Akme ähnliche Sensationen erleben, ohne jedoch die Spannung zu verlieren, so daß sie in ständiger sexueller Erregung verbleiben („Nymphomanie“). (Frühe Schriften II, S. 59)

Nun ist sie allerdings ziemlich begeistert davon und in der Doku bezeichnen irgendwelche Hippie-Frauen den multiplen Orgasmus als „Superorgasmus“. Ich sag‘s gleich vorweg. Das ist für Reich-Kenner eine relativ unerträgliche Doku mit ihren Sexgurus, Vagina-Fitnesstrainern, Meditatoren und Hippies, die die unwillkürliche Hingabe nicht kennen und alles kontrollieren wollen.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=HlqNYQhgB0E%5D

Peter: Was das weibliche Ejakulat betrifft: Reich ging es um die Qualität des Scheidensekrets. Je sämiger und öliger, desto besser. Das weibliche Ejakulat ist dünnflüssig, teilweise ein feines „Spray“. Ich glaube kaum, daß es eine großartige Korrelation zur orgastischen Potenz gibt.

Peter weiter: Baker beschreibt das ganze sehr schön hier: http://orgonomy.org/articles/Baker/Sexual_Theories_of_Wilhelm_Reich.html

Das Vorspiel steigert die Erregung weiter bis die Vereinigung (Wunsch nach Eindringen) dringlich wird. Ein Wunsch, der in beiden Partnern vorhanden sein sollte. Bei Männern ist die Erektion eine offensichtliche Voraussetzung.
Bei der Frau ist die Erektion nicht so offensichtlich und wird nicht derartig als Voraussetzung betrachtet. Dennoch erigieren Schamlippen bei adäquater sexueller Bereitschaft, wie die Brustwarzen, wenn die Brüste reagieren. Des weiteren gibt es zwei Arten von Vaginalsekret, wäßrig und schleimig. Letztere, die elektrolytisch ist, bietet ein höheres Maß an Kontakt und Erregung und wenn sie nicht vorhanden ist, ist eine Frau nicht vollständig sexuell bereit. Längeres Vorspiel mit Stimulierung der Klitoris wird tendenziell einen klitorialen Höhepunkt produzieren und die vollständige vaginale Reaktion stören.
Es ist noch immer eine Frage, ob die Frau in der Scheide selbst Lust fühlt oder ob dies eine Illusion ist, die von Lustempfindungen an den Schamlippen und am Scheideneingang bedingt ist. Die Hinterwand der Vagina scheint am meisten zu reagieren. Es gibt entsprechend einen definitiven Drang nach Penetration und vaginalem Orgasmus im Gegensatz zum klitoralen Höhepunkt. Letzterer erzeugt nur eine lokale Reaktion, während ein vaginaler Orgasmus eine totale Reaktion des gesamten Organismus darstellt, die zur kompletten Befriedigung führt. Auch wird, wo genitale Potenz vorliegt, die Scheide zu einem aktiven Organ, das am Penis saugt, wie der Mund an einer Brustwarze saugt.
Die wirkliche genitalen Vereinigung, bei der Kontakt (Strömungen) vorhanden ist, bewirkt das dringende Bedürfnis nach reibenden Bewegungen, weich aber aggressiv und synchron mit der Atmung. Schnelle, harte Bewegungen beruhen auf Kontaktlosigkeit und überdecken jede natürliche Empfindung der Hingabe. Zaghafte Bewegungen oder Mangel an Bewegung kann durch Angst bedingt sein oder um das Empfinden zu drosseln.
Der tatsächliche Geschlechtsakt dauert zwischen drei und zwanzig Minuten mit einem anhaltenden Gefühl von natürlicher Sanftheit. Die Position erfordert nur, daß es zu keiner Behinderung der Bewegungen kommt. Man kann direkt zum Orgasmus fortschreiten oder auch nicht. Man kann innehalten, die Stellung ändern, etc., aber an einem bestimmten Punkt wird der Akt automatisch und initiiert die unwillkürliche orgastische Zuckung. An diesem Punkt wird das Anhalten oder anderes Eingreifen als sehr schmerzhaft und störend empfunden. Dies kann auftreten, wenn einer der beiden den vollen Schwung der orgastischen Zuckung nicht erträgt und durch schnelle, ruckartige Bewegungen oder sogar Rückzug eingreift. Oder man erstarrt und wird unbeweglich und verliert die Empfindung sogar gänzlich. Der Geschlechtsakt sollte frei von Phantasien sein, die in sich selbst eine Flucht darstellen.
Der vollständige Orgasmus hängt vom kompletten Fehlen von Festhalten im Organismus ab. An einem bestimmten Punkt ergreift die Erregung den ganzen Menschen und ihre Zunahme unterliegt nicht der willkürlichen Kontrolle. Nachdem sie sich zunächst auf den gesamten Organismus ausgebreitet hat, konzentriert sie sich im Genitalbereich und es folgt eine warme, schmelzende Empfindung. Unwillkürliche Muskelkontraktionen im Genitalbereich und im Beckenboden treten in Wellen auf. Der Berg jeder Kontraktionswelle fällt mit einer tiefen Penetration während des Ausatmens zusammen. Es folgen die Spasmen, die die Ejakulation hervorrufen. Bei Frauen treten Kontraktionen auf und es kommt zu einer Dehnung in der Vagina, ergänzt durch den Wunsch, vollständig zu empfangen. Aufgrund der Invagination ist dies vergleichbar mit dem expansiven Drang des Penis, vollständig zu durchdringen. Es folgt eine Trübung des Bewußtseins und eine Zunahme der Kontraktionen, die den ganzen Körper betreffen. Nach den Konvulsionen bleiben die beiden Organismen für eine Zeit vereinigt, während die Energie, die sich auf das Genital konzentriert hat, wieder durch den Organismus fließt, was als Befriedigung empfunden wird. Die folgende Trennung ist mit Entspannung verbunden, einer zärtlichen, dankbaren Haltung gegenüber dem Partner und Schlaf.

Zur Illustration siehe
https://orgontherapie.wordpress.com/glossar/ unter dem Stichwort „orgastische Potenz“.

Ich glaube, in manchen Kreisen würden die Leute in Schockstarre verfallen, wenn man ihnen das vortragen würde. Und es ist nicht der katholische Kirchenkreis, an den ich hier denke 😉

Orgonomie und Buddhismus (Teil 1)

26. Juli 2015

Die Begierde ist das Wesen des Menschen selbst, nämlich das Streben, kraft dessen der Mensch in seinem Sein beharren will.

Spinoza

Es ist so angenehm, sich selber zu verneinen, es ist eine Wollust zu entsagen! Es ist die höchste Wollust!

Comte

Das folgende ist gefährlich. Oder wie mir vor vielen Jahren ein besorgter Freund sagte: Ich solle auf keinen Fall die Anhänger des tibetischen Buddhismus unterschätzen. Sie seien fanatisch und mit ihnen sei nicht zu spaßen. Wie alle faschistischen Systeme beruht er auf der Aufgabe des eigenen Ich, letztendlich auf der Verneinung des Lebens selbst. Die Gläubigen machen sich zu Werkzeugen „höherer“ Mächte.

In der Orgonomie ist Lust die fundamentale Emotion schlechthin. Für das Christentum ist die tiefste Realität der Welt ebenfalls die Lust – des Schöpfergottes und der Seelen, die er erschaffen hat. Das Grundgefühl des Buddhismus ist die Unlust. Anders als der christliche Glaube will der Buddhismus zur totalen Ernüchterung und Objektivität führen, worin er dem öden mechanistischen Weltbild sehr nahe kommt, das sich aus dem christlichen ähnlich entwickelt hat, wie das buddhistische aus dem brahmanischen.

Während das Christentum, das ganz auf dem Affekt der liebenden Hingabe an Gott beruht, den Intellekt zugunsten der Emotionen abtötet (1 Kor 1,17-25), appelliert der Buddhismus, der jeder Leidenschaft abhold ist und alle Emotionen abtötet, an den Intellekt. Jeder fortgeschrittene Buddhist wird sagen, daß alle Wahrheit nur relativ sei, z.B. es vom Gesichtspunkt der Erleuchtung aus weder Erleuchtung noch den Ozean des Leidens gäbe. Dergestalt ist der „Edle Mittlere Pfad“, d.i. der Buddhismus, der sich jeder Festlegung entzieht, wie ein glitschiges Stück Seife unwiderlegbar. Es ist genauso sinnlos sich mit einem Buddhisten auseinanderzusetzen, wie es unsinnig ist mit einem Linksintellektuellen über die soziale Wirklichkeit zu diskutieren.

Dialektische Verrenkung gab es bereits bei den indischen Skeptizisten, Zynikern und Sophisten aus Buddhas Zeit, die verkündeten, daß es keine Wahrheit und keine Lüge, keine mystische Hinterwelt und keine mystische Erlösung gäbe und man sich einfach seines Lebens freuen sollte, ohne sich ein Gewissen zu machen! Wäre Indien diesen die mystische Hinterwelt zertrümmernden Aufklärern und nicht den angeblich „Erleuchteten“ gefolgt, hätte es die welthistorische Rolle Europas spielen können. Stattdessen ist Indien für immer seines Lebensfeuers beraubt worden – und diese kanzeröse Pest greift nun, nachdem es die übrigen asiatischen Völker emotional vergiftet hat, nach Westen.

Der Buddhist erkennt, daß letztendlich für ihn und allem, was er liebt, das Leben nur Leid und Tod bedeutet. Dieser Realismus verleiht dem Buddhismus Größe, die noch dadurch unterstützt wird, daß der Buddhist durch diese (nicht etwa trotz dieser) Erkenntnis eine bemerkenswerte Seelenklarheit, Ruhe und Heiterkeit gewinnt, die dem islamischen kismet und inshallah entspricht und sich gleichzeitig radikal von ihm abhebt: Warum sich aufregen, wenn sowieso alles den Bach runtergeht? Warum die Seelengelassenheit durch sinnlose Emotionen gefährden? Warum sich emotional an etwas Vergängliches binden und sich dadurch verletzlich machen?

Dementsprechend kommt die buddhistische Heiterkeit nicht aus der (Mit-) Freude am Leben, sondern ganz im Gegenteil aus der Distanz aufgrund der Unterdrückung aller Lebenstriebe und der Kontrolle aller Sinne. Die Kultiviertheit und Distanziertheit des buddhistischen Asiaten ist das exakte Gegenteil der Genitalität, wie sie sich in der „ungehobelten Primitivität“ der Urvölker zeigt; bei den genitalen Trobriandern oder Murias oder Eskimos – und die die Orgonomie wieder freilegen will. (Siehe dazu Eine andere Gesellschaft ist möglich. LEBEN ist möglich!)

Soweit ist der Buddhismus nur neurotisch; über bloßen Stoizismus hinausgehend und wirklich pestilent wird er dadurch, daß er die richtige Einsicht von der Prozeßhaftigkeit der Welt in ihr Gegenteil verkehrt und statt Hingabe an das Leben zu predigen, das vergängliche Leben für wertlos erklärt und das Verlöschen des Lebensfeuers predigt. Er verewigt unsere Existenz in der Falle, indem er auf illusorische Ausgänge verweist. Dabei ist das Nonplusultra an Pestilenz, daß der buddhistische Ausgang gewissermaßen eine echte Alternative ist, so wie der Tod eine echte Alternative zum Leben ist. Dies macht den Buddhismus zum eigentlichen Gegenspieler der Orgonomie.

Seinem Selbstverständnis nach ist der Buddhismus mehr als bloße Religion und sogar mehr als spekulative Naturphilosophie, nämlich ein auf meditativen Erfahrungstatsachen beruhender und deshalb überprüfbarer Weg. Er führt zur Erfahrung des unbedingten „Nirwana“, der unbedingten „Leere“ und des unbedingten „Buddha-Bewußtseins“ jenseits aller schemenhaften Bedingtheit. Dieses „Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Ungeschaffene“ ist konkret und pragmatisch betrachtet einfach die Losgelöstheit von allen Triebenergien, d.h. sie bedeutet die Negation der Orgonenergie.

Die anderen im Gegensatz zum Buddhismus naturphilosophisch orientierten Systeme Indiens hatten wenigstens ihre positiven Substanzen als Erinnerung an das handfeste Leben, während der Buddhismus nur die abstrakte Negation des „leer von allem Bestimmbaren“ kennt. Diese „metaphysische“ Verödung ist identisch mit einer emotionalen Verödung. Es gibt für den Buddhismus keine Selbststeuerung, sondern nur das „selbstlose“ ethische Gesetz des Kosmos (dharma), das identisch mit dem Absoluten ist (die Leere, sunyata).

Die „Erfahrungswissenschaft“ Buddhismus, die sich nicht auf die empirische Untersuchung der äußeren, sondern die meditative der inneren Natur stützt, beruht auf einer speziellen Form der okularen Panzerung, die ich in Die Massenpsychologie des Buddhismus beschreibe. Der Buddhist bleibt buchstäblich innerhalb der Augenpanzerung „sitzen“ und redet dann von Transzendenz und Befreiung.

Hier kann der Buddhist mit recht einwenden, daß es im Buddhismus keine Selbstbespiegelung gibt, da er jede Form von substantieller „Selbstheit“ leugnet und deshalb keine absolute Geist-Monade kennt. Das Problem ist nur, daß die Achtsamkeit, mit der jedes illusorische „Ich“ zersetzt wird, auf einem Bewußtsein beruht, das schließlich doch zum „wahren Ich“ erhoben wird. Auch das erläutere ich eingehend in Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Ohnehin gibt es in der Spiegelwelt des vereinzelten Autisten gar kein Ich, da sich ein solches nur in der Gesellschaft mit anderen „Ichen“ ausbildet. Als Nicht-Ich ist er die ganze Welt und gleichzeitig radikal abgetrennt von der Welt. Außerdem gibt es in Asien von vornherein gar kein „Ich“ und keine persönliche Verantwortung, sondern nur das Gruppen-Ich der Familie, der Sekte, des Stammes oder der Nation und die altruistische Führer-Persönlichkeit: das buddhistische Bodhisattva-Ideal.

Der Buddhismus ist der anti-lebendige Nihilismus schlechthin, der uns die Verworfenheit und Substanzlosigkeit des Daseins predigt, wo es doch nur darum gehen kann, das Leben zu leben. Nur in der vorbehaltlosen, emotionalen Bindung an das empirische Dasein und dergestalt das Einssein mit den energetischen Funktionen sind wir in der „Ewigkeit“. Der Schlüssel zur Überwindung des Todes liegt einzig und allein in der Genitalität, denn nur die orgastisch potenten Einzeller sind unsterblich. Der nekrophile Buddhismus wirft dieses unser höchstes Gut in den Dreck. Er ähnelt darin der mechanistischen Wissenschaft.

Für die Orgonomie ist Zellteilung Ausdruck der heilenden Funktion des Orgasmus, während sie für die moderne Humanbiologie in erster Linie Alterung und Tod bedeutet, da die Erbinformation immer schlechter kopiert wird, so daß das Leben langsam entartet, d.h. altert. Desgleichen bedeutet auch für den mechano-mystischen Buddhismus das Leben nur Zerfall und Leid. Letztes Ziel sowohl der modernen Medizin wie des Buddhismus ist es, die zyklische Pulsation, die der Buddhismus als ewige leidvolle Wiedergeburt mystifiziert, zu beenden. Die Orgonomie jedoch will sie hervorrufen, verstärken und bewahren.

Europäisch ist das Ideal „des übermütigsten lebendigsten und weltbejahensten Wesens“ das „unersättlich da capo rufend“ das Auf und Ab des Lebens will – in alle Ewigkeit (Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse, Kritische Studienausgabe, Bd. 5, S. 75). Dem kosmischen Menschen bedeutet die buddhistische Diagnose des Kreises des Weltentreibens als leidvoll nichts, denn er steht, so Nietzsche,

mit einem freudigen und vertrauenden Fatalismus mitten im All, im Glauben, (…) daß im Ganzen sich alles erlöst und bejaht – er verneint nicht mehr… Aber ein solcher Glaube ist der höchste aller möglichen Glauben: ich habe ihn auf den Namen des Dionysos getauft (Götzendämmerung, Kritische Studienausgabe, Bd. 6, S. 152)

– dem im Buddhismus Buddhas Versucher und Gegenspieler „Mara“ entspricht.

Der anti-dionysische Buddhismus ist eine sehr gute, aber auch oberflächliche psychologische Diät und Hygiene, bei der es um die Ruhigstellung des Körpers und seiner Begierden durch die Zügelung des Geistes geht. Einsicht in die Zwecklosigkeit des Lebens soll die Energiequelle abdrehen und so zur Heilung führen. Es ist das Gegenteil der sexualökonomischen Hygiene, bei der es um Ruhe des Geistes durch eine geregelte Abfuhr der gestauten Energie geht.

Und was ist mit dem „fortgeschrittenen Buddhismus“, dem tantrischen Buddhismus? Er versucht nicht die Triebenergie zu drosseln und er arbeitet mit „dionysischen“ Emotionen, da er sie nutzen will. Er will, indem er durch sie hindurchgeht, die Sexualität um so besser sublimieren und überwinden, ganz ähnlich wie es die Psychoanalyse versucht.

Ohnehin erinnert der Buddhismus in seiner ganzen Lebensfeindlichkeit stark an die Freudsche Psychoanalyse: die Triebe, die einst von einem schwachen Ich pathogen verdrängt werden mußten, werden nun von einem starken Ich bewußt verurteilt und so „Begierde in Weisheit“ verwandelt. Nicht mehr Gefühlsregungen und Gedanken beherrschen einen, sondern man wird zu ihrem Herrn. Die Triebe werden unters Joch gespannt.

Das Zwangskorsett eines moralischen antisexuellen Dharma, dem sich das Schicksal (karma) von Mutter Natur und ihrer Kinder einpassen muß, ist Buddhas („der Erwachte“) Rache, sein ultimativer männlicher Wille zur Macht: „ich gehe zwar ins Nirwana ein, aber nun wird meine Lehre herrschen“. Seine Lehre ist die kriegerische Tugend des „rechten Strebens“, d.h. stets „wach“ zu sein und die „Sinnestore“ und das Gemüt zu bewachen. Man soll durch die Selbstdisziplin der Wachsamkeit und die Zügelung der Affekte die Sinneseindrücke vernunftgemäß objektiv bewerten und kontrollieren, so daß es zu keiner „selbstischen“ gefühlsmäßigen Objektbindung kommt. Um den Kreislauf von Geburt und Tod zu beenden, muß man den bösen „Willen“, der zukünftige Leben erzeugt, durch einen frühzeitigen emotionalen Tod zum verschwinden bringen. Alle unschuldigen Lebenstriebe werden vermoralisiert und dem Leben die Unschuld genommen. Das Lebendige wird schon an seinen Wurzeln verteufelt, während das Christentum nur die Früchte für böse erklärt.

Dies geht mit einem abgrundtiefen Frauenhaß einher. Oder wie Robert hier geschrieben hat:

Als ich in den achtziger Jahren voll froher Erwartung zum ersten Mal das Buddhistische Haus in Berlin-Frohnau besuchte und dort auch die hervorragende Bibliothek erblickte, erwartete ich voller Erregung tiefste menschliche Geheimnisse vorzufinden. Ich schlug einige alte buddhistische Schriften in schweren Ledereinbänden auf. Wie groß war meine Enttäuschung, als in den Texten nichts anderes als Frauenablehnung zu lesen war. Ihr Geruch war widerwärtig, ihr Aussehen, ihr Einfluß und dann ihre menstruellen Ausscheidungen. Voll Enttäuschung verließ ich diese Pilgerstätte, irritiert und mich fragend, warum man sowas nie sonst über den Buddhismus zu lesen bekam.

Entsprechend hielten sich die buddhistischen Mönche mit einer selbst die missionierenden Jesuiten erschreckenden Selbstverständlichkeit an kleine Jungs, die Novizen.

In einem populären tibetischen Mahayana-Text lesen wir über die buddhistische Eva:

Die Frauen sind die Ursache der drei Verderbnisse (also Gier, Haß und Verblendung, PN). Der Umgang mit Frauen kann dem Mann nur schaden. Die Frauen sind ein Unglück für die Männer in dieser und in der anderen Welt. Wer sich nach Frauen sehnt, findet keinen Frieden, wer sich nach Frauen sehnt, sollte sie fliehen (…) Die Frauen sind so sicher die Ursache der Sünden, wie die Buddhas nicht von ihnen geboren werden (…) Diese Welt wird noch an den Frauen zugrundegehen.

Dieser buddhistische Ungeist hat über die buddhistisch-persisch-christliche Mischreligion des Manichäismus, durch die Augustinus entscheidend geprägt wurde, auch auf Europa gewirkt und von dort aus die ganze Welt vergiftet.

Für den Buddhismus gibt es nur leidenschaffende Emotionen, da alles Leiden aus der Verfolgung egoistischer Glücksziele hervorgeht und das Ich nichts anderes als die Abfolge von Gefühlsregungen ist. Anhaften an der Ich-Haftigkeit (Selbstzentriertheit, der energetische Kern) bedeutet Unwissenheit, Ignoranz und Verblendung. Aus dieser Grundlage der Emotionen entwickelt sich einerseits zu sich heranziehende Gier, Leidenschaft und Verlangen (Kontraktion) und andererseits von sich abstoßender Haß, Aggression und Ärger (Expansion) und in Folge alle weiteren weibischen Emotionen (z.B. Stolz, Eifersucht und Geiz). Diese Begierden zu tilgen, ist also gleichbedeutend mit der Tilgung des Ich und umgekehrt.

Beim Zen sieht man die Auslöschung der Emotionen am eindeutigsten. Mit Gewalt im Lotussitz sitzen (zazen), d.h. „leere Nabelschau“, ohne eigentliche Meditation über ein Objekt, bis die existentielle Erfahrung kommt, daß alles vergänglich, leer und nichtig ist und einen deshalb das Leid nicht berühren, nicht mehr anrühren kann. Dieses emotionale Erstarren führt uns zum eigentlichen Kern des Buddhismus. Der Buddhismus ist die Apotheose des von Reich in Christusmord beschriebenen „Sitzens“. Es gibt die unterschiedlichsten Formen des Buddhismus, dem unser christlicher Dogmatismus fremd ist, aber dieser abgestorbene Kern bleibt.

Dieser gefühllose Zustand des Sitzens erinnert sehr an die „heitere“ emotionale Flachheit von Krebspatienten (Krebs ist die „Berufskrankheit“ der Yogis und Zen-Meister). Der Funken des Lebens erlischt, was, wie gesagt, eine Alternative zur geregelten Sexualökonomie ist. Der Buddhismus sucht immer den mittleren Weg und den Kompromiß und ist damit funktionell identisch mit charakterologischer Resignation. Übermütige Freude und tiefste Traurigkeit sind dem buddhistischen Bewußtsein vollkommen fremd, der die beständige Gleichmut der Begierdelosigkeit erstrebt. Alles ist auf Ruhe, Unbewegtheit und Leere ausgerichtet; jede störende Emotion wird mit mildem Humor zugedeckt. Um das seelische Gleichgewicht nicht zu stören, scheut sich der Buddhismus um die konfliktträchtige Aufarbeitung der Vergangenheit, in der wilde Triebe schlummern, die besser unterdrückt bleiben. Nur nicht dran rühren! Dies erklärt, warum es in Ländern wie Japan keine „Vergangenheitsbewältigung“ gibt.

Die buddhistische Lehre spiegelt historisch-energetisch den Ort ihres Ursprungs an der damaligen südlichen Front Saharasias wider: den allgemeinen vom DOR verursachten Zerfall des ökologischen, ökonomischen und sozialen Umfeldes. In diesem Tumult brachte der Buddhismus emotionale Ruhe und später hat er in den zerrissenen Kulturen Saharasias nur überlebt, weil er die effizienteste Art und Weise ist, die Emotionen abzutöten. Zweifellos wirkt dies im Kleinen auch heute noch sehr befreiend auf den gestreßten Amerikaner und Mitteleuropäer, genauso wie es auf Asien wirkte, das für Reich das Abbild einer kranken, sitzenden Gesellschaft war.

So verkörpert der „harmlose, sanfte“ Buddhismus eine allgemeine Krebsschrumpfungs-Biopathie ähnlich wie der „harmlose, sanfte“ Liberalismus, der zu gesellschaftlichem Verfall und Kommunismus führt. Die Nähe des pestilenten Buddhismus zum Kommunismus zeigt sich schon daran, daß es um das Verschwinden der eigenen Persönlichkeit (der Ich-Haftigkeit), um die Befolgung des moralischen Gesetzes und die restlose Einordnung in die Gemeinschaft (sangha) geht.

Der Buddhismus beruht auf der Annahme, daß es keine natürliche Moralität gibt, sondern allem Lebendigen die buddhistische Frohe Botschaft gepredigt werden muß, daß man seinen Emotionen (also Haß und Gier) nicht trauen darf und sie überwinden muß. Er blickt über die gegenwärtigen Freuden hinaus, sieht das zukünftige Leid und rät zu Zurückhaltung, Beherrschung und Lebensklugheit als die einzige Möglichkeit diesem antizipierten Leid zu entgehen. In seiner „sozialen“ Form, dem Mahayana, geht es dabei nicht nur um die Nichtung des Einzelnen, sondern um die Ver-Nichtung allen Seins. Der Sieg des Buddhismus wäre das Ende des Lebens auf diesem Planeten, denn die Erlösung vom Leben ist sein ausgesprochenes Ziel und in seiner europäisierten perversen Schopenhauerschen Form spricht er sich sogar ganz offen für die atomare Auslöschung der Menschheit als größtem Liebes- und Mitleidsdienst überhaupt aus.

Der Buddhismus sieht im Leben einen wilden Fluß, auf den man sich besser nicht einläßt, um ihn schnell und gefahrlos zu überqueren. Dazu gibt es als älteste Fähre den Theravada-Buddhismus („Lehre der älteren Jünger“), bei dem es um die Überwindung des emotionalen Anhaftens geht, das uns vormacht, es gäbe in dieser Welt Bestand. In Wirklichkeit gibt es aber nur flüchtige Daseinsfaktoren, die in der abhängigen Entstehung des Kausalnexus einander hervorrufen und deren Entstehung praktisch mit ihrem Untergang zusammenfällt. Es gilt die Unbeständigkeit der Welt und des eigenen Selbst zu erkennen, so daß sich die Vorstellung des substanzhaften Abgetrenntseins von der Welt und anderen Menschen als Illusion erweist und damit auch jeder Egoismus. Ist aber das egoistische Anhaften überwunden, findet das Lebensfeuer kein Brennmaterial mehr, so daß es erlischt und der Buddhist ins friedvolle Nichts eingeht.

Buddhismus beruht auf der Illusion des „Todestriebes“, nämlich darauf, daß es so etwas wie eine autonome „Selbstaufhebung“ oder „Selbstauslöschung“ (nairatmya) ins Nirwana, ins Nichtsein gäbe. Den Freudschen Todestrieb widerlegte Reich damit, daß es eben keine Selbst-Auslöschung gibt. In der Natur gibt es keinen Energieimpuls, der sich gegen sich selbst richtet. Erst im Menschen kommt es unter dem Einfluß einer lebensfeindlichen Gesellschaft dazu, daß sich der ursprüngliche Impuls aufspaltet, sich selber blockiert und zu vernichten trachtet (Orgonomic Functionalism, Vol. 3, S. 86-91).

Wir nehmen die lebensfeindliche Gesellschaft in uns auf und jeder „Selbstmord“ der begangen wird, ist in Wirklichkeit Mord innerhalb unseres derartig von fremden Mächten okkupierten Ichs. So ist die buddhistische „Selbstauslöschung“ die Apotheose der Neurose, die aus dem Konflikt zwischen Innenwelt und Außenwelt hervorgeht. Im Buddhismus siegt die patriarchale Außenwelt, indem das zum Erwachsenen „erwachte“ Kind alle Lebenstriebe und damit „sich selbst“ tötet.

Der Buddhist wird einwenden, daß es eine schon von Buddha bekämpfte einseitige Interpretation sei, das Nirwana nur als Negativum zu betrachten. Aber jedes mit dem Nirwana verbundene positive Attribut macht den Buddhismus zum Ausdruck der größten denkbaren egoistischen Verblendung: dem finalen Lustgewinn außerhalb des Welttreibens losgelöst von allen anderen Menschen.

Und selbst dort, wo der Buddhist sozial auf das Nirwana verzichtet (das zentrale Moment der „Großen Fähre“, dem Mahayana), sucht er innerhalb des trostlosen Welttreibens als Trost das „Glück im Mitleiden“. Wie Nietzsche in seinem gleichnamigen Aphorismus schreibt:

Mitleiden wird das Gegenmittel gegen den Selbstmord, als eine Empfindung, welche Lust enthält und Überlegenheit in kleinen Dosen zu kosten gibt: es zieht von uns ab, macht das Herz voll, verscheucht die Furcht und die Erstarrung, regt zu Worten, Klagen und Handlungen an, – es ist verhältnismäßig ein Glück, gemessen am Elend der Erkenntnis, welche das Individuum von allen Seiten in die Enge und Dunkelheit treibt und ihm den Atem nimmt. (Morgenröte, Kritische Studienausgabe, Bd. 3, S. 129)

So ist das Mitleid des Mahayana-Buddhisten in Wirklichkeit das Mit-Leiden seines Opfers. Mit dem Ego, von dem sich der Buddhist befreit, belastet er seine Mitmenschen, er läßt „seinen Dämonen in die Nächsten fahren“, wie Nietzsche im gleichnamigen Aphorismus (Morgenröte, Kritische Studienausgabe, Bd. 3, S. 299) schreibt: „mögen diese Anderen zusehen, daß sie nicht schlimm dabei fahren, so wohl er ihnen anscheinend auch will!“

Das kalte, unbeteiligte „Mitleid“ des selbstlosen Buddhisten ist unparteiische „Freundlichkeit“, die, damit nicht doch noch eine gefühlsmäßige Beziehung aufkommt, von der Weisheit des „Über-der-illusorischen-Zweiheit-stehens“ gezügelt wird. Was man hier nicht findet, ist das europäische Verständnis von „selbsthafter“ und „parteiischer“ Liebe und persönlicher Hinwendung, mit seiner ganzen Spannweite vom platonischen Eros bis zur sexuellen Anziehung. Erst recht gibt es im Buddhismus keinen Platz für die orgonomische Definition der Liebe: die Erregung des Genitals, die bei einem passenden gegengeschlechtlichen Gegenüber zur genitalen Überlagerung führt. Daraus leitet sich alle wirkliche, d.h. emotionale Hinwendung zum Nächsten her. Das, was die Buddhisten als emotionale „Liebe“ anführen, ist der tantrische Brand, der die Ichheit verzerrt. (Über Liebe siehe meinen Blogeintrag Liebe, Arbeit und Wissen: Zwei Arten von Liebe.)

Wirkliches Mitleid ist das ichhafte geschwisterliche Einfühlen in einen anderen Menschen, sonst ist es gemein, hinterhältig, verlogen und grausam: das Erbarmen des Mächtigen gegen den Schwachen; des „Erwachten“ gegenüber dem noch im Nicht-Wissen verstrickten; dessen, der alle Komplexe in sich verarbeitet hat und klar wie Kristall ist, gegenüber dem neurotisch leidenden und betrübten; des Mitleidvollen gegenüber dem Mitleidlosen; des Asexuellen gegenüber dem Sexuellen. Im Mitleiden liegt immer Grausamkeit gegenüber dem Bemitleideten, denn wer wird schon gerne bemitleidet und so unter einen Mächtigeren gestellt. Lieber werden wir von den Ohnmächtigen gehaßt – die wir dann bemitleiden können.

Das buddhistische Mitleid entspricht so einer typischen saharasischen Klassengesellschaft (Buddha stammt ja aus der Fürstenschicht): der vornehme Gepanzerte, der an der Spitze der Welt steht und voll Geringschätzung auf die Parias und das Gewürm hinabsieht, die sich ganz unten krümmen und winden. Man denke an die selbstherrliche Attitüde des Bodhisattvas („erwachtes Wesen“), der im Vajrayana (der dritten Fähre, die den Kern des „Lamaismus“ ausmacht) alle Insignien eines Priesterkönigs trägt.

Bioenergetisch gesehen ist falsches Mitleid nichts anderes als Verachtung: die Energie fließt zum Kopf hin („Überlegen“). Der Unterschied ist nur, daß sich die Energie im Mitleid entlädt, während sie sich in der Verachtung staut. Ohne Mitleid würde der Buddhist platzen. Mitleid ist das Notventil, der tantrische Sex der Buddhisten, der das leidvolle Principii individuationis aufsprengt. Der Buddhist wird einwenden, daß nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein kann, denn das buddhistische Mitleid würde ja auf dem Nicht-Ich basieren. Das buddhistische Mitleid ist also nicht nur Sex, sondern seelenloser Sex! Der Mahayana-Buddhist wird einwenden, es ginge doch um vollständige Hingabe an und altruistische Aufopferung für den Mitmenschen. Es ist nicht nur Sex, es ist sadomasochistischer Sex!

Im Theravada ist der Mensch ein kern- und substanzloses Konglomerat von disparaten Einzelteilen. Wird so das Mitleid nicht vom Theravada ad absurdum geführt? Wie kann es ohne Ich ein Du geben? Wie kann es Menschlichkeit ohne Menschen geben? Wie Verbindung in einer verbindungslosen Welt? Zwar richtet das Mahayana sein Augenmerk weniger auf die vergänglichen Daseinsfaktoren und mehr auf die Un-Bedingtheit der ganzheitlichen Leere hinter ihnen, doch mit dem „Leersein von Abgetrenntheit“ gibt es keine Spannung und keine Überlagerung mehr, keine Potentialunterschiede. Alles endet in einem amorphen prägenitalen Brei ohne echte Gefühle. Diese Leere kann man mit dem Nirwana gleichsetzen: dem Nichtsein von Gier, Haß und Ich-Haftigkeit. Das ist aber das kastrierte Orgon: die nichtpulsierende Orgonenergie, die Leere in gefühllosen Genitalien. Der tantrische Buddhist wird einwenden, daß es sich bei der Leere um die dynamische, unendliche Potentialität des kosmogonischen absoluten Bewußtseins handelt: ein Weltbild, geformt aus der „idealistischen“ okularen Abpanzerung heraus.

In der erstarrten Welt des Buddhismus gibt es keine Entwicklung von unten nach oben. Dem Buddhismus fehlt der dreidimensionale Tiefenblick, der der Entfaltung der Funktionen entspricht. Der Buddhismus kennt keinen Übergang vom primordialen zum materiellen Bereich, sondern nur die pluralistischen Daseinsfaktoren, die sich nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung ohne einen zugrundeliegenden dritten Faktor substanzlos nacheinander herziehen. Und was die einheitliche „Leere“ hinter den pluralistischen Daseinsfaktoren betrifft, ist es in Übereinstimmung mit dem nichttheistischen Zentraldogma des Buddhismus kein positiver Urgrund, sondern nur negative Unfaßlichkeit.

Das Buddha-Bewußtsein schließlich hat immerhin wie angedeutet einen kosmogonischen Aspekt, doch der beinhaltet, daß „alles nur ein Traum ist“ (maya), platt, ohne Tiefe und Perspektive. Hier gibt es keine Entwicklung vom Vegetativen zum Geistigen, sondern unser Körper ist das Produkt unserer Eltern, während unser Bewußtsein sich aus vorgeburtlichen Existenzen herleitet. Dies entspricht in etwa dem von Reich bekämpften Omnis cellula ex cellula. Während die Orgonomie ungelerntes Verhalten, wie das sofortige Saugen an der Brust, funktionell erklärt, führt es der Buddhismus auf Wissen aus früheren Leben zurück.

„Kapitalistische Reichianer“ (Teil 1)

2. März 2015

Einwürfe bzw. Einwände gegen meine „kapitalistische“ Interpretation der Arbeitsdemokratie sind nur allzu berechtigt, wenn man objektiv Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie betrachtet, das in der frühen Phase wirklich kaum von anarcho-syndikalistischen und räte-kommunistischen Konzepten, wie sie beispielsweise Rudolf Rocker und Anton Pannekoek ausgearbeitet haben, zu unterscheiden war, mal abgesehen davon, daß bei Reich das Proletariat als „revolutionäres Subjekt“ fehlt. Phillip Bennet hat das sehr schön gezeigt: „Wilhelm Reich’s Early Writings on Work Democracy: A Theoretical Basis for Challenging Fascism Then and Now“ im öko-sozialistischen Magazin Capitalism Nature Socialism (Vol. 21, No. 1, March 2010).

Aber betrachten wir einmal Reichs „politische“ Entwicklung:

  • 1919-1927: ein linker Sozialdemokrat in der ohnehin sehr linken „austro-marxistischen“ Sozialdemokratischen Partei Österreichs.
  • 1928-1933: Anschluß an die KPÖ, eine linksradikale direkt von Moskau gesteuerte Politsekte, danach an die Massenpartei KPD, die (ebenfalls von Moskau instruiert) gerade ihre linksradikale Phase durchmacht: bereits Sozialdemokraten sind Nazis („Sozialfaschisten“).
  • 1934-1937: im Exil Annäherung an Kräfte, die sowohl zu den Sozialdemokraten als auch zu den Kommunisten (die sich beide in einer „antifaschistischen Einheitsfront“ näherkommen) in kritischer Opposition stehen: Trotzkisten, SAP (Willy Brandt, etc.), Neu Beginnen, Mot Dag, etc.
  • 1938-1941: wie eingangs erwähnt eine quasi „anarcho-syndikalistische“ Phase (ohne jeden Kontakt zu tatsächlichen Anarcho-Syndikalisten).
  • 1942-1947: wie aus dem 1942 verfaßten Schlußkapitel der Massenpsychologie des Faschismus  deutlich wird, verflüchtigen sich aus dem Konzept der Arbeitsdemokatie alle „links-utopischen“ Vorstellungen und das Konzept wird im Vergleich mit den vorangehenden Ausformulierungen etwas konturlos. Trotzdem bleibt Reich nach außen hin eher „ein Linker“ im Sinne von Roosevelt (heute etwa mit Obama vergleichbar).
  • 1948-1957: mit der Hetze der linken Presse (Mildred Brady, etc.) und seiner Enttäuschung darüber, wie seine linksliberalen Anwälte mit der Kampagne umgehen, entwickelt sich Reich zunehmend nach rechts.

Liest man die von einer linksliberalen Herausgeberin kommentierte und (wie sich leicht nachweisen läßt) teilweise zensierte Korrespondenz Reichs mit A.S. Neill (Zeugnisse einer Freundschaft) zeichnet sich seit etwa 1942, eindeutig aber ab etwa 1948, ein Reich ab, der langsam aber sicher ziemlich genau die Haltung der heutigen Orgonomie annimmt. Vor dem Hintergrund dieser Briefe wird auch klar, daß Reichs negative Äußerungen über „Liberale“ (d.h. Linke) und positive über Konservative in Christusmord nicht nur oberflächliche Reflexionen sind, wie linke „Reichianer“ es gerne hinstellen, sondern erste Ansätze einer soziopolitischen Charakterologie im Sinne Elsworth F. Bakers darstellen, die sich im übrigen bereits im 1942 geschriebenen Vorwort zu Massenpsychologie des Faschismus (das Dreischichten-Model) und dem 1947 verfaßten Äther, Gott und Teufel (Mechanisten gegen Mystiker) abzeichnen.

In diesem charakterologischen Rahmen sieht die Orgonomie heute die Arbeitsdemokratie.

Dazu muß gesagt werden, daß für Reich „Ökonomie“ mehr bedeutet hat als nur „Produktivkräfte“ und „Produktionsverhältnisse“, also Maschinen, Know How, Arbeit, Kapital, Einkommens- und Machtverteilung, sondern in erster Linie die gegenseitige unlösbare Abhängigkeit der einzelnen Produzenten und Konsumenten voneinander – die inhärent Rationalität aufzwingt. Entsprechend war für Reich das ökonomische Elend nur eine sekundäre Funktion der politischen Pest (Brief an Neill vom 8. Juli 1953).

Betrachten wir dazu das folgende Schema, mit dem Reich seine wissenschaftliche Entwicklung von der Psychoanalyse (Psychologie) über den Marxismus (Soziologie) zur „sexualökonomischen Lebensforschung“ (Biologie) beschrieb:

Die Ökonomie umfaßt (genauso wie die Sexualität) offensichtlich alle drei Bereiche, wobei der biologische Bereich der umfassendste und tiefste ist. Die biophysikalische Charakterstruktur ist wichtiger als alle soziologischen (inklusive konventionell „ökonomischen“) und rein psychologischen Überlegungen.

Es geht darum, wie „die Pest“ (die Emotionelle Pest) von außen her einbrach, die arbeitsdemokratischen Beziehungen zerstörte und die Menschen charakterlich verformte, was dann von Generation zu Generation weitergetragen wurde. Es geht darum, wie dieser Teufelskreis wieder aufgehoben werden kann, d.h. wie man die Menschen wieder freiheits- und verantwortungsfähig macht. Reichs Antwort war: indem man

  1.  die politische Pest bekämpft;
  2. den Menschen die rationale Arbeitsdemokratie nahebringt;
  3. ihnen Selbstverantwortung „aufbürdet“, anstatt sie zu „befreien“; und
  4. indem man die Kinder von vornherein so aufzieht, daß sie die Falle gar nicht erst betreten.

Das hat ihn zu einem Gegner aller linken und rosaroten Volksbeglücker gemacht.

Für das Individuum in der Orgontherapie bedeutet das mit abnehmender Bedeutung:

  1. die biologische, bio-physische Therapie, die direkt die organismische Orgonenergie einwirkt, indem die Panzerung systematisch beseitigt wird, die die Energie in Schach hält (BIOLOGIE).
  2. die Befreiung des Patienten (wenn nötig) von seiner Familie („Familitis“) und (wenn nötig) Ermutigung zu ökonomischer Unabhängigkeit, was allein schon einen heilenden Effekt hat (SOZIOLOGIE).
  3. Aufklärungsarbeit über realitätswidrige Annahmen (PSYCHOLOGIE).

In der (wenn man so will) „gesellschaftskritischen Arbeit“ mit den Massen sieht es genau umgekehrt aus:

  1. Aufklärungsarbeit hinsichtlich der Fallstricke mechanistischen und mystischen Denkens (PSYCHOLOGIE).
  2. die Bekämpfung der sozialistischen (euphemistisch: „sozialstaatlichen“) Entmündigung der Massen (SOZIOLOGIE).
  3. das „Projekt Kinder der Zukunft“ (BIOLOGIE).

Das „Projekt Kinder der Zukunft“ steht hier an letzter Stelle (obwohl es „an und für sich“ am wichtigsten ist!), weil es naturgegeben erst nach einer Generation (30 Jahre!) oder noch später wirklich im gesellschaftlichen Maßstab greifen kann.

Es würde an Wahnsinn grenzen, so große Projekte wie „Die Kinder der Zukunft“ (…) in Angriff zu nehmen, ohne begriffen zu haben, wie es möglich war, daß all dies Elend jahrtausendelang unvermindert, unerkannt und unangefochten bestehen konnte; daß nicht ein einziger der vielen glänzenden Versuche zur Erklärung der Situation und zur Linderung der Leiden Erfolg hatte; daß mit jedem Schritt hin zur Erfüllung des großen Traums das Elend nur schlimmer und tiefer wurde (…). Gegenwärtig ist eine sorgfältige Untersuchung des Christusmordes weit wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht aufziehen könnten. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 40)

Psychologismus, Soziologismus, Biologismus

22. Januar 2015

Freud hat darum gerungen, kein Biologe („Naturkundler“) mehr zu sein, sondern als Psychologe anerkannt zu werden. Die Soziologie hat er als eigenständiges Wissensgebiet abgelehnt:

Denn (…) die Soziologie, die vom Verhalten der Menschen in der Gesellschaft handelt, kann nichts anderes sein als angewandte Psychologie. Streng genommen gibt es ja nur zwei Wissenschaften, Psychologie, reine und angewandte, und Naturkunde. (Freud z.n. Béla Grunberger und Janine Chesseguet-Smirgel: Freud oder Reich?, Frankfurt 1979, S. 31)

Angesichts von Reichs Schriften Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wird den Orgonomen von „Reichianern“ ab und an vorgehalten, „biologistisch“, gar im Freudschen Sinne „psychologistisch“ zu sein. Und wenden Orgonomen nicht tatsächlich „bioenergetische“ Konzepte auf die Gesellschaft an, so wie es einst Psychoanalytiker mit weitgehend identischen psychoanalytischen Konzepten getan haben? Was doch Reich heftig kritisiert hat! Dazu sollte man sich folgendes grundlegendes Schema in Erinnerung rufen (vgl. Äther, Gott und Teufel):

biosoziopsy1

Reich ist in seiner Entwicklung von der Psychologie ausgegangen (Freud), hat diese Beschränkung über seine Beschäftigung mit der Marxistischen Bewegung überwunden (Soziologie) und ist dann weiter zur „sexualökonomischen Lebensforschung“ vorgedrungen (Biologie). Dabei war die Soziologie bereits in der Tiefenpsychologie angelegt (der Ödipuskomplex geht auf die Beziehung zwischen Menschen zurück) und die Biologie sowohl im Freudismus als auch im Marxismus (Libidotheorie, „lebendige Arbeitskraft“, Dialektischer Materialismus). Man kann psychologische Phänomene von der Soziologie her betrachten und beides von der Biologie her, aber es macht keinen Sinn diese Reihe umzukehren, soweit nicht rechte Bereiche (siehe das Schema oben!) in linken Bereichen bereits angelegt sind – was aber erst sichtbar wird, wenn man von rechts nach links zurückschaut.

Beispielsweise geht es bei einem Streik um „materielle“, „objektive“ Interessenkonflikte, die mit tiefenpsychologischen Begriffen nur verkleistert werden. Wenn es jedoch um offensichtlich irrationale Überlagerungen ökonomischer Interessenkonflikte durch Ideologien und um Machtmißbrauch geht, macht eine biologische Betrachtung durchaus Sinn: der gepanzerte (sozusagen „biologisch behinderte“) Mensch handelt irrational und sozusagen „unsoziologisch“. Diese biologische (d.h. charakterologische) Betrachtung kann dann durchaus auf psychoanalytische Versatzstücke zurückgreifen. Das ist auch deshalb so, weil es sich sowohl bei der Psychoanalyse als auch bei der sexualökonomischen Lebensforschung im Gegensatz zur Soziologie um die Betrachtung innerer Phänomene handelt.

In diesem Zusammenhang verlohnt sich zu erwähnen, daß die Freudsche Therapie ausschließlich kopfzentriert ist (Psychologie). In der Orgontherapie geht es hingegen nicht um die „Innenschau“ und darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern ein befriedigendes Liebes- und Arbeitsleben aufzubauen, d.h. um unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen (Soziologie) und natürlich um den Körper, Atmen, Ausdruck (Biologie).

Einerseits haben gesellschaftliche Phänomene ein Eigenleben und andererseits spielt sich das, was es an orgonotischen Erregungsprozessen gibt, nicht in der Gesellschaft, sondern im Inneren der Individuen ab. Beispielsweise kann man den Kommunismus mit Krebs vergleichen. Die „Energieproduktion“ der Gesellschaft wird eingestellt, die Gesellschaft stirbt und hinterläßt einen zerfallenden Leichnam, der seine Umgebung vergiftet („T-Bazillen“). Wir sehen dies gerade in der Ukraine. Die wirkliche Schrumpfung findet jedoch in den Organismen der Individuen statt. Nicht die Gesellschaft schrumpft bioenergetisch, sondern das Protoplasma der Individuen. Nicht Orgonenergie fließt durch die Gesellschaft, sondern Informationen und Güter, die dann sekundär die Orgonenergie in den Individuen anregen. Umgekehrt hört der besagte Informations- und Güte-„Fluß“ auf, wenn die Orgonenergie in den Individuen aufhört zu fließen.

Gesellschaften haben Grenzen, so wie das Individuum eine Membran hat. Ich habe das an anderer Stelle ausführlich dargelegt. Jedoch haben diese Grenzen weder die charakteristische Orgonom-Form, noch pulsieren sie. Zwar pulsiert die Ökonomie, angefangen von Saat und Ernte in primitiven Gesellschaften bis hin zu den Wirtschaftszyklen in entwickelten Gesellschaften, jedoch ist das nicht unmittelbarer Ausdruck konkreter expandierender bzw. kontrahierender Orgonenergie-Ströme, wie Reich sie bei seinen bio-elektrischen Experimenten gemessen hat.

Diese Zusammenhänge kann man erst dann ganz erfassen, wenn man im Gegensatz zur Psychoanalyse streng zwischen sekundären (gepanzerten) und primären (ungepanzerten) Trieben unterscheidet. Die Psychoanalyse beruht geradezu auf der Negation dieser Unterscheidung! Die orthodoxen Psychoanalytiker Grunberger und Chesseguet-Smirgel drücken das wie folgt aus:

Der Ödipuskomplex ist überall im Unbewußten gegenwärtig, die Grundtriebe sind bei allen Menschen dieselben. Auf diese Weise wird es möglich, vom Gebiet der Geistesstörungen auf das Gebiet der „Normal“-Seele überzublenden, und umgekehrt. So wird die Differenz zwischen dem Normalen und dem Pathologischen, zwischen dem Individuellen und dem Allgemeinen, allmählich getilgt, und es kommt der unveränderliche Kern einer Menschenseele zum Vorschein, beherrscht von Gesetzen, die bei allen Menschen gleichartig sind. (ebd., S. 20)

Das ist genau jene Sicht der Dinge, die Reich als groben Unfug bekämpft hat. Man lese dazu etwa sein Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral. Freud hat mit dieser Haltung wirklich alles verbaut. Er hat den Einfluß der teilweise drastischen vertikalen und horizontalen gesellschaftlichen Unterschiede negiert, d.h. die Unterschiede zwischen Klassen, Kasten, etc. innerhalb der Gesellschaften und die Unterschiede zwischen den Gesellschaften selbst. Und er hat nicht zuletzt den „Einbruch ins biologische Fundament“ geradezu systematisch verbarrikadiert, denn er war ja vermeintlich bereits zum „unveränderlichen Kern der Menschenseele“ vorgedrungen.

Schizophrenie: Dynamik und Behandlung (Teil 1)

28. November 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Elsworth F. Baker: Schizophrenie: Dynamik und Behandlung (Teil 1)

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Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 3)

24. Juni 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 3)

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Die Massenpsychologie des Faschismus: 1933 und 2013

26. November 2013

1933 konstatiert Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus, daß die Soziologie durch Einbeziehung psychoanalytischer Erkenntnisse auf ein „höheres Niveau“ gelangt, „weil endlich der Mensch in seiner Struktur erfaßt wird“ (Fischer TB, S. 47).

Was die Psychoanalyse nicht erfaßte, sind die folgenden Punkte:

  1. Die „Analyse“ der geschichtsmächtigen Persönlichkeiten ist vollkommen gleichgültig, denn sie waren nur deshalb „geschichtsmächtig“, weil ihre Charakterstruktur mit der durchschnittlichen Charakterstruktur des Massenindividuums übereinstimmt.
  2. Gepanzerte Menschen können sich nicht selbst regulieren und sind deshalb von „Führern“ abhängig. Diese pestilenten Charaktere fokussieren und manipulieren die Emotionelle Pest, die in den Massen schlummert.
  3. Geschichte ist die Abfolge von Auseinandersetzungen zwischen Menschengruppen mit unterschiedlichen Charakterstrukturen.
  4. Die Charakterstruktur der Menschen reproduziert sich in der Familie. (Wie das heute geschieht wird in Reichs singuläre Stellung und Konias singuläre Stellung beschrieben.) Deshalb ist der Hauptansatzpunkt gesellschaftlicher Veränderungen die Kindererziehung. Hier verzahnt sich das Psychische und das Soziologische, das beides aus dem Biologischen hervorgeht.
  5. Die Entwicklung der orgonomischen Soziologie ist identisch mit der Entdeckung dieser Tatsache: psymarxsozorg
  6. Soziologische Prozesse werden nicht von psychologischen, sondern biologischen Prozessen bestimmt. Da dies nicht erkannt wird, setzt man sich nur mit den Symptomen auseinander, nicht mit der zugrundeliegenden Erkrankung (den Charakterstrukturen).
  7. In der Soziologie machen die üblichen psychoanalytischen Einteilungen in Bewußtes und Unbewußtes, in Über-Ich, Ich und Es, etc. nur bedingt Sinn. Wie Reich in seinem 1942 verfaßten Vorwort der revidierten Neuausgabe von Die Massenpsychologie des Faschismus ausführte, kann man die gesellschaftlichen Ideologien charakter-strukturell nur mit dem Dreischichten-Modell erklären: Fassade, mittlere (sekundäre) Schicht und Kern.
  8. Die Psychoanalyse hat nicht die Rolle der intellektuellen Abwehr (okulare Panzerung) erfaßt, vielmehr verstärkt sie diese, indem Unbewußtes bewußtgemacht und „verurteilt“ werden soll. Tatsächlich hat das Einbringen psychoanalytischer Ansätze in die Soziologie dazu beigetragen, diese weiter von der sozialen Wirklichkeit zu entfremden. Das war Reichs Kritik an der „bürgerlichen“ Psychoanalyse seiner Zeit, heute entspricht dies eher „linken“ Versuchen, die Psychoanalyse für die Soziologie fruchtbar zu machen.
  9. Die Psychoanalyse kann nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterscheiden und hat deshalb keinen Maßstab dafür, welche gesellschaftlichen Kräfte zu unterstützen, welche zu bekämpfen sind: sie hat kein Sensorium für die Emotionelle Pest.
  10. Die Psychoanalyse hat, trotz allen Geredes über „das Unbehagen in der Kultur“ und den „Todestrieb“, die ganze Brisanz des Unbewußten, des Verdrängten und des Über-Ich nicht erfaßt: die mittlere (sekundäre) Schicht ist Ausdruck der Emotionellen Pest, d.h. der Niederschlag der Emotionellen Pest im Einzelnen. Die Emotionelle Pest strebt danach, die Quelle der Erregung auszuschalten, d.h. letztendlich das Leben selbst auszuschalten.
  11. Die Psychoanalyse macht keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Prägenitalität und Genitalität und kann von daher nicht einschätzen, mit welchen Energien sie es zu tun hat, wenn beispielsweise von „sexueller Befreiung“ die Rede ist. Man kann die Genitalität nur ganz oder gar nicht freisetzen.
  12. Zum bioenergetischen Kern und damit zur Arbeitsdemokratie hat die Psychoanalyse keinen Zugang.
  13. Aus dem gleichen Grund hat sie keinen Zugang zu den „ozeanischen Gefühlen“ und kann deshalb den Hang zum Mystizismus in den Massen nicht richtig einschätzen.
  14. Veränderungen müssen nach bioenergetischen Gesetzmäßigkeiten erfolgen, ansonsten wird jede „Reform“ schlimmere und ausweglosere Zustände hervorrufen als zuvor. Das ist ähnlich wie in der individuellen Therapie.
  15. Die Psychoanalyse sieht nicht, daß Therapie nicht der Bewältigung neurotischer Konflikte, nicht einmal „Heilung“ zum Ziel haben kann, sondern nur die Mobilisierung der Selbststeuerung. Auf den gesellschaftlichen Bereich übertragen, kann das nur bedeuten, die Menschen mit mehr Verantwortung für ihr eigenes Überleben zu belasten nicht mit weniger – und das dann noch als „sozialen Fortschritt“ zu bezeichnen.

Reich führt aus, daß man nie damit aufhören dürfe, die Verantwortung des „Kleinen Mannes“ hervorzuheben. Er müsse Eigenverantwortung für sein persönliches und soziales Leben entwickeln. Es läge ganz im Interesse der Großindustrie, diese Eigenverantwortung zu fördern und die Mitarbeit der Arbeiter zu gewinnen.

Die Produktion kann nur steigen und die gegenwärtigen Schwierigkeiten werden in dem Maße abnehmen, in dem die Arbeiter in der Industrie und Landwirtschaft lernen, ihren Teil der Verantwortung für Produktion und Distribution zu übernehmen. Sie werden dann aus Erfahrung lernen, daß es leichter ist die Firmenleitung zu kritisieren, als behilflich zu sein, die große Verantwortung zu tragen. Dies sind wichtige Faktoren in der andauernden gesellschaftlichen Revolution und kein Manager, der selbst arbeitet, wird dagegen sein. Ganz im Gegenteil weiß er, daß er weniger Verantwortung tragen muß, wenn die Arbeiter ihren Teil übernehmen. Die paar Menschen, die habgierig und machtbesessen sind, werden bald schweigen, ohne daß es notwendig wird, irgend etwas Einschneidendes gegen sie zu unternehmen. („The Biological Revolution from Homo Normalis to the Child of the Future“, Orgonomic Functionalism, Vol. 1, Spring 1990, S. 70)

Alle ökonomischen Probleme Gründen in der Hilflosigkeit der Massen und werden verschlimmert durch die kontaktlosen „Problemlösungen“ der Linksliberalen – die dann die von ihnen hervorgerufene Katastrophe als Argument vorbringen, um weitere linke Programme ins Leben zu rufen. Die Linksliberalen werden nie begreifen, daß „die soziale Existenz des Lebewesen Mensch (…) bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins (ist)“ (Ausgewählte Schriften, Köln 1976, S. 24). „Es gibt in dieser unserer sozialen Welt nichts, und es kann gar nichts geben, das nicht grundsätzlich vom Charakter und dem Verhalten der Menschen bestimmt wird. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme, ganz egal, was wir betrachten“ (Christusmord, Freiburg 1978, S. 126). Und deshalb werden die Linksliberalen niemals die Probleme begreifen und meistern können, die mit dem Kapitalismus verbunden sind.

Reich führt als Beispiel aus:

Der amerikanische Kapitalismus entstand in einer Gesellschaft aus kleinen Handwerkern und Ladeninhabern und ist nicht aus der Arbeitsteilung hervorgegangen. Der Massencharakter des Händlers hat ihn hervorgebracht und aufgrund der Geschäftigkeit und Blauäugigkeit der Arbeiter wurde er toleriert und ihm erlaubt zu wachsen – bis Morgan erschien. Auf diese Weise entwickelte sich der Kapitalismus aus einer Charakterstruktur heraus. Ich mußte erst meinen Weg durch all die Fehler der Freudianischen Psychologismen bahnen und die Lücke bei Marx entdecken, bevor ich die menschliche Charakterstruktur als Ursprung einer ökonomischen Entwicklung erkennen konnte. Charakter ist strukturelle Geschichte, aktive Reproduktion von Geschichte. In den USA reproduziert der Kleine Mann den Kapitalismus. (American Odyssey, S. 324f)

„Man komme mir“, schreibt Reich, „nicht mit der ‘sozialen Not’, denn diese soziale Not ist selbst letzten Endes Ergebnis einer Welt erstarrter Menschentiere, die überreichlich Mittel für Kriege, aber niemals genügend Mittel, minimale Bruchteile der Kriegskosten eines Tages für die Sicherung des Lebendigen aufbringen. Und dies ist so, weil diese verunglückten, versteiften Menschentiere kein Verständnis für das Lebendige und nur Angst davor haben. Überdies reicht keine andere Art sozialer Misere an die Misere der Kleinkinder biopathischer Eltern heran“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 393). „Nicht die ‘materielle Not’ im Sinne der Marxschen Ökonomie macht die Neurosen, sondern die Neurosen dieser Menschen ruinieren ihre Fähigkeit, in dieser Not etwas Vernünftiges anzufangen, sich besser durchzusetzen, die Konkurrenz am Arbeitsmarkt auszuhalten, sich mit anderen ähnlicher sozialer Lage zu verständigen, den Kopf fürs Denken überhaupt frei zu haben“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 65).