
Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 4. Sexualökonomie, b. Die sexuelle Revolution und die antiautoritäre Gesellschaft

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 4. Sexualökonomie, a. Sexpol heute
Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über den Ausschluß Wilhelm Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1934: Ein schicksalhaftes Ereignis
Robert (Berlin) 2014:
Ein sehr guter Artikel.
So global habe ich es früher auch betrachtet, aber in den letzten Jahrzehnten verlor ich den Focus.
Danke an Peter für die Publikation und Übersetzung.
Dazu Jonas:
Erstaunlich, wie aktuell der Text scheint, obwohl er fast 20 Jahre alt ist!
O.:
„Das American College of Orgonomy ist heute die einzige wissenschaftliche Organisation, die Reichs Entdeckungen in unverfälschter Form gegenwärtigen und zukünftigen Generationen übermittelt.“ (s.o.)
So hatte ich es auch früher gesehen oder sehen wollen.
– Auf was liegt die Betonung im Satz? wissenschaftlich, unverfälscht oder gegenwärtigen und zukünftigen Generationen übermittelt?
Alle (ACO fremden Publikationen) beziehen sich heute (seit 1967) auf Baker und nicht mehr auf Reich. Er taucht in quasi allen Literaturverzeichnissen auf und wird inhaltlich kopiert.
Aber wird hinterfragt, was er geschrieben hat?
1965, zwei Jahre zuvor kommt Lowens „Liebe und Sexualität“ heraus, eine Behandlung der Orgasmusthematik noch ohne großes Therapieangebot. 1975 legt er nach mit „Bio-Energetik“. Die Behandlungsmethoden ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Wer schreibt ab? Oder sind beide von Reich in gleichem Maße inspiriert?
Hatte Lowen seine Bioenergetik schon 1967 fertig entwickelt und praktiziert?
Die viel gepriesene „psychiatrische Orgontherapie“ hält in ihrer Technik – dem Buch nach zu urteilen – nicht stand. Baker verlässt Reichs Regel von oben nach unten zu arbeiten, um den Patienten von innen aufzuladen, Depressiven (nicht beim depressiven Charakter) will er Energie aus dem Becken mobilisieren. Das würde ich als pure Bioenergetik verstehen.
Ich frage mich seit geraumer Zeit, was in den USA falsch gelaufen ist, bei der Ausbildung der Mediziner, von Reichs Therapie wird nichts übermittelt.
Darauf ich gereizt:
Ich wollte das gerade beantworten, muß aber dieses Unterfangen aufgeben, da O. nur nebulösen Unsinn schreibt. Das fängt schon damit an, daß Lowen seine Behandlungsmethode bereits 1958 (zweite Auflage 1971) veröffentlicht hat. Zum Rest… Seufz.
O.:
Danke. 1958 war sein erstes Buch „Körperausdruck und Persönlichkeit“ herausgekommen.
hier das für mich erstmal „schockierende“ Zitat, vielleicht erschließt sich mir ja nicht der tiefere Sinn, weil immer nur etwas kurz angedeutet wird und es dann weiter geht:
„Eine Ausnahme sind Depressive, bei denen das niedrige Energieniveau und starke Hemmung eine frühe Befreiung des Beckens gefahrlos machen. (…)“ (BAKER 1967, S. 86)
„Die sieben Segmente … werden gewöhnlich in dieser Reihenfolge ‚befreit‘, abgesehen davon, dass die Brust oft zuerst beweglich gemacht wird, damit man sie verwenden kann, um im Organismus Energie aufzubauen und für zusätzliche Stoßkraft von innen zu sorgen, um sowohl die Auffindung als auch die Beseitigung weiterer Blockierungen zu unterstützen.“ (BAKER 1967, S. 87)
Peter:
In Bakers Buch steht auch, daß bei Depression das Energieniveau rapide absinken kann. Dem muß entgegengewirkt werden durch Mobilisierung der Atmung. Es geht immer darum, welche FUNKTION was hat, nicht darum rigide irgendwelche „Prinzipien“ einzuhalten.
Konias Glossar wurde wie folgt diskutiert:
Robert (Berlin):
„sekundäre Triebe: Der gestörte Ausdruck der primären Triebe, der darauf beruht, daß der Panzer dabei versagt hat, die destruktiven Impulse in Schach zu halten.“
Nanu, auch wenn der Panzer die sekundären Triebe in Schach hält, die primären Triebe müssten durch den Panzer doch immer irgendwie verbogen sein? Oder irre ich mich mal wieder?
Darauf ich:
Also, damit wir nicht über zweifelhaften Übersetzungen stolpern, erstmal das Original:
secondary drives – Disturbed expressions of primary drives resulting from the failure of armor to contain destructive impulses.
Primäre Triebe werden einfach ausgedrückt. Sieht man bei jedem Tier. Wenn sich das Menschentier abpanzert, haben wir idealerweise den symptomlosen „Jesuitenschüler“ vor uns: immer kontrolliert, ausgeglichen, nett, rational, blablabla – während innerlich der Haß des eingesperrten und malträtierten Tieres wütet. Nur leider ist die Panzerung ein sehr fragiles Gebilde, so daß die Triebe schließlich doch wieder durchbrechen – in Gestalt der sekundären Triebe.
O.:
Das Glossar zeigt über die wichtigsten Begriffe schon fast die wichtigsten theoretischen Grundannahmen. Kleine Fehler wären hier schon fast unverzeihlich, daher steckt da schon viel Arbeit drin.
„orgonomist“ klingt im Deutschen schräg, vielleicht ist „Orgonom“ der bessere Begriff, obwohl es mir auch nicht gefällt, hat es Reich ja schon als Grundform für einen Organismus benutzt.
Über die „Biopsychiatrie“ (in Anlehnung an die „Biopathie“) habe ich mich am meisten gewundert.
Mir würde ein einheitlicher Begriff wie „orgonomische Psychiatrie und orgonomischer Psychiater“ am besten gefallen, wobei der auch etwas neu wäre. Auf keinen Fall sollte man hier beliebig und alle paar Jahre sich was neues ausdenken, das würde komisch und verwirrend wirken.
Peter 2025: Biopsychiater sind Psychiater, die ihre Patienten von der biologischen Panzerung her betrachten und wie die Panzerung die biologische (Orgon-) Energie behindert.
Ich hätte beinahe das folgende in den Blog gestellt:
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Oberflächlich betrachtet sieht die Situation klar aus: westliche bzw. weiße Welt wird zunehmend antiautoritär, während Länder wie der Iran, Afghanistan, Indien, China, Indonesien etc. noch immer autoritär strukturiert sind.
Aber ist das wirklich so, wenn man die Sache nicht statisch betrachtet, sondern von den Entwicklungstendenzen her, also „funktionell“? Dann ist die Tendenz eher gegenläufig, denn die weißen Gesellschaften überaltern langsam und Kinder und Jugendliche werden zusehends zu einer exotischen Minderheit. Dazu auch auffällig kränklich und schlichtweg saublöd. NPCs! Leute, mit denen man nicht rechnen muß, während die Alten, die noch in den letzten Ausläufern der autoritären Gesellschaft sozialisiert wurden, bis ins hohe Alter dynamisch bleiben und sich effektiv gegen den toxischen Zeitgeist wehren.
Ganz anders sieht es, entgegen dem ersten Anschein, in Ländern wie, sagen wir, Algerien oder Nigeria aus. Diese Länder sind derartig von den Jungen bestimmt, daß von Traditionen, dem Respekt gegenüber Älteren und einer traditionellen Ordnung nicht mehr die Rede sein kann. Wir stehen dort vor einer Katastrophe der Haltlosigkeit und des Nihilismus, deren erste Ausläufer insbesondere in Gestalt des Islamismus und der kriminellen Abenteurer, die den Westen als „Asylanten“ heimsuchen. Der Antiautoritarismus des Westens ist harmlos im Vergleich zu dem, was sich in vermeintlich „traditionellen Gesellschaften“ vor unseren Augen zusammenbraut: eine Art antiautoritäre Zombieapokalypse.
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Das ist nicht etwa falsch, sondern – es ist falsch, weil es zu schematisch ist. In Deutschland ist es beispielsweise so, daß einige der Alten nach wie vor ihren „Idealen“ aus den 1960er und 1970er Jahre anhängen und deshalb diesen ganzen antiautoritären Unsinn, den jetzt ihre Kinder und Enkel ausbaden müssen, gerade heute vehement „gegen Rääächts“ vertreten. Wie Parasiten wälzen sie sich behaglich in der Scheiße, die sie selbst angerichtet haben, voller Angst, der Wind könnte sich drehen! Umgekehrt wachen angesichts der antiautoritären Zerstörung ihrer Gegenwart und Zukunft viele der Jungen auf und entwickeln sozusagen ein autoritär-traditionelles „1950er Jahre-Bewußtsein“.
Ähnlich in der Dritten Welt, wo einige der Jungen jene traditionelle Gesellschaft rekonstruieren wollen, die ihre Eltern und Großeltern in der Euphorie des Fortschritts weggegeben und dafür einen alles zerstörenden Nihilismus eingekauft haben.
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Aber selbst mit dieser Ergänzung, ist der Beitrag nicht funktionell koscher! Es wird nämlich so getan, als gäbe es einen Weg zurück, doch den gibt es definitiv nicht. Alles, was man tun kann, ist die Entwicklung zu bremsen und ihre zerstörerischten Austriebe zu kappen, aber… Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind in Bewegung geraten und „Trägheit“ wird die Bewegung dieses gigantischen Ozeanriesen aufrechterhalten, egal was immer man auch unternehmen mag. Alles, was man tun kann, ist der Versuch, das Steuerruder so zu beeinflussen, daß der Ozeanriese einen vernünftigen Zielhafen ansteuert.
Langfristig muß an die Stelle der guten alten Zeit, in der man kaum Atmen konnte, weil auf allen Ebenen, selbst im Kleinsten, irgendwelche Autoritäten ganz direkt das Leben bestimmten, und an die Stelle der heutigen „Freiheit“, in der die Menschen wie Marionetten von einer zentralen Macht geführt werden – selbst bei ihrer vermeintlichen Rebellion (man denke nur an die regierungsamtlichen Demos gegen die einzige Oppositionspartei und all die zentral gesteuerten Modetrends, etwa transgender!)… Eine Arbeitsdemokratie muß an die Stelle sowohl der autoritären als auch der antiautoritären Gesellschaft treten, in der die einzige Autorität die jedem sofort spontan einsichtige Rationalität ist und in der entsprechend Freiheit einhergeht mit Verantwortung.
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Autorität, Autoritarismus und Antiautoritarismus
Wenn Politik rational wäre
Die Emotionelle Pest läßt sich mit den folgenden vier Punkten umreißen:
Ein naheliegenderes, aktuelles Beispiel ist das Kopftuch bei moslemischen Mädchen in unseren Städten:
Dieses Beispiel bringt uns dazu, wie die Emotionelle Pest in der heutigen vom Multikulturalismus und der Political Correctness geprägten antiautoritären Gesellschaft funktioniert.
Zunächst einmal legen die Gutmenschen zwei verschieden Maß an. Was die Sache mit der katholischen Heimerziehung betrifft, würden sie uns in jeder Hinsicht zustimmen. Der eine oder andere unter ihnen ist vielleicht sogar „Reichianer“! Ganz anders sieht es mit dem Kopftuch aus. In diesem Fall wird uns der Vorwurf des Rassismus an den Kopf geworfen. Man sieht daran sofort, daß es ihnen ganz und gar nicht um die Emotionelle Pest zu tun ist, sondern um ihren Antiautoritarismus, für den das Establishment, insbesondere aber die Katholische Kirche, per se schlecht ist, während Minderheiten per se gut sind, insbesondere, wenn sie (vermeintliche) Opfer des Establishment sind, etwa moslemische „Kolonialvölker“.
Die antiautoritäre Geisteshaltung mag auf den ersten Blick weitaus sympathischer und „lebenspositiver“ erscheinen als die alte autoritäre, die Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus so meisterlich beschrieben hat, tatsächlich steht sie der Emotionellen Pest jedoch weitaus näher:
Sie fallen mir immer wieder auf, vielleicht 12jährige Kinder/Jugendliche mit gefärbten Haaren und wilder „rebellischer“ Aufmachung – und dazu ein Kaffeefilter („FFP2-Maske“) im Gesicht. Bei Anticorona-Spaziergängen stehen sie am Straßenrand und fordern dich auf, die Maske richtig aufzusetzen und sich gefälligst an die Coronaregeln zu halten. Wie ist dieses merkwürdige Changieren zwischen Rebellion (man fragt sich gegen was? die Rechtschreibung? die Schwerkraft? die Heterosexualität? das Einmaleins?) und einer spießigen Obrigkeitshörigkeit zu erklären?
Leben wir nicht in eindeutig antiautoritären Zeiten? Charles Konia hat dazu geschrieben:
Es wird allgemein angenommen, eine antiautoritäre Gesellschaft sei die Abwesenheit von Autorität. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. In der neuen Gesellschaftsordnung gibt es Autorität, aber sie ist tendenziell im Staat unter zentraler Kontrolle konzentriert. Der Begriff antiautoritär und sein Ursprung müssen in ihrem historischen Kontext verstanden werden. Er bezieht sich auf den Widerstand der Menschen gegen die traditionellen Formen von Autorität, die vor etwa 1960 existierten. Der Antiautoritarismus wendet sich gegen individuelle Autorität auf lokaler Ebene, und dieser Widerstand führt zu zentralisierter oder kollektiver Autorität. Es kommt zu einem entsprechenden Rückgang der individuellen Verantwortung, die durch staatliche Verantwortung ersetzt wird, vertreten durch den „Großen Bruder“. Der Antiautoritarismus ist gekennzeichnet durch eine deutliche Verschiebung nach links von der politischen Mitte. Er muß letztendlich zu mehr zentralisierter Macht und einer Form des sozialistischen Staates führen. („The Practice of Medical Orgone Therapy in Anti-Authoritarian Society” Journal of Orgonomy 2010)
Es sind Zustände zurückgekehrt, wie sie im sogenannten „Dritten Reich“ herrschten: tendenziell wurden die alten Lehrer der Kaiser- und „Systemzeit“ verachtet, während gegenüber Hitler und seinen Chargen ein absoluter Kadavergehorsam herrschte. Das findet sich beispielsweise in manchen Szenen des Films Der Untergang. Tatsächlich war das nationalsozialistische Regime in vielem eine Vorwegnahme des heutigen Scholzregimes. Ich sage das nicht ohne Bedacht! Ich zitiere aus einer der wenigen konservativen Stimmen in diesem Land:
Bekannt ist [Scholz‘] Wort von der Lufthoheit über den Kinderbetten. Es stammt aus einem Interview mit dem Deutschlandfunk vom 3. November 2002, als (…) die rot-grüne Regierung Schröder das Krippensystem ausbauen wollte. (…) Scholz, seinerzeit frisch gekürter Generalsekretär der SPD, begründete den Plan mit diesen Worten: „Die Regierung will mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung eine ,kulturelle Revolution‘ erreichen. Wir wollen die Lufthoheit über unsere Kinderbetten erobern!“ (…) [Er strebte] vor dem Bundesverfassungsgericht die Abschaffung des gerade eingeführten Betreuungsgeldes für Eltern an, die ihr Kind nicht in die Krippe geben. (…) Nur Bayern und Sachsen zahlen es in Form eines Landeserziehungsgeldes. Es war ein Etappensieg der Scholzschen Ideologie von der kulturellen Revolution. (…) Man könnte (…) das Kindergeld kräftig erhöhen. Das wäre ein Schritt zu mehr Freiheit für die Familien. Aber gerade das ist nicht im Sinn von Linkspolitikern wie Olaf Scholz. In ihren Augen soll der Staat nicht nur die Lufthoheit über den Kinderbetten, sondern auch das Gängelband der Familien kurz halten.
Die Autorität wird vom lokalen Bereich, angefangen bei der Familie selbst, auf die deutsch Zentralregierung verlagert (danach auf die EU und schließlich die UN – was jedwede Demokratie illusorisch macht). Resultat ist die anfangs umrissene neue Hitler-Jugend. Wie die Radikalisierung der Fridays-for-Future-Bewegung zeigt, steht die neue HJ in Sachen Fanatismus dem Original in nichts nach! Ein besonders krasses Beispiel ist die Coronakrise, in der die Expertise dem Haus- und Facharzt entrissen wurde und der Regierung, letztendlich der WHO, zugefallen ist. Man folgt blind „Manualen“, d.h. dem Führerbefehl – der u.a. von der fanatisierten HJ durchgesetzt wird, wenn nötig mit Gewalt.
Nochmal, wogegen rebellieren die eigentlich? Was soll das ganze pseudorevolutionäre Getue? Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen.