Posts Tagged ‘Psychoanalyse’

Igitt: Bornemann

24. Oktober 2016

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Igitt: Bornemann

Mitchell: Psychoanalyse und Feminismus (1974)

1. Oktober 2016

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Mitchell: Psychoanalyse und Feminismus (1974)

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.18.

20. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

16. Das Wesen des Marxismus

17. Reichs Auseinandersetzung mit Marx und Freud

18. UFOs und Magie

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.15.

5. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

Orgonomie und Anthroposophie

2. Juni 2016

Steiner und Reich sind in ihrer jeweiligen Jugend (jedenfalls in entscheidenden Teilbereichen) von identischen Positionen ausgegangen – um am Ende diametral entgegengesetzte Theorien zu vertreten. Beide gingen von einer strengen naturwissenschaftlichen Orientierung aus und von einer aufklärerischen Partei, die durch die Namen Max Stirner, Ibsen und Nietzsche gekennzeichnet ist. Ihre Fragestellung war in etwa: Was macht den Kern des autonomen Individuums aus? Sein Geist, der sich von der Tyrannei der Triebe befreit? Oder ist es der von aller irrationalen „Vernunft“ befreite, in sich vernünftige Trieb?

Geht man diesen Fragen nach, fällt einerseits auf, daß sowohl der Geist als auch der Trieb bei Steiner und Reich jeweils zu etwas Überindividuellem, „Kosmischen“ wurden (wodurch sich Steiner und Reich von ihren Ursprüngen entfernten), und andererseits Steiner eine inhärent gespaltene, dualistische Weltsicht entwickelt hat, während Reich dem naturwissenschaftlichen Monismus treu blieb.

Steiner behauptete, daß er in seiner Jugend einen ungenannten okkulten Lehrer hatte; eine offensichtliche Lüge, um seinen Lehren überhaupt irgendeine originäre Substanz zu geben, schöpfte er doch „seine“ Einsichten zu einem sehr späten Zeitpunkt seines Lebens aus der rosenkreuzerischen und theosophischen Literatur. Tatsächlich steht überhaupt keinerlei persönliche Erfahrung hinter der Anthroposophie. Steiner hat, als typischer Ideologe, alle Elemente der Anthroposophie gestohlen, zurechtgestutzt, vereinfacht und als seine eigene Schöpfung verkauft. Sozusagen eine deutsche Vorgängerversion der amerikanischen Scientology.

Seine gesamte metaphysische Philosophie, zusammen mit seinen pädagogischen Theorien, hat er von Johann Friedrich Herbart (1776-1841). Herbarts Schüler Robert Zimmermann (1824-1898) war einer von Steiners Universitätslehrern gewesen. Zimmermann hatte 1882 ein Buch über Anthroposophie veröffentlicht! Eine weitere Quelle von „Steiners“ Anthroposophie ist der romantische Naturphilosoph und Arzt Ignaz P.V. Troxler (1789-1830), der im Anschluß an Schelling eine spekulative Anthropologie und „Biosophie“ begründet hatte. „Steiners“ Theologie stammte vom russischen Religionsphilosophen Wladimir Solowjow. Der Rest der Anthroposophie, wie z.B. der „biodynamische“ Anbau, entstammt „germanischen“ Traditionen, Hahnemanns Homöopathie und natürlich Goethe.

So ist die Anthroposophie nichts weiter als chaotischer Eklektizismus, der nur zusammengehalten wird von psychotischem Primärprozeßdenken (z.B. sind die Afrikaner so ahrimanisch heißblütig, weil ihre ahrimanische Hautfarbe die Sonnenenergie absorbiert), trivialen Analogieschlüssen (z.B. vom Universum als großer Mensch auf den Menschen als kleines Universum und umgekehrt), „mystischem Materialismus“ (Funktionen werden in Substanzen verwandelt, daher die vielen „Äther“ anstatt dem einen Äther und seinen vielen Funktionen) und „mystischem Mechanismus“ (z.B. die rigide Einteilung des Lebens in Siebenjahrs-Etappen).

Steiner berief sich auf die mechanistische Naturwissenschaft, um mit deren Methodik eine „Geisteswissenschaft“ zu begründen. Beispielsweise ist das ganze anthroposophische Konzept vier unterschiedlicher Äther von den vier Aggregatzuständen der Materie abgeleitet. Steiner:

Der Geheimwissenschaftler erforscht die geistigen Gesetze gerade in der Art, wie der Physiker oder der Chemiker die materiellen Gesetze erforscht. (z.n. Friedrich Heyer Anthroposophie – ein Stehen in höheren Welten?, Konstanz 1993, S. 60).

Mechano-Mystizismus ist stets mit Sadismus verknüpft:

Man sollte den okkulten „Gehalt“ des Nationalsozialismus nicht überbewerten, aber ein gewisser christlich-gnostischer Einschlag ist unverkennbar, der sehr stark an die christlich-gnostische Anthroposophie erinnert. Hitler selbst wurde entscheidend durch den „arisch-christlichen“ Ordo Novi Templi (ONT) des Zisterziensers Lanz von Liebenfels (der übrigens, genauso wie Hitler, nie aus der Kirche ausgetreten ist oder ausgeschlossen wurde). Zeichen des ONT war das Hakenkreuz, das das christliche Kreuz zum arisch-christlichen Symbol vervollkommnen sollte. Für Lanz von Liebenfels war das Christentum in seinem Kerngehalt „arischer Ahnen- und Rassenkult“. Jesus Christus ist „Frauja-Jesus“, bzw. der germanische Gott Fro. Die „Reinheit“ wird durch die Emanzipation der Frauen, mit ihrem „Hang zu Niederrassigen“, und durch die Emanzipation der ebenso triebhaften Juden gefährdet. Der Jude sei gefährlich und gleichzeitig sexuell faszinierend. Er ist hinterhältig (intellektuell), feige (weibisch) und grausam (tierisch). Wie Steiner wollte auch Lanz von Liebenfels eine „Johanneskirche“, „eine Kirche des heiligen Grals“ begründen. Später sollte Himmler soweit gehen, als geheime Kommandosache Expeditionen nach Südfrankreich zu entsenden, die dort im Gebiet der Albigenser, bzw. Katharer nach dem Heiligen Gral suchen sollten.

Die untergründige Verbundenheit von Hitlers und Steiners „Glaubensgut“ kann man sich wohl am besten Anhand Richard Wagners vergegenwärtigen. Wagner behauptete, sein Parsifal stelle „die höchsten Mysterien des christlichen Glaubens“ auf der Bühne dar. Wagner, der ohne Zweifel die physische Ausrottung aller Juden wollte. Parsifal vertritt ein vom Judentum gereinigtes Christentum: „Erlösung dem Erlöser“, Erlösung Christi von den Juden. Dieses „Johanneische Christentum“ bezieht sich auf biblische Aussagen, wonach die Juden „zum Gefolge Satans gehören“ (Offb 2,9) und „Kinder des Teufels“ (Joh 8,44) sind. Die Nazis kämpften gegen Satan, d.h. die egoistische, machthungrige geistige Blindheit, die durch die jüdische Rasse verkörpert werde, die den arischen Erlöser Jesus Christus ermordet habe. Hitler war von der Johanneischen Materie- und Leibfeindlichkeit beseelt, und wollte als vergeistigter, vegetarischer Reinheitsfanatiker die „materiellen Juden“ buchstäblich wie Ungeziefer vertilgen und Christus gleich die jüdischen Geldwechsler aus dem Tempel vertreiben.

In der hellenistischen Gnosis gab es einen Erlöser, der aus der antiweltlichen Lichtzone herabstieg, um die Menschen aus der sündigen Welt zu erretten. Im christlich-gnostischen Mythos wurde diese Welt aber von den Juden symbolisiert, die zum „Herren dieser Welt“ beteten. Genauso war für Hitler „der Weltjude“ „der Widersacher“. Das besondere am Wagnerianertum und infolge am Nationalsozialismus war nun die Naturalisierung dieses manichäischen Reinheitswahns, die Biologisierung des Grals-Christentums: die Idee des reinen „unbefleckten“ Blutes und der gewalttätigen darwinistischen Durchsetzung dieses reinen Blutes gegen die degenerativen dunklen Mächte des Bösen. Für Hitler war der arische Christus kein defensiver Mensch, sondern ein heroischer Kämpfer des Lichts gegen die verräterischen Juden.

Dem Antisemitismus-Forscher Robert Wistrich zufolge ist das „Entweder-Oder“ der innerste Kern der Hitlerschen Weltanschauung. Sie

korrespondiert mit einer im Grunde religiösen Weltauffassung, die an bestimmte manichäische und gnostische Häresien zur Zeit des frühen Christentums erinnert. Hitler begriff den Kampf gegen die Juden tatsächlich als einen endzeitlichen Krieg der Kräfte des Lichts gegen einen teuflischen Feind. (Der antisemitische Wahn, Ismaning, 1987, S. 60)

Das Erschreckende ist, daß diese „gnostische“ Geistesart bis heute von „Esoterikern“ gepflegt wird – und tatsächlich immer populärer wird. Gleichzeitig verbindet sie sich mit Verschwörungstheorien, etwa um den 11. September herum, die faktisch identisch mit jenen „Theorien“ sind, die Hitler und Himmler bewegt haben.

Mit der Anthroposophie beschäftige ich mich aus dem gleichen Grund, aus dem ich mich mit dem Buddhismus beschäftigt habe: als Gegenwehr gegen die Unterwanderung der Orgonomie durch mystische und faschistische Ideologien.

Zu Steiners Zeiten gab es im deutschsprachigen Raum eine quasi funktionelle „orgonomische“ Naturwissenschaft: die „Energetiker“ und „Monisten“, mit ihrer Art von „vitalistischem Materialismus“, wie Ernst Haeckel, Wilhelm Ostwald, und Paul Kammerer. Steiner nahm diese „Proto-Orgonomie“ auf und machte sie sich zu eigen, indem er sie nach dem Muster „vergeistigte“, mit dem er schon mit Goethe verfahren war. Steiners Annäherung an die Natur, die bei ihm zum bloßen Spiegelbild der „reinen“ Ideen wurde, ist bei aller vordergründigen „Goetheanität“ in Wirklichkeit das genaue Gegenteil von Goethes protofunktionellem Ansatz. Dahinter steckt Steiners Charakterstruktur.

Nichts kam Steiner auf natürliche Weise, es wurde alles vom Willen erzwungen, und dann zwang er dies kontaktlos anderen auf, unabhängig von jeder Realität. Obwohl sich die Anthroposophie als Wissenschaft geriert, gibt es keinerlei Weg zur intersubjektiven Auseinandersetzung mit Steiners „Geisteswelt“. Niemand, nicht einmal Anthroposophen, sehen, was Steiner sah (oder vielmehr behauptete zu sehen). Zum Beispiel das Lesen der ursprünglichen „Akasha-Chronik“. Die Anthroposophie ist ein scholastisches Dogma, das jede eigenständige Erfahrung untergräbt. Es ist etwas für Menschen, die innere Bewegung und Entwicklung fürchten und sich nach vollständiger ideologischer Panzerung sehnen, nach „Versteinerung“.

Bereits zu Lebzeiten Steiners stellte der russische Philosoph Nikolai Berdjajew fest:

Einige Anthroposophen machten auf mich den Eindruck von Besessenen. Sie standen im Banne einer fixen Idee. Wenn sie die Worte sprachen: „Der Doktor (d.h. Steiner) sagt…“, so änderte sich der Ausdruck ihrer Augen, das Gesicht wurde anders, und es war dann nicht mehr möglich, das Gespräch fortzusetzen. Gläubige Anthroposophen sind viel dogmatischer, viel autoritätsgebundener als die orthodoxesten Orthodoxen oder Katholiken. (z.n. Friedrich Heyer: Anthroposophie – ein Stehen in Höheren Welten?, Konstanz 1993: S. 41)

Nach Steiners Tod ist die Anthroposophie vollends zu einem sterilen, dogmatischen System erstarrt, dessen Dreh- und Angelpunkt die Unterdrückung aller kritischen Distanz und die vollständige Identifikation mit dem Führer ist.

Die energetische Funktion der Steinerity ist die komplette Konfusion, um genuinen Kontakt zu vermeiden. Das Ziel des Anthroposophen ist die „Dreigliederung“ seines eigenen inneren Lebens in Denken, Fühlen und Wollen. Diese drei Elemente sollen voneinander unabhängig werden. Die innere Einheit des Menschen löst sich auf, so daß ein Anhänger Steiners „neben sich selbst“ tritt. Diese schizophrene Spaltung ist für jede mystische Tradition charakteristisch, aber die synkretistische Anthroposophie fügt dieser Konfusion noch ein weiteres Element hinzu, da Steiners Konzept von der Dreigliederung des Menschen mit seinem Konzept der viergliedrigen Organisation des Menschen unvereinbar ist (die vier Äther-Körper: materiell-emotional, imaginativ, inspirativ und intuitiv). Dieses spezielle Gefühl von prekärer Balance und Konfusion wird unmittelbar von der typischen anthroposophischen Architektur vermittelt, die den Gleichgewichtssinn stört und tatsächlich in einen schizophrenie-artigen Geisteszustand versetzt.

Steiner war eine zutiefst entfremdete Persönlichkeit. Seinen Erinnerungen zufolge lernte er Glück das erste Mal mit zehn Jahren beim Studium der Geometrie kennen. Er hatte nie persönliche Freunde, geschweige denn sexuelle Beziehungen. Er heiratete mit 35 eine viel ältere Frau und seine zweite Heirat mit Marie von Sivers war mehr ein politisches Manöver. Steiner zufolge werden wir durch unsere Emotionen von der kosmischen Einheit getrennt, während wir durch das Denken alles durchdringen und eins mit dem Universum werden. Man vergleiche dies nur mit Nietzsches Aussage: „Unsere Instinkte sind besser als ihr Ausdruck in Begriffen. Unser Leib ist weiser als unser Geist!“ (Studienausgabe, Bd. 11, S. 244).

Anthroposophie versucht die Überlegenheit des Geistes über die Materie zu beweisen, deren „Vergeistigung“ der Zweck des Lebens sei. Sie schreitet stets von oben nach unten, von der Idee zum Stoff, von der Doktrin zur Realität vor und kreuzigt so das Lebendige. Man betrachte nur die Kinderzeichnungen in Waldorf-Schulen; es ist alles nach einem Schema gefertigt, ohne persönlichen Ausdruck und Spontanität. Auch hat Marie von Sivers „Ausdruckstanz“, die Eurhythmie, nichts mit bioenergetischem Ausdruck zu tun, sondern ist rein vom Kopf her gesteuert. Anthroposophen leben nur in ihren Köpfen und streben danach jeden zu vernichten, der unterhalb seines Kopfes lebt, also „verworfen“ das lebt, was die Anthroposophen so krampfhaft verdrängen.

Diese Emotionelle Pest-Reaktion aus Projektion stammt direkt von Steiner selbst: es ist verblüffend, wie alle Charakteristiken „Ahrimans“ (dem materialistischen Teufel der spirituellen Anthroposophie) am besten auf Steiner selbst passen. Man muß nur Fotos von Steiner mit seinen Zeichnungen Ahrimans vergleichen, um zu sehen, daß Ahriman nichts weiter war als Steiners eigenes verhaßtes Selbst. (Im Vergleich trifft dasselbe auf das Verhältnis Wagners und Hitlers gegenüber den Juden zu.)

Der britische Anthroposoph Trevor Ravenscroft legt ungewollt diese geheime Identität offen, wenn er auf Seite 275 von The Spear of Destiny eine angebliche „Triumphhymne der bösen Mächte“ präsentiert, die in Wirklichkeit das genaue Gegenteil ist: es ist Steiners persönliches „Kosmisches Vaterunser“! So identifiziert ein herausragender Anthroposoph durch einen erhellenden Fehlgriff unbewußt Steiner mit Ahriman!

Es ist nur natürlich, daß Steiner die Psychoanalyse haßte und bekämpfte und daß die Anthroposophie stets ein fanatischer Gegner der Vorstellung von einem Unbewußten war. Nach der Aussage eines zeitgenössischen Anthroposophen ist die Psychoanalyse „Blendwerk Satans“. Ich nehme an, daß die Orgonomie noch härter beurteilt werden würde, da sie von der bioenergetischen Einheit des Menschen spricht, während die Anthroposophie von einem universellen psycho-physiologischen Parallelismus ausgeht, einer kosmischen Spaltung, der zufolge der Mensch zwei Wesen in einem Organismus ist. Auf der einen Seite die biologische Evolution, der wir unseren Körper verdanken, auf der anderen die davon vollkommen unabhängige Entwicklung unserer Seele von Inkarnation zu Inkarnation. Zum Beispiel erklärt die Anthroposophie die gegenwärtige Überbevölkerung wie folgt: im 20. Jahrhundert ist Christus in seinem „Ätherkörper“ zurückgekehrt, um das New Age zu bringen, all die einzelnen Seelen wollen an dieser Erfahrung Anteil haben und reinkarnieren sich deshalb nun auf der Erde.

Ursprünglich war Steiner gegen derartige Theorien, da er vorher ein atheistischer Monist und „Individualanarchist“ in Anlehnung an Max Stirner und Nietzsche war. Es gibt eine profane Erklärung für Steiners plötzlichen Wechsel zur Theosophie im Jahre 1902: er war in einer verzweifelten Lage, da er keinen Beruf hatte und die Theosophie seine allerletzte Chance war, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten (in dieser Hinsicht erinnert er an L. Ron Hubbard). Ich nehme an, daß dieser Umschwung zu einem festgelegten mystischen System diesen Schizophrenen in engeren Kontakt mit der Realität brachte, indem es ihn einen Orientierungsrahmen bot. Vielleicht hatte dies einen heilenden Einfluß auf seine Schizophrenie und ermöglichte es ihm später in seinen sozialen Unternehmungen so produktiv zu sein. Marie von Sivers, ein pestilenter, sadistischer Charakter, war der Antrieb hinter Steiners Weg in den sozialen Erfolg. Wie sehr er von ihr dominiert wurde, zeigt die Tatsache, daß nach seinem Tod Marie von Sivers seine von ihr veröffentlichten Vorträge so manipulierte, daß er geistig nicht allzu angeschlagen wirkte. Aber schon Steiner selbst hatte die neuen Ausgaben seiner frühen Bücher vollkommen umgeschrieben, um den Bruch in seinem Leben zu kaschieren.

Wegen seiner persönlichen rassistischen Überzeugungen, die sogar noch rigider waren als die der angelsächsischen Theosophen, spaltete sich Steiner 1913 von der Theosophie ab. Er konnte die „Absurdität“ nicht ertragen, daß das braune Hindukind Jiddu Krishnamurthi zur Reinkarnation Christi erklärt wurde. 1917 wandte er sich dann von seiner dualistischen gnostischen Abgeschiedenheit ab und all seinen sozialen Aktivitäten rund um die „Dreigliederung“ zu. Aber trotzdem blieb hinter Steiners Konzepten der grundlegende Manichäische Dualismus zwischen einer höheren und einer niederen Welt, zwischen Geist und Körper. Zum Beispiel steckt hinter Steiners angeblich „arbeitsdemokratischem“ Konzept von der gesellschaftlichen „Dreigliederung“ das Konzept einer Dichotomie zwischen den höheren geistigen Menschen und den niederen materialistischen. Steiners Gesellschaftssicht ist nicht demokratisch, sondern „hierarchisch-hierokratisch“. Seine „Dreigliederung“ der Gesellschaft in die vollständig unabhängigen Sphären des Staates (Justiz), der Ökonomie und der Kultur, ist weit davon entfernt arbeitsdemokratisch zu sein und bedeutet in Wirklichkeit eine Art von Kastensystem mit den Anthroposophen (Kultur) an der Spitze als der Erziehungs-Elite, die die beiden anderen Sphären bestimmt, während die Anthroposophie selbst von allen ökonomischen und rechtlichen Eingriffen frei bleibt. Es ist ein rigides patriarchalisches totalitäres System hinter einer liberalen Maske von Freiheit und „Unabhängigkeit“. Für einige Nazis war und ist es die Blaupause ihrer Staatsutopie.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.13.

27. Mai 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.g.

28. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

Das Schicksal der Orgonomie (Teil 2): Die Libidotheorie 1929 und heute

5. Februar 2016

1929 beschrieb Reich die damalige Lage der Psychoanalyse wie folgt:

Wenn man der Psychoanalyse in den Händen, besser den Köpfen von nicht wirklich analytisch Ausgebildeten begegnet, erkennt man in ihr das Werk Freuds nicht wieder; die Sache mit der Sexualität stimme ja, aber die Übertreibungen… und wo bleibt das Ethische im Menschen? Analyse sei ja sehr richtig, aber… Synthese sei nicht weniger notwendig. Und gar als Freud auf seiner Sexualtheorie die Ichpsychologie aufzubauen begann, da ging ein hörbares Aufatmen durch die wissenschaftliche Welt: endlich beginne Freud seine Absurditäten einzuschränken, endlich komme auch das „Höhere“ im Menschen zu Wort, und überhaupt die Moral… Und es dauerte nicht lange, bis man nur mehr von Ichidealen reden hörte und die Sexualität, wie die stereotype Ausrede lautet, „selbstverständlich vorausgesetzt“ wurde. Man sprach von einer neuen Ära der Analyse, von einer Renaissance… die Psychoanalyse wurde mit einem Worte gesellschaftsfähig.

Nicht weniger trostlos, nur noch widerlicher, sieht es im breiten Publikum aus. Unter dem Drucke der bürgerlichen SexuaImoral hat man sich der Psychoanalyse als einer die Lüsternheit befriedigenden Modeangelegenheit bemächtigt, man analysiert einander die Komplexe, spricht in den Salons beim Fünf-Uhr-Tee von den TraumsymboIen, streitet ohne die geringste Sachkenntnis und nur weil es sich um Sexualität handelt, für und wider die Analyse, der eine ist begeistert von der großartigen „Hypothese“, der andere, kein geringerer Ignorant, ist überzeugt, daß Freud ein Scharlatan ist und seine Theorie eine Seifenblase, und überhaupt diese „einseitige Überschätzung der Sexualität, als ob es nichts anderes, ‚Höheres‘ gäbe“, und dabei spricht der „Kritiker“ über nichts anderes als über die Sexualität. In Amerika bilden sich ganze Vereine und Diskussionsklubs für Psychoanalyse, die Konjunktur ist gut, sie muß ausgenützt werden, man lebt seine unbefriedigte Sexualität aus und verdient außerdem mit einer Mache, die sich Psychoanalyse zu nennen wagt, viel Geld. „Psychoanalyse“ ist ein gutes Geschäft geworden. So sieht es außerhalb der Psychoanalyse aus.

Und innerhalb? Eine Abfallbewegung nach der anderen, die Forscher halten dem Druck der Sexualverdrängung nicht stand. Jung stellt die ganze analytische Theorie auf den Kopf und macht daraus eine Religion, in der von Sexualität keine Rede mehr ist. Ebenso führt die Sexualverdrängung bei Adler zur These, die Sexualität sei nur eine Erscheinungsform des Willens zur Macht, damit zur Abkehr von der Psychoanalyse und zur Gründung einer ethischen Gemeinde. Rank, früher einer der begabtesten Schüler Freuds, gelangt dadurch, daß er den Libidobegriff ichpsychoIogisch verwässert, zu seiner Mutterleibs- und Geburtstraumatheorie und leugnet schließlich die wesentlichsten analytischen Erkenntnisse ab. Immer wieder wirkt sich die Sexualverdrängung gegen die Psychoanalyse aus. Auch sonst kann man im psychoanalytischen Kreise selbst die gesellschaftliche und ökonomische Gebundenheit in ihrer mildernden, abschwächenden, Kompromisse bildenden Arbeit sehen. Nach dem Erscheinen von Das Ich und das Es ist jahrelang von der Libido kaum die Rede, man versucht, die ganze Neurosenlehre auf die Ich-Termini umzumünzen, man verkündet, daß erst die Entdeckung des unbewußten Schuldgefühls die Großtat Freuds sei, man sei erst jetzt zum Eigentlichen und Wesentlichen vorgedrungen. (Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse)

Wenn man das aufmerksam liest, fühlt man sich unwillkürlich in die Welt zwischen 1957 und 2016 versetzt:

Begegnet man dem Werk Reichs in der Version fast aller seiner Adepten, erkennt man es kaum wieder. Reichs zentraler Aussage von 1931, daß „die Neurose ein Produkt der Sexualverdrängung und der Stauung der sexuellen Energie (ist), ihre Heilung Aufhebung der Verdrängung und gesundes genitales Lebens (voraussetzt)“ (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 16), wird man nie begegnen. Stattdessen ein ermüdendes Blablabla über Pulsation, Blockaden und „Energie“. Statt von Sexualökonomie ist von „überweltlichen Wirkstrukturen“ und all dem verstaubten Krempel aus dem „New Age“ die Rede. Immer mehr tritt die Spiritualität, eben das „Höhere“, in den Mittelpunkt. Die Atmosphäre wurde „reiner“ und Versatzstücke von Reichs „körpertherapeutischer Arbeit“ akzeptabel für so gute wie alle. Man lese nur die schier unglaublichen Machwerke des verstorbenen Heiko Lassek! Beim breiten Publikum wird Reich nur noch mit „Orgonit“ und den Kinderfickern der Grünen in Zusammenhang gebracht. Wirklich jeder Schreiberling („Journalist“), der sich an das Thema heranwagt, kann sich von pornographischen Andeutungen und dem Suhlen im Psychotischen und Psychopathischen nicht wieder einkriegen. Wenn Reich verteidigt wird, dann als „Kämpfer gegen Rechts“, als Inspirator des besagten Grünen Abschaums und als „Rudolf Steiner“ für Arme. Ich habe an dieser Stelle keine Lust über so manchen vermeintlichen „Vertreter der Orgonomie“ herzuziehen. Wenn ich etwa daran denke, daß von manchen „Orgonomen“ ausgerechnet das Schwein Herbert Marcuse hervorgekramt wurde…

Hier ein Beispiel für die heutige Rezeption des Reichschen Werks:

Der Schriftsteller und Radiomann Matthew Sweet zeichnet für die Sendung The Life and Afterlife of Wilhelm Reich verantwortlich, die 2011 auf BBC Radio 3 lief. (Hier setzt sich der Dreck in einer Besprechung der Radiosendung fort.) Zentrum der Darstellung ist die „sexuelle Revolution“. Reichs Ideen hätten dazu beigetragen die 60er Jahre zu formen. Von der wirklich wichtigen Sache, den Kindern der Zukunft, ist an keiner Stelle in dem 45 minütigen Beitrag auch nur ansatzweise die Rede. Und das im Heimatland von A.S. Neill! Die Sendung sagt mehr über die heimlichen Obsessionen von Herrn Sweet aus als über Reich und seine Probleme!

Eingerahmt und zusammengehalten wird die Sendung von Sweets kurzem Besuch auf Reichs zugeschneiten Anwesen Orgonon. Hinzu kommen am Anfang und Ende der Sendung zwei Ausschnitte aus Reichs Tonaufnahme „Alone“, in der er darüber reflektiert, daß er keinen Gesprächs- und Ansprechpartner habe, der seine Arbeit auch nur annähernd verstehen würde. Die Sendung ist nach der Assoziationstechnik aufgebaut: „verschneites Orgonon → verschneites Galizien → ein kalter Hauch durchzog auch Reichs Kindheit → Selbstmord der Mutter“. Nach diesem Muster ist die gesamte Sendung gestaltet. In Maßen und als Notlösung ist das ja vertretbar, aber bei Sweet ist es das einzige Formelement! Genauso war 1987 Digne Meller Marcovicz‘ Film Wilhelm Reich – Viva, Little Man gestaltet. Ganz große Kunst!

Mary Higgins, seit einem halben Jahrhundert die Kuratorin des Wilhelm Reich Infant Trust, führt Sweet durch das Museum. Als nächstes wird der Orgontherapeut Harry Lewis interviewt, ein Schüler von Victor Sobey, der wiederum einer der medizinischen Orgonomen zu Reichs Lebzeiten war. Hier sind die beiden 1993 zu sehen:

Lewis berichtet über den Konflikt Freud-Reich und im Anschluß daran Higgins über Reichs Sexpol-Zeit in Berlin. Wie Sweet sich ausdrückt: „Er gab jungen verwirrten Berlinern radikale Ratschläge über Sex.“ Higgins‘ Beschreibung ist vollkommen korrekt, doch vorher hat Sweet vorgegeben, wie man das zu verstehen hat.

Reich habe, Sweet zufolge, nicht nur eine Marxistische, sondern auch eine sexuelle Revolution angestrebt. Als nächstes kommt – die Pest vollends zum Zuge: Christopher Turner. Turner ist Autor des 2007 erschienenen Buches Adventures in the Orgasmatron: How Renegade Europeans Conceived the American Sexual Revolution and Gave Birth to the Permissive Society.

In Sweets Sendung erklärt uns Turner Reichs Buch Die Massenpsychologie des Faschismus!

Hier eine Beschreibung von Turners pestilentem Machwerk:

Die faszinierende jedoch bisher unbekannte Geschichte über Wissenschaft, Sex und das Amerika der Nachkriegszeit.
Bereits lange vor den 1960er Jahren entwickelte sich die sexuelle Revolution in Amerika angeführt von verbannten europäischen Denkern, die das weite Land als reif für die Befreiung erachteten. (…) Turner erzählt die Geschichte der Revolution – eine erhellende, packende, oft bizarre Geschichte über Sex und Wissenschaft, Ekstase und Repression.
Im Zentrum der Schilderung steht die Orgon-Box – eine große, schlanke Konstruktion aus Holz, Metall und Stahlwolle. Ein Mensch, der in der Kiste saß, konnte, wie geglaubt wurde, sein „orgastisches Potential“ erhöhen – den Körper von repressiven Kräften befreien und seine sexuelle Potenz verbessern. Norman Mailer, Saul Bellow und William Burroughs saßen in der Orgon-Box und suchten nach einer Synthese von sexueller und politischer Befreiung.
Die Box war die Erfindung von Wilhelm Reich, einem Außenseiter der Psychoanalyse und abtrünnigen Anhänger Freuds, der seine Theorien über die sexuelle Energie während des Zweiten Weltkriegs nach Amerika brachte. Bei ihm handelt es sich um die archetypische Geschichte eines zielstrebigen Wissenschaftlers, der sich mit einer argwöhnischen Gesellschaft in Konflikt befindet: er war mit einem landesweiten Verbot seiner Orgon-Box konfrontiert, einer Untersuchung durch das FBI, einer aufreibenden Begegnung mit Einstein und Anfällen von Verfolgungswahn, die es ihm verunmöglichten sich selbst zu verteidigen.
Turners lebhafter Darstellung zufolge nahmen Reichs Bestrebungen jene von Alfred Kinsey, Herbert Marcuse und anderen prominenten Denkern vorweg – Bestrebungen, die eine Transformation der westlichen Einstellung zur Sexualität herbeiführten in einer Art und Weise, die diese Denker nicht einmal selbst sich hätten vorstellen können.

Exakt, wortwörtlich, die gleiche Scheiße, mit der es Mildred Brady Ende der 1940er Jahre gelang, die FDA auf Reich aufmerksam zu machen, was schließlich zu seiner Inhaftierung und vorzeitigem Tod führte. Die Emotionelle Pest bleibt sich treu!

Das ist auch ungefähr der Inhalt von Sweets Radiosendung. Norman Mailer, Saul Bellow und William Burroughs werden als Beispiele für Reichs Einfluß erwähnt. Lewis weist darauf hin, wie berühmt Reich doch war, als er in Amerika erschien: der Hörsaal der New School of Social Research in New York sei vollständig überfüllt gewesen. Morton Herskowitz beschreibt seine Begegnung mit Reich und die Orgontherapie. Turner beruft sich auf „Reichs Tochter“ (wohl Lore Reich), die ihm erklärt habe, daß Reich, der manische und depressive Episoden gehabt habe, doch ganz offensichtlich „manisch-depressiv“ gewesen sei. Higgins stellt auf unangenehm sektiererisch und „kultisch“ wirkende Weise Reichs Umgang mit der FDA und dem amerikanischen Gerichtssystem als Triumph dar: die Wissenschaft habe sich durchgesetzt. Die Qual endet mit einer Aussage der feministischen Theoretikerin Germaine Greer, die sehr stark von Reich beeinflußt wurde:

Leider habe sich gezeigt, daß die sexuelle Revolution nicht zu mehr Glück geführt habe, denn die Befreiung des Sex habe gezeigt, daß er wie alles andere auch sei, d.h. mit dem Wegfall der äußeren Repression hätte sich gezeigt, daß selbstregulierte Sexualität nicht zärtlich und liebevoll sei – diese Vorstellung sei angesichts der Realität offensichtlich verrückt gewesen. Außerdem habe man, anstelle das repressive Gesellschaftssystem politisch zu analysieren, sich, Reich folgend, quasi religiös nach innen gekehrt, um die Repression in seinem Inneren zu suchen. Dies habe eine ganze Generation (politisch) lethargisch gemacht.

Diese Leute können sich ihr gesamtes Leben mit Reich beschäftigen – und nichts, rein gar nichts, verstehen!

Was Lewis geradezu enthusiastischen Hinweis auf Reichs Aufnahme in New York betrifft: das hat einen Hintergrund, der in der Radiosendung (man möchte sagen: zum Glück) nicht durchklingt. Sobey war der einzige Orgontherapeut in Reichs Umgebung (obwohl alle, bis auf Baker und Silvert, linksliberal eingestellt waren), der sich selbst als eine Art „Marxist“ verstand. Bei ihrem letzten Treffen vor seiner Inhaftierung habe sich Reich ihm gegenüber ausdrücklich zu Marx bekannt. In der Folgezeit bildeten er und seine Schüler, insbesondere Lewis, so etwas wie das „Linksaußen“ der Orgonomie. Wenn Lewis sagt, Reich wäre in New York begeistert empfangen worden, bezieht sich das auf die Sozialisten. Was Leute wie Lewis geflissentlich nicht erwähnen, ist daß Reich genau zu diesem Zeitpunkt mit seinem Konzept „Arbeitsdemokratie“ sich ein für allemal von den Sozialisten distanziert hat. Ilse Ollendorff beschreibt das als Zeitzeugin in ihrer Reich-Biographie. Reich hätte es so einfach haben können, wenn er nur opportunistischer gewesen wäre!

Herskowitz beschreibt die Halsstarrigkeit als Beispiel für Reichs therapeutische Herangehensweise. Halsstarrige Menschen seien buchstäblich halsstarrig. Er würde das so angehen, daß er den Muskel drückt bis dieser schmerzt und die Patienten dabei auffordern, die Gefühle auszudrücken, die von der kontrahierten Muskulatur zurückgehalten werden. Gut, nur leider geht heute kein gutausgebildeter Orgontherapeut mehr so vor! Ich habe mich damit in Warum Orgontherapie nichts bringt beschäftigt. Das dort dargestellte Orgontherapie-Opfer war ein Patient aus dem Sobey-Umfeld.

Reich als „manisch-depressiv“ zu beschreiben, weil sich Phasen großer Verzweiflung mit denen überbordendem Enthusiasmus und Optimismus abwechselten, ist an Gemeinheit kaum zu überbieten. Hier ist nicht der Platz, um sich mit Reichs Charakter und persönlichen Problemen zu beschäftigen. Faszinierend ist, wie paßgenau Reich „diagnostiziert“ wird, um sich eine wirkliche Auseinandersetzung mit seinem Werk zu ersparen. Er wurde einfach verrückt und man braucht sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr mit seinen Forschungen beschäftigen. Oder er war manisch-depressiv, so daß man sich Dinge aus jenen Phasen herausgreifen kann, in denen er ernst zunehmen war. Wenn man „Alone“ hört: der arme Mann! Wenn man vom Schwung seiner Arbeit mitgetragen zu werden droht: der arme Mann!

Higgins scheint vom gleichen Kaliber wie die kleingeistigen Fanatiker, mit denen sich Reich in seinen letzten Jahren umgab. Man siehe dazu meine Ausführungen in Fragwürdigkeiten der Reich-Biographik. Man kann es so sehen oder so… Als Treue zu Reich – oder als ultimativem Verrat an dem Mann. Geradezu… „tragikomisch“ ist das falsche Wort – ist es, wenn Higgins sagt:

Und, wie Sie wissen, wenn es eine Sache gibt, denke ich, die seit Reichs Tod sich als richtig erwiesen hat – obwohl sicherlich wenig, wenn überhaupt, sehr wenig wissenschaftliche Arbeit geleistet wurde und so weiter und so weiter – aber ich glaube der Trust hat die Richtigkeit von Reichs anfänglicher Haltung bewiesen.

Mein Gott, wenn der Trust etwas bewiesen hat, dann, daß es ohne Reich keine orgonomische Forschung mehr gab!

Auf den Einwand, der Einsatz sei hoch gewesen (Reichs Leben!), antwortet Higgins, daß es um Reichs Arbeit ging und daß er niemandem erlaubte, sich ihr in den Weg zu stellen.

Er hätte geradezu getötet, um sie zu schützen. Und tatsächlich hat er hier ein Gewehr bei sich getragen und wollte nicht mit den FDA-Agenten sprechen.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 3.d.

9. Januar 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

a. Dialektischer Materialismus

b. Massenpsychologie

c. Die autoritäre Gesellschaft

d. Die antiautoritäre Gesellschaft

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.g.

10. November 2015

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

a. Die Auffächerung der Hauptgleichung

b. Kreiselwelle und Pulsation

c. Welle, Puls, Expansion und Kontraktion

d. Ladung und Entladung

e. Erstrahlung und Anziehung

f. Schein, Sein, Trennen und Verbinden

g. Fühlen