Posts Tagged ‘ficken’

David Holbrook, M.D.: FRAGE UND ANTWORT: SEX UND LIEBE

7. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Frage und Antwort: Sex und Liebe

 

Frage und Antwort: Sex und Liebe

3. Juni 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Frage und Antwort: Sex und Liebe

 

Fick mich!

17. Dezember 2016

Die irre Welt der „Flüchtlingshelfer“

Der Flüchtling ist vor allem männlich. 80 Prozent! Der Flüchtlingshelfer ist vor allem weiblich. 75 Prozent! Das ist allein schon evolutionsbiologisch erklärbar, denn Schimpansenmännchen pflegen herumstreunende Männchen, die sich an die eigenen Weibchen heranmachen wollen (sonst wären es keine Männchen!), einzukreisen und gemeinschaftlich bei lebendigen Leib in Stücke zu reißen. Ganz anders ist das bei Schimpansenweibchen, die natürlicherweise die Horde verlassen und sich fremden Horden anschließen: ihr Territorialgefühl geht gegen null, weshalb sie auch in der Politik nichts zu suchen haben. In einer genitalen Welt, d.h. in einer Welt, in der die meisten Menschen orgastisch potent sind und deshalb solche atavistischen Instinkte nicht energetisch besetzt sind, wäre das anders, aber so wie die Welt nun mal aktuell gestrickt ist…

In der gepanzerten Welt sind praktisch alle Frauen, mit denen man es im Alltag zu tun hat, hysterische Charaktere und so gut wie alle Männer, 80 Prozent, sind phallische Charaktere. Entsprechend sexualisieren Frauen wirklich alles – und laufen gleichzeitig ständig vor der Sexualität davon, während bei Männern sich alles um Macht, Imponiergehabe und gefühlloses „Ficken“ (genitale Rache) dreht.

In der anti-autoritären Ära der gepanzerten Welt, die etwa 1960 anfing, wird die weibliche Hysterie geradezu kultiviert, während im Zuge des Kampfes gegen die Autorität (den Vater, „das Patriarchat“) den Männern immer mehr ihrer Männlichkeit genommen wird, was der hysterischen Frau einerseits zupaß kommt (sie braucht keine Angst mehr zu haben), sie andererseits aber erst recht frustriert. Im oben verlinkten Artikel heißt es paßgenau: „Die kruden Machos aus dem Morgenland scheinen weibliche Bedürfnisse anzusprechen, für die den sorgfältig feminisierten und genderisierten deutschen Männern mittlerweile der Sinn oder der Mumm fehlt.“

Ein weiterer Aspekt der anti-autoritären, „liberalen“ Epoche ist der Kult der Schuld. Der konservative Charakter findet Trost und Vergebung durch seinen wie auch immer verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern, d.h. in sich selbst (bzw. natürlich in seiner Beziehung zu einem imaginären „Gott“). Dem liberalen Charakter ist diese Vergebung verschlossen. Er muß auf pestilente Weise die ganze Welt auf den Kopf stellen, um „das Unrecht“ wiedergutzumachen, auf magische Weise ein imaginäres „Gleichgewicht“ wiederherzustellen. Deshalb auch die Fixierung auf das „ökologische Gleichgewicht“, eine „gerechte Gesellschaft“, eine „gerechte Weltwirtschaftsordnung“, etc.)

Entsprechend ist es bei den Refugees-Welcome-Tanten nicht nur die Fixierung auf das Ficken:

Viele erzählen von ihrem schlechten Gewissen, sogar wenn sie besonders plumpe und brutale Annäherungsversuche männlicher Asylbewerber zurückweisen. Ist Frau jetzt etwa doch eine Rassistin? Manche versuchen gar, deutsche Schuld aus zwölf Jahren Nationalsozialismus irrsinnige 70 Jahre später in einer ganz persönlichen Sühneaktion abzutragen, etwa durch eine „Schutzehe“, dem „Heiraten zum Zweck der Aufenthaltsgenehmigung“, wie es eine Broschüre harmlos formuliert.

Benutz mich, beschmutz mich!

Das Elend der sexuellen Revolution

25. April 2015

Der bioenergetische Kern des Lebens und dessen kosmischer Bedeutung ist die Orgasmusfunktion, d.h. die unwillkürliche Konvulsion des gesamten lebenden Organismus bei der beiderseitigen bioenergetischen Entladung während der genitalen Umarmung von Mann und Frau. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 69)

Dies ist der Kern von all dem, wofür der Name „Wilhelm Reich“ steht. Ein Wissenschaftler, der nach eigenem Bekunden nur eine einzige Entdeckung gemacht hat: die Funktion der orgastischen Plasmazuckung (Äther, Gott und Teufel, S. 3). Jeder, der den Namen „Wilhelm Reich“ in einem anderen Sinne benutzt, wie es sogenannte „Reichianer“ tun… „Orgonomie“ ohne Orgasmutheorie ist wie ein Dampfkessel ohne Ventil. Sie ist schlimmer als alle bisherigen Formen des Faschismus.

Auf die kürzeste Formel gebracht lautet die Reichsche Orgasmustheorie (Scienza Orgonomica, Vol. I, No. 1):

Die Energie der Neurose (EN) entstammt der Differenz aus prägenitaler Energieanhäufung (EA) und genitaler Energieentladung (EE), so daß wir beim Gesunden haben:

Dies ist Ur- und Ausgangspunkt und die Grundlage der Orgonomie ohne alle Qualifikationen und Abstriche. Man kann über alles diskutieren, aber mit dem Infragestellen dieser einen Formel verläßt man die Orgonomie, so daß jede Diskussion innerhalb der Orgonomie absolut sinnlos ist. Wenn diese Formel nicht stimmt, wäre die gesamte Orgonomie null und nichtig.

Ursprünglich wollte Reich der Vegetotherapie die Bezeichnung „Orgasmotherapie“ geben, hat dies aber aus naheliegenden Gründen unterlassen. Auch die Orgonomie als Ganzes ist imgrunde nichts anderes als „Orgasmologie“. Leider kann man auch dies kaum öffentlich vertreten, ohne schwersten Mißverständnissen ausgesetzt zu sein. Aber andererseits wurde die Orgonomie auf pestilent verzerrte Weise ohnehin schon von je her so aufgefaßt, wie z.B. folgender Satz aus Psychologie heute (Aug. 1987) anläßlich der neuen Prüderie in den USA zeigt:

Auch in den sechziger Jahren, vor dem Eintritt der USA in den Vietnamkrieg, kämpften Politiker und Medien gegen eine angeblich steigende Promiskuität und Prostitution, die „Amerika in eine gigantische Reichsche Orgon-Box verwandelt“ hätten (so das Time-Magazine 1964).

Freiheit und sexuelle Gesundheit sind in der Orgonomie austauschbare Begriffe. Wenn sie für vollkommene sexuelle Freiheit eintritt, ist dies identisch mit der Einschränkung von „perverser ‚Freiheit’“. So steht die Orgonomie in einer unhaltbaren Stellung zwischen Zwangsmoralisten und Freiheitskrämern. Ausgerechnet diese „Orgasmologie“ fordert dazu auf, „mit allen Mitteln“ zu versuchen, „die pornographische Flut einer Epidemie permissiver Fickerei einzudämmen“ (Christusmord, S. 183). Denn es gäbe, so Reich,

kaum einen Zweifel, daß eine (…) Periode permissiver Fickerei(…), jede Spur einer menschlichen Existenz auslöschen würde, ohne auch nur etwas Glück und Befreiung zu bringen. (ebd. S. 184)

Natürliche Liebe, die sich in tote Genitalien ergießt, wird zu Haß und stumpfen Mord am sozialen Dasein. (S. 186)

In der Zwischenzeit hat Viagra impotenten Männern „kalte“ Erektionen beschert. Neue Medikamente sollen nun Männern mit Ejaculatio praecox helfen, ihren „Orgasmus“ länger hinauszuzögern (vgl. meinen Blogeintrag Der gefühllose Penis).

Honda stellte 2003 den ersten Sexroboter der Welt vor. „Asimo“ imitiere die Bewegungen beim Akt naturgetreu. „Der Roboter erledigt das Vorspiel, zu dem die gestreßten Paare von heute nicht mehr kommen“, erklärt Projektleiter Dr. Naidu.

Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich über das Tabu seiner psychoanalytischen Kollegen hinweg, mit dem das aktuelle Sexualleben des Patienten belegt war. Reich gab sich nicht mehr mit der bloßen Aussage des Patienten zufrieden, er habe Verkehr gehabt, sondern er ergründete, wie genau und mit welchen Gefühlen dieser Verkehr vonstatten ging. Was sich ihm unter der Oberfläche bürgerlicher Normalität darbot, war die Spaltung zwischen der „schmutzigen“ Welt des Bordells einerseits und dem Krampf ehelicher „Pflichterfüllung“ andererseits.

In der „Sexuellen Revolution“ hat sich nicht mehr ereignet, als daß sich das Bordell ausgeweitet und sich mit dem „Geist“ ausgesöhnt hat. Die kalte Praxis des vorgeblich ältesten Gewerbes verbindet sich mit der „Liebe“, Sadismus und Mystizismus fließen wieder in eins. Zur Illustration diene folgender Text aus einer Werbeanzeige für Bild der Frau 1991:

Von A wie Autoerotik bis Z wie Zärtlichkeit: Das intime Wörterbuch der Frau z.B. ANAL SEX: Im Film „Der letzte Tango von Paris“ nahm Marlon Brando dafür Butter. Heute empfehlen Experten andere Gleitmittel, z.B. Babyöl und außerdem besonders strapazierfähige (reißfeste) Kondome. Denn seit Aids ist diese Praktik des Sexualverkehrs mehr denn je ins Gerede gekommen, weil sie wegen der möglichen Übertragung des Aidsvirus am gefährlichsten ist. (…) AYURVEDA: Eine altindische Heilslehre, die im menschlich-sexuellen Verhalten den Schlüssel für Wohlbefinden oder für Krankheit sieht. Basis der Gesundheit ist demnach der menschliche Samen, der den Körper von Männern und Frauen mir Lebenskraft versorgt und gegen jede Krankheit immun macht.

Die schon von Reich beklagte „allgemeine Yogakultur“ obsiegt, der Geist regiert die Maschine Körper und „Sex findet nur im Kopf statt“. Kurz, der „Freie Wille“ triumphiert über die Natur. Hingabe an sie ist nicht mehr nötig. „Orgasmus – Nur auf diese eine Weise?“ fragt die Sexexpertin von Bild am Sonntag (6.12.87). Nein, man kann die Natur überlisten und nach Bedarf „Orgasmen“ aus ihr herauskitzeln:

Ein normaler Höhepunkt – was ist das eigentlich? Unzählige Frauen und Männer meinen, daß ein Höhepunkt, der beim Liebesakt allein durch die Penisbewegung und ohne zusätzliche manuelle Reizung zustande kommt, normal ist. Frauen, denen dieses Kunststück nicht gelingt, bezeichnet die Sexualwissenschaft kurzerhand als „koital anorgastisch“. Brr, wie das schon klingt (…) Der naive Rückschluß, als koital anorgastische Frau nicht normal zu sein, liegt nahe. Was für ein widersprüchlicher Wahnsinn! Laut Statistik haben 70 Prozent aller Frauen Schwierigkeiten, ohne manuelle Reizung beim Liebesakt einen Höhepunkt zu erreichen. Wenn also die statistische Mehrzahl der Frauen bei der körperlichen Vereinigung ohne zusätzliche Stimulation mit der Hand nicht zum Orgasmus kommt, dann ist dieses Unvermögen die Norm; der Orgasmus beim Geschlechtsakt „ohne“ die Ausnahme. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß es eine Frau nur wenig tröstet zu wissen, daß sie mit diesem Problem nicht allein ist. Schließlich zeigen die Männer ziemlich unverhohlen ihre Enttäuschung über das vermeintliche Versagen der Partnerin; oder aber sie lasten ihrem Liebesorgan die Schuld dafür an – selbst dann, wenn das männliche Liebesorgan an Potenz und Größe nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn also eine Frau während einer Umarmung ohne manuelle Reizung keinen Höhepunkt erlebt, handelt es sich nicht um eine sexuelle Abweichung, sondern höchstens um eine Abweichung von den männlichen Vorstellungen weiblicher Normalität. Dennoch lassen sich Frauen immer wieder zu einer Lüge aus Liebe hinreißen und tun so, als kämen sie tatsächlich allein durch das Hin und Her seines guten und gewiß sehr willigen Stückes zum Orgasmus. Was alles noch schlimmer macht: Viele Männer lehnen es aus Phallus-Ängsten ab, beim Liebesakt ihre Finger zu Hilfe zu nehmen, um der Partnerin den letzten Schub zum Orgasmus zu ermöglichen. Was tun? Wir Frauen müssen unseren Männern dies klarmachen: Ein Orgasmus ist nicht minderwertiger, nur weil er durch ein geschicktes mechanisches Verfahren ausgelöst wurde! Wie oft ist ein ohne Gefühl gebrauchter Penis mehr Werkzeug, ja sogar Waffe als helfende Finger oder Lippen, die die gemeinsame sinnliche Erregung nur vollenden.

Die Frau hat sich, da Hingabe verpönt ist, mit starken Juckreizen zu begnügen, die das Gegenteil von Lust, nämlich unterschwellige Schmerzempfindungen sind.

Ein Orgasmus ist mehr und grundsätzlich verschieden von einem starken Jucken. (Christusmord, S. 79)

Der Drang zu ständiger Wiederholung des Schmerzes, den man ansonsten ja fliehen würde, vermittelt sogar die Illusion von Lust. Das natürliche genitale Gefühl ist verlorengegangen und „durch trockene, leere, frustrierende Pornographie ersetzt (…), die verzweifelt nach dem verlorenen Paradies drängt“ (ebd. S. 300). Die sexuelle Spannung sucht verkrampft nach Entspannung, so daß zwangsläufig schließlich der Tod als „letzter Ausweg“ mit Libido besetzt wird. Unsere ganze „erotische Kultur“, insbesondere in der neueren erotischen Literatur von Frauen für Frauen wird immer sadistischer, immer „schwärzer“, immer „spitzer“, genauso wie das Outfit der sexuell selbstbewußten Frau.

Auch der Zwillingsbruder des Sadismus, der Mystizismus, verspricht die ultimative Lösung der Spannung: den befreiten Geist, der unberührt über dem Tohuwabohu unbefriedigter Triebe schwebt. Es bildet sich eine sexfeindliche Ideologie heraus, wie sie z.B. die amerikanische Psychologin Gabrielle Brown in The New Celibacy vertrat:

Eine wachsende Zahl gleichgesinnter Amerikaner meiden den Sex. So überdrüssig sind sie der erotischen Lustbarkeiten, die ihnen die sexuelle Revolution beschert hat, daß sie sich frohen Herzens nur noch einem hingeben: dem Zölibat. (…) Übersättigt und doch nicht zufriedengestellt von Spontanfick, Gruppensex und fliegendem Bettwechsel, suchen diese Befreiungsmüden jetzt ihr Heil in der Enthaltsamkeit.

So 1980 der Stern (Nr. 41) lange vor AIDS.

Die vorgebliche „Sexuelle Revolution“ endet dort, wo sie angefangen hat. Angewidert wendet sich der Geist wieder ab, ohne daß der bioenergetische Kern der Sache, die Funktion der genitalorgastischen Plasmazuckung des Gesamtkörpers in der Genitalen Umarmung, auch nur berührt worden ist. Das einzige Ergebnis der „Sexuellen Revolution“ ist nur, daß sie als erledigt abgehakt ist. Die weitaus meisten Menschen verstehen auch gar nicht, wovon hier eigentlich die Rede ist, da sie nicht nur orgastisch impotent sind, sondern darüber hinaus das Gefühl für ihren Kern unterhalb der orgastisch impotent machenden Panzerung verloren haben.

Diese Kontaktlosigkeit wird offensiv in der „Sexualerziehung“ verbreitet. Ohnehin paßt das intime Thema nicht in den Schulalltag. Schon gar nicht die politisch korrekte Indoktrination gegen die Genitalität; Stichwort „sexuelle Orientierung“. Zumal die Sexualerziehung in einem zunehmend antigenitalen sozialen Klima erfolgt, in der wohl Pornographie und alle Arten der Perversion toleriert werden, jedoch die Genitalität massiv unterdrückt wird.

In Amerika ist es so weit, daß jede Äußerung heterosexueller Gefühle in Schulen, jeder körperliche Kontakt zwischen Schülern, strengstens untersagt ist.


Anfang 2008 planten Tausende südafrikanische Teenager ein
landesweites „Massenküssen“. Sie wollten damit gegen ein neues Gesetz protestieren, das unter 16-Jährigen auch einvernehmliche sexuelle Aktivitäten verbietet – Küssen und Schmusen eingeschlossen.

Und in Deutschland:

Es ist das erste Date. Ein 14-jähriges Mädchen, frisch verliebt, lädt ihren 17-jährigen Freund ins Kino ein. Endlich können sich die Teenager unbeobachtet von den Eltern ihren Gefühlen hingeben. Freudig erregt sagt das Mädchen zu ihrem Freund, daß sie die Dunkelheit im Kinosaal zum Schmusen nutzen und ihn auch zum ersten Mal küssen und streicheln will. Der Junge überlegt nicht lange und stimmt diesem Wunsch zu, schließlich ist auch er verliebt – und bekommt den Kinobesuch geschenkt. Doch statt im siebten Liebeshimmel findet sich das 14-jährige Mädchen wenig später vor Gericht wieder. Sie ist wegen des sexuellen Mißbrauchs eines Jugendlichen angeklagt. Ihr droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Dieses Szenario spielt nicht in einem fernen Land, sondern könnte bald in Deutschland Realität werden. Das befürchten zumindest Oppositionspolitiker im Bundestag. Denn am Donnerstag soll das Parlament ein Gesetz beschließen, daß die Ausweitung des Sexualstrafrechts vorsieht. (Stern , 2007)

Das Gesetz der Großen Koalition wurde zum Glück Ende 2007 von der Legislative gestoppt, doch der Geist ist aus der Flasche. In den USA ist es bereits zu Anklagen gegen Kinder gekommen, die Nacktphotos von sich selbst ins Netz gestellt haben: sie hätten „Kinderpornographie“ verbreitet.

Liebe, Arbeit und Wissen: Zwei Arten von Liebe

13. Februar 2015

Reichs Haltung zum Thema Liebe wurde wohl am prägnantesten von seinem 1985 verstorbenen Schüler Elsworth F. Baker formuliert. Der genitale Charakter spüre Liebe nicht in erster Linie im Herzen, sondern im Genital.

Liebe ist eine Erstrahlung des Organismus, die in erster Linie im Genital gespürt wird, wenn man in der Nähe desjenigen ist, den man liebt. Es reicht sogar, wenn man nur an die geliebte Person denkt. (The Journal of Orgonomy, Vol. 14, No. 1, S. 99)

Entsprechend steht die Orgonomie bei eher konservativ Gesinnten im Ruf, für ein „ausschweifendes Sexualleben“ zu stehen. Dabei können sie beispielsweise auf Orson Beans Autobiographie „One man’s search for sexual fullfillment“ verweisen. Mehr liberal Gesinnte brauchen in ihrem Vorwurf, die Orgonomie sei puritanisch, nicht mal auf die „Verdammung“ prägenitaler Lüste hinzuweisen, es reicht schon die Weigerung der Orgonomie Liebe und Sex voneinander zu trennen.

Tatsächlich hat die Orgonomie nichts gegen ein „ausschweifendes Sexualleben“, aber sehr wohl etwas gegen die Instrumentalisierung der Sexualität für „Kunst“, Kommerz (Pornographie), Religion und Macht (Tantra), Politik („Reichianer“) und ganz allgemein Freiheitskrämerei (Nacktkultur, sogenannte „Aufklärung“, etc.). Da ist die Orgonomie puritanischer als der Papst.

Bereits Anfang der 1930er Jahre schrieb Reich:

Eingehende Erfahrung lehrt, daß je mehr die sexuellen Erscheinungen sich in einer Gesellschaftsgruppe vordrängen, desto gestörter, zerrissener, unbefriedigender für jeden einzelnen das Geschlechtsleben im Innern und in Wirklichkeit ist. (Der sexuelle Kampf der Jugend, S. 53)

Dies zur Rezeption á la Erich Fromm, die behauptet, mit der heutigen sexuellen Befreiung und ihren verheerenden Folgen wäre der „Sexualromantiker“ Reich widerlegt. Diese Reich-Kritiker sehen einfach nicht den Kern des Problems: die orgastische Impotenz.

Reich spricht nie über Sex im Sinne von „Liebestechniken“. Solange kurz vor und während des idealerweise gemeinsamen Höhepunkts Eichel und Uterusmund sich nahe sind, ist alles „erlaubt“ was gefällt. Über das hinaus kann man wenig bis nichts sagen.

Wo bleibt das „Herz“? Daß zur genitalen Umarmung auch die Sehnsucht nach der Überlagerung gehört, ist selbstverständlich. Diese Sehnsucht ist spezifisch mit dem Brustsegment und dem Herzen verbunden.

Es stimmt nicht, daß Reich die romantische Liebe nicht gekannt hat und am „genitalen Sex“ fixiert war. In seinen Jugenderinnerungen schreibt er z.B.:

(…) keine Sehnsucht kann bei mir so stark werden wie die nach der Frauenbrust als Kopfkissen. Ich habe später viele keusche Nächte erlebt, in denen ich auf der Mädchenbrust ruhend, eng an sie und den Körper geschmiegt, vollkommenen Ersatz für den Koitus fand. (Leidenschaft der Jugend, S. 56)

Daß wir das Gefühl haben, daß sich Sehnsucht und Liebe in der Brust bei weiterer Intensivierung allmählich ins Genitale ausbreitet, hängt damit zusammen, daß das Herzen unmittelbar über dem Solar plexus liegt, dem Zentrum des orgonotischen Systems.

Liebe ist eine orgonotische Erstrahlung unseres bioenergetischen Kerns, die entsprechend der Entfernung zunächst nach oben zum Herzen und dann nach unten zum Genital übergreift. Deshalb ist es unmöglich, mit einem orgonotisch vollständig erregten Penis den Geschlechtsakt durchzuführen („durchzuführen“) und dabei keine Liebe zu empfinden. Gleichzeitig ist es natürlich möglich, auch mit einer „kalten Erektion“ Sex zu haben. Entsprechend sind Liebe und Sex zwei Funktionsbereiche, die man trennen kann.

Beispielsweise konsumieren Männer typischerweise harte Pornographie, in der Liebe keine Rolle spielt, während Frauen eher „Pornographie fürs Herz“ genießen („Herzchen“, Schlagerschnulzen, Liebesromane, Titanic, Pretty Woman, etc.). Ein Psychopath kann den Geschlechtsakt ausführen, ein Querschnittsgelähmter kann Liebe empfinden.

Liebe ist Herzenssache, Sex konzentriert sich im Genital. Bei der Liebe geht es um Emotionen, beim Sex um Sensationen, „Aktion“ und „Technik“. Das entspricht den beiden sich ergänzenden Energiesystemen des Körpers: dem orgonotischen System (Pulsation) und dem Orgonom (Kreiselwelle).

Das erstere System liegt bei gepanzerten Menschen dem Mystizismus zugrunde, das letztere dem Mechanismus.

In Nervenheilkunde (1-2, 2010) ist ein sehr interessanter Artikel von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer (Universitätsklinikum Ulm) unter dem Titel „Liebe und Sex, der Wald und die Bäume“ erschienen.

Spitzer führt auf überzeugende Weise etwas aus, was die Grundlagen der Orgonomie infrage stellen könnte:

Frühere Auffassungen, die sowohl von Evolutionsbiologen als auch von Psychoanalytikern vertreten wurden, daß Liebe eine Art Epiphänomen darstelle, und sich „eigentlich“ alles nur um Sex drehe sind unzutreffend.

Das ist eine neurobiologische Tatsache, die schwerlich wegzudiskutieren sein wird!

Spitzer führt aus, daß Liebe und Sex vollkommen unterschiedliche Konnotationen haben: globale, kreative Ganzheitlichkeit mit einem weitem Zeithorizont gegen Fokussierung auf Details und das Hier und Jetzt. So ist auch die Überschrift von Spitzers Aufsatz erklärlich: Mal betrachten wir eher den Wald und mal eher die einzelnen Bäume.

Wir alle kennen die Frage: „Was findet der nur an der!“ und verkennen, daß Liebe vollkommen blind macht für all die (mehr oder weniger) kleinen Schönheitsfehler, während wir umgekehrt nach dem Rausch des Augenblicks feststellen, wie öde und imgrunde häßlich doch die Frau ist, „an der alle Details stimmen“.

Diese beiden unterschiedlichen Gefühlswelten können Psychologen experimentell anhand von Freiwilligen erforschen und quantifizieren. Spitz referiert eine entsprechende Arbeit. Bezeichnenderweise sprechen die Psychologen von zwei unterschiedlichen „Denkmustern“, gemäß der Vorstellung, daß „sich alles nur im Gehirn abspielt“.

Aus Sicht der Orgonomie sind Liebe und Sex nur zwei Aspekte der beiden Hauptäußerungsformen der Panzerung des Menschen: des Mystizismus („Romantik“) und des Mechanismus („Ficken“). Die Orgonomie erschließt jedoch einen tiefer gelegenen dritten Funktionsbereich jenseits von Liebe und Sex: die Genitalität.

Während der gepanzerte Mensch in einem der beiden „Denkstile“ gefangen bleibt oder ein Doppelleben führt (der liebende Ehemann, der sich heimlich bei Huren „auslebt“), lebt der ungepanzerte Mensch ein funktionelles Leben. Er kann sich angemessen verhalten: Liebe und Sex ergänzen einander, statt sich gegenseitig zu behindern. Gleichzeitig kann er sie klar voneinander trennen, beispielsweise wird er nach einer bedeutungslosen Affäre nicht zum liebeskranken Stalker, genauso ist er aber auch fähig, Frauen „ohne Hintergedanken“ so zu lieben, wie man einen sehr engen Freund liebt.

Reich hat die Funktionsweise der Orgonenergie mit Hilfe der Orgonometrie beschrieben, siehe dazu die Abbildung unten. Je nach Fragestellung kann man in der Orgonometrie von bestimmten Variationen ausgehend nach immer tieferen Gemeinsamen Funktionsprinzipien suchen, deren tiefstes das einheitliche Naturgesetz N ist (N ← V); oder man kann umgekehrt von allgemeinen Funktionsprinzipien ausgehen und von dort auf die potentiell unendlich vielen Variationen V dieses Naturgesetztes blicken (N → V). Beides ist gleichwertig und hat seinen angemessenen Platz im Leben. Kommt Panzerung ins Spiel, wird eines der beiden Denkstile rigide festgehalten mit den entsprechenden lebenswidrigen Folgen.

Man denke nur daran, wie der „rechte“ Katholik die Liebe gegen den teuflischen Sexus in Stellung bringt, während umgekehrt der „linke“ Atheist auf zynische Weise alles vom Sexus her sehen will und jede Art von Liebe psychoanalytisch oder evolutionsbiologisch zu dekonstruieren trachtet. Das erstere ist Ausdruck des Mystizismus, das letztere des Mechanismus.

Da Reich in einer Zeit gelebt hat, in der der sexualfeindliche Mystizismus kulturell vorherrschend war („die Adenauer-Zeit“), hat er getreu seiner Herkunft aus der Psychoanalyse und der Darwinistischen Biologie den Schwerpunkt etwas einseitig auf den Sexus gelegt. Heute ist die Lage grundlegend anders.

Sexpol 1933 und Sexpol 2015 (Teil 3)

29. Januar 2015

Ein bedauernswerter Undercoveragent des FBI wohnte in den 1970er Jahren einer von der Mafia organisierten konspirativen Pornofilmvorführung bei. Für den ganz besonders anregenden Abend mußten Swingerpärchen einige hundert Dollar zahlen. Die Mafia hatte einen Film gedreht, in dem der Mann während des Geschlechtsaktes unvermittelt ein großes Messer hervorholte und der jungen Frau den Kopf abtrennte. In Großaufnahme und Farbe.

Tatsächlich sind die Masturbationsphantasien mancher Menschen noch weit schlimmer. Etwa eine Frau, die genau dann zum Höhepunkt beim Masturbieren kommt, wenn in ihrer Phantasie einem Kind die Kehl durchgetrennt wird. Psychotherapeuten können ein Lied davon singen – sich aber zumeist keinen rechten Reim darauf machen.

Warum wird ausgerechnet Sex, die lustvolle Quelle des Lebens, so oft mit Folterinstrumenten, Ekel und Mord verknüpft? Warum verbreiten Sex-Shops die gleiche Atmosphäre wie Ausstellungen über die Greuel von Auschwitz? Eine teuflische Welt, die Lady Gaga unseren Kindern nahebringt. In Israel gab es Anfang der 1960er Jahre sogar eine ganze Literaturgattung, die sich um SM-Sex in Komzentrationslagern drehte: „Lagerpornos“!

Ein Gutteil wird durch Reichs Entdeckung der Panzerung erklärt, die primäre Antriebe ins Gegenteil verkehrt, wenn sie aus dem Kern heraus an die Oberfläche streben.

Das erklärt aber nicht die innere Dynamik, die Sexualität immer wieder mit Blut, Dreck, Angst, Schmerz und Erniedrigung verbindet. Die 120 Tage von Sodom. Oder mit anderen Worten: Was ist so geil an Fesselspielen, SM, Toilettensex, etc.?!

Seit dem ORANUR-Experiment wissen wir, daß die Funktion des Orgasmus nicht nur einfach die Entladung überschüssiger Energie ist, sondern die Entladung von DOR. Bei orgastisch impotenten Menschen wird diese Energie in der Panzerung gebunden. Panzerung ist sequestriertes DOR! Wird die „Ladungskapazität“ der Panzerung überschritten, kommt es zu neurotischen (selbstzerstörerischen) und pestilenten (soziopathischen) Symptomen. Bei manchen phallisch-narzißtischen und hysterischen Strukturen funktioniert dieser Mechanismus nur schlecht und das System wird bei sexueller Stauung unmittelbar mit unsequestriertem DOR überschwemmt. Das findet man bei besonders hochenergetischen Männern wie Wilhelm Reich oder John F. Kennedy, denen, wie sie ihrem Umfeld bekundeten, „schwarz vor Augen“ wurde, wenn sie drei Tage hintereinander „keine Frau hatten“. Es ist, als wenn sich „Toxine“ in ihrem Organismus angesammelt hätten.

Solche Menschen fühlen sich nur „sauber“, wenn sie regelmäßig Geschlechtsverkehr haben. Bei anderen, mehr prägenital organisierten Menschen (die charakteristischerweise so aussehen „als wenn sie stinken würden“ – man denke nur an Madonna) ist es so, daß sie derartig im DOR-Sumpf stecken, daß ihre Sexualität ein einziges Suhlen im Dreck ist mit minimaler Spannungsabfuhr. Man lese etwa Reichs Beschreibung der unappetitlichen sexuellen Exzesse des triebhaften Charakters (Frühe Schriften) und des masochistischen Charakters (Charakteranalyse).

Jerome Eden hat die enge Beziehung von DOR und Sexualität vor 30 Jahren in einem kurzen Artikel sehr schön verdeutlicht („Functional Changes in Orgonomic Potential“ EDEN Bulletin, 7,4, Oct. 1980):

In der Orgasmusformel erklärt Reich das Funktionieren der Orgonenergie im Organismus, die vom orgonomischen Potential (Ladung, Energieakkumulation) bestimmt wird.

Doch wie kommt es zur Entladung? Eden geht davon aus, daß die „reine“ atmosphärische Orgonenergie (A) sich verändert, während sie dem orgonomischen Potential gemäß durch das Plasma (B) zum Kern (C) des Organismus fließt. Sie ist nun „gefangen“, ihre freie Bewegung eingeschränkt, ihre Möglichkeit zur Pulsation wird behindert. Auf diese Weise wird die ursprüngliche „saubere“ Energie nach und nach in „schmutziges“ DOR umgewandelt, das als sekundäre Energieform dem mechanischen Potential folgt, d.h. vom Kern wieder wegstrebt (Entladung).

Das erklärt, warum Sexualität das Schönste und Erfüllendste ist, was man sich vorstellen kann. Schließlich beruhen darauf alle unsere Vorstellungen vom Paradies und von der „Erlösung“! Wie Reich in Die kosmische Überlagerung erklärt, kann die organismische Orgonenergie in der Verschmelzung zweier Organismen zu einem, d.h. in der genitalen Überlagerung, ihre Beengung überwinden und weiter ausschwingen. Sie ist wieder so frei, wie die atmosphärische Orgonenergie. Im obigen Zusammenhang kann man anfügen: DOR verwandelt sich zurück in Orgonenergie.

Das skizierte Modell erklärt aber auch, warum Sexualität gleichzeitig das Schrecklichste, Unmenschlichste, Ekelerregendste und Schmutzigste sein kann, was man sich vorstellen kann: sie ist (wie alles Leben, nur besonders intensiv) untrennbar mit DOR verbunden. Auf verzerrte Weise vermittelt das beispielsweise der Katholizismus – der unendlich tiefer ist als das „aufklärerische“ Geschwätz der „Reichianer“.

Diese Überlegungen verdeutlichen auch, warum die zunehmende Verschmutzung der Atmosphäre mit DOR so verheerend ist. Dieser Planet wird sich in eine Sadomaso-Hölle verwandeln, wenn dem DOR-Notstand nicht entgegengewirkt wird.

Nicht das Private ist politisch, das Politische ist privat!

3. Juni 2013

Frägt man, was von Reich heute übriggeblieben ist, kommt oft die Antwort, daß, frei nach Reichs Schrift von 1934 Was ist Klassenbewußtsein? , „das Private politisch“ sei. Das war beispielsweise einer, wenn nicht der Leitspruch des Feminismus in den 1970er Jahren und gilt bis heute als Essenz der „Emanzipation“ etwa der Schwulen und anderer sexueller Minderheiten.

Das geht so weit, daß das Private, womit natürlich stets das Sexuelle gemeint ist, selbst zu einem politischen Kampfmittel wird. Man denke nur an den Christopher Street Day oder etwa groteske Gruppen wie „Fuck for Forest“. Die Gesellschaft wird mit dem Intimleben Schwerstgestörter belästigt. Reich wurde und wird immer wieder mit dergleichen in Zusammenhang gebracht, etwa „Orgasmen für den Frieden“. Deshalb zum Mitschreiben: Reich steht für das Gegenteil dessen, was diese „Sexrebellen“ vertreten!

Reich:

An die Stelle der Sexualisierung des politischen Lebens unserer Zeit sollte die Politisierung, also die gesellschaftlich korrekte Bewältigung des zerrütteten privaten Daseins treten. (Menschen im Staat, S. 183)

Die Sexualisierung des politischen Lebens analysierte Reich vor allem anhand der Nationalsozialisten, deren gesamte „Politik“ nichts anderes als ein einziger gigantischer „Christopher Street Day“ war. Selbst das Hakenkreuz-Symbol und die SS-Rune standen unterbewußt für den Geschlechtsakt. Siehe dazu meine Ausführungen in Der Blaue Faschismus. Was sagt etwa das bekannte „Friedenssymbol“ aus, das seit den 1960er Jahren wie kein anderes unsere Kultur symbolisiert? Siehe hier.

Die Sexualisierung des politischen Lebens wird erst dann beendet sein, wenn man erkannt haben wird, daß das politische Leben durch den Charakter bestimmt wird, also durch Struktur gewordene pervertierte Sexualität. Sexualität gehört ins Schlafzimmer, nicht in den Reichstag. Genital befriedigte Menschen haben einen freien Kopf und bewältigen ihr Leben selbst. Für sie ist Politik – politisch, d.h. es geht nüchtern um die Ausrichtung des bißchen Staates, den die Arbeitsdemokratie für ihr Funktionieren benötigt.

Solange Politiker die Politik mißbrauchen, um ihre mystischen („rechten“) bzw. mechanistischen („linken“) Impulse auszuleben, wird die Arbeitsdemokratie gefesselt bleiben. Schlagende Beispiele sind Adolf Hitler und Claudia Roth, die die Politik ausschließlich benutzten, um sich selbst zu verwirklichen, d.h. schlicht um sich auszuleben; sozusagen öffentliches Privatleben. Ihr öffentliches Ereifern, ist öffentliche Masturbation und sonst nichts! Oder man denke daran, wie sehr der nüchternen Margaret Thatcher der merkwürdig ekstatische Visionär Helmut Kohl auf den Wecker gegangen ist. Manche Politiker sind einfach nur obszöne Erscheinungen. Leider müssen wir alle für ihren Schweinkram blechen, beispielsweise für die verzückte „Vision“ eines vereinten Europas.

nasisbekrampfen

Sexpol 2012 (Teil 2)

18. Januar 2012

Eines der Hauptprobleme bei der Vermittlung des Reichschen Werkes ist die Mär, daß „mehr Ficken“, die Menschen „befreie“. Diese Sichtweise wurde etwa von Christopher Turner in seiner leider sehr einflußreichen Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron vertreten. Angesichts der Zustände in der permissiven Gesellschaft sei Reich definitiv widerlegt. Reich diese Vorstellung unterzuschieben ist natürlich vollkommen absurd, da er ausführlichst gezeigt hat, daß die Menschen aufgrund ihrer Panzerung orgastisch impotent sind. Ebensogut könnte man einem Farbblinden raten, er solle in einer farbenfrohen Umgebung leben, um zu gesunden!

Wie fast immer ist in diesen falschen Anschauungen ein Körnchen Wahrheit enthalten, – das sie am Leben erhält. In diesem Fall: partielle sexuelle Entspannung ist natürlich immer noch besser als gar keine. Wie Richard A. Blasband ausgeführt hat, gilt das sowohl für Masturbation, selbst wenn man dabei Schuldgefühle hat („Q & A: Masturbation and Guilt“, Journal of Orgonomy, 11(1), May 1977, S. 116), als auch für sexuelle Perversionen, die einer sexuellen Abstinenz vorzuziehen sind („Q & A: Neurotic Sexual Relations and Abstinence“, Journal of Orgonomy, 14(1), May 1980, S. 114). Der Neurotiker kann immer einen Höhepunkt erleben, der die sexuelle Spannung reduziert, wenn auch keinen Orgasmus, der sie vollkommen beseitigt (Elsworth F. Baker: „Sexual Theories of Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, 20(2), November 1986, S. 176). Dies heißt natürlich nicht, daß man Sex als Heilmittel verschreiben kann (ebd., S. 183), jedoch kann man seine Triebe frei leben, solange sie andere nicht verletzen.

Für Freud war „die Sublimierung das einzige Mittel (…), ohne Verdrängung oder Perversionsbildung die Konflikte zwischen Ich und Sexualität zu lösen“ („Trieb- und Libidobegriffe von Forel bis Jung“, Frühe Schriften, S. 131). Reich hingegen war der Ansicht, die sexuelle, d.h. genitale Befriedigung ermögliche erst die Sublimierung von prägenitalen Strebungen.

Reich unterscheidet zwischen der genitalorgastischen Befriedigung und Sublimierung auf der einen und der prägenitalen Befriedigung und Reaktionsbildung auf der anderen Seite.

Dieser qualitative Unterschied drückt sich dann auch in einem quantitativen aus: Der neurotische Charakter leidet unter einer sich ständig steigernden Libidostauung, (…) weil seine Befriedigungsmittel den Bedürfnissen des Triebapparats nicht adäquat sind; der andere, der genitale Charakter, steht unter dem Einfluß eines ständigen Wechsels von Libidospannung und ädaquater Libidobefriedigung, verfügt also über einen geordneten Libidohaushalt. (Charakteranalyse, KiWi, S. 225f)

Beim genitalen Charakter stehen Ich-Libido („Selbsterhaltung“) und Objekt-Libido („Sexualität“) in keinerlei Widerspruch, sondern bestärken einander.

In der autoritären Gesellschaft hingegen werden mit Hilfe von Drohungen, die die Selbstliebe aktiviert (Angst um das eigene Selbst, etwa infolge mehr oder weniger direkter Kastrationsdrohungen), die sexuellen Objektstrebungen in Schach gehalten. Sie kommen dann nur mehr als „Idealismus“ zum Ausdruck. Aus Sexualität wird „Altruismus“. Diese Reaktionsbildung ist beispielsweise die Grundlage des Christentums („selbstlose Liebe“).

Seit 1960 haben sich die Charakterstrukturen der Massenindividuen zusehends verändert. Im antiautoritären Individuum ist von Drohungen und Sexualunterdrückung keine Rede mehr. An ihre Stelle tritt der Terror der „Political Correctness“, etwa in Bezug auf die „Gender-Problematik“. Als Kompensation der frustrierten Selbstliebe wird die Umwelt nur noch mit der Brille des Egoismus betrachtet und entsprechend opportunistisch ausgebeutet.

Der ungepanzerte, genitale Charakter ist orgastisch potent und deshalb fähig imgrund antisoziale prägenitale Strebungen zu sublimieren, d.h. sozial fruchtbar zu machen.

Der gehemmte Charakter der autoritären Gesellschaft ist orgastisch impotent und nur zu einer Karikatur des Sublimierens fähig: aus Selbstliebe wird heuchlerische „Nächstenliebe“. Derartige Reaktionsbildungen sind, so Reich, „krampfhaft und zwangsartig“, während die Sublimierung „frei strömt“.

Es ist, als ob hier das Es in Einklag mit Ich und Ich-Ideal direkt mit der Realität in Verbindung stünde, dort hingegen bekommt man den Eindruck, als ob alle Leistungen von einem strengen Über-Ich einem sich sträubenden Es aufdiktiert würden. (ebd., S. 238f)

Beim gehemmten, „idealistischen“ Charakter kommt es zu einer krampfartigen „Stärkung der Ich-Formation in Form chronischer Abpanzerung gegen Es und Außenwelt“, während beim ungehemmten, „opportunistischen“ Charakter das Ich zu schwach ist, um antisozialen libidinösen Regungen Herr zu werden. Entsprechend ist er Spielball zahlloser neurotischer Strebungen (ebd., S. 252).

Der ungehemmte Charakter der antiautoritären Gesellschaft gibt sich ganz seinem Egoismus hin und „lebt sich aus“. Baker hat 1970 dieses prägenitale Paradies anläßlich der ersten Welle des Antiautoritarismus, d.h. der Hippie-Bewegung, folgendermaßen analysiert:

Eine solche um das Vergnügen kreisende Kultur, würde allmählich verfallen und schließlich dem Nichts anheimfallen, wie es in der Zeit der alten Griechen und Römer geschah oder wie H.G. Wells es in Die Zeitmaschine für die Zukunft visualisierte. Es stimmt, daß man dazu fähig sein muß Lust, sogar Ekstase, zu erleben, um so Spannung entladenden zu können, aber das Leben findet Erfüllung in sinnhafter und schöpferischer Arbeit, nicht indem man sich auf künstlich hinausgezögerte Weise mit seiner Partnerin bzw. seinem Partner herumrekelt. Derartige Liebesspiele sind kein Ausdruck von Genitalität, vielmehr sind sie infantil mit oralen und masochistischen Komponenten. (Leserbrief an den „Playboy“, Journal of Orgonomy, 5(1), S. 116f)