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Unser Haß und seine Symbole

2. März 2025

Angesichts der Erfolge von Donald Trump in Amerika und den „Rechtspopulisten“ in Europa prangern die durchweg linksliberalen Massenmedien zunehmend den Haß an, der „Rechte“ angeblich antreibt („Menschenfeindlichkeit“, „Haßreden“, „Haßverbrechen“). Tatsächlich hat diese ganze Aufregung nichts mit den Meinungsäußerungen und Handlungen von Trump, Urban, LePen, Höcke, etc. zu tun, sondern sie ist eine Funktion der tiefsitzenden Angst des Linksliberalen vor bioenergetischer Erregung im allgemeinen und Aggression im besonderen. Sein Pazifismus, seine Toleranz bis zur Selbstaufgabe, sein ganzes Gutmenschentum entstammt einer tiefverankerten Störung des Protoplasmas, die es verhindert, daß die Energie in die Muskulatur fließt (= Aggression). Rationales Kalkül, wie sie etwa die Jagd kennzeichnet, ist ihm vollkommen fremd. An seine Stelle tritt eine seichte Gefühlsduselei. Zerebral wie er ist, empfindet er alle echten, d.h. tiefen Gefühle als bedrohlich und unangebracht, letztendlich als verbrecherisch.

Betrachten wir, wie wir Rechten und unser Haß, der ja gegenwärtig das Internet verseucht, wissenschaftlich vermessen werden. Den Anlaß für das Forschungsprojekt halte ich für lächerlich und ideologisch verpeilt, das Ergebnis ist aber sehr interessant. Es geht um den Mordanschlag von Anfang 2011 auf die demokratische Politikerin Gabrielle Giffords, für den allen Ernstes die Republikanerin Sarah Palin, offensichtlich die Inkarnation des Teufel in einem Weiberkörper, verantwortlich gewesen sei. Palin hatte auf ihrer Facebook-Seite eine Landkarte mit den Wahlkreisen veröffentlicht und überall dort, wo die Wahlkreise von Republikanern (zurück-) erobert werden sollten, ein Fadenkreuz plaziert. Dies habe der Attentäter offenbar wörtlich genommen.

Kurz darauf haben niederländische und deutsche Wissenschaftler der Technischen Universität Delft und der Universität Bamberg versucht, einen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Metaphern und tatsächlicher Gewalt nachzuweisen.

Den Probanden wurde von einer angeblichen Fuchsplage in Ballungszentren berichtet. Sie sollten sich zwischen zwei Lösungsmöglichkeiten entscheiden: die Füchse einfach abknallen oder sie einfangen, sterilisieren und der freien Wildbahn zurückgeben. Die Versuchsteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und jeder eine eigene Karte vorgelegt. Auf der einen waren die Fuchs-Problemgebiete mit Palinschen Fadenkreuzen gekennzeichnet, auf der anderen neutral mit Kreisen. Und tatsächlich zeigte sich die erste Gruppe in der Bekämpfung der Fuchsplage weitaus rabiater als die zweite Gruppe.

Wir können mit diesem Analogie-Experiment zeigen, daß selbst kleinste, subtile, unter Umständen versteckte Signale Auswirkungen auf Einstellungen haben. Diese Einstellungen können wichtige Entscheidungen oder gar Verhaltensmuster beeinflussen – wir sollten daher sorgfältig bedenken, welche Symbole wir wie einsetzen und was wir mit ihnen auslösen können.

In Die Massenpsychologie des Faschismus hat Reich die Wirkung des Hakenkreuzes sexualökonomisch zu erklären versucht. Es sei

die Darstellung zweier ineinander geschlungener menschlicher Gestalten, schematisiert, aber deutlich als solche zu erkennen. (…) Es ist also anzunehmen, daß dieses Symbol [des Geschlechtsaktes] auf tiefe Schichten des Organismus einen Reiz ausübt, der um so stärker ausfallen muß, je unbefriedigter, sexuell sehnsüchtiger der Betreffende ist. Wird das Symbol noch dazu als Sinnbild von Ehrenhaftigkeit und Treue präsentiert, so trägt es auch den abwehrenden Strebungen des moralistischen Ichs Rechnung und kann um so leichter akzeptiert werden.

Eine offensichtliche Entsprechung des Hakenkreuzes ist das das weibliche Geschlechtsorgan beschreibende Peace-Symbol, mit dem man ebenfalls Massen beeinflussen kann. Nicht zu vergessen sei der erigierte Penis, der uns bei dem Parteisymbol der AfD ins Auge sticht. Kaum weniger offensichtlich war die Symbolik der Obama-Kampagne in den USA 2008. Es war das erste Mal überhaupt, daß sich ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat eines eigenen Symbols bediente. Vorher war so etwas nur Roten und Schwarzen Faschisten vorbehalten gewesen!

Die aufgehende Sonne hinter einem (Venus-) Hügel ist eine aufdringlich phallische Symbolik. Es ist einfach nur obszön und spricht unmittelbar unser Unterbewußtsein an – unsere Sehnsucht nach einem starken Führer. Das ganze natürlich eingebettet in „Frieden“ und „Antifaschismus“.

Daß die Verbindung zwischen Hitlers Hakenkreuz und dem Obama-Symbol alles andere als weit hergeholt ist, zeigt die frappante, geradezu erschreckend Nähe des daraus abgeleiteten „Obama Health Care logozur entsprechenden Symbolik im Dritten Reich.

Von welcher Seite auch immer: unter der Oberfläche schwillt der Haß, der aus der frustrierten Geilheit der orgastischen Impotenz stammt, sich zwanghaft in einer entsprechenden Symbolik äußert, so kondensiert und schließlich im mörderischen Massenirrationalismus entlädt. Egal wie politisch einseitig die Linke argumentiert: man muß zugeben, daß hinter ihren Anwürfen ein Funken Wahrheit steckt.

Nachwort zu „Peter liest die kommentierte Neuauflage der Originalausgabe von Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS“

3. März 2023

Bemerkenswert ist nicht nur Reichs singulär kompromißloser Antifaschismus zu einer Zeit, als seine psychoanalytischen Kollegen noch vollkommen blind waren gegenüber der sich abzeichnenden Gefahren, wenn sie nicht sogar anfingen, sich den vermeintlich unausweichlichen Zeitläufen zu unterwerfen, sondern vor allem auch wie „politisch unkorrekt“ Reich damals war: Eingeständnis, daß die Nazis gewonnen haben, positive Bewertung des „Neuheidentums“, Offenheit gegenüber der „schwarzen Opposition“ innerhalb des NS gegen Hitler. Später nicht ein einziges Wort über all die Nazis, mit denen er auf Ellis Island interniert war, Antistalinist als alle für Uncle Joe waren, die Weigerung als Opfer („Holocaustüberlebender“) dazustehen und daraus wohlfeilen „moralischen“ Profit zu schlagen etc.

Das ganze ist sicherlich auch Reichs „oppositioneller“ Denkungsart zu schulden. Wie Myron Sharaf es beschreibt: Assistent wettert in den 1950er Jahren ganz „orgonomisch korrekt“ gegen Rotchina – unerwartet kontert Reich, immerhin würde es zig Millionen Menschen vertreten. Alle in seinem Umfeld, z.B. Wolfe und dessen Frau, sind „orgonomisch korrekt“ antichristlich eingestellt – unerwartet kontert Reich und sieht auch eine positive Rolle für Priester. – Immer das Gegenteil dessen, was man von ihm erwartet. Das macht die Reich-Forschung so problematisch. Man will z.B. Reichs Haltung zu Nietzsche eruieren, je nach Quelle:

War Reich mit einer Aussage konfrontiert, die Nietzsche verächtlich machte, findet sich als (hypothetische) Reich-Aussage: „Nietzsche war ein großer Denker, dem ich viel verdanke.“

Wäre Nietzsche hochgejubelt worden, hätte Reich zum gleichen Zeitpunkt auch sagen können: „Nietzsche war doch nur ein verrannter Neurotiker, der dem Wesentlichen ausgewichen ist.“

Das macht wohl auch einen Gutteil von Reichs „Funktionalismus“ aus: alles ist abhängig von den Umständen. Es geht um die grundsätzliche Haltung, nicht um dogmatische Aussagen.

Aber genau das wird zunehmen unmöglich. Kaum hat man heutzutage einen Halbsatz angefangen, wird man schon vom Gegenüber festgenagelt. „Ahh, so einer sind Sie also!“ – Das führt dahin, daß keiner mehr denkt, sondern sich alle nur noch nach „Denk“-Schablonen richten. Man weiß schon immer im Voraus, was das Gegenüber sagen wird. Reich hat hier sowohl 1933 (als er ein Tabu brach und die „Niederlage der Arbeiterklasse“ eingestand) als auch 1946 nicht mitgespielt (als er sich weigerte „die Deutschen“ zu verdammen und „die Russen“ zu glorifizieren). Beim ersten Mal führte das zu Reichs vollständiger politischer und wissenschaftlicher Isolation (Ausschluß aus der KPD und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung) beim zweiten Mal zu einer linken Pressekampagne, die ihn buchstäblich in den Tod gehetzt hat.

Außerdem (schon Reich war Opfer dieses Mechanismus) ist man schnell mit irgendwelchen „Diagnosen“ zur Hand. Findet sich schon zwischen Jugendlichen: der ist das, jener das und der ist doch ein ….

Sich hier beim vermeintlichen „Diagnostizieren“ auf Reich zu berufen, ist ebenso abwegig, wie bei dem Spruch das Private sei politisch. Bei Reich äußerte sich um 1933 die „Politisierung des Privaten“ darin, daß er auf den Versammlungen der Sexpol bei der Beantwortung anonymisierter Fragezettel die privaten, d.h. sexuellen Probleme des Massenindividuums öffentlich ansprach und so das „private Gewissen“ außer Gefecht setzte. Das ist etwas anderes, ja das Gegenteil dessen, was heute daraus gemacht wird: das öffentliche Abarbeiten von psychischen Störungen und die Normalisierung von Perversionen, die erst ein Produkt des besagten Gewissens sind (sekundäre Triebe). Reich hat nie Perversionen öffentlich behandelt, sondern nur im privaten Gespräch nach der Versammlung. Was heute in der Tradition der 68er als „Politisierung des Privaten“ gilt, ist genau das, was Reich vehement abgelehnt hat: die bunte Vielfalt der Neurosen und Perversionen, die Freud und seine in jeder Beziehung „surrealen“ Adepten gefeiert haben.

Ganz im Gegenteil: Reich wollte Verhaltensmuster bloßstellen, die vor ihm kaum als pathologisch, sondern vielmehr als normal betrachtet wurden:

1. vor Reich gab es gerade mal die Symptomkomplexe „Hysterie“ und „Zwangsneurose“. Erst Reich hat das als krankhaft gebrandmarkt, was vorher als Ausbund der Gesundheit galt: der phallisch-narzißtische Charakter. Zwischenbemerkung: damit hat Reich nicht die armen, sozial auffälligen wehruntüchtigen Kranken gebrandmarkt, wie vor ihm Freud (der viel zur Wehrertüchtigung im Ersten Weltkrieg beigetragen hat – das Göring-Institut hat diesen „arischen“ Aspekt der Psychoanalyse später aufgegriffen), sondern die sprichwörtlichen „Leutnants“. Reichs Erweiterung der Nosologie war vom Ansatz her keine „Stigmatisierung des Untermenschen“, sondern ganz im Gegenteil eine emanzipatorische Demaskierung des Herrenmenschen a la Freud. (Ob Herr Prof. Dr. Freud ihm das [unbewußt] übelgenommen hat?)

2. Reichs Beispiele für den „pestilenten Charakter“ und den „Kleinen Mann“ haben eine ganz ähnliche Zielrichtung: der selbstgewisse amerikanische Spießer, die Clique um Truman, die die Bombe geworfen haben, die Töchter der Amerikanischen Revolution, etc.

3. „Modju“, „Red Fascist“, „Enemy of Mankind“, „Communist“, etc. – wenn man Reich genau liest, sind diese Begriffe NIE gegen die Konservativen und „Rechtspopulisten“ gerichtet, sondern gegen jene, die diese verfolgen. Jene Gutmenschen, Verbraucherschützer (Brady), Journalisten, die nur so mit „Charakterdiagnosen“ um sich werfen, selbst aber als Ausbund der Gesundheit gelten. Die wollte Reich festmachen, demaskieren; ihnen ein für allemal selbst ein Label verpassen.

4. der Begriff „Modern Liberal“ bzw. heute Pseudo Liberal (die restlichen „soziopolitischen“ Charaktere werden praktisch nie erwähnt) richtet sich nie gegen die „Armen, Schwachen und Kranken“, sondern sozusagen gegen die „phallischen Narzißten des Hirns“ (siehe Punkt 1).

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 29)

21. November 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Man denke in folgendem Zusammenhang an Reichs Konzept „Kinder der Zukunft“ und daran, daß er nach eigener Aussage keinen besseren Lehrmeister hatte als seinen kleinen Sohn, der ihm so viel über das Menschentier und die Natur beibrachte. Das bedeutet natürlich nicht „Kinder an die Macht“, sondern „nur“ die Infragestellung einer Welt, die den eigenen Irrsinn beständig selbst reproduziert.

Bernd Laska hat mich mal auf das vierbändige Werk Nietzsche absconditus (1991) des Philosophen Hermann Josef Schmidt hingewiesen. Die Lektüre hunderter Seiten über die Ergüsse des Kindes Friedrich Nietzsche, die dessen Schwester Elisabeth aufgehoben hatte, hat mich damals gelangweilt. Erst im nachhinein ist mir Laskas Motivation hinter dieser warmen Empfehlung aufgegangen: von Sokrates bis zu den modernen Meisterdenkern galt das Kind fast durchgehend allenfalls als Störfaktor, der noch nicht ausreichend enkulturiert ist, um mit ihm ernsthaft ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise sichert die gepanzerte Gesellschaft ihre Hegemonie über die Köpfe und Herzen.

Das ist auch der wahre Hintergrund des Umgangs mit „Rechtspopulisten“: sie seien einfach zu ungebildet, um sich mit ihnen auf Augenhöhe auseinandersetzen zu können bzw. zu müssen. Als „Montagsdemonstrant“ wird man typischerweise angegangen wie ein Kind: „Schäm dich!“, „Das ist ja widerlich!“ und, mit welchen Worten auch immer: „Du bist (noch!) kein Teil der Gesellschaft!“, oder wie man so schön sagt: „Nazis raus!“ Dergestalt ist der gesamte moderne vermeintliche „Antifaschismus“ nichts anderes als eine Abwehr des „Kindes“ bevor es zivilisiert wird bzw. der Barbaren außerhalb der Zivilisation. Antifaschismus bedeutet „Anti-LSR“ bzw. „Anti-Stirner“. Unsereins ist unsolidarisch und egoistisch und will sich nicht in die Gemeinschaft einfügen.

Induzierte okulare Panzerung bei den Massen

9. September 2019

Wir haben die Augen nicht um einfach nur zu sehen, vielmehr geht es darum Muster zu erkenne. Unsere tierischen Vorfahren in den Bäumen mußten die Entfernung zwischen den Ästen abschätzen und im Blättergewirr eßbare Früchte erkennen. Diese überlebensnotwendige Fähigkeit zur Mustererkennung, die weitgehend mit dem räumlichen Sehen identisch ist, wird durch die im Säuglingsalter und in der Kindheit erworbene Augenpanzerung nachhaltig gestört.

Als Jugendliche und Erwachsene sind wir dann „die geborenen Opfer“ für die Manipulatoren, die uns dazu bringen Muster zu erkennen, wo gar keine sind (rechte Verschwörungstheoretiker), bzw. die die Mustererkennung zum ultimativen Tabu erklären (Political Correctness). Beispielsweise darf man keine Muster erkennen, was die Morde und Schlachtungen auf deutschen Straßen und Bahnhöfen betrifft. Wir sollen in einer flachen Welt ohne Perspektive leben und alles wie durch eine trübe Milchglasscheibe betrachten, durch die man entweder nur kaum unterscheidbares Gleiches ausmachen kann oder das Mustererkennen gleich ganz aufgibt!

Die „Massenpsychose“ (gesellschaftliche Panzerung) wird dadurch vollendet, daß sich die beiden Gruppen wechselseitig derartig verstärken, daß für den gesunden Menschenverstand, eben den perspektivischen Blick, keinerlei Platz mehr bleibt:

  1. Die Verschwörungstheorien der Rechtspopulisten werden derartig verschroben und menschenverachtend, daß die Politische Korrektheit („Mustererkennungsverbot“) vollkommen rational wirkt. Das erklärt im übrigen auch, warum manchmal ganz Rechte scheinbar abrupt zu den ganz Linken überwechseln: es ist ein Versuch der „Selbsttherapie“.
  2. Das linke Mustererkennungsverbot widerspricht derartig unserer biologischen Struktur und schlichtweg der Wirklichkeit, daß man allzuleicht ins gegenteilige Extrem umkippt und einer starren, „biologistischen“ und in ihrer letzten Konsequenz mörderischen Ideologie anheimfällt.

Im IDEOLOGISCHEN Verhältnis zueinander stehen die beiden Parteien in einem antagonistischen Gegensatz, d.h. die eine Seite schließt die andere aus und das ganze läuft auf einen Vernichtungskampf hinaus, bei dem es nur einen Sieger geben kann:

In der GESELLSCHAFTLICHEN WIRKLICHEIT haben wir es hingegen mit einem einfachen (sich wechselseitig anziehenden) Gegensatz zu tun, d.h. wird die eine Seite stärker, dann gleichzeitig auch die andere: