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Stottern (Teil 3)

5. Juni 2020

von Richard Schwartzman, D.O.

 

 

Die biophysische Untersuchung ergab einen großen, gut proportionierten, schwer gepanzerten Mann, dessen auffälligste Kontraktionsbereiche sein Augen- und sein Mundsegment waren. Seine Augen wirkten glasig und zeigten Misstrauen und Angst, und er blinzelte häufig. Der offene Kontakt zu mir konnte nicht aufrechterhalten werden und er blinzelte und sah mich misstrauisch von der Seite an – versteckter Zweifel bzw. offenes Misstrauen. Sein Kiefer war zurückgezogen und so starr gehalten, dass er nicht passiv bewegt werden konnte. Die submentalenb Muskeln waren extrem angespannt und die gesamte Halsmuskulatur wurde festgehalten, was bis in den oberen Brustkorbbereich reichte. Auch der Zwerchfellbereich war starr, und die unteren Segmente waren gepanzert, aber weniger als die Bereiche über dem Zwerchfell. Er konnte seine Augen nicht vollständig öffnen, um seinen Schrecken auszudrücken, und wenn er wütend wurde, dann mit lauten, kurzen Schreien, abgehackten Schlägen und einem mörderischen Ausdruck in den Augen. Er konnte gut und mit großer Kraft treten. Interessanterweise stotterte er in meiner Gegenwart selten. Dies ist bis heute so geblieben. Die Diagnose, basierend auf Funktionieren, Charakter und Verteilung der Panzerung in der Vergangenheit, ist die eines katatonen Schizophrenen mit einem oralen unterdrückten Block.

Die charakterologische Arbeit konzentrierte sich hauptsächlich auf die Realitätsprüfung seiner Ziele und Ideen und die Klärung seiner Wahrnehmungen. Zur ersten Arbeit gehörte es, ausreichend von seinem Groll gegen mich als Therapeuten und weißen Mann aufzudecken, um die Behandlung voranzutreiben. Monatelanges Schreien und Schlagen, oft verbunden mit dem Beißen auf ein Laken, wobei seine Augen mich mit mörderischer Wut ansahen, hat den Griff der Panzerung so weit reduziert, um die Wahrnehmung des Strömens in seinem Körper zu ermöglichen. Direkte Arbeit an seiner Muskulatur hat nicht viel gebracht. Diese scheint entweder zu hart und unnachgiebig zu sein, wo sie erreichbar ist, oder zu tief im Mund-, Gaumen- und Rachenraumboden zu stecken, um zugänglich zu sein. Der Schwerpunkt der Arbeit richtete sich immer wieder zurück auf den Kopf und vor allem auf die Augen, die er nun problemlos kreist. Er ist in der Lage, den Kontakt beim Atmen aufrechtzuerhalten, und sein Ausdruck ist weicher geworden. Ihm ist jetzt bewusst, dass er oft blinzelt, und er kann viel besser erkennen, wenn er den Kontakt verliert.

Es muss noch viel orale Wut, Schreien und Fluchen auf mich gerichtet werden, insbesondere die starken rassischen Gefühle, die noch nicht zum Ausdruck gebracht wurden. Er stottert weniger, und obwohl die Behinderung für ihn immer noch sehr wichtig ist, ist er ans College zurückgekehrt und kommt dort recht gut voran. Er ist verheiratet, hat eine kleine Tochter, arbeitet lange und hat zwei Jobs. Seine Pläne, in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein, sind jetzt realisierbar, da er einen starken Antrieb und eine realistischere Wahrnehmung von sich selbst und der Welt um ihn herum hat.

 

Zusammenfassung

Der Fall eines 24-jährigen schwarzen männlichen Stotternden wurde vorgestellt. Orgontherapie scheint aufgrund der starken somatischen Komponenten, die in der Störung erkennbar sind, besonders für die Behandlung dieses Falles geeignet zu sein. Die klassische Wissenschaft hat die somatische Komponente erkannt: Barbara (2) betrachtet Stottern als ein Symptom und definiert es als „Störung des reibungslosen Sprachflusses aufgrund tonischer und klonischer Spasmen, die die Funktionen von Atmung, Phonation und Artikulation betreffen. Tics und Spasmen nah oder fern vom Sprachmechanismus sind häufig assoziiert.“ Diese physischen Manifestationen sind nichts anderes als das Ergebnis einer schweren Energiestauung, deren Beseitigung eine der größten Herausforderungen für die Orgontherapie ist.

Die Behandlung hat sich darauf konzentriert, die Wut, insbesondere im Augen-, Mund- und Halsbereich, abzubauen und den Kontakt mit den Augen wiederherzustellen. Das auffälligste Merkmal des Falles ist die Beendigung des Stotterns, wenn der Patient mit den Augen in Kontakt ist und die Existenz seines Bauchsegments gefühlsmäßig wahrnimmt. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Orgontherapie mit ihrem Ansatz der gleichzeitigen Befreiung von physischer Panzerung und der Behandlung von Charakterwiderständen eine vielversprechende Behandlungsmethode für Stottern bietet.

 

Anmerkungen des Übersetzers

b unter dem Kinn liegend

 

Literatur

2. Arieti, S., Editor: American Handbook of Psychiatry, Vol. 1. New York: Basic Books, Inc., 1959.

 

Quelle der Übersetzung:
https://orgonomist.blogspot.com/p/stuttering-by-richard-schwartzman-do.html
Erstabdruck: Journal of Orgonomy, Jhg. 16, Nr. 2 (ohne zusätzliche Hinweise)
Übersetzung: Robert (Berlin)
Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Schwartzman

Die Behandlung eines katatonen Schizophrenen: Die Anlaufphase

10. Dezember 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Die Behandlung eines katatonen Schizophrenen: Die Anlaufphase

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Dale Rosin: Medizinische Orgontherapie mit Kindern (Teil 3)

10. Juni 2014

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The Journal of Orgonomy (Vol. 18, No. 1, May 1984)

8. Februar 2012

In seiner Fallgeschichte „An Iatrogenic Ocular Hook“ (S. 42-46) beschreibt Richard Schwartzman die Begegnung mit einem jungen Ingenieur, der bei ihm seine Therapie fortführen wollte, nachdem er drei Jahre zuvor 150 Sitzungen bei einem anderen Therapeuten absolviert hatte. Dieser hatte routinemäßig das praktiziert, was er wohl für „Orgontherapie“ hielt: Mobilisierung des Brustkorbs und das Hervorrufen des Beckenreflexes, den er wahrscheinlich als vollwertigen „Orgasmusreflex“ mißinterpretierte. Charakteranalyse und eine biophysische Diagnostik kam offenbar überhaupt nicht zum Einsatz. Entsprechend „flippte“ der Patient richtiggehend aus, als Schwartzman ihn in der ersten Sitzung bat, sich hinzulegen und zu atmen. Nach einer Minute und wilden bioenergetischen Sensationen schlug der Patient wild um sich, der angebliche „Orgasmusreflex“ trat auf und er war vollkommen kontaktlos und weggetreten. Schwartzman machte aufgrund der Anamnese und seiner Beobachtungen die Diagnose einer katatonen Schizophrenie.

Mit Entsetzen mußte er konstatieren, daß sein Vorgänger dem armen Patienten für viel Geld einen „okularen Haken“ verpaßt hatte. Durch die Karikatur einer „Orgontherapie“, d.h. durch die sinn- und ziellose „Mobilisierung von Energie“, war es zu einer wahrscheinlich unaufhebbaren Panzerung des okularen Segments gekommen. Eine einfache und prinzipiell reversible „okulare Blockade“, wie sie für kataton-schizophrene Charaktere typisch ist, wurde künstlich in einen nach menschlichem Ermessen irreversiblen „okularen Haken“ umgewandelt.

Ich kann nur immer wieder sagen: wenn dir gegenüber jemand behauptet, er sei „Orgontherapeut“, „Vegetotherapeut“ oder gar ein „originaler Reich-Therapeut“ (derartige Unsinnsbegriffe werden tatsächlich benutzt), dann laufe um dein Leben!

Es ist dabei vollkommen gleichgültig, ob der Therapeut von Reich selbst ausgebildet wurde (bzw. heutzutage natürlich von jemanden, der von Reich selbst ausgebildet wurde) oder sonstwas für „Qualifikationen“ vorweist. Problem ist, daß Reich die Psychotherapie derartig vereinfacht hat, daß sich jeder kriminelle Schwachkopf bemüßigt fühlt sich als „Orgontherapeut“ aufzuspielen.

Ein Psychoanalytiker oder Verhaltenstherapeut muß sich in komplizierte Theorien einarbeiten, während „Orgontherapie“ einfach nur die „Mobilisierung von Energie“, das „Aufbrechen der Panzerung“ und die „Freilegung des Orgasmusreflexes“ ist. Tatsächlich gibt es aber nichts Gefährlicheres als „körpertherapeutische“ Interventionen, da hier mit der Lebensenergie selbst gearbeitet wird. Durch vorzeitiges und unsystematisches Öffnen der Kanäle kann der Organismus derartig von Sensationen überflutet werden und daraufhin in einen derartigen Schockzustand geraten, daß sich ein „Haken“ bilden kann, von dem er sich nie wieder wird befreien können. Auch wirkliche Orgontherapeuten wie Dr. Schwartzman können dann kaum noch weiterhelfen.

Alles nur wegen einer pseudo-orgonomischen Sektenwirtschaft, die die Leute in die Hände von Scharlatanen treibt, weil sie unbedingt die „originale Reich-Therapie“ verabreicht bekommen möchten.