Posts Tagged ‘Wut’

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 20)

18. Januar 2021

Manchmal überkommt mich eine Melange aus tiefer Traurigkeit und unbändiger Wut. Der Zorn und die Trauer Pierre Paolo Pasolinis und des Orgonomen David Holbrook (Full Metal Jacket und die 1980er Jahre in http://www.orgonomie.net/holbrook36.htm) . Ich habe sie noch erlebt, die letzten Ausläufer wirklichen authentischen Lebens. Der gestrandete Seemann, Untermieter meiner Großtante, der ganz stolz auf seinen Weltempfänger war. Die Parterrewohnung der anderen Großtante neben der Butter- und Käsehandlung, mit den abenteuerlich hohen Wänden, der übergroßen altertümlichen Küche mit dem Küchengarten zum Hinterhof raus. Eine magische Welt, in der alles stimmig war. Vom Treppenhaus bis zur Stadtgestaltung, von der Form der Kinderwagen bis zur großen Architektur, alles paßte zueinander. Die Erinnerungen an das Kellnern, als das noch ein wirklicher Beruf war, an der Reeperbahn und im Sommer auf Helgoland und die Arbeit als Hausdame in Blankeneser Villen. Geerdet und identitär, irgendwo zwischen abartigen süßsauren Speisen (man muß ja nicht alles mitmachen!) und dem Flair der Außenalster. Die imgrunde tieftraurigen Geschichten um Klein Erna und der unbändige Stolz der Werftarbeiter, ob dem, was sie tagtäglich erschaffen. Menschen, die nur hierhin passen und zu keinem anderen Ort der Welt. Niemand hat jemals „Moin“ gesagt (sind wir etwa Friesen!) oder all dem anderen Plastik-Norddeutschland aus dem Fernsehkasten gefrönt, sondern es schlicht gelebt.

Es zerreißt mich, alte Filme über das Hamburg bis etwa Mitte der 1960er Jahre zu sehen. Das Gehabe und die Kleider der Frauen, das Spielen der Kinder, die Gesichter. Die Nazis, die uns fremder waren, als später die einmarschierenden Briten (mit denen meine Oma hervorragende Schwarzmarkgeschäfte gemacht hat, mit deren Ertrag das Haus gebaut wurde, in dem ich aufgewachsen bin), der Krieg und all sein Horror, die Flut an Misplaced Persons in ihren Wellblech-Verschlägen und an Ostvertriebenen, – nichts konnte Hamburg wirklich zerstören. Nur eins hat es unwiederbringlich kaputtgemacht. Etwas, was mit „Popkultur“ nur schlecht umschrieben ist, auch „Globalismus“ und „Liberalismus“ treffen es nicht ganz.

Was geschehen ist, möchte ich an zwei Schlaglichtern verdeutlichen:

Entsprechend der dreischichtigen Charakterstruktur des Menschen (Kern, Mittlere Schicht, Fassade) gibt es grundsätzlich drei Arten von Menschen:

  • den Menschen, der merkwürdig ungreifbar ist, weil er keine Manierismen hat, kein „Wolf“, „Fuchs“, „Reh“, „Bär“ oder sonstwas ist, sondern einfach er selbst. Man kann solche Menschen nicht in Karikaturen zusammenfassen, weil sie halt einfach nur Menschen sind. Reich war so ein Mensch.
  • den gepanzerten Menschen, der das ist, was man gemeinhin als einen „Charakter“ bezeichnet. Das alte Hamburg (oder, selbstredend jeder andere Ort auf dieser Welt!) war von solchen „Charakteren“ bevölkert.
  • doch dann trat etwas in Erscheinung, was eine absolute Katastrophe darstellte: der eigenschaftslose, vollkommen austauschbare fassadäre Mensch, ohne Charakter und ohne jedwede Verbindung zum Kern!
  • In einer unheilvollen Schleife, haben Menschen des dritten Typs die Umwelt geschaffen, die solche „Non-Playable Characters“ wie sie hervorbringt – bzw. umgekehrt. Diese Schleife war das unausweichliche Resultat der „Emanzipation“ der Menschen aus ihrer alten Unterdrückung; im tiefsten Grunde war es die mißglückte sexuelle (biologische) Revolution, die seit Mitte der 60er Jahre alles in einen Haufen Scheiße verwandelt hat.

    Das zweite Schlaglicht ist das Geschehen von 1982, als das alte Hamburg ENDGÜLTIG in die Jauche getreten wurde. Karate-Tommy beschreibt sehr gut, was damals vorgefallen ist, was damals unwiederbringlich zerrissen ist:

    Selbst am Bodensatz der Gesellschaft (es soll mir niemand diese widerlichen Arschlöcher über Gebühr romantisieren!) gab es noch so etwas wie Ehre und Spielregeln – und Hamburg war für jeden Menschen eine „vollkommen“ sichere Stadt. Und dann kommt so ein weltfremder Richter, wie ein Alien aus dem Weltraum, und zerstört eine Sozialstruktur, die bis auf die Eroberung Hamburgs durch Napoleon zurückging. Kontaktlosigkeit hat Hamburg zerstört – sie zerstört den gesamten Planeten. Und niemand sieht, was geschehen ist.

    Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie

    2. November 2020

    Diese Arbeit von Klaus Heimann spiegelt die Orgonomie in Deutschland bzw. das orgonomische Wissen in Deutschland Mitte/Ende der 1970er Jahre wider. In diese Zeit reichen die Bemühungen zurück, die Orgonomie in Deutschland, nach der restlosen Zerstörung erster Anfänge auf deutschem Boden, die 1933 erfolgte, erneut zu etablieren. Das damalige orgonomische Wissen ist der Ausgangspunkt des NACHRICHTENBRIEFes und sollte deshalb von jedem, der neu zu unseren Netzseiten stößt, als Einführung gelesen werden, damit wir alle eine gemeinsame Grundlage haben. Klaus Heimanns Arbeit hat den Zauber des Anfangs an sich und möge in einer neuen Generation das Feuer von neuem entzünden:

    ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER ORGONOMIE von Klaus Heimann

    nachrichtenbrief175

    18. Oktober 2020

    David Holbrook, M.D.: POLITIK UND EMOTION – WUT UND RACHE

    15. Juli 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Wut und Rache

     

    Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 73

    10. Juni 2020

    orgonometrieteil12

    73. Die drei Arten von Wissen

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    Stottern (Teil 3)

    5. Juni 2020

    von Richard Schwartzman, D.O.

     

     

    Die biophysische Untersuchung ergab einen großen, gut proportionierten, schwer gepanzerten Mann, dessen auffälligste Kontraktionsbereiche sein Augen- und sein Mundsegment waren. Seine Augen wirkten glasig und zeigten Misstrauen und Angst, und er blinzelte häufig. Der offene Kontakt zu mir konnte nicht aufrechterhalten werden und er blinzelte und sah mich misstrauisch von der Seite an – versteckter Zweifel bzw. offenes Misstrauen. Sein Kiefer war zurückgezogen und so starr gehalten, dass er nicht passiv bewegt werden konnte. Die submentalenb Muskeln waren extrem angespannt und die gesamte Halsmuskulatur wurde festgehalten, was bis in den oberen Brustkorbbereich reichte. Auch der Zwerchfellbereich war starr, und die unteren Segmente waren gepanzert, aber weniger als die Bereiche über dem Zwerchfell. Er konnte seine Augen nicht vollständig öffnen, um seinen Schrecken auszudrücken, und wenn er wütend wurde, dann mit lauten, kurzen Schreien, abgehackten Schlägen und einem mörderischen Ausdruck in den Augen. Er konnte gut und mit großer Kraft treten. Interessanterweise stotterte er in meiner Gegenwart selten. Dies ist bis heute so geblieben. Die Diagnose, basierend auf Funktionieren, Charakter und Verteilung der Panzerung in der Vergangenheit, ist die eines katatonen Schizophrenen mit einem oralen unterdrückten Block.

    Die charakterologische Arbeit konzentrierte sich hauptsächlich auf die Realitätsprüfung seiner Ziele und Ideen und die Klärung seiner Wahrnehmungen. Zur ersten Arbeit gehörte es, ausreichend von seinem Groll gegen mich als Therapeuten und weißen Mann aufzudecken, um die Behandlung voranzutreiben. Monatelanges Schreien und Schlagen, oft verbunden mit dem Beißen auf ein Laken, wobei seine Augen mich mit mörderischer Wut ansahen, hat den Griff der Panzerung so weit reduziert, um die Wahrnehmung des Strömens in seinem Körper zu ermöglichen. Direkte Arbeit an seiner Muskulatur hat nicht viel gebracht. Diese scheint entweder zu hart und unnachgiebig zu sein, wo sie erreichbar ist, oder zu tief im Mund-, Gaumen- und Rachenraumboden zu stecken, um zugänglich zu sein. Der Schwerpunkt der Arbeit richtete sich immer wieder zurück auf den Kopf und vor allem auf die Augen, die er nun problemlos kreist. Er ist in der Lage, den Kontakt beim Atmen aufrechtzuerhalten, und sein Ausdruck ist weicher geworden. Ihm ist jetzt bewusst, dass er oft blinzelt, und er kann viel besser erkennen, wenn er den Kontakt verliert.

    Es muss noch viel orale Wut, Schreien und Fluchen auf mich gerichtet werden, insbesondere die starken rassischen Gefühle, die noch nicht zum Ausdruck gebracht wurden. Er stottert weniger, und obwohl die Behinderung für ihn immer noch sehr wichtig ist, ist er ans College zurückgekehrt und kommt dort recht gut voran. Er ist verheiratet, hat eine kleine Tochter, arbeitet lange und hat zwei Jobs. Seine Pläne, in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein, sind jetzt realisierbar, da er einen starken Antrieb und eine realistischere Wahrnehmung von sich selbst und der Welt um ihn herum hat.

     

    Zusammenfassung

    Der Fall eines 24-jährigen schwarzen männlichen Stotternden wurde vorgestellt. Orgontherapie scheint aufgrund der starken somatischen Komponenten, die in der Störung erkennbar sind, besonders für die Behandlung dieses Falles geeignet zu sein. Die klassische Wissenschaft hat die somatische Komponente erkannt: Barbara (2) betrachtet Stottern als ein Symptom und definiert es als „Störung des reibungslosen Sprachflusses aufgrund tonischer und klonischer Spasmen, die die Funktionen von Atmung, Phonation und Artikulation betreffen. Tics und Spasmen nah oder fern vom Sprachmechanismus sind häufig assoziiert.“ Diese physischen Manifestationen sind nichts anderes als das Ergebnis einer schweren Energiestauung, deren Beseitigung eine der größten Herausforderungen für die Orgontherapie ist.

    Die Behandlung hat sich darauf konzentriert, die Wut, insbesondere im Augen-, Mund- und Halsbereich, abzubauen und den Kontakt mit den Augen wiederherzustellen. Das auffälligste Merkmal des Falles ist die Beendigung des Stotterns, wenn der Patient mit den Augen in Kontakt ist und die Existenz seines Bauchsegments gefühlsmäßig wahrnimmt. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Orgontherapie mit ihrem Ansatz der gleichzeitigen Befreiung von physischer Panzerung und der Behandlung von Charakterwiderständen eine vielversprechende Behandlungsmethode für Stottern bietet.

     

    Anmerkungen des Übersetzers

    b unter dem Kinn liegend

     

    Literatur

    2. Arieti, S., Editor: American Handbook of Psychiatry, Vol. 1. New York: Basic Books, Inc., 1959.

     

    Quelle der Übersetzung:
    https://orgonomist.blogspot.com/p/stuttering-by-richard-schwartzman-do.html
    Erstabdruck: Journal of Orgonomy, Jhg. 16, Nr. 2 (ohne zusätzliche Hinweise)
    Übersetzung: Robert (Berlin)
    Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Schwartzman

    Stottern (Teil 2)

    3. Juni 2020

    von Richard Schwartzman, D.O.

     

    Für die meisten Stotterer ist die Unterbrechung des Sprechens mit Belastungs- oder Spannungsgefühlen verbunden. Diese finden sich normalerweise in den Muskeln für die Artikulation, können aber an anderer Stelle im Körper wahrgenommen werden. Solomon (1) beobachtete, dass eine Person, die stottert, das Sprechen kurzzeitig mit Ablenkung durch eine unwillkürliche Muskelaktion wie der Bewegung eines Arms oder Beins oder der Atmung befreien konnte. Manchmal weisen Atembewegungen einen Antagonismus zwischen Bauch- und Brustbereich auf. Elektromyographische Untersuchungen der Kaumuskeln haben Hinweise auf eine fehlerhafte Synchronisation gezeigt, während andere Studien ergaben, dass die Spannung primär im Kiefer, vorne im Mund, vorne auf der Brust und im Bauch registriert wurde und sekundär in der Innen- oder Rückseite des Rachens und vorne bei der Zunge.

    Ungewöhnliche Augenbewegungen, die mit dem Stottern verbunden sind, wurden sowohl beim mündlichen Lesen als auch beim spontanen Sprechen festgestellt. Es wurden vertikale Zuckungen der Augen und eine verlängerte Fixierung mit gehemmtem oder erhöhtem Lidschlag registriert. Die Dilatation der Pupillen ist variabel. Eine Studie weist auf eine grössere Ausdehnung während des Sprechens hin, mit einer Zunahme des Pupillendurchmessers während des Stotterns, und eine andere Studie berichtet von einer Kontraktion der Pupillen zu Beginn des Sprechens. Auch während der Blockade weisen Stotterer häufig eine erhebliche Unfähigkeit auf, akustische oder visuelle Reize wahrzunehmen. Diese Beobachtungen sind ein klarer Hinweis für einen gestörten Energiefluss, der das Augensegment beeinflusst.

    Die folgende Fallgeschichte beschreibt die Behandlung eines Stotterers und es werden einige vorläufige Schlussfolgerungen über die Störung gezogen.

    Ein 28jähriger, alleinstehender Schwarzer kam ausdrücklich wegen seines Stotterns zur Therapie. Es begann kurz nachdem er das Sprechen lernte. Er war ein Einzelkind, das willensstarke Eltern hatte. Er beschreibt seine Mutter als unterstützend und ziemlich religiös und seinen Vater als dominant und eigensinnig. Der Vater bestrafte ihn fürs Weinen und forderte oft, dass er „die Klappe hält“. Das Stillen wurde schroff beendet, als die Mutter krank wurde und A acht Monate alt war. Er lernte mit einem Jahr laufen und wurde mit zwei Jahren einer Sauberkeitserziehung unterzogen. Er erinnert sich daran, dass er als Kind Spielkameraden gebissen hat und daran, dass ihm dies von seinem Vater mit Prügel ausgetrieben wurde. Seine Händigkeit wechselte von links nach rechts im Alter von etwa 2 1/2 Jahren. [D] Er hatte sich immer unbehaglich mit Menschen gefühlt, hatte Schwierigkeiten im Umgang mit ihnen und es mangelte ihm an Selbstvertrauen und Zuversicht. Er war besessen von dem Gedanken, dass die Leute auf seinen Mund schauen. Als Heranwachsender fühlten sich Frauen zu ihm hingezogen, aber er war schüchtern, misstrauisch und hatte eine harte und bösartige Einstellung entwickelt, um die Angst und Unsicherheit zu verbergen, die er fühlte. In der Schule war er ein durchschnittlicher Schüler.

    Eine sechsmonatige Behandlung im Alter von 16 Jahren bei einem Sprechtherapeuten war nicht hilfreich. Die erste Verabredung und der Sex begannen im Alter von 19 Jahren und die Masturbation begann ein Jahr später. Sein Interesse an östlicher Philosophie, Yoga und Meditation begann im Alter von 14 Jahren. Und als er aus dem Vietnamkonflikt zurückkehrte, in dem er sich als Offizier auszeichnete, schloss er sich einem Aschram an, um den Lehren des Gurus Maharaji zu folgen. Für sechs Monate sei er „glückselig“ gewesen, mit einem Monat perfekten Sprechens, völlig frei von Stottern. Dieses bemerkenswerte Ereignis geschah, nachdem er sich geliebt und in der Gnade des Gurus fühlte und Episoden tiefen Schluchzens erlebte. In dem Monat, in dem er nicht stotterte, nahm er die Energie wahr, die sich an der Vorderseite seines Körpers zwischen Hals und Genitalien auf und ab bewegte, mit einem veränderten Bewusstseinszustand, den er seitdem nicht mehr erlebt hat. Dieser Zustand konnte nicht aufrechterhalten werden, und das Stottern nahm seine frühere Häufigkeit wieder auf. In letzter Zeit hatte er zum ersten Mal das Gefühl von Energiebewegungen im Unterleib verspürt. Diese Wahrnehmung seiner selbst vermittelte ihm eine dreidimensionale Qualität und unterscheidet sich bemerkenswert von dem für ihn üblichen Gefühl des „Nichts“ zwischen Hals und Genitalien. Wenn er die strömenden Empfindungen in seinem Körper wahrnimmt, fühlt er sich solider, klarer und konzentrierter, und bei diesen Gelegenheiten kann er ohne Schwierigkeiten sprechen. Die Wiederherstellung eines freieren Energieflusses in seinem Organismus hat ein gesteigertes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie die Fähigkeit mit sich gebracht, die Welt um ihn herum mit einer besseren Perspektive zu sehen. Bisher war dieser Zustand selten und flüchtig, aber es gibt einige Anzeichen dafür, dass er sich in diese Richtung bewegt.

     

    ZUSÄTZLICHE HINWEISE

    [D] Der Wechsel der Händigkeit oder andere emotionale Traumata, wie z.B. das abrupte Ende des Stillens, führen nicht immer zum Stottern. Dies wirft die Frage auf: Warum entwickelt ein Individuum, das einem emotionalen Schock ausgesetzt ist, die Erkrankung, während ein anderes nicht stottert? Warum tun die meisten Kinder, die anfangen zu stottern, dies, ohne augenscheinlich traumatisiert worden zu sein?

    Basierend auf Reichs Arbeit und meiner Erfahrung theoretisiere ich, dass emotionale Schocks sich nur dann als Symptome manifestieren, wenn mehrere Faktoren zusammenwirken. Dazu gehören, ohne darauf beschränkt zu sein: die angeborene Empfindlichkeit des Kindes, die Schwere des Schocks und das Alter zum Zeitpunkt des traumatisierenden Ereignisses. Wichtig ist auch der Grad, in dem die Eltern mit ihrem Kind in Kontakt sind. In dem Maße, in dem sie sich einfühlen können, werden sie spüren, welche Auswirkungen ein Ereignis gehabt hat und wie viel Trost notwendig ist, um ihr verzweifeltes Kind zu trösten. Schließlich wird die Entwicklung von Kiefer- und Halsblockaden häufig dadurch bestimmt, ob das Kind laut sprechen und/oder Gefühle ausdrücken durfte, insbesondere Wut und Weinen.

     

    Literatur

    1. Hahn, E.F.: Stuttering, Significant Theories and Therapies. Stanford, Ca.: Stanford University Press, 1943.

     

    Quelle der Übersetzung:
    https://orgonomist.blogspot.com/p/stuttering-by-richard-schwartzman-do.html
    Erstabdruck: Journal of Orgonomy, Jhg. 16, Nr. 2 (ohne zusätzliche Hinweise)
    Übersetzung: Robert (Berlin)
    Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Schwartzman

    David Holbrook, M.D.: ÜBER WUT

    24. März 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Über Wut

     

    Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 1)

    5. Januar 2020

    Alle heidnische Spiritualität baut auf der Vorstellung von einer dreischichtigen Seele auf: das Alltags-Ich, das zusammen mit dem Körper stirbt, das emotionale bzw. „leidenschaftliche“ Ich, das nach Ehre, dem Status als Kriegsheld, nach „ewiger Liebe“ und ähnlichem strebt und sich nach dem Tod in „Walhalla“ oder irgendwelchen „Paradiesen“ widerfindet, und schließlich das spirituelle Ich, das eins wird mit dem Logos.

    Inwieweit diese Vorstellungen auf konkretes bioenergetisches Erleben zurückzuführen sind, erschließt sich uns durch einen Blick in die Charakteranalyse, in der Reich die Unterbrechung der „plasmatischen Bewegungen“ eines Wurms und die daran anschließende Frage bespricht:

    Wir würden genauso handeln wie der Wurm, wenn uns jemand mit einer großen Zange am Rumpf festklemmte. (…) Diese funktionelle Identität zwischen Mensch und Wurm ist es, die uns befähigt, von der Ausdrucksbewegung des sich krümmenden Wurms im korrekten, objektiv wahren Sinne „beeindruckt“ zu werden. (…) Aber wir empfinden den Schmerz des Wurms und sein Neinschreien nicht unmittelbar, sondern wir nehmen nur einen Bewegungsausdruck wahr, der unter allem Umständen identisch wäre mit dem Bewegungsausdruck unseres eigenen Plasmasystems in der gleichen schmerzhaften Situation. Daraus folgt: Wir begreifen die Ausdrucksbewegungen und den Bewegungsausdruck eines anderen lebenden Organismus aufgrund der Identität unserer eigenen Emotionen mit denen alles Lebendigen. Wir begreifen die Sprache der Lebendigen unmittelbar aufgrund der funktionellen Identität der biologischen Emotionen. (KiWi, S. 501f, Hervorhebungen im Original)

    Hier geht es nur um Bewegung (Motion) und Bewegtsein (E-Emotion), d.h. es geht nur um die Funktion „relative Bewegung“. Deutlich wird auch, daß grundsätzlich alle Emotionen identisch sind. Die Emotion des Wurms ist dasselbe wie mein Gefühl – sonst könnte ich den Wurm oder ein anderes Lebewesen nicht verstehen. Alle Emotionen sind gleich oder vielmehr alle Lust, Angst, Wut, Sehnsucht und Trauer ist jeweils gleich. Die Sehnsucht des Eichhörnchens ist identisch mit meiner Sehnsucht, einfach weil alle Sehnsucht das „Ausgreifen“ der organismischen Orgonenergie ist und alle bioenergetischen Prozesse identisch sind.

    Nun zur Sensation (z.B. die Schmerzempfindung des Wurms, die Reich erwähnt) und zum Bereich der Funktion „ko-existierenden Wirkung“. Es ist nicht von vornherein von der Hand zu weisen, daß es nur einen Schmerz auf dieser Welt gibt. Ich erinnere nur an die Sprache! Wir können nur kommunizieren, weil die Wörter für uns die gleiche Bedeutung haben. Dies wird von den Mystikern die „spirituelle Welt“ genannt, eine Welt, die allen „Geistwesen“ gemeinsam ist. Vielleicht entspricht das ihrer verzerrten Wahrnehmung des Funktionsbereichs der ko-existierender Wirkung. Ich fühle nicht nur deine Angst, weil sich bei uns beiden das Orgon auf die gleiche Weise bewegt, sondern ich fühle auch deinen Schmerz – was wenig mit Bewegung zu tun hat.

    Es gibt ein Kontinuum von der Sensation zum Denken. Die Sensation ist eine Funktion des energetischen Orgonoms, das im Zentralen Nervensystem zentriert ist. Das Denken (das dem Zentralen Nervensystem zugeordnet ist) wiederum ist eindeutig Ausdruck der ko-existierenden Wirkung. Die Verbindung zwischen Emotion und Denken ist nicht so direkt, da Emotion mit dem Vegetativen Nervensystem assoziiert ist.

    Fassen wir zusammen:

    Eine gegebene Emotion ist bei allen Lebewesen gleich, da dieselbe relative Bewegung auftritt (z.B. Kontraktion gegen Expansion bei der Angst). Die ko-existierende Wirkung spielt hier sicherlich ebenfalls eine Rolle, aber nur eine untergeordnete.

    Jede Sensation ist kollektiv. Es gibt zum Beispiel keine individuellen Schmerzen. Mein Zahnschmerz ist unabhängig von zeitlichen und räumlichen Entfernungen mit deinem Zahnschmerz identisch. Dies liegt daran, daß es zum Bereich der ko-existierenden Wirkung gehört. Die relative Bewegung (in diesem Fall die Kontraktion von Nerven) spielt zwar ebenfalls eine Rolle, ähnlich wie die Funktion ko-existierende Wirkung bei den Emotionen, aber nur eine untergeordnete.

    Ich habe gerade die bioenergetischen Grundlagen der Philosophien der Hindus, des Mahayana-Buddhismus, des Platonismus und imgrunde der Weltanschauung aller Menschen, insbesondere aber der primitiven Menschen, z.B. Voodoo, aufgedeckt.

    Sie haben die Vorstellung, daß das eingangs erwähnte „emotionale Ich“ fortbesteht, weil anders als der materielle Körper die Emotionen unmittelbar in der Bewegung der kosmischen Lebensenergie verankert sind und sozusagen „Universalien“ darstellen. Bei Sensationen und Gedanken ist ähnliches gegeben, aber die Funktion der ko-existierenden Wirkung tritt hier in den Vordergrund, die in etwa dem „Logos“ entspricht, der unabhängig von Zeit und Raum ist. Das ist die bioenergetische Grundlage der vermeintlich „höchsten“ Aspirationen der menschlichen Existenz mit ihren Vorstellungen von „Erlösung“ und „Befreiung“ von den Beschwernissen der individuellen Existenz und der Bedrohung durch den Tod.

    Charakteristischerweise ist das plebejische Christentum und sein Paradies ganz Leidenschaft, Glaube und Liebe, Emotion; während die höheren Weihen des aristokratischen Heidentums ganz in stoischer Emotionslosigkeit, reiner Sensation und abstrakten Ideen aufging, die allen Seelen eigen sind.

    Erst vor diesem Hintergrund kann man die Religion und die Kunst, d.h. „Spiritualität“ wirklich verstehen. Etwa die Kunst des größten indischen Musikers, der seine Emotionen frei fließen läßt und uns, mystisch ausgedrückt, zum Kontakt mit der göttlichen Ebene und ihren ewigen Formgesetzen führt:

    David Holbrook, M.D.: DIE ÜBERLEGENHEIT DER CHARAKTEROLOGISCHEN IM VERGLEICH ZUR SYMPTOMATISCHEN DIAGNOSE (Therapieverlauf)

    28. November 2019

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Die Überlegenheit der charakterologischen im Vergleich zur symptomatischen Diagnose