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EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Faschismus

19. März 2021

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Faschismus

Svoboda et al.: Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? (2009) & Der Fall Wilhelm Reich (2012) (Filme)

24. Januar 2017

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Svoboda et al.: Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? (2009) & Der Fall Wilhelm Reich (2012) (Filme)

Gegenorgonomie (Teil 2)

24. September 2014

Bereits Reich selbst mußte mit der sich formenden „Gegenorgonomie“ ringen. Beispielsweise hat er sich vehement gegen die „Urreichianer“ Paul Ritter und David Boadella gewehrt.

Reich zitiert in seinem Orgone Energy Bulletin (Vol. IV) den Partisan Review (1952):

An der Universität (…) wurde Billie (…) in die avangardistische Welt von Rimbaud und Wilhelm Reich eingeführt.

An der gleichen Stelle bespricht Reich das Buch Faces in the Crowd (1952) von David Riesman:

Eine der Personen, die er untersucht, ist ein heranwachsender Junge, der ein „Reichianer“ ist. (…) Es hat (…) seinen Wert für die Beschreibung wie der „Reichianismus“ sich einem heranwachsenden Jungen darstellt und fügt eine weitere Illustration in bezug auf die Verdrehung der Sexualökonomie durch die Leute hinzu.

Baker schrieb Anfang der 60er Jahre:

Nur die „abscheulichste Entstellung“ orgonomischer Wahrheit (…) könnte [Reichs] Arbeit, seine Denkweise und seine Hoffnungen für die Menschheit mit denen moderner Liberaler, Linker und Beatnik-Bohemiens gleichsetzen, die auf die eine oder andere Weise versucht haben, sich mit der Orgonomie zu identifizieren. (Der Mensch in der Falle)

Zu diesen Leuten gehörten William Burroughs (Yage Letters), Ed Sanders und Tuli Kupferberg (The Fugs), Paul Goodman, Norman Mailer („Der apokalyptische Orgasmus.“ „Jazz ist Orgasmus.“) und viele andere.

In dem Film WR – Die Mysterien des Organismus (1971) von Dusan Makevejew, der ein polymorph-perverses Bild der Orgonomie präsentiert, war der genannte Tuli Kupferberg zu sehen. Helmut Salzinger (Rock um die Uhr, Head Farm, Odisheim 1982) zitiert ihn wie folgt:

„Ich sage (…) das Ziel der Revolution ist die Abschaffung der Onanie.“ Und seine Version der Internationale heißt „Intersexionale“ (…) „Es sind die kranken und sexlosen Seelen, die den Krieg verursachen,“ sagt Kupferberg und bringt damit die Lehre des Psychoanalytikers und abtrünnigen Freud-Schülers Wilhelm Reich auf einen einzigen Satz.

Für Reich war, wie er einmal seiner zeitweiligen Sekretärin Lois Wyvell sagte, Jazz und Rock „Ficker-Musik“.

Die englische Gruppe Hawkwind sang auf der 1973 erschienenen LP Masters of the Universe über einem entsprechend treibenden Baß-Riff in ihrem Song Orgone Accumulator:

I’ve got an orgone accumulator and it makes me feel greater.

Mag sein, daß hier Boadellas Einfluß im Swinging London zum Tragen kam. Wie vielleicht auch im autobiographischen Buch Groupie (1969) von Jenny Fabian, wo einer auftritt, der Wilhelm Reich studierte, „Vorlesungen über ihn“ belegt, einen ORAC gebastelt hat und verzweifelt versucht, sie klitoral orgasmisch zu machen.

1975 hat die Para-Punk-Sängerin Patti Smith den Song Birdland veröffentlicht, der, inspiriert durch Peter Reichs Erinnerungen an seinen Vater in A Book of Dreams (deutsch Der Traumvater, München 1975), von Wilhelm Reich und UFOs handelte.

Zehn Jahre später wurde die Pop-Sängerin Kate Bush durch das Buch zu ihrem Song Cloudbusting inspiriert. Im dazugehörenden Videoclip ist Donald Sutherland als Reich zu sehen, der mit seinem Sohn Peter an einem schrullig-viktorianischen Ding herumhantiert, das entfernt wie ein Cloudbuster aussieht. Schließlich wird er von Regierungsbeamten wegen dieser Tätigkeit verhaftet. Eingebaut in die Szenenfolge ist ein Exemplar von A Books of Dreams und ein Foto von Reich und Peter zu sehen.

Es geht wohl noch an, wenn sich Neurotiker gegenseitig quälen, aber leider wird es immer offensichtlicher, daß die menschliche Struktur für die Aktivitäten der Reichianer ein viel zu beschränktes Feld ist. Es beginnt mit medizinischen Quacksalbern und endet bei Cloudbuster-Dilettanten, die die atmosphärische Situation nur verschlimmern und ganze Landschaften gefährden!

Man sollte nie aus den Augen verlieren, daß der Reich-Cloudbuster das machtvollste Instrument der Orgonomie ist und daß die Orgonenergie der Ursprung aller anderen Energiearten, einschließlich der Nuklearenergie, ist. Der Orgoningenieur hantiert mit der größten Macht, die je dem Menschen zur Hand gereicht wurde. Jeder Orkan, der von einem Cloudbuster-Operateur umgelenkt wird, hat mehr Energie als Hunderte von Atombomben.

Dem Reichianischen Magazin emotion (Nr. 3, 1981) habe ich den folgenden Ausschnitt aus einem Interview mit den französischen Reichianern Roger Dadoun und Gerard Ponthieu (dem Directeur de la Publication der eingegangenen Reichianischen Zeitschrift La Revue Sexpol) entnommen. Er handelt von einer Cloudbuster-Operation ihres „Laboratoire d’Orgonomie Generale“ (später „Laboratoire d’OrthoGenetique“):

In Frankreich existiert eine Gruppe, die mit den „Cloudbustern“ (von Reich entwickelte Geräte zur Beeinflussung des Wetters [natürlich hat er sie entwickelt, um DOR zu beseitigen, PN]) arbeitet. Vergangene Woche war ich mit diesen Leuten zusammen in der Provinz, auf dem Land, um diese Geräte einzusetzen. (…) Dreimal hat es funktioniert, aber klimatologisch hat es Probleme gegeben. Der Himmel war zu geladen. Die atmosphärische Zusammensetzung hat sich sehr stark verändert aufgrund der sogenannten atomaren Experimente. Das gleiche trifft auch für die Orgonenergie zu. [sic!] Die Radioaktivität ist so stark geworden, daß es immer schwieriger wird festzustellen, wann man damit operieren kann. In einem bestimmten Augenblick gab es ein solches Unwohlsein um diesen „Cloudbuster“ herum, daß man die gesamte Arbeit unterbrechen mußte. Obwohl man in diesem konkreten Fall nicht von Radioaktivität sprechen konnte, denn die Geigerzähler zeigte keinen wesentlichen Ausschlag. […] Der Himmel war zu beeinträchtigt, um eine Serie von interessanten Experimenten machen zu können. Außerdem braucht man eine ganze Anzahl von „Cloudbustern“. Das war ja immer der Ausgangspunkt von Reich, mehrere von diesen Geräten zu haben, um interessante Experimente machen zu können. Das war bei uns nicht der Fall.

Wozu gebraucht man einen Cloudbuster eigentlich, wenn nicht die atmosphärische VerDORung einen dazu zwingt?! Und ist es in diesem Zusammenhang wirklich angebracht von „interessanten Experimenten“ zu sprechen?

Im Reichianichen Magazin Wilhelm Reich Blätter erschien 1980 (Heft 3) die folgende Anzeige:

Suche erfahrenen Partner für Cloudbuster-Versuche im August 1981 auf Formentera (Balearen). Unterbringung geregelt.

In einem nicht datierten Brief an „die Unterstützer des Life Energy Action and Research Network“ (das das eingestellte International Journal of Life Energy herausgab) wurde das folgende bekanntgemacht:

Obwohl wir zur Zeit nicht publizieren, ist LEARN immer noch eine Organisation für Reichianische Forschung. Diesen Sommer [1981] hoffen wir zur Kontrolle des Wetters [mit dem Cloudbuster] zu kommen.

Es gibt kein größeres Verbrechen als das Herummanipulieren an den uns allen gemeinsamen Quellen des Lebens. Doch genau dies wird Tag für Tag von diesen Reichianischen Autoritäten angestrebt. Und mit was für einer Grundeinstellung!

Der Berliner „Künstler“ Christoph Keller hat 2003 in New York „Wilhelm Reichs Regenmacher-Maschine“ „reaktiviert“.

Keller habe den Cloudbuster „rekonstruiert“ und in den letzten Monaten „Experimente“ auf den Dächern von New Yorker Wolkenkratzern durchgeführt.

Wie es der Zufall will, trafen seine Experimente mit einer nahezu präzedenzlosen Schlechtwetterperiode zusammen. (…) Keller erinnert mit der Wiederaufführung der „Cloudbuster“-Experimente daran, daß der Himmel (…) wie das unterdrückte Unterbewußte anmutet, das es mittels angewandter Orgonpraxis zu entladen, ja, zu befreien galt.

Diese zwei Teile über die „Gegenorgonomie“ waren eine geradezu lächerlich oberflächliche Skizze des Phänomens „Reichianismus“. Vertieft wird das in der umfangreichen Sammlung meiner Rezensionen „Reichianischer Bücher“.