Posts Tagged ‘Idee’

Max Stirner, Soter (Teil 26)

3. September 2025

Menschliche Solidarität wird nicht durch eine „übergreifende Idee“ und eine „Gemeinschaft“ hergestellt, in der alle gleich sind, sondern ganz im Gegenteil dadurch, daß sich die Menschen endlich selbst vertreten (Der Einzige, S. 228f). Ein solcher „Interessenverein“ wäre kein Bund liebloser ängstlich an sich haltender kalter kleinbürgerlicher „Egoisten“. Auch der Eigner kann zugunsten des Mitmenschen auf alles verzichten und alles geben. Nur eines wird er nicht tun, sich selbst, d.h. seine Eigenschaft als „Eigner“ opfern, was nichts anderes heißt, als daß er echt bleibt, wirklich liebt, weil, wie Stirner sagt: „Mir das Lieben natürlich ist“, und sich nicht einer bloßen Idee von Liebe opfert, ohne den Mitmenschen überhaupt wahrzunehmen (Der Einzige, S. 323f).

Es gibt nichts Grausigeres als die „Liebe“ der von Liebe Besessenen, die nur einen Spuk lieben.

Wer aber voll heiliger (…) Liebe ist, der liebt nur den Spuk, den „wahren Menschen“, und verfolgt mit dumpfer Unbarmherzigkeit den Einzelnen, den wirklichen Menschen, unter dem phlegmatischen Rechtstitel des Verfahrens gegen den „Unmenschen“. Er findet es lobenswert und unerläßlich, die Erbarmungslosigkeit im herbsten Maße zu üben; denn die Liebe zum Spuk oder Allgemeinen gebietet ihm, den nicht Gespenstischen, d.h. den Egoisten oder Einzelnen, zu hassen; das ist der Sinn der berühmten Liebeserscheinung, die man „Gerechtigkeit“ nennt. (Der Einzige, S. 321)

Stirner: „Ihr liebt den Menschen, darum peinigt Ihr den einzelnen Menschen, den Egoisten; eure Menschenliebe ist Menschenquälerei“ (Der Einzige, S. 325).

Gerade die vor „Liebe“ strotzenden Gutmenschen sind in Wirklichkeit hartherzig und intolerant. Die gegenwärtige Gesellschaft und alle gesellschaftlichen Utopien, sind Prokrustesbetten, auf denen die „Verbrecher“ zu Tode gefoltert werden, das Lebendige gekreuzigt wird. Und zur französischen Revolution: „Weil die revolutionären Pfaffen oder Schulmeister dem Menschen dienten, darum schnitten sie den Menschen die Hälse ab“ (Der Einzige, S. 87).

Nicht Stirner ist Misanthrop, sondern die Gutmenschen:

Wie viele siehst Du überhaupt, die Du nicht unter die „egoistische Masse“ würfest? Was hat also deine Menschenliebe gefunden? Lauter unliebenswürdige Menschen! Und woher stammen sie alle? Aus Dir, aus deiner Menschenliebe? Du hast den Sünder im Kopfe mitgebracht, darum fandest Du ihn, darum schobst Du ihn überall unter. Nenne die Menschen nicht Sünder, so sind sie’s nicht: Du allein bist der Schöpfer der Sünder: Du, der Du die Menschen zu lieben wähnst, Du gerade wirfst sie in den Kot der Sünde, Du gerade scheidest sie in Lasterhafte und Tugendhafte, in Menschen und Unmenschen, Du gerade besudelst sie mit dem Geifer deiner Besessenheit; denn Du liebst nicht die Menschen, sondern den Menschen. Ich aber sage Dir, Du hast niemals einen Sünder gesehen, Du hast ihn nur – geträumt. (Der Einzige, S. 405)

Stirner wollte dem Welttheater ein Ende machen, in dem wir nur schizoide Schauspieler sind, die einerseits fremde „objektive“ Texte sprechen, und dabei andererseits zu bloßen Schimären, zu „reinen“ Subjekten werden, die kurioserweise „auf der Suche nach sich selbst“ sind. Er wollte aus den Schauspielern wieder aktiv, d.h. einheitlich Handelnde machen, die wirklich hier sind und nicht ständig in einem Wolkenkuckucksheim schweben.

Quantität und Qualität: Dialektischer Materialismus, orgonomischer Funktionalismus, Orgonometrie

25. Oktober 2024

Der von Friedrich Engels im Anti-Dühring ausformulierte Dialektische Materialismus läßt sich auf drei Grundgesetze reduzieren: 1. die Einheit der Gegensätze, 2. der Umschlag von Quantität in Qualität und 3. die Negation der Negation.

Die Einheit der Gegensätze wird vom Symbol des orgonomischen Funktionalismus denkbar emblematisch dargestellt und ist die Grundlage der Orgonometrie:

Für den Umschlag in Qualität gibt es jede Menge Beispiele vom Bion-Haufen, der durch die Ausbildung einer Membran zu einer Amöbe wird, bis zur Häuseransammlung in der Prärie, die sich durch immer weitere Ansiedlungen in eine Stadt verwandelt. Der besagte Umschlag ereignet sich, wenn aus einer bloßen Agglomeration ein Ganzes wird, das eigene funktionelle Gesetzmäßigkeiten entwickelt, die sich qualitativ vom vorherigen Zustand fundamental unterscheiden.

Daß uns die „Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften einer Sache“, d.h. die Qualität als eine psychische, „rein subjektive“ Größe erscheint, die in der „objektiven Wissenschaft“ nichts zu suchen hat, beruht, neben ihrer „Unmeßbarkeit“, darauf, daß die Psyche selbst eine Funktion des Umschlags von Quantität in Qualität ist. Die Psyche beruht auf dem Funktionieren des Organismus als funktionelle Einheit („der Patient ist depressiv“), während das Soma die einzelnen Organe betrifft („die Niere auf Zimmer 37“).

Wissenschaft muß grundsätzlich immer beide Aspekte berücksichtigen oder sie entartet in den mechanistischen Materialismus bzw. in Mystizismus:

Die „Negation der Negation“ betrifft das Entstehen einer neuen, „höheren“ Qualität. Das ist identisch mit der „Schöpfungsfunktion“ (siehe die Abbildung unten), d.h. dem Hervorgehen von Materie aus der materiefreien, primordialen Orgonenergie durch Spaltung und Überlagerung.

Das beste Beispiel ist die lebendige Arbeit, eine grundlegende bioenergetische Funktion. Aus ihr geht das Arbeitsprodukt hervor, das durch seine Materialität die Orgonenergie negiert, doch umgekehrt wird auch dieses „Stück Materie“ negiert, indem es Eigenschaften bzw. „die Qualität“ der Orgonenergie annimmt. Gemeinhin spricht man in diesem Zusammenhang vom „Wert“ des betreffenden Gegenstandes. Was die „subjektive Bewertung“ anbetrifft verweise ich auf den oben dargelegten Zusammenhang von „Qualität“ und „Psyche“! Dieser Zusammenhang wird deutlich, wenn wir die Schöpfungsfunktion der Arbeit ausschreiben:

Die „Idee“, das „Konzept“ bzw. die „Blaupause“, die aus einem blinden Roboten erst Arbeit im eigentlichen Sinne macht, ist funktionell identisch mit der „Psyche“, während die „blinde Tätigkeit“ funktionell identisch mit dem „Soma“ ist, insbesondere den Händen. Die Überlagerung von beidem resultiert im Arbeitsprodukt. Siehe dazu die entsprechenden Ausführungen von Marx in Band 1 des Kapital sowie die von Engels in seinem Anti-Dühring.

Georges Bataille aufgespießt

30. Mai 2024

Georges Bataille aufgespießt

Die Stirn und die Faust des Arbeiters

27. Juni 2023

Jetzt haben wir uns mit dem Kern, der mittleren (sekundären) Schicht und der Fassade der biophysischen Struktur beschäftigt. Aber ist der Mensch nicht vor allem ein SOZIALES Wesen? Wir wenden uns deshalb dem orgonotischen Energiefeld zu, das die Menschen einhüllt und mit anderen Menschen verbindet.

Ohne ein „Du“ würde es ein „Ich“ gar nicht geben! Es würde keine Sprache geben, nicht mal irgendwelche Konzepte, um irgendwas zu begreifen. Aber diese Theorie ist müßig, weil es uns von Anfang an nicht geben würde. Ohne Mutter wären wir verreckt, selbst wenn für unser leibliches Wohl gesorgt worden wäre. Und überhaupt: ohne die kollektive Zivilisation wären wir nackte Schimpansen mit Muskelatrophie, die in der Nähe des Nordpols bibbernd vor Angst und Kälte durch naßkalte germanische Urwälder tapsen…

Wie ist das alles entstanden, das uns am Leben erhält? Wir haben uns gemeinsam, wechselseitig, aus dem Morast gezogen und tun das alltäglich von neuem – bzw. wir würden es tun, wären wir nicht emotional verkrüppelt (gepanzert). Man denke nur an alltägliche Gespräche. Entgegen der allgemeinen Annahme geht es bei ihnen im Wesentlichen nicht darum, sich bei einer Argumentation durchzusetzen oder nur Kontakt zu halten, noch darum, die andere Person zu verstehen, etc. – eigentlich geht es überhaupt nicht um die beiden Personen! Der Austausch im Gespräch ist ein Akt der Zeugung von etwas Drittem, der Schaffung eines gemeinsamen Kindes, d.h. einer neuen Idee, einer Vision, eines Konzepts, eines Ansatzes, was auch immer. Es ist ein Akt der wechselseitigen Erregung der besagten Energiefelder der Menschen bis es zur orgonotischen Erstrahlung kommt: zur Erleuchtung, zur Einsicht. Es ist wie beim Bau eines Hauses, bei dem wir uns gegenseitig einen neuen Ziegelstein reichen, der in das werdende Gebäude eingepaßt wird, bis wir fertig sind und unser neues Zuhause betreten können. Das nennt sich „Arbeitsdemokratie“!

„Arbeit“ ist das Agieren nach einer Einsicht, denn ansonsten wäre es nur Muskelaktivität im Leerlauf. „Demokratie“ bedeutet, daß wir zu diesen Einsichten nur gemeinsam gelangen und sie nur gemeinsam materiell umsetzen können. Die Früchte dieser Arbeit gehören den Arbeitenden. Alles andere ist Emotionelle Pest und muß erbarmungslos ausgemerzt werden.