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Über Panzerung, Krieg und Frieden (Teil 3)

19. August 2018

von Paul Mathews, M.A.

Bisher haben wir die Kriege der Zivilisation als Produkt der Neurosen der Zivilisation behandelt – als wirkliche Biopathien. Tatsächlich können wir tragfähige Analogien zwischen klassischen und funktionellen Interpretationen von physischen und sozialen Biopathien ziehen. Zum Beispiel beruht die klassische Interpretation der kardiovaskulären und Krebs-Biopathien hauptsächlich auf chemischen Ernährungsfaktoren, einer gewissen Anerkennung von physischem Stress und vagen Vorstellungen von emotionalen Faktoren, während die bioenergetischen Faktoren nie berührt werden. Das funktionelle Verständnis dagegen gelangt zu den Kernfragen von orgonotischer Pulsation, Panzerung und orgastischer Impotenz. In ähnlicher Weise befasst sich die klassische Interpretation einer sozialen Biopathie wie Krieg hauptsächlich mit sozio-ökonomischen Faktoren, zeigt nur eine sehr vage Kenntnis emotionaler Faktoren und berührt niemals die bioenergetischen Faktoren. Selbst die vorgeblich anarchistische, „anti-alte-schule-kommunistische“ Neue Linke plappert noch immer die antikapitalistischen, antiimperialistischen Plattitüden des Roten Faschismus daher, beweihräuchert das maoistische China und seine internationalen Ableger, verurteilt Freud und verzerrt die funktionellen, orgonomischen Aspekte von Reichs Werk und lehnt sie zugunsten seiner früheren marxistischen Schriften ab. Hier haben wir ein weiteres perfektes Beispiel für den heutigen „biologische[n] Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“. Um wieder Reich zu zitieren:

Jetzt zu den Kommunisten: ich war nie ein Kommunist im üblichen Sinne. Ich war nie ein politischer Kommunist. Ich möchte, dass Sie das betonen. Niemals. Oh ja, ich habe in der Organisation gearbeitet. Ich habe mit ihnen zusammengearbeitet. Ich war überzeugt, dass der Kapitalismus schlecht ist, aber ich glaube heute nicht mehr, dass das Elend durch den Kapitalismus verursacht wurde (11, S. 114)e.

Die Ideologie der Neuen Linken von heute ist nicht mehr als eine Abwandlung des „Vulgärmarxismus“ der Alten Linken und ist in gewisser Hinsicht sogar weniger differenziert. Ihr Anspruch, eine biologische mit einer sozialen Revolution zu verbinden, wird durch ihre Losungen und Handlungen widerlegt, die keinerlei Verständnis für biologische Funktionen haben. Ironischerweise kommt sie in ihrem vermeintlichen Kampf gegen das autoritäre Patriarchat in dessen funktionellen Gegensätzen am stärksten zum Ausdruck – Zügellosigkeit, Gesetzlosigkeit, Pornografie – alles Kennzeichen des Roten Faschismus.2

Gibt es schließlich Kriterien für eine rationale Kriegsführung? Gibt es so etwas wie einen notwendigen Krieg? Die Antwort ist ja, solange die organisierte emotionale Pest fortbesteht, um die menschliche Freiheit und das Überleben zu bedrohen. Wir können die folgende Analogie aufstellen: Es ist bedauerlich, dass Polizeibeamte benötigt werden, um die Bürger, die „leben und leben lassen“, vor den Kriminellen zu schützen. Gäbe es keine Panzerung, keine sekundären Triebe, dann gäbe es keine Kriminellen und somit auch keinen Bedarf für die Polizei. Sobald die Kräfte der Zerstörung entfesselt sind, muss sich der Mensch selbst verteidigen – egal wie sehr er den Krieg und die Existenz der Polizei beklagt. Die Beschwichtigung des Kriminellen oder der Pest führt nur zur Katastrophe.

Aber selbst innerhalb der gepanzerten Struktur der menschlichen Gesellschaft gibt es eine Hierarchie von besseren und schlechteren Systemen. Die besseren Systeme sind jene, die Hoffnung in Richtung Freiheit und Selbstbestimmung und der gesünderen Entwicklung von Säuglingen und Kindern bieten. Reich empfand, dass die westlichen Demokratien, insbesondere die Vereinigten Staaten, die besseren und gesünderen Systeme (3 und 11 und in persönlichen Mitteilungen) gegenüber den schwarzen und roten faschistischen Systemen von Nazi-Deutschland, dem faschistischen Italien und der gesamten kommunistischen Welt sowie den starren alten Patriarchien Asiens repräsentierten. Es ist also kein Zufall, dass die größten Umwälzungen heute in den Vereinigten Staaten stattfinden (veranlasst von ihren Todfeinden, die die stärkste Bastion der menschlichen Hoffnung und Freiheit in der kranken Welt nicht tolerieren können), wo die Freunde des wahren Fortschritts nicht nur gegen die überkommenen Dinge, die Veränderungen brauchen, kämpfen müssen, sondern auch gegen diejenigen, die die Dinge vorzeitig und irrational ändern möchten.

 

Fußnoten

2 Vgl. Schema der „Massenpsychologie des Faschismus“ (S. 169). Beachten Sie auch die politische und pornografische Verzerrung von Reichs Werk im Film „WR – Mysterien des Organismus“ des jugoslawischen Kommunisten Dusan Makavejew. (Siehe das Editorial und die Rezension auf S. 227).

 

Anmerkungen des Übersetzers

e Wilhelm Reich über Sigmund Freud, Schloß Dätzingen 1976, S. 77.

 

Literatur

3. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York:
11. Higgins, M. und Raphael, C., Hrsg.: Reich Speaks of Freud. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 2, S. 165-174.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

Mildred Brady nach Reich

27. Dezember 2017

Reich hatte die Einsicht, daß er scheitern mußte und es gut war, daß er gescheitert ist, weil sein Triumph den endgültigen Untergang der gepanzerten Gesellschaft eingeleitet hätte. Siehe Christusmord.

Tatsächlich hat kurz nach seinem Tode, spätestens 1960, der „Weltuntergang“ seinen Anfang genommen. Charles Konia beschreibt das lang und breit auf seinem Blog. Es geht um die Transformation einer durch und durch gepanzerten autoritären Gesellschaft in eine deutlich weniger gepanzerte anti-autoritäre Gesellschaft, bei der sich die Blockierung immer mehr auf das okulare Segment verlagert. Resultat ist eine zunehmende Instabilität und Kontaktlosigkeit, die früher oder später zum kompletten Kollaps der Zivilisation führen wird.

Geschmackloserweise feiern „Reichianer“ in ihren Büchern und Filmen Reich als Propheten all dessen, was in den 60 Jahren nach seinem Tod kommen sollte. Damit spielen sie den konservativen Feinden der Orgonomie unmittelbar in die Hand. Funktionell betrachtet sind diese „Reichianer“ durchweg „Mildred Bradys“. Mögen sie zur Hölle fahren!

WR = Weltrevolution

12. Dezember 2017

Wolf E. Büntig schreibt in seinem bemerkenswert guten Beitrag über Reich zum fünfzehnbändigen Kompendium Die Psychologie des 20. Jahrhunderts aus dem Jahre 1977:

Freud (griff) am Ende seines Buchs Das Unbehagen in der Kultur Reichs Frage auf, ob nicht die Diagnose gerechtfertigt wäre, daß viele Erscheinungen der Zivilisation oder gar die ganze Menschheit unter dem Druck der zivilisierenden Einflüsse neurotisch geworden sind. Freud sah zwei prinzipielle Schwierigkeiten: Für die Untersuchung und Diagnose der Neurose der Kultur fehlten Vergleichsmöglichkeiten, wie man sie bei der Untersuchung des Einzelneurotikers hatte, den man dem Gesunden gegenüberstellen konnte, und schließlich stellte sich die Frage, was denn der Sinn der besten Analyse der sozialen Neurose wäre, wenn niemand die Macht hätte, die Gemeinschaft zu zwingen, sich der Therapie zu unterziehen. „Trotz aller dieser Erschwerungen darf man erwarten, daß jemand eines Tages das Wagnis einer solchen Pathologie der kulturellen Gemeinschaften unternehmen wird“ (Freud). Doch diese Frage blieb für Freud offen. Er selbst und die offizielle Psychoanalyse haben sich nie um eine Antwort bemüht. Insgesamt jedenfalls war die Reaktion der bei der Kulturdebatte Anwesenden Reichs Vorstellungen gegenüber kalt und ablehnend. Die Kluft zwischen Freud und Reich war tiefer denn je.

Es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, um entscheiden zu können, was an Gesellschaften krank ist und es gibt ohnehin keinen Therapieansatz für ganze Gesellschaften. So Freuds Haltung in der Kulturdebatte zwischen ihm und Reich.

Was zunächst einmal die „Therapie“ der Gesellschaft betrifft war Reichs Ansatz von Anfang denkbar einfach. Es geht schlicht um die Aufklärung der Massen. Ein Freud hatte nicht mehr beizutragen als die sterile „Psychopathologie des Alltagslebens“. Dank seiner Kenntnisse aus der Entschlüsselung der Funktion des Orgasmus und aus der Charakteranalyse konnte Reich hingegen eine ganz andere Ebene ansprechen, nämlich die der Sexualökonomie bzw. Bioenergetik. Diese Ebene war fruchtbar, denn auf ihr bot sich unmittelbar die Möglichkeit des Vergleichs an. Zunächst einmal durch das von Bronislaw Malinowski vermittelte Wissen über die Trobriander im fernen Melanesien, deren Gesellschaft insbesondere bewies, daß der Ödipuskomplex kein unentgehbares Schicksal ist und eine geregelte Sexualökonomie möglich ist. A.S. Neills Projekt „Summerhill“ und schließlich Reich eigenes Projekt „Kinder der Zukunft“ zeigten, daß es durchaus möglich war, innerhalb der gepanzerten Gesellschaft einen entsprechenden Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Neurose zu schaffen. Und schließlich hat James DeMeo gezeigt, daß die gesellschaftliche Neurose eine innere Struktur hat, die man sowohl auf der Zeitachse, als auch auf der Raumachse entschlüsseln kann: „Saharasia“. Die gesellschaftliche Neurose hat sich entwickelt und von daher läßt sich bis in alle Einzelheiten rekonstruieren, was genau gesund und was eine Entartung ist. Bespielsweise heute die Morgenandacht, wo das Pucken (über das insbesondere DeMeo einiges zu sagen hat!) als natürlich, christlich und gut hingestellt wird. Orgonomisch braucht man sich auf solche Diskussionen gar nicht einlassen, denn wir wissen, was natürlich und gesund ist!

Die beiden Bedrückungen (Teil 2)

25. Mai 2017

Die innere Dynamik des westlichen Projekts der Befreiung der organismischen Orgonenergie war inhärent „globalistisch“, d.h. alle Grenzen wurden aufgehoben, was wegen der Freiheitsunfähigkeit der Massen mit der Etablierung einer neuen globalen Elite einherging, die entsprechend dieses Projekt immer weiter vorantreibt und jeden, etwa Trump oder die AfD, mit allen Mitteln zu vernichten trachtet, der sich dem entgegenstellt. Diese Elite bildet zunehmend eine eigene Zivilisation aus, die über kurz oder lang sich vollständig von uns Normalsterblichen separieren wird. Genetisch veränderte und technologisch modifizierte Menschen, die nicht mehr sterben müssen und Weltraumkolonien bilden, zeichnen sich am Horizont ab. Die Massen werden ein „Leben“ fristen, wie sedierte Legehennen – gemach, die meisten „Menschen“ sind heute bereits nichts als „sedierte Legehennen“! Die Menschen am unteren Ende der Gesellschaftspyramide werden sich ihrerseits separieren und Clans bilden. Brechen orgonotische Systeme zusammen, reorganisieren sie sich auf einem primitiveren Niveau neu. Hier sind Les Brigandes einzuordnen.

Ich paraphrasiere und zitiere ihr Manifest der zukünftigen Clans (übersetzt von KH): Die Gruppe bestehe seit 12 Jahren. Seit der Zeit, als Joel LaBruyere dazu aufrief, gemeinschaftliche Heimstätten zu bilden im Kampf gegen die bestehende Weltordnung. Wir könnten zwar die Weltordnung nicht ändern, aber wir können uns organisieren um am Rande zu leben und eine neue Gesellschaft zu formen. Das Dasein sei ein individueller Kampf, aber in der Gemeinschaft sei es ein gemeinsamer Kampf. In ihrem Manifest wollen Les Brigandes ihre Erfahrungen darstellen. Nur dank ihres Lebens in der Gemeinschaft konnten sie die notwendige Energie freisetzen, um ein mediales Kampforgan zu schaffen. Die Gruppe besteht hauptsächlich aus Mitdreissigern, die als Familie mit ihren Kindern zusammenleben. „Wir bündeln unsere Kräfte und Talente in der Gruppe, weil wir das Leben als Individualisten ablehnen, wie es das System aufbürdet.“

Wir wissen, was wir ablehnen und wir wissen was wir wollen: ein reiches und brüderliches Leben teilen und unsere Kinder im gesunden kulturellen Kontext erziehen, den wir für sie schaffen. Das ist unsere positive Art zu kämpfen und so täglich unsere europäische Zivilisation schützen. (…) Das Manifest der Clans ist ein Aufruf, die Kräfte strategisch zu bündeln, weil davon die Zukunft unserer Zivilisation abhängt.

Die Feststellung, daß die westliche Gesellschaft zu nichts anderem mehr fähig ist, als ihre materialistischen Ambitionen zu übermitteln, führt dazu, daß würdige kulturelle Heimstätten von dem Geist gegründet werden müssen, der die europäische Kultur hervorgebracht hat.

Wir müssen die Dinge von Beginn an aufrollen, um die Ursprünge unserer Kultur wiederzufinden. Wir greifen die kranken Wurzeln unserer Zivilisation an. Wenn uns die moderne Welt atomisiert hat. um aus uns konsumorientierte Sklaven zu machen, ist es wesentlich eine organische und brüderliche Gesellschaft wiederzufinden, um ein anständiges Leben zu führen.

Wenn uns die moderne Welt durch den Individualismus geschwächt hat, müssen wir uns vereinen, um wieder Kraft zu gewinnen. Wir wissen, daß die Kraft eines Kollektivs unerläßlich ist, um gegen die soziale wirtschaftliche und kulturelle Unterdrückung durch die moderne Welt zu kämpfen.

Sich mit anderen im Alltagsleben zusammenschließen, um mit Ihnen eine andere Lebensart zu erarbeiten, ist die Voraussetzung um nicht unter dieser Unterdrückung zu leiden.

In unseren Augen ist das die Lösung um nicht vergeblich zu sterben, ohne unseren Kindern ein soziales und geistiges Erbe zu hinterlassen, das diesen Namen verdient. Die Zukunft gehört denen, die die Vorstellungskraft und den Mut haben sich zusammenzutun und nach ihren eigenen Prinzipien zu leben.

Die Dringlichkeit erfordert die Bildung von Clans, um ein würdiges und freies Leben zu führen.

Ich weiß nicht, ob ich mich dem anschließen kann. Für mich wirkt das ganze wie eine Rückkehr der beiden Bedrückungen der Vergangenheit: Clans nehmen dir jede Freiheit, bestimmen Arbeit und Liebe. Währenddessen terrorisiert dich eine vollkommen losgelöste und unberechenbare Elite.

Ohne ein Verständnis der orgonotischen Prozesse, die die Gesellschaft bestimmen, wird es keinen Ausweg aus der gesellschaftlichen Misere geben. Es geht hier nicht darum, von oben herab irgendwelche Leute zu verurteilen oder auch nur belehren zu wollen, sondern einzig um den Hinweis, daß man wissen muß, was man tut. Dazu muß man die Kräfte richtig einschätzen, die unser Zusammenleben bestimmen.

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus

3. April 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

Sekundärtugenden

15. Februar 2016

Drei Zeitungsmeldungen eines Tages:

  1. Der „Hass-Islamist“ Harry M. alias „Isa Al Khattab“ aus Pinneberg bei Hamburg bedroht auf seiner Weltseite „Islamic Hacker Union“ den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde: der „dreckige Jude“ solle aufpassen, „daß Allah dich nicht schon im Diesseits straft mit dem Tod. Das ist keine Drohung von mir, sondern Allah dem Allmächtigen.“ Der junge Hacker ist vor einem Jahr zum Mohammedanismus konvertiert.
  2. In Köln ärgerte sich ein Autofahrer dermaßen über einen Bagger, der auf der Straße im Weg stand, daß er ausstieg und dem Baggerfahrer (49) ins Gesicht schlug. Anschließend verprügelte er einen weiteren Bauarbeiter (33) mit einer Schaufel, um danach mit seinem Handy Verstärkung zu rufen. Bis die Polizei endlich kam, drosch die zusammengerufene Bande mit Eisenstangen und Kabeln auf die anwesenden Bauarbeiter ein.
  3. In Brüssel wurden zwei Franzosen, die sich bei einem Autounfall leichte Blessuren zugezogen hatten, in einem Krankenhaus behandelt. Als die Mediziner weg waren, stahlen die Männer eine Handtasche und flüchteten dann mit einem Krankenwagen.

Der alltägliche Wahnsinn, der Zerfall der westlichen Zivilisation im Mikrobereich des Alltags. Feuerwehrleute, die angegriffen werden, wenn sie einen Brand löschen wollen. Ambulanzen, die gestohlen werden, während die Sanitäter den Notfallpatienten aus seiner Wohnung hohlen. Lehrer, die buchstäblich Angst um ihre Leben haben. Bundesweit haben junge Frauen nachhaltig die Feierlaune verloren.

Letztendlich ist es egal, wer „die Mächtigen“ sind und was sie tun. Wichtig sind einzig und allein die Massen. Wichtig ist allein, die Charakterstruktur der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Zivilisation ist nur möglich, wenn die Menschen einen gewissen Spannungsbogen ertragen können, sie „frustrationstolerant“ sind und ein Mindestmaß von Vernunft zeigen. Das, und allein das, machte und macht den Erfolg von Weltregionen wie Europa (inkl. seiner Ableger auf fremden Kontinenten, etwa Australien), China, Korea und Japan aus.

Durch eine Erziehung, die für derartige „Sekundärtugenden“ nichts als Verachtung übrig hat und die dazu komplementäre Masseneinwanderung von Menschen, deren Frustrationstoleranz und „Vernunft“ gegen Null tendiert, sind wir zunehmend mit Massen konfrontiert, mit denen man schlichtweg „keinen Staat mehr machen kann“.

„Reichianer“ haben auf das Geschehen eine genauso einfache wie ganz offensichtlich falsche Antwort parat: die „bürgerliche Fassade“ breche zunehmend weg und die „mittlere Schicht“ der Charakterstruktur würde zum Ausdruck kommen, d.h. Perversion und Chaos, aber das sei nur eine kathartische Übergangsperiode und letztendlich werde der rationale Kern zum Vorschein kommen.

Was für ein Quatsch! Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, daß das Ausagieren sekundärer Triebe in irgendeiner Weise „heilsam“ ist? (Es ist in der Orgontherapie vollkommen gleichgültig, daß der Patient etwa im Straßenverkehr einen Tobsuchtsanfall bekommen kann. Wichtig ist, daß sich die Wut auf der Matraze und mit Kontakt entlädt.) Glaubt wirklich jemand, außer vielleicht er ist Anhänger von Herbert Marcuse, daß aus dem Zerfall der Gesellschaft mehr erwachsen kann als – nur noch mehr Zerfall?

Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der jeder seine vermeintliche „Individualität“, seine „Persönlichkeit“ und seine „Identität“ ausleben will. Was dabei vollkommen unter die Räder gerät ist das, was man früher „Charakterstärke“ genannt hat: die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen, die eigenen Interessen hintanzusetzen, sich selbst infrage zu stellen und nach der Goldenen Regel zu leben, was vor allem Selbstkontrolle bedeutet.

Werden diese Funktionen rigide, haben wir es mit dem triebgehemmten Charakter zu tun, lösen sie sich auf, mit dem triebhaften Charakter. Beide sind unfähig sich selbst zu regulieren, doch immerhin kann der erste Rudimente der Arbeitsdemokratie aufrechterhalten, während sie in den Händen des letzteren im Chaos versinkt.

Leider glauben die antiautoritären Volksbefreier, daß in der systematischen Zerstörung der „Sekundärtugenden“ das Heil aufkeimt.

Die Bioenergetik der Politik

9. Februar 2016

Die folgende Aufreihung habe ich nicht beschriftet, da die Pfeile zu falschen Schlußfolgerungen führen können. Sie machen nur mit einer eingehenden Erläuterung Sinn.

Die Kreise beschreiben die Charakterstruktur, wie Reich sie in der Einleitung zur Massenpsychologie des Faschismus beschrieben hat: innen der natürliche, rationale Kern, in der Mitte die durch die Panzerung hervorgerufene „perverse“ irrationale sekundäre Schicht und außen die soziale Fassade, die es uns trotz unserer sekundären Triebe doch erlaubt in Gesellschaft zu leben.

Der Pfeil bei a soll die bioenergetische Grundlage des konservativen Charakters beschreiben: Impulse aus dem Kern werden durch die Panzerung verzerrt (Mystizismus, Religion). Bei c, dem liberalen Charakter, zeigt der Pfeil, wie mit Hilfe des Intellekts die sekundäre Schicht in Schach gehalten wird (Mechanismus, „Zivilisation“).

Die Abbildungen b und d zeigen jeweils, wie diese beiden soziopolitischen „Grundcharaktere“ faschistisch entarten können. Beim Schwarzen Faschisten (b) wird das, was normalerweise mit dem Kern assoziiert ist, etwa das Heimatgefühl oder die Wahrnehmung der Lebensenergie, zum faschistischen „Blutwallen“ (Okkultismus). Während beim pseudo-liberalen Roten Faschisten (d) der Intellekt benutzt wird, die sekundäre Schicht auszudrücken („Dialektischer Materialismus“).

Bis vor kurzem beherrschte die konservative Charakterstruktur (a) die Gesellschaft. Eine Welt, die von religiösen Gefühlen bestimmt wurde. Das urbane liberale Bürgertum und der von rationalistischen Überlegungen bestimmte „aufgeklärte“ Staatsapparat bildete dazu ein Gegengewicht (c). In Deutschland fällt dies in Ungefähr mit dem Gegensatz zwischen „Kultur“ und „Zivilisation“ zusammen.

Wie der Konservative entarten kann (a → b), wird im Rückblick auf das 19. Jahrhundert deutlich. Mit dem Vordringen der „westlichen Zivilisation“ griff als Abwehrreaktion der Okkultismus immer weiter um sich: „Rembrandtdeutsche“, Germanenkult, Antisemitismus, „Wagnerianertum“, diverse „…sophien“. Aus diesem Umfeld ging der Nationalsozialismus hervor. Heute findet es sich in der Esoterik, dem Kult um den Dalai Lama und andere „spirituelle Meister“. Inwiefern das eine Art „schwarze Orgonomie“ ist, habe ich in Der Blaue Faschismus diskutiert.

Die Entwicklung vom Liberalen zum Pseudoliberalen (c → d) wird anhand des „zivilisatorischen Projekts“ des Staatsapparats evident. Vor „1968“ war das gehobene Beamtentum liberal, d.h. ihm war es darum zu tun den Irrationalismus weitgehend in Schach zu halten und das „Projekt der Zivilisation“ voranzubringen. Heute, d.h. „nach dem Weg durch die Institutionen“, wird die gehobene Beamten- und Richterschaft von pseudoliberalen Grünen-Wählern dominiert, deren Bemühen darum kreist, die Zivilisation zu zerstören. Das reicht von der massenhaften Einbürgerung von immer mehr Gasthartzvierlern bis zur Solarenergie, die über kurz oder lang unsere Stromversorgung zerstören wird.

Die hier dargelegten Überlegungen finden sich ansatzweise bereits in Reichs Massenpsychologie des Faschismus. In der ersten Hälfte des Buches wird beschrieben, wie der Faschismus aus dem sexualfeindlichen Mystizismus erwachsen ist, in der zweiten Hälfte, wie die ursprünglich fortschrittliche linke Bewegung durch den Stalinismus abgewürgt wurde. (Etwas verwirrend ist nur, daß Reich die Natur des „ursprünglichen Marxismus“, ja sogar des „ursprünglichen Leninismus“, verkannt hat. Für ihn waren Marx, Engels und Lenin imgrunde „Demokraten“ und sozusagen „konsequente Liberale“, deren Botschaft leider von den Roten Faschisten ins Gegenteil verkehrt worden sei. Bioenergetisch hatte Reich natürlich Recht, nur im geschichtlichen Beispiel hat er sich vergriffen.)

Die Fächerspaltung in der Pubertät und die Apokalypse

20. November 2013

Es ist in Lebensläufen häufig auffallend, daß die schulischen Leistungen bis zur Pubertät gut sind und dann einbrechen, entweder sind die Leute danach in Literatur und Sprachen gut, in Mathematik und Naturwissenschaften schlecht, oder umgekehrt. Jedenfalls kommt es typischerweise zur Spaltung zwischen dem Humanen und dem Technischen/Naturwissenschaftlichen.

Diese Wendung hin zur Einseitigkeit hat nichts mit angeborenen Talenten zu tun. Die großen Naturwissenschaftler, etwa Einstein oder Heisenberg, waren sehr Belesen, kannten ihre Klassiker, waren musikalisch, etc. Goethe sah sich eher als Naturwissenschaftler, denn als Dichter. Was sich hier tatsächlich niederschlägt, ist die eine alles beherrschende Grundstruktur der gepanzerten Welt: die Trennung zwischen Mystizismus und Mechanismus, die Trennung zwischen objektiv und subjektiv, Seele und Körper, Religion und Naturwissenschaft. Man lese dazu Reichs Ausführungen in Äther, Gott und Teufel und in Das ORANUR-Experiment I.

In der Pubertät kommt es zur „Fächerspaltung“, weil sich da unter dem Druck der Genitalität die Panzerung konsolidiert, d.h. die eine Strebung die andere blockiert. Dieser Zustand setzt sich dann in der Gesellschaft fort, wo gesellschaftspolitische Entscheidungen aufgrund irgendeiner „Moral“ getroffen werden, ohne jede Verbindung zu den Gesetzen von Natur, Logik, Erfahrung. Auf der anderen Seite haben wir „Techniker“, denen es an jedem Gefühl, jedem Einfühlungsvermögen, jeder Fähigkeit des Mitschwingens mangelt. Zusammen inszenieren sie das Affentheater, das wir „Zivilisation“ nennen.

So erklärt sich etwa die selbstmörderische Einwanderungspolitik, die weder im Interesse der Politiker, noch im Interesse der Journaille liegt: die Türken und Araber werden weder Zeit noch Spiegel lesen! Es gibt eine verquaste „Ethik“ auf der einen Seite („Kein Mensch ist illegal!“) und die Statistik auf der anderen, ohne daß es irgendeine Verbindung gibt. Es wird alles getan, um die Naturwissenschaft aus dem humanen Bereich herauszuhalten (alles andere wäre im Sinne der Political Correctness „inhuman“) und umgekehrt schreiben Naturwissenschaftler ganze Bücher darüber, daß es keine Beziehung zwischen dem, was sie erforschen, also dem „Sein“, und dem „Sollen“ gibt und vor allem auch nicht geben dürfe. Das wird mit großem rhetorischen Aufwand ausgewalzt („Erkenntnistheorie“), doch tatsächlich ist das ganze denkbar irrational und es steckt nur ein einziger Affekt dahinter: Orgasmusangst. Die Panzerung, die Kontrolle eines Antriebs durch den anderen, muß unter allen Umständen aufrechterhalten werden. An dieser Flucht vor der Erkenntnis wird die Menschheit zugrunde gehen und niemand wird ahnen, was überhaupt geschehen ist.

faecherapo