Posts Tagged ‘Erleuchtung’

nachrichtenbrief88

16. November 2017

Skan Reader (1996)

16. Dezember 2016

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Skan Reader (1996)

Was ist Kontakt?

10. August 2016

Es regnet in Kyoto. Der junge Mönch spannt seinen Regenschirm auf und geht von der Meditationshalle über den Klosterhof zum Abt. Auf der Veranda streift er seine Sandalen ab und legt den zusammengefalteten Regenschirm neben sie, betritt die Klosterzelle und kniet vor seinem Meister nieder. Die alles entscheidende Frage steht im Raum, ob er nach Jahren der Zen-Meditation die Erleuchtung erlangt habe. Entsprechend erwartet er eine traditionelle Rätselfrage. Ein „Koan“, etwa ob ein fallender Baum im Wald ein Geräusch macht, wenn niemand da ist, der es hören könnte. Die Beantwortung zeigt dem Meister, ob das große Ereignis bereits eingetreten ist. Stattdessen frägt ihn sein Abt nüchtern, ob er den Regenschirm links oder rechts neben die Sandalen gelegt hat. Der vollkommen aus dem Konzept gebrachte Mönch kann die Frage nicht beantworten. Er war nicht achtsam gewesen, sondern in seinen Gedanken verloren, hat also nicht einmal die primitivste Grundlage buddhistischer Praxis verinnerlicht, die Achtsamkeit, geschweige denn, daß er die Erleuchtung erlangt hätte.

Ein Orgontherapeut würde eine ganz andere Frage stellen. Ihm geht es zwar auch zentral um die Frage, ob der Patient „wirklich da ist“, doch dreht sich diese Frage vor allem um ein Problem: Ist er mit seinen Emotionen in Kontakt? Also genau mit jenen Gefühlen, die man beim Zen ignorieren bzw. als neutraler Beobachter an sich vorbeiziehen lassen soll!

Orgonometrisch stellt sich das ganze wie folgt dar:

Koniasauge3

Der Mönch war auf seinem Weg zum Abt ganz „Erregung“, ohne darauf zu achten, was er tat, entsprechend war er nicht wirklich da. Er hatte keinen Kontakt.

Der Abt weist ihm den Weg zur „Erleuchtung“: er soll die Erregung ignorieren und ganz in der Wahrnehmung aufgehen („Achtsamkeit“). Doch das schneidet ihn letztendlich von seinen Gefühlen ab, d.h. er hat keinen Kontakt.

Der Orgonom frägt, nach den Kontakt mit den Emotionen, weil es letztendlich darum geht, d.h. um die Bewegung von Energie durch den Körper. Diese orgonotische Strömung ist das Gemeinsame Funktionsprinzip (CFP) von Wahrnehmung und Erregung:

Koniasauge4

Entsprechend ist die Grundlage wahrhaftigen Kontaktes das ungehinderte, d.h. ungepanzerte Strömen der Orgonenergie durch den Körper. Kontakt ergibt sich dann von selbst, entspricht den funktionellen Notwendigkeiten und braucht nicht durch Übungen erzwungen werden. Es ist nicht wichtig, wo genau man seinen Regenschirm hingelegt hat, solange man ihn wiederfinden kann.

Eckardt Tolle und Wilhelm Reich

5. Oktober 2011

Eckardt Tolle ist gegenwärtig der bekannteste Vertreter einer bestimmten Form von Mystik, dem Monismus. (Eine drastisch andere Art von Mystizismus findet sich beispielsweise in der „dualistischen“ Hare Krishna-Bewegung.) Kurz gesagt werden im Monismus alle Probleme gelöst, indem man realisiert, daß „alles eins ist“ – d.h. gar keine Probleme existieren. Wie Agehananda Bharati, ein europäisch-stämmiger Philosoph, der den „Advaita“ (die „Nicht-Dualität“) in Indien praktiziert hat, bleibt an sich nur das linguistische Problem, die monistische Erfahrung irgendwie in Worte zu fassen. Was kommt, ist durchweg ein unglaublich hohles, dummes Gestammel ohne Sinn und Verstand – a la Eckardt Tolle. Die Erfahrung der „Alleinheit“, die zweifellos echt ist, löst keinerlei äußere Probleme. Nicht einmal die inneren! Will sagen: wer vorher ein Arschloch war, wird nach der „Erleuchtung“ ein Arschloch bleiben. Wie sollte es auch anders sein, wenn eh alles eins ist?!

Man kann das alles bei einem entsprechenden Forums-Beitrag hier nachlesen.

Ich führe das an, weil es Leute gibt, die die Orgonomie partout spirituell aufmotzen wollen. Und da Dualismus (die Beziehung der Seele zu Gott, dem fundamental anderen) denkbar „unorgonomisch“, nämlich „ödipal“, zu sein scheint, wenden sie sich dem Mahayana-Buddhismus („die Leere“), dem hinduistischen Advaita (Atman = Bahman) oder beispielsweise Eckardt Tolle zu. Tatsächlich ist es so, daß sich diese monistischen „Lehren“ und die Orgonomie zwar abstrakt-konzeptionell ziemlich nahe stehen, aber das ist vollkommen bedeutungslos. Oder wie Agehananda Bharati ausführt: als praktische Meditation mögen diese „Wege“ Erfüllung schenken, doch aus philosophischer Warte, folgt aus ihnen nichts – außer das erwähnte Tollesche Gestammel. Die großartige indische Kultur, die ich über alles liebe, ist, so Agehananda Bharati, nicht wegen, sondern trotz dem Advaita entstanden.

Damit könnte man die Sache auf sich beruhen lassen. Sollen die Leute doch meditieren, wie es ihnen Spaß macht und ein „kontemplatives Leben“ führen. Doch leider kann man sich die Sache nicht so einfach machen. Wie ich in Die Massenpsychologie des Buddhismus ausgeführt habe, kommt es durch diese Meditationspraktiken und die gesamte Lebenshaltung zu einer verhängnisvollen Umstellung des Gefühlslebens, die man beispielsweise auch bei Cannabis-Konsumenten findet und die eine Orgontherapie verunmöglicht: die dauerhafte Umwandlung von Emotionen („Du und ich“, „Dualismus“) in Sensationen („Monismus“). Anders als Agehananda Bharati behauptet, findet also doch eine gewisse charakterliche Umstrukturierung statt.

In dem, hier paraphrasierten, Forumsbeitrag, wird die Auseinandersetzung einer ungenannten Frau mit dem Tibetischen Buddhismus zitiert. Die betreffende Netzseite gäbe es nicht mehr. Ich möchte das ganze als perfekte Illustration des hier gesagten und als unabhängige Bestätigung meines Aufsatzes Die Massenpsychologie des Buddhismus abschließend anbringen:

Zu dem, was bei den spirituellen Lehrmeistern in ihren Erörterungen fehlt, gehören für mich die EMOTIONEN und gesunde Beziehungen mit der alltäglichen Realität oder wichtigen Menschen in deinem Leben. Man erhält zwar Hinweise eine gewisse Ordnung in seinem Leben aufrechtzuerhalten, wie seine Räumlichkeiten sauberzuhalten, aber das wirkt auf mich, als ob man das Leben in etwa wie ein ROBOTER führen sollte und der „wirklich wichtige Teil“ des Lebens darin besteht, auf dem Meditationskissen zu sitzen und über das Leiden zu meditieren oder in die „Erleuchtung“ wegzudriften.

Als ich 1979 den Richen Ter Dzo wangs in Clement Town beiwohnte, traf ich Lehrmeister X.

Er machte häufig Witze darüber, was er am Dzogchen (eine nicht-dualistische Praxis) so sehr schätze: wenn das Leben beschwerlich werde, könne er einfach auf dem Dzogchen-Knopf drücken und nichts würde mehr irgend etwas Schmerzhaftes beinhalten. Wenn dich Zweifel plagen, drifte sozusagen einfach weg.

Es ärgerte mich, daß er dafür eintrat, der Realität und moralischen oder emotionalen Herausforderungen nicht entgegenzutreten, sich nicht mit ambivalenten Gefühlen auseinanderzusetzen, sondern ihnen auszuweichen. Für mich war das ganze extrem fragwürdig hinsichtlich der Moral und gefährlich in Hinsicht auf das Gefühlsleben.

Ja, er war damals ein junger Heißsporn, vielleicht ist er jetzt ein gewöhnlicher schrecklicher alter Narzißt oder ein reifer Erwachsener. Ich weiß es wirklich nicht. Aber er schien seine Ideen von seinen tibetischen Lehrern übernommen zu haben, so daß ich mich frage, wie vernünftig er sein konnte, wenn alles um ihn herum moralisch fragwürdig gewesen war.

Offenbar werden Emotionen von all den Leuten, die sich der Sache der Erleuchtung gewidmet haben, abgewertet. Entweder werden Emotionen ignoriert wegen einer überwältigenden intellektuellen Leistungsfähigkeit oder sie sind etwas, was überwunden werden oder in nicht-emotionale Zustände der Achtsamkeit überführt werden muß. Es scheint mir, daß Emotionen der Kern dessen sind, was am Samsara als schlecht erachtet wird und hier, glaube ich, haben sich diese spirituellen Lehrmeister als am meisten emotional gestört erwiesen.

Es scheint hier auch um eine Rechtfertigung der eigenen Stellung zu gehen. Da sind einerseits die, die sich entschließen das Samsara zu verlassen, und andererseits soll es Drohnen geben, wie die Bediensteten in Tibet, von denen verlangt wird für jene aufzukommen und für sie zu sorgen, die sich dem gewöhnlichen praktischen Leben entziehen.

June Campbell spricht über die Geschichte des Denkens, in deren Verlauf den sogenannten Fakten Wert beigelegt wurde, jedoch nicht der emotionalen Realität, da Gefühle historisch als bloß weiblich abgewertet wurden.

Ich glaube, daß Leute, die in Zustände der „Erleuchtung“, nicht-dualistische Zustände oder Zustände der Seligkeit gehen, sowohl ein gesundes emotionales Leben als auch ein praktisches Leben benötigen und daß Erleuchtungszustände andernfalls für die Person, die sie erfahren, ungesund und gefährlich sind und auch für die Leute in ihrer Umgebung, die in die Lage geraten könnten, für eine „realitätsuntüchtige“ Person sorgen zu müssen.