Posts Tagged ‘Soma’

Reich als Überwinder der Distanz

27. November 2018

Wenn gesellschaftliche Vorgänge von der Wissenschaft beschrieben werden, psychologische Prozesse, körperliche Erkrankungen, etc., hat das, so impliziert die gängige „wissenschaftliche“ Sichtweise, jeweils nie wirklich etwas mit uns zu tun. Verursacher seien „objektive“ sozioökonomische Prozesse, „Komplexe“, „die Leber“, etc., also externe oder zumindest mechanisch ersetzbare Faktoren. Eine kaputte Leber kann man durch eine neue ersetzen, Komplexe kann man psychopharmakologisch und/oder mit verhaltenstherapeutischen Interventionen auflösen, etc. Ganz anders wird es, wenn die eigene vegetative (orgonotische) Strömung, schlichtweg DAS LEBEN, ins Spiel kommt. Dann wird „der Geschichtsverlauf“ zum Fleischwolf, durch den wir seit unserer Geburt (und sogar davor!) gedreht wurden und werden; unsere Psyche und unsere Soma werden zu bloßen Äußerungsformen der Störungen der besagten Strömung. Selbst „das Wetter“ und sogar ferne Galaxien entsprechen unmittelbar dem, was durch unsere Körper strömt. Und wir realisieren, daß das, was sich großspurig als „Wissenschaft“ präsentiert, nur Ausdruck der allgemeinen Neurose ist, dem Bedürfnis „Distanz zu wahren“, d.h. der Kontaktlosigkeit.

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 13)

29. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

VI. Orgontherapie

Die Entdeckung der Orgonenergie führte, wie wir gesehen haben, weit hinein in Bereiche der Natur und des Kosmos. Es war die Arbeit am menschlichen Charakter, an den menschlichen Empfindungs- und Wahrnehmungsorganen, die in so umfassende Forschungsgebiete führte. Die Entdeckung des Orgonenergie blieb selbstverständlich nicht ohne Auswirkung auf die Theorie vom menschlichen Organismus, von seinem Charakter und seinen Emotionen, und auf ihre therapeutische Beeinflussung.

 

1. Biopsychiatrische Orgontherapie

Die schon erwähnte Charakteranalyse bildet die Grundlage für das Verständnis der biopsychiatrischen Orgontherapie. Sie hatte bereits die funktionelle Beziehung zwischen Charakterhaltung (Psyche) und Muskelpanzerung (Soma) herausgearbeitet. Die Entdeckung der lebensspezifischen Orgonenergie führte zu neuen Erkenntnissen und Techniken in der Therapie. Folgendes Schema verdeutlicht die neu gewonnene Auffassung vom menschlichen Organismus:

Die kosmische Orgonenergie funktioniert im lebenden Organismus als spezifisch biologische Energie. Sie bildet den biologischen Kern, der sich in biophysikalischen Organbewegungen (im Körperlichen) einerseits und in den Emotionen (im Psychischen) andererseits ausdrückt. Emotionen sind folglich im Grunde nichts anderes als Bewegungen der an die Körperflüssigkeit gebundenen Orgonenergie im menschlichen Organismus.1

Auf Grund dieser Auffassung vom menschlichen Organismus wird es verständlich, daß die wesentliche Aufgabe des Orgontherapeuten darin besteht, die gestörten plasmatischen Strömungen, d.h. die Strömungen der Orgonenergie im Organismus, wieder herzustellen. Das Lebendige drückt sich in Bewegung aus, es „funktioniert jenseits aller Wortvorstellungen und –begriffe“.2 Daher tritt in der Orgontherapie die Wortsprache in den Hintergrund, was natürlich nicht heißt, daß in der Orgontherapie überhaupt nicht gesprochen wird. Der Orgontherapeut konzentriert sich auf den Bewegungsausdruck des Patienten, zu dem auch der Ausdruck der Bewegungslosigkeit und Starre zu zählen ist. Der Patient wird dazu angehalten, sich unter Ausschaltung der Wortsprache biologisch auszudrücken. Die klinische Arbeit hatte gezeigt, daß die Wortsprache regelmäßig der Abwehr der Ausdruckssprache des biologischen Kerns dient. „Die Kranken kommen zum Orgontherapeuten voll von Nöten. Diese Nöte sind für das geübte Auge an den Ausdrucksbewegungen und dem Bewegungsausdruck ihres Körpers direkt abzulesen. Läßt man die Kranken nun nach Belieben sprechen, so stellt man fest, daß ihr Reden von den Nöten wegführt, sie in dieser oder jener Weise verhüllt. Will man zu einer korrekten Entscheidung kommen, so muß man den Kranken dazu verhalten, vorerst nicht zu sprechen. Diese Maßnahme erwies sich in hohem Grade als fruchtbar, Denn sobald der Kranke nicht mehr redet, tritt der körperliche Bewegungsausdruck klar hervor. Nach wenigen Minuten Schweigens hat man meist den hervorstehenden Charakterzug, oder korrekter, den plasmatischen Bewegungsausdruck erfaßt. Schien der Kranke, während er sprach, freundlich zu lächeln, so verwandelt sich im Schweigen das Lächeln in ein leeres Grinsen, an dessen maskenhafter Charakter auch der Kranke selbst nicht lang zweifeln kann. Schien der Kranke, während er sprach, mit verhaltenem Ernst über sein Schicksal zu sprechen, so tritt während des Schweigens etwa ein Ausdruck verhaltener Wut an Kinn und Hals unzweideutig hervor.“3

 

Fußnoten

  1. Vgl. Reich, W., Charakteranalyse, a.a.O. S. 359–362
  2. ebenda S. 362
  3. ebenda S. 364

Zum gegenwärtigen Sexualchaos

10. September 2018

Oben haben wir die psychosomatische Gleichung: Bioenergie – Psyche – Soma. Die „Psyche“ ist das einheitliche Funktionieren des Organismus. Unter „Soma“ subsumiert man die unzähligen Teilfunktionen (Leber, Milz, Herz, Lunge, etc.).

Die vom „einheitlichen“ Mystizismus geprägte autoritäre Gesellschaft war von der Spaltung zwischen Liebe (Psyche) und Sex (Soma) geprägt. Die erstere war „platonisch“ und bestimmte das Leben, der letztere wurde heimlich im Bordell ausgelebt.

Heute in der zersplitterten antiautoritären Gesellschaft gibt es diese Spaltung natürlich immer noch, nur verlagerte sich hier der öffentliche Schwerpunkt ganz auf den Sex und damit auf nebensächliche Teilfunktionen, d.h. es kam zu einer allumfassenden Zersplitterung. Beispiele: Sexualratgeber, die um alle möglichen und unmöglichen prägenitalen Verlustierungen kreisen, und Pornographie, die ungefähr so anregend ist, wie beim Sezieren im Anatomiekurs zuschauen zu müssen.

Die linke Gesellschaft versucht mit einem bestimmten „linken“, d.h. verkopften Mystizismus die verlorene Einheit, die dieser mechanistischen Gesellschaftsformation doch so wesensfern ist, durch die Genderideologie und das Aufheben aller Spaltungen aufzuheben. Um was es geht, sieht man etwa anhand des Chemnitzer Konzerts zur Feier der Ermordung eines weiteren Deutschen: „ich fick dich grün und blau, trete dir in den Bauch und esse dann die Fehlgeburt“ wird auf der Bühne gesungen und unten schwenken begeisterte Party People Fahnen mit dem Friedenssymbol und Liebesparolen.

ZUKUNFTSKINDER: 2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

31. Januar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 1.

16. September 2015

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

The Journal of Orgonomy (Vol. 37, No. 1, Spring/Summer 2003)

13. September 2012

In „An Overview of the Biopathic Diathesis: Update, Application and Analysis“ (S. 67-95) befaßt sich Peter A. Crist mit der Weiterentwicklung der orgonomischen Medizin seit Robert A. Dew seine Artikelserie über Innere Medizin im Journal of Orgonomy in den 1960er und 70er Jahren veröffentlich hatte.

  1. Jede Biopathie hat sowohl psychische als auch somatische Aspekte, wobei immer unklar blieb, was eigentlich mit „Psyche“ gemeint sei. „Psyche“ bezieht sich auf die Funktion des Gesamtorganismus („Ich fühle mich nicht!“), „Soma“ auf Teilfunktionen („Meine Galle tut weh!“). Ein Mensch kann nur eine einzige Charakter-Diagnose haben, aber zahllose Diagnosen, die sich auf „somatische Krankheiten“ beziehen.
  2. Orgonometrische Analysen haben gezeigt, daß, entgegen bisheriger mehr oder weniger stillschweigender Annahmen, Pulsation nicht so fundamental ist wie Erregung und Wahrnehmung:
  3. Das „plasmatische System“, das bei Reich eine zentrale Rolle spielt, umfaßt nicht nur das autonome Nervensystem und das vaskuläre System, sondern auch das Immunsystem und das endokrine System.
  4. Eine orgonometrische Analyse des Immunsystems und des endokrinen Systems hat gezeigt, daß orgonotischer Kontakt von der orgonotischen Strömung abhängt. Siehe dazu die Ausführungen in einem vorangegangenen Teil dieser Serie. Entsprechend müssen Störungen der Rezeptoren im Immunsystem und endokrinen System, d.h. Störungen des somatischen Kontakts auf tiefere Störungen in der orgonotischen Erregung, orgonotischen Wahrnehmung oder orgonotischen Strömung zurückgehen.
  5. Christ führt im Zusammenhang mit der Bedeutung der orgonotischen Erstrahlung aus:

    (…) einige Biopathien gehen auf eine Intoleranz für Expansion zurück (vom betreffenden wird gesagt, er „stecke in der Kontraktion fest“), während andere auf einer Intoleranz für Kontraktion beruhen (vom betreffenden wird gesagt, er „stecke in der Expansion fest“). Im ersteren Fall ist die Vermögen zur Spannung und Ladung gestört. Im letzteren Fall werden energetische Erregung und Ladung toleriert, aber es tritt charakteristischerweise eine Blockade auf, die die Entladung und Entspannung verhindert.

    Christ fährt fort:

    Das Einordnen der spezifischen Störung im Viertakt-Zyklus hat therapeutische Konsequenzen. Der Therapeut muß die besondere Blockade angehen, um die Pulsation wiederherzustellen. Beispielsweise befinden sich jene, die an einer entzündlichen Biopathie leiden, in einem Zustand der Überexpansion. Sie können energetische Erregung und Ladung tolerieren, haben aber typischerweise eine Blockade, was die Entladung und/oder die Entspannung betrifft. Deshalb ist die Entladung die Funktion, die angegangen werden muß. Jene, die an einer Schrumpfungsbiopathie leiden, können die Spannung nicht ertragen (das Gewebe zerfällt bei Quellung) oder nicht die Ladung (Intoleranz für die Ladung). In solchen Fällen müssen diese Funktionen, statt Entladung und Entspannung, angegangen werden.

Orgontherapie, „energetische Medizin“, Schulmedizin

5. Juni 2012

Die „metatheoretische“ Grundstruktur des Reichschen Denkens von 1919 bis 1957 sieht wie folgt aus:

  1. Bewegung und Struktur bilden den grundlegenden Gegensatz;
  2. Bewegung ist fundamentaler als Struktur; und
  3. auf die Punkte 1 und 2 läßt sich alles reduzieren.

Diese drei Punkte erklären gleichzeitig auch, was definitiv nicht Orgonomie ist:

  1. primitiv „monistische“ Auffassungen, nach denen alles nur Energie, nur Geist, nur Brahman, etc. ist;
  2. Anschauungen, die metaphysische oder materielle „Wirkstrukturen“ als primär setzen; und
  3. Anschauungen, die sich gegen jede derartige „generalisierende“ Grundannahme sträuben.

Diese drei „anti-orgonomischen“ Auffassungen lassen sich auf einen Mangel an funktionellem Denken zurückführen. Betrachten wir dazu die orgonometrische Grundgleichung:

Monistische Auffassungen entstehen, wenn ausschließlich das Gemeinsame Funktionsprinzip (CFP), in diesem Fall „biologische Energie“, gesehen wird. Beispielsweise ist dann von „energetischer Medizin“ die Rede, in der die Charakteranalyse, d.h. die „Psyche“, zum Nachteil des Patienten vernachlässigt wird.

„Metaphysisch“ wird es, wenn Elemente der Psyche dem CFP zugeschrieben werden und schließlich die Psyche das CFP von biologischer Energie und Soma wird. Tatsächlich ist das bei allen „spirituellen“ Ansätzen der Fall. Auch wenn sie sich manchmal auf obige Grundgleichung berufen; wenn man sie nur lang genug zu Wort kommen läßt, schält sich doch immer die Psyche als etwas heraus, dem die biologische Energie und das Soma nachgeordnet sind.

Man könnte behaupten, daß ähnliches auf die mechanistische Medizin zuträfe, wenn man im letzten Absatz das Wort „Psyche“ durch das Wort „Soma“ ersetzen würde, jedoch versucht sie sich solchen Herangehensweisen zu entziehen. Das fängt allein schon damit an, daß in der Schulmedizin für „biologische Energie“ gar kein Platz ist. Und was „Psyche“ betrifft: sie reduziert sich auf Hirnchemie, d.h. das Soma. Es ist einfach kein Platz für funktionelle Gegensätze und funktionelle Identität.