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Wie denkt Peter?

10. Mai 2026

Mir wurde schon einiges an den Kopf geworfen. Ich sei Dialektiker, Opportunist, Agnostiker, Dadaist, Wirrkopf, Ideologe, gar Demokrat (ein absurder. Wirklich unverschämter Vorwurf, der mich tatsächlich persönlich zutiefst verletzt!). Das alles sei ich, weil ich scheinbar ständig meine Meinung ändere, meine Perspektive, meinen Standpunkt. Dabei versuche ich doch nur funktionell zu denken. Was das sein soll, kann man anhand von Reichs Symbol des orgonomischen Funktionalismus ersehen:

Es stellt die Gleichzeitigkeit von oberflächlichem Gegensatz und tiefer Einheit dar. Entsprechend bewegt sich funktionelles Denken horizontal zwischen links und rechts, vertikal zwischen oben und unten. In diesem Beispiel sind entsprechend zu ein und demselben Phänomen (vollständig willkürlich gewählt) 60 Meinungen möglich:

Je nach den Umständen kann man, vielleicht muß man, sich für eines der 60 Möglichkeiten entscheiden. Beispielsweise was die Drogenfreigabe betrifft. Ganz links steht für komplette Freigabe, ganz rechts für absolutes Verbot. Ganz oben steht für eine rein legalistische Argumentation, ganz unten für eine rein bio-kosmische. Wählen wir die vier Extrem- bzw. „Eckpositionen“ als Beispiele:

1: prinzipiell niemand, erst recht nicht der Staat, hat das Recht in meine persönlichen Entscheidungen einzugreifen

6: es gehört zu den Obliegenheiten des Staates, den einzelnen Bürger vor sich selbst zu schützen und auch andere vor der vermeintlichen „Selbstverwirklichung“ ihrer Mitbürger

55: Selbstregulierung (Spontanität ist die Grundeigenschaft der kosmischen Orgonenergie)

60: das Naturgesetz (Gesetzmäßigkeit ist die Grundeigenschaft der kosmischen Orgonenergie)

Zwischen 1 und 6 bzw. 55 und 60 ist dann jeweils sowohl das Gemeinsame zu suchen als auch den Ausgleichen zwischen Oberflächlichkeit (die Ebene von 1 und 6) und bloßer Wahrheitskrämerei (die Ebene von 55 und 60). Ähnliches gilt für den Libertinismus von 1 und 55 versus die Rigidität von 6 und 60. In einer Diskussion kann ich alle 60 Positionen einnehmen. Zwar tendiere ich persönlich nach „rechts unten“, aber in einem bestimmten Augenblick einer konkreten Diskussion könnte ich mich auch „links oben“ wiederfinden, ohne meine Überzeugungen aufzugeben. Ich denke funktionell, d.h. ungepanzert: ich kann mich frei im Rechteck mit seinen 60 Möglichkeiten bewegen. Je gepanzerter (ideologischer, also geistesgestörter) ein Mensch ist, desto eingeschränkter sind seine Bewegungsmöglichkeiten im Rechteck.

Natürlich kann eingewendet werden, daß eine Darstellung mit einem mit der Spitze nach unten weisenden Dreieck, gemäß dem Symbol des orgonomischen Funktionalismus, angebrachter wäre, doch das wäre ein rein bildhaftes, formales Denken, das das Wesen des orgonomischen Funktionalismus verkennt, und stellte bereits eine Einschränkung der besagten Bewegungsmöglichkeiten dar.

Das folgende wäre eine andere Betrachtungsweise frei nach Reich, die selbstredend natürlich korrekt ist, hier aber explizit nicht gemeint ist!