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Anorgonie

2. Dezember 2015

Orgontherapie ist mehr als das bloße „Aufbrechen“ des „Muskelpanzers“. Es gibt weit Schlimmeres als chronisch verspannte Muskeln! Anorgonie ist, ähnlich wie auch Fettleibigkeit, eine pathologische Alternative zur muskulären Panzerung. Die Anorgonie tritt beispielsweise in der hysterischen Anästhesie und Paralyse oder in der Depression auf. Sie ist genausoweit von einer gesunden straffen Muskulatur entfernt wie der Muskelpanzer (Charles Konia: „Orgone Therapy (Part 12)“, The Journal of Orgonomy 25(2), November 1991, S. 237-240).

Über schlaffe Muskulatur in der Orgontherapie schreibt Richard A. Blasband:

Hypotonische Muskulatur fehlt es an energetischer Ladung, während hypertonische (angespannte) Muskeln einen Überschuß an Ladung festhalten. Hypotonie ist ein schwerwiegenderes Hindernis für die Therapie, da das Re-Energetisieren dort schwierig ist, wo das Energieniveau niedrig liegt. Einfacher ist es Energie dort zu befreien, wo sie gebunden ist. Auch fällt es schlaffen Muskeln schwerer Ladung zu halten. („Q & A: Flabby and Tense Muscles“, The Journal of Orgonomy, 12(1), May 1978, S. 119)

Der Orgonom Michael B. Rothenberg beschreibt einen Fall von Anorgonie, bei dem die Muskulatur unfähig war den Energiefluß zu binden, so daß die affektive Energie zur Peripherie des Organismus fließt

und starke Empfindungen hervorruft; dies führt zu einer heftigen Kontraktion im vegetativen Nervensystem, was einen schock-artigen Zustand hervorruft, der sogar zum Tod führen könnte. Deshalb hat eindeutig das hauptsächliche therapeutische Bemühen im Umgang mit der Anorgonie darin zu liegen den Patienten dazu zu bringen, daß er die Muskeln auf eine Art und Weise gebraucht, die Lust hervorruft oder Wut ausdrückt, um so Energie in die Muskeln hineinzubewegen. („Orgonomic Treatment of Anorgonia as One of Multiple Conversion Reactions“, The Journal of Orgonomy, 2(2), November 1968, S. 176f)

Karl G. Fossum führt akute Anorgonie auf leichte Erregbarkeit zurück, mit der der Patient nicht fertig wird, insbesondere nach Lösung der ersten drei Segmente, wenn in den folgenden unteren Segmenten kaum adäquate Panzerung vorhanden ist, um den Energieschub aufzufangen („A Case Complicated by a Tendency Toward Acute Anorgonia“, The Journal of Orgonomy, 4(2), November 1970, S. 207-214). Siehe auch Michael Ganz: „Anorgonotic Paralysis as a Complication of Orgone Therapy“, The Journal of Orgonomy, 8(1), May 1974, S. 27-34.

Man kann die Anorgonie im Sinne einer Störung der plasmatischen Motilität betrachten, die akut sein kann wie beim Schockzustand, wenn uns z.B. vor Angst „das Blut gefriert“. So gesehen ist sie sozusagen nur ein „biophysischer Unfall“:

Der Organismus reagiert auf ungewohnte und starke Plasmaerregung mit einem Motilitätsblock, der sich als „Schwäche“, „Einknicken“, „fading out“, Gleichgewichtsstörung und Fallangst auswirkt. Es ist, als ob die orgonotische Expansion zwar ansetzte, aber nicht voll ablaufen könnte; als ob der Expansionsimpuls plötzlich auslöschte. (Der Krebs, Fischer TB, S. 380)

Es kann aber auch ein schleichender anorgonotischer Schwächezustand vorliegen, der sich gerade durch die Abwesenheit solch „lauter“ Angstattacken auszeichnet. Diese gehen auf die Angst erzeugende Kontraktion des Lebensapparats gegen die expansiven Impulse des Kernes zurück. Bei der Anorgonie handelt es sich wie bei der Schrecklähmung um ein jähes Versagen der expansiven Impulse, während bei der Krebsschrumpfungsbiopathie ein allmähliches Nachlassen der expansiven Impulse festzustellen ist, bei der jede Steigerung des Energieniveaus zu einer akuten Anorgonie führt (ebd., S. 372).

Die karzinomatöse Schrumpfungsbiopathie „unterscheidet sich von der einfachen sympathikotonen Stauungsneurose dadurch, daß bei ihr die Impulse zur Streckung, Expansion, allmählich aufhören, bei der Stauungsneurose dagegen ihre Intensität beibehalten“ (ebd., S. 197). Entsprechend nimmt bei Krebs auch die Angst ab und wird durch emotionale Stille abgelöst. Krebskranke sind typischerweise „milde“ und genügsam. Sie ergeben sich in ihr Schicksal ohne aufzubegehren und sei dies in Form eines Suizidversuchs. (Woran sich übrigens wieder die ganze Unsinnigkeit des Konzeptes eines „Todestriebes“ zeigt!) Diese schleichende Anorgonie ist sozusagen der wahre Krebs hinter dem Krebs; sie ist das eigentliche Geheimnis der Krebskrankheit.

Die Funktion der plasmatischen Impulsbildung im biologischen Kern des Organismus ist selbst gestört und vermag einen umfassenden Substanzverlust in den Geweben herbeizuführen (muskuläre Atrophie, allgemeine Kachexie, Anämie, etc.). (ebd., S. 219)

Das Phänomen Anorgonie deckt erstens die biophysikalische Grundlage des Krebses auf, nämlich die Lähmung der Pulsationsfunktion; zweitens legt sie den Ursprung der Krebsbiopathie in einer früh erworbenen Tendenz zur Anorgonie frei; und drittens: selbst nach einer „Heilung“ des Krebses, kann eine lähmende anorgonotische Schreck-Attacke aufgrund von Orgasmusangst schließlich doch zum Tod führen. Ganz ähnlich kann eine einfache Ohnmacht, die ja auch durchaus zum Tode führen kann, wenn man nicht „zurückgeholt wird“, als eine anorgonotische Attacke betrachtet werden.

Dieser Aspekt des anorgonotischen Anfalls wirft ein grelles Licht auf die Orgasmusangst als Kern aller Biopathien: der Terror des Lebens. Panzerung bedeutet immerhin eine Aktivität der Energie („Trotz“), während Anorgonie einfach für Aufgabe und Tod steht. Deshalb wollte man in der noch vor 20 Jahren angesagten, heute aber weitgehend vergessenen, „Psychoonkologie“ a la Lawrence LeShan, die trotzige Kampfbereitschaft im Patienten wecken.

Der Organismus des Krebsbiopathen ist seit frühster Kindheit bioenergetisch darauf konditioniert sich aufzugeben. Es ist, als wenn der Körper sagt: „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn!“

Erschreckenderweise hat das ganze eine soziale Komponente. Man denke auch an die überhandnehmende Fettleibigkeit in Amerika (die fast zwangsläufig zu Diabetes führt, einer Schrumpfungsbiopathie). Vielleicht ist Adipositas weniger als somatische, sondern vielmehr als soziale Biopathie zu betrachten.

Einer Studie der RMIT University (Royal Melbourne Institute of Technology, Antonio Paolini et al.) zufolge, überträgt sich das Übergewicht der Väter auf eine bioenergetisch fatale Art und Weise auf die nachfolgende Generation. An Rattenmännchen konnte gezeigt werden, daß ihr Nahrungskonsum vor der Fortpflanzung sich nicht nur auf die leibliche, sondern vor allem auch auf die psychische (emotionale) Gesundheit des Nachwuchses auswirkt. Männliche Ratten, denen ein Übermaß an Futter zur Verfügung stand, wurden mit jenen verglichen, deren Kalorienzufuhr um ein Viertel niedriger lag. Nicht nur, daß die Jungen der letzteren ein niedrigeres Gewicht hatten, sondern sie zeigten sich auch weniger ängstlich. Paolini: „Wenn man das niedrigere Angstniveau als Folge der reduzierten Diät, die die Generationengrenze überschreitet, sieht, läuten bei einem die Alarmglocken, was das langfristige Potential für die gesundheitlichen Folgen einer Gesellschaft bedeutet, bei der die Fettleibigkeit zunimmt.“ Reduzierte Kalorien können die Überlebensinstinkte schärfen, so daß Tiere, einschließlich dem Menschentier, weniger ängstlich sind und waghalsig ihre Umwelt erkunden. Die Welt, die von den Kindern degenerierter Fettsäcken geprägt wird, ist eine furchtsame Welt ohne Initiative und Unternehmergeist. Der Sozialismus hebt an: der Mensch als träges, ängstliches Zootier. (Siehe auch Die Sünden der Väter.)

Es ist, als wenn die gesamte westliche Zivilisation von einem „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn!“ infiziert ist. Ich verweise hier nur auf Nietzsches Analyse der allgegenwärtigen „Dekadenz“; den anorgonotischen „Zuständen“, unter denen die Menschen zu Zeiten Freuds litten (hysterische Ohnmachtsanfälle, Neurasthenie, Wagnerianische Todessehnsucht, etc.). Man schaue sich auch das Gruselkabinett der nationalsozialistischen Führungsmannschaft an: der entscheidungsschwache Hitler, der den halben Tag im Bett gammelte und sein ganzes Leben nicht einen Tag gearbeitet hat, Göring der schwabbelige Morphinist und all die anderen haltlosen Gestalten. Das ganze „stramme“ Sadogehabe der SA und vor allem der SS scheint mir wie ein verzweifelter Selbstheilungsprozeß: plakative „Gepanzertheit“. Ähnlich die muskelbepackten „Superhelden“ in der amerikanischen Trivialkultur. Karikaturen von Nietzsches „Übermensch“.

Woher diese Dekadenz? Nietzsche sprach vom „Tod Gottes“. Der mache in der „aufgeklärten“ Gesellschaft zwar kaum noch jemand betroffen, doch tatsächlich würde uns durch dieses Geschehen langsam aber sicher der Boden unter den Füßen weichen. Es ist die immer stärker werdende Trennung von unserem bioenergetischen Kern, die mit einer immer weiter um sich greifenden Abnahme an Vitalität einhergeht.

Ob das hierhin gehört? Ich habe mal eine Diplom-Psychologin, die jahrelang mit sicherheitsverwahrten Triebtätern gearbeitet hat, gefragt, wie man denn Kinderficker erkennt: klein, „schwabbeliger“, schlaffer Körper, schwammiges, konturloses Gesicht.

Funktionelle Medizin (Teil 1)

1. Mai 2014

In den letzten Jahren häufen sich Meldungen, daß selbst bei schwerwiegenden medizinischen Störungen, denen man bisher hilflos gegenüberstand, durch denkbar simple und nebenwirkungsfreie Prozeduren Abhilfe geschaffen werden kann. Man denke etwa an Erektionsstörungen.

Dank des Fortschritts der mechanistischen Medizin lassen sich heute Potenzstörungen medikamentös behandeln. Um so bemerkenswerter ist es, daß simple Beckenbodengymnastik sogar noch effektiver ist als Viagra. Bei einer umfangreichen Untersuchung des Hamburger Urologen Frank Sommer hatten Probanden, denen man Viagra verabreichte, eine Erfolgsquote von 74%, während sie bei jenen, die statt dessen entsprechende Übungen (z.B. Gesäßbacken zusammendrücken) machten, nach wenigen Wochen bei 80% lag.

Das weist auf simple bioenergetische Prozesse hin, die Potenzstörungen zugrundeliegen. Nach orgonomischer Theorie beruht erektive Impotenz auf Anorgonie im Beckensegment, die durch Mobilisierung der Beckenbodenmuskulatur aufgehoben werden kann (E.F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 109)

Meist handelt es sich bei diesen Prozeduren um mechanische Äquivalente zu der Herangehensweise der medizinischen Orgonomie, insbesondere was die Lockerung des Muskelpanzers im Kopf und Brustbereich betrifft. Teilweise geht es in der Orgontherapie aber auch um die (zeitweise) Verstärkung der Panzerung im Beckenbereich.

Ein Beispiel für das letztere ist die Arbeit von Wouter Wieling und seiner Mitarbeiter von der Universität Amsterdam. Sie ließen Patienten, die zu Ohnmachtsanfällen neigen, die Beine kreuzen und die Muskulatur von Schenkeln, Unterleib und Po so anspannen, als würden sie versuchen Stuhl und Urin zurückzuhalten. Diese denkbar simple Methode verhindert eine drohende Bewußtlosigkeit oder zögert sie zumindest hinaus.

Wieling sieht darin eine praktische Alternative zu Medikamenten oder einen Schrittmacher. Sein Erklärungsansatz ist rein mechanistisch: die Muskelspannung würde die Adern zusammenpressen, das Blut nach oben drücken und auf diese Weise Blutdruck und Herzschlag stabilisieren.

Anders als bei den oben vorgestellten Übungen gegen Impotenz dienen sie bei Wieling nicht der Abwehr einer chronischen, sondern einer akuten Anorgonie in den Stützorganen, die mit einem Verlust des Gleichgewichtsempfindens einhergeht (vgl. Der Krebs, Fischer TB, S. 388).

Wann wird die Medizin erkennen, daß chronisch verspannte Muskeln, d.h. die Panzerung, der Dreh- und Angelpunkt der Pathologie ist?

In Der Mensch in der Falle (S. 104) führt Elsworth Baker aus, daß durch Mobilisierung des Brustkorbes das Herz entlastet wird.

Tadeusz Petelenz von der Kardiologischen Gesellschaft Kattowitz lehrte 115 Herzpatienten zu husten, wenn sie plötzliche Schmerzen in der Brust spürten. Bei 292 von 365 Vorfällen verschwanden die Symptome. Die Patienten blieben bei Bewußtsein und der Herzschlag normalisierte sich.

Es ist wirklich verblüffend, wie mit Hilfe von Reichs Panzerungs-Konzept komplizierte Krankheitszustände erklärbar werden. Man denke etwa an chronisch angespannte Halsmuskeln:

Enge Krawatten erhöhen das Risiko für Grünen Star, so eine US-Studie. Schon nach drei Minuten wurde bei 70% der Testpersonen ein erhöhter Augeninnendruck gemessen. Ist demnach das Glaukom eine typische Biopathie, die auf Panzerung, beispielsweise der Halsmuskulatur, zurückgeht?

Ian Edwards (Universität Leeds) et al. erklären wie verspannte Nackenmuskeln zu hohem Blutdruck führen:

Man kannte bereits die Stelle im Nachhirn, wo die Signale der Nackenmuskeln ankommen. Nun entdeckten die Wissenschaftler im Nachhirn von Ratten und Mäusen Verbindungen zu einer Hirnregion namens Nucleus tractus solitarii (NTS), die mit der Regulierung von Atmung, Blutdruck und Herzschlag in Verbindung gebracht wird. Eine solche Regulierung des Blutdrucks über die Nackenmuskulatur sei sinnvoll, weil der Blutfluß zum Gehirn unabhängig von der aktuellen Körperhaltung stets gleichbleibend gehalten werden muß. Da die Nackenmuskeln etwa im Liegen vollkommen anders belastet werden als im Stehen, eignen sie sich besonders gut dafür, dem Gehirn Veränderungen in der Haltung mitzuteilen.

orgasmusreflex