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Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 17)

10. Oktober 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

VI. Orgontherapie: 3.1. Die karzinomatöse Schrumpfungs-Biopathie (Die Krebs-Biopathie)1

Schon früh stieß Reich im Laufe seiner Forschung auf das Problem der Krebsentstehung. Bei den Bion-Versuchen hatte sich gezeigt, daß aus zerfallendem Gewebe einerseits die Bione, andererseits die T-Bazillen entstehen. Ferner war bekannt, daß die T-Bazillen, die sich zu Krebszellen organisieren können, von den Bionen gelähmt werden und daß die Bione T-Bazillen vernichten können. Die erste Entwicklung eines Krebstumors ist immer der bläschenförmige Zerfall des Gewebes. „Der bläschenförmige Zerfall wird hervorgerufen durch biopathische Schrumpfung (das ist die Kontraktion der biologischen Orgonenergie des autonomen Lebensapparates/K.H.), wodurch das plasmatische Gewebe erheblich geschwächt wird. Bei dem Zerfallsprozeß entstehen zwei Arten von Gebilden. Einmal die sogenannten PA Bione, womit Reich die gesunden Bione bezeichnet, und zweitens die T-Bazillen (T gleich Tod), die durch Degeneration und fauligen Zerfall aus lebenden und nichtlebenden Eiweißstoffen entstehen. Sie sind unter dem Mikroskop wegen ihrer Kleinheit nur bei 3000 bis 5000 facher Vergrößerung zu erkennen. Diese Vergrößerungen verundeutlichen zwar die Schärfe der Zeichnungen unter dem Mikroskop, machen aber die Beweglichkeit umso deutlicher… Ein Elektronenmikroskop ist für diese Zwecke ungeeignet, da mit ihm ja nur totes Material untersucht werden kann. Diese T-Bazillen sind in jedem Krebs-Tumor ebenso wie im Blut eines krebskranken Patienten vorhanden. Die T-Bazillen sind keine Infektion von außen; sondern wir lernen damit den ungewöhnlichen Begriff der Autoinfektion kennen. Die PA Bione liegen mit den T-Bazillen in einem gegenseitigen Kampf, wobei die PA Bione die Tendenz haben, die T-Bazillen zu lähmen oder zu töten. Die Krebszelle durchläuft verschiedene Stadien bis zu dem amoeboiden Protozoon. Die Entwicklung zum fließenden amoeboiden Protozoon kann zwar unter dem Mikroskop verfolgt werden, und auch bei Mäusen kann diese Entwicklung beobachtet werden; dagegen kann sie beim Menschen nicht erreicht werden, da vorher der Tod eintritt.“2 Anhand der T-Reaktion des Blutes kann bereits lange vor der Tumorbildung die Krebserkrankung diagnostiziert werden.

Auch der Teilungsprozeß der Krebszellen wird im Lichte der Orgonomie gut verständlich. Dem orgonphysikalischen Grundgesetz des orgonomischen Potentials zufolge zieht das stärkere System das schwächere an. „Der Kern der Zelle bildet nach orgonomischer Auffassung das energetisch stärkere System, während dem Plasma ständig Nahrung und Atmung zugeführt wird. Im biologisch geschwächten Zellsystem verschieben sich die Energieverhältnisse rapide zugunsten des Kerns. Während das Plasma bereits zu ersticken droht, kämpft der Kern immer noch. Dies führt zu einem Überschuß an Energie im Kern, der konvulsiv zur Entladung und Zellteilung kommt. Es handelt sich hierbei um einen Viertakt: der mechanischen Spannung, energetischen Ladung, energetischen Entladung und Mechanischen Entspannung.“3

Mit Hilfe des Orgon-Akkumulators gelang es Reich, die Krebs-Tumoren innerhalb kurzer Zeit zum Verschwinden zu bringen. Die Orgonbestrahlung stärkt den Körper bei der Bekämpfung der T-Bazillen, die sich im Falle der Krebserkrnkung im Tumor organisieren. Die Tatsache der Tumorbeseitigung durch Orgonbestrahlung wurde von mehreren Ärzten bestätigt, z.B. durch die Mediziner Hoppe4 und Tropp5.

Da die Tumorbildung schließlich nur ein Symptom einer tieferliegenden Störung des Gesamtorganismus darstellt, ist es nicht verwunderlich, daß nach der Beseitigung des Krebs-Tumors von einer Gesundung nicht gesprochen werden kann. Die Heilung einer Biopathie, auch der Krebs-Schrumpfungsbiopathie, ist nur sehr schwer zu erzielen, und die Erkenntnisse der Orgonomie liefern kein Allheilmittel gegen eine einmal ausgebrochene Krebserkrankung oder andersartigen Biopathie. Sie weisen aber auf die Möglichkeiten einer umfassenden Vorbeugung der Krebserkrankung hin, die Reich als „Fäulnis der Gewebe bei lebendigem Leibe infolge Lusthungers des Organismus“ bezeichnete.6 Dazu ist allerdings eine Veränderung unserer gesamten Lebensanschauung notwendig, die Reich für das Entstehen des Krebses verantwortlich macht: „Schuld ist in Wirklichkeit unsere gesamte Lebensanschauung, der Moralismus, die sexuelle Verkrüppelung unserer Kinder und Jugendlichen, die moralistischen Vorurteile in Medizin und Pädagogik, kurz unsere Lebensblindheit und –angst, die wir seit mehreren tausend Jahren von Geschlecht zu Geschlecht forterben.“7

 

Fußnoten

  1. Eine ausführliche Darstellung der orgonomischen Erforschung der Krebserkrankung findet sich in: Reich, W. Die Entdeckung… Der Krebs, a.a.O. S. 167–424. Ich halte mich bei der hier vorgetragenen Kurzdarstellung an: Hoppe, W., Biophysikalische und biophysische Krebsentstehung… a.a.O.
  2. Hoppe, Biopsychische…., a.a.O. S. 7f
  3. ebenda S. 7f
  4. Siehe z.B. Hoppe, W., Zusammenstoß der Orgon- und Radiumtherapie in einem Falle von Hautkrebs, in: Intern. Zeitschr. f. Orgonomie, Bd. 1 H. 4, 1953 S. 198–203
  5. Siehe: Tropp, S.I., Die Behandlung einer bösartigen mediastalen Geschwulst mit dem Orgonakkumulator, in: Int. Zeitschr. f. Orgonomie Bd. I H 1 1950, S. 21–32
  6. Vgl. Reich, W. Die Entdeckung… Der Krebs, a.a.O. S. 402
  7. ebenda

nachrichtenbrief120

6. August 2018

ZUKUNFTSKINDER: 3. Die Entstehung des „Nein“, c. Biopathien

10. Februar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

3. Die Entstehung des „Nein“, c. Biopathien

Die Krebsschrumpfungsbiopathie heute

4. Mai 2017

Habe heute zwei Zeitschriften für Psychiater durchgeblättert. Zunächst einmal die NeuroDepesche (4/17): eine norwegische Studie hat nachgewiesen, daß körperliche Aktivität von sechs- und achtjährigen diese vor depressiven Symptomen mit Acht und Zehn schützt. Adjustiert auf Symptome komorbider psychiatrischer Störungen und das Körpergewicht (Body Mass Index) war das Ergebnis signifikant.

Es gibt jede Menge Untersuchungen, die zeigen, daß mehr Bewegung weniger Depressivität bedeutet. Die Erklärung ist einfach: Depression ist Folge der Niedergedrücktheit („Depression“) der organismischen Orgonenergie. Entsprechend mobilisiert der Orgontherapeut bei schweren Depressionen, statt sich auf die oberen Panzersegmente zu konzentrieren, sofort das Brustsegment, um die energetische Schrumpfung zu stoppen. Es geht um besseres Atmen.

InFoNeurologie & Psychiatrie (April 2017): Hier stolperte ich über die Überschrift „Häufiger Krebs bei Angst und Depression?“, las aber zunächst den Kommentar von Prof. Dr. med. Susanne Singer, die die Untersuchung in der Luft zerreißt: man könne nie sicher sein, „alle relevanten konfudierenden Störgrößen“ zu berücksichtigen. Tja, die Krebsschrumpfungsbiopathie hat heutzutage null Chance…

Batty, Russ, Stamatakis et al. baben bei der Analyse von 16 Studien mit insgesamt über 160 000 Patienten alles berücksichtigt, d.h. Alkohol, Tabak, psychische Belastung durch Krebs statt umgekehrt, etc. Nach Ansicht der Autoren kann man von einer erhöhten Ängstlichkeit und Depressivität auf ein erhöhtes Krebsrisiko in späteren Jahren schließen.

Es geht schlicht darum, daß Krebs folge eine Schrumpfung der Lebensenergie ist, von buchstäblicher Niedergeschlagenheit. Würde man bei solchen Krebsstudien den Reich-Bluttest regelmäßig machen, würde das sofort evident werden.

Unabhängig davon: die ultrakritische Haltung von Prof. Singer durchweg und konsequent eingenommen – wie viele Arzneimittel könnten eigentlich auf dem Markt bleiben? Warum solche Einwände immer nur, wenn es um Forschung geht, die (wie indirekt auch immer) ins Lebensenergetische geht?

nachrichtenbrief11

16. April 2017

Körper und Seele

25. Juni 2016

In Die Funktion des Orgasmus (Teil 2) habe ich mich bereits mit dem Psychologieprofessor Stuart Brody (University of the West of Scotland) beschäftigt, der in jeder Beziehung Reichs sexualökonomische Forschung bestätigt.

Es geht weiter:

Bereits 2008 hatte Brody festgestellt, daß Frauen mit einem fließenden und energischen Gang größere Chancen auf einen vaginalen Orgasmus haben als jene mit einem stark beckenlastigen, behäbigen Gang. Beckenpanzerung!

Ähnliches verraten sinnliche bzw. „unsinnliche“ Lippen. Demnach treten vaginale Orgasmen häufiger und zügiger bei Frauen mit einem ausgeprägten Lippenherz auf, als bei jenen, die eine eher dünne Oberlippe haben. Dabei ist der knubbelartige Bereich unter dem Lippenherzbogen ausschlaggebend. Ist dieser recht ausgeprägt, entspricht dies einer verbesserten Fähigkeit einen vaginalen Orgasmus zu erreichen.

Was der Körper einer Frau zwischen Kopf und Becken über ihren Charakter aussagt, siehe Die Panzersegmente (Teil 3): Der Brustpanzer.

Instinktiv wissen die Menschen natürlich von diesen Zusammenhängen. Entsprechend sind das Aufspritzen der Lippen und das Aufpolstern der Busen ein verzweifelter Versuch, Lebendigkeit und Lustfähigkeit wiederherzustellen. Tatsächlich sind die angeblichen „Schönheitsoperationen“ nichts anderes als ein extrem mechanistischer Ersatz für eine Orgontherapie!

Der Mensch tut alles, läßt sich sogar verstümmeln, nur um nicht die Angst zu spüren, die in seiner muskulären Panzerung gebunden ist. Reich hat beschrieben, wie bei der Freilegung der Energie in der Orgontherapie die Lockerung der Panzerung von Angst gefolgt wird, die in zunehmend lustvollen Klonismen ausläuft, die letztendlich zu orgastischen Sensationen im Genitalapparat führen (Der Krebs, Fischer TB, S. 348).

Die innige Beziehung zwischen „Äußerlichkeiten“ und dem Innersten des Menschen zeigt sich auch an so etwas simplen wie der Körperlänge.

Jane Green, University of Oxford, et al. haben die Daten von mehr als 1,3 Millionen Frauen mittleren Alters ausgewertet, die über ein Jahrzehnt hinweg beobachtet wurden. In dieser Zeit traten 97 000 Krebsfälle auf. Nachdem man alle anderen Risikofaktoren heraus rechnete, ergab sich, daß das Krebsrisiko pro 10 Zentimeter mehr Körpergröße um 16 Prozent steigt.

Bemerkenswerterweise gilt dies für die unterschiedlichsten Arten von Krebs, sagt also etwas über „den Krebs an sich aus“, – den es für die moderne Medizin zunehmend gar nicht mehr gibt.

Der mechanistische Erklärungsversuch:

Entweder gibt es bestimmte Umweltfaktoren oder genetische Besonderheiten, die sowohl das Wachstum als auch das Krebsrisiko beeinflussen. Oder die größere Anzahl von Zellen, die in einem großen Körper vorhanden sind, erhöht per se die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Entartungen kommt. In jedem Fall könnte der Größeneffekt laut den Forschern zumindest zum Teil erklären, warum es in unterschiedlichen Ländern verschiedene Krebsraten gibt – und warum die Anzahl von Krebserkrankungen seit Jahren stetig zunimmt, denn auch die Durchschnittsgröße steigt kontinuierlich an.

Zunächst einmal hat Reich in Der Krebs ebenfalls die Behauptung aufgestellt, daß die Anzahl der Biopathien, insbesondere aber die der Krebserkrankungen steigt. Reich:

Es wird in der Literatur der Krebsstatistik behautet, daß das Anwachsen der Zahl der Todesfälle infolge Krebses in den letzten Jahrzenten der besseren Diagnostik am Lebenden und an Leichen zuzuschreiben ist; daß also das Anwachsen der Todesziffern ein Artefakt ist. (ebd., S. 407f)

Die mechanistische Wissenschaft müsse das sagen, „um an der rein erblichen Natur des Krebses (festhalten zu können)“ (ebd., S. 408).

Wir sehen anhand der obigen aktuellen Meldung, daß aus heutiger Sicht das Anwachsen des Krebsrisikos kein Artefakt ist. Die mechanistische Wissenschaft kann das heute einräumen, weil sie gleich eine naheliegende genetische Erklärung zur Hand hat: mehr Zellen bedeutet, daß mehr Zellen genetisch entarten, d.h. sich zu Kondensationskernen von Krebstumoren entwickeln können. Und da in den industrialisierten Ländern die Menschen von Generation zu Generation immer größer werden, wachse dort das Krebsrisiko, während es in den unterentwickelten Ländern, wo dieses Längenwachstum nicht in diesem Ausmaß auftritt, in etwa gleich bleibt.

Für Reich ist Krebs eine Art „Enttäuschungsreaktion auf Zellebene“. Große Erwartungen, d.h. ein entsprechend mobilisiertes Energiesystem, führen zu entsprechend verheerenden Enttäuschungsreaktionen; eine bioenergetische Reaktion, die bis auf die Zellebene zurückwirkt. Wir alle wissen aus eigener Anschauung, wie es „bis ins Mark geht“, wenn große Erwartungen brutal enttäuscht werden. „Bremsen bei voller fahrt!“

Und warum breitet sich dann die Krebserkrankung immer weiter aus? Reich:

Menschen, die durch die Veränderung der Sitten zur Bewußtheit ihrer sexuellen Bedürftigkeit kommen, denen aber die Mittel und Wege fehlen, der sexuellen Energie den natürlichen Ablauf durch volle natürliche Befriedigung zu geben, müssen notwendigerweise zerrissen werden, müssen biopathisch erkranken (…). (ebd., S. 412)

Die Lebendigkeit der Menschen bliebe, so Reich weiter, immer mehr hinter ihren Ansprüchen zurück, was zu immer weiter steigender sexueller Frustration führt.

Parallel zu der von Reich beschriebenen sexualökonomischen Entwicklung wurden die Menschen auch immer größer. Anthropologen fanden anhand von Knochensammlungen heraus, daß es immer wieder Zeiten mit regelrechten Wachstumsschüben gegeben hat. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung begann, sind wir größer geworden als jemals zuvor. Die Ursachen dafür sehen sie in den optimalen Umweltbedingungen. Wir haben ausreichend Nährstoffe und Nahrung zur Verfügung. Aber auch die sonstigen Bedingungen, wie ein hoher Standard an Hygiene, sind sehr gut.

Der Wirtschaftshistoriker Marco Sunder (Universität Leipzig) weist darauf hin, daß es, was die Körpergröße betrifft, im Laufe der Jahrhunderte entscheidend war, in welcher Familie man geboren wurde. So haben soziale Unterschiede im vergangenen Jahrhundert eine sehr große Rolle gespielt. Gleichaltrige Schüler, die auf Schulen für Arme gingen, waren oft 20 cm kürzer als diejenigen, die Schulen für Adlige besuchten. Auch heute sind solche Unterschiede, je nach sozialer Schicht, erkennbar. Allerdings beträgt der Unterschied nur noch zwei bis drei Zentimeter.

Und was hat eine Zunahme der Körpergröße direkt mit einer Zunahme des Krebsrisikos zu tun? Aus bioenergetischer Sicht ist Krebs gleichbedeutend mit einem Hang zur Anorgonie.

In der Anorgononie ist weniger biologische Energie frei und tätig; die träge Masse des Organismus wird im Verhältnis zur tätigen Energie, die den Körper zu bewegen hat, größer, also schwerer. (Der Krebs, S. 400)

Offenbar, so können wir angesichts der neuen Daten spekulieren, „hinkt die organismische Orgonenergie der hypertrophierenden Masse hinterher“.

Interessanterweise haben große Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Herz-Kreislauferkrankungen sind in vieler Hinsicht das Gegenteil der Krebs-Schrumpfungsbiopathie, nämlich eine „Stauungsbiopathie“. „Zu viel Energie für die zu kleine Masse.“

Weitere Ausführungen würden vollends in Spekulation abgleiten, weshalb ich es mit folgender Aufstellung bewenden lassen will:

Michael Haselhuhn und Elaine Wong (University of Wisconsin in Milwaukee), haben in zwei Studien gezeigt, daß je breiter ein Männergesicht im Verhältnis zur Höhe ist, es desto wahrscheinlicher ist, daß Männer lügen und betrügen. Das gilt nur für Männer, bei Frauen ist die Gesichtsform in keinster Weise mit dem Hang zum Betrug verbunden.

Ein breites Gesicht ist [bei Männern] ein klares Indiz dafür, daß sein Besitzer zum Mogeln und zum Betrügen neigt. Damit sei zum allerersten Mal eine Verbindung zwischen unethischem Verhalten und einem genetisch festgelegten körperlichen Merkmal nachgewiesen worden, jubeln Haselhuhn und Wong. Vermittelt werde diese Verbindung ganz offensichtlich durch das persönliche Machtgefühl. Das mache auch aus Sicht der Evolution Sinn: Wäre das breite Gesicht lediglich ein Indikator für einen Hang zum Lügen, dürfte es seinen Trägern in der Vergangenheit ausschließlich Nachteile gebracht haben und müßte mittlerweile völlig verschwunden sein. Ist es jedoch gleichzeitig ein Anzeichen für positiv gewertete Qualitäten, könnte das den negativen Effekt aufgehoben haben. Genau das sei hier der Fall: Macht beziehungsweise das Gefühl von Macht bringe auch Optimismus, zielgerichtetes Verhalten und Führungsqualitäten mit sich.

Mir fällt dazu das Kindchenschema ein, das ich an anderer Stelle versucht habe orgonenergetisch zu erklären. Das hier weiterzuspinnen würde sich jedoch in Spekulationen verlieren.

1980 hat mich meine damalige Freundin zu einer „charakterkundlichen“ Vorlesungsreihe mitgeschleppt. Im Anschluß an Johann Caspar Lavater (der heute vor allem durch seine Beziehung zu Goethe bekannt ist) ging es darum, aus der Schädelform und den Gesichtszügen den Charakter zu lesen. Entsetzt saß ich da im altertümlichen Vorlesungssaal, den der Veranstalter von der Hamburger Universität angemietet hatte, und fühlte mich um 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Ich ärgerte meine Freundin, indem ich sie als „Ernährungstyp“ charakterisierte und sie mich: ich sei vom Typus des „genialen Verbrechers“ (hohe Stirn mit unausgewogenen Gesichtszügen).

Merkwürdigerweise sahen fast durchweg alle Schachgroßmeister, Teilchenphysiker, Mathematikprofessoren, etc., denen ich im Leben begegnet bin, ausgesprochen „unintelligent“ aus.

Weniger witzig war, daß dieses System auch auf „Rassen“ angewendet wurde, wobei die „weiße Rasse“ als „vergeistigt“ galt, die „schwarze Rasse“ als „animalisch“.

Bereits Reich mußte sich bei seiner Formulierung der Charakteranalyse mit derartigen Vorstellungen herumschlagen, insbesondere mit der Charakterkunde von Ludwig Klages (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 198).

Das ganze läuft darauf hinaus, daß der Mensch aus drei Schichten aufgebaut ist: bioenergetischer Kern, Mittlere Schicht und soziale Fassade.

Diese drei Schichten entsprechen der angeborenen Natur des Menschen (ich habe beispielsweise das aufbrausende Temperament meiner Mutter geerbt), sein Charakter, d.h. die Art und Weise, wie er sich im Leben durchsetzt und schließlich seine Persönlichkeit, mit der er sich mehr oder weniger willentlich der Umwelt präsentiert (beispielsweise: „Immer nur lächeln, auch wenn einem zum Weinen zumute ist!“).

„Charakterologen“, wie Klages, werfen diese drei Bereiche wild durcheinander. Dergestalt ist „Charakterkunde“ ein Beispiel für die Emotionelle Pest. Der Charakter zeigt, wie man mit dem „angeborenen Material“ umgeht. Meist ist dies kontraproduktiv, läßt sich aber in einer Orgontherapie weitgehend verändern.

Anorgonie

2. Dezember 2015

Orgontherapie ist mehr als das bloße „Aufbrechen“ des „Muskelpanzers“. Es gibt weit Schlimmeres als chronisch verspannte Muskeln! Anorgonie ist, ähnlich wie auch Fettleibigkeit, eine pathologische Alternative zur muskulären Panzerung. Die Anorgonie tritt beispielsweise in der hysterischen Anästhesie und Paralyse oder in der Depression auf. Sie ist genausoweit von einer gesunden straffen Muskulatur entfernt wie der Muskelpanzer (Charles Konia: „Orgone Therapy (Part 12)“, The Journal of Orgonomy 25(2), November 1991, S. 237-240).

Über schlaffe Muskulatur in der Orgontherapie schreibt Richard A. Blasband:

Hypotonische Muskulatur fehlt es an energetischer Ladung, während hypertonische (angespannte) Muskeln einen Überschuß an Ladung festhalten. Hypotonie ist ein schwerwiegenderes Hindernis für die Therapie, da das Re-Energetisieren dort schwierig ist, wo das Energieniveau niedrig liegt. Einfacher ist es Energie dort zu befreien, wo sie gebunden ist. Auch fällt es schlaffen Muskeln schwerer Ladung zu halten. („Q & A: Flabby and Tense Muscles“, The Journal of Orgonomy, 12(1), May 1978, S. 119)

Der Orgonom Michael B. Rothenberg beschreibt einen Fall von Anorgonie, bei dem die Muskulatur unfähig war den Energiefluß zu binden, so daß die affektive Energie zur Peripherie des Organismus fließt

und starke Empfindungen hervorruft; dies führt zu einer heftigen Kontraktion im vegetativen Nervensystem, was einen schock-artigen Zustand hervorruft, der sogar zum Tod führen könnte. Deshalb hat eindeutig das hauptsächliche therapeutische Bemühen im Umgang mit der Anorgonie darin zu liegen den Patienten dazu zu bringen, daß er die Muskeln auf eine Art und Weise gebraucht, die Lust hervorruft oder Wut ausdrückt, um so Energie in die Muskeln hineinzubewegen. („Orgonomic Treatment of Anorgonia as One of Multiple Conversion Reactions“, The Journal of Orgonomy, 2(2), November 1968, S. 176f)

Karl G. Fossum führt akute Anorgonie auf leichte Erregbarkeit zurück, mit der der Patient nicht fertig wird, insbesondere nach Lösung der ersten drei Segmente, wenn in den folgenden unteren Segmenten kaum adäquate Panzerung vorhanden ist, um den Energieschub aufzufangen („A Case Complicated by a Tendency Toward Acute Anorgonia“, The Journal of Orgonomy, 4(2), November 1970, S. 207-214). Siehe auch Michael Ganz: „Anorgonotic Paralysis as a Complication of Orgone Therapy“, The Journal of Orgonomy, 8(1), May 1974, S. 27-34.

Man kann die Anorgonie im Sinne einer Störung der plasmatischen Motilität betrachten, die akut sein kann wie beim Schockzustand, wenn uns z.B. vor Angst „das Blut gefriert“. So gesehen ist sie sozusagen nur ein „biophysischer Unfall“:

Der Organismus reagiert auf ungewohnte und starke Plasmaerregung mit einem Motilitätsblock, der sich als „Schwäche“, „Einknicken“, „fading out“, Gleichgewichtsstörung und Fallangst auswirkt. Es ist, als ob die orgonotische Expansion zwar ansetzte, aber nicht voll ablaufen könnte; als ob der Expansionsimpuls plötzlich auslöschte. (Der Krebs, Fischer TB, S. 380)

Es kann aber auch ein schleichender anorgonotischer Schwächezustand vorliegen, der sich gerade durch die Abwesenheit solch „lauter“ Angstattacken auszeichnet. Diese gehen auf die Angst erzeugende Kontraktion des Lebensapparats gegen die expansiven Impulse des Kernes zurück. Bei der Anorgonie handelt es sich wie bei der Schrecklähmung um ein jähes Versagen der expansiven Impulse, während bei der Krebsschrumpfungsbiopathie ein allmähliches Nachlassen der expansiven Impulse festzustellen ist, bei der jede Steigerung des Energieniveaus zu einer akuten Anorgonie führt (ebd., S. 372).

Die karzinomatöse Schrumpfungsbiopathie „unterscheidet sich von der einfachen sympathikotonen Stauungsneurose dadurch, daß bei ihr die Impulse zur Streckung, Expansion, allmählich aufhören, bei der Stauungsneurose dagegen ihre Intensität beibehalten“ (ebd., S. 197). Entsprechend nimmt bei Krebs auch die Angst ab und wird durch emotionale Stille abgelöst. Krebskranke sind typischerweise „milde“ und genügsam. Sie ergeben sich in ihr Schicksal ohne aufzubegehren und sei dies in Form eines Suizidversuchs. (Woran sich übrigens wieder die ganze Unsinnigkeit des Konzeptes eines „Todestriebes“ zeigt!) Diese schleichende Anorgonie ist sozusagen der wahre Krebs hinter dem Krebs; sie ist das eigentliche Geheimnis der Krebskrankheit.

Die Funktion der plasmatischen Impulsbildung im biologischen Kern des Organismus ist selbst gestört und vermag einen umfassenden Substanzverlust in den Geweben herbeizuführen (muskuläre Atrophie, allgemeine Kachexie, Anämie, etc.). (ebd., S. 219)

Das Phänomen Anorgonie deckt erstens die biophysikalische Grundlage des Krebses auf, nämlich die Lähmung der Pulsationsfunktion; zweitens legt sie den Ursprung der Krebsbiopathie in einer früh erworbenen Tendenz zur Anorgonie frei; und drittens: selbst nach einer „Heilung“ des Krebses, kann eine lähmende anorgonotische Schreck-Attacke aufgrund von Orgasmusangst schließlich doch zum Tod führen. Ganz ähnlich kann eine einfache Ohnmacht, die ja auch durchaus zum Tode führen kann, wenn man nicht „zurückgeholt wird“, als eine anorgonotische Attacke betrachtet werden.

Dieser Aspekt des anorgonotischen Anfalls wirft ein grelles Licht auf die Orgasmusangst als Kern aller Biopathien: der Terror des Lebens. Panzerung bedeutet immerhin eine Aktivität der Energie („Trotz“), während Anorgonie einfach für Aufgabe und Tod steht. Deshalb wollte man in der noch vor 20 Jahren angesagten, heute aber weitgehend vergessenen, „Psychoonkologie“ a la Lawrence LeShan, die trotzige Kampfbereitschaft im Patienten wecken.

Der Organismus des Krebsbiopathen ist seit frühster Kindheit bioenergetisch darauf konditioniert sich aufzugeben. Es ist, als wenn der Körper sagt: „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn!“

Erschreckenderweise hat das ganze eine soziale Komponente. Man denke auch an die überhandnehmende Fettleibigkeit in Amerika (die fast zwangsläufig zu Diabetes führt, einer Schrumpfungsbiopathie). Vielleicht ist Adipositas weniger als somatische, sondern vielmehr als soziale Biopathie zu betrachten.

Einer Studie der RMIT University (Royal Melbourne Institute of Technology, Antonio Paolini et al.) zufolge, überträgt sich das Übergewicht der Väter auf eine bioenergetisch fatale Art und Weise auf die nachfolgende Generation. An Rattenmännchen konnte gezeigt werden, daß ihr Nahrungskonsum vor der Fortpflanzung sich nicht nur auf die leibliche, sondern vor allem auch auf die psychische (emotionale) Gesundheit des Nachwuchses auswirkt. Männliche Ratten, denen ein Übermaß an Futter zur Verfügung stand, wurden mit jenen verglichen, deren Kalorienzufuhr um ein Viertel niedriger lag. Nicht nur, daß die Jungen der letzteren ein niedrigeres Gewicht hatten, sondern sie zeigten sich auch weniger ängstlich. Paolini: „Wenn man das niedrigere Angstniveau als Folge der reduzierten Diät, die die Generationengrenze überschreitet, sieht, läuten bei einem die Alarmglocken, was das langfristige Potential für die gesundheitlichen Folgen einer Gesellschaft bedeutet, bei der die Fettleibigkeit zunimmt.“ Reduzierte Kalorien können die Überlebensinstinkte schärfen, so daß Tiere, einschließlich dem Menschentier, weniger ängstlich sind und waghalsig ihre Umwelt erkunden. Die Welt, die von den Kindern degenerierter Fettsäcken geprägt wird, ist eine furchtsame Welt ohne Initiative und Unternehmergeist. Der Sozialismus hebt an: der Mensch als träges, ängstliches Zootier. (Siehe auch Die Sünden der Väter.)

Es ist, als wenn die gesamte westliche Zivilisation von einem „Es hat doch sowieso alles keinen Sinn!“ infiziert ist. Ich verweise hier nur auf Nietzsches Analyse der allgegenwärtigen „Dekadenz“; den anorgonotischen „Zuständen“, unter denen die Menschen zu Zeiten Freuds litten (hysterische Ohnmachtsanfälle, Neurasthenie, Wagnerianische Todessehnsucht, etc.). Man schaue sich auch das Gruselkabinett der nationalsozialistischen Führungsmannschaft an: der entscheidungsschwache Hitler, der den halben Tag im Bett gammelte und sein ganzes Leben nicht einen Tag gearbeitet hat, Göring der schwabbelige Morphinist und all die anderen haltlosen Gestalten. Das ganze „stramme“ Sadogehabe der SA und vor allem der SS scheint mir wie ein verzweifelter Selbstheilungsprozeß: plakative „Gepanzertheit“. Ähnlich die muskelbepackten „Superhelden“ in der amerikanischen Trivialkultur. Karikaturen von Nietzsches „Übermensch“.

Woher diese Dekadenz? Nietzsche sprach vom „Tod Gottes“. Der mache in der „aufgeklärten“ Gesellschaft zwar kaum noch jemand betroffen, doch tatsächlich würde uns durch dieses Geschehen langsam aber sicher der Boden unter den Füßen weichen. Es ist die immer stärker werdende Trennung von unserem bioenergetischen Kern, die mit einer immer weiter um sich greifenden Abnahme an Vitalität einhergeht.

Ob das hierhin gehört? Ich habe mal eine Diplom-Psychologin, die jahrelang mit sicherheitsverwahrten Triebtätern gearbeitet hat, gefragt, wie man denn Kinderficker erkennt: klein, „schwabbeliger“, schlaffer Körper, schwammiges, konturloses Gesicht.

Die Panzersegmente (Teil 1): Der Augenpanzer

5. November 2014

Das Auge ist keine tote Kamera, wie wir im „Biologie“-Unterricht gelernt haben, sondern ein lebendiges Organ, dessen Funktionieren in jeder Hinsicht von Bewegung abhängt.

Der Neurologen Michele Rucci (University of Boston) zufolge stehen die Augen beim „Fixieren“ eines Objekts keineswegs still, sondern bewegen sich unwillkürlich hin und her. Werden diese Augenbewegungen in einer entsprechenden Versuchsanordnung kompensiert, kann der Proband feine Details schlechter wahrnehmen.

Sehen funktioniere nicht wie bei einer Kamera, mit der ein Bild aufgenommen und anschließend analysiert wird, sondern der eigentliche Prozeß des Schauens beeinflusse, was man sehe, erklärt Michele Rucci.

Leuten, die mit Pferden zu tun haben, wird Michael Geitners Methode der „Dual-Aktivierung“ ein Begriff sein. Mit ihr lassen sich Probleme wie Schreckhaftigkeit, Schwierigkeiten beim Verladen, Bewegungsschwächen und Taktfehler in den Griff bekommen. Geitner hat denkbar einfache Übungen entwickelt, die das Pferd dazu zwingen, Reize gleichzeitig mit beiden Augen zu verarbeiten und von beiden Seiten zu erfassen.

Diese Methode erinnert an EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) zur Behandlung des posttraumatischen Streßsyndroms beim Menschen. Beim EMDR folgt, ähnlich wie in der klassischen Orgontherapie, der Blick des Patienten dem Finger des Arztes, der vor seinen Augen hin und her geführt wird, während der Patient die auslösende Situation seines Traumas innerlich visualisiert. In der Orgontherapie wird zur weiteren Stimulierung des Augensegments eine Penlight-Taschenlampe benutzt.

In einem ganz anderen Zusammenhang kann man Augenpanzerung bei Hunden beobachten. Hunde sind uns gewisserweise näher als unsere nahsten genetischen Verwandten, die Schimpansen. Hunde können nämlich unseren Gesichtsausdruck weit besser deuten als jeder Menschenaffe.

Seit geraumer Zeit ist der Golden Retriever „Modehund“. Um die ungeheure Nachfrage zu decken, nimmt man es mit der Zucht nicht so genau, so daß vermehrt die Produkte von Inzucht auf den Markt kommen. Ein Kennzeichen der Inzucht sind neben körperlicher Krankheitsanfälligkeit psychische Auffälligkeiten, insbesondere die sogenannte „Retriever-Wut“, die man auch als “Mental lapse syndrome“ bezeichnet. In einem entsprechenden Forum heißt es dazu:

Die Sudden Onset Aggression äußert sich in plötzlicher und unvorhersehbarer anfallsartiger Aggression. Das Verhalten tritt völlig unprovoziert und unkontrollierbar auf. Die Hunde machen dabei einen abwesenden Eindruck und greifen Personen (…) an. Dabei erscheinen die Augen des Tieres häufig glasig und die Pupillen sind weit dilatiert.

Es ist extrem wichtig, ein Gefühl für okulare Panzerung zu gewinnen, da groteskerweise ausgerechnet sogenannte „Reichianer“ ganz besonders darunter leiden. Das liegt daran, daß in den sogenannten „Körperpsychotherapien“ oder gar „Körpertherapien“ die Panzerung des Augensegments vernachlässigt wird.

Resultat sind dann Menschen, deren Stirn unbeweglich ist und die, was besonders gruselig wirkt, kaum die Augenlider bewegen. Einer der lebensnotwendigen Grundreflexe!

Durch Zufall bin ich auf folgendes Video gestoßen. Eine interne Werbesendung der Sekte „Scientology“. Was dort gesagt wird, ist vollkommen gleichgültig (es geht um die Mobilisierung der Mitglieder). Wichtig sind nur die starren Augen. Es wirkt so, als wären diese Leute in einer ständigen Hypnose.

Dieser Ausdruck erinnert mich an die „Sehmänner“, wenn sie, lange vor dem Video- und schließlich Internetzeitalter, die Sexkinos und Sexshows auf Sankt Pauli verließen. Sie hatten genau den gleichen „Energiestau“ in den Augen, den gleichen Ausdruck. Es war sogar exakt das gleiche stagnierte und „schmutzige“ Gefühl, das ihr Augensegment vermittelte: DOR!

Hier ein weiteres Video, das Scientologen zeigt, bei denen diese „schmutzige“ okulare Panzerung extrem ausgeprägt ist. Interessanterweise sind sie auch voller schmutziger Gedanken:

Das traurige dabei ist, daß wir alle bis zu einem gewissen Grade an dieser Panzerung leiden. Der erste Schritt zur Freiheit besteht darin, sich dessen in sich selbst und bei seinen Mitmenschen bewußt zu werden. Kontakt!

Wie sich diese Panzerung von innen her anfühlt, beschreibt eine Frau, nachdem sie sich von Scientology befreien konnte, wie folgt:

Mir kommt es vor, als hätte ich bisher alles durch eine geriffelte Milchglasscheibe wahrgenommen, die sich plötzlich beiseite schiebt, was ich erst jetzt bemerke, wo sie verschwindet. Ich muß meinen Kopf richtig schütteln, aber es bleibt, wie es ist. Ich bin so verwundert, daß ich mich richtig umschauen muß. Alles ist wie vorher, und doch sieht auf einmal alles anders aus – klarer, deutlicher. Was war denn bloß los? Auch mein ganzer Körper fühlt sich anders an, konkreter, leichter, besser. (Anonymus: Entkommen. Eine Ex-Scientologin erzählt, Reinbek bei Hamburg 1993, S. 187)

Wir alle leben in einem derartigen depersonalisierten Trancezustand, in solch einer Nebelwelt, mit fremden, tauben, schweren Körpern. Es ist die gepanzerte, die kontaktlose Welt.

Seit einigen Jahren spritzen Schönheitschirurgen das altbekannte Nervengift Botulinus, um Gesichtsmuskeln lahmzulegen und auf diese Weise Falten zu beseitigen. Als willkommener Nebeneffekt stellte sich ein, daß bei den Klientinnen Kopfschmerzen verschwanden. Selbst bei hoffnungslosen Fällen von Migräne half das Botulinustoxin („Botox“). Die direkte Wirkung hält nur wenige Monate an, dann sind die neuro-muskulären Endplatten wieder toxinfrei und die Muskeln verkrampfen erneut, aber auch danach kehrten die Kopfschmerzen nicht oder nur in einem geringeren Umfang zurück.

In den letzten Jahren haben sich Forschungsergebnisse akkumuliert, die diese anekdotischen Berichte bestätigt haben. Seit 2011 wird Botox offiziell als Mittel gegen Migräne eingesetzt. Siehe dazu den Stern-Artikel mit der Überschrift „Bakteriengift löst verkrampfte Muskeln“.

Die New York Times meinte bereits 2003, es sei vielleicht übertrieben Botox, das ja auch ein von Bakterien stammendes Naturprodukt ist, als „das Penizillin des 21. Jahrhunderts“ zu bezeichnen, aber immerhin sei es denkbar breit einsetzbar: z.B. bei Gesichtszuckungen, Stottern, um Patienten mit verkrampften Stimmbändern ihre Stimme zurückzugeben, Tennisellenbogen, Karpaltunnel-Syndrom, Schreibkrampf; im Magenbereich zur Bekämpfung von Fettsucht und Geschwüren, Schmerzen im unteren Rückenbereich, Inkontinenz, Vaginismus; bei Lähmungen nach einem Schlaganfall und bei Klumpfüßen von Neugeborenen.

Tatsächlich ist Botox eine zweischneidige Sache.

Erstens bestätigt es erneut Reichs Theorie, daß emotionale und psychosomatische Störungen, etwa die Migräne, auf chronische Muskelverspannungen zurückgehen, die wir nicht willkürlich steuern können, sondern denen wir (ohne die Hilfe eines Orgontherapeuten) auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Andererseits zeigt der Schutzmechanismus Panzerung, daß wir einen funktionierenden Energieapparat haben. Im Endstadium der Krebserkrankung, die durch eine energetische Schrumpfung gekennzeichnet ist, und ganz allgemein beim Sterbensprozeß, hört die Energieproduktion auf und entsprechend löst sich auch unsere Panzerung auf. (Siehe dazu Reichs Der Krebs.) Gleichzeitig sind die Patienten bemerkenswert gelassen und angstfrei. Das, was sich auf den ersten Blick positiv anhört, ist eine Tragödie, denn sie bedeutet, daß das Leben in uns erstirbt: Tote haben keine Panzerung.

Wenn man sich die leeren, bewegungslosen, puppenhaften Gesichter von Hollywoodstars (angebliche Schauspieler!) und neuerdings sogar von Politikern anschaut, – es sind Totenmasken. Dort wo die Muskeln sich nicht mehr bewegen können, gibt es auch keine Emotionen mehr. Das Ende ist nahe, die Zombies übernehmen die Weltherrschaft!

Es gibt einen ganzen Kulturbereich, in der erstarrte Gesichtszüge seit jeher gang und gäbe sind:

In Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie habe ich kurz Hans Hass‚ „Expedition zum Menschentier“ beschrieben. Dabei stellte sich heraus, daß, je nachdem es sich um mehr oder weniger „wilde“ (bzw. „indigene“), domestizierte oder „verwestlichte“ Menschentiere handelt, insbesondere der Gesichtsausdruck signifikant unterschiedlich ist: ungepanzert und offen (wie in indigenen Gesellschaften), gepanzert und erstarrt (wie in den asiatischen Gesellschaften) oder gepanzert und manipulativ (wie in den „aufgeklärten“ westlichen Gesellschaften).

Ein internationales Psychologen-Team um Takahiko Masuda (University of Alberta, Edmonton) zeigte japanischen und amerikanischen Testpersonen Darstellungen von Gesichtern, die diese am Computer so manipulieren konnten, daß die Münder und die Augen unterschiedliche Gefühle ausdrückten. Dabei stellte sich heraus, daß für die Japaner der Augenausdruck, für die Amerikaner die Mundstellung das entscheidende Kriterium für den Gefühlsausdruck ist.

Der kulturelle Unterschied wird etwa anhand der „Emoticons“ deutlich: in Japan schreibt man nicht, wie auf der linken, sondern wie auf der rechten Seite:

japsmil

Takahiko Masudas Studien wurden durch Ryo Oda vom japanischen Nagoya Institute of Technology bestätigt.

Er fand mit Hilfe des so genannten „Vertrauensspiels“, daß unsoziale Einstellungen unmittelbar an der Mimik ablesbar sind. Bei Paaren von Probanden trat einer als Verteiler auf, dessen Aufgabe darin bestand, einen bestimmten Geldbetrag zwischen sich und seinem Partner aufzuteilen. Der Empfänger hatte die Option, das Spiel abzubrechen, wenn er kein Vertrauen in den Verteiler hatte. In diesem Fall erhielt der Empfänger vom neutralen Spielleiter einen relativ geringen Fixbetrag.

Oda hatte vorher per psychologischer Tests fünf reine Egoisten und fünf reine Altruisten ausgesucht, die als Verteiler agieren sollten, während 40 Studenten als Empfänger fungierten. Vor dem Spiel schauten sich die Studenten ein tonloses Video an, in dem sich die Verteiler vorstellten.

Im Schnitt brachten die Studenten den Altruisten mehr Vertrauen entgegen. Die beiden gegensätzlichen Charaktereigenschaften waren also an der Mimik erkennbar.

Oda hat (…) herausgefunden, daß freundlich gestimmte Altruisten öfter das Duchenne-Lächeln im Gesicht tragen. Dabei handelt es sich um das Gegenstück zum affektierten „Cheese!“ – ein natürliches, willentlich kaum kontrollierbares Lächeln, das eben nicht nur die Mundregion betrifft, sondern auch die Augen. Das könnte zumindest ein Anhaltspunkt sein, anhand dessen wir selbstlose und selbstsüchtige Menschen unterscheiden, vermutet Oda.

Asiaten haben die kulturspezifische Eigenheit, daß sie beim Interpretieren von Gesichtsausdrücken einseitig auf die Augen fixiert sind, weshalb es ihnen Schwierigkeiten bereitet emotionale Ausdrücke korrekt zuzuordnen. In den Augen ähneln sich die Ausdrücke für Angst und Überraschung sowie Ekel und Ärger so stark, daß Asiaten sie immer wieder verwechseln. Europäer hingegen haben keine Schwierigkeiten die unterschiedlichen Emotionen auseinanderzuhalten, weil sie ihren Blick gleichmäßig über das gesamte Gesicht schweifen lassen.

Funktionelle Medizin (Teil 2)

2. Mai 2014

Hier ein weiteres Beispiel für die funktionelle Medizin bzw. die Rolle der Funktion des Orgasmus in der Medizin:

Ein Wissenschaftsteam um den brasilianischen Forscher Luis Marin von der unabhängigen Universität Sao Paulo hat (…) eine äußerst unkonventionelle aber dennoch sehr einfache Linderung für das RLS (Restless-Legs-Syndrom) parat: Sex vor dem Schlafengehen soll den Mißempfindungen in den Beinen entschieden entgegentreten. Auch Selbstbefriedigung erfüllt seinen Zweck. Man mag es kaum glauben, aber diese Ratschläge haben sogar einen wissenschaftlichen Hintergrund: Beim Orgasmus schüttet der Organismus große Mengen des (…) „Glückshormons” Dopamin aus. Bei der medikamentösen Therapie wird es ebenfalls künstlich zugeführt. Ein Versuch ist es bestimmt wert.

Reich zufolge ist die Emotionelle Pest eine Biopathie, die z.B. mit der „kardiovaskulären Biopathie“ oder der „Krebsbiopathie“ verglichen werden kann. Alle „Biopathien“ gehen auf die Orgastische Impotenz zurück. Diese zeigt sich etwa darin, sich nicht auf die Arbeit konzentrieren zu können, im Ausbleiben lebenswichtiger Reflexe (wie etwa dem Brechreflex), vor allem aber in einer eingeschränkten Atmung. Jemand, der sich nicht hingeben (nicht konzentrieren) kann, der verkrampft ist und nicht voll durchatmen (buchstäblich nicht seufzen und stöhnen) kann – kann logischerweise auch keinen Orgasmus haben, wenn dieser Begriff irgendeine Bedeutung haben soll.

In Children of the Future (S. 71) scheibt Reich:

Die Energiequelle von pestilenten Reaktionen (Emotionelle Pest) ist vor allem sexuelle Frustration, verbunden mit starker Aggressivität.

Dies trifft weitgehend auch auf die kardiovaskuläre Biopathie zu (siehe Der Krebs, Fischer TB, S. 221).

Forscher der Harvard School of Public Health stellten bei „bösartigen alten Männern“ einen Zusammenhang zwischen dem Maß der Feindseligkeit und der Kapazität der Lungen fest. Rosalind Wright und ihre Kollegen hatten 1986 insgesamt 670 Männer mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren ausgewählt. Eine grundsätzlich feindselige Einstellung gegen die Umwelt wurde mittels der psychologischen „Cook-Medley-Skala“ erfaßt und mit der Luftmenge korreliert, die die Testpersonen in einer Sekunde ausatmen konnten. Nach 8 Jahren mit drei Testreihen stand fest, daß jeder Punkt mehr an Feindseligkeit einem Verlust von neun Millilitern Lungenkapazität entsprach. Bei jenen, die über die Jahre feindseliger wurden, verlief der altersbedingte Rückgang der Lungenkapazität schneller als bei denen, die ihr Verhalten nicht änderten oder gar besserten.

Eine US-Forschergruppe um den Psychologen Raymond Niaura hat in einer 3jährigen klinischen Studie an 774 älteren Männern festgestellt, daß eine feindselige Haltung gegen die Mitmenschen zu einem höheren Herzinfarktrisiko führt als Fettleibigkeit, Rauchen oder hohe Blutfettwerte.

Während die „kardiovaskuläre Biopathie“ durch Aggressivität gekennzeichnet ist, sind es bei der Krebsbiopathie Ängstlichkeit und Depressivität. Es gibt viele Studien, die diesen, erstmals von Reich dargelegten, Zusammenhang bestätigen. Ich verweise auf meinen Blogeintrag Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 11).

Als Ergänzung zu den dortigen Ausführungen hier die folgende norwegische Studie:

Ein Team um den Psychiater Arnstein Mykletun (Universität Bergen) fand bei einer Untersuchung von 62 591 Menschen, daß bei denjenigen, die nach einem Test als besonders ängstlich eingestuft worden waren, zwei Jahre später die Wahrscheinlichkeit einer Tumorbildung um 25% höher lag als unter den weniger ängstlichen. Über einen längeren Zeitraum, in der Studie waren es sechs Jahre, verdoppelt sich das Krebsrisiko beinahe.

Die Autoren dieser Untersuchung behaupten, daß man zuvor Depression nicht als einen bedeutenden Risikofaktor für Tumorbildung erkannt hatte, weil bei der Forschung nicht zu drei separaten Zeipunkten über eine Zeitdauer von sechs Jahren hinweg die Niedergeschlagenheit gemessen wurde, wie in der vorliegenden Studie.

Die neue Vorgehensweise erlaubte erstmals das Krebsrisiko von Menschen zu bestimmen, bei denen eine tiefe Melancholie über einen derartig langen Zeitraum andauert.

Tatsächlich zeigte sich, daß, wenn zu keinem der drei Zeipunkte während der sechsjährigen Studie Anzeichen für eine depressive Stimmung vorlag, sich das Krebsrisiko um weitere 50 Prozent reduzierte im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung.

Das ist jedoch nicht das erste Mal, daß Krebsentstehung mit depressiver Stimmung in Zusammenhang gebracht wurde. Eine Studie aus den 1980er Jahren fand , daß fast 10 Prozent von denjenigen, die 20 Jahre zuvor als depressiv eingeschätzt worden waren, inzwischen an Krebs gestorben waren, im Vergleich zu nur 5 Prozent derjenigen, die keine Anzeichen für Depression zeigten.

Andere Forschungsergebnisse zeigten, daß bei Menschen, die an Krebs erkranken, es wahrscheinlicher ist, daß sie vor dem Beginn der Krebserkrankung einen emotional einschneidenden Beziehungsabbruch hinter sich hatten. Auch jene, die weniger in den Familienverband eingebunden sind, werden demnach eher Krebs entwickeln.

Man fand auch, daß bei sozial isolierten Frauen, die Wahrscheinlichkeit an bestimmten Krebsarten zu sterben fünfmal höher liegt und es zweimal wahrscheinlicher ist, daß sie diese Krebsarten überhaupt entwickeln.

Unverheiratete Frauen haben eine signifikant höhere Todesrate bei Krebs als verheiratete Frauen.

biopathien

Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 11)

13. Oktober 2013

Reichs Mitarbeiter Myron R. Sharaf wies auf damalige Forschungsergebnisse hin, die u.a. zeigten, daß Frauen, die weniger sexuelle Befriedigung erlangen, wahrscheinlicher an Gebärmutterkrebs erkranken. Patientinnen mit Brustkrebs könnten nicht mit Wut und Aggressivität umgehen bzw. diese ausdrücken und seien ebenfalls sexuell gehemmt. Patienten, bei denen sich die verschiedenen Krebsarten rasch ausbreiteten, seien zurückhaltend, würden sich dauernd entschuldigen und seien schüchtern, während jene, bei denen die Krebstherapie anschlug, mehr aus sich herausgingen (Sharaf: „Priority in Reich’s Cancer Findings”, Orgonomic Medicine, 1(2), November 1955, S.145-150).

In den letzten Jahren ist es um die „Psychoonkologie“ sehr still geworden. Wikipedia faßt die Situation wie folgt zusammen:

Die Psychoonkologie als Wissenschaft begann in den 70er Jahren zunächst mit der Untersuchung von psychosozialen Faktoren, die für die Entstehung einer Krebserkrankung mitverantwortlich sein sollten (Psychoimmunologie). Bekannt geworden ist in diesem Kontext die in den 1980er Jahren postulierte Behauptung, derzufolge das Krebsrisiko hoch mit bestimmten Persönlichkeitszügen korreliere, die sich im „Persönlichkeitstyp C“ verdichten. Der „Typ C“ repräsentiert unselbständige und überangepaßte Menschen, die antriebsgehemmt, defensiv und depressiv erscheinen und nicht in der Lage sind, ihre Gefühle angemessen auszudrücken. Inzwischen ist das Konstrukt der „Krebspersönlichkeit“ von der Wissenschaft weitgehend verworfen, erfreut sich aber dennoch im Alltagsdenken recht großer Popularität und wird nach wie vor auch von einzelnen Wissenschaftlern verfochten – zumeist ohne fundierte systematische Belege.

Heutzutage ginge es in der Psychoonkologie in erster Linie um die Folgen der Krebserkrankung für die Psyche.

Als Beispiel für das „überholte“ Denken erinnere ich nur an das Buch von Gerald Pohler Krebs und seelischer Konflikt aus dem Jahre 1988 (2. Auflage 1989), dessen abschließendes Kapitel Reichs Krebstheorie behandelte, nachdem vorher die „Krebspersönlichkeit aus tiefenpsychologischer Sicht“ beschrieben wurde.

Wie gesagt, ist davon heute so gut wie nichts mehr zu hören. Um so interessanter ist eine Studie der Kanadierin Jillian Satin von der University of British Columbia, Vancouver. Satin und ihre Kollegen haben 26 Studien analysiert, in denen insgesamt 9417 Krebspatienten (mit unterschiedlichsten Tumorarten) untersucht worden waren. Speziell ging es um den Einfluß einer Depression auf den Verlauf der Krebserkrankung und die Todesrate.

„Wir fanden eine erhöhte Todesrate bei Patienten, die von depressiven Symptomen berichten. Desgleichen bei Patienten, bei denen eine depressive Störung diagnostiziert worden war im Vergleich zu Patienten, bei denen das nicht der Fall war“, sagte Satin. Zusammengefaßt war in den Studien die Mortalität um bis zu 25 % bei Patienten höher, die depressive Symptome zeigten, und um 39 % höher bei denen eine Major oder Minor Depression [endogene Depression oder depressive Neurose] diagnostiziert worden war.

Diese Ergebnisse hatten Bestand, wenn man andere klinische Daten, die die Mortalität beeinflussen konnten, berücksichtigte. Demnach kann eine Depression die Überlebenszeit eines Krebspatienten verkürzen.

Unzweifelhaft ist Reich Ahnherr der modernen Psychoonkologie (Pohler: Krebs und seelischer Konflikt, S. 13). Tatsächlich ist die psychosomatische Vorstellung der Krebserkrankung älter als die rein körperliche (Ekkehard Ruebsam: „Emotionale Blockierung und Krebs“, emotion 2, 1981, S. 57), trotzdem galt Krebs bis vor kurzem als rein somatische Erkrankung (Bernd A. Laska: Wilhelm Reich, rororobildmono, S. 115). Siehe auch Chester M. Raphaels Bemerkung über die moderne „Doktrin der spezifischen Ätiologie“:

Ein großes Hindernis für das Verständnis der Reichschen Krebstheorie ist die vorherrschende mechanistische Art, Krankheiten zu begreifen. Vor gar nicht langer Zeit, tatsächlich vor weniger als hundert Jahren, schrieb man Krankheiten den Wechselwirkungen vieler Variablen im Individuum und seiner Umgebung zu. Beginnend mit den Forschungen Pasteurs und Kochs entstand jedoch die „Doktrin der spezifischen Ätiologie“, nach der eine Krankheit durch einen spezifischen Faktor verursacht ist, z.B. durch ein Bakterium, einen Virus oder einen Hormonausfall. Die moderne Medizin basiert auf dieser mechanistischen Sichtweise, und diese ist es auch, die gegenwärtig durch die großzügigen staatlichen Fonds zur Krebsforschung unterstützt wird. Die Begeisterung für den mechanistischen Ansatz gründet sich auf Wissen, daß durch einen einzelnen isolierten Faktor bei einem Versuchstier eine Krankheit hervorgerufen werden kann und daß ein mechanisches Verfahren oder eine chemische Substanz, die oft durch einen glücklichen Zufall entdeckt wird, bei der Behandlung von Krankheiten helfen kann. Es gibt prominente Wissenschaftler, die diesen Ansatz beim Krebs ablehnen und die versichern, daß die Suche nach einem spezifischen kausalen Faktor fruchtlos ist. Trotzdem geht die Suche weiter. (Raphael im Vorwort zu Der Krebs, Fischer TB, S. 10)

Gerald Pohler schreibt zu Reichs psychosomatischer Krebstheorie: „Damit hat Reich wieder einmal Befunde vorweggenommen, die in der gegenwärtigen Psychoonkologie immer wieder erwähnt werden“ (Pohler: Krebs und seelischer Konflikt, S. 101).

„Der Krebs ist“, so Reich, „eine Sexualbiopathie (Sexualhungerkrankheit)“ (Der Krebs, S. 217). Durch mangelnde Lebensfreude erlischt der Lebensfunke in dieser „Lusthungerseuche“ (ebd., S. 260). In der traditionellen Krebs-Therapie wird dies allenfalls angegangen mit Bekämpfung des Tumors durch Sexualhormone („Orgonomic and Chemical Cancer Research – A Brief Comparison“, Orgone Energy Bulletin, 2(3), July 1950, S. 139-142).

Die biopathische Kontraktion tritt am eindeutigsten in der Atemsperre hervor (Der Krebs, S. 170f). Diese schlechte äußere Atmung hat dann auch eine schlechte Gewebeatmung zur Folge (ebd., S. 174f). Dabei konnte Reich lückenlos an die Forschung des Nobelpreisträgers Otto Warburg anschließen (David Boadeall: Wilhelm Reich, Scherz Verlag, S. 196).

Reich beschreibt, wie er die Atemsperre einer Krebspatientin beheben will (Der Krebs, S. 193). Durchbricht man bei einer Stauungsneurose die Atemsperre, kommen starke Erregungen an die Oberfläche, nichts dergleichen bei der Krebsbiopathie, bei der es auch nach Lösung der Atemsperre zu keinerlei Affektäußerungen kommt (ebd., S. 223).

Es gibt Schichten des Lebensapparates verschiedener Tiefe um den biologischen Kern herum. Es gibt höhere und tiefer gelegene Schichten im Biosystem. Es gibt demzufolge oberflächliche und tiefergreifende Störungen der Körperfunktion. Eine akute Atemstörung wird dem Kern des Biosystems nichts anhaben. Eine chronische Atemstörung durch Inspirationshaltung wird chronische Angst erzeugen, aber die biologische Zellplasmafunktion nicht berühren, solange die bioenergetischen Funktionen in den Zellen selbst weitergehen, solange der Organismus weiter kräftige Impulse produziert. Ist aber die Impulsproduktion in den Zellen selbst getroffen, hat die periphere charakterliche Resignation das Zellplasmasystem erfaßt, dann haben wir es mit dem Prozeß der biopathischen Schrumpfung zu tun. (Der Krebs, S. 224)

Im ganzen führt Gerald Pohler sechs Punkte an, in denen Reich die heutige Psychoonkologie vorweggenommen hat:

  1. Der Tumor ist zeitlich späterer Ausdruck einer tieferliegenden Krankheit.
  2. Tumorbeseitigung alleine ist keine Heilung, sondern nur eine symptomatische Therapie.
  3. Heilung ist nur dort möglich, wo es zu einer Persönlichkeits- bzw. Verhaltensänderung kommt.
  4. Es gibt einen Zusammenhang von „charakterlicher Resignation“ (Depression) und der Tumorentstehung.
  5. Die „Krebsdisposition“ ist durch den „Charakterpanzer“ bzw. muskuläre Verspannungen, die schon in der frühesten Kindheit entstehen können, mitbedingt.
  6. Persönlichkeitsmerkmale, wie sie Reich für Krebskranke beschrieb, wurden später bestätigt. (Pohler: Krebs und seelischer Konflikt, Frankfurt 1989, S. 115)

Zusammenfassend kann man sagen, daß sich die Reichsche Herangehensweise an den Krebs in sechs Punkten von der traditionellen unterscheidet: er untersuchte lebendes Gewebe unter extrem hohen Vergrößerungen und entdeckte so die Zwischenstufen in der Entwicklung der Krebszellen, ging das Problem grundsätzlich von seinen Grundlagen an (Biogenese) und betrachtete den Krebs aus der Warte des Gesamtorganismus (Der Krebs, S. 254).

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