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Die Zukunft der Orgonomie (Teil 2)

18. Oktober 2014

Die Zukunft der Orgonomie ruht auf vier Pfeilern, von denen gegenwärtig alle vier brüchig, wenn überhaupt vorhanden sind:

  1. Orgontherapie: Ohne sie ist alles, was „innerhalb“ der Orgonomie getan wird, vom individuellen Charakterpanzer geprägt und damit kontraproduktiv. Konkret bedeutet dies, die Beiträge sind entweder mystisch oder mechanistisch entartet. Leider gibt es in Europa kaum Therapeuten.
  2. Orgonenergie-Akkumulator: Es ist eine der Tragödien der Orgonomie, daß beispielsweise in den 45 Jahren, in denen das Journal of Orgonomy erschienen ist, kein einziger Artikel über die therapeutische Anwendung des Orgonenergie-Akkumulators erscheinen konnte. Das geschah nicht nur aus Angst vor der FDA (der amerikanischen Bundesgesundheitsbehörde), sondern vor allem wegen der Befürchtung, aus der Arzthaftpflichtversicherung geworfen zu werden und damit die Approbation zu verlieren. Mit der Obama-Gesundheitsreform und der damit einhergehenden zusätzlichen Bürokratisierung kann die Situation nur noch schlimmer werden. Aus diesem Grund liegt die Zukunft der Orgonomie eher in Europa – solange das die EUdSSR noch zuläßt.
  3. Soziale Orgonomie: Ohne Studium und Handhabe der Emotionellen Pest ist die Orgonomie der Irrationalität der gepanzerten Menschen schutzlos ausgeliefert. Zu Reichs Zeiten waren es vor allem die konservativen Kräfte, die sich den Zielen der Orgonomie entgegenstellten (d.h. vor allem dem humanen Umgang mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen), heute sind es fast ausschließlich die sogenannten „progressiven“ Kräfte, die im Wege stehen. Beunruhigenderweise ist Europa in den letzten Jahrzehnten in einem Maße nach links gerückt, daß Ideologie alles bestimmt und Vernunft kaum noch eine Chance hat.
  4. Physikalische Grundlagenforschung: Hier gibt es zwei Probleme. Erstens erzwingt der gegenwärtige wissenschaftliche Standard einen derartigen Aufwand, daß eine Finanzierung zunehmend schwieriger wird. Ohne diese Anstrengung wäre orgonomische Forschung aber kaum mehr als Selbstvergewisserung. Zweitens ist die atmosphärische Orgonenergie seit Reichs Zeiten dermaßen geschädigt worden (ORANUR), daß die orgonotischen Phänomene immer schwerer dingfest zu machen sind. (Das energetische Absterben der Atmosphäre betrifft natürlich auch die drei ersten Punkte!)

Die Lage scheint ausweglos zu sein, doch das Schöne an der Orgonomie ist, daß jeder in jedem beliebigen Moment etwas Konstruktives tun kann. Man kann seine eigene Panzerung dadurch angehen, daß man sie zunächst einmal spürt. Man kann immer und überall die Orgonenergie beobachten. Man kann sich der Irrationalität in seiner Umgebung entgegenstellen. Und vor allem kann man sich bemühen, so funktionell wie nur irgend möglich zu leben. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlagen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen!

Alles hängt von den „Massen“ ab – alles hängt von uns ab. Jeder Erwachsene trägt die Verantwortung für sein Leben und die Umstände, unter denen er lebt.

Die Orgontherapie ist so zentral wichtig, weil ohne Orgontherapie alles nichts ist! Deshalb erscheinen in der Zeitschrift für Orgonomie vorerst fast ausschließlich Texte zur Orgontherapie.

Betrachten wir dazu das Emblem der Zeitschrift. Historisch geht es auf die zu Reichs Lebzeiten von Elsworth F. Baker herausgegebene Zeitschrift Orgonomic Medicine zurück, deren Symbol eine Äskulapschlange war, die sich um das Symbol des orgonomischen Funktionalismus schlängelte (siehe hier). Als Baker diese Zeitschrift 1968 unter neuem Titel fortführte (The Journal of Orgonomy), gesellte sich zur Schlange, die die Medizin symbolisiert, der Blitz als Symbol der Physik. Die neue Zeitschrift sollte nämlich auch die von Reich herausgegebene Zeitschrift CORE ersetzen, in der es vor allem um Orgonbiophysik gegangen war. Insgesamt symbolisiert das Emblem der Zeitschrift für Orgonomie die drei Hauptbereiche der Orgonomie: Medizin (Schlange), Physik (Blitz) und Kosmologie (Spiralgalaxie).

Entsprechend wird die Orgonomie in den drei Bänden von Die Entdeckung des Orgons beschrieben: Bd. 1: Die Funktion des Orgasmus, Bd. 2: Der Krebs und der nie abgeschlossene dritte Band über die orgonomischen Funktionalismus, dessen geplanter Inhalt sich aus Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung in etwa erschließen läßt.

Nochmal: Warum ist dann die Orgontherapie so überproportional wichtig? Weil –, um mit Kant zu sprechen: „Die Welt erscheint nicht so, wie sie ist, sondern so, wie ich bin.“ Bin ich gepanzert, ist alles nichts! Oder anders gesagt: Es müssen in Deutschland erst eine „kritische Masse“ an Menschen eine Orgontherapie durchlaufen haben, ehe man sich sinnvoll mit etwas anderem als der orgonomischen Medizin beschäftigen kann!

Und hier geht es wirklich um die Orgontherapie, nicht irgendeine „Körperpsychotherapie“ oder eine vom American College of Orgonomy nicht autorisierte angebliche „Orgontherapie“!

In einem Kalender habe ich folgenden Spruch des Schweizer Jesuiten und Zen-Meisters Niklaus Brantschen gefunden: „Wie ich gehe, so geht es mir; wie ich stehe, so steht’s um mich; wie ich laufe, so laufen die Dinge bei mir.“ Kant wird hier sozusagen „verkörpert“. Im Kommentar wird auf alltägliche Sprüche verwiesen wie „Laß den Kopf nicht hängen!“, „mit stolzgeschwellter Brust“, „Trag die Nase nicht so hoch!“

Das bedeutet aber nicht, daß die Orgontherapie eine „Körpertherapie“ ist. Ganz im Gegenteil!

Reich hat seinem Mitarbeiter Myron Sharaf gesagt: „Es sollte möglich sein, Orgontherapie durchzuführen, ohne den Patienten zu berühren, nur mit Reden“ (z.n. Sean Haldane: Pulsation, London 2014, S. 199).

Und Baker hat geschrieben:

Manchmal kann man Gefühle freisetzen und manchmal läßt das Festhalten nach, wenn man dem Patienten beschreibt, was er ausdrückt oder was er tun möchte, oder wenn man ihm einen Spiegel vorhält oder durch verständnisvolle Worte und nicht durch direkte Bearbeitung der Muskeln. Ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn man nur genug wüßte und aufmerksamer wahrnähme, könnte man die Therapie ganz und gar auf diese Weise durchführen. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 91)

Noch etwas: Die Orgonomie wird in Deutschland nur eine Zukunft haben, wenn die Orgontherapie hier eine Zukunft hat. Mehr: die Orgonomie wird nur in Deutschland eine Zukunft haben. Oder anders ausgedrückt: hat Deutschland keine Zukunft, hat auch die Orgonomie keine Zukunft.

deutschorg

Die Zukunft der Orgonomie (Teil 1)

17. Oktober 2014

Es gibt zwei Wege der Orgonomie in die Zukunft:

  1. Expansion durch Diffusion,
  2. Expansion durch Konglomeration.

Die vielleicht radikalste Vertreterin des ersten Ansatzes war Eva Reich, die kaum Grenzen kannte, wenn es darum ging, den Namen „Wilhelm Reich“ vor dem Vergessen zu bewahren. Alles, was auch nur annähernd an Reichs Intentionen erinnerte, wurde von ihr unterstützt. Man lese etwa das vielleicht lächerlichste Reich-Buch, das je erschienen ist: Wilhelm Reich. The Man who Dreamed of Tomorrow. Das Vorwort stammt von Eva Reich. Wäre ihr die Führung der Orgonomie nach Reichs Tod zugefallen, gäbe es heute nicht vielleicht zweidutzend medizinische Orgonomen, sondern Tausende. Tatsächlich gibt es sie ja auch heute, aber das Resultat wäre genau das, was man heute beobachten kann: eine Verwässerung der Orgonomie bis zur Unkenntlichkeit und eine massive Schädigung von Patienten im Namen der „Orgonomie“. Ich habe das alles bis zum Überdruß in den verschiedensten Blogeinträgen und in meinen Buchbesprechungen erläutert (siehe den obigen Link).

Die Gegenposition hat Elsworth F. Baker verkörpert, der selbst noch erstaunlich „liberal“ war, und sie hat sich durch Charles Konia weiter zugespitzt. „Qualität statt Masse“ wäre das naheliegende Stichwort, aber es geht bei näherer Betrachtung um mehr.

Es ist nicht einfach der Gegensatz von Expansion und Kontraktion, sondern es umfaßt etwas, was in dieser Gesellschaft, die vom Kult der Expansion geprägt ist, immer seltener vorkommt: das Vorbereiten auf einen Schwung nach vorne. Erfinder werkelten jahrelang vor sich hin, bis man beispielsweise Gummi dergestalt aufbereiten konnte, daß etwas wie Autoverkehr möglich wurde. Heute ist die Gummifertigung ein gigantischer Industriezweig, den man sich unmöglich wegdenken kann.

Damit so etwas möglich ist, braucht es unendlicher Geduld, Disziplin und Konzentration auf das Wesentliche. Man denke nur mal daran, welch ein Aufwand es ist, ein Instrument zu erlernen oder ein international anerkannter Virtuose zu werden. Dem geht jahrelanges Klimpern in den eigenen vier Wänden und viele Semester im Konservatorium voran. Welche Opfer es kostet, die höhere Mathematik mit leichter Hand zu beherrschen oder eine fremde Sprache so gut zu sprechen wie ein Muttersprachler! Es ist alles ein langwieriges Zuschleifen eines Rohdiamanten.

Genau das läßt sich auf die Orgonomie übertragen. Es bringt nichts, rein gar nichts, wahrheits- und freiheitskrämerisch Versatzstücke der „Reichschen Lehre“ zu verbreiten und aus deren Vertretern eine breite „Bewegung“ bilden zu wollen:

  1. käme am Ende doch nur die neumodische Beliebigkeit zum tragen und die Orgonomie würde sozusagen den „Wärmetod“ erleiden.
  2. bestünde im Falle einer schnellen Überexpansion die Gefahr, daß alles schließlich nur noch schneller implodiert und sich in nichts auflöst. Man denke nur daran, wie vor wenigen Jahrzehnten Teilhard de Chardin wirklich in aller Munde war. Heute ist er weniger als bedeutungslos. Die Orgonomie darf zu keiner Modeerscheinung werden, wie sie es zeitweise zu werden drohte (Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre)! Prompt wäre die heillos überexpandierte Orgonomie damals beinahe verpufft. (Es hätte nicht viel gefehlt und 1957 wäre Schluß gewesen.)
  3. muß es eine Instanz geben, die mit einiger Autorität bestimmen kann, was Orgonomie ist und was nicht. Diese Aufgabe wird durch eine Überexpansion verunmöglicht.

Wenn die Orgonomie die objektive Wahrheit vertritt, wird es über kurz oder lang zu einem plötzlichen Pusch nach vorne kommen, ähnlich wie die erwähnte Gummiindustrie förmlich explodiert ist, nachdem ein gewisser Entwicklungsstand erreicht war und die Umweltbedingungen (insbesondere die Entwicklung des Autos) entsprechend gediehen waren. In diesem Sinne muß sich die Orgonomie konsolidieren, beispielsweise was die Ausbildung von medizinischen Orgonomen betrifft oder die Ausformulierung der Orgonometrie. Das würde durch eine verfrühte Expansion weitaus schwieriger, wenn nicht sogar verunmöglicht werden.

Die orgonenergetischen Hintergründe dieser Funktionen wurden bereits an anderer Stelle beschrieben. Ein naheliegendes Beispiel ist der Geschlechtsakt mit seinem langen „Mahlen“ (den Friktionen), was zum plötzlichen „Schwung nach vorn“ (dem Orgasmus) führt. Dies polymorph-pervers immer weiter auszubreiten und zu variieren, hintertreibt den geregelten Energieablauf, obwohl „mehr Lust“ und eine „höhere Befriedigung“ versprochen werden. In den Bereich der Arbeitsfunktion übertragen, geschieht in der Orgonomie heute genau dasselbe: Wilhelm Reich gegen Theodoor Hendrik van de Velde (der Oswald Kolle der 1920er Jahre). Es ist der Gegensatz zwischen der konservativen und der liberalen Orgonomie. Um zu wissen, auf welcher Seite Reich stand, lese man seine Korrespondenz mit A.S. Neill Zeugnisse einer Freundschaft.

Worum es geht, wird auch durch die beiden folgenden Skizzen deutlich. Die liberale Orgonomie expandiert, erkauft dies jedoch durch eine innere Aushöhlung. Die konservative Orgonomie kontrahiert, was zu einer zunehmenden Isolation („äußeren ‚Aushöhlung‘“) führt:

expkontrak

Gegenorgonomie (Teil 2)

24. September 2014

Bereits Reich selbst mußte mit der sich formenden „Gegenorgonomie“ ringen. Beispielsweise hat er sich vehement gegen die „Urreichianer“ Paul Ritter und David Boadella gewehrt.

Reich zitiert in seinem Orgone Energy Bulletin (Vol. IV) den Partisan Review (1952):

An der Universität (…) wurde Billie (…) in die avangardistische Welt von Rimbaud und Wilhelm Reich eingeführt.

An der gleichen Stelle bespricht Reich das Buch Faces in the Crowd (1952) von David Riesman:

Eine der Personen, die er untersucht, ist ein heranwachsender Junge, der ein „Reichianer“ ist. (…) Es hat (…) seinen Wert für die Beschreibung wie der „Reichianismus“ sich einem heranwachsenden Jungen darstellt und fügt eine weitere Illustration in bezug auf die Verdrehung der Sexualökonomie durch die Leute hinzu.

Baker schrieb Anfang der 60er Jahre:

Nur die „abscheulichste Entstellung“ orgonomischer Wahrheit (…) könnte [Reichs] Arbeit, seine Denkweise und seine Hoffnungen für die Menschheit mit denen moderner Liberaler, Linker und Beatnik-Bohemiens gleichsetzen, die auf die eine oder andere Weise versucht haben, sich mit der Orgonomie zu identifizieren. (Der Mensch in der Falle)

Zu diesen Leuten gehörten William Burroughs (Yage Letters), Ed Sanders und Tuli Kupferberg (The Fugs), Paul Goodman, Norman Mailer („Der apokalyptische Orgasmus.“ „Jazz ist Orgasmus.“) und viele andere.

In dem Film WR – Die Mysterien des Organismus (1971) von Dusan Makevejew, der ein polymorph-perverses Bild der Orgonomie präsentiert, war der genannte Tuli Kupferberg zu sehen. Helmut Salzinger (Rock um die Uhr, Head Farm, Odisheim 1982) zitiert ihn wie folgt:

„Ich sage (…) das Ziel der Revolution ist die Abschaffung der Onanie.“ Und seine Version der Internationale heißt „Intersexionale“ (…) „Es sind die kranken und sexlosen Seelen, die den Krieg verursachen,“ sagt Kupferberg und bringt damit die Lehre des Psychoanalytikers und abtrünnigen Freud-Schülers Wilhelm Reich auf einen einzigen Satz.

Für Reich war, wie er einmal seiner zeitweiligen Sekretärin Lois Wyvell sagte, Jazz und Rock „Ficker-Musik“.

Die englische Gruppe Hawkwind sang auf der 1973 erschienenen LP Masters of the Universe über einem entsprechend treibenden Baß-Riff in ihrem Song Orgone Accumulator:

I’ve got an orgone accumulator and it makes me feel greater.

Mag sein, daß hier Boadellas Einfluß im Swinging London zum Tragen kam. Wie vielleicht auch im autobiographischen Buch Groupie (1969) von Jenny Fabian, wo einer auftritt, der Wilhelm Reich studierte, „Vorlesungen über ihn“ belegt, einen ORAC gebastelt hat und verzweifelt versucht, sie klitoral orgasmisch zu machen.

1975 hat die Para-Punk-Sängerin Patti Smith den Song Birdland veröffentlicht, der, inspiriert durch Peter Reichs Erinnerungen an seinen Vater in A Book of Dreams (deutsch Der Traumvater, München 1975), von Wilhelm Reich und UFOs handelte.

Zehn Jahre später wurde die Pop-Sängerin Kate Bush durch das Buch zu ihrem Song Cloudbusting inspiriert. Im dazugehörenden Videoclip ist Donald Sutherland als Reich zu sehen, der mit seinem Sohn Peter an einem schrullig-viktorianischen Ding herumhantiert, das entfernt wie ein Cloudbuster aussieht. Schließlich wird er von Regierungsbeamten wegen dieser Tätigkeit verhaftet. Eingebaut in die Szenenfolge ist ein Exemplar von A Books of Dreams und ein Foto von Reich und Peter zu sehen.

Es geht wohl noch an, wenn sich Neurotiker gegenseitig quälen, aber leider wird es immer offensichtlicher, daß die menschliche Struktur für die Aktivitäten der Reichianer ein viel zu beschränktes Feld ist. Es beginnt mit medizinischen Quacksalbern und endet bei Cloudbuster-Dilettanten, die die atmosphärische Situation nur verschlimmern und ganze Landschaften gefährden!

Man sollte nie aus den Augen verlieren, daß der Reich-Cloudbuster das machtvollste Instrument der Orgonomie ist und daß die Orgonenergie der Ursprung aller anderen Energiearten, einschließlich der Nuklearenergie, ist. Der Orgoningenieur hantiert mit der größten Macht, die je dem Menschen zur Hand gereicht wurde. Jeder Orkan, der von einem Cloudbuster-Operateur umgelenkt wird, hat mehr Energie als Hunderte von Atombomben.

Dem Reichianischen Magazin emotion (Nr. 3, 1981) habe ich den folgenden Ausschnitt aus einem Interview mit den französischen Reichianern Roger Dadoun und Gerard Ponthieu (dem Directeur de la Publication der eingegangenen Reichianischen Zeitschrift La Revue Sexpol) entnommen. Er handelt von einer Cloudbuster-Operation ihres „Laboratoire d’Orgonomie Generale“ (später „Laboratoire d’OrthoGenetique“):

In Frankreich existiert eine Gruppe, die mit den „Cloudbustern“ (von Reich entwickelte Geräte zur Beeinflussung des Wetters [natürlich hat er sie entwickelt, um DOR zu beseitigen, PN]) arbeitet. Vergangene Woche war ich mit diesen Leuten zusammen in der Provinz, auf dem Land, um diese Geräte einzusetzen. (…) Dreimal hat es funktioniert, aber klimatologisch hat es Probleme gegeben. Der Himmel war zu geladen. Die atmosphärische Zusammensetzung hat sich sehr stark verändert aufgrund der sogenannten atomaren Experimente. Das gleiche trifft auch für die Orgonenergie zu. [sic!] Die Radioaktivität ist so stark geworden, daß es immer schwieriger wird festzustellen, wann man damit operieren kann. In einem bestimmten Augenblick gab es ein solches Unwohlsein um diesen „Cloudbuster“ herum, daß man die gesamte Arbeit unterbrechen mußte. Obwohl man in diesem konkreten Fall nicht von Radioaktivität sprechen konnte, denn die Geigerzähler zeigte keinen wesentlichen Ausschlag. […] Der Himmel war zu beeinträchtigt, um eine Serie von interessanten Experimenten machen zu können. Außerdem braucht man eine ganze Anzahl von „Cloudbustern“. Das war ja immer der Ausgangspunkt von Reich, mehrere von diesen Geräten zu haben, um interessante Experimente machen zu können. Das war bei uns nicht der Fall.

Wozu gebraucht man einen Cloudbuster eigentlich, wenn nicht die atmosphärische VerDORung einen dazu zwingt?! Und ist es in diesem Zusammenhang wirklich angebracht von „interessanten Experimenten“ zu sprechen?

Im Reichianichen Magazin Wilhelm Reich Blätter erschien 1980 (Heft 3) die folgende Anzeige:

Suche erfahrenen Partner für Cloudbuster-Versuche im August 1981 auf Formentera (Balearen). Unterbringung geregelt.

In einem nicht datierten Brief an „die Unterstützer des Life Energy Action and Research Network“ (das das eingestellte International Journal of Life Energy herausgab) wurde das folgende bekanntgemacht:

Obwohl wir zur Zeit nicht publizieren, ist LEARN immer noch eine Organisation für Reichianische Forschung. Diesen Sommer [1981] hoffen wir zur Kontrolle des Wetters [mit dem Cloudbuster] zu kommen.

Es gibt kein größeres Verbrechen als das Herummanipulieren an den uns allen gemeinsamen Quellen des Lebens. Doch genau dies wird Tag für Tag von diesen Reichianischen Autoritäten angestrebt. Und mit was für einer Grundeinstellung!

Der Berliner „Künstler“ Christoph Keller hat 2003 in New York „Wilhelm Reichs Regenmacher-Maschine“ „reaktiviert“.

Keller habe den Cloudbuster „rekonstruiert“ und in den letzten Monaten „Experimente“ auf den Dächern von New Yorker Wolkenkratzern durchgeführt.

Wie es der Zufall will, trafen seine Experimente mit einer nahezu präzedenzlosen Schlechtwetterperiode zusammen. (…) Keller erinnert mit der Wiederaufführung der „Cloudbuster“-Experimente daran, daß der Himmel (…) wie das unterdrückte Unterbewußte anmutet, das es mittels angewandter Orgonpraxis zu entladen, ja, zu befreien galt.

Diese zwei Teile über die „Gegenorgonomie“ waren eine geradezu lächerlich oberflächliche Skizze des Phänomens „Reichianismus“. Vertieft wird das in der umfangreichen Sammlung meiner Rezensionen „Reichianischer Bücher“.

Ist die Orgonomie ein Kult?

21. November 2012

Daß man es bei „Reichianern“ mit der Emotionellen Pest zu tun hat, zeigt sich daran, daß immer, wenn man Reichs Einsichten klar und deutlich formulierte, sofort hämisch konstatiert wurde, die Darstellung sei viel zu „holzschnittartig“, würde diesen oder jenen Aspekt außer acht lassen, würde der und der Einsicht Reichs widersprechen, stimme nicht mit neueren Erkenntnissen überein, „Nachfolger Reichs“ hätten Ansätze formuliert, die man berücksichtigen müsse, etc. pp. Oder mit anderen Worten: als Student der Orgonomie stand man immer als engstirniger Idiot da, über den man wissend lächeln konnte.

Einer der ersten, der diese Taktik angewendet hat, war Anfang der 1960er Jahre Charles Kelley: jeder Student der Orgonomie, der klar denken konnte, wurde als Anhänger eines orgonomischen „Kults“ abgetan. Das hatte bei unterschiedlichen Leuten unterschiedliche Aspekte. Die einen bestanden darauf, daß doch „therapeutischen Neuerungen“, wie denen Alexander Lowens, Raum gegeben werden sollten, die anderen kamen mit irgendwelchen theoretischen Neuerungen (etwa der erwähnte Kelley mit seiner „Radix-Theorie“) und schließlich sind da natürlich die Pseudomarxisten, deren Arroganz genauso groß war wie ihre Ignoranz.

Und das, obwohl die „Reichianischen“ Therapien nachweislich nur Schaden anrichten und die theoretischen Ergüsse nichts anderes als wirres Zeugs sind, nach dem schon bald kein Hahn mehr kräht. Da wird uns die Wiedereinführung mechanistischer und gar mystischer Konzepte als Weiterentwicklung des Reichschen Funktionalismus verkauft. Das Beharren auf einer funktionellen Ordnung wird hingegen als „Dogmatismus“ denunziert und der Mahner als gefährlicher Sektierer gebrandmarkt.

Unter dem Deckmantel von Aufklärung, Offenheit und Objektivität versuchen sie schlichtweg Reichs Lebenswerk ungeschehen zu machen. Jeder, der konsequent orgonomisch arbeitet, wird von diesen „Reichianern“ als „Fundamentalist“, „Faschist“ und ähnliches gebrandmarkt.

Wie stets ist in solchen Anwürfen immer auch ein rationales Moment zu finden. Man will nicht in ein sektiererisches Denken hineingezogen werden. Wie etwa bei den Stalinisten, Nationalsozialisten, Islamisten oder Scientologen, die unsere gewöhnliche Begrifflichkeit vollkommen auf den Kopf gestellt haben: „Barmherzigkeit“ etwa steht da für unmoralische „Schwäche gegenüber dem Feind“. Genauso könnte die Orgonomie, bzw. das, von dem Leute wie ich behaupten, es sei „die Orgonomie“, langsam aber sicher alle Begriffe umdeuten und so die Leute „umdrehen“.

Meines Erachtens gibt es aber zwischen der Orgonomie auf der einen Seite und, nur als Beispiel, der Anthroposophie auf der anderen Seite einen gewaltigen Unterschied: die Anthroposophie arbeitet, etwa in der Eurhythmie, explizit gegen die „Ausdruckssprache des Lebendigen“, während die Orgonomie dem Lebendigen keinerlei Gewalt antut. Und da die Sprache, jedenfalls die einfache Volkssprache, eine direkte Fortführung der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ ist, tut sie auch der Sprache keine Gewalt an. Und – wie Reich es ausdrückt – :

Meine Schüler verstehen (…) mich. Ich bringe das in Worten zum Ausdruck, was sie immer schon gedacht haben. (American Odyssey, S. 41)

Ein Freund von mir, der in den 1970ern „politisch aktiv war“, sagte einmal resigniert, als sich erneut eine Therapeutengruppe von einer der großen orgonomischen Organisationen abgespalten hatte: „Das ist exakt genauso wie in den sektiererischen Fraktionskämpfen damals zur Hochzeit der linken Bewegung in der BRD!“ Zeugen derartige Abspaltungen nicht davon, daß die Orgonomie auch nur ein Kult ist? Wissenschaftlich drapierte Ideologie?

Reich hat von sich behauptet, er habe die Psychologie Freuds „auf ein solides biologisches Fundament gestellt“.

Diese Leistung fand gerade in jenem Jahrzehnt statt, in dem die Psychoanalyse, eben wegen des Fehlens eines solchen Fundaments, in verschiedene Fraktionen zersplitterte. („Biophysical Functionalism and Mechanistic Natural Science“,International Journal of Sex-economy and Orgone Research, Vol. 1(2), July 1942, S. 97-107)

„Fraktionsbildung“ kann tatsächlich nur auftreten, wenn die Wissenschaft in den Hintergrund tritt.

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Wie Wilhelm Reich von der Nachwelt betrogen wurde

27. Mai 2012

Reichs Hoffnung für die Zukunft war, daß die Panzerung der Menschen, d.h. das einzige Problem, das die Menschheit hat (andere, wirkliche Probleme ließen sich ohne dieses Scheinproblem leicht lösen), durch drei Mechanismen sich nach und nach aufweiche und schließlich weitgehend auflöse. Der Grad der Bedeutung, den er den Mechanismen jeweils zuschrieb, änderte sich im Laufe der Zeit. Es sind:

  1. Die „sexuelle Revolution“, d.h. eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Atmosphäre. Das sexuelle Lebensglück, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, würde nicht mehr im Namen der „Moral“ bekämpft oder im Namen der „Vernunft“ geduldet, sondern aktiv geschützt und gefördert werden. Dieser grundlegende Wandel hätte Auswirkungen auf die Charakterstruktur der einzelnen Gesellschaftsglieder und es käme in einem sich selbstverstärkenden und selbsterhaltenden Regelkreis zu einer wahrhaftigen „biologischen Revolution“, d.h. an die Stelle des gepanzerten Menschen träte schließlich ein vollkommen neues Wesen, der ungepanzerte Mensch.
  2. Im Projekt „Kinder der Zukunft“ ist das Augenmerk weniger auf die Sexualökonomie, d.h. die „erste Pubertät“ („Ödipuskomplex“) und die „zweite Pubertät“ (Geschlechtsreife) gerichtet, sondern auf Schwangerschaft, Geburt und Säuglingsalter. Man würde, praktisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, alles dafür tun, daß der Mensch keine Panzerung ausbildet. Da dies mit jeder Generation besser gelinge (die „Kinder der Zukunft“ haben selber Kinder), wäre die Menschheit nach wenigen Generationen befreit.
  3. Die Erforschung des Orgons verlange vom Menschen anders zu fühlen und zu denken: ungepanzert zu fühlen und zu denken (Orgonometrie). Dieser objektive Druck würde im Laufe der Zeit die Subjekte entsprechend weicher und „durchlässiger“ machen, d.h. eben die Panzerung verschwinden lassen. Eine Gesellschaft, die von der Orgonenergie so bestimmt wäre, wie die heutige von der Elektrizität, würde sich automatisch selbst entpanzern.

Abgesehen von hoffnungsvollen Einzelerscheinungen hat sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene keine dieser drei Hoffnungen bewahrheitet. In vieler Hinsicht ist es sogar schlimmer geworden!

  1. Die „sexuelle Revolution“ war eine einzige Katastrophe aus (zu einem Gutteil drogeninduzierter) Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt sich dem bioenergetischen Kern zu nähern, flüchteten die Menschen immer mehr in die oberflächliche soziale Fassade. Sexualität wird zunehmend reduziert auf „Performance“ und vor allem auf die Frage, was das soziale Umfeld „dazu sagt“. Bei Jugendlichen geht es immer weniger um Gefühle als vielmehr um das „Image“ und narzißtische Befriedigung. Die über das Internet überall und jederzeit abrufbare Pornographie und nicht zuletzt eine immer mechanistischer und „verkopfter“ werdende Sexologie tun ein Übriges. Darüberhinaus sind Reichs sexualökonomische Anschauungen aus Sicht der Political Correctness moralisch verwerflich. In dieser Hinsicht ist die antisexuelle Moral vielleicht stärker als jemals zuvor.
  2. Die aktuelle Diskussion um die Säuglingsbetreuung zeigt, daß wir den Kampf auf ganzer Linie verloren haben. Es fängt mit der künstlichen Befruchtung an, wo gegebenenfalls vorher eingefrorene Spermien und Eizellen in orgonotisch toten Reagenzgläsern miteinander vermischt werden, um dann in einer Gebärmutter heranzureifen, die vielleicht nicht ohne Grund zuvor „steril“ war. Künstliche Gebärmütter sind mittlerweile mehr als bloße Science Fiction. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt und auch sonst wird das gesamte perinatale und Säuglingsleben nach allen möglichen Interessen, außer den biologischen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet.
  3. Der eigentliche Verrat ereignete sich aber an Reichs größter Hoffnung: er habe „Gott“ mit der Entdeckung des Orgons greifbar gemacht und damit sowohl dem Mystizismus, als auch selbstredend dem Mechanismus den Todesstoß versetzt. Stattdessen haben zwei an sich gegnerische Fraktionen, die Spökenkicker und die Skeptiker, Reichs Entdeckung in die Zange genommen und so gut wie vernichtet. Das Orgon wurde zunehmend zu nichts anderem als eine neue Art von „Prana“ oder „Qi“, d.h. zu einem Vehikel, um extrem lebensfeindliche mystische Ideologien „wissenschaftlich“ zu untermauern. Die Proponenten sprechen dabei jeweils von einer „Weiterentwicklung“ des Reichschen Paradigmas und beklagen sich heftigst über „orthodoxe Reichianer“. Unvermittelt muß sich unsereiner mit C.G. Jung, Swami Durcheinanda und gechannelten Botschaften von Erzengel Achwasel herumplagen. Ein gefundenes Fressen für die mechanistischen Sektierer. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder hat die bizarre Welt des „Skeptizismus“ ausführlich analysiert: Das Skeptiker-Syndrom: Zur Mentalität der GWUP.

Um das ganze übersichtlich zu halten, habe ich bisher einen vierten Punkt ausgelassen: Reich hoffte, durch eine „Entpanzerung der Erdatmosphäre“ langfristig auch die Menschen entpanzern zu können. Wenn der „DOR-Panzer“, der den Globus umschließt, mit Cloudbustern aufgebrochen und die übererregte ORANUR-Atmosphäre abgemildert werden könnte, würden auch die Erdbewohner „weicher“ werden.

Derartige Vorstellungen waren der ultimative Beweis, daß Reich in seinen letzten Jahren verrückt geworden ist. Entsprechend wurden seine apokalyptischen Warnungen nicht etwa nur überhört, sondern erst gar nicht wahrgenommen. Im letzten halben Jahrhundert haben wir entsprechend wirklich alles getan, um diesen Planeten in eine DOR- und ORANUR-Hölle zu verwandeln. Der letzte Streich waren die bioenergetisch hochtoxischen „Energiesparlampen“. Zu allem Überfluß kam es in den letzten Jahren zu einer atemberaubenden Explosion des Gebrauchs von „Croft-Cloudbustern“, mit denen „Chemtrails“ bekämpft werden sollen. Tatsächlich wird flächendeckend das Orgonenergie-Feld der Erde in einen künstlichen Expansionszustand versetzt („blauer Himmel“), der sie langfristig abtötet. Es ist ungefähr so wie die Zwangsgabe von Speed oder Kokain: das Opfer wird energetischer, leistungsfähiger, in jeder Beziehung mehr „high“ – und gleichzeitig mechanischer, kontaktloser und schon bald kommt das böse erwachen. Siehe dazu meine Ausführungen über den Kult der Expansion.

Wie zum Hohn werde ich dann auch noch allen Ernstes gefragt, warum ich so verbittert, aggressiv und voller Haß bin!

Was tun? Dazu muß erst einmal die Frage beantwortet sein, was eigentlich geschehen ist. Warum haben sich Reichs Hoffnungen nicht materialisieren können? Seit 1960 hat sich die Gesellschaft grundlegend geändert: aus einer autoritären, „kontraktiven“ wurde eine antiautoritäre, bioenergetisch überexpansive Gesellschaft. Das bedeutet, daß sich die Menschen weiter von ihrem biologischen Kern entfernt haben. Aus der mystifizierten Traum von „der großen Liebe“ wurde ein stupider mechanischer Akt, der Mensch wurde zu einer von der DNA gesteuerten bionischen Maschine und das, was an bioenergetischem Kontakt übrigblieb (denn schließlich sind wir keine bionischen Maschinen), wurde zu einem Mystizismus neuer Prägung. Diese neue Art von „Spiritualität“ ist verkopft, kompliziert und vor allem wirr (im Gegensatz zu genuiner, „bauchgesteuerter“ Mystik).

Wir haben es also mit einem imgrunde soziologischen Problem zu tun. Ein Ansatz, den Charles Konia verfolgt, auf dessen Blog ich nur immer wieder hinweisen kann. Hier sein neuster Beitrag: Communism/Socialism Is A Cancer Of The Social Body.

Tatsächlich vertritt Konia den fünften Ansatz Reichs zur Herstellung einer besseren Zukunft für die Menschheit: die Sozialpsychiatrie. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. Dieser Ansatz wurde vielleicht am gründlichsten und vor allem systematisch zerstört durch all den freudo-marxistischen Mumpitz, der seit „1968“ von „Reichianern“ verzapft wurde. Ihre hochintellektuellen Elaborate füllen mittlerweile ganze Bibliotheken! Sie haben den Kampf gegen die „autoritäre Gesellschaft“ immer weiter verschärft.