Posts Tagged ‘Wissenschaftstheorie’

Orgonomische Dogmatik

20. Januar 2017

Leuten wie mir wird immer wieder vorgeworfen, sie seien dogmatisch und es sei nie die Intention Reichs gewesen seine „Lehre“ erstarren zu lassen. Tatsächlich sitzen diese Kritiker einem grundsätzlichen Mißverständnis auf. Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und damit weitgehend unwandelbar. Man nehme etwa die Physik: seit Jahrzehnten sind weltweit die Lehrveranstaltungen für die Grundsemester praktisch austauschbar trotz aller Versuche didaktisch effizient zu sein und Neuland zu beschreiten. Mechanik, Elektromagnetismus, Thermodynamik, Relativitätstheorie und Quantenmechanik sind in ihren Grundlagen unwandelbar. Es kann von einer ermüdenden Langeweile sein! Beispielsweise hat sich die Optik seit Newton, d.h. seit 300 Jahren, praktisch überhaupt nicht gewandelt. Genauso ist es mit der Orgonomie. Was sollte sich an der Orgasmustheorie, der Entdeckung des Orgons und dem orgonomischen Funktionalismus seit Reich schon groß geändert haben?

All die Neuerungen und „Konzepte“, mit denen „Reichianer“ immer wieder hervortreten, sind nachweisbar durchweg mechano-mystische Entstellungen, so als hätte man es mit einer „Weltanschauung“ zu tun, die ausgebaut, „angepaßt“ und „neu ausgerichtet“ werden könnte.

Orgonomie, eine Wissenschaft

5. Januar 2017

Wilhelm Reich, Physiker: 1. Biophilosophie, a: Orgonomischer Funktionalismus

Mechanismus, Mystizismus, Funktionalismus: Intersubjektivität und objektive Meßbarkeit

20. November 2016

In den 1920er Jahren war die Psychoanalyse genau den gleichen Anfeindungen ausgesetzt wie heute: sie sei unwissenschaftlich, weil es nichts zu messen gibt. Reich verteidigte sie, indem er darauf hinwies, daß die Ergebnisse intersubjektiv sind: egal wer psychoanalysiert, solange er die richtige Technik benutzt, wird er zu den gleichen Ergebnissen kommen. Wo genau die Psychoanalyse (bzw. ihre Weiterentwicklung durch Reich – den Rest der Psychoanalyse kann man getrost vergessen) ansetzt, was genau sie verändert und wie man das objektiv messen kann, hat Reich dann später erforscht: die Aufhebung der Sympathikotonie bzw. der orgonotischen Kontraktion. Das kann man nicht an einzelnen Meßergebnissen, etwa am Cholesterin im Blutbild, festmachen, vielmehr müssen sie „funktionell“ interpretiert, d.h. in einen Zusammenhang gesetzt werden.

In den 1950er Jahre ist John Pierrakos, ein Schüler Reichs, an diesen herangetreten, weil er, im Gegensatz zu Reich selbst, „aurasichtig“ war und beim Cloudbusten genau beschreiben konnte, wie sich die Orgonenergie in der Umgebung des Geräts bewegt. Er war ziemlich befremdet, als Reich keinerlei Interesse an Pierrakos‘ Fähigkeiten zeigte. Reich war grundsätzlich nur an Dingen interessiert, die, jedenfalls vom Prinzip her, jeder wahrnehmen kann und, zweitens, die man unabhängig von (inter-) subjektiven Wahrnehmungen auch messen kann, wie etwa die atmosphärische Pulsation.

Die Orgonomie ist an zwei Dingen prinzipiell nicht interessiert: Erstens die sterile akademische Psychologie, die bereits vor 100 Jahren gegen die Psychoanalyse sturmlief, oder die sterile Atmosphärenphysik und Meteorologie mit ihren Meßwerten, die in keinerlei funktionellen Zusammenhang gesetzt werden. Zweitens „das Hören mit dem Dritten Ohr“, C.G. Jung und andere willkürliche und unüberprufbare „esoterische“ Spökenkiekerei, wie sie etwa später Pierrakos vertreten hat und wie sie heute mehr denn je die Randbereiche der Orgonomie verpestet.

Ist die Orgonomie eine “heilige Wissenschaft”?

27. Oktober 2016

Robert Jay Lifton hat eine „heilige Wissenschaft“ wie folgt umrissen:

Das totalitäre Milieu hält um sein Grunddogma eine Aura der Heiligkeit aufrecht, um es als ultimative moralische Vision für die Ordnung der menschlichen Existenz hochzuhalten. Diese Heiligkeit wird im Verbot evident (…), die Grundannahmen in Frage zu stellen, und in der Verehrung, die für die Urheber der Botschaft, dem gegenwärtigen Träger der Botschaft und die Botschaft selbst gefordert wird. Während die übliche Logik verletzt wird, stellt das Milieu übertriebene Behauptungen über seine luftdichte Logik und absolute „wissenschaftliche“ Präzision auf. Demnach wird aus der ultimativen moralischen Vision eine ultimative Wissenschaft und derjenige, der es wagt sie zu kritisieren oder auch nur unausgesprochene alternative Ideen hegt, wird nicht nur als unmoralisch und respektlos betrachtet, sondern auch als „unwissenschaftlich“. Auf diese Weise stärken die Meisterdenker des modernen ideologischen Totalitarismus ihre Autorität, indem sie behaupten Anteil am reichen und angesehenen Erbe der Naturwissenschaft zu haben.

Wenn man Reich mit den anderen Psychoanalytikern seiner Zeit und auch mit Freud selbst vergleicht, wird deutlich, daß er noch am wenigsten „spekulierender Philosoph“ war. Man denke nur an die von ihm bekämpfte Todestriebtheorie oder die ebenso absurde Theorie Anna Freuds, das Ich sei von Natur aus zu schwach für die Triebe, die im Menschen wüten. Wenn irgendwer eine „moralische Vision“ hatte, um pseudowissenschaftliche Behauptungen aufzublasen, dann seine Gegner. Was die Entwicklung von den Bionen bis hin zum Cloudbuster betrifft, bestand die Problematik, daß kaum einer seiner Mitarbeiter und Anhänger die Expertise hatte, um Reich wirklich zu folgen. Und Wissenschaftler, die eine Ausbildung in dem von Reich jeweils beackerten Feld hatten, etwa Physiker, die über Reichs laienhafte Herangehensweise stolperten, konnten den spezifischen Zusammenhang der Reichschen „Orgasmus-Forschung“ nicht erfassen. Das begann schon bei den bio-elektrischen Experimenten, als sich Reich mit Fachleuten der Kaiser Wilhelm Gesellschaft herumplagen mußte (siehe Jenseits der Psychologie). Zu allem Überfluß sah sich Reich als „Orgasmusforscher“ nach entsprechend desillusionierenden Erfahrungen in Skandinavien gezwungen, auf seiner „moralischen“ Würde als Wissenschaftler, „Meisterdenker“ und „Herr Dr. Reich“ zu beharren.

Von daher gibt es in der Orgonomie durchaus kultische Elemente, Elemente einer „heiligen Wissenschaft“, aber das müssen sowohl Anhänger als auch Kritiker im Kontext sehen. Die einen sollten sich fragen, warum sie Reich glauben, nicht aber der Schulwissenschaft, die sie zwar auch nicht verstehen, die aber immerhin von unzähligen Wissenschaftlern vertreten wird, die sich gegenseitig kontrollieren. Und den Kritikern sei gesagt, daß letztendlich die Zeit über wissenschaftliche Theorien entscheidet und nicht die Mehrheit vermeintlicher Experten. Die Bione haben Bestand, der Orgonenergie-Akkumulator, der Cloudbuster und vieles mehr. Was es nicht wirklich gibt oder was keinen Sinn macht, verflüchtigt sich über kurz oder lang im Rahmen einer „natürlichen Auslese“, egal wie „heilig“ es auch immer aufgemacht ist, um dieser natürlichen Auslese zu entgehen.

Funktionalismus bei Hans Hass (Teil 1)

30. Dezember 2013

Ursprünglich, in der ersten Formulierung der Energontheorie (Energon. Das verborgene Gemeinsame, Wien 1970), hatte Hans Hass Energone als sich aus „Wirkungen“ zusammensetzende Systeme bezeichnet. In der verbesserten Neuauflage von 1987 ersetzte er diesen Begriff durch den der „Funktion“. Denn „Wirkung“ beziehe sich auf das gesamte organische und anorganische Geschehen in der Welt. Jeder rollende Stein zeitigt eine Wirkung, was aber nicht heißt, daß er eine Funktion erfüllt. In den Energonen jedoch, die sich ja ausschließlich auf das Lebensgeschehen beziehen, kommt es auf das koordinierte Arbeiten der Teile im Zusammenspiel des Ganzen, also auf die Funktionserfüllung an.

Man kann sagen, daß sich „Wirkung“ auf jeden beliebigen Gegenstand bezieht und daß aus einer bloßen Wirkung eine „Funktion“ wird, wenn sie in einem Energon „eine Rolle spielt“.

Da Hass die Energone vor allem im Rahmen der natürlichen Auslese betrachtet, muß er den Begriff der Funktion noch weiter differenzieren und zwischen „Funktion“ und „Leistung“ unterscheiden. Wie vorher die Wirkungen im Verhältnis zu den Organismen unterliegen die Energone als Ganzheiten also einer weiteren „Bewertungsinstanz“, der natürlichen Auslese:

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Diese letzte Instanz, der „Entfaltungsstrom“, ist vollkommen blind für Funktionen, ähnlich wie es Funktionen egal ist, womit die Aufgabe erfüllt wird. Die Umwelt (etwa in Gestalt eines Fuchses, der im Winter nur braune Kaninchen erlegt, während ihm die weißen Kaninchen entgehen) kann nur Leistungen (also Funktionen, die unmittelbar zweckmäßig sind) nicht jedoch die Funktionen bewerten, welche diesen Leistungen zugrunde liegen. Die natürliche Auslese (und damit in letzter Instanz der Entfaltungsstrom) richtet sich buchstäblich nur nach dem äußeren Anschein und ist vollständig blind für die tieferliegenden lebendigen Funktionen.

Es ist nahezu unmöglich, die beiden Begriffe „Funktion“ und „Leistung“ exakt voneinander zu trennen. Im Rahmen der Energontheorie bezeichnet „Funktion“ einen auf einer konkreten materiellen Struktur beruhenden aktiven oder passiven Vorgang, der zum Zustandekommen einer benötigten Leistung beiträgt. Leistungen sind in einem übergeordneten Sinn Erfüllungen von grundlegenden Anforderungen und setzen sich meist aus einer Fülle von Einzelfunktionen zusammen. Wird ein Gebäude durch einen Anbau vergrößert, so ist das Ergebnis aller beteiligten Abläufe eine Leistung: die Vermehrung von Energonstruktur. Eine Betonmischmaschine erfüllt dabei nur eine von unzähligen Einzelfunktionen, welche für diese geforderte Leistung nötig sind.

Aus Sicht der natürlichen Auslese kommt es nämlich weniger auf das Funktionieren eines Organs an, sondern darauf, ob es die vom Lebewesen benötigte Leistung auch erfüllt. Unter veränderten Umweltbedingungen kann nämlich ein Organ noch immer voll funktionsfähig sein, jedoch keine Leistung mehr erbringen. Das Unterscheidungskriterium von Funktion und Leistung ist also die Zweckmäßigkeit von Organen, über die wiederum die natürliche Auslese entscheidet.

So wird die Frage nach der Zweckmäßigkeit zum Dreh- und Angelpunkt der Energontheorie, wodurch sich zwischen Reichs Funktionalismus, der die finalistische Betrachtungsweise in der Biologie stets bekämpft hat, und der dergestalt offenbar an „Zweckursachen“ orientierten Energontheorie ein Graben aufzutun scheint. Doch bei Hass ist es durchaus nicht so, daß das Ziel die Funktion bestimmt, ganz im Gegenteil ist gerade die „ziellose“ Blindheit der natürlichen Auslese – die nur Leistungen, aber nicht die Funktionen bewerten kann, die zu diesen Leistungen geführt haben – für den Eindruck von Teleologie verantwortlich.

Ein Hase funktioniert nur und ist zufällig braun oder weiß. Die Weißen überleben im Winter besser als die Braunen. Das entscheidet der Fuchs, der ebenfalls nur funktioniert. Die Frage nach der Zweckmäßigkeit bestimmt zwar alles, doch das lebendige funktioniert vollkommen unabhängig davon. Tatsächlich entspricht Hass‘, oberflächlich betrachtet, „teleologische“ Sichtweise vollkommen Reichs durch und durch materialistischer Denkweise, der zufolge sich zunächst sozusagen erst das „Material“ angesammelt haben muß, bevor großartige „Ziele“ formuliert werden können. Reich:

Es ist offensichtlich, daß bevor es das Ziel geben kann, Chicago mit dem Zug zu erreichen, zunächst die Funktion der Dampfmaschine entwickelt werden mußte. Und die Funktion der Dampfmaschine wurde nicht aufgrund einer bestimmten Zielsetzung erfunden; sie entwickelte sich aus zuvor entwickelten Funktionen wie dem rollenden Rad und kochendem Wasser. Die ersten Menschentiere, die ein Rad rollen ließen oder Wasser zum Kochen brachten, konnten im Voraus nichts von den möglichen Zwecken wissen, denen diese Funktionen später nutzbar gemacht wurden. (Reich: “Orgonometric Equations: 1. General Form”, Orgone Energy Bulletin, 1950, S. 177f)

Das, was die beiden Ansätze unterscheidet, ist die mangelnde Konsequenz bei Hass, der sich Funktionen nur auf der Grundlage „konkreter materieller Strukturen“ vorstellen kann, die dann durch die beschriebene „Steuerkausalität“ beispielsweise zur Lunge führen.

Dazu ließe sich Charles Konia zitieren:

Wenn ein Gedankensystem (…) fehlschlägt, muß mystisches Denken (…) entweder die Lücken im Denken schließen oder für Beschränkungen sorgen. Man nehme ein Beispiel aus der Biologie, die mechanistisch-mystische Beschreibung der Atmungsfunktion: Die Lungen verhalten sich wie ein Ballon, um die Gewebe mit Sauerstoff zu versorgen. Der erste Teil dieser Aussage, die Lungen verhalten sich wie ein Ballon, ist eine mechanistische Verzerrung der grundlegenden biologischen Pulsationsfunktion. Die Pulsation der Lunge (Einatmung und Ausatmung) wird mit einer einfachen mechanischen Pumpe verglichen. Es folgt ein mystischer, teleologischer „Grund“ für den ersten Teil – um Sauerstoff zu den Geweben zu bringen.

In der Tat pulsieren die Lunge jedoch einfach wie alle anderen pulsierende Organe des Körpers auch, einschließlich Herz, Darm, Blase, Gebärmutter, usw. Sie expandieren und kontrahieren spontan. Dergestalt reicht die biologische Pulsationsfunktion aus, um die Atmung zu definieren und ihr „Ziel“, die Bereitstellung von Sauerstoff für die Gewebe, in Perspektive zu setzen. Im Gegensatz dazu behauptet das mechanistische Denken das Gegenteil: das Ziel der Bereitstellung von Sauerstoff definiert die Pulsationsfunktion (Atmung). Nach dieser Auffassung ist die Lunge daher nichts anderes als eine mechanische Pumpe. Mechanistische Biologie und Soziologie sind voll von solchen Beispielen verzerrten Denkens; ein Denken, das äußerst destruktiv ist, wenn es auf lebendige Funktionen angewendet wird. (Neither Left Nor Right, S. 185f)

Konia fügt an:

Der einzige Schutz vor mechanistisch-mystischem Denken in den Naturwissenschaften ist Einsicht in Orgonenergie-Funktionen, die für alle Manifestationen der Natur verantwortlich sind. (ebd., S. 186)

Bei Hass fehlt genau das. Trotzdem sind Hass‘ Beiträge wertvoll.

Das Ende der mechano-mystischen Genetik

25. Juni 2013

Wie kardinal falsch alles bisherige Denken in der Biologie war, springt einem unmittelbar beim Problem der Sexualität ins Auge. 1942 beklagte Reich in Die Funktion des Orgasmus, daß die Naturforschung wohl stets versuche, metaphysische Annahmen auszuschalten, wenn sie dann aber in Erklärungsengpässe gerate, sie doch nach einem „Zweck“ oder „Sinn“ suche, die man ins Funktionieren lege. Zur Widerlegung des finalen „Zweck“-Denkens in der Biologie gibt Reich u.a. folgendes an:

Die Harnblase kontrahiert sich nicht, „um die Funktion der Harnentleerung zu erfüllen“ (…). Sie kontrahiert sich aus einem Ursachenprinzip heraus, weil ihre mechanische Füllung eine Zuckung bewirkt. Das kann auf jede andere Funktion beliebig übertragen werden. Man verkehrt nicht geschlechtlich, „um Kinder zu zeugen“, sondern weil Flüssigkeitsüberfüllung die Genitalorgane bioelektrisch auflädt und zur Entladung drängt. In der Entspannung werden die Sexualstoffe entleert. Es steht also nicht die „Sexualität im Dienst der Fortpflanzung“, sondern die Fortpflanzung ist ein fast zufälliges Ergebnis des Spannungs-Ladungs-Vorgangs im Gebiete der Genitalien.

Und an anderer Stelle: „Die Funktion bestimmt das Ziel, nicht – wie der Vitalist glaubt – das Ziel die Funktion“ (Orgonotic Pulsation, 1944). So denkt aber nicht nur der Vitalist, sondern auch der Genetiker, für den das Lebendige von einer Art Programm, den „Genen“ gesteuert wird. Gene sind jedoch Funktionen des Protoplasmas und nicht umgekehrt. Die DNA wird von Enzymen gesteuert, verdoppelt, etc., d.h. vom Protoplasma.

Der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker hat sich sogar zur Äußerung verstiegen, daß das Erscheinungsbild der Spezies „eine objektivierte Semantik der genetischen Information“ sei und das Analoges für die Physik gelte: „Spezies entspricht dort einer bestimmten Teilchensorte“, die die Objektivierung hypothetischer „Atome der Information“ (Ure) sei (Aufbau der Physik, München 1985, S. 576). Das ist seine persönliche Ausformung des für Physiker typischen Platonismus, der die Genetik nachhaltig geprägt hat. Tatsächlich waren die Gründerväter der modernen Genetik zu einem Gutteil Physiker, wie Emilio Segrè in seinem Buch Die großen Physiker und ihre Entdeckungen (München 1984) ausgeführt hat.

Es hat jedoch das Reich des Organischen der Physik den Weg weisen, so wie es in der Orgonomie verwirklicht wurde! Versucht umgekehrt die Physik die Biologie zu leiten, weist sie in die falsche Richtung, d.h. von der Orgonenergie und damit vom Lebendigen weg. Wie das Lebendige funktioniert, zeigt das Problem der Organbildung, zu dem sich Reich 1949 prinzipiell wie folgt geäußert hat:

Eine unbefangene Beobachtung des organismischen Funktionierens kann nicht darin fehlgehen, die Tatsache freizulegen, daß die Organe weder die Wirkung noch das Resultat irgendwelcher Ursachen sind, sondern Variationen im Prozeß des Wachsens und expandierender, anschwellender Membranen plus Teilung funktioneller Einheiten. (Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 178)

Auf welchen wackeligen Beinen die Genetik, die stattdessen alles mit „Steuerprogrammen“ erklären will, steht, haben nun Magnus Nordborg vom Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und ein internationales Team gezeigt.

Die Biologen fanden bei 180 schwedischen Ackerschmalwand-Pflanzen (Arabidopsis thaliana) „massive Abweichungen“ im Genom. Im Vergleich zum bisher als Referenz verwendeten Arabidopsis-Genom je Variante der Pflanze 200 bis 300 neue Gene oder Genfragmente. Das Erbgut von Arabidopsis thaliana sei im Vergleich zum nächsten Artverwandten Arabidopsis Lyrate auf die Hälfte geschrumpft, wobei bei verschiedenen Varianten unterschiedliche Teile des Genoms weggefallen seien. Das Erbgut zwischen einzelnen Ackerschmalwand-Varianten könne dergestalt bis zu 10 Prozent variieren. Fehler würden dann durch später auftauchende Veränderungen ausgeglichen. Außerdem fanden die Forscher 4,5 Millionen einzelne Nukleotide ausgetauscht und eine halbe Million kleiner Einfügungen und Streichungen.

Es würde ihn ganz und gar nicht wundern, wenn das Erbgut nicht nur bei der Ackerschmalwand, sondern auch bei anderen Organismen so variabel wäre, meinte Nordborg. „Ich glaube, es hat noch niemand auf solche Unterschiede geschaut, aber ich könnte mir vorstellen, daß sich viele Leute ihre ursprünglichen Daten noch einmal ansehen werden, wenn sie unsere Studie gelesen haben“, sagte er.

Auch beim Menschen würden die Genetiker mehr und mehr erkennen, wieviel Variationen es auf dem Erbgut gibt. „Nicht nur einzelne Nukleotide unterscheiden sich, auch große Stücke können sich verdoppeln oder neu angeordnet werden“, erklärte Nordborg.

Natürlich glaubt Nordborg weiterhin, daß das Genom die Bauanleitung des Lebens sei, nur sei dieser „Bauplan“ „salopper“ verfaßt, als man bisher angenommen habe. „Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedlich viele Seiten, weil es viele Ergänzungen gibt. Im Großen und Ganzen erzählen sie“, so Nordborg, „aber alle die gleiche Geschichte.“

Die „Bauanleitungen“ sind also von Organismus zu Organismus (bzw. von Variation zu Variation) unterschiedlich lang und voller Fehler, die dann aber in späteren „Kapiteln“ wieder korrigiert werden. Das Plasma, das das alles schließlich „lesen“ und verarbeiten muß, muß offensichtlich ganz schön intelligent sein…

Das, was unseren Kindern eingetrichtert wird und was ihr gesamtes Lebensgefühl, ihr Körpergefühl bestimmt („Bioroboter“!), könnte sich in wenigen Jahren als das erweisen, was es ist: mechano-mystischer Schwachsinn.

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Zum Tod von Hans Hass

23. Juni 2013

Hans Hass hat mich mein ganzes Leben über begleitet. Eines meiner Schätze war stets ein Buch meines Vaters, das wie ein Wunder den Krieg, die Kriegsgefangenschaft und die 10jährige Emigration von Karl-Heinz Nasselstein überlebt hat: Fotojagd am Meeresgrund (1942). Die Photos in dem Buch haben mich damals zutiefst beeindruckt, sich von klein an unauslöschlich in mein Hirn gebrannt, ich habe nachher niemals mehr etwas „Mystischeres“ gesehen. Später sah ich im Fernsehen seine Reiseberichte und eine Wiederholung seiner Dokumentationsreihe „Wir Menschen“. Viele Jahre danach blieb mein Blick in der Hamburger Zentralbücherhalle an einem breiten Buchrücken mit der Aufschrift „Energon“ haften. Energon?! Wie Orgon? Meine Überraschung war groß, als sich herausstellte, daß der Verfasser Hans Hass war. Mein Hans Hass! Auch zeigte sich sehr bald, daß kein anderer Denker jemals so nahe an Reichs Orgonomischen Funktionalismus herangekommen ist wie Hans Hass. Ich habe über seine Arbeit einen Artikel geschrieben, dem er in mehreren Telefonaten („Warum haben Sie sich nie bei mir gemeldet?“ „Ähhhh, nun ja, Herr Professor…..“) und einem kurzen Briefwechsel ausdrücklich zugestimmt hat. Sein einziger Einwand war, daß ich die „innere Front der Energone“ nicht thematisiert hatte.

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Hans Hass war ein Universalgenie vom Kaliber eines DaVinci, Goethe und Reich. Daß die Energon-Theorie nie allgemeine Anerkennung gefunden hat, war die größte Enttäuschung seines Lebens. Jahrzehnte hatte er darum gerungen, daß irgendwo eine Lücke, ein innerer Widerspruch oder gar eine umfassende Widerlegung seiner Theorie vorgebracht werde. Nichts! Die Energon-Theorie ist schlicht und ergreifend wahr, d.h. sie befindet sich, soweit wir es bis heute beurteilen können, in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, trotzdem – oder gerade deshalb – wird sie ignoriert. Die Menschen haben eine instinktive Angst vor dem funktionalistischen Denken, da es scheinbar zusammenhanglose Dinge miteinander in Beziehung bringt. Auf diese Weise gefährdet es die Panzerung, deren Funktion darin besteht, Zusammenhanglosigkeit herzustellen.

Hass betrachtete Lebewesen nicht primär als materielle Gebilde, sondern als energetische Leistungsgefüge, die er entsprechend als „Energone“ bezeichnete. Jedes Energon stellt ein energieakkumulierendes Potential dar. Es besitzt also die Fähigkeit, aus der Umwelt mehr freie, arbeitsfähige Energie zu gewinnen, als es selbst verbraucht. Es besteht aus dem Zellkörper und einem „Leistungskörper“. Sie können identisch sein, doch der Leistungskörper kann auch aus Einheiten bestehen, die nicht zum Zellgefüge gehören, z.B. dem Fangnetz einer Spinne. Das Netz ist nicht etwa nur das Werk der Spinne, vielmehr ist es aus Sicht der Energiebilanz der Spinne ein unverzichtbares „zusätzliches Organ“, so daß erst beide zusammen einen voll funktionsfähigen Organismus, bzw. ein Energon ausmachen. An dieses Leistungsgefüge und nicht nur an den Zellkörper setzt die natürliche Auslese an. Das gilt sowohl für die Spinne und ihr Netz, als auch etwa für den Handelsvertreter und sein Auto.

Sämtliche Energone müssen ausnahmslos folgende sechs Grundleistungen erbringen:

  1. Energieerwerb, da ohne arbeitsfähige Energie überhaupt jeder Prozeß unmöglich wäre;
  2. Erwerb benötigter Stoffe für Aufbau, Wachstum und Fortpflanzung;
  3. Abwehr widriger Umwelteinwirkungen, worunter auch die Abwehr von Konkurrenten fällt, die die gleichen Energie- und Stoffquellen nutzen wollen;
  4. Nutzung günstiger Umweltfaktoren, worunter auch die Nutzung der Leistungen anderer Energone zu zählen ist;
  5. Fortpflanzung, die die Fortexistenz wohl nicht des einzelnen Energons aber der Energonart sichert; und
  6. Strukturverbesserung, die für die Anpassung und Höherentwicklung der Energone verantwortlich ist und so die Entfaltung des Lebens sichert.

Außerdem müssen alle Energone (wie auch jeweils jedes einzelne ihrer Bestandteile) bei diesen Leistungen drei Effizienzkriterien erfüllen, um im Überlebenskampf bestehen zu können:

  1. muß jede lebensnotwendige Leistung mit möglichst geringer Energieausgabe „kostengünstig“ erfolgen;
  2. muß man sich auf die Güte dieser Leistungen verlassen können, d.h. auf ein günstiges Verhältnis zwischen den Bemühungen zur Leistungserbringung und den Fehlschlägen (Hass spricht von der „Präzision“, mit der das leistungserbringende Organ zu seiner Aufgabe paßt); und
  3. ist es auch entscheidend, wieviel Zeit die jeweilige Leistung in Anspruch nimmt.

Dabei ist zwischen der Aufbau- und Funktionsperiode der leistungserbringenden Organe zu unterscheiden und in letzterer wiederum zwischen den Phasen der Funktionsausübung, der Ruhe und der Funktionsumstellung. Zusammen ergibt das zwölf Kriterien, mit deren Hilfe man den „Selektionswert“ alles Lebendigen erfassen kann. Es handelt sich um die unaufhebbaren objektiven Grundlagen der gesamten lebenden Natur vom primitivsten Einzeller bis zur höchsten Ausformungen des menschlichen Wirtschafts- und Staatswesens. Es ist das unveränderbare energetische Grundgerüst des Energons.

Hass beschrieb vier Arten von Energonen. In der ersten Phase der Evolution bauen „Keimzellen“ zwei Arten von Energonen auf, deren grundlegend unterschiedlicher Bauplan durch ihren Energieerwerb bestimmt wird: die Pflanzen, die als „Parasiten der Sonne“ leben, und die Tiere, die ihrerseits Parasiten der Pflanzen sind. Hier sind die beiden Funktionen „aufbauendes Rezept“ und „Steuerung“ noch im Genom konzentriert. Mit der Entwicklung des Menschen verlagerte sich die Steuerung zunehmend auf das Gehirn, das darüber hinaus „künstliche“ Verhaltensrezepte aufbauen kann. Damit kann man den Menschen funktionell mit den Einzellern vergleichen, aus denen die Vielzeller hervorgegangen sind. Hass:

Wie bis heute jeder vielzellige Organismus aus einer Einzelzelle – der Keimzelle – hervorgeht, so haben auch die größeren Leistungskörper, die der Mensch aus zusätzlichen Organen aufbaut, stets einen oder mehrere Menschen als steuerndes Zentrum. Ich bezeichne die größeren Lebenseinheiten als Hyperzeller und behaupte, daß sie die Evolution der Einzeller und der Vielzeller unmittelbar fortsetzen.

Jeder Hyperzeller, der auf dem Markt mit neuen speziellen Leistungen erfolgreich ist, z.B. indem er Schuhe produziert, begründet eine neue „Art“, denn andere Menschen werden durch den Erfolg dazu motiviert, entsprechende Hyperzeller aufzubauen, d.h. in diesem Fall Schuster zu werden. Die verschiedenen Berufsformen sind dabei ebenso der natürlichen Auslese unterworfen, wie vorher die pflanzlichen und tierischen Energone. In dieser Beziehung besteht keinerlei Unterschied zwischen den Arten im Pflanzen- und Tierreich einerseits und den „Berufsarten“ bei den Hyperzellern andererseits. Hass:

Sowohl die Hersteller benötigter Produkte wie auch die Dienstleistungserbringer und die Vermittler spezialisierten sich auf immer neue Berufe, erschlossen sich so immer neue Nischen, immer neue Lebensmöglichkeiten. Hier wie dort wurden Arten durch andere verdrängt, die besser angepaßt und somit effizienter waren, und starben dann aus. Hier wie dort bestand zwischen den Artgenossen ein besonders heftiger Konkurrenzkampf, während Angehörige anderer Arten indifferent behandelt wurden, weil sie die eigenen Interessen nicht berührten. Hier wie dort kam es zu Interessengemeinschaften und mannigfaltigen Abhängigkeiten. So setzten die Hyperzeller, obwohl sie sich äußerlich und in ihrem Verhalten so ausgeprägt von Tieren und Pflanzen unterscheiden, in ganz analoger Weise die Bildung von Arten fort.

In der zweiten Evolutionsphase wird jedoch die artgleiche Evolution überwunden, d.h. jeder einzelne Hyperzeller kann Ursprung eines vollkommen andersgearteten Hyperzellers werden. Dies ist möglich, weil sich die Arten nicht mehr über das Genom fortpflanzen, sondern über Sprache und Schrift, z.B. durch Anleitungen für die Schuhherstellung.

Die Hyperzeller leben von dem Bedarf anderer Hyperzeller, d.h. ihre Energiequelle ist der Absatzmarkt. Dabei sind der Vielzeller Mensch und der betreffende Hyperzeller nicht identisch. Der Tod des Hyperzellers, z.B. der Konkurs eines Schuhmachers, weil dieser Hyperzeller mangels Nachfrage von Schuhen „verhungert“ ist, greift nur in seltenen Ausnahmefällen auf seine menschliche Keimzelle über, die ihrerseits verhungern könnte. Als einziges Lebewesen überhaupt kann der Mensch seinen Leistungskörper – oder anders gesagt, kann sich der Hyperzeller – nach Belieben verändern und den Gegebenheiten anpassen. Ein weiterer evolutionärer Sprung, auf dem vor allem der ungeheuerliche evolutionäre Erfolg der Hyperzeller beruht, ist, daß der Hyperzeller, mit Hilfe des zusätzlichen Organs „Geld“, mit einer einzigen Spezialleistung, z.B. die Herstellung von Schuhen, an die Produkte aller anderen Spezialleistungen herankommen und mit ihnen seinen eigenen Leistungskörper, seinen „Berufskörper“ ergänzen kann.

Die vierte Art von Energon ist der Hyperzeller höherer Integration, die Erwerbsorganisation. Dazu schreibt Hass:

Ebenso, wie vor mehr als einer Milliarde Jahren manche Arten von Einzellern dazu übergingen, größere, vielzellige Lebewesen zu bilden, kam es auch bei den Hyperzellern zur Bildung von größeren, auf gemeinsame Aufgaben ausgerichteten Erwerbsorganisationen. Und ähnlich, wie im vielzelligen Körper die Zellen größere, leistungsfähigere Organe aufbauen – zum Beispiel die aus vielen Zellen bestehenden Flossen, Augen und Knochen –, so bestehen auch in den größeren, von Tausenden von Hyperzellern gebildeten Lebenskörpern „Abteilungen“, die auf bestimmte Aufgaben ausgerichtet sind, in Wirtschaftsunternehmen etwa die aus zahlreichen Hyperzellern gebildete Betriebsleitung samt ihren ausführenden Organen, die Produktionsabteilung, die Verkaufsabteilung und andere.

Zentrum des Berufskörpers ist stets ein einzelner Mensch, während Unternehmen und Staaten überindividuell organisiert sind, so daß auch der Eigentümer ersetzbar ist und Menschengruppen zum Zentrum werden können. Im Gegensatz zum Berufskörper wird der Mensch in der aus Berufskörpern aufgebauten Erwerbsorganisation zur ersetz- und austauschbaren Einheit.

Mit der Erwerbsorganisation hat sich in der Evolution, Hass zufolge, endlich das Energon von der Last des „föderativen Aufbaus“ befreit. Zum Beispiel wurde vorher jede Zelle mit dem Unterhalt eines eigenen Kraftwerkes, den Mitochondrien, belastet. Erst bei der Erwerbsorganisation ist jede erdenkliche Funktionszusammenfügung möglich geworden, z.B. benötigt nicht jeder einzelne Berufskörper einen eigenen Elektrogenerator. Damit ist die Erwerbsorganisation effizient wie kein Energon zuvor. Die Erwerbsorganisationen stellen den nicht weiter zu steigernden Höhepunkt der Evolution dar. Sie sind die größten Organismen überhaupt und könnten theoretisch die Ausmaße einer ganzen Galaxie annehmen. Doch trotz dieses quantitativ unbegrenzten Wachstums haben mit ihnen die Energone doch den nicht überschreitbaren qualitativen Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht, denn eine Vereinigung von Erwerbsorganisationen wäre doch nur eine weitere Erwerbsorganisation.

Uns, die wir in solchen Erwerbsorganisationen arbeiten, ist es praktisch unmöglich zu erfassen, daß es sich um Organismen handelt. Einem Einzeller, z.B. einem Weißen Blutkörperchen, müßte es, hätte es Bewußtsein, genauso widersinnig vorkommen, den Menschen, in dem es steckt und dessen integraler Bestandteil es ist, als einen Organismus zu betrachten. Wir sind abhängig von unserem beschränkten perspektivischen Blick, den wir erst mit Hass‘ Energontheorie überwinden können.