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In Memoriam: Paul N. Mathews (1924-1986) (Teil 1)

22. Februar 2021

von John M. Bell
21. September 1986
 

Wir trauern um den kürzlichen Verlust von Paul Mathews, der uns allen über viele Jahre hinweg ein Freund war und ein Gründungsmitglied des American College of Orgonomy. Der Tod eines geliebten Freundes ist nie leicht, aber der Tod eines so geschätzten, erprobten und bewährten Freundes wie Paul ist besonders schmerzhaft. Wir vermissen ihn jetzt zutiefst und werden es auch in Zukunft tun. Wir werden seine energische, warme Gegenwart, seinen weisen Rat, seine Loyalität und seine Stärke vermissen.

Seine Beiträge zur Orgonomie im Laufe der Jahre waren zahlreich und sprachen für sich selbst. Er leitete den N.Y.U.-Kurs für Orgonomie mit Leidenschaft, Intelligenz und Witz von den ersten Tagen an – seit dem Frühjahr 1968 – bis erst kürzlich. Als ich diesen Kurs zum ersten Mal an der N.Y.U. vorschlug und Dr. Elsworth Baker fragte, wer ihn am besten unterrichten könne, antwortete er ohne Zögern: „Paul Mathews“. In diesem Kurs arbeitete Paul wunderbar, indem er die Studenten durch die Ideen Reichs führte und häufig feindseligen Fragen mit Souveränität und Verve begegnete. Er schien in diesen Kursen noch mehr zum Leben zu erwachen, ob er nun einen Vortrag hielt oder Gastgeber für einen Gastdozenten für den Abend war. Aus diesem ersten Kurs entwickelte sich der Kurs für soziale Orgonomie und schließlich das Seminar für soziale Orgonomie, das wir so viele Jahre lang gemeinsam unterrichteten.

In seiner Arbeit als Lehrer für Orgonomie war Paul enorm fleißig und weit gereist. Viele, die zur Orgonomie schließlich als Fachleute gekommen sind, taten dies durch seine Kurse und Vorträge.

Auch davor hatte sich Paul viele Jahre lang der Orgonomie gewidmet. Orgonomie und Reichs Werk nahmen seit seinen frühesten Erwachsenenjahren einen zentralen Platz in seinem Denken und Wirken ein. Er steuerte seine Schriften und Briefe bei. Im Jahr 1955 verfasste er einen Artikel über das jugendliche Elend von Oberschülern für Orgonomic Medicinea. Im Umgang mit sozialen Fragen rang Paul lange mit den subtilen Problemen der methodischen Endanalyse bei der Formulierung dessen, was sich später als seine funktionellen Ansätze zur orgonomischen Soziopolitik herauskristallisierte.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a https://www.orgonomie.net/mathews11.htm#jugendliche

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 161-162.
Übersetzt von Robert Hase

WR gleich Weltrevolution (Teil 2)

22. Februar 2020

Reich hatte vier umfassende Pläne, um die widernatürliche Richtung zu ändern, die die Menschheit eingeschlagen hat.

Am Anfang stand sein sozialpolitischer Forderungskatalog (Recht auf Abtreibung, Verhütung, Behausung, etc.), der darauf hinauslief, das Liebesleben von wirtschaftlichen Zwängen zu lösen (Jugendelend, Ehemisere, soziale Isolation), der ihn sogar in die Ränge der KPÖ und KPD brachte.

Reich hoffte, daß die Menschen weicher werden (weniger gepanzert), wenn sie ihre genitalen Strebungen freier von materiellen und emotionalen Hemmnissen ausleben könnten. Mit der Entdeckung der Orgonenergie wurde das ergänzt: beim Verstehen und Meistern der kosmischen Lebensenergie werden die Menschen gezwungen sein, funktionelles, lebendiges Denken zu erlernen.

Diese beiden Ansätze wurden ergänzt durch zwei weitere: die Heranzucht der „Kinder der Zukunft“, die durch eine mit jeder Generation freiere prä-, peri- und postnatale Entfaltung und Selbstregulation immer ungepanzerter werden. Dies ergänzt bzw- erst ermöglicht durch die „Sozialpsychiatrie“, d.h. die aktive Bekämpfung der Emotionellen Pest. Elsworth F. Baker, Paul Mathews und Charles Konia haben zu diesem charakteranalytischen Ansatz bedeutsame Beiträge geleistet, die letztendlich auf eine Neue Aufklärung hinauslaufen – über die Emotionelle Pest im allgemeinen und die soziopolitische Charakterologie im besonderen.

Ein weiterer Aspekt der „Weltrevolution“ ist das kosmische Orgon-Ingenieurswesen (CORE), bei dem es darum geht, die atmosphärischen Verhältnisse so zu verbessern, daß die Menschen buchstäblich freier atmen können. Auf denkbare pestilente Weise wurde dieses Feld von den „Chembustern“, „Orgonisierern“ und „Orgonite-Giftern“ okkupiert und in sein Gegenteil verkehrt.

All das läßt sich auf den Grundsatz Secundum Naturam reduzieren: gib der Natur, „den Trieben“, eine Chance gegenüber den ökonomisch-gesellschaftlichen Zwängen; denke und handle naturgemäß, insbesondere was die Kinder betrifft. Die Gesellschaft muß sich der Natur anpassen, den Kindern, und nicht umgekehrt, oder wie A.S. Neill („Summerhill“) es ausdrückte:

Das Peinliche ist nur, daß das Wesen der Zivilisation sich wandelt, während die Natur des Kindes die gleiche bleibt. Was uns bei der Gründung unserer Schule leitete, war der Vorsatz, eben diese Natur des Kindes zu erforschen. (Selbstverwaltung in der Schule, Zürich: Pan-Verlag, 1950, S. 28)