Posts Tagged ‘Philosophen’

Monotheismus und Wissenschaft

19. September 2023

Der Monotheismus ist aus der Wissenschaft hervorgegangen und die Wissenschaft aus dem Monotheismus.

Ich schreibe das angeregt durch 1.) meine Lektüre von Peter Töpfers Pan-Agnostik (eigner verlag), in der sich Töpfer geschickt um LaMettrie und Stirner herumargumentierend gegen den Atheismus ausspricht; und 2.) durch folgendes sehr interessantes Video über den Ursprung des jüdisch-christlichen Gottes:

Es gibt drei Theorien über den Ursprung des „monotheistischen Jahwe“: Beispielsweise hat Jacob Meyerowitz in seinem Buch über Orgonometrie Before the Beginning of Time, eindeutig mit einigem Stammesstolz, auf Abraham verwiesen:

Der Gedanke an einen einzigen, solitären GOTT stellt einen außergewöhnlichen Durchbruch des funktionellen Denkens dar. Wie das Alte Testament bekräftigt, ist die Einheit GOTTES das wesentliche Merkmal GOTTES. Eine Kraft bestimmt das ganze Universum. Hier, vor etwa 3800 Jahren, führte das funktionelle Denken (das Organempfindungen und spontane Wahrnehmungen einschließt) Abram von Ur (später Abraham genannt) zu denselben extremen Schlußfolgerungen, die wir aus einer [orgonometrisch] rückwärtsgerichteten Sicht der Entwicklung gezogen haben (…). Bis in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts hinein haben die meisten Wissenschaftler Abrams Idee einer letztendlichen Funktion zu ihren grundlegenden Referenzen gezählt. (S. 32)

Daran schließt sich dann über Moses und die Propheten der schier endlose Kampf der Juden gegen den „Götzendienst“ unter den Juden an. Die zweite Theorie kreist um Esra, der nach dem babylonischen Exil unter persischer Oberhoheit angeblich nach wiederentdeckten Schriftenrollen die damaligen „Juden“ erst zu Juden gemacht hat. Wie genau, auf eine nachvollziehbare Weise der Monotheismus von Abraham oder Esra „entwickelt“ wurde, bleibt im Dunklen.

Das besagte Video bietet, nach meinem Dafürhalten erstmals, eine solche Erklärung: die griechische Naturphilosophie. Gewisserweise ist der Monotheismus aus dem Atheismus hervorgegangen: „weg von den Göttern! wenden wir uns den Naturelementen zu!“ Ich erinnere daran, daß die römisch-hellenistischen Mittelmeervölker und auch wir Germanen die ersten christlichen Missionare als „Atheisten“ empfanden; Gottesleugner, die beispielsweise unsere heiligen Eichen fällten und auch sonst vor nichts Heiligem Respekt hatten. Stirner schreibt darüber in Der Einzige und sein Eigentum.

Im alten Griechenland waren die Philosophen die Gottesleugner und wurden als solche verfolgt, man denke nur an Sokrates und Aristoteles. Sie ersetzten den Götterhimmel durch ein anfängliches Prinzip; waren ungefähr das, was Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die atheistischen „Monisten“ waren. Ich referiere jetzt das Video (ab Minute 1:03:22, Chapter 16):

Also drittens: Am Anfang des Monotheismus stehen die hellenistischen Ptolemäer, die in Alexandrien die Septuaginta schreiben ließen, die griechische Version der hebräischen Bibel. Damals herrschte der Platonismus und Aristotelismus, die beide später auf so wunderbare Weise mit dem Christentum harmonierten. Zuvor fanden sich bei den „Vorsokratikern“ skeptizistische (d.h. atheistische) und monotheistische Tendenzen. Alles begann mit dem monistischen Materialisten Thales. Ihm zufolge war das Wasser das „erste Prinzip“ bzw. der „Urstoff“, aus dem alles hervorgegangen ist. (Man lese dazu nochmals das obige Zitat von Meyerowitz!) Sein Nachfolger war Anaximander, der als erster dem ersten Prinzip des Kosmos Unendlichkeit zuschrieb. Für Anaximander war die Luft, der Atem, das erste Prinzip. Schließlich kommt Heraklit, der als erster vom Logos spricht. Sein erstes Prinzip ist das Feuer. (In vieler Hinsicht war er der Vorläufer Reichs, weshalb sich eine unabhängige Orgonomen-Gruppe aus Griechenland nach ihm benannt hat.) Parmenides und Anaxagoras sind die Urväter der Logik. Vom letzteren stammt das Wort: „Gott ist Einheit“. Einer seiner Studenten war der Skeptiker Archelaos, der wiederum der Lehrer von Sokrates war. Es folgen Plato, Aristoteles, Theophrastus und dessen Schüler Demetrios von Phaleron, der schließlich, wie angeschnitten, in Alexandrien beauftragt wurde, die Bibel der Juden zu „übersetzen“; eine „Übersetzung“, die zu der Bibel wurde, wie sie heute Juden und Christen gebrauchen. (Bei den Orthodoxen ist immer noch die Septuaginta maßgeblich, nicht etwa, wie bei Katholiken und Protestanten, die vermeintlich ursprüngliche hebräische „Urschrift“.)

Nur aus dem etablierten Christentum (dem Platonismus des Pöbels, Nietzsche) konnte sich dann seit der Renaissance die Naturwissenschaft entwickeln. Ohne Christentum hätte man den Donner mit dem Donnergott „erklären“, den Frühling mit der Frühlingsgöttin, den Krieg mit dem Kriegsgott etc. erklärt. Erst das Christentum fegte den „Götterhimmel“ leer und machte es dergestalt möglich im Sinne eines allgemeinen Naturgesetzes zu denken und so den Atheismus zu etablieren. Aus diesem Grund ist es auch kein „Wahnsinn“, wenn ich an dieser Stelle des öfteren erwähnt habe, daß eines Tages die Wissenschaft Orgonomie die Religion Christentum ablösen wird. Wir sind Atheisten – aber „Atheisten“ im Sinne der ersten christlichen Missionare und der Monisten, die nicht zuletzt Reich beeinflußt haben. Ich verweise in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf meinen vorgestrigen und gestrigen Blogeintrag!

Die Monisten und Energetiker (sic!), man denke nur an Ernst Haeckel („biogenetisches Grundgesetz“), standen vor allem für die Evolutionstheorie Darwins ein, d.h. die Selbstorganisation der Materie, die definitiv den Atheismus beweist. Die Evolutionstheorie wird von Töpfer schlichtweg als „Schwachsinn“ vom Tisch gewischt.

Schnipsel (nicht verwendete Passagen aus dem Artikel „Vade retro!“, 2016)

5. August 2023

Schnipsel (nicht verwendete Passagen aus dem Artikel „Vade retro!“, 2016)

BAL-N-Kurzfassung (Entwurf 2003/2011)

29. Juli 2023

BAL-N-Kurzfassung (Entwurf 2003/2011)

Orgonbiophysik und LSR (Teil 3)

28. Januar 2023

In seiner „paraphilosophischen“ Forschungsarbeit hat Laska stets seine „serendipity“ geleitet. Ein Wort, das bei ihm immer wieder und wieder auftaucht und das nur annähernd mit „glücklicher Zufall“ übersetzt werden kann. Es war immer das Vertrauen, sozusagen „Urvertrauen“ in den eigenen guten Riecher, der ihn Mitte der 1960er Jahre über das zufällige Hören eines Vortrags des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner in Frankfurts Club Voltaire zu Reich brachte, dessen Die sexuelle Revolution 1966 erschien. Ende der 1970er Jahre stolperte er über die marginale Erwähnung Max Stirners im Reichschen Werk (insbesondere in der Literaturliste zum Christusmord, das er zu dieser Zeit übersetzte), die sonst niemand groß beachtet hatte. Auf LaMettrie stieß er schließlich über den nihilistisch, anti-universalistischen Philosophen Panajotis Kondylis. Auf www.lsr-projekt.de heißt es dazu:

(Durch die Auseinandersetzung mit Reich und Stirner) sensibilisiert für die Problematik „Aufklärung“, die mir allenthalben inadäquat behandelt worden zu sein schien, kam mir Kondylis‘ große Studie von 1981 (Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus) in die Hände. Nachdem ich Kondylis‘ einleitende Bemerkungen über seinen „nihilistischen“ Standpunkt und seine Methode gelesen hatte, fand ich schnell und treffsicher jenes Kapitel heraus, das auf 15 Seiten das gedankliche Zentrum der 725-seitigen Abhandlung und zugleich die Achillesferse der Kondylis’schen Philosophie enthielt: „VII. Formen des Nihilismus in der Aufklärung. 3. Die Konsequenten: La Mettrie und Sade“ (S. 503-517).

Darin fiel mir sofort als krampfhaft und gewaltsam auf, daß Kondylis diese beiden Autoren unbedingt zusammenspannen, d.h. zu gleichgearteten „Nihilisten“, stilisieren will. Daraufhin befaßte ich mich intensiv mit den Originalschriften von La Mettrie und Sade und stellte, konträr zu Kondylis, deren im Kern geradezu gegensätzliche Positionen fest. Zugleich entdeckte ich in einer Art serendipity, daß die Kernidee La Mettries der von Stirner und der von Reich im Grunde gleicht und nur in anderen Begriffen zum Ausdruck gebracht worden ist – und daß es eben diese Kernidee gewesen sein muß, die L/S/R zu jeweils in ihrer Epoche einzigartigen Aufklärern gemacht hat, die insbesondere von den politisch erfolgreichen Aufklärern – also Voltaire, Diderot et al.; Marx, Nietzsche et al.; Freud et al. – geradezu verfemt worden sind.

Dieser grundsätzliche Ansatz, der von einem bestimmten „Lebensgefühl“ ausgeht und diesem vertraut, ist von der Struktur her identisch mit Reichs Vorgehen in der Orgonbiophysik.

Man nehme etwa Reichs bioelektrische Experimente: seit dem Band Jenseits der Psychologie wissen wir, wie Reich mit seinen Mitarbeitern aus dem Kaiser Wilhelm Institut (heute Max Planck Institut) ringen mußte. Für ihn waren die Ergebnisse gut genug, weil sie seine Intuition bestätigten und in den Gesamtrahmen (Kraus, Hartmann, Müller, Vegetotherapie, etc.) paßten. Die Kaiser Wilhelm-Leute wollten (auf Reichs Kosten, der das ganze aus eigener Tasche finanzieren mußte) das ganze weiter „absichern“. Man kann davon ausgehen, daß bei dieser „Absicherung“ das versickert wäre, um was es Reich ging. (Später haben Dew und Braid sowie Hebenstreit Reichs Experimente mit modernen Geräten wiederholt und weitgehend bestätigt.)

Und so in allem. Man kann Forschung auch scheinobjektiv betreiben, nämlich so, daß die zu erforschenden Phänomene buchstäblich im Datensalat versickern. Sei das nun, daß de Sade und LaMettrie beide der gleichen Kategorie zugeordnet werden und dergestalt der letztere sich von der Bedeutung her in nichts auflöst, oder etwa im Falle der beiden Sexualforscher Masters und Johnson bei der elektrophysiologischen Untersuchung der Sexualreaktion der Sadomasochismus und die Genitalität auf die gleiche Ebene gehoben werden, weil man „objektiv“, d.h. „wissenschaftlich“ an die Sache herangeht. „Liebe ist Liebe!“ – und deshalb bedeutungslos… Alles löst sich in bedeutungslose Willkür auf, entsprechend dem folgenlosen „Gelaber“ der Philosophen. Man landet in diese entropische Beliebigkeit, weil man nicht auf seinen guten Riecher vertraut, bzw. weil man sich nicht selbst vertraut, bzw. weil man eine „un-LSR-sche“ psychische Struktur hat und jedes Vertrauen zerstört ist.

Ähnliches läßt sich über die heutige psychiatrische Diagnostik sagen, die wirklich alles und zwar angeblich „ganzheitlich“ absichern will und dermaßen ins Detail geht, daß die zentralen Probleme des Patienten verschwinden. Reich hingegen hat seine Schüler immer gemahnt, bei Fallpräsentationen doch bitte auf diese Scheingenauigkeit zu verzichten und den Fall in vielleicht 10 Sätzen zu umreißen. Er hat in diesem Zusammenhang jedes „mechanische und systematische“ Denken verdammt (wie es heute von den ICD- und DSM-Manualen verkörpert wird) und an seine Stelle ein „funktionelles und strukturelles Denken und Vorstellen gesetzt“ (Charakteranalyse, KiWi TB, S. 426). Sozusagen: Nerven Sie mich nicht mit Details und systematischen Auflistungen, sondern streichen Sie hervor, welche Strukturen eine wichtige Funktion einnehmen!

Und genau hier ist eine Nähe zu LSR! Laskas Gegner würden zu gerne in abseitige Details gehen, vermeintlich „wissenschaftlich“ arbeiten, während Laska stur auf dem beharrt, was funktionell und strukturell wichtig ist. Klar, daß eine solche Arroganz, ein solches Vertrauen in die eigene serendipity, provoziert.

Das Problem mit den Forschungsobjekten Reichs ist doch, daß sie fast durchweg ziemlich „elusiv“ sind. Gut möglich etwa, daß jemand die Wirkung von Orgonenergie-Akkumulatoren (ORACs) auf Krebsmäuse untersucht, nichts findet und dann ausklamüsert, wie wohl Reich auf seine vermeintlich fehlerhaften Ergebnisse gekommen ist. Ohne daß dieser Jemand je auf den Gedanken kommt, daß seine ORACs zu groß sind; daß es bei ORACs nicht um eine mechanische „Bestrahlung“, sondern um den Kontakt zweier Energiefelder geht, wo es zu einer wechselseitigen „Erstrahlung“ kommt. Das mit der „Erstrahlung“ ist für ihn schon „unbewiesene Metaphysik“ und wenn man ihm sagt, daß er das doch selbst unter dem Mikroskop bei Bionen beobachten, auf der Couch eines Medizinischen Orgonomen erfahren und im ORAC spüren soll: „Bin ich hier in eine Sekte reingeraten?!“ Und wenn man ihm dann gar noch erklären muß, daß heutzutage die meisten ORACs energetisch tot sind und daß er sich doch bitte nach Maine oder Oregon begeben muß, um einen wirklich funktionstüchtigen ORAC zu erleben und daß er am besten dort seine Krebsmäuse-Experimente durchführen soll, aber nur wenn der (rein subjektive) DOR-Index unter „5“ ist…

Ja, wenn das so einfach mit der Orgonbiophysik wäre wie etwa mit der Festkörperphysik… Es ist ähnlich wie bei LSR: keine andere Theorie muß mit „Widerstandanalyse“ arbeiten. Foucault & Co. können ihre Ergebnisse auf den Tisch knallen und vor einem aufgeschlossenen Publikum mehr oder weniger klug darüber diskutieren. Laska kann das nicht!

Ich muß auch ständig an eine Anekdote denken, die Reichs Sekretärin Lois Wyvell beschrieben hat: tagsüber versuchte Reich seinen Mitarbeitern die Orgonbiophysik nahezubringen, die aber ständig ihm gegenüber vorschützten, ihnen fehle dafür die wissenschaftliche Vorbildung. Und was taten sie an den langen Abenden? Sie trafen sich in Dr. Howard Lee Wylies Hütte, der dort unter begeistertem Zuspruch Seminare über Elektronik (sic!) abhielt! Reich hantierte mit elusiven Phänomenen, die nicht anerkannt waren. Wylie mit Transistoren und Widerständen. Alles greifbar und anerkannt. Als Reich das rausfand, ist er natürlich ausgerastet.

Ähnlich Laska: LSR ist angeblich zu ungreifbar und verschwommen – aber „die Leute“ haben unendlich viel Zeit und Geduld, um sich mit verwirrenden (aber „(geistes)wissenschaftlich“ anerkannten) Dingen wie Deleuze und Nietzsche abzugeben. Und dann geifern sie Laska an: er wäre der Obskurantist, der sich mit abwegigen Dingen beschäftigt.

Aaaarrrggghhhhhhhhhhh!

10. Januar 2020

Neulich habe ich von einem Messerangriff auf eine Frau in Langenhorn berichtet (siehe dort den Kommentarbereich!). Beim Spazierengehen wurde ihr in den Unterarm gestochen. Mit anderen Worten, auf den Oberkörper gerichtet zugestochen, Abwehrbewegung, aber ist ja nur „eine Verletzung am Unterarm“… Nun nehme ich den kostenlosen Langenhorner Lokal Anzeiger aus dem Briefkasten. Es wird über den Hamburger „Airport“ (sic!) berichtet, daß Innensenator Grote nächste Woche über die Innere Sicherheit mit dem Bürger in Nod-Hamburg in Austausche treten will (der Gastgeber, der sich über eine „spannende Diskussion“ freut, ist Gulfam Malik, der Langenhorner SPD-Bürgerschaftsabgeordnete), über einen politischen „Brunch“ (sic!) zu den Vorwahlen in – na? – den USA… Nichts über den Mordversuch! Vollkommen bizarr.

Stattdessen habe ich auf S. 7 einen Artikel entdeckt, der wirklich alles über die heutigen DDR 2.0-Zustände sagt: „KLARE KANTE in der Bugenhagenschule Alsterdorf“. Dort heißt es_

Zum zweiten Mal war der Logik-Trainer Dr. Thomas Thielen im Dezember mit dem Projekt KLARE KANTE zu Gast in der Bugenhagenschule.

In der ersten Veranstaltung wurden die Schüler mit den typischen Strategien von Populisten und den häufigen rhetorischen Mitteln und Kniffen ihrer Kampagnen vertraut gemacht. Im Seminar wurden praxisnah konkrete Möglichkeiten erarbeitet, Parolen im direkten Dialog argumentativ zu kontern („Counter Speech“ [sic!]), ohne dabei selbst den Boden demokratischer Gesinnung verlassen zu müsse.

Klingt nach dem Einweisen von FDJ-Kadern! (Übrigens hier ein Beispiel für „Kaunterspietzsch“!) Die „Schülerinnen und Schüler“ seien „hochmotiviert“ gewesen und hätten „mutige Fragen“ (sic!) gestellt. – Ein Duktus, wie zu Zeiten der „DDR“ – oder noch früher… Leute, das muß man sich mal reinziehen, daß in den Schulen offiziell die EINZIGE Oppositionspartei mit einer dummdreisten Indoktrination bekämpft wird. Geht’s noch?!

Schauen wir diesem „Logik-Lehrer“ doch mal über die Schulter. Zunächst:

Dr. Thomas Thielen ist promovierter Philologe; er arbeitet als Pädagogischer Leiter in einem Studienseminar und unterrichtet selbst Latein, Englisch, Philosophie und Werte und Normen. Neben dieser Tätigkeit berät er in verschiedenen Foren Politiker und Journalisten großer Tageszeitungen bzgl. der rhetorischen Mittel und grundlegenden Strategien der Populisten, die er in einem Team von Historikern, Soziologen, Philosophen und Linguisten erforscht hat. Momentan arbeitet er an einem Schulbuch, in dem das Konzept des Seminars für verschiedene Fächer elaboriert und angewendet wird. Er unterstützt, etwa in den sozialen Medien, Gruppen (#ichbinhier, Journalisten-Foren, Schülerinitiativen), die Counter Speech gegen populistische Parolen betreiben.

Und wie sieht diese Indoktrination, die sich sozusagen als, ähhh, „counter indoctrination“ geriert, nun konkret aus? Nehmen wir das von uns „Populisten“ angedachte Verbot von Kopftüchern bei Schülerinnen. Dazu unser Logik-Meister:

Vernunftlogisch ließe sich diese Position aber ganz sinnvoll begründen, nämlich indem man darauf abhebt, wie sinnvoll es eigentlich ist, Freiheit befehlen zu wollen, denn darin liegt ja ein Selbstwiderspruch. Also, wenn man sagt: ‚Ich möchte Irritationen vermeiden, ich gehe davon aus, daß hier eine Unterdrückung stattfindet‘, dann kann man ein Gesetz, das Freiheit befiehlt, nicht selbstkonsistent denken. Denn damit nimmt man den freien Willen, auch ein Kopftuch tragen zu dürfen, weg, um Freiheit zu ermöglichen. Das ist nicht logisch. (…) Ich möchte aber nochmal betonen, das heißt, das ist die rein logische Position. Das heißt, daß politisch man diese Sache ganz anders beurteilen kann.

Blablabla. Ja, ja, wir sind diejenigen, die „irritiert“ sind, was impliziert, daß WIR uns anpassen und an bekopftuchte Kinder gewöhnen sollten! Blablabla. Ja, ja, „der freie Wille“ – bei einem von Geburt an und von der Familie ABSOLUT abhängigen jungen Mädchen… Und dieser strunzdumme Quark nicht von Dr. Oetker, sondern von Dr. Thielen und das auch noch im Namen von Aufklärung und gar Vernunft! Das läuft dann im weiteren Text darauf hinaus, daß man das ganze differenziert sehen müsse – mit anderen Worten: mit Dr. Thielen wird es niemals ein Kopftuchverbot geben können. Alles immer „differenziert“ betrachten – eben „KLARRRRE KANTE“ gegen Populisten zeigen! Meine Fresse!

Als Psychoanalytiker, als sozialer Aktivist und als Wissenschaftler mußte sich Reich ständig mit derartigen „Logikern“ herumschlagen, die erstens vollkommen losgelöst vom Leben eine „Logik“ betreiben, die ob dieser Kontaktlosigkeit tatsächlich krasse Unlogik ist und die zweitens gar nicht merken, daß sie sich mit jedem Satz selbst richten. Diese Leute sind aus charakterstrukturellen Gründen unfähig, irgendwas konsequent zuendezudenken, d.h. funktionell zu denken. Wie kontaktlos kann man eigentlich sein? Ich verweise auch noch mal auf den anfangs erwähnten Duktus des Artikels aus dem Lokal Anzeiger und den Zusammenhang mit der Unterdrückung von Informationen, damit die Leute nicht anfällig für „Populismus“ werden. – Ja, genau das ist der Unterschied zwischen formaler und funktioneller Logik!

Schade, daß es auf diesem Blog nicht mehr die Kategorie „Comedy“ gibt! Aaaarrrgghhhhhhhhh! Nääää, wirklich lustig ist das auch gar nicht. Was mich wirklich zur Weißglut treibt, ist, daß sich „einfache Menschen“ von derartiger pseudointellektueller degoutanter KACKSCHEISSE einschüchtern lassen und wie hypnotisierte Schafe weiter zur Schlachtbank trotten!