Posts Tagged ‘Werte’

Aaaarrrggghhhhhhhhhhh!

10. Januar 2020

Neulich habe ich von einem Messerangriff auf eine Frau in Langenhorn berichtet (siehe dort den Kommentarbereich!). Beim Spazierengehen wurde ihr in den Unterarm gestochen. Mit anderen Worten, auf den Oberkörper gerichtet zugestochen, Abwehrbewegung, aber ist ja nur „eine Verletzung am Unterarm“… Nun nehme ich den kostenlosen Langenhorner Lokal Anzeiger aus dem Briefkasten. Es wird über den Hamburger „Airport“ (sic!) berichtet, daß Innensenator Grote nächste Woche über die Innere Sicherheit mit dem Bürger in Nod-Hamburg in Austausche treten will (der Gastgeber, der sich über eine „spannende Diskussion“ freut, ist Gulfam Malik, der Langenhorner SPD-Bürgerschaftsabgeordnete), über einen politischen „Brunch“ (sic!) zu den Vorwahlen in – na? – den USA… Nichts über den Mordversuch! Vollkommen bizarr.

Stattdessen habe ich auf S. 7 einen Artikel entdeckt, der wirklich alles über die heutigen DDR 2.0-Zustände sagt: „KLARE KANTE in der Bugenhagenschule Alsterdorf“. Dort heißt es_

Zum zweiten Mal war der Logik-Trainer Dr. Thomas Thielen im Dezember mit dem Projekt KLARE KANTE zu Gast in der Bugenhagenschule.

In der ersten Veranstaltung wurden die Schüler mit den typischen Strategien von Populisten und den häufigen rhetorischen Mitteln und Kniffen ihrer Kampagnen vertraut gemacht. Im Seminar wurden praxisnah konkrete Möglichkeiten erarbeitet, Parolen im direkten Dialog argumentativ zu kontern („Counter Speech“ [sic!]), ohne dabei selbst den Boden demokratischer Gesinnung verlassen zu müsse.

Klingt nach dem Einweisen von FDJ-Kadern! (Übrigens hier ein Beispiel für „Kaunterspietzsch“!) Die „Schülerinnen und Schüler“ seien „hochmotiviert“ gewesen und hätten „mutige Fragen“ (sic!) gestellt. – Ein Duktus, wie zu Zeiten der „DDR“ – oder noch früher… Leute, das muß man sich mal reinziehen, daß in den Schulen offiziell die EINZIGE Oppositionspartei mit einer dummdreisten Indoktrination bekämpft wird. Geht’s noch?!

Schauen wir diesem „Logik-Lehrer“ doch mal über die Schulter. Zunächst:

Dr. Thomas Thielen ist promovierter Philologe; er arbeitet als Pädagogischer Leiter in einem Studienseminar und unterrichtet selbst Latein, Englisch, Philosophie und Werte und Normen. Neben dieser Tätigkeit berät er in verschiedenen Foren Politiker und Journalisten großer Tageszeitungen bzgl. der rhetorischen Mittel und grundlegenden Strategien der Populisten, die er in einem Team von Historikern, Soziologen, Philosophen und Linguisten erforscht hat. Momentan arbeitet er an einem Schulbuch, in dem das Konzept des Seminars für verschiedene Fächer elaboriert und angewendet wird. Er unterstützt, etwa in den sozialen Medien, Gruppen (#ichbinhier, Journalisten-Foren, Schülerinitiativen), die Counter Speech gegen populistische Parolen betreiben.

Und wie sieht diese Indoktrination, die sich sozusagen als, ähhh, „counter indoctrination“ geriert, nun konkret aus? Nehmen wir das von uns „Populisten“ angedachte Verbot von Kopftüchern bei Schülerinnen. Dazu unser Logik-Meister:

Vernunftlogisch ließe sich diese Position aber ganz sinnvoll begründen, nämlich indem man darauf abhebt, wie sinnvoll es eigentlich ist, Freiheit befehlen zu wollen, denn darin liegt ja ein Selbstwiderspruch. Also, wenn man sagt: ‚Ich möchte Irritationen vermeiden, ich gehe davon aus, daß hier eine Unterdrückung stattfindet‘, dann kann man ein Gesetz, das Freiheit befiehlt, nicht selbstkonsistent denken. Denn damit nimmt man den freien Willen, auch ein Kopftuch tragen zu dürfen, weg, um Freiheit zu ermöglichen. Das ist nicht logisch. (…) Ich möchte aber nochmal betonen, das heißt, das ist die rein logische Position. Das heißt, daß politisch man diese Sache ganz anders beurteilen kann.

Blablabla. Ja, ja, wir sind diejenigen, die „irritiert“ sind, was impliziert, daß WIR uns anpassen und an bekopftuchte Kinder gewöhnen sollten! Blablabla. Ja, ja, „der freie Wille“ – bei einem von Geburt an und von der Familie ABSOLUT abhängigen jungen Mädchen… Und dieser strunzdumme Quark nicht von Dr. Oetker, sondern von Dr. Thielen und das auch noch im Namen von Aufklärung und gar Vernunft! Das läuft dann im weiteren Text darauf hinaus, daß man das ganze differenziert sehen müsse – mit anderen Worten: mit Dr. Thielen wird es niemals ein Kopftuchverbot geben können. Alles immer „differenziert“ betrachten – eben „KLARRRRE KANTE“ gegen Populisten zeigen! Meine Fresse!

Als Psychoanalytiker, als sozialer Aktivist und als Wissenschaftler mußte sich Reich ständig mit derartigen „Logikern“ herumschlagen, die erstens vollkommen losgelöst vom Leben eine „Logik“ betreiben, die ob dieser Kontaktlosigkeit tatsächlich krasse Unlogik ist und die zweitens gar nicht merken, daß sie sich mit jedem Satz selbst richten. Diese Leute sind aus charakterstrukturellen Gründen unfähig, irgendwas konsequent zuendezudenken, d.h. funktionell zu denken. Wie kontaktlos kann man eigentlich sein? Ich verweise auch noch mal auf den anfangs erwähnten Duktus des Artikels aus dem Lokal Anzeiger und den Zusammenhang mit der Unterdrückung von Informationen, damit die Leute nicht anfällig für „Populismus“ werden. – Ja, genau das ist der Unterschied zwischen formaler und funktioneller Logik!

Schade, daß es auf diesem Blog nicht mehr die Kategorie „Comedy“ gibt! Aaaarrrgghhhhhhhhh! Nääää, wirklich lustig ist das auch gar nicht. Was mich wirklich zur Weißglut treibt, ist, daß sich „einfache Menschen“ von derartiger pseudointellektueller degoutanter KACKSCHEISSE einschüchtern lassen und wie hypnotisierte Schafe weiter zur Schlachtbank trotten!

David Holbrook, M.D.: DER WEG IST DAS ZIEL

4. November 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Der Weg ist das Ziel

 

Unsere gespaltene Nation

26. August 2019

Dr. Charles Konia beschreibt den Untergang des Abendlandes:

Unsere gespaltene Nation

ZUKUNFTSKINDER: 6. Das sexuelle Elend der Jugend, e. Der kastrierte Junge

7. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

6. Das sexuelle Elend der Jugend, e. Der kastrierte Junge

Der Wert von Werten

7. Dezember 2011

Nietzsche zufolge konstituiert sich alles Leben durch Perspektiv- und Horizontbildung. Die Schaffung eines „Lebensraumes“ durch den „Willen zur Macht“ = Willen zur Beständigung = Ewige Wiederkehr = „Sein“. Leben ist die Formung einer Perspektive, ob nun organisch oder geistig. In diesem Sinne beruht, nach Nietzsche, das Leben auf einem Grundirrtum, nämlich dem, daß es im „dionysischen“ Fluß der Zeit etwas „apollinisch“ Beharrendes gibt. Alles, was existieren will, müsse sich mit einer „perspektivischen Sphäre“ umgeben. Das Prinzip der Individuation, ob es sich nun im biologischen Organismus oder in unserer Gedankenwelt mit ihren Hoffnungen und dem Empfinden der Individualität zeigt, ist nichts weiter als ein lebensnotwendiger Schein – die Illusion des Seins, wo es nur den ewigen Wechsel von Werden und Vergehen gibt. Genauso wie das biologische Leben eine Struktur braucht, benötigt auch jede Form von bewußtem Leben eine geistige Struktur, um nicht im Fluß der Zeit auseinandergerissen zu werden. Es ist wie das Öffnen der Bauchhöhle: die inneren Organe fallen aus dem orgonotischen System heraus und der Mensch vergeht.

Leben ist Werten = Werte bestimmen = Urteilen = Ur-Teilen = etwas aus dem undifferenzierten Chaos herausheben. Nietzsche:

Wenn wir von Werten reden, reden wir unter der Inspiration, unter der Optik des Lebens: das Leben selbst zwingt uns Werte anzusetzen, das Leben selbst wertet durch uns, wenn wir Werte ansetzen… (Götzendämmerung, Moral als Widernatur, A 5)

Das Leben ist natürlich das Orgon, nicht als „Sein“, als metaphysische Substanz, sondern als Potential für scheinbar „Seiendes“, so wie Reich es in Die kosmische Überlagerung (S. 40-68) am Beispiel der Formation von Lebensformen aus der primordialen Bewegung des Orgons dargestellt hat.

Es gibt kein „Sein“, da alles nur in der Zeit (nicht) „ist“. Um aber überhaupt existieren zu können, müssen wir „Sein“ simulieren, indem „ganz unten“ die Zelle so tut, als „wäre“ sie (in Wirklichkeit unterliegen aber auch ihre Strukturen dem ständigen Fluß, dem sie früher oder später ganz nachgeben müssen) und indem „ganz oben“ der Mensch sich ein Weltbild errichtet, in dessen Bezugssystem er „sein“ kann. Alles ist Schein, aber, und das ist Nietzsches Punkt, es kommt darauf an, ob es ein dem Leben dienender Schein (z.B. das animistische Weltbild von Ureinwohnern) oder ob er ein dem Leben schadender Schein ist (z.B. der Glauben an Engel und Teufel). Auch das Kind braucht für seine gesunde Entwicklung etwas, woran es glauben kann – es kommt nur darauf an, ihm einen lebenspositiven Schein zu vermitteln. Nietzsche sprach nicht von der Abschaffung aller Werte, sondern von der Umwertung aller Werte (vgl. auch Jerome Edens Auseinandersetzung mit Nietzsche und Reich in The Value of Values, Careywood, Idaho 1980).

Auf den ersten Blick hat die Orgonomie an sich wenig mit Werten gemein, denn die erinnern an das Über-Ich und damit an die Panzerung. Doch man kann ein „Wertesystem“ auch als notwendige orgonotische Struktur betrachten, so wie z.B. Muschelgehäuse lebensnotwendige orgonotische Strukturen sind. Die lebenswichtige, ja das Leben erst konstituierende Membran des ursprünglichsten orgonotischen Systems, des Bions entspricht den Hüllen von Zellen mit ihren Rezeptoren, dem unterschiedlichen Aussehen der Tierarten, bis hin zur „Corporate Identity“ in der Wirtschaft und den Persönlichkeiten von Menschen.

Genauso wie sich aus dem Fluß des Orgons orgonotische Systeme herausbilden, indem sie eine Membran formen, muß auf geistiger Ebene der Mensch „perspektivische“ Glaubenssysteme entwerfen, um „sein“ zu können. Zerstört man z.B. das Weltbild von genitalen Naturvölkern durch die Zivilisation, gehen die betreffenden Völker zugrunde, da die Grundlage ihres „Seins“ unter ihnen weggezogen wurde. Kinder werden neurotisch, wenn sie einerseits ziemlich frei erzogen werden, andererseits aber keine Werte, keinen Glauben vermittelt bekommen. Nimmt man einem Menschen seinen Glauben, stirbt er, was den mörderischen Haß der Gläubigen erklärt. Es geht buchstäblich um Leben oder Tod. Es gibt so etwas wie „moralischen Krebs“: Menschen mit Werten haben etwas Dynamisches an sich, während anarchische Menschen in ihrer Eigenheit verharren, „sitzen bleiben“, wie Reich es nannte, nicht vom Willen nach vorne getrieben werden, d.h. auch im Prägenitalen hängenbleiben.

Aus diesem Grunde glaubte Nietzsche, daß der Tod Gottes den Untergang der Menschheit bedeuten würde, wenn der Mensch sich nicht selbst Werte setzte. Aber der heutige Mensch sei zu schwach zu glauben („wie Jakob mit einem Gott zu ringen“) oder Werte zu „setzen“ – und einfach nur ein verächtliches unendlich perverses, dekadentes in seiner heillosen Entartung dem sicheren Untergang geweihtes Nichts, dessen „Emanzipation“ gleichbedeutend mit dem Weg in den Tod ist. Wer kennt nicht den typischen Jugendlichen, der an nichts glaubt, mit seinem leeren Blick – er braucht nicht erst Selbstmord begehen – er ist schon tot! Deshalb sind sinnstiftende religiöse und kulturelle Aktivitäten genauso lebensnotwendig wie die Arbeit.