Wer in den letzten Jahren den Inhalt des Journal of Orgonomy verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, daß es zunehmend sozusagen „oberflächlicher“ geworden ist. Keine Artikel mehr über Orgonbiophysik, und selbst die über die medizinische Orgonomie enthalten sich weitgehend eines „orgonomischen Jargons“ und könnten in einer entsprechenden nicht-orgonomischen Zeitschrift erscheinen, ohne groß aufzufallen. Das gleiche gilt für Artikel über die soziale Orgonomie, die immer mehr den Inhalt dominiert. Teilweise kann man ganze Nummern durchlesen, ohne großartig auf spezifisch Orgonomisches zu treffen.
Ganz ähnlich ist es mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt bestellt. Es ist praktisch unmöglich mit Rückgriff auf Laska selbst einem Außenstehenden zu erklären, worum es eigentlich geht; was denn der Kern, die Essenz, dessen sein soll, für das die Namen LaMettrie, Stirner und Reich stehen! Im Laufe der Jahre, also seit der „Reichianer“ Laska Ende der 1970er Jahr Stirner für sich entdeckte, reduzierte sich sein damals langsam Gestalt annehmendes Projekt immer mehr auf Rezeptionsgeschichte bzw. „Repulsionsgeschichte“. Wie in der Charakteranalyse ging es zunehmend nicht mehr um die Deutung des Inhalts, sondern um die Analyse des Widerstands eben dieses Inhalts, bis von dem überhaupt nicht mehr die Rede war. Laska wollte nicht das vollends „zerreden“, was eh abgewehrt wird!
Beim American College of Orgonomy ist es ähnlich: da alles Tiefergehende, d.h. der eigentliche Inhalt der Orgonomie durch die gepanzerte Menschheit von vornherein abgeblockt und „bestenfalls“ (was hier gleichbedeutend mit schlimmstenfalls ist) heillos mystifiziert wird, ist es besser, das Publikum da abzuholen wo es ist, also wie in einer Orgontherapie vorzugehen: mit der Oberfläche anfangen.
So sehr ich diese Herangehensweise zu würdigen weiß, halte ich sie doch für problematisch. Erstens ist es eindeutig Selbstsabotage durch „Selbstzensur“. Auf diese Weise erscheinen jeweils das LSR-Projekt und die Orgonomie als geradezu langweilig. Das Faszinosum geht flöten, das erst mal das Publikum auf einen aufmerksam macht.
Es ist wie bei einer jungen Frau, die durch ihr Outfit und Gehabe auf den ersten Blick weitaus mehr verspricht, nämlich Sex, als sie zumindest anfangs zu geben bereit ist. Was soll der Augenaufschlag, die rotbemalten Lippen, das Dekolleté und die Nuancierung aller sonstigen weiblichen Körpersignale denn anderes bedeuten als eine Aufforderung zum Koitus?! Erst danach fängt das mühsame Geschäft des langsamen Überwindens der Widerstände an, bis es dann endlich wirklich zur Sache kommt. Sie würde als alte Jungfer sterben, wenn sie von Anfang an so deeskalierend auf dem Markt des Flirtens erscheinen würde, nämlich trocken, zugeknöpft und weit entfernt von jedwedem Sexappeal!
Wenn das so weitergeht, wird das LSR-Projekt und die Orgonomie genauso enden…
Verkomplizierend kommt die gottverfluchte lebensfeindliche Pornographie hinzu, die alles vergiftet, Konfusion erzeugt und Signale wertlos macht. Genau das ist ja auch ihre pestilente Funktion! Bei der Orgonomie ist es all das „Orgonit“ und der ganze restliche „energetische“, „spirituelle“, „esoterische“ Firlefanz, so daß man das Wort „Orgon“ kaum noch aussprechen mag. Bei LSR ist es all der pseudoaufklärerische Dreck, der, wie insbesondere von Nietzsche vorexerziert, alles „LSRische“ in einer Kakophonie erstickt, die irgendwo im Niemandsland zwischen LaMettrie und DeSade, Stirner und Marx, Reich und Freud/Marcuse/Foucault wie eine Giftwolke aus Schwefelwasserstoff wabert.
1. Sowohl bei Freud als auch bei Reich sei die Störung der natürlichen Libido-Ökonomie die Ursache der Neurose. Tatsächlich betrachtete Freud jedoch das Ich als intrinsisch zu schwach, um mit den Trieben fertigzuwerden, so daß eine neurotische Entwicklung, d.h. das Auffahren diverser Abwehrmechanismen, unausweichlich sei, solle der Mensch nicht in haltloser Perversion a la de Sade versinken. Freud und Reich waren Gegensätze, auch wenn zumindest Reich das nicht recht wahrhaben wollte.
2. Gesunde Kinder sind nicht „polymorph pervers“! Beim gesunden Kind kommen spontan nur die orale und die genitale Libido zum Ausdruck. Insbesondere die anale Libido ist ein reines Kulturprodukt.
3. Reichs Lösung für die negative therapeutische Reaktion, also schlichtweg die Selbstsabotage der Patienten, wären befriedigende sexuelle Beziehungen gewesen. Nun, dagegen besteht ja gerade die Abwehr! Die Abwehrmechanismen müssen angegangen werden, bevor die Funktion des Orgasmus überhaupt greifen kann!
4. In der Orgontherapie gibt es keine „Atemtechnik“! Es geht darum, daß spontane naturgegebene Atmen zu befreien. Patienten das „richtige Atmen“ beibringen zu wollen oder es „einzutrainieren“, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Orgontherapie ist kein „Yoga“, sondern das diametrale Gegenteil!
5. Reich habe nur im Stalinismus einen Roten Faschismus gesehen. Lenin, Stalin und Mao hätten die ursprünglich emanzipatorischen Ansätze von Marx autoritär entstellt. Nun, Reich betrachtete auch die Labour-Regierung Englands nach dem Zweiten Weltkrieg als Roten Faschismus. Roter Faschismus ist nicht nur brutale Unmenschlichkeit unter linken Vorzeichen, sondern vor allem die politische Ausbeutung und zynische Perpetuierung der Hilflosigkeit der Massen. In dieser Hinsicht war Lenin für den in dieser Hinsicht arg naiven Reich die große Ausnahme, die Reich bis zum Ende gepriesen hat, wollte Lenin doch, daß der Staat unter Beteiligung aller Arbeitenden geleitet wird und in diesem Prozeß schließlich als überflüssig „arbeitsdemokratisch“ abstirbt. Im Vergleich dazu ist der Einfluß von Marx auf Reich eher marginal!
6. Soziopathen, Psychopathen und Faschisten hätten keine „dritte Schicht“, keine soziale Fassade, die die sekundären Triebe in Schach hält. Das mache sie so gefährlich. Vollständiger Unsinn! Ganz im Gegenteil haben sie eine sehr ausgeprägte soziale Fassade, nur daß diese ganz im Dienste der sekundären Schicht steht. Der Rote Faschist gibt vor, gegen die sekundäre Schicht zu sein, – um diese dann um so besser ausdrücken zu können.
7. Im Zentrum des politischen Elends steht, daß man immer den jeweils anderen die Schuld am menschlichen Elend gibt, während man das eigentliche Problem, nämlich die Emotionelle Pest, außer acht läßt. Oder anders formuliert: Moral („der Kampf gegen das Böse“) bringt immer das Gegenteil des Beabsichtigten hervor, nämlich Unmoral, das Böse. Versucht man nun in „orgonomischen“ Kreisen Beispiele aus der aktuellen Politik für diesen Mechanismus anzuführen, wird man sofort in eine pseudo-orgonomische politische Diskussion verwickelt, bei der es darum geht, der Gegenseite die Schuld zuzuschreiben. Das eigentliche Problem, das man doch nur exemplifiziere wollte, nämlich die zugrundeliegende Emotionelle Pest, fällt so wieder unter den Tisch.
By the way: Du lebst in einem rotfaschistischen Land!
Nach dem gestrigen Ende meiner überlangen Serie über LSR und den Konservatismus hier ein Beispiel dafür, warum Laska immer auf Distanz zu mir ging, denn: Nasselstein interessiert sich für jeden Unsinn…
Schon interessant, wie Nasselsteins chaotisches Gehirn funktioniert. Ein Bekannter erwähnt seinen Sohn, der unter dem Einfluß seiner Altersgenossen auf unerklärliche Weise von konservativ auf „woke“ umgeschwenkt ist. In einem anderen Zusammenhang erwähnte ich gleich danach die Gleichung des Kontakts: Strömung –> Erregung + Wahrnehmung (siehe die Gleichung am Ende des Blogteintrags). Am gleichen Abend bin ich auf YouTube über die Diskussion eines amerikanischen Pastors über seine Erfahrungen mit Besessenen und Dämonen gestolpert. Ohne die passende Begrifflichkeit zur Hand zu haben, kam mir in den letzten Monaten oder sogar Jahren in den Sinn, daß woke Linke mir den Eindruck vermittelten, „besessen“ zu sein. Die psychischen Probleme, insbesondere Depression, der ungesunde Teint, die Faszination für Entropie und die Zerstörung der deutschen Industrie und der deutschen Kultur, Deutschlands an sich, die völlige Unfähigkeit, eine rationale Diskussion zu führen jenseits von Kläffen, Grunzen und „Nazi!“-Gebrüll, man kann ihren „schlechten emotionalen Geruch“ förmlich wahrnehmen, die Häßlichkeit, das Dämonische (siehe Kamala Harris), die groteske Bösartigkeit (Drag Queen Story Hour – WTF!!!).
Seit geraumer Zeit bin ich von randständigen, quasi „esoterischen“ Theorien fasziniert, wonach Geisteskranke buchstäblich von Dämonen besessen sind. Aber ich konnte mir nie einen orgonomischen Reim darauf machen. Als ich in besagter Nacht beim Einschlafen war, kam mir plötzlich der Gedanke, daß dies alles in der Grundgleichung Strömung –> Erregung + Wahrnehmung enthalten ist, wobei nur der Erregungsteil von den Orgonomen sinnvoll entwickelt wurde, während der Wahrnehmungsteil etwas schwer faßbar blieb. Mir kam in den Sinn, daß es überall dort, wo es Erregung gibt, zwangsläufig auch Wahrnehmung geben müsse – und so wie die Erregung funktionierende Einheiten schafft (z.B. Bione oder sogar Formen in der unbelebten Natur), gibt es vielleicht etwas Ähnliches oder vielmehr Paralleles dazu im Bereich der Wahrnehmung. Es gibt einen Hinweis darauf in Reichs Schriften (Äther, Gott und Teufel), wenn er das Glaubenssystem aller indigenen Völker, denen wir je begegnet sind, erörtert. Sie alle, ohne jede Ausnahme, glauben an „Animismus“, d.h. nicht nur an eine quasi physische Lebenskraft (Erregung), sondern auch an bewußte „Geister“, die mit jeder vorstellbaren physischen Entität verbunden sind. Reich besteht darauf, daß es sich dabei nicht einfach um Mystizismus handelt (verzerrte Wahrnehmung aufgrund von Panzerung), sondern um eine unverzerrte Wahrnehmung orgonotischer Funktionen, die von den Stämmen aufgrund ihres Mangels an wissenschaftlichen Kenntnissen nur falsch interpretiert wurden. Ich frage mich, ob ihre Wahrnehmung „realer“ war, als Reich vermutete.
Vielleicht haben die Christen Recht und es findet so etwas wie ein „geistiger Krieg“ statt. Man schaue sich nur die jüngsten woken Olympischen Spiele in Paris an, bei denen immer nur „Jesus Christus“ angegriffen wird, und es gibt immer wieder anekdotische „Beweise“ dafür, daß vermeintliche „Außerirdische von anderen Galaxien“ seltsamerweise auf die Beschwörung Jesu reagieren, wie es „Dämonen“ tun würden. Ist es nicht seltsam, daß man in Großbritannien verhaftet wird, wenn man in der Nähe von Abtreibungskliniken ein STILLES Gebet abhält? All das verrückte Zeug, das ein amerikanischer Evangelikaler vorbringen würde – wo ich immer sagen muß: Da hat er/sie ja recht! Demokraten („Hollywood“) führen offen dämonische Rituale durch, Lady Gaga, Madonna, Beyonce, Taylor Swift. – Das heißt nicht, daß ich christlich oder „spirituell“ oder so werde. Ganz im Gegenteil, um die Mystik zu besiegen, muß man sie wirklich verstehen. Jedenfalls glaubten im Laufe der Geschichte und, global gesehen, auch heute noch 99% aller Menschen an die „geistige Welt“.
Kann es sein, daß, wie gestern kurz bereits angedeutet, das „vertikale“ Über-Ich so etwas wie eine Besitzergreifung ist? Frei nach Otto Groß wird das Eigene vom Fremden okkupiert. Ziel des Christen ist es, daß sein Wille identisch ist mit dem Willen Gottes. Ich erinnere daran, daß das moralinduzierende Über-Ich genau die Verderbtheit erst erzeugt, die sie angeblich verhindern will. Man denke auch daran, daß der „Satanismus“ von De Sade bis Richard Ramirez nichts anderes war als spiegelverkehrter Katholizismus. Außerdem zeugt das isolierte, tyrannische, wie ein Trieb agierende Über-Ich des triebhaften Charakters, wie ihn Reich 1925 beschrieben hat, von der dämonischen Natur des Über-Ichs. Während das Neben-Ich (siehe ebenfalls den Eintrag von gestern) dem Animismus entspricht?
Ich verdanke Christian Fernandes sehr viel. Mit seiner akribischen und bahnbrechenden Herausarbeitung des Konzepts der „tugendhaften Lust“ bei LaMettrie hat er mir Reich und die Orgonomie neu erschlossen. Als, for lack of a better term, „Reichianer“ fristet man schon eine merkwürdige Existenz. Beispielsweise bin ich im vergangenen Wochenende vollkommen unvermittelt und unvorbereitet in den gigantischen Hamburger CSD-Umzug hineingeraten. Eine Millionenmetropole ganz im Zeichen der orgastischen Impotenz und der Feier der „Buntheit“ der sekundären Triebe. Vollkommen ausgetickt („Scheiße, ich MUSS hier weg!“) bin ich, angesichts eines lesbischen Paares mit der kleinen Tochter in der Mitte, die begeistert eine kleine Regenbogenfahne schwang. Entweder bin ich vollkommen gaga – oder alle anderen… Von all dem ganz offen antisexuellen Zeugs, das mir von konservativer Seite seit meiner Geburt meist nonverbal und subkutan eingetrichtert wurde, brauche ich gar nicht erst anfangen. Ein Außerirdischer erleidet eine Bruchlandung auf einem Planeten voller maliziöser Horrorclowns!
Die Lektüre dieses Buches war für mich eine große Erleichterung. Endlich eine Stimme, die nichts mit Reich zu tun hat, aber in jedem Satz und vollkommen unabhängig und im Rekurs auf einen Mann, der vor fast drei Jahrhunderten lebte, – die vollkommen in Übereinstimmung mit der Reichschen Orgasmustheorie steht. Endlich die Wahrheit der Sexualökonomie in eigenen Worten, frisch erzählt. Befreit vom ewig gleichen „Reichianischen“ Mantra konnte ich förmlich aufatmen. Genitalität existiert und ist der eine Faktor, um den sich das gesamte „Geistesleben“ der Menschen dreht.
Das Besondere an LaMettrie ist nicht nur, daß er im Gegensatz zu de Sade und Casanova und Rousseau etc. die Genitalität vorbehaltlos feiert, sondern stets im Zusammenhang mit dem Problem des zerstörerisch wirkenden Schuldgefühls sieht. Es ist eine Vorwegnahme von Reichs Orgasmustheorie und, wenn man so will, „Über-Ich-Theorie“ (Panzerungstheorie = Charakteranalyse). Genau wie bei Reich sind auch bei LaMettrie diese beiden Elemente nicht voneinander zu trennen. Die befriedigende Lust reguliert das Seelen- und Sozialleben, weil sie „tugendhaft“ macht und damit das Schuldgefühl, das der Untugend Grenzen setzen soll, überflüssig macht. Wobei umgekehrt das Schuldgefühl eine befriedigende Lust unmöglich macht. Es geht schlichtweg darum, die gesamte scheinbar rettungslos verpeilte Gesellschaft vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Wenn man sich jahrzehntelang mit Reich beschäftigt, wird man schließlich betriebsblind. Ich danke Christian Fernandes dafür, mich wieder zum Kern der Angelegenheit gebracht zu haben. Hinzu kommt, daß diese Arbeit die erste Fortführung und eigenständige Weiterentwicklung von Laskas LSR-Projekt darstellt. Besser geht es nicht!
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Meines Erachtens gibt es eine entscheidende Lücke im LSR-Projekt: das Gewissen. Wenn ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Freundin habe, weil ich selbstsüchtig gehandelt habe, spricht dann mein „Über-Ich“ bzw. meine „Panzerung“? NEIN! Ganz im Gegenteil: ich habe mich wie ein Schwein verhalten, weil ich gepanzert bzw. durch das Über-Ich emotional verkrüppelt bin und deshalb nicht „tuistisch“ handeln kann. Das besagte „schlechte Gewissen gegenüber meiner Freundin“ ist die durch und durch gesunde Stimme einer ganz anderen Instanz: der bioenergetische Kern, psychoanalytisch das Ichideal, bei Nietzsche das „Selbst“.
Grob gesagt werden Neurotiker vom Über-Ich geplagt, so daß kaum Platz für das „schlechte Gewissen“ bleibt, während Psychopathen überhaupt kein Gewissen haben. Sie sind sozusagen „kernlose“ Maschinen und deshalb prinzipiell nicht therapierbar. Was ist Reichs Charakteranalyse anderes als ein ständiger Appell an das „schlechte Gewissen“, das Ichideal?
De Sade zufolge ist die Heilung für Schuldgefühle noch Schlimmeres zu tun, um jede innere Regung (Schuldgefühle) zu ersticken. Beispielsweise nach unehelichem Sex, Sex mit Kindern haben, Sexualmorde „etc.“. Das zeigt sehr schön, wie Schuldgefühle zwangläufig das erzeugen, was sie verhindern sollen. Zum „DeSadisten“ zu werden, ist natürlich nicht zwangsläufig, aber eben doch eine mögliche Folge des Schuldgefühls: DeSade war auf seine Weise ein konsequenter Katholik.
Das sieht man auch bei Terroristen, die durch immer schlimmere Greuel, die Stimme der Humanität in sich ersticken oder jetzt im überschüssigen Vorgehen Israels gegenüber der Hamas. Oder eben auch bei der ständigen Eskalation im Verlauf des Holocausts. Das habe ich schon zum Entsetzen meiner Mitschüler und meines Lehrer im Gymnasium vorgetragen: daß der SS-Mann zum Sadisten wurde, um das Schuldgefühl in sich zu ersticken. Das ist auch das Geheimnis des gesamten „Satanismus“ etc.
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Reich trat auf der einen Seite gegen die ihm aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis offensichtliche Dekadenz im Wien und Berlin der 1920/30er Jahre an mit ihren „de Sadisten“ und „Zynisten“ und andererseits … Reich stand in Opposition gegen Freuds „Mensch als sadomasochistisches Tier“, „die Reaktion“ („Erbsünde“), die damals wirklich allesbestimmende Eugenik und die „kapitalistische Geschäftemacherei“ (die er aus der eigenen Ursprungsfamilie kannte). Die Natur hatte in der Selbstverortung Reichs entsprechend friedfertig zu sein und ohne den Menschen ein Paradies. Tatsächlich ist insbesondere Äther, Gott und Teufel ein durchaus „Rousseauistisches“ Buch. Er mußte gegen einen universellen „Darwinismus“ antreten (Hitler war nichts als ein „Darwinist der Praxis“!), über den Reinhard Eichelbeck schreibt: „Er (der besagte „Darwinismus“) hat sozialneurotische Unarten des Menschen – Egoismus, Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Geilheit, die alten Macho-Untugenden, möglichst viele Nachkommen und möglichst viele tote Feinde zu hinterlassen – als naturgegeben, ja sogar als Grundprinzipien der Evolution dargestellt“ (Das Darwin-Komplott, München 1999). In einer anderen, weniger rundherum bösartigen geistigen Umwelt hätte es einen anderen Reich gegeben, da er sich anders verortet hätte!
Dazu gehört auch, daß sein Publikum sich zu 99% aus linksliberalen und sozialistischen Gutmenschen rekrutierte, die etwa in Stirner instinktiv das sahen (bzw. gesehen hätten), was die Linke von Marx bis Hans Günther Helms immer in ihm sah und sehen: DEN „kleinbürgerlichen“ Ideologen des Raubtierkapitalismus, DEN Bösen schlechthin. Wie sollte Reich in einer solchen Umwelt eine Identität als „Stirnerianer“ bewahren? Man muß sich das mal vorstellen: sein ganzes Leben und auch noch posthum nur von „Grünen“ Spinnern („Reichianern“) umgeben zu sein (vermeintlichen Altruisten) – und um die Gruppe herum nur reaktionäre „Darwinisten“ (vermeintliche Egoisten)!
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Mit seinen Ausführungen über die kosmische Überlagerung in der dritten Ausgabe der Charakteranalyse hatte mich Reich Mitte der 1970er Jahre: von einem Tag auf den anderen war ich „Reichianer“. Das böse Erwachen kam mit einiger Verzögerung: unvermittelt saß ich mit Leuten in einem Boot, mit denen ich nichts zu tun haben will und die m.E. nichts von Reich verstanden haben! Ich kann mich beispielsweise an meine rasende Wut erinnern, als ich schließlich Alexander Lowen und seine „Bioenergetik“ durchschaute.
Nun, wo ich mich nicht nur mit Stirner, sondern endlich auch mit der Stirner-Literatur auseinandersetze, muß ich mit einigem Entsetzen konstatieren, in welchem schier erdrückendem Ausmaß sich die Anhänger Silvio Gesells („rostendes“ Schwundgeld) der Stirner-Bewegung parasitär aufgepfropft haben. Es scheint praktisch unmöglich sich mit der Stirner-Rezeption zu beschäftigen, ohne dieser vermeintlich „freiwirtschaftlichen“ Heilsdoktrin ausgesetzt zu sein, die einzig und allein ärmere Bevölkerungsschichten treffen würde, denen buchstäblich das wenige Ersparte bzw. Aufgesparte unter den Händen förmlich zerfließen würde. Das überträgt sich schließlich auf die Fundamente der Gesellschaft selbst, da die bioenergetische Spannung erlischt (Krebs!). Die Österreichische Schule sagt dazu alles Notwendige: „Wer den Zins abschafft, ermöglicht heute Investitionen, die sich unter normalen Marktbedingungen nie gelohnt hätten. Und es erlischt die Bereitschaft, Konsumverzicht im Heute zu üben, um im Morgen konsumieren zu können. Es entwickelt sich eine Freibiermentalität, die eine Gesellschaft verarmen läßt, weil sie ihren Kapitalstock zerstört.“ – Der Gesellianismus ist eine geradezu perfekte Entsprechung zum Lowenschen Primitiv-Reichianismus, der keinerlei bioenergetische Grundlegung hat und wirklich nur Schaden anrichtet.
Da es nie so etwas wie einen „LaMettrie’smus“ gegeben hat, stellt sich hier das Problem kaum, wenn man mal von der relativ häufigen und wirklich nervigen Gleichsetzung mit De Sade absieht.
Es scheint so, daß Reich und Stirner und La Mettrie in der gepanzerten Gesellschaft nur in beschnittener, wenn nicht schlichtweg kastrierter Form zu Wort kommen. Insbesondere Reich wurde von Anfang an von Marxisten mißbraucht, um ihre pseudoreligiöse Todgeburt von Ideologie (hinter allem stecken gesellschaftliche Beziehungen) an den Mann bringen zu können: statt auf „Gott, der hinter allem wirkt“ wird ständig auf „die Gesellschaft“ verwiesen. Ja, ich weiß, eine Oblate ist, wenn sie geweiht ist, nicht mehr das, was sie ist. – Stirner muß dafür herhalten Anarchisten und Libertären ein Fundament zu geben. LaMettrie soll der Postmoderne bei der „Wiederverzauberung“ der Welt helfen. Allen fehlt das Bewußtsein dafür, was eigentlich den Kerngehalt der Leistung der großen Drei ausmacht und daß dieser Kern jedweden Kompromiß, jede Verwässerung ausschließt. Von daher auch meine ganze Empörung angesichts all dieser „-ianer“ und daß ich trotz aller Differenzen treuer, ja, „Laskaianer“ bin!
Es gibt nur zwei Arten der „Regulierung“ eines Individuums bzw. einer Gruppe von Individuen: Selbstregulierung oder Fremdregulierung. Entweder wird ein Baby gestillt, wenn es Hunger hat, oder man zwingt ihm seine Regeln auf, wobei die eine Regelung, die andere zwangsläufig nach sich zieht, bis wir vollkommen verpanzerte Individuen und eine verpanzerte Gesellschaft vor uns haben. Irgendwelche Kompromisse zwischen Selbstregulierung und Fremdregulierung können nur im Chaos enden. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: das anfangs selbstgesteuerte Baby wird renitent, quengelig, zieht sich in sich zurück oder fordert ständig Aufmerksamkeit etc. Beim von Anfang an in ein Korsett von Regeln gesperrten Baby sieht es kaum anders aus, vor allem wird es nicht mit Dankbarkeit und Zuneigung reagieren, wenn man es „befreit“ und damit den Boden unter den Füßen wegreißt.
Das erklärt auch Reichs tiefsitzende Verachtung für „Liberale“, Stirners Verachtung für „fromme Atheisten“ und die LaMettries für zutiefst reaktionäre angebliche „Aufklärer“.
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
In Teil 100 beschrieb ich den Bereich der Emotionen (das orgonotische System, das Vegetative Nervensystem), hier soll es nun um den Bereich des „energetischen Orgonoms“ gehen, das in unserem zentralen Nervensystem sich materiell niederschlägt und um unsere Gehirnaktivität kreist.
Um unser natürliches Empfinden von Recht und Unrecht, d.h. den Kontakt zum bioenergetischen Kern, auszuschalten, wird das Vegetative Nervensystem durch „DeSade-ismus“ überwältigt und ausgeschaltet. Die Entsprechung hinsichtlich des Gehirns, genauer hinsichtlich der Kognitionen, finden wir in der „Absurdität“. Unser rationales Denken wird ausgeschaltet, indem es durch Absurdität zum Kollaps gebracht wird.
„Dadaismus“ ist eines der Hauptmechanismen der Emotionellen Pest und gleichzeitig eine der Abwehrstrategien gegen die Emotionelle Pest. Wir können keine rationalen Schlüsse mehr ziehen und werden Anfällig für Manipulation. Wir verlieren buchstäblich den Boden unter den Füßen, werden konfus und hilflos. Man denke nur all den Genderwahnsinn, den Wahnsinn um „kulturelle Aneignung“ und neuerdings alles, was Linke heute vertreten: früher war das der Bereich von Monthy Phyton – heute ist das die neue Normalität. Früher hätte man über nigerianische Schiffbrüchige im Mittemeer und Transvestiten, die über die Frauenquote in den Bundestag gelangen, herzhaft gelacht. Heute wirst du hart bestraft und deine Existenz ist gefährdet, wenn du darüber lachst!
Hier kommt auch die angeschnittene Doppelgesichtigkeit des „Dadaismus“ zum tragen, denn gegen diesen diabolischen SCHWACHSINN kann man nur noch mit Satire antworten. Ich verweise insbesondere auf den einfach nur göttlichen Medienfuzzi!
Der „Hofnarr“ Friedrichs des Großen, LaMettrie hat den „Dadaismus“ genutzt, um den Fängen der damaligen Zensur zu entkommen und gleichzeitig seine Gegner buchstäblich in den Wahnsinn zu treiben. Man denke etwa an seine Auseinandersetzung mit Albrecht von Haller, dieser Verkörperung einer grotesken Mischung aus der überkommenen Emotionellen Pest (inquisitorisches Christentum) und der damals hochmodernen Emotionellen Pest („vivisektionierende“ Naturwissenschaft).
Entsprechend bestand auch immer bei einigen Kritikern die Unsicherheit, ob Stirners Der Einzige und sein Eigentum wirklich ernstgemeint oder nicht vielmehr eine bloße Satire gewesen sei! Reich mußte sich mit einer Psychoanalyse herumschlagen, die in ihrem willkürlichen Surrealismus (man Denke nur an den schieren Schwachsinn, den Freud in den „Wolfsmann“ hineininterpretiert hat) nicht nur ihre eigenen Grundlagen untergräbt (die Libidotheorie), sondern auch die der gesamten Gesellschaft. Bei den heutigen Grünen scheint beispielsweise die ekelige haßzerfressene Charaktermaske Herbert Marcuses durch.
Richtig betrachtet, steht das LSR-Projekt im Zentrum einer psychologischen Kriegsführung, die seit 6000 Jahren andauert.
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Der Neurotiker folgt einfach der Autorität (den „Maßstäben“, z.B. der päpstlichen Autorität) und handelt, um seine Schuldgefühle zu besänftigen. Der antiautoritäre pestilente Charakter funktioniert grundlegend anders:
Nach De Sade besteht die Heilung von Schuld darin, noch Schlimmeres zu tun, um jedes innere Gefühl (die Schuld) zu ersticken. So erstickt man zum Beispiel nach unehelichem Sex seine Schuldgefühle, indem man Sex mit Kindern hat, Sexualmorde begeht „usw.“ Dies zeigt sehr schön, wie Schuldgefühle unweigerlich das erzeugen, was sie eigentlich verhindern sollen. Ein „DeSade-ist“ zu werden, ist natürlich nicht unvermeidlich, aber es ist eine mögliche Folge von Schuldgefühlen: De Sade war auf seine Art und Weise ein konsequenter Katholik.
Das zeigt sich auch bei Terroristen, die ihre innere Stimme der Menschlichkeit (den bioenergetischen Kern) durch immer schlimmere Greueltaten ersticken, oder jetzt bei Israels exzessivem Vorgehen gegenüber der Hamas, oder einst in der ständigen Eskalation im Zuge des Holocausts. Ich habe das zum Entsetzen meiner Mitschüler und meines Gymnasiallehrers schon vor vielen Jahrzehnten in einem Schulreferat erklärt: daß die SS-Männer, allesamt christlich erzogen, zu Sadisten wurden, um das Schuldgefühl in sich zu ersticken. Das ist auch das Geheimnis des ganzen „Satanismus“ etc., der nur eine perfide Abart des Christentums ist. Ohne Schuldgefühle gäbe es nicht etwa mehr, sondern weniger Böses in der Welt!
Der Neurotiker stoppt die Schuldgefühle, indem er sich sowohl an die soziale Panzerung anpaßt, als auch seine eigene, psychosomatische Panzerung stärkt, während der pestilente Charakter die Schuldgefühle loswird, indem er seine inneren Gefühle abtötet. Er tut dies durch Überstimulation, bis sich das Vegetative Nervensystem sozusagen abschaltet, „die Seele stirbt“, und er entsprechend „frei“ ist. Im Kleinen findet sich das im militärischen Drill und Training: du wirst solange gepiesackt bis du zur willenlosen und „gewissenlosen“ Maschine wirst.