Posts Tagged ‘Erziehung’

Bibliographie A.S. Neill (1883-1973)

23. Juni 2022

1) Herbert C. O’Neil: A Guide to the English Language written by … D. Agate … A.S.Neill etc. 1915

2) A Dominie’s Log, London 1916 (Herbert Jenkins) 219pp

3) A Dominie Dismissed, London 1917 (Herbert Jenkins) 226pp

4) The Booming of Bunkie, London 1919 (Herbert Jenkins) 318pp

5) A Dominie in Doubt, London 1921 (1920) (Herbert Jenkins) 256pp

6) Carroty Broon, London 1921 (Herbert Jenkins) 318pp

7) A Dominie Abroad, London 1923 (Herbert Jenkins) 256pp

8) A Dominie’s Five; or, Free School!, London 1924 (Herbert Jenkins) 256pp

9) The Problem Child, London 1926 (Herbert Jenkins) 256pp

„…“, new edition, with appendix, London 1929 (Herbert Jenkins) 267pp

„…“, 4th edition, London 1934 (Herbert Jenkins) xxi+256pp

10) The Problem Parent, London 1932 (Herbert Jenkins) 256pp

11) Is Scotland Educated?, London 1936 (George Routledge & Sons, in der Reihe “Voice of Scotland”) v+192pp [Im VI. Kapitel („Erziehung und Sex“) erwähnt Neill erstmals Reich und zwar im ersten Absatz:

EIN BRILLIANTER Psychologe, Dr. Wilhelm Reich, hat darauf hingewiesen, daß die Unterdrückung des Sexualtriebs von der Kapitalistenklasse unbewußt geplant und durchgeführt wird. Indem die herrschende Klasse den Sexualtrieb der Arbeiter unterdrückt, kastriert sie sie symbolisch und macht sie gefügig; sie stellen keine Fragen und leisten keinen Widerstand. Diese wahre Erkenntnis ist neu, aber die Beweise dafür liegen schon lange vor. Die Reichen haben den Staat konstituiert, und das Wahlrecht der Armen war ein bloßes Hirngespinst: Die Armen hatten die Macht, zwischen einem reichen Mann und einem anderen zu wählen, und als die Armen schließlich ihre eigenen Kandidaten aufstellten, waren ihre Labour-Chefs von derselben geistigen Klasse wie ihre Vorgesetzten, die Tories und die Liberalen, das heißt, sie waren sichere Gefolgsleute, das, was die Amerikaner „yes men“ nennen würden; Männer, die den Staat, wie er existierte, nicht ernsthaft in Frage stellen würden. Und die Armen hatten nicht das Urteilsvermögen, die besten Männer zu wählen, denn die Armen wurden in den staatlichen Schulen erzogen und lernten nur das, was für die Autorität sicher war.]

12) That Dreadful School, London 1937 (Herbert Jenkins) 224pp

(deutsch: Selbstverwaltung in der Schule, Zürich 1950, 2005, Verlag Pestalozzianum)

13) The Last Man Alive, London 1938 (Herbert Jenkins) 256pp

(deutsch: Die grüne Wolke, Reinbek 2001)

14) The Problem Teacher, London 1939 (Herbert Jenkins) 192pp

15) Hearts not Heads in the School, London 1944 (Herbert Jenkins) 164pp

16) The Problem Family, London 1949 (Herbert Jenkins) 160pp

17) The Free Child, London 1953 (Herbert Jenkins) 179pp (nennt es im Vorwort sein 16. Buch, d.h. zählt Nr.1 nicht mit)

18) Summerhill. A Radical Approach to Education (mit Vorwort von Erich Fromm), London 1962 (Gollancz), zuvor New York 1960 (Hart Publishing Co.), xxiv+392pp

(deutsch: Erziehung in Summerhill, das revolutionäre Beispiel einer freien Schule, München 1965 (Szczesny), und: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, das Beispiel Summerhill, Reinbek 1969 (Rowohlt) 338pp)

19) Freedom – not License!, New York 1966 (Hart Publishing Co.) 192pp

20) Talking of Summerhill, London 1967 (Gollancz) 142pp

(deutsch: Das Prinzip Summerhill, Fragen und Antworten, Reinbek 1971 (Rowohlt) 155pp)

21) Neill, Neill , Orange Peel!, New York 1972 (Hart Publishing Co.)

(deutsch: Neill, Neill , Birnenstiel!, Reinbek 1973 (Rowohit) 346pp)

Addendum:

22) Record of a Friendship. The Correspondence of Wilhelm Reich and A. S. Neill. London 1981 (Gollancz)

(deutsch: Beverley R. Placzek (Hrsg.): Zeugnisse einer Freundschaft. Der Briefwechsel zwischen Wilhelm Reich und A. S. Neill 1936–1957. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1989)

23) Jonathan Croall (Hrsg.): All the Best, Neill. Letters from Summerhill. London 1983 (André Deutsch)

Emotional kranke Menschen, nicht Waffen, töten Menschen

7. Juni 2022

Psychiatrie und Soziologie.

Emotional kranke Menschen, nicht Waffen, töten Menschen

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 2)

31. Mai 2022

Die Sexualrevolution in Rußland (Fortsetzung)

Der Krieg setzte die breiten Massen, die 100 Millionen Bauern in Bewegung. Neue Verhältnisse brachten neues Leben und neue Auffassung darüber. Das Weib eroberte sich in der ersten Periode des Krieges die ökonomische Unabhängigkeit sowohl in der Fabrik wie auf dem Lande, aber erst die Oktober-Revolution zerhaut den gordischen Knoten, und anstatt der bloßen Formveränderung bringt sie auch hier in den Gesetzen vollkommene Revolutionierung. Sie läßt nichts von den alten despotischen und dazu grenzenlos unwissenschaftlichen Gesetzen bestehen, sie beschreitet nicht den Weg der reformatorischen bourgeoisen Gesetzgebungen, die mit juristischen Subtilitäten noch immer an dem Begriff des Eigentums in der sexuellen Sphäre hängen, und die letzen Endes die Herrschaft der doppelten Moral in bezug auf das Geschlechtsleben fördern. Unter Ausschaltung der Wissenschaft sind alle diese Gesetze stets zustande gekommen.

Die Sowjet-Gesetzgebung ging einen ganz neuen, bis dahin unbetretenen Weg, um den neuen Zielen und Aufgaben der sozialen Revolution Genüge zu leisten.

Diese Ziele, diese Aufgaben hatte sich bis dahin keine frühere Revolution, keine Gesellschaft in der ganzen Welt gestellt.

Die Sowjet-Gesetze sind bezüglich der sexuellen Sphäre auf den Prinzipien aufgebaut, die den Forderungen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung entsprechen und im Einklang mit den Ergebnissen der zeitgenössischen Wissenschaft stehen. Die Sowjetgesetzgebung spiegelt in ihren Gesetzen das heutige Leben wieder, gleichzeitig aber sieht sie den morgigen Tag und die grundlegenden Tendenzen der Entwicklung, die dieser mit sich bringen wird, – sie will nicht ihre Gesetze in Ewigkeit unberührt wie die 10 Gebote Moses stehen lassen. Das Sowjet-Recht ist dem Gesetz der Entwicklung unterworfen, ebenso wie alle übrigen sozialen Institutionen.

Das Gesetz der Entwicklung der öffentlichen Beziehungen erklärt mit aller Bestimmtheit, daß gleichzeitig mit dem Aufheben des persönlichen Eigentums die Grundlage der „Familie“ als eines ökonomischen Instituts erschüttert ist.

Das politisch befreite Weib wird in den öffentlichen Prozeß der Erzeugung hineingezogen und damit die alte Stellung erschüttert, die das Weib ehedem unter Herrschaft der 3 großen K.: der Kinder, Küche, Kirche unterworfen hatte.

Das, was früher private Angelegenheit, private Pflicht war, die Erziehung der Kinder, ist öffentliche Angelegenheit geworden, die im Interesse der Gesellschaft und des Individuums gewahrt wird.

Aber das Sowjet-Recht des heutigen Tages ist das Recht einer vorübergehenden Periode, es geht seinen Weg, indem es die alten Überbleibsel zerstört und so eine vorbereitende Arbeit für die Zukunft leistet, und gleichzeitig ist es ein Spiegelbild der heutigen Lage, die der jungen Gesellschaft noch nicht gestattet, den Ablauf des ganzen materiellen Lebens in bezug auf die Versorgung aller Mitbürger und die Erziehung aller Kinder zu regulieren.

Die Lage der Betriebe in Sowjet-Rußland gibt noch nicht ganz und gar der Frau die Möglichkeit zur Arbeit in der Fabrik und in sonstigen Anstalten. Die Organisation der Familie hat immer noch seine Kraft und seine praktische Bedeutung, und das niedrige Niveau der Technik gestattet nicht eine sofortige Vergemeinschaftlichung der Lebensführung. Die öffentliche Erziehung der Kinder kann infolge des Mangels an materiellen Mitteln nur langsam und schrittweise verwirklicht werden, und die Familie kann nicht auf einmal von ihren Pflichten gegenüber den Kindern befreit werden.

Indem nun die Sowjetgesetzgebung alle diese Seiten der Übergangsperiode berücksichtigt, baut sie sich auf folgenden Prinzipien auf:

Sie erklärt absolute Nichteinmischung des Staates und der Gesellschaft in geschlechtliche Beziehungen, soweit sie Niemandem Schaden bringen und Niemandes Interessen verletzen.

Sie erklärt volle ökonomische, soziale und politische Gleichheit beider Geschlechter.

Sie erklärt den Staat und die Gesellschaft als den Vormund und den Beschützer der Kinder und fordert den Schutz der Frau und der Kinder auf allen Gebieten.

Sie hebt jegliches Gesetz auf, das in irgendeiner Form mit den religiösen Zeremonien in Verbindung steht.

Das allgemeine Prinzip der Sowjet-Gesetzgebung bestimmt die praktische Anwendung des Gesetzes in Anpassung an die Tatsachen, den Tatsachen entsprechend. Also ganz das Gegenteil des alten Ausspruches: Fiat justitia pereat mundus [Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde].

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 7)

30. März 2022

Eine antiautoritäre Erziehung erzeugt beim Kind starke Ängste und fixiert infantile Züge dauerhaft. Resultat dieser „Erziehung“ sind Egoismus, Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und Haß auf die Eltern, weil diese nie wirkliche Eltern (indogermanisch für „wachsen machen“) waren und ihre Kinder emotional vernachlässigt haben. Der dergestalt herangezogene Homo novis ist in einem Zustand biopathischer Dauerexpansion fixiert (reaktive Parasympathikotonie). Er ist „in einem katatonischen Zustand der vermeintlich guten Laune, Lockerheit und Lässigkeit gefangen.“ Sein Gefühlsleben ist sozusagen „entzündet“, d.h. von Wut und einer ständigen Irritation gekennzeichnet und geht mit impulsivem Verhalten einher. In vieler Beziehung ähnelt er den Menschen im Subproletariat, die Reich bereits 1925 in Der triebhafte Charakter beschrieben hat. Beziehungen sind grundsätzlich oberflächlich, weil diese Menschen selbst nur an ihrer Oberfläche leben. Wenn man das ganze plastisch vor Augen gestellt haben will, schalte man den Fernseher an, um sich irgendein neueres Produkt aus Hollywood anzuschauen oder höre sich die „Musik“ im Radio an.

Diese Entwicklung hat Barbara Koopman bereits Anfang der 1970er Jahre beschrieben, als das alles gerade erst angefangen hatte. Ich kann auch aus der vorher unveröffentlichten jährlichen Rede Elsworth F. Bakers als Präsident des American College of Orgonomy von 1972 zitieren (The Journal of Orgonomy. Elsworth F. Baker Commemorative Issue, February 1986, S. 65-69). In der Rede geht es um die sich damals formierende antiautoritäre Gesellschaft, die sich mittlerweile (2022) fest etabliert hat und alle Facetten unseres Lebens bestimmt. Baker beschreibt das gesellschaftliche Chaos und die antiautoritäre Erziehung und frägt:

Was erreicht der liberal mit diesem ganzen Aufruhr? Indem er daran teilhat, bekommt er durch all die Aufregung und Aktivität das Gefühl lebendig zu sein, obwohl er innerlich tot ist. Er setzt andere in Bewegung, weil er sich selbst nicht bewegen kann. Ihre Destruktivität verschafft ihm ein Ventil für den unterdrückten Haß, den er in seinem Inneren hegt. Er, der sich für den Retter der Menschheit ausgibt, ist das perfekte Beispiel für die Emotionelle Pest. Jeder, der nicht mit ihm übereinstimmt, wird als vorurteilsbeladen, als Rassist, Reaktionär und als Schwein hingestellt.

Damals waren es die radikalen Studenten, „Weather Men“, etc., heute sind es „social justice warriors“, die die Linksliberalen begeistern. Und da die Linksliberalen die Medien und die Wissenschaft und damit die sogenannte „öffentliche Meinung“ dominieren oder besser gesagt kontrollieren, schließt sich auch der konservativste Politiker diesem enthemmten Wahnsinn an. Es muß stets alles in Bewegung sein, es darf beim vermeintlichen „Fort-Schritt“ kein Innehalten geben. Man denke nur an das „Projekt Europa“! Auf jede Verzögerung wird mit hysterischen Ausbrüchen reagiert, so als wäre der „Reformstau“ buchstäblich der Stau sexueller Energie, die die Leute in den Wahnsinn treibt. „Reform“ wohin man schaut, von der Schule bis zur Bauordnung. Alles ist ständig in hektischer Aufregung – nur daß sich tatsächlich nichts ändert, außer daß alles nur noch verfahrener wird.

Die Linksliberalen sitzen in den Redaktionen, Universitätsinstituten und nicht zuletzt an Lehrerpulten, sind selbst innerlich wie tot, goutieren sich aber an der Unordnung, der chaotischen Bewegung, die sie um sich herum anstacheln mit ihren unverantwortlichen „Theorien“ und ihren Propagandalügen.

Das deutsche Fernsehen ist symptomatisch, geht es doch untergründig immer darum, die Bevölkerung, insbesondere aber Jugendliche, zu sozialem Aktivismus zu animieren. Ganz gezielt werden Heranwachsende dazu animiert, irgendwas Politisches zu machen, egal was, solange es „progressiv“ ist. Sie entschließen sich dann meist für das Thema „Klimaänderung“.

Menschen sollen sich „engagieren“, d.h. nicht etwa ihr eigenes Leben auf die Reihe kriegen, sondern sich in das Leben anderer einmischen. Andere terrorisieren! Sie sollen „Sand im Getriebe“ sein! Oder mit anderen Worten: die rationalen, arbeitsdemokratischen Kernfunktionen sollen durch irrationale, ideologische Aktivitäten ersetzt werden, die aus der sekundären Charakterschicht stammen. Der pseudoliberale Modju, etwa unsere Innenministerin, sitzt dann zuhause und genießt, wie um ihn herum die Gesellschaft kollabiert. Jeder, der sich gegen diesen organisierten Wahnsinn stemmt, wird als „Nazi“ niedergeschrien.

Von der Sexualökonomie und Politischen Psychologie der 1920er/30er Jahre zur heutigen sozialen Orgonomie

20. Februar 2022

Wie vor fast 100 Jahren Wilhelm Reichs Kritik an der damaligen psychoanalytischen Kultur- und Todestriebtheorie zeigte, wird die menschliche Tätigkeit in allen ihren Formen von sexueller Energie gespeist. Zentral ist hier die Entdeckung der Rolle des Orgasmus und seines ungestörten Verlaufs für den Triebhaushalt. Dessen Störungen werden von der Sexualökonomie untersucht, der Lehre von den individuellen und gesellschaftlichen Gesetzen des menschlichen Lebensenergie-Metabolismus. Die pathologische Sexualstruktur des Menschen steht einer gesunden, selbstregulierten individuellen und gesellschaftlichen Sexualökonomie, d.h. der Genitalität und der Arbeitsdemokratie entgegen, was einen grundlegenden Umbau nicht nur der individuellen, sondern vor allem auch der gesellschaftlichen Ordnung notwendig macht. Reichs Massenpsychologie zeigt, daß sich das herrschende sexual- und generell lebensfeindliche Gesellschaftssystem reproduziert, indem durch die Erziehung in der Familie bestimmte psychische Strukturen geschaffen werden, so daß die dergestalt zur Selbstregulation unfähig gemachten Menschen im Laufe ihres Lebens das Sozialleben auf eine Weise gestalten, die nicht den objektiven Erfordernissen der Entfaltung des Lebens gemäß sind, sondern zu ihrer rigiden, bzw. heute chaotischen neurotischen Charakterstruktur passen. Dieser „subjektive Faktor“ erweist sich als widerstandsfähiger als die objektiven Notwendigkeiten des Lebens. In diesem Zusammenhang sprach Reich anfangs von „Politischer Psychologie“, womit er ausdrücken wollte, daß sich die individuelle und gesellschaftliche Sexualökonomie nicht nur im engeren Sinne in den Forderungen der Sexualpolitik niederschlägt, sondern die bioenergetischen Notwendigkeiten den Kern der gesamten fortschrittlichen Politik ausmachen. Später gab er angesichts der unüberwindlichen, wie gesagt „widerstandsfähigen“ Irrationalität der Massen diesen politischen Ansatz auf, um sich auf die eine Stellschraube zu konzentrieren, die eine ungestörte Sexualökonomie möglich macht: die Erziehung in der Familie. An die Stelle der Politischen Psychologie tritt nun die Bekämpfung der Emotionellen Pest, d.h. die Bekämpfung des vernunftwidrigen Ressentiments gegen das Lebendige, das das Projekt „Kinder der Zukunft“ unmöglich zu machen droht. Die heutige soziale Orgonomie wird von Reichs Nachfolger Charles Konia in dessen Blog vertreten.

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 13)

13. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Ein eher kontroverses Gebiet ist die Frage der Nacktheit von Erwachsenen. Meine persönliche Meinung, basierend auf den Beschwerden und Fantasien von Kinderpatienten im Laufe der Jahre, ist, dass auch dies eine Erregung erzeugt, die zu viel für die Energiekapazität des Kindes ist. Ich hatte erhebliche Schwierigkeiten mit verführerischen, hysterischen Müttern mit unbewussten exhibitionistischen Tendenzen, die darauf beharren, sich nackt oder leicht bekleidet vor ihren Söhnen zu zeigen. Sie beteuern, dass das alles „natürlich“ sei und haben keine Einsicht in ihre eigene unbewusste Motivation oder die daraus resultierenden neurotischen Symptome der Kinder. Ich weiß nicht, wie schädlich die Nacktheit von Erwachsenen in einer vollkommen gesunden Gesellschaft von ungepanzerten Eltern und Kindern wäre; vielleicht wäre sie bei einer geordneten Libidoökonomie ganz natürlich und harmlos und diese Verhaltensweisen wären wirklich unbedenklich. Es mag von Interesse sein, dass die Trobriander (die nach Reichs Ansicht eine der sexuellen Gesundheit nahestehende Gesellschaft verkörperten) Nacktheit nicht ermutigten, es sei denn, es gibt einen funktionellen Grund dafür, wie etwa das Baden (5). Auch bei den Trobriand-Insulanern wurde die Privatsphäre im Zusammenhang mit Körperpflege peinlich genau eingehalten. Ich glaube, dies ist ein weiterer Bereich, in dem unsere fehlgeleiteten Modernisten schmerzlich sündigen.

Die oben genannten neurotischen Praktiken stehen in scharfem Kontrast zu den Grundprinzipien der Selbstregulierung, deren Eckpfeiler das Recht von Kindern und Jugendlichen auf ein gesundes, altersgerechtes Sexualleben ist. Unter solchen Verhältnissen unterdrückt man den Sexualtrieb bei Kindern nicht: Stauung und Panzerung entstehen nicht; der ödipale Wunsch bleibt uninteressant und ohne Verlangen; die Energie kann frei über bestmögliche entwicklungsbedingte Wege in Richtung der Reifung des Ichs, der Kreativität und der Fähigkeit zu guten Objektbeziehungen fließen.

In einer gepanzerten Gesellschaft ist die Situation selbst bei einfühlsamen Eltern nicht so einfach. Gepanzerte Eltern neigen dazu, gepanzerte Kinder zu produzieren. Dies ist wahrscheinlich auf die unbewussten Einstellungen der Eltern zurückzuführen, über die sie keine Kontrolle haben und die sich wiederum nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in ihren Energiefeldern widerspiegeln. Letztere werden in den Bereichen der Panzerung unweigerlich geschwächt und geschrumpft sein. Das Feld des Kindes, das über einen langen Zeitraum mit den elterlichen Feldern in Resonanz steht, spürt zweifellos die Bereiche der Kontraktion und kann sich in den korrespondierenden Bereichen seines eigenen Feldes zusammenziehen. Ich habe dies sogar bei kleinen Babys mit sehr wohlmeinenden Eltern gesehen. Dennoch sagt mir mein Gefühl, dass die Erziehung der Eltern zu einer gesunden Kindererziehung dazu beitragen kann, eine Generation hervorzubringen, die weniger gepanzert ist als ihre Vorfahren, und so weiter, bis eine relativ gesunde Gesellschaft entsteht, die auf sexualökonomischen Prinzipien beruht.

Literatur

5. Malinowski, B.: The Sexual Life of Savages. New York: Harcourt, Brace & WorId, 1929

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie

2. November 2020

Diese Arbeit von Klaus Heimann spiegelt die Orgonomie in Deutschland bzw. das orgonomische Wissen in Deutschland Mitte/Ende der 1970er Jahre wider. In diese Zeit reichen die Bemühungen zurück, die Orgonomie in Deutschland, nach der restlosen Zerstörung erster Anfänge auf deutschem Boden, die 1933 erfolgte, erneut zu etablieren. Das damalige orgonomische Wissen ist der Ausgangspunkt des NACHRICHTENBRIEFes und sollte deshalb von jedem, der neu zu unseren Netzseiten stößt, als Einführung gelesen werden, damit wir alle eine gemeinsame Grundlage haben. Klaus Heimanns Arbeit hat den Zauber des Anfangs an sich und möge in einer neuen Generation das Feuer von neuem entzünden:

ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER ORGONOMIE von Klaus Heimann

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen (Teil 2)

16. Oktober 2020

 

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen

 

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen (Teil 1)

14. Oktober 2020

 

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Reich, Rambo und Eden

17. September 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Reich, Rambo und Eden