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Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

Besprechung: Marx, Engels, Lenin, Trotsky – GENOCIDE Quotes (The Hidden History of Communism’s Founding Tyrants, in their Own Words) von James DeMeo

13. Mai 2019

In der Einleitung zu dieser Zitatensammlung ist ständig von „königlichen Despoten“ die Rede, so als wäre die beiden Kaiser Despoten gewesen. Wenn man das mit dem mörderischen Wüten der „Demokratien“ England, Frankreich und insbesondere Belgien in deren Kolonien vergleicht… Nicht vergessen sei auch, daß diese Demokratien Verbündete des despotischen Rußland gegen das „despotische“ Deutschland waren. Im Ersten Weltkrieg einen Kampf zwischen Gut und Böse sehen zu wollen, ist mystisches, d.h. irrationales Denken, das sich in seiner Struktur beispielsweise kaum vom Antisemitismus unterscheidet.

Ein zweites Leitmotiv, das das Büchlein durchzieht, ist die Linie, die von den deutschtümelnden, antisemitischen, „antislawischen“ und antidemokratischen Marx und Engels zu Hitler gezogen wird. Beispielsweise zeigt ein Zitat, daß Marx 1870 auf der Seite Preußens stand und daß seiner Meinung ein deutscher Sieg im sich abzeichnenden Krieg den Interessen der Arbeiterbewegung im allgemeinen und des Marxismus im besonderen diene (S. 26). Ja, und?! Bindeglied zwischen „Marx“ und „Hitler“ ist die Unterstützung und Finanzierung Lenins durch das deutsche Oberkommando, das Friedensdiktat von Brest-Litowsk (wo Rußland übrigens nur nichtrussische Gebiete abgeben mußte!) und nach dem Krieg die strenggeheime enge Kooperation der Reichswehr mit der Roten Armee. Das ganze schließlich gekrönt vom Hitler-Stalin-Pakt.

Neben Marx wird auch Lenin zitiert, der 1920 erklärte:

Ich bin kein Freund der Deutschen, aber im gegenwärtigen Augenblick erscheint es mir besser, sie zu nützen, als sie herauszufordern. Ein unabhängiges Polen ist eine große Gefahr für Sowjetrußland; aber es ist ein Übel, das auch sein Gutes hat, denn solange es besteht, können wir auf Deutschland rechnen. Die Deutschen hassen die Polen genauso wie wir und werden sich jederzeit mit uns verbünden, um dieses Land zu vernichten. … Deutschland will Rache, und wir wollen die Revolution. Im Augenblick haben wir die gleichen Ziele. Wenn sich unsere Wege einmal trennen werden, werden die Deutschen unsere größten und erbittertsten Feinde sein. Aber die Zeit wird erweisen, ob aus den Trümmern Europas eine deutsche Hegemonie oder der kommunistische Zusammenschluß erwachsen wird. (S. 48)

Wieder: Ja, und?! Formal ist hier Lenin, ein offenbar sehr kluger Mann, nicht „böser“ oder zynischer als jeder andere Politiker dieser Zeit. Ich denke dabei insbesondere an England und Frankreich. Diese Zitatenauswahl empfinde ich als tendenziös, als wolle DeMeo sagen, daß Deutschland schlechthin böse war und daß Marx und Engels böse gewesen seien, weil sie deutsche Nationalisten waren, während Lenin und Trotzki böse gewesen seien, weil sie auf die deutsche Karte setzten. Es geht um nicht weniger als die Eroberung der Welt! DeMeo:

Lenin, Trotzki und Stalin hatten sich alle an Geheimplänen deutscher Techniker und Ingenieure beteiligt, neue Munitionsfabriken tief im sowjetischen Territorium zu errichten, geschützt vor den neugierigen Blicken der Versailler Inspektoren, mit Aufteilung der produzierten Waffen. In diesen neuen Fabriken wurden nach gemeinsamen Plänen der Sowjets und des deutschen Oberkommandos neue Generationen von Jagd- und Bomberflugzeugen, Panzern und Artillerie, Giftgas und anderen Waffen für einen späteren offenen Eroberungskrieg gegen den Rest der Welt heimlich hergestellt und getestet. Diese Täuschung blieb auch nach 1933, als Hitler an die Macht kam, geheim, und in Deutschland erschienen „wie durch Zauberei“ riesige Mengen neuer und erschreckender Waffen. Der bekanntere „Hitler-Stalin-Pakt“ von 1939, kurz vor der gemeinsamen Invasion Polens durch Deutschland und die Sowjetunion, war die erste öffentliche Ankündigung einer tödlichen Verschwörung für die Welteroberung, die zwischen den deutschen Militaristen und den bolschewistischen Sowjets zwei Jahrzehnte zuvor ausgebrütet worden war. (S. 60)

Man weiß gar nicht, wo anzufangen! Es kann keine Rede davon sein, daß da großartig Rüstungsgüter für die deutsche Armee hergestellt und nach Deutschland, gar nach Hitlers Machtergeifung, gebracht wurden. Hitler hat seinen Generälen nach der besagten Machtergreifung strengstens verboten, die alten Kontakte in die Sowjetunion zu aktivieren. Der Hitler-Stalin-Pakt war von beiden Seiten Machiavellistische Diplomatie, nicht Ausfluß der angeblichen „Welteroberungspläne der deutschen Militarkaste“. (Ebenso hätte Deutschland Polen als Partner und etwa das faschistische Italien als Gegner haben können!) Beim Polenfeldzug drohte der Wehrmacht, die angeblich die Welt erobern wollte, die Munition auszugehen, etc.pp. Auf diesen ganzen Komplex werde ich in den nächsten Tagen näher eingehen. Aber zunächst zum eigentlichen Inhalt der Broschüre: die Sammlung von Zitaten von Marx, Engels, Lenin und Trotzki, die von Linken (einschließlich Reich!) gerne als Lichtgestalten gegen den mörderischen Stalinismus abgehoben werden. Doch deren eigene Worte verdammen sie, „die Klassiker“. Diese zeichnen nämlich den Roten Terror vor, wenn sie ihn nicht direkt anordnen. Erschreckend ist die Menschenverachtung, mit der „Klassen“ und ganze Völker der Ausmerzung überantwortet werden. Das ganze mutet wie eine mörderische Mischung aus (Pseudo-) Hegelianismus und (Pseudo-) Darwinismus an. Für Marx, Engels & Co. gehen die „Gesetze“ der Geschichte gefühllos wie ein Erdbeben über Individuen und ganze Nationen hinweg und es gilt das eherne Gesetz der „Auslese“. Menschen werden zu „Ungeziefer“.

DeMeo bietet ein Zitat Maos (das einzige eines Stalinisten im Buch) über den Laogai, den chinesischen GULAG, das mir vollkommen neu war und das denkbar plastisch den Unterschied zwischen der „Stalinistischen“ und der Reichschen Marx-Interpretation verdeutlicht:

Unsere Wirtschaftstheorie besagt, daß der Mensch die grundlegendste Produktivkraft ist. Mit Ausnahme derer, die aus politischen Erwägungen physisch ausgerottet werden müssen, müssen Menschen als Produktivkraft eingesetzt werden vorausgesetzt sie sind unterwürfig. Laogai-Einheiten zwingen Gefangene zur Arbeit. Die grundlegende Politik des Laogai lautet: „Zwangsarbeit ist das Mittel, während Gedankenreform das grundlegende Ziel ist.“ (S. 13)

Man vergleiche das mit dem „Marx-Kapitel“ in Menschen im Staat und den Ausführungen über die „natürliche Organisation der Arbeit“ in Die Massenpsychologie des Faschismus! „Gebt Veratwortung der lebensnotwedigen Arbeit!“ DeMeo zeigt mit seiner Zitatensammlung, daß Reich einem Mythos anhing, der nichts mit dem lebensfeindlichen und despotischen Grundwesen des Marxismus zu tun hat. Die Tragik ist, daß dieser rosarote Mythos der amerikanischen Jugend flächendeckend eingetrichtert wird (mit aktiver Hilfe rotverstrahlter pestilenter „Reichianer“!) – und daß DeMeos Buch niemals zum „Kleinen Roten Buch“ dieser Generation werden wird.

Wie der Marx-Mythos geschaffen wurde und was Marx und Engels wirklich an mörderischem Schrott verzapft haben (hunderte Seiten wörtlicher Zitate!) findet sich in den beiden Werken von Konrad Löw:

Der Mythos Marx und seine Macher, München 1996

und

Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie, München 1999

Nicht Menschen gehören ausgerottet, sondern menschenverachtende Ideologien wie der Marxismus.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 4)

9. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

An dieser Stelle ist es wichtig, eine Parallele zwischen dem rotfaschistischen Mikrokult des People’s Temple und den Makro-Kulten der kommunistischen Nationen in Bezug auf ihre Presse und ihr öffentliches Image aufzuzeigen. Man ist beeindruckt von der relativen Leichtigkeit, mit der Jones viele wichtige und normalerweise intelligente Menschen in Politik, Staatsapparat, Religion, Kunstbetrieb und Presse täuschen und sogar bezaubern konnte – vom Bürgermeister von San Francisco, George Moscone (der später bei einem nicht direkt damit verbundenen Vorfall in Paris ermordet wurde) bis zur Frau des Präsidenten, Rosalyn Carter. Man erinnert sich an den „Charme“, der von solchen faschistischen Führern wie Castro, Mao, Tito, Chruschtschow, Breschnew, Peron und sogar Hitler und Stalin ausgeübt wurde. Wie in allen in diesem Artikel angegebenen Dokumentationen über Jonestown beschrieben, gab es einen äußerst schwierigen Kampf von Dissidenten und Flüchtlingen des People’s Temple, die Behörden und die Presse vom Horror von Jonestown zu überzeugen, nicht anders als in den Jahren des Kampfes von Solschenizyn und anderen Flüchtlingen aus der kommunistischen Barbarei, Amerika und die freie Welt davon zu überzeugen, was uns bei einer rotfaschistischen Machtübernahme erwartet. Die Weigerung die Bedeutung derartiger rotfaschistischer Merkmale deutlich zu erkennen, wie z.B. die „Eisernen Vorhänge“, Gulags, Berliner Mauern, verbotene Exodusse, „Boat People“, kambodschanische und vietnamesische Holocausts, psychiatrische Inhaftierungen, Aggressionen durch Stellvertreter wie Kuba, etc. kann nur als charakterologische willentliche Blindheit verstanden werden, die auf Angst vor der Wahrheit und/oder auf Identifikation mit der Pest beruht.

Wie Jones haben auch die Roten und ihre Sympathisanten eine sehr ausgefeilte und verdrehte Begründung entwickelt, die den USA die Schuld für jede kommunistische Schandtat zuschiebt. Jones hatte zwei radikale Anwälte, Mark Lane und Charles Garry, beauftragt, seine rechtlichen Angelegenheiten und die Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen. Beide waren versiert auf dem Gebiet der antiamerikanischen Propaganda. Aber ohne eine vorbereitete und willige linksliberale Presse und ein chronisch gehirngewaschene Öffentlichkeit hätte das alles nicht funktioniert. Midge Decter schreibt (15, S.33):

Daß der People’s Temple die kultischen Bedürfnisse von nach Autorität hungernden, nach Sinn hungernden Menschen erfüllte, könnte es Jim Jones möglich gemacht haben, ihr Geld und ihren Verstand und schließlich und vor allem ihren Willen zu kontrollieren. Aber was es ihm möglich machte, die Presse und die Politiker zu kontrollieren, war etwas ganz anderes: sein Ruf als radikaler Linker.

In diesem Artikel erinnert uns Decter daran, daß Henry Wallace eine berühmte Tournee durch ein sowjetisches Sklavenarbeitslager in Sibirien unternommen hatte und daß „Wallace, wie Marina im Bordell [siehe Pericles von Shakespeare], unberührt durch den Gulag reiste, durch das Tal des Schreckens, in das Dutzende Millionen Menschen am Ende sterben sollten an Hunger, Folter und Überarbeitung, und einen glühenden Bericht über die Entwicklung Sibiriens in die Vereinigten Staaten mitbrachte“. (Das erinnert an Shirley McLaine, Jane Fonda und Charles Lindberg.) Sie vergleicht das mit der selbstkritischen Haltung des Journalisten Charles A. Krause von der Washington Post, der in seinem Buch Guyana Massacre seine Unwilligkeit beschreibt, trotz aller Hinweise in Jonestown von schlechten Dingen überzeugt zu werden und wie schließlich auf ihn geschossen und er verletzt wurde. William Kunstler, der berüchtigte radikale Anwalt der „Chicago Seven“, antwortete auf den Aufruf von Joan Baez, einen Protest gegen Vietnams Übergriffe zu unterzeichnen, indem er erklärte, daß man einen sozialistischen Staat niemals öffentlich kritisieren sollte (16, S. 41).

Die Sowjets selbst erklärten, Jonestown sei ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft, ein Signal, das aufgenommen und dann von der breiten Masse der Liberalen und Linken verbreitet wurde. Robert J. Lifton, Professor für Psychiatrie in Yale und Autor einer im Wesentlichen antiamerikanischen Studie über die Opfer von Hiroshima, erklärt (17, S. 1): „… Jones‘ Todesszenario war im Wesentlichen ein amerikanisches Ereignis … wir müssen untersuchen, was hinter (Kulten) steht, was sie über unsere Zeit verraten, aus welcher Schwäche in unserer Gesellschaft sie ihre Stärke schöpfen“ (Alle Unterstreichungen von mir. – P.M.).

Man vergleiche Liftons Sichtweise mit der von George E. Agree, einem prominenten Politikwissenschaftler (18, S. 2):

Abgesehen von den persönlichen und Gruppenpathologien unterstreicht die Geschichte des People’s Temple zwei wichtige Fakten über die Vereinigten Staaten: Erstens, daß der Kult hier existieren konnte, und zweitens, daß es zu seiner brutalen Auflösung nicht kommen konnte, bevor er nicht anderswohin gegangen war. … Die weltweit wichtigste Tatsache ist heute, daß die Hälfte der Menschheit ähnlich wie die Jonestown-Kommune von Regimen regiert wird, die für ihre eigenen Leute gefährlich sind und für andere. Sie haben ebenfalls Regierungen, die geschickt die Verehrung ihrer Führer manipulieren, die Arbeit ihrer Untertanen zentralisieren und lenken, Andersdenkende brutal strafen und das Fortgehen mit Zwang verhindern. Nicht einmal die Briefe der Selbstkritik an „Papa“, der Gruppenzwang und das kasernierte Leben waren einzigartig. Sie entspringen einer Wundertüte totalitärer Praktiken, die Jim Jones reichlich durch die tägliche Presse präsentiert wurden … während seines gesamten Lebens … Die Machthaber von China und Rußland verstehen Jones sehr gut. Auch sie fürchten und opfern ihr eigenes Volk, behaupten jedoch, es gegen Feinde in den demokratischen Ländern zu verteidigen.

Für freie Menschen, die mit einer größtenteils tyrannisierten Welt konfrontiert sind, ist die wichtige Frage nicht, wie dies hier bei seltenen und vereinzelten Anlässen geschehen konnte, sondern was wir hinsichtlich ihrer allzu kontinuierlichen und schrecklichen Präsenz dort zu tun haben.

In einem anderen Sinn hat die „Schuld“, die Amerika zugeschoben wird, eine gewisse Berechtigung. Nur in einer freieren amerikanischen Gesellschaft konnte ein Jonestown-Phänomen als anormale Abzweigung einer vorzeitigen Befreiung vom Panzer hervorgebracht werden, eine Freiheit, die in totalitären Gesellschaften nicht toleriert wird. Wir haben allzuoft gesehen, wie taktisch nützliche „Liberalisierungs“-Politiken in totalitären Staaten (z.B. Chinas „Wandzeitungs-Freiheiten“ [zu Zeiten der „Hundert-Blumen-Bewegung“ 1956/57 und der Kulturrevolution 10 Jahre später, PN]) leicht zur Unterdrückung zurückkehren. Wie der New York Times Artikel über die Laytons berichtete (11): „Die Laytons zerfielen langsam unter dem Druck des Familienkonflikts, der Desillusionierung, die während der 1960er Jahre einen großen Teil Amerikas erfaßte, Drogenkonsum und die beruhigende, vereinfachende Anziehungskraft von Mr. Jones.“

Man muß auch daran denken, daß „die politische Reaktion innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen lebt und wirkt“ (1) und der Unterdrücker, ob in Regierung, Industrie, der Presse, im Berufsleben oder den Künsten, muß sich mit den Makro- und Mikrobewegungen identifizieren und sie unterstützen, weil diese dazu beitragen, seine eigenen gepanzerten Bedürfnisse aufrechtzuerhalten. Es ist kein Zufall, daß diese Kulte durch Presse, Politiker und andere einflußreiche Menschen bewußt oder unbewußt, absichtlich oder scheinbar blind zu oft unterstützt werden oder ihr Übel zu spät wahrgenommen wird. Man könnte sagen, daß die Mitglieder der oben genannten Gruppen insgeheim wünschen, daß Amerika oder andere relativ freie Gesellschaftsstrukturen in Makro-Jonestowns umgewandelt werden, die sie kontrollieren würden.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
11. New York Times, 4. Dez. 1978
15. Decter, M.: „The Politics of Jonestown“, Commentary, May, 1979
16. People Magazine, June 18, 1979.
17. Lifton, R. Jo: „The Appeal of the Death Trip“, New York Times Magazine, Jan. 7, 1979
18. Agree, G. E.: „Jonestown—A Moral“, Freedom at Issue, March-April, 1979

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.**

 

Am 18. November 1978 wurden in Jonestown, der Parlamentarier Guyana, Leo J. Ryan, ein Kongreßabgeordneter aus San Francisco, drei Journalisten und eine Frau niedergemetzelt, und mehrere andere Personen wurden von Angehörigen eines Kultes namens People’s Temple [Volkstempel] schwerverletzt. Am selben Abend nahmen in Jonestown mehr als 900 Mitglieder dieses Kultes an einem rituellen Massenselbstmord teil, der in unserer Zeit einzigartig und in der Geschichte selten ist. 73 n. Chr. wählten die jüdischen Eiferer von Masada (960 Männer, Frauen und Kinder) den Suizid, anstatt sich den metzelnden römischen Legionen zu unterwerfen und sich versklaven zu lassen. Hunderte von Japanern sprangen von den Klippen von Saipan in den Tod, als sich während des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Truppen näherten, da ihnen von ihren Führern erklärt worden war, daß sie gefoltert werden würden; Kamikaze-Selbstmordpiloten waren ein weiteres Merkmal der japanischen Kultur. Diese und andere Beispiele wurzelten jedoch im tatsächlichen Streß des Krieges, rationalen Ängsten und einer Wahl zwischen Leben und Tod. Die Vorfälle in Jonestown wurden dagegen durch die Identifikation mit einem charismatischen, wenn auch paranoiden Führer ausgelöst.

Besonders interessant und bedeutsam an der Jonestown-Katastrophe sind die Parallelen, die zwischen diesem Ereignis und dem orgonomischen Verständnis des Faschismus und der Emotionellen Pest, wie sie von Wilhelm Reich (1) beschrieben wurden, gezogen werden können. Jonestown und der People’s Temple repräsentieren im Wesentlichen einen Mikrokosmos der makrokosmischen Faschismen des zwanzigsten Jahrhunderts:1 der Schwarze Faschismus der Nazis und der Rote Faschismus der Kommunisten. Ideologisch war es natürlich eine Variante des letzteren (2). Untersuchen wir diese Parallelen.

Der Faschismus ist nicht nur ein totalitäres oder äußerst autoritäres Regierungssystem, wie Reich überzeugend dargelegt hat. Vielmehr ist es der spezifische Charakter der Menschenmassen in unserer mystisch-mechanistischen Welt, der sich nach Freiheit sehnt und gleichzeitig unfähig zu ihr ist. Der Faschismus stellt die Summe der Irrationalität des Menschen dar (wie die Ereignisse in Jonestown besser beschreiben!).

In Die Massenpsychologie des Faschismus (1, S. 206ff) definiert Reich die „sozialistische Sehnsucht“ als Sehnsucht nach Freiheit von Unterdrückung jeglicher Art. Reich erklärt, daß diese Sehnsucht nach Freiheit „in Form eines Kompromisses mit der Angst vor Verantwortung“ aufgetreten ist, und sagt: „Die Angst vor gesellschaftlicher Verantwortung in den Menschenmassen brachte die sozialistische Bewegung in staatliches Fahrwasser.“ Friedrich Hayek, ein Nobelpreisträger, hat über den unaufhaltsamen und unvermeidlichen Trend sozialistischer Systeme geschrieben, totalitäre Diktaturen zu werden (3). Reich hinwieder machte den Mechanismus dieser Transformation mit seiner Definition des Faschismus deutlich. Laut Reich brachten die Begriffe „sozial“ und „sozialistisch“ (wie sie beispielsweise von den primitiven Christen praktiziert wurde) ursprünglich die Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit, internationalem Good Will und Zusammenarbeit zum Ausdruck, aber sie wurden von sogenannten National-Sozialisten aller Art – Hitler, Mussolini, Stalin usw. – verdreht und ausgenutzt. Reich vergleicht sie mit Wucherern, die aus der Krankheit der Menschen Kapital schlagen, ein Gift erfinden, das die Sehnsucht nach Besserung schafft, und es „Medizin“ nennen. „Der Wucherer“, sagt Reich, „der an Krankheiten reich werden will, sollte sein Gift korrekterweise ‚Krankheitin‘ nennen. Er nennt es aber ‚Heilserum‘, weil er genau weiß, daß er Krankheitin nicht verkaufen könnte. Genauso geht es dem Worte ‚sozial‘ und ‚sozialistisch‘“ (1, S. 207). Des weiteren sagt Reich: „Die politische Reaktion lebt und wirkt innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen in Form von charakterlicher Panzerung, Angst vor Verantwortung, Freiheitsunfähigkeit und, last, but not least, als endemische Verkrüppelung des biologischen Funktionierens“ (1, S. 209f). Wenn wir die beiden letztgenannten Begriffe – den Ausbeuter (sozialistischen „Medizinmann“) und die Ausgebeuteten (gepanzerten Massen) – zusammenbringen, haben wir die Basis des faschistischen Staates und des People’s Temple.

 

Anmerkungen

* Basierend auf einem Vortrag, der im Frühjahr 1979 an der New York University gehalten wurde.

** Adjunct Associate Professor (Lehrbeauftragter) an der New York University. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy.

(1) Vgl. das Diagramm zu Makro- und Mikrokulten in diesem Artikel.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
2. „The Concealed Confessions of Jim Jones“, AIM Report, Vol. VIll, No. 4, February 11, 1979
3. Hayek, F.: The Road to Serfdom. Chicago: University of Chicago Press, 1962

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 6)

29. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Anarchismus, Sozialismus, Kommunismus und Arbeitsdemokratie

12. November 2016

Es gibt bedenkliche Bestrebungen Reichs Konzept von einer Arbeitsdemokratie mit einer imaginären „freiheitlichen“ Traditionslinie der Linken zu verknüpfen. Stalin und der Realsozialismus hätten nichts mit den wahren lebensfreundlichen Bestrebungen zu tun, die Reichs Konzept so nahe kämen – und außerdem: immerhin hätten Mao und Castro für vorbildliche Gesundheitssysteme gesorgt und so weiter und so fort.

Dazu ist zweierlei zu sagen: Erstens ist die Arbeitsdemokratie nicht nur ein Konzept bzw. eine „Vision“, sondern zunächst einmal eine Realität, die gegenwärtig nur überlagert wird. Von was überlagert? Von der Emotionellen Pest! Haben wir die Emotionelle Pest besiegt, ist automatisch die Arbeitsdemokratie da! Zweitens, dies bedeutet, daß sich so gut wie nichts verändert, wenn die Menschen von irgendwelchen sozialen und ökonomischen Zwängen befreit werden bzw. sich selbst befreien, denn die Emotionelle Pest ist in ihnen selbst verankert in Gestalt der Panzerung. Sie, die Panzerung, ist die Quelle der Emotionellen Pest! Wären die Menschen frei von äußerer Bedrückung, würden sie buchstäblich durchdrehen und unbewußt alles tun, damit „Stalin“ kommt!

Alles, was man tun kann, ist die existierende Arbeitsdemokratie, so wie sie jetzt konkret in den rationalen Arbeitsbeziehungen gegenwärtig ist, zu stärken und sei dies nur dadurch, daß sowohl sie bewußtgemacht wird (Reich sprach von „Fachbewußtsein“) als auch die Existenz ihres Gegenspielers, der Emotionellen Pest. Irgendwelche von Intellektuellen zusammengebraute Gesellschaftsmodelle und Utopien, mit denen sie das „Klassenbewußtsein“ anstacheln wollen (heute die Spaltung der Gesellschaft in lauter „Minderheiten“, etwa Schwule, Frauen, Migranten, etc.), sind wie dazu geschaffen, von dieser alles entscheidenden Aufgabe abzulenken, wenn nicht sogar sie ganz unmöglich zu machen. Man schaue sich doch bitte im linken Milieu um! Diese Menschheitsbeglücker distanzieren sich explizit von der Arbeitsdemokratie und unterstützen explizit die Emotionelle Pest.

Die Emotionelle Pest (Teil 1)

22. Mai 2016

Beim Gesunden sorgt die genitalorgastische Funktion für einen ausgeglichenen Energiehaushalt. Es gibt nur eine Form der orgastischen Potenz, aber unendlich viele Abstufungen der orgastischen Impotenz. Doch kann man prinzipiell vier Hauptmöglichkeiten ausmachen, wie die genitalorgastisch unerledigte Erregung entladen wird:

  1. die Erregung wird erfolgreich, d.h. weitgehend symptomfrei in der Panzerung gebunden, wie beim „normalen“ Neurotiker, was der Gesundheit im Verständnis der konventionellen Medizin und Psychologie entspricht.
  2. kann die Erregung nicht mehr gebunden werden, kommt es zu neurotischen Symptomen, wie z.B. bei der sexuellen Perversion. Oder die Panzerung versagt ganz: die befreite Angst führt dann z.B. zum hysterischen oder zum psychotischen Zusammenbruch.
  3. kann die Erregung weder in der Panzerung noch in neurotischen Symptomen gebunden werden, entlädt sie sich im autonomen Nervensystem, was zu den somatischen Biopathien führt.
  4. eine letzte Möglichkeit, mit dieser „überschießenden“ Erregung fertigzuwerden, ist die „soziale Biopathie“ „Emotionelle Pest“, bei der man buchstäblich „seine schlechte Laune an anderen ausläßt“. Mit dem Konzept der Emotionellen Pest schaute Reich nicht mehr nur auf die Pathologie der Opfer, sondern auf die der Täter.

Zu Recht fürchten wir die unwillkürliche Plasmabewegung, zu der jeder echte Kontakt führt, wie den Tod, da sie unsere gepanzerte Struktur zu zerreißen droht. Wir könnten eine Herzattacke erleiden, psychotisch oder suizidal werden. Deshalb wenden wir uns Weltanschauungen zu, an die wir uns festhalten können. Das ist die einfache neurotische Reaktion des „Kleinen Mannes“. Aber es gibt auch die pestilente Reaktion des „Großen Kleinen Mannes“, der besonders energetisch und intelligent ist und sich zum faschistischen „Führer“ über die anderen Kleinen Männer aufschwingt. Der Erregung wird nicht mehr ausgewichen, sondern ihre Quelle wird angegangen und vernichtet. Das sind die „Aktivisten“, die Unterschriftensammler, die Organisierer von Bürgerwehren, die mystischen Wirrköpfe, die auf entstellte Weise die kosmische Orgonenergie manipulieren (etwa „Chembuster“), usw. Hierher gehören auch alle, die irgendeine „gesellschaftspolitische Agenda“ durchsetzen wollen.

Anstatt sich an den Genitalen Charakter zu halten, folgt der Kleine Mann dem Pestilenten Charakter, denn der erspart ihm den lebensgefährlichen Kontakt mit dem Wesentlichen. Ausweichen vor dem Wesentlichen ist ja die Erhaltungsbedingung des Kleinen Mannes, so daß für ihn der Genitale Charakter die Verkörperung aller Gefahr darstellt, während der pestilente Wahrheitskrämer die Erlösung verkörpert.

Es geht also nicht darum allgemeine Grundwahrheiten über den gepanzerten Menschen zu verbreiten, sondern um die funktionell spezifischen Grundlagen der spezifischen Erkrankung Emotionelle Pest. Panzerung hat nichts spezifisch mit der Emotionellen Pest zu tun. Ein extrem gepanzerter Mensch kann frei von der Emotionellen Pest sein (z.B. derjenige, der unter einer Soziophobie leidet und autistisch in seiner Ecke sitzt), während sich ein ziemlich ungepanzerter, agiler und manipulativer Mensch wie Modju, d.h. wie ein pestilenter Charakter verhält. So ist es hinsichtlich der Emotionellen Pest irrelevant, ob beispielsweise Helmut Kohl „einen dicken Panzer hat“ oder nicht, wichtig ist nur, daß er, wie zu seiner Regierungszeit im Stern zu lesen war, „keine Neigung zum Potentatentum“ hat und „ein ziemlich normaler Mensch geblieben ist“. „Und er ist ein verläßlicher Freund – wie nicht viele.“ Das einzige spezifische strukturelle an der Panzerung bei der Emotionellen Pest ist nicht die Stärke der Panzerung per se, sondern eine extrem starke Beckenpanzerung.

Oberflächlich könnte man Opportunismus als typisches pestilentes Verhalten betrachten, doch mir scheint er doch eher typisch für das normale neurotische Verhalten zu sein. Die Emotionelle Pest hat etwas Aktives an sich, etwas über die „normale“ Neurose hinausschießendes, während Opportunismus das genaue Gegenteil ist. Es ist ein Unterschied, ob 1938 ein SA-Mann aggressiv eine Synagoge anzündet und dabei dein Großvater ängstlich die Gardinen zuzieht und den Volksempfänger aufdreht. Das letztere ist sozusagen der neurotische Boden, ohne den die Emotionelle Pest nicht existieren könnte. Etwas über diesen Boden hinausschießendes spezifisch Pestilentes wäre es, wenn dein Großvater zu deiner Großmutter gesagt hätte: „Jetzt geht es diesem Judengesindel endlich an den Kragen!“ Die einfache Neurose hat etwas passiv unbeweglich Persistierendes an sich („Es war schon immer so und wird immer so bleiben mit den Juden!“), während die Emotionelle Pest aktiv auf etwas insistiert („Jetzt müssen wir endlich konsequent durchgreifen und nicht nur immer reden, sondern die Juden aktiv fertigmachen!“).

„Es muß etwas getan werden!“ Das ist der Erkennungssatz der Pest. Man denke nur an all den gesellschaftspolitischen Aktivismus der letzten 40 Jahre: „Es muß etwas getan werden!“ Und am Ende ist dann die Situation schlimmer als zuvor, wenn nicht sogar ausweglos. Ich erinnere nur an die grandiose Schulpolitik der letzten Jahrzehnte!

Es stimmt zwar, daß es ohne die opportunistischen Mitläufer nie zu den diversen Katastrophen gekommen wäre, aber der spezifische Auslöser waren halt ganz bestimmte Modjus. Hätte man diese beseitigt, wäre es beispielsweise auch in Tausenden von Jahren nie zu einem Holocaust gekommen. Modju ist wie ein Virus, in einem geschwächten Organismus.

Was den aktiven Kampf gegen die Pest betrifft – also etwa „Modju ausschalten!“: das kann sehr leicht selbst in Emotionelle Pest umschlagen. So verstand sich z.B. die RAF als eine Kampfeinheit gegen den in Wirklichkeit nie untergegangenen Nazismus. Und auch die Nazis glaubten gegen die Emotionelle Pest zu kämpfen, deren diabolischen Plan zur Vernichtung der Menschheit sie in den Protokollen der Weisen von Zion nachlesen konnten. Hitler hat sich persönlich in der Nachfolge Jesu gesehen! Vorsicht also vor „Kämpfern gegen die Emotionelle Pest“ und Nachsicht gegenüber „opportunistischen Schweinen“!

Auf Grundlage des bisher gesagten, folgt hier ein „EP-Index“ (Emotionelle Pest). Null Punkte bedeuten vollständige EP-Freiheit, zehn Punkte absolute Modjuhaftigkeit, dabei folge ich der Einteilung:

  1. Energiepegel: unangemessene Aggressivität entsprechend der starken Beckenpanzerung und dem hohen Energieniveau: beides zusammen macht die Menschen zu „stacheligen“ Sadisten. Der Pestilente Charakter ist typischerweise ein Aktivist mit einem buchstäblich hohen Potential.
  2. Sozialverhalten: Hang zur üblen Nachrede und „Mobbing“, wozu auch allgemeine Unverträglichkeit und die Zerstörung von Arbeitsbeziehungen gehört. Gleichzeitig versteht sich der Pestilente Charakter aber immer wieder lieb Kind zu machen. Er ist ein Parasit, der von den Arbeitsleistungen anderer lebt.
  3. Persönlicher Umgang: Hang andere zu „Hypnotisieren“, „stechender, bohrender, hypnotisierender Blick á la Hitler“ und der allgemeine Hang andere mit seiner vermeintlich „bezwingenden Persönlichkeit“ zu manipulieren.
  4. Ideologie: Freiheits- und Wahrheitskrämerei, worunter auch der vermeintliche „Kampf gegen die Emotionelle Pest“ gehört. Dieses Predigen ist verbunden mit einer vollständigen Uneinsichtigkeit in die eigene Pathologie, fehlende Selbstkritik.
  5. Sexualität: pornographisches Verhältnis zur Sexualität, wobei ich hier Pornographie mit einer verächtlichen Haltung gegenüber der Sexualität gleichsetze, im Unterschied zur passiven Verklemmtheit, die nicht pestilent ist.

Betrachten wir nun konkrete Beispiele:

  1. unangemessene Aggressivität:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  2. Hang zur üblen Nachrede:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  3. Hang, andere zu „hypnotisieren“:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  4. Freiheits- und Wahrheitskrämerei:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  5. pornographisches Verhältnis zur Sexualität:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0

L. Ron Hubbard ist das Paradebeispiel eines „10-Punkte“-Modju. Er war extrem energetisch, kriminell, diktatorisch und ein Perverser, der seine Umgebung mit einer rigiden Sexualmoral malträtiert hat. Ein moderner Mohammed oder Joseph Smith!

Sein System beruhte darauf seine Mitmenschen durch Hypnosetechniken gefügig zu machen, ihnen ihre Seele zu stehlen – und sie dafür, d.h. für die eigene Zerstörung, ein Vermögen zahlen zu lassen.

Hier ein typisches Beispiel wie die Opfer aussehen – und das ist jemand, der die „Kirche“ verlassen hat, aber immer noch an den ganzen Unsinn glaubt. Was sie sagt, ist vollkommen gleichgültig, wichtig sind nur die Augen und die Ausstrahlung. Was Modju hinterläßt, ist eine leere Hülle:

Die gleiche Glut, der gleiche Irrsinn, die gleiche chronische Überexpansion, die gleiche krankhafte Erregung, der gleiche dauerhypnotisierte, dabei untergründig tief verzweifelt, depersonalisierte Zustand wie bei den Halbirren, die Stalin, Hitler und Mao zugejubelt haben.

Hier ein Beispiel, wozu solche Menschen in der Lage sind:

Wie kann man mit der Emotionellen Pest umgehen?

  1. Es ist sinnlos sich mit den Vertretern der Emotionellen Pest, beispielsweise den Proponenten des Pseudo-Liberalismus (der die heute virulenteste Form der Emotionellen Pest ist), abzugeben. Es ist so wie mit den psychopathischen Schlägertypen einst auf dem Schulhof – entweder haust du ihnen so eine in die Fresse, daß sie dich für immer in Ruhe lassen (meist reicht es, daß man als einziger nicht zurückweicht, nicht kleinbeigibt) oder du läßt sie in Ruhe und gehst ihnen tunlichst aus dem Weg. Jeder Kompromiß oder jedes Mittelding zwischen den beiden Alternativen bedeutet den sicheren Tod. Man läßt Modju nicht in seine Nähe: entweder indem man ihm einen vernichtenden Schlag versetzt oder indem man wegrennt.
  2. Wer sich mit der Emotionellen Pest beschäftigt, „wer den Saustall ausmisten will“, wird dabei zwangsläufig sich selbst „beschmutzen“. Nun ist der pestilente Charakter aber zumeist ein äußerst moralischer Mensch und wird dich als unmoralisches, „dreckiges“ Schwein bezeichnen. Dabei ist er selber nichts weiter als ein Haufen Dreck, macht dich aber wegen jedem kleinsten Dreckspritzer auf deiner Weste an.
    Dadurch erreicht Modju zweierlei: erstens verwischt er den Unterschied zwischen Sauberkeit und Dreck („Jeder hat doch Dreck am Stecken!“); und zweitens kann er sich selbst zum Kämpfer gegen den Dreck aufspielen: Judas spielt sich zum Christus auf.
    Deshalb muß man alles tun, um den Unterschied aufrechtzuerhalten, den Unterschied zwischen gut und böse. Und entgegen aller Pseudofunktionalisten hat Reich genau dies getan. Wenn wir den Unterschied zwischen OR und DOR verwischen, wird es nie gelingen das DOR zu sequestrieren. Und schließlich: die Pest wird nicht von Selbstzweifeln geplagt, warum also ausgerechnet wir?
  3. Wir haben keinerlei Grund, das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen, die Pest mit ihren Leichen im Keller sehr wohl.
  4. Um aber nicht selbst pestilente Mittel zu benutzen, sollte man weniger auf die einzelnen Pestkranken abzielen, sondern auf die Mechanismen der Emotionellen Pest. Diese müssen unter allen Umständen für jeden sichtbar freigelegt werden. Das ist die Hauptaufgabe jeder orgonomischen Aufklärung. (Tatsächlich ist ein Großteil der Weltliteratur der Beschreibung der Mechanismen der Emotionellen Pest gewidmet.)
  5. Generell ist über die Irrationalität zu sagen, daß es unfair ist, Menschen wegen ihres neurotischen Charakters, also ihrer Krankheit, anzugreifen. Eine ganz andere Angelegenheit ist es, wenn der Neurotiker seine Irrationalität auf dem sozialen Schauplatz auslebt. Unverzeihlich ist es aber, daß er dies in einem lebenswichtigen Bereich tut – insbesondere der Orgonomie. Man muß im Umgang diese drei Bereiche voneinander trennen. Es geht schließlich um das Interesse des Lebendigen, nicht um abstrakte Moral. Wenn sich Modju in einem irrelevanten Bereich austobt – wen interessiert’s.
  6. Die Emotionelle Pest weicht nur zurück, wenn sie direkt attackiert wird. „Bis hier und nicht weiter! Mir ist scheiß egal, was du sonst tust, aber hier lasse ich dich nicht durch!“ Wenn die Emotionelle Pest wirklich die Emotionelle Pest ist, wird sie zurückweichen und sich ein anderes Opfer suchen, denn Feigheit ist ihr Wesensmerkmal. Vielleicht kollabiert sie auch gleich ganz, da sie auf Kompromißlosigkeit nicht vorbereitet war. Man muß diesen Überraschungseffekt ausnutzen. Die Pestilenz ist wie eine DOR-Wolke oder ein Krebstumor: ein wenig Orgon reicht und sie verflüchtigt sich. Ein Solschenizyn reicht – und das Reich des Bösen kollabiert!
    Unser eigener Pessimismus angesichts der Pest ist unser größter Feind!

Orgonomie, die Liberalen und die Konservativen

12. Januar 2016

Der gesellschaftspolitische Ansatz, wie er von Elsworth F. Baker und Charles Konia vertreten wird, geht von folgender Aussage Reichs aus:

Die Politik ist ihrem Wesen nach organisierte Befriedigung biopathischer Emotionen der Parteigefolgschaft, formuliert in einem politischen Programm. (Wilhelm Reich: Menschen im Staat)

Als Beispiel nehme man folgenden Blogeintrag Konias, bei dem es um die Unterscheidung zwischen dem wirklichen Liberalen und dem von Konia so bezeichneten „Pseudo-Liberalen“ geht, der identisch mit Bakers „modern liberal“ ist.

Den Unterschied zwischen dem wahren Liberalen und dem Pseudo-Liberalen kann man gut am Beispiel von Joseph Lieberman (US-Senator des Bundesstaates Connecticut), einem wahren Liberalen, und Präsident Barack Obama, einem Pseudo-Liberalen, herausarbeiten. Sie gehören zwar beide der gleichen Demokratischen Partei an und beide vertreten liberale Ideale, aber es gibt grundlegende Unterschiede in den politischen Überzeugungen der beiden Männer, die auf ihren Charakter zurückgehen. Während Lieberman pro-amerikanisch ist, ist Obama ein Internationalist. Während Lieberman Nationen unterstützt, die Amerika wohlgesonnen sind, steht Obama auf der Seite der Feinde Amerikas. Während Lieberman traditionelle Autoritäten unterstützt, scheint es nur so zu sein, als würde Obama Autoritäten respektieren, tatsächlich untergräbt er jedoch die Autoritäten auf lokaler Ebene, ist antiautoritär auf jedem Gebiet des gesellschaftlichen Lebens und bevorzugt die Zentralregierung. Während Lieberman egalitär ist, ist Obama ein elitärer Intellektueller. Während Lieberman demokratische Ideale unterstützt, ist Obama ein Kollektivist und unterstützt sozialistische Ideale. Während Lieberman ein politischer Idealist ist, ist Obama ein politischer Aktivist.

Das sind nicht bloße „Meinungsunterschiede“, die man im Dialog ausdiskutieren könnte, sondern es handelt sich um tiefgreifende Unterschiede in der Charakterstruktur, d.h. letztendlich um bio-physikalische Unterschiede, die Konia erstmals offengelegt hat.

Natürlich kann in Deutschland kaum jemand etwas mit dem Namen „Lieberman“ anfangen. Mir will aber kaum eine deutsche Entsprechung einfallen. Das wäre noch in den 1970er Jahren gegangen, aber mittlerweile ist es zu einer derartigen „Rotverschiebung“ gekommen (ein von Konia geprägter Begriff), daß man kaum noch echte Liberale im Sinne Liebermans ausmachen kann – „scheiß Liberale“ wie sie die rotfaschistischen 68er nannten. Der gesellschaftliche Konsensus ist durchweg elitär-intellektuell („political correctness“), internationalistisch und sozialistisch. Wenn Leute auch nur zarteste Ansätze für eine genuin liberale Politik unterbreiten, werden sie von den Roten Faschisten in den Medien (den pseudo-liberalen „modern liberals“) derartig zur Sau gemacht, daß man sich an die Massenkampagnen Stalins, Maos oder Castros erinnert fühlt.

Lasse ich die Meinungsäußerungen der heutigen vermeintlich „fortschrittlichen“ Menschen auf mich wirken, fällt mir sofort die Verachtung für „die Rechten“ ins Auge. Diese werden durchweg als genauso unglaublich dumm wie unglaublich unmoralisch imaginiert. Linke zeichnet vor allem eine intellektuelle Überheblichkeit und moralische Empörung aus, wobei es stets um die materielle Ausbeutung „der Armen“ durch die Reichen geht. Die antiautoritäre Gesellschaft läßt sich entsprechend wie folgt beschreiben:

orglibkon

Früher, in der autoritären Gesellschaft sah dies ganz ähnlich aus, als die Konservativen über die Unangepaßten herzogen. Für sie waren das „Halbaffen“ (Verachtung). Ihre Überheblichkeit war jedoch eher religiöser als intellektueller Natur („Sie sind blind für die Offenbarung!“) und die moralische Empörung galt nicht der Klassenstruktur, sondern galt ausschließlich tatsächlichen und imaginierten sexuellen „Verfehlungen“.

Die obige funktionelle Aufstellung beschreibt und erklärt wirklich so gut wie alles, was einem so an soziopolitischen Äußerungen und Handlungen im Alltag begegnet. Die Verachtung für jene, die sich gegen den sich beschleunigen Fortschritt wehren oder sich diesem einfach nur entziehen, ist stets greifbar. Immer, wirklich immer, wird nahegelegt, daß diese Konservativen schlichtweg dumm sind: sie leben nicht aus dem Gehirn wie der Linke, der ein fast ausschließlich zerebrales Wesen ist, das jedweden Kontakt mit dem bioenergetischen Kern verloren hat. Und immer, wirklich immer, ist von der „sozialen Ungerechtigkeit“ die Rede. Wobei es dabei wirklich geht, sind aber nicht wirkliche ökonomische Ungleichgewichte, sondern es geht darum, daß die Linken keine ökonomische Unabhängigkeit ertragen können, diese erinnert sie nämlich an, wenn man so will, „bioenergetische Unabhängigkeit“, d.h. das spontane Agieren des bioenergetischen Kerns, vor dem sie eine Todesangst haben. Es ist die gleiche Angst vor Bewegung, die der Konservative in Bezug auf die Sexualität hat. Der Unterschied ist nur, daß der Konservative über die Religion zumindest einen verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern hat, während der Linke sozusagen frei in der Luft schwebt. Er kennt deshalb keine Mäßigung, keinen Halt, keine Grenzen. Der „Kampf gegen Rechts“ wird erst dann enden, wenn alles, wirklich alles eingeebnet ist und maximale Entropie herrscht. Man denke doch nur an den ganzen politisch korrekten Wahnsinn, der zunehmend unser Leben bestimmt, die Redeverbote, die immer radikaler durchgesetzt werden!

Besonders lächerlich wird es, wenn man die Facebook-Einträge von angeblichen „Orgonomen“ in Amerika betrachtet, die sich außerhalb des American College of Orgonomy bewegen. Ständig machen sie sich über die Republikaner lustig, stellen sie als halbgebildete Primaten und egoistische Knechte der Kapitaleigner dar, die anscheinend höchste Lust verspüren, wenn sie Arme und „Minderheiten“ malträtieren. Diese „Orgonomen“ beziehen sich dabei natürlich implizit, teilweise sogar explizit auf Reich – ohne in ihrer Kontaktlosigkeit die oben beschriebenen bioenergetischen Zusammenhänge auch nur zu ahnen. Mich schaudert es, wenn ich daran denke, daß ohne Baker diese Leute heute „die Orgonomie“ ausmachen würden… Kleine Männer, die nichts, wirklich nichts verstanden haben, sondern nur einer „orgonomischen“ Ideologie folgen.

Orgonomische „Soziobiologie“ (Teil 2)

26. Juni 2015

Kollektivismus ist eines der Hauptcharakteristiken der „Maschinenmenschen-Ameisen“: das Fehlen jeder Individualität, Eigenverantwortlichkeit und Spontanität – das Fehlen jeder wirklichen Gemeinschaft. Die krasseste Ausbildung dieses Syndroms finden wir im Sozialismus. Eine Gesellschaftsformation, die durch den Kollektivisten, bzw. modern liberal character hervorgerufen wurde.

Betrachten wir diesen Charakter etwas genauer:

1. Als Ausdruck einer energetischen Einebnung (mechanisches Potential) strebt er nach sozialer Nivellierung, die, auch bedingt durch seine Kontaktlosigkeit, alles andere als „sozial“ ist, sondern eben seinem Drang nach maximaler Entropie entspricht. Baker zufolge trägt er seine eigene „totale Devitalisierung“ in den gesellschaftlichen Organismus hinein. Deshalb handelt es sich beim modernen Liberalismus in jeder Hinsicht um eine gesellschaftliche „T-Reaktion“ (siehe Reich: Der Krebs), die zwangsläufig zum „gesellschaftlichen Krebs“ (Kommunismus) führen muß.

Krebsgewebe ist äußerst homogen und weniger spezialisiert als gesundes Gewebe („gesellschaftliche Nivellierung“). Nach Reich hört bei der Krebsbiopathie im Körper auch die „Energie-Produktion“ auf – dem entspricht im gesellschaftlichen Organismus die Beseitigung des produktiven Kapitalismus durch den unproduktiven Sozialismus. Gemäß dem mechanischen Potential sinkt das Energieniveau, alle Energieunterschiede werden eingeebnet und die Verantwortungslosigkeit nimmt zu. Ein Blick auf die diversen Gesellschaftexperimente der Sozialdemokraten und Kommunisten reicht aus, um diese Thesen zu untermauern.

2. Auf der anderen Seite führt der energetische Zentralismus (orgonomisches Potential) dazu, das der modern liberal character nach einem starken Sozialstaat strebt, aber auch dies ist nicht „sozial“, sondern Ausdruck dessen, daß der Liberale zentral aus seinem Gehirn heraus lebt. Dies macht ihn, da es zur Abtrennung vom Kern führt, zum Mechanisten. Auch dieser Aspekt ist Teil des krebsigen Zerfalls der Gesellschaft: Nach Reich (Der Krebs) verschiebt sich bei der präkanzerösen Zelle

die Kern-Plasma-Relation in energetischer Hinsicht rasch und drohend zugunsten des Kerns. Der Energieüberschuß im Kern wird im Verhältnis zum erstickenden Plasma allzu groß.

Beim Kollektivisten, dem „präkommunistischen Charakter“, verschiebt sich durch Intellektualisierung die Energie vom Becken zum Hirn, das, Reich zufolge, „wie ein Parasit dem Körper Energie abzapft.“ Dies entspricht ganz der Zentralisierung im Kommunismus. So sprach der modern liberal character Marx davon, daß die (Marxsche) Philosophie der „Kopf“ des Proletariats sei und Trotzki nannte die KP „das historische Organ, durch das die Klasse klassenbewußt wird.“

Diese Einteilung in Funktionäre und Arbeiter entspricht funktionell der Einteilung in Geschlechts- und Arbeitsameisen. Dazu gehört auch die Verteufelung des Egoismus durch die Linke (die organisierte Emotionelle Pest). Dieter Otto in schreibt seinem Buch Die Rote Waldameise (Wittenberg „DDR“ 1962):

Es gehört zur Eigenart eines Insektenstaates, daß die einzelnen Staatenmitglieder Tätigkeiten verrichten, die nicht unmittelbar nur ihren eigenen, individuellen Bedürfnissen oder den Bedürfnissen ihrer eigenen Nachkommen (Brutfürsorge) entsprechen, sondern die dem Gedeihen und der Erhaltung der gesamten Gemeinschaft dienen.

So verkörpert der „DORifizierende“ Kollektivist eine funktionelle Entwicklung hin zur Ameise. Nicht ohne Grund hat man die von den modern liberal characters Marx, Lenin, Bucharin („Menschenmaterial“), Trotzki, Stalin, Mao, Ho Chi-Minh, Castro, Pol Pot entworfenen kommunistischen Paradiese oft mit Ameisenstaaten (die „blauen Ameisen“ Chinas) verglichen.

Ein individuelles Bewußtsein ist in derartigen Ameisengesellschaften nur störend. Wichtig hingegen ist die möglichst hohe Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion, um dies monolithische Gebilde zusammenhalten zu können. In seiner Abhandlung über „Krebs und Kommunismus“ schreibt Konia:

Die Gesellschaften der Wirbellosen basieren auf der größtmöglichen Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion, während die Gesellschaften von Wirbeltieren von der möglichst umfassenden Entwicklung des Bewußtseins abhängen.

Beim Zerfall dieser „Wirbeltier-Gesellschaften“ hat das Bewußtsein seinen Sitz immer weniger im Individuum, sondern verschmiert sozusagen über die gesamte Gesellschaft (beispielsweise spricht man von „Bewußtseinsindustrie“, die Menschen entwickeln eine politisch korrekte „Einheitsmeinung“).

Was damit gemeint ist, zeigt die folgende Stelle aus Wilhelm Goetsch‘ Buch Die Staaten der Ameisen (Berlin 1953):

Wenn sich bei uns Menschen eine feste Gemeinschaft mit einheitlichem Handeln ergeben soll, dann sind stets besondere Einrichtungen nötig; man muß einander als Glieder dieser Gemeinsamkeit erkennen und man muß sich miteinander irgendwie verständigen können. Zum Erkennen dienen beispielsweise Abzeichen von der Vereinsnadel bis zur Uniform, oder Losungsworte vom Feldgeschrei bis zur Parole; zur Verständigung werden benützt irgendwelche Winkzeichen bis zur Druckschrift, oder Alarmsignale vom Schreckensruf bis zum SOS der drahtlosen Telegraphie. Es handelt sich demnach bei menschlichen Einrichtungen, deren Aufzählung man beliebig fortsetzen könnte, fast immer um Zeichen, die auf unser Auge oder Ohr wirken.

Bei den Ameisen steht der Geruch im Vordergrund.

Weil das individuelle Bewußtsein unterdrückt wird und das Individuum zu einer Art Nervenzelle wird, die nur Informationen empfängt und weitergibt, also jede Kreativität unterdrückt wird und jeder darauf schaut, was die anderen machen und sich dementsprechend verhält, stammte aus den kommunistischen Gesellschaften keine einzige epochemachende Erfindung. Das ist so, weil „das Bewußtsein“, d.h. jede Kreativität unterdrückt wird und jeder darauf schaut, was die anderen machen und sich dementsprechend verhält. Entsprechend war die Sowjetunion wie ein Parasit, der von der Auskundschaftung der geistigen Errungenschaften des Kapitalismus und der Ausbeutung der materiellen Ressourcen des Westens lebte. (Über die islamische Welt läßt sich ähnliches sagen!)

Konia schreibt weiter, daß sich das Bewußtsein parallel zur Sexualität entwickelt hat und daß bei den Insekten jede Freiheit und Sexualität dem Kollektiv geopfert wird (die Arbeitsameisen haben keinerlei Sexualleben), während bei den Wirbeltieren diese Funktionen bei den Individuen bis auf das Äußerste entwickelt sind.

Funktionalismus und Arbeitsdemokratie, unsere einzige Hoffnung!

8. Mai 2015

Während die Tiere traumwandlerisch eine apokalyptische Katastrophe nach der anderen überleben, tapsen wir fremd und hilflos durch die Welt, als wären wir auf einen fremden Planeten gestrandet.

In Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht wird der Volksstamm der Shom Pen auf Groß-Nikobar als Beispiel für ein ungepanzertes Leben angeführt.

Da die von Indien verwalteten Nikobaren und Andamanen direkt beim Epizentrum des verheerenden Seebebens lagen, das Ende 2004 Südasien in Mitleidenschaft gezogen hat, standen diese letzten Rückzugsgebiete einer Menschheit im Naturzustand, sozusagen der Gegenpol Saharasias, damals erstmals überhaupt im Zentrum des Weltinteresses.

In der ARD wurde über die Shom Pen berichtet:

Eine Art „Sechster Sinn“ habe die Völker gerettet, vermuten Ethnologen. (…) Gerettet hat sich z.B. das Volk der Shom Pen auf der Insel Great Nicobar. Angeblich besteht das ganze Volk aus gerade mal noch 200 Clanmitgliedern. Die Jäger und Sammler flohen offenbar in die Berge ihrer Inseln oder kletterten auf Palmen. Die Tier- und Wasserbeobachtungen der Urvölker [aus der sie Anzeichen für die unmittelbar bevorstehende Springflut ablasen] hat die hochtechnisierte Welt ersetzt durch milliardenteure Rechenzentren und Forschungsstationen…

Die Naturvölker leben ein funktionelles Leben (vgl. Interview mit Jerome Eden), d.h. sie leben wirklich in ihrer Umgebung, sind Teil der sie umgebenden Welt, während wir (einschließlich der uns nacheifernden Menschen auf Sri Lanka und in Indonesien) wie hilflose Touristen durch die Landschaften eines fremden Planeten stolpern…

Gnade uns Gott, wenn das weltweite Finanzsystem kollabiert und beispielsweise tatsächlich eine Klimakatastrophe eintreten sollte. Wir können uns weder auf die Stabilität des Klimas, noch der Erdkruste unter uns oder gar die Regelhaftigkeit der Himmelsmechanik verlassen. Seit längerem können wir uns nicht mal mehr darauf verlassen, daß wir abends unbehelligt durch unsere Städte gehen können. Griechenland zeigt uns, daß der „Sozialstaat“ sehr bald kollabieren wird. Das Leben selbst zwingt uns in Kontakt mit uns selbst und unserer Umwelt zu treten. Kontakt! Nichts anderes bedeutet „funktionell“ zu leben. Leider treibt uns das „Ersatzleben“, das wir führen systematisch in die Kontaktlosigkeit.

Die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert wurde im Spiegel gefragt, was sie denen antwortet, die die Kinderkrippe in den ersten drei Lebensjahren für widernatürlich halten. Das sei, so Ahnert, Unsinn. Es gäbe kein naturgegebenes Betreuungssystem. Dabei verweist sie auf zwei Naturvölker: die Efe-Pygmäen in Zentralafrika und die !Kung-Buschmänner in der Kalahari. Die Efe würden ihre Säuglinge „von Schoß zu Schoß weiterreichen“.

So ein Efe-Baby verbringt manchmal nur ein Fünftel der Zeit bei der leiblichen Mutter und hat im Schnitt 14 Betreuerinnen. Einige der Frauen stillen es sogar. Wir sehen aber auch Mütter wie die der !Kung (…), die ihre Kleinen drei Jahre lang praktisch immerzu am Körper tragen. Was ist jetzt das Natürliche?

Ganz offensichtlich ist der zentralafrikanische Urwald eine vollkommen andersgeartete Umgebung als die südwestafrikanische Wüste. Entsprechend haben sich die Pygmäen und Buschmänner an ihre Umwelt angepaßt, inklusive was den Umgang mit Säuglingen anbetrifft.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen der mechanistischen und der funktionellen Lebensauffassung. Obwohl Ahnert selbst ausdrücklich betont, die Efe würden ihre Säuglinge „von Schoß zu Schoß weiterreichen“ und diese dabei, so Ahnert, „sogar“ gestillt werden, bleibt sie doch vollkommen abstrakt und „mechanisch“ an dem nebensächlichen Umstand haften, daß die Efe-Mütter anders als bei den !Kung ihre Säuglinge aus der Hand geben. Dabei übersieht sie ganz das Wesentliche: den engen Körperkontakt, der sowohl bei den Efe als auch bei den !Kung gegeben ist. Aus funktioneller Sicht gibt es demnach gar keinen Unterschied, d.h. keinen wesentlichen Unterschied, im Umgang mit Säuglingen: sie bleiben stets in engem Körperkontakt.

Es ist vollkommen hoffnungslos mit Leuten wie Ahnert zu diskutieren.

Der amerikanische Sozialwissenschaftler John McKnight beschreibt in seinem Buch The Careless Society: Community and its Counterfeits, wie die Behörden mit all ihren Sozialprogrammen nachweislich zum sozialen Chaos, zur wachsenden Armut und Kriminalität beitragen, statt sie einzudämmen. Verschärft wird der Trend dadurch, daß, dank Arbeitsplatzabbau in der Industrie, Jobs im sozialen Dienstleistungsgewerbe immer attraktiver werden. Ein neuer Markt wird erschlossen und immer neue Bedürfnisse ausgemacht, unabhängig davon, ob es sie wirklich gibt. Aufgaben für die einst Nachbarschaft und Familie zuständig waren, werden zur ökonomischen Grundlage einer neuen sozialen Schicht.

Die Folgen verdeutlicht McKnight anhand einer faszinierenden Parabel. Als die amerikanischen Pioniere die Prärie erreichten, waren die alten gußeisernen Pflüge nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb entwickelte 1837 ein gewisser John Deere den ersten selbstreinigenden Stahlpflug, mit dem man wie mit einem Messer durch die klebrige Erde schneiden konnte. In dem County in Wisconsin, in dem McKnight lebt, wurden die bodenständigen Sauk-Indianer von den Siedlern, die die Prärie mit dem neuen Pflug urbar machen wollten, in die Reservation verdrängt, wo sie sehr schnell die alten Anbaumethoden vergaßen. Der Landstrich hatte die Indianer über unzählige Generationen hinweg ernährt, doch nun war der Boden dank des agronomischen Fortschritts in einem Zeitraum von nur 30 Jahren ausgelaugt, so daß viele der Siedler weiterziehen mußten. McKnight faßt das Geschehen dahin zusammen, daß John Deeres Erfindung innerhalb einer Generation drei Wüsten produziert hatte: Wisconsin, die Reservation und das geistige Erbe der Indianer.

Zwar habe Wisconsin sich durch den Übergang zur Milchviehwirtschaft wieder erholt, aber heute bräche über Sauk County eine neue verheerende Invasion herein. Die Sozialbürokratie schicke bereavement counselors (Trauerbeistände) ins Land, die mit einer eigens entwickelten „Trauertechnik“ nun jenen beistehen, die einen ihrer Lieben verloren haben. Vor dem Auftauchen der Trauerarbeiter standen Nachbarn und Verwandte den Hinterbliebenden bei. Durch Teilen der Trauer und die gemeinschaftlichen Zeremonien war ein Todesfall etwas, das die Gemeinschaft enger zusammenschweißte und vermehrte Kraft zum Weitermachen schenkte. Doch nun werde, so McKnight, der Hinterbliebene den Trauerarbeiter mit einem Freund verwechseln und die Menschen, die dafür schließlich ihre Steuern zahlen, auf ihr Recht zur professionellen Trauerbegleitung pochen. Aus Angst, die Arbeit des professionellen Trauerarbeiters zu stören, werden die Nachbarn nicht mehr vorbeischauen.

McKnight schließt:

Das neue Werkzeug der Berater wird durch die Sozialstruktur schneiden und Verwandtschaft, Beistand, nachbarschaftliche Verpflichtungen und das gemeinschaftliche Erleben und Verarbeiten beiseiteschieben. Wie John Deeres Pflug werden die Werkzeuge der Trauerberatung eine Wüste hinterlassen, wo einst eine Gemeinschaft blühte.

Man sieht, wie abstrakte Zielvorgaben das lebendige Leben zerstückeln und zerstören.

Wisconsin war nur Teil einer den ganzen Kontinent in Mitleidenschaft ziehenden Entwicklung, die erst richtig ingang kam, als nach dem Ersten Weltkrieg die US-Regierung ein gigantisches farming program zur Industrialisierung der Landwirtschaft ins Leben rief, um Getreideexporte im großem Stil möglich zu machen. Die Agrarindustrie brach über den Mittleren Westen herein und verwandelte die vielfältige Landschaft in eine großflächige Getreidemonokultur. Viele Monate im Jahr waren die von schweren Traktoren, Mähdreschern und Motorpflügen malträtierten Böden ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Eine große Dürre tat ein übriges und die Katastrophe war da. Staubgeschwängerte „schwarze Blizzards“ trugen die fruchtbare Bodenkrume bis nach New York.

In einem kleineren Maßstab kann man heute ähnliches in Spanien und Portugal beobachten, wo die EUdSSR mit unseren Steuergeldern riesige Flächen irreparabel zerstört. Nutznießer sind letztendlich nur die Agrarindustrie, die Großbanken und die perfekt abgesicherten Bürokraten. In Deutschland geschah in den letzten 80 Jahren ähnliches, nachdem die Nationalsozialisten die „Flurbereinigung“ eingeführt hatten. Nur das feuchte mitteleuropäische Klima hat verhindert, daß aus unseren ausgeräumten Agrarsteppen Wüsten geworden sind. Die dilettantische Agrarpolitik der EUdSSR hat ein Übriges getan, um aus weiten Teilen des flachen Landes eine öde Sozialbrache zu machen. Und die Krankheit breitet sich, via Exportsubventionen, weiter aus in alle Welt durch Zerstörung der bodenständigen Agrarmärkte.

All diesen malignen Erscheinungen liegt ein Nenner zugrunde: das lebendige Geschehen wird in das Prokrustesbett lebensfremder Pläne gezwängt. Was dergestalt allgegenwärtig auf diesem Planeten passiert, wird wohl am ehesten anhand des Mussolinis der Karibik deutlich, der Kuba wie eine große Hazienda leitet und dessen Landwirtschaftspolitik zu einer beispiellosen ökologischen und ökonomischen Katastrophe geführt hat. Castro wird ein in jeder Hinsicht restlos zerstörtes Eiland hinterlassen. Bekannter ist, was Mao in China angerichtet hat oder Chruschtschow in Mittelasien. Man ist erschüttert über den Kommunismus, ohne zu ahnen, daß er nur die grotesk überzeichnete Karikatur unserer eigenen hoffnungslosen Lage darstellt. Zum Beispiel läßt sich mit einiger Sicherheit voraussagen, daß dank der Saatgutmultis die Standardisierung des (mittlerweile nicht nur sortenreinen, sondern auch erbgleichen) Saatgutes eines Tages für eine globale Katastrophe unausdenkbaren Ausmaßes sorgen wird, da durch die Uniformierung Erreger aller Art ein leichtes Spiel haben. Dann wird es auch keine Alternativen mehr geben, mit deren Hilfe man neu anfangen könnte…

Angesichts der Globalisierung der Wirtschaft (was freier Welthandel bedeutet, kann man ermessen, wenn man an die paradoxe Wirkung importierter Arten auf die heimische Artenvielfalt denkt), angesichts wachsender Fremdbestimmung durch parasitäre und inkompetente nationale und gar internationale Administrationen und multinationale Konzerne, dem Wechsel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und der kontaktlosen „Virtualisierung“ aller Lebensbezüge läßt sich prognostizieren, daß sich die Verwandlung der Erde in einen Wüstenplaneten beschleunigen wird. Die einzige Überlebenschance ist die radikale arbeitsdemokratische Reorganisierung der Gesellschaft von unten nach oben.