Posts Tagged ‘Castro’

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 4)

11. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

 

Weil die Population der genitalen Charaktere recht spärlich ist, müssen wir uns vor allem mit den einfachen Neurotikern und den emotionalen Pestcharakteren befassen. Wir werden sehen, wie diese beiden Charaktertypen, der im Grunde anständige, aber verkrüppelte einfache Neurotiker und die höchst bösartige emotionale Pest, so aufeinander einwirken, dass sie die Krankheit des jeweils anderen auf eine für diesen Planeten verheerende Weise verstärken.

Der einfache Neurotiker wird aus zwei Gründen leicht vom Modju angezogen: weil das genitale Vorbild selten ist, er auch Angst vor diesem Modell hat, und der energetischen Intensität, hinzu kommen die Manipulationen der Pest. Was die Genitalität zu bieten hat, ist für gepanzerte Menschen weitaus furchteinflößender als das illusorische Angebot von Modju. Letzteres verspricht einen schnellen Weg zu himmlischen Freuden und verdeckt den Nachteil meisterhaft. Der genitale Weg ist direkt, ehrlich, offen, wahr und angstmachend.

Da die Pest sich in jedem entscheidenden Bereich des Lebens vorfindet – Bildung, Medizin, Sexualität, Psychologie, Politik, Religion, Recht, Kommunikationsmedien usw. – befindet sie sich in einer strategisch einflussreichen Position, um diese Bereiche für ihre zerstörerischen Ziele zu nutzen. Sie tut dies durch ihre Einsicht in die Mängel und Schwächen der Menschen und ihre Fähigkeit, Schuld und Ressentiments zu mobilisieren. Ein Modju-Führer weiß, wie Massen sich aus ihrer Ohnmacht heraus nach Führung, Ruhm und dem Status quo ihrer Abwehrmechanismen sehnen. Er weiß, dass sie lieber andere beschuldigen würden, als sich ihrer eigenen Krankheit zu stellen, dass sie regelmäßig von brodelndem Groll und Hass geplagt werden, den er zu seinen eigenen Zwecken kanalisieren kann, und dass die Menschen die Freiheit mehr fürchten, als sich danach zu sehnen, und sich häufig heimlich mit Regimen identifizieren, die die Freiheit angreifen, anstatt denjenigen, die sie verteidigen und aufrechterhalten. Modju weiß, dass der verbleibende grundlegende Anstand der Massen die Aufrechterhaltung ihrer humanitären Illusionen erfordert, und die erfolgreichsten Modjus liefern diese Illusionen, selbst wenn sie ihre hinterhältigsten Taten begehen. Wie viel leichter ist es, mit den Khomeinis, Ho Chi Minhs, Pol Pots, Castros, Mao Tse Tungs und Stalins mitzufühlen als mit den Schahse, Parks, Pinochets, Somozas, Perons, Mussolinis und Hitlers! Wie viel bedrohlicher sind die kleinen rechtsgerichteten Militärdiktaturen als die linken totalitären Kolosse! Wie viel empörender ist die im Grunde gut motivierte amerikanische Operation in Vietnam als die brutalsten Unterdrückungen durch rote Faschisten in Vietnam, Kambodscha, China, Afghanistan, Afrika und Kuba! Diese katastrophale Doppelmoral, die sich gegen die freie Welt richtet und die Roten Faschisten begünstigt, kann nur aus der Angst vor der Freiheit, vor der Wahrheit und vor dem Kontakt zum Kern entstehen. So ist das Khomeini-Regime im Iran feindseliger gegenüber Amerika eingestellt als gegenüber der größeren Bedrohung der Sowjetunion, weil es die freien Traditionen Amerikas mehr fürchtet als die Gefahr der sowjetischen Versklavung. Um Daniel Pipes, Historiker an der Universität von Chicago und Autorität für den Islam, zu zitieren (8):

Aktivistischer Islam und Marxismus stellen die internationale Solidarität über den Nationalismus, die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die des Einzelnen, Gleichmacherei über die Freiheit. . . . aktivistische Muslime und Marxisten verfolgen edel klingende, aber unerreichbare Standards für die Gesellschaft . . . Schließlich, weil der aktivistische Islam und der Marxismus alle Bereiche des Lebens berühren, neigen ihre Regierungen zum Totalitarismus. (Kursiv von mir: P.M.).

Zu behaupten, dass „ihre Regierungen zum Totalitarismus neigen“, ist natürlich eine Untertreibung, aber hier haben wir das grundlegende gemeinsame Funktionsprinzip: Hass und Intoleranz gegenüber Individualität und Freiheit.

 

Anmerkungen des Übersetzers

e Gemeint ist der persische Schah Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980).
„Parks, Pinochets, Somozas, Perons“
Park Chung-hee, 1961 bis 1979 Präsident der Republik Korea.
Augusto José Ramón Pinochet Ugarte, 1973 bis 1990 Putschführer/Präsident in Chile.
Luis Anastasio Somoza Debayle, Präsident von Nicaragua von 1956 bis 1963.
Juan Perón, 1946 bis 1955 und 1973/1974 Präsident von Argentinien.

 

Literatur

8. Pipes, D.: „Khomeini, the Soviet and U.S.“, New York Times, Op-Ed page, May 27, 1980

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

19. Mai 2019

 

Paul Mathews:
Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

 

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 4)

9. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

An dieser Stelle ist es wichtig, eine Parallele zwischen dem rotfaschistischen Mikrokult des People’s Temple und den Makro-Kulten der kommunistischen Nationen in Bezug auf ihre Presse und ihr öffentliches Image aufzuzeigen. Man ist beeindruckt von der relativen Leichtigkeit, mit der Jones viele wichtige und normalerweise intelligente Menschen in Politik, Staatsapparat, Religion, Kunstbetrieb und Presse täuschen und sogar bezaubern konnte – vom Bürgermeister von San Francisco, George Moscone (der später bei einem nicht direkt damit verbundenen Vorfall in Paris ermordet wurde) bis zur Frau des Präsidenten, Rosalyn Carter. Man erinnert sich an den „Charme“, der von solchen faschistischen Führern wie Castro, Mao, Tito, Chruschtschow, Breschnew, Peron und sogar Hitler und Stalin ausgeübt wurde. Wie in allen in diesem Artikel angegebenen Dokumentationen über Jonestown beschrieben, gab es einen äußerst schwierigen Kampf von Dissidenten und Flüchtlingen des People’s Temple, die Behörden und die Presse vom Horror von Jonestown zu überzeugen, nicht anders als in den Jahren des Kampfes von Solschenizyn und anderen Flüchtlingen aus der kommunistischen Barbarei, Amerika und die freie Welt davon zu überzeugen, was uns bei einer rotfaschistischen Machtübernahme erwartet. Die Weigerung die Bedeutung derartiger rotfaschistischer Merkmale deutlich zu erkennen, wie z.B. die „Eisernen Vorhänge“, Gulags, Berliner Mauern, verbotene Exodusse, „Boat People“, kambodschanische und vietnamesische Holocausts, psychiatrische Inhaftierungen, Aggressionen durch Stellvertreter wie Kuba, etc. kann nur als charakterologische willentliche Blindheit verstanden werden, die auf Angst vor der Wahrheit und/oder auf Identifikation mit der Pest beruht.

Wie Jones haben auch die Roten und ihre Sympathisanten eine sehr ausgefeilte und verdrehte Begründung entwickelt, die den USA die Schuld für jede kommunistische Schandtat zuschiebt. Jones hatte zwei radikale Anwälte, Mark Lane und Charles Garry, beauftragt, seine rechtlichen Angelegenheiten und die Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen. Beide waren versiert auf dem Gebiet der antiamerikanischen Propaganda. Aber ohne eine vorbereitete und willige linksliberale Presse und ein chronisch gehirngewaschene Öffentlichkeit hätte das alles nicht funktioniert. Midge Decter schreibt (15, S.33):

Daß der People’s Temple die kultischen Bedürfnisse von nach Autorität hungernden, nach Sinn hungernden Menschen erfüllte, könnte es Jim Jones möglich gemacht haben, ihr Geld und ihren Verstand und schließlich und vor allem ihren Willen zu kontrollieren. Aber was es ihm möglich machte, die Presse und die Politiker zu kontrollieren, war etwas ganz anderes: sein Ruf als radikaler Linker.

In diesem Artikel erinnert uns Decter daran, daß Henry Wallace eine berühmte Tournee durch ein sowjetisches Sklavenarbeitslager in Sibirien unternommen hatte und daß „Wallace, wie Marina im Bordell [siehe Pericles von Shakespeare], unberührt durch den Gulag reiste, durch das Tal des Schreckens, in das Dutzende Millionen Menschen am Ende sterben sollten an Hunger, Folter und Überarbeitung, und einen glühenden Bericht über die Entwicklung Sibiriens in die Vereinigten Staaten mitbrachte“. (Das erinnert an Shirley McLaine, Jane Fonda und Charles Lindberg.) Sie vergleicht das mit der selbstkritischen Haltung des Journalisten Charles A. Krause von der Washington Post, der in seinem Buch Guyana Massacre seine Unwilligkeit beschreibt, trotz aller Hinweise in Jonestown von schlechten Dingen überzeugt zu werden und wie schließlich auf ihn geschossen und er verletzt wurde. William Kunstler, der berüchtigte radikale Anwalt der „Chicago Seven“, antwortete auf den Aufruf von Joan Baez, einen Protest gegen Vietnams Übergriffe zu unterzeichnen, indem er erklärte, daß man einen sozialistischen Staat niemals öffentlich kritisieren sollte (16, S. 41).

Die Sowjets selbst erklärten, Jonestown sei ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft, ein Signal, das aufgenommen und dann von der breiten Masse der Liberalen und Linken verbreitet wurde. Robert J. Lifton, Professor für Psychiatrie in Yale und Autor einer im Wesentlichen antiamerikanischen Studie über die Opfer von Hiroshima, erklärt (17, S. 1): „… Jones‘ Todesszenario war im Wesentlichen ein amerikanisches Ereignis … wir müssen untersuchen, was hinter (Kulten) steht, was sie über unsere Zeit verraten, aus welcher Schwäche in unserer Gesellschaft sie ihre Stärke schöpfen“ (Alle Unterstreichungen von mir. – P.M.).

Man vergleiche Liftons Sichtweise mit der von George E. Agree, einem prominenten Politikwissenschaftler (18, S. 2):

Abgesehen von den persönlichen und Gruppenpathologien unterstreicht die Geschichte des People’s Temple zwei wichtige Fakten über die Vereinigten Staaten: Erstens, daß der Kult hier existieren konnte, und zweitens, daß es zu seiner brutalen Auflösung nicht kommen konnte, bevor er nicht anderswohin gegangen war. … Die weltweit wichtigste Tatsache ist heute, daß die Hälfte der Menschheit ähnlich wie die Jonestown-Kommune von Regimen regiert wird, die für ihre eigenen Leute gefährlich sind und für andere. Sie haben ebenfalls Regierungen, die geschickt die Verehrung ihrer Führer manipulieren, die Arbeit ihrer Untertanen zentralisieren und lenken, Andersdenkende brutal strafen und das Fortgehen mit Zwang verhindern. Nicht einmal die Briefe der Selbstkritik an „Papa“, der Gruppenzwang und das kasernierte Leben waren einzigartig. Sie entspringen einer Wundertüte totalitärer Praktiken, die Jim Jones reichlich durch die tägliche Presse präsentiert wurden … während seines gesamten Lebens … Die Machthaber von China und Rußland verstehen Jones sehr gut. Auch sie fürchten und opfern ihr eigenes Volk, behaupten jedoch, es gegen Feinde in den demokratischen Ländern zu verteidigen.

Für freie Menschen, die mit einer größtenteils tyrannisierten Welt konfrontiert sind, ist die wichtige Frage nicht, wie dies hier bei seltenen und vereinzelten Anlässen geschehen konnte, sondern was wir hinsichtlich ihrer allzu kontinuierlichen und schrecklichen Präsenz dort zu tun haben.

In einem anderen Sinn hat die „Schuld“, die Amerika zugeschoben wird, eine gewisse Berechtigung. Nur in einer freieren amerikanischen Gesellschaft konnte ein Jonestown-Phänomen als anormale Abzweigung einer vorzeitigen Befreiung vom Panzer hervorgebracht werden, eine Freiheit, die in totalitären Gesellschaften nicht toleriert wird. Wir haben allzuoft gesehen, wie taktisch nützliche „Liberalisierungs“-Politiken in totalitären Staaten (z.B. Chinas „Wandzeitungs-Freiheiten“ [zu Zeiten der „Hundert-Blumen-Bewegung“ 1956/57 und der Kulturrevolution 10 Jahre später, PN]) leicht zur Unterdrückung zurückkehren. Wie der New York Times Artikel über die Laytons berichtete (11): „Die Laytons zerfielen langsam unter dem Druck des Familienkonflikts, der Desillusionierung, die während der 1960er Jahre einen großen Teil Amerikas erfaßte, Drogenkonsum und die beruhigende, vereinfachende Anziehungskraft von Mr. Jones.“

Man muß auch daran denken, daß „die politische Reaktion innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen lebt und wirkt“ (1) und der Unterdrücker, ob in Regierung, Industrie, der Presse, im Berufsleben oder den Künsten, muß sich mit den Makro- und Mikrobewegungen identifizieren und sie unterstützen, weil diese dazu beitragen, seine eigenen gepanzerten Bedürfnisse aufrechtzuerhalten. Es ist kein Zufall, daß diese Kulte durch Presse, Politiker und andere einflußreiche Menschen bewußt oder unbewußt, absichtlich oder scheinbar blind zu oft unterstützt werden oder ihr Übel zu spät wahrgenommen wird. Man könnte sagen, daß die Mitglieder der oben genannten Gruppen insgeheim wünschen, daß Amerika oder andere relativ freie Gesellschaftsstrukturen in Makro-Jonestowns umgewandelt werden, die sie kontrollieren würden.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
11. New York Times, 4. Dez. 1978
15. Decter, M.: „The Politics of Jonestown“, Commentary, May, 1979
16. People Magazine, June 18, 1979.
17. Lifton, R. Jo: „The Appeal of the Death Trip“, New York Times Magazine, Jan. 7, 1979
18. Agree, G. E.: „Jonestown—A Moral“, Freedom at Issue, March-April, 1979

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 3)

7. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Der People’s Temple hatte eine Struktur parallel zu den größeren faschistischen Gesellschaften, die von charismatischen Persönlichkeiten und einer Elite aus der oberen, gebildeten intellektuellen Klasse angeführt wurden. Es gab: Jim Jones („Papa“, „Vater“), den charismatischen, autoritären, patriarchalischen Führer, die weiße Elite, aus der gehobenen Klasse, und die schwarze, ungebildete Mehrheit. Es gab auch „die Sache“ und die Ideologie; Rassengleichheit, Sozialismus und Kommunismus (humanitäre Vorspiegelungen); die Unterstützung durch den Führer und sein System, die für dich einstehen (Geldspenden, Verteilen von Eigentum, Sozialversicherungschecks, Arbeitsstellen usw.); blinder Gehorsam und Unterwerfung (sexueller Mißbrauch, Ausbeutung und Erniedrigungen, die Flucht vor einem „nuklearen Holocaust“, zuerst nach Belo Horizonte in Brasilien und dann nach Ukiah in Kalifornien, Gewalt und Brutalität – vom Mord bis zum Schlagen von Erwachsenen, Foltern von Kindern usw.) (6, 7, 8, 9 und 10). Es gab den Glauben an die Allmacht und Allwissenheit des Führers (er selbst glaubte, daß er eine Inkarnation von Lenin und Christus war), der sie ins verheißene Land hier und/oder ins Jenseits führen würde. Es gab eine Identifikation mit diesem Führer hinsichtlich seiner paranoiden Wahnvorstellungen über Pläne der Central Intelligence Agency (CIA) und andere Katastrophen.3 Es gab „Selbstanalysen“ (Geständnisse), wie die der kommunistischen Säuberungen, und die „Umerziehung“ von Dissidenten sowie Bedrohungen ihres Lebens. Als Waffen der Einschüchterung mußten Kultmitglieder Geständnisse über den sexuellen Mißbrauch ihrer eigenen Kinder und andere „Verbrechen“ unterschreiben. Es gab den sadistischen Mord an den „ausländischen“ Eindringlingen – Repräsentant Ryan, den Journalisten Don Harris, Robert Brown und Greg Robinson – und letztendlich die Bereitschaft der meisten Mitglieder, ihr Leben, das Leben ihrer Kinder und sogar das Leben ihrer Tiere durch Zyanidvergiftung zu opfern (Masochismus).

Obwohl die Mehrheit der Jones-Anhänger ungebildete, arme Schwarze waren, gab es eine ausreichende Anzahl von gutausgebildeten, wohlhabenden Weißen, um die Behauptung von Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus zu unterstreichen, daß die Ideologie in den neurotischen Massen die Vernunft verdrängt. Ein Beispiel hierfür ist die Familie Layton (11, S. A1). Zeitweise gab es dort sechs Mitglieder dieser Familie. Einer Familie, die, wie die New York Times berichtete, „scheinbar alles zu haben schien: Intelligenz, viel Geld, Bildung, eine stolze Familientradition der Gewaltlosigkeit als Quaker“. Lisa Phillips Layton, die Mutter, stammte aus einer aristokratischen jüdischen Familie in Europa, einer Familie, die vor den Nazis geflüchtet war, und ihr Ehemann, ein nichtjüdischer, sehr erfolgreicher Wissenschaftler, hatte an verschiedenen amerikanischen Verteidigungsprogrammen einschließlich chemischer Kriegsführung gearbeitet. Schuldgefühle in der Familie und der Druck seiner Frau und seiner Kinder führten dazu, daß er seinen Job wechselte. Orgonomisch verstehen wir, daß Schuld ein charakteristisches Merkmal eines liberalen Syndroms ist (12), denn es gab auch Schuldgefühle hinsichtlich ihres Wohlstands. „Lisa und die Kinder schämten sich dafür“, so der Artikel in der Times. „Lisa fühlte sich schuldig, so viel zu haben“. Schließlich verließen Layton alle sechs Mitglieder seiner Familie wegen Jim Jones. Larry Layton, Lisas Sohn, ist einer derer, die man derzeit für die Morde an Repräsentant Ryan und seinen Begleitern verantwortlich macht.

Zahlreiche andere Mitglieder des Jonestown-Kultes zeigten ähnliche Anzeichen für das linksliberale Syndrom (13, S. A12).

Jones selbst zeigte schon früh Zeichen von Machthunger. Wenn er als Kind „Kirche“ spielte, war er stets der Pastor. Er beschäftigte sich mit Religion und übertrug auf seinem Weg seine religiösen Gefühle auf die weltliche Religion des Kommunismus. Einmal warf er die Bibel zu Boden und spuckte auf sie. Er ist ein hervorragendes Beispiel für den Masochismus der religiösen Mystik, die zu ihrem funktionellen Gegenstück, einer sadistischen und mechanistischen säkularen Religion umgewandelt wurde, seiner eigenen Sorte von Rotem Faschismus. Jones war ein klassischer emotionaler Pestcharakter, hochenergetisch und gleichzeitig schwer blockiert, wie es sich in seinem sexuellen Sadismus und seiner Perversion zeigte (14, S. 54 ff), sowie ein archetypischer Psychopath und letztendlich ein paranoider Schizophrener. Er war der Prototyp eines faschistischen Führers: ein Egomane, der wie Castro in Havanna und Hitler in Nürnberg vor seinen Untertanen viele Stunden lang über schmetternde Lautsprecher Ansprachen hielt. Er besserte sein vergöttlichtes Image weiter auf, indem er Wunderheilungen vortäuschte und verrottete Hühnerleber als Krebstumoren präsentierte, die „Auferweckung von Toten“ inszenierte usw. Er unterstützte kommunistische humanitäre Prinzipien nach Art des „sozialistischen Medizinmannes“, der in diesem Artikel bereits erwähnt wurde, und fütterte seine Anhänger mit ideologischen Giften, die später in den Zyanidvergiftungen seines Kults greifbar wurden, eine Art funktionelle Identität von Psyche und Soma. Jones war natürlich in seiner falschen Humanität ein perfektes Beispiel für die von Baker (12) beschriebene „vorgebliche Abwehr gegen die sekundäre Schicht“ – ein Vorgeben das, wie das der Roten Faschisten, die brutalste Destruktivität und Gulag-Mentalität maskiert. Er war mörderisch intolerant gegenüber Dissens, großspurig, wahnhaft, mystisch und sadomasochistisch.

 

Anmerkungen

(3) Beachten Sie, daß Jim Jones die Dienste von Mark Lane in Anspruch genommen hat, der seinen Ruf auf Verschwörungstheorien rund um die CIA aufgebaut hatte.

 

Literatur

6. Krause, C. A. : Guyana Massacre. New York: Berkley Pub. Co., 1978
7. Kilduff, M. und Javers, R.: The Suicide Cult. New York: Bantam, 1978
8. Knerr, M. E.: Suicide in Guyana. New York: Belmont Tower Books, 1978
9. „Cult of Death“, Titelgeschichte, Time Magazine, 4. Dez. 1978
10. „The Cult of Death“, Titelgeschichte, Newsweek Magazine, 4. Dez. 1978
11. New York Times, 4. Dez. 1978
12. Baker, E. F.: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980
13. „Profiles of Seven Whose Faith in Jim Jones Carried Them to Death in Guyana“, New York Times, 29. Dez. 1978
14. „The Emperor Jones“, Newsweek Magazine, 4. Dez. 1978

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 2)

6. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Faschismus und die Emotionelle Pest sind untrennbar miteinander verbunden. Beide entspringen biologischer Krankheit und dem Panzer (wobei es gerade die Emotionelle Pest ist, die diesen Panzer aufrechterhält und verewigt) und im schlimmsten Fall dienen sie dazu ein brutales totalitäres System organisierter Unterdrückung und Aggression aufrechtzuerhalten und zu unterstützen, das jeden Aspekt des Lebens erfaßt, um es zu zerschmettern. Beide sind Manifestationen der sekundären Schicht des Menschen und sind symbiotisch mit jedem erdenklichen Ausdruck dieser Schicht verbunden – ob offen oder verdeckt. Sie pflegen eine biologische „Volksfront“ mit Verhaltensweisen, die der sekundären Schicht entstammen, sowohl als verzerrtes Mittel zur Entladung aufgestauter Energie als auch als Abwehr gegen den Kern und die Genitalität. Sie funktionieren also unter einem „strukturellen Zwang“ (4, S. 341).

Faschistische Regierungen wie das nationalsozialistische Deutschland, das faschistische Italien, das Peronistische Argentinien, das kommunistische Rußland, China, Kuba, Vietnam, Kambodscha usw. sind in Wirklichkeit vergrößerte, schwerbewaffnete und organisierte Sekten der Emotionellen Pest. Es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum Nazideutschland und Sowjetrußland einen Nichtangriffspakt unterzeichnen konnten, beiderseits in Polen einmarschierten und den Weg für den Zweiten Weltkrieg ebneten. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, daß sie sich, ausgerichtet an Macht und Pest, danach gegeneinander wenden konnten. Jüngste derartige Manifestationen sind Rußland gegen China, China gegen Vietnam und Vietnam gegen Kambodscha. Ihr gemeinsames Funktionsprinzip ist die Zerstörung der freien Welt, insbesondere der USA. Sie sind, abgesehen von ihren unterschiedlichen Kulturen und Geschichten, wegen der Frage uneins, wem die oberste Kontrolle und Entscheidungsrolle bei der Erreichung ihrer pestilenten Ziele zukommen soll.

Die Makro-Kulte werden von einem oder mehreren mächtigen und oft charismatischen Anführern geleitet. Als Elite, die der Menschheit Weisheit und Führung angedeihen läßt, beanspruchen sie einen unfehlbaren Corpus von Lehren und Wissen. Mittels eines hochentwickelten Systems des Schreckens und der Einschüchterung (Gestapo, KGB, Castros CDR usw.) missionieren sie, unterwandern sie und erzwingen sie blinden Gehorsam gegenüber ihrer Sache (5, S. 50-52). Ihre mystischen Anhänger und Lobhudler sind ihre Verfechter und Unterstützer, die durch Identifikation mit dem Anführer, „der Sache“ und der Herde eine illusorische Potenz erreichen. Diese Anhänger geben jede persönliche Verantwortung für ihr eigenes Leben und für ihre Familien ab, im Gegenzug für das Versprechen von Erlösung, das die Führer-Gottheit hier oder im Jenseits bietet. Die Anführer sind erfüllt mit Angst und Haß, ob der Reaktion der Anhänger auf Zweifel, Opposition und Meinungsverschiedenheiten. Diese werden als tödliche Bedrohung für die Anführer empfunden, d.h. Todesangst aufgrund der Furcht vor dem Zusammenbruch ihrer Struktur. Sie existieren in einem Morast sadomasochistischer Ausdrucksformen, in dem sie zwischen mörderischem und selbstmörderischem Verhalten schwanken, das häufig durch humanitäre oder nationalistische Heuchelei maskiert wird. Nur über das Begreifen der biologischen Grundlagen dieser Massenneurosen und -psychosen können wir verstehen, wie es möglich war, daß Hitler, Mussolini und der Tojo so viele Millionen ihrer Bürger in die Irre führen konnten, die sie mit mystischer Verehrung anbeteten2 und wie es immer noch möglich ist, daß so viele Millionen und Milliarden ihre eigene Versklavung in den heutigen rot-faschistischen Gesellschaften unterstützen.

Es kommt auch häufig vor, daß diese großen Makro-Kulte die Mikro-Kulte entwickeln, fördern und für den Ausbau ihrer eigenen Macht einsetzen. Hitler hatte seine „fünfte Kolonne“, und die Kommunisten haben ihre „Front-“ und „Volksfront“-Organisationen. Diese „Fronten“ stellen sich als unpolitische oder politisch unabhängige Gruppen dar. Sie können vorübergehend eingerichtet werden, wie die „Dringlichkeitskomitees“ für irgendeine „Sache“, die manipuliert wird, um kommunistischen Interessen zu dienen, oder dauerhaft eingerichtet, wie die „Freundschafts“-Organisationen, die behaupten, nur ein rein unpolitisches Interesse an Amerikas Feinden zu haben. Es gibt auch die kleineren kommunistischen Nationen, die sich zuerst als Nationalisten oder „Agrarreformer“ (zum Beispiel Kuba) formierten, um an die Macht zu kommen. Kuba wurde bekanntlich von der UdSSR für Stellvertreterkriege in Afrika, zur Subversion in Lateinamerika eingesetzt und als Bereitstellungsraum für Tausende sowjetischer Truppen, wie kürzlich bekannt wurde. In verschiedenen Teilen der Welt fördern die kommunistischen Makro-Sekten Rebellionen und terroristische Aktivitäten – dazu gehören die Ausbildung und Ausrüstung der PLO, der IRA und der FALN. Afghanistan, Panama und Nicaragua sowie viele Länder der sogenannten Dritten Welt sind unter kommunistischem Einfluß geraten. Die iranische Revolution wurde von den Sowjets unterstützt in der Hoffnung, daß der Übergang vom religiösen Fanatismus zum Roten Faschismus leichter sei als der vom Schah-Regime. Beim Verfassen dieses Aufsatzes steht noch nicht fest, ob sie Erfolg haben werden. Jim Jones‘ Kult stand unter dem Einfluß des Roten Faschismus Rußlands.

 

Anmerkungen

(2) Vgl. den Film von Leni Riefenstahl, „Triumph des Willens“, der deutlich die Verehrung Hitlers und der Nazi-Führer durch die deutschen Massen zeigt. In der kommunistischen Welt gibt es heute viele Parallelen.

 

Literatur

4. Reich, W.: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
5. Ward, F.: „Cuba Today“, Book Digest Magazine, May 1979

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

von Paul Mathews, M.A.**

 

Am 18. November 1978 wurden in Jonestown, der Parlamentarier Guyana, Leo J. Ryan, ein Kongreßabgeordneter aus San Francisco, drei Journalisten und eine Frau niedergemetzelt, und mehrere andere Personen wurden von Angehörigen eines Kultes namens People’s Temple [Volkstempel] schwerverletzt. Am selben Abend nahmen in Jonestown mehr als 900 Mitglieder dieses Kultes an einem rituellen Massenselbstmord teil, der in unserer Zeit einzigartig und in der Geschichte selten ist. 73 n. Chr. wählten die jüdischen Eiferer von Masada (960 Männer, Frauen und Kinder) den Suizid, anstatt sich den metzelnden römischen Legionen zu unterwerfen und sich versklaven zu lassen. Hunderte von Japanern sprangen von den Klippen von Saipan in den Tod, als sich während des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Truppen näherten, da ihnen von ihren Führern erklärt worden war, daß sie gefoltert werden würden; Kamikaze-Selbstmordpiloten waren ein weiteres Merkmal der japanischen Kultur. Diese und andere Beispiele wurzelten jedoch im tatsächlichen Streß des Krieges, rationalen Ängsten und einer Wahl zwischen Leben und Tod. Die Vorfälle in Jonestown wurden dagegen durch die Identifikation mit einem charismatischen, wenn auch paranoiden Führer ausgelöst.

Besonders interessant und bedeutsam an der Jonestown-Katastrophe sind die Parallelen, die zwischen diesem Ereignis und dem orgonomischen Verständnis des Faschismus und der Emotionellen Pest, wie sie von Wilhelm Reich (1) beschrieben wurden, gezogen werden können. Jonestown und der People’s Temple repräsentieren im Wesentlichen einen Mikrokosmos der makrokosmischen Faschismen des zwanzigsten Jahrhunderts:1 der Schwarze Faschismus der Nazis und der Rote Faschismus der Kommunisten. Ideologisch war es natürlich eine Variante des letzteren (2). Untersuchen wir diese Parallelen.

Der Faschismus ist nicht nur ein totalitäres oder äußerst autoritäres Regierungssystem, wie Reich überzeugend dargelegt hat. Vielmehr ist es der spezifische Charakter der Menschenmassen in unserer mystisch-mechanistischen Welt, der sich nach Freiheit sehnt und gleichzeitig unfähig zu ihr ist. Der Faschismus stellt die Summe der Irrationalität des Menschen dar (wie die Ereignisse in Jonestown besser beschreiben!).

In Die Massenpsychologie des Faschismus (1, S. 206ff) definiert Reich die „sozialistische Sehnsucht“ als Sehnsucht nach Freiheit von Unterdrückung jeglicher Art. Reich erklärt, daß diese Sehnsucht nach Freiheit „in Form eines Kompromisses mit der Angst vor Verantwortung“ aufgetreten ist, und sagt: „Die Angst vor gesellschaftlicher Verantwortung in den Menschenmassen brachte die sozialistische Bewegung in staatliches Fahrwasser.“ Friedrich Hayek, ein Nobelpreisträger, hat über den unaufhaltsamen und unvermeidlichen Trend sozialistischer Systeme geschrieben, totalitäre Diktaturen zu werden (3). Reich hinwieder machte den Mechanismus dieser Transformation mit seiner Definition des Faschismus deutlich. Laut Reich brachten die Begriffe „sozial“ und „sozialistisch“ (wie sie beispielsweise von den primitiven Christen praktiziert wurde) ursprünglich die Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit, internationalem Good Will und Zusammenarbeit zum Ausdruck, aber sie wurden von sogenannten National-Sozialisten aller Art – Hitler, Mussolini, Stalin usw. – verdreht und ausgenutzt. Reich vergleicht sie mit Wucherern, die aus der Krankheit der Menschen Kapital schlagen, ein Gift erfinden, das die Sehnsucht nach Besserung schafft, und es „Medizin“ nennen. „Der Wucherer“, sagt Reich, „der an Krankheiten reich werden will, sollte sein Gift korrekterweise ‚Krankheitin‘ nennen. Er nennt es aber ‚Heilserum‘, weil er genau weiß, daß er Krankheitin nicht verkaufen könnte. Genauso geht es dem Worte ‚sozial‘ und ‚sozialistisch‘“ (1, S. 207). Des weiteren sagt Reich: „Die politische Reaktion lebt und wirkt innerhalb der Struktur des Denkens und Handelns der unterdrückten Menschenmassen in Form von charakterlicher Panzerung, Angst vor Verantwortung, Freiheitsunfähigkeit und, last, but not least, als endemische Verkrüppelung des biologischen Funktionierens“ (1, S. 209f). Wenn wir die beiden letztgenannten Begriffe – den Ausbeuter (sozialistischen „Medizinmann“) und die Ausgebeuteten (gepanzerten Massen) – zusammenbringen, haben wir die Basis des faschistischen Staates und des People’s Temple.

 

Anmerkungen

* Basierend auf einem Vortrag, der im Frühjahr 1979 an der New York University gehalten wurde.

** Adjunct Associate Professor (Lehrbeauftragter) an der New York University. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy.

(1) Vgl. das Diagramm zu Makro- und Mikrokulten in diesem Artikel.

 

Literatur

1. Reich, W.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974
2. „The Concealed Confessions of Jim Jones“, AIM Report, Vol. VIll, No. 4, February 11, 1979
3. Hayek, F.: The Road to Serfdom. Chicago: University of Chicago Press, 1962

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 13 (1979), Nr. 2, S. 249-260.

Wilhelm Reich, Revolutionär

20. Oktober 2018

Reich war ein Revolutionär. Er unterschied sich aber grundlegend von anderen Revolutionären wie Lenin, Hitler oder Castro. Diese stellten sich an die Spitze von „Bewegungen“, die nur durch absurde Zufälle und blanken Terror Einfluß über die Massen gewinnen konnten. Das alles war nichts organisch Gewachsenes und als ihre Macht (bzw. die ihrer Nachfolger) zusammenbrach, blieben die Gräber Millionen unschuldiger Opfer zurück, die für nichts und wieder nichts elendig verreckt waren. Währenddessen schritt unbeirrt der wahre Geschichtsprozeß voran, der nichts anderes ist als die Entfaltung der vegetativen Energie. Dieser Bereich war die Domäne Reichs:

Es ist eine echte, tief umwälzende Revolution der kulturellen Seinsverhältnisse, die wir durchleben. Es gibt keine Paraden, Uniformen, Medaillen keine Trommelwirbel und keinen Kanonensalut in diesem Kampf. Aber er kostet nicht weniger Opfer als eine Bürgerkriegsschlacht von 1848 oder 1917. Die Sinne des Menschentiers für seine natürlichen Lebensfunktionen erwachen aus jahrtausendealtem Schlaf. Die Umwälzung in unserem Leben greift an die Wurzel unserer emotionellen, sozialen und wirtschaftlichen Existenz. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 14)

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 6)

29. Juni 2018

 

Paul Mathews: Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen

Reich, die Kennedys, King, Benno Ohnesorg und Moskau

15. Juni 2017

Je älter ich werde, desto mehr bin ich von der soziopolitischen Charakterologie überzeugt, die Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle dargelegt hat. Und ich werde zunehmend zorniger, wenn diese mit rein politischen oder „verschwörungstheoretischen“ Argumenten beiseite gewischt bzw. zu einem Nichts relativiert wird.

Verschwörungstheorien, etwa über die „Illuminati“, sind Produkt des hilflosen kleinen Mannes, der zwar irgendwie spürt, daß hinter dem Weltgeschehen eine bioenergetisch und charakterologisch bestimmte „Macht“ steckt, die von Reich, Baker und Konia erstmals beschrieben wurde, doch kann er aufgrund seiner emotionalen Panzerung mit diesen Ahnungen nicht recht umgehen und setzt sie kurzschlußartig in irgendwelche wirren Verschwörungstheorien um, die er mit immer mehr angelesenem angeblichen Fachwissen untermauert.

Es hat zahllose Theorien darüber gegeben, wer John F. Kennedy umgebracht hat. Die meisten dieser Theorien beruhten auf dem Unverständnis von Laien, die beispielsweise nicht wissen, daß bei Schußverletzungen die Austrittswunde um vieles größer ist als die Eintrittswunde und daß ein Kopf nach hinten fliegt, wenn von hinten in ihn hineingeschoßen wird und die Kugel vorne wieder austritt. Auch konnten sie nicht verstehen, daß eine einzelne Kugel mehrere Menschen verletzen kann und dabei einen Zickzackkurs verfolgt. Zum Glück kann man heute solche Dinge in der Computergraphik simulieren, so daß jeder sehen kann, daß das scheinbar Unmögliche, eine „magic bullet“, eben doch möglich ist und angebliche „Widersprüche“ gar keine sind, wenn man den Sachverhalt mit Fachwissen betrachtet. (Genau dasselbe läßt sich zu den idiotischen Verschwörungstheorien über den 11. September sagen!)

Oswald konnte am 22. November 1963 der einzige Schütze gewesen sein. Oswald war zweifellos aktiver Kommunist und seine Verbindungen zu Kuba waren eindeutig. Die Behauptung ist demnach alles andere als abwegig, daß Kennedy vom langen Arm des KGB ermordet wurde. Das Motiv ist offensichtlich: man bringt eine gemäßigt linke Hoffnungsfigur um, um die Linke weiter nach links zu treiben. Und es hat hervorragend funktioniert. Viele Amerikaner sind bis heute überzeugt, daß Kennedy vom CIA und „Nazis“ ermordet wurde. Man sehe sich nur mal Oliver Stones idiotischen Film JFK an!

Es folgte am 4. April 1968 die Ermordung von Martin Luther King, der in der letzten Periode seines Lebens immer weiter nach links gedriftet war und anfing, gegen den Vietnam-Krieg und das Wirtschaftssystem der USA zu wettern. Die Umstände seines Todes waren mehr als fragwürdig. Verschwörungstheoretiker gehen davon aus, daß er nicht von einem rassistischen Einzeltäter, sondern von einer großangelegten Verschwörung weißer Rassisten, vielleicht sogar vom FBI (J. Edgar Hoover) ermordet worden war.

Es gibt ein Detail in der Geschichte, das nicht recht ins Bild passen will. Der vermeintliche Attentäter James Earl Ray wurde nach eigener Aussage von einem angeblichen Waffenschmuggler namens „Raoul“ angewiesen, eine Waffe zu kaufen und in jenes Hotel in Memphis zu bringen, von dem aus King erschossen wurde. Welcher amerikanische weiße Rassist würde sich „Raoul“ nennen?! Heute ist Raúl Castro Staatschef Kubas. Es ist gut möglich, daß kubanische Agenten den Vornamen des damaligen Chefs des kubanischen Geheimdienstes verwendet haben.

Robert Kennedy wurde am 6. Juni 1968 von dem christlichen Palästinenser Sirhan B. Sirhan ermordet. In den darauffolgenden Jahren plante die PLO und die Drahtzieher vom KGB, die hinter der PLO standen, Sirhan durch die Entführung amerikanischer Diplomaten freizupressen.

Der Student Benno Ohnesorg wurde nicht von dem durch die rechte Springer-Presse fanatisierten „Nazi“ Karl-Heinz Kurras, sondern von dem Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras ermordet.

Das Neue Deutschland berichtete am 5. Juni 1967 über den „antidemokratischen Polizeiterror“ im Westen:

Dieser tödliche Schuß war nicht Notwehr, und es war kein unglücklicher Zufall. Auf diesen Höhepunkt des politischen Terrors war die Hetze der Springer-Presse seit Wochen angelegt.

Es ist sinnlos bei diesen vier traurigen Morden jeweils groß ins Detail zu gehen. Ich möchte mich nicht in die Reihe der erwähnten Verschwörungstheoretiker einreihen, die sich von einer Abstrusität in die nächste hangeln. Immerhin zeichnet sich ein Szenario ab, das klassischem leninistischen Macht-Zynismus entspricht:

Schaffe linke Märtyrer, indem du linke Gallionsfiguren, die nach der Machtergreifung eh als erste vor den Erschießungskommandos der Tscheka landen würden, ermorden läßt und schiebe diese Taten den Stützen des Regimes zu. Du beseitigst so unsichere, da idealistische Kantonisten im eigenen Lager und deslegitimierst das feindliche Lager. Die Rebellionen und Aufstände, die Folge dieser Morde sein werden, machen die „inneren Widersprüche“ des feindlichen Lagers deutlich und könnten sogar Initialzündung für Aufstände sein, die Wegmarken auf dem Weg zur Weltrevolution sein können. Die Ermordeten waren stets Linke, die, wie etwa der Republikaner (sic!) King, Moskau potentiell mehr Probleme machen konnten als jeder Rechtskonservative.

Die Linke und beispielsweise die Wahl von Obama sind ohne die vorangegangenen Morde kaum vorstellbar!

Anarchismus, Sozialismus, Kommunismus und Arbeitsdemokratie

12. November 2016

Es gibt bedenkliche Bestrebungen Reichs Konzept von einer Arbeitsdemokratie mit einer imaginären „freiheitlichen“ Traditionslinie der Linken zu verknüpfen. Stalin und der Realsozialismus hätten nichts mit den wahren lebensfreundlichen Bestrebungen zu tun, die Reichs Konzept so nahe kämen – und außerdem: immerhin hätten Mao und Castro für vorbildliche Gesundheitssysteme gesorgt und so weiter und so fort.

Dazu ist zweierlei zu sagen: Erstens ist die Arbeitsdemokratie nicht nur ein Konzept bzw. eine „Vision“, sondern zunächst einmal eine Realität, die gegenwärtig nur überlagert wird. Von was überlagert? Von der Emotionellen Pest! Haben wir die Emotionelle Pest besiegt, ist automatisch die Arbeitsdemokratie da! Zweitens, dies bedeutet, daß sich so gut wie nichts verändert, wenn die Menschen von irgendwelchen sozialen und ökonomischen Zwängen befreit werden bzw. sich selbst befreien, denn die Emotionelle Pest ist in ihnen selbst verankert in Gestalt der Panzerung. Sie, die Panzerung, ist die Quelle der Emotionellen Pest! Wären die Menschen frei von äußerer Bedrückung, würden sie buchstäblich durchdrehen und unbewußt alles tun, damit „Stalin“ kommt!

Alles, was man tun kann, ist die existierende Arbeitsdemokratie, so wie sie jetzt konkret in den rationalen Arbeitsbeziehungen gegenwärtig ist, zu stärken und sei dies nur dadurch, daß sowohl sie bewußtgemacht wird (Reich sprach von „Fachbewußtsein“) als auch die Existenz ihres Gegenspielers, der Emotionellen Pest. Irgendwelche von Intellektuellen zusammengebraute Gesellschaftsmodelle und Utopien, mit denen sie das „Klassenbewußtsein“ anstacheln wollen (heute die Spaltung der Gesellschaft in lauter „Minderheiten“, etwa Schwule, Frauen, Migranten, etc.), sind wie dazu geschaffen, von dieser alles entscheidenden Aufgabe abzulenken, wenn nicht sogar sie ganz unmöglich zu machen. Man schaue sich doch bitte im linken Milieu um! Diese Menschheitsbeglücker distanzieren sich explizit von der Arbeitsdemokratie und unterstützen explizit die Emotionelle Pest.