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nachrichtenbrief142

24. November 2019

The Journal of Orgonomy (Vol. 26, No. 2, Fall/Winter 1992)

11. Juli 2012

Da die Augen integraler Bestandteil des Gehirns sind, kann man die entsprechenden biopathischen Erkrankungen direkt am Augenausdruck ablesen.

Die Beobachtung einer Immobilität der Augen bei Schizophrenie ist medizinisches Allgemeingut. Stephen S. Nagy zitiert Studien aus den 1970er und 1980er Jahren denen zufolge, unabhängig von der Medikation, 50 bis 85 Prozent von schizophrenen Patienten, 40 Prozent von bipolaren bzw. manisch-depressiven Patienten, aber nur 8 Prozent der Normalbevölkerung Störungen beim Verfolgen von Gegenständen mit den Augen aufweisen („Eye Movement Disorders”, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 2(1), September 1985, S. 58f).

Ähnliches läßt sich über Epileptiker sagen. So schreibt der Orgonom Morton Herskowitz, daß „jeder Patient mit idiopathischer Epilepsie, (…) den ich jemals untersucht habe, schwerwiegende Probleme mit Augenpanzerung gehabt hat“ („The Segmental Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4(1), September 1987, S. 70).

Charles Konia hat sich in „Schizophrenia and Epilepsy are Functional Variants of the Ocular Repressed Character“ (S. 301-307) eingehend mit dem Verhältnis der beiden Erkrankungen auseinandergesetzt.

Sowohl der Schizophrene als auch der Epileptiker haben, Elsworth F. Baker zufolge, eine „okular unterdrückte Charakterstruktur“. Das klingt im Amerikanischen schon schief, im Deutschen sperrt sich dieser Ausdruck jedoch vollends dem Sprachgefühl. Also sollte man sagen: Es handelt sich um Charaktere, die durch eine Panzerung bestimmt werden, die die Erregung im okularen Segment fast vollständig unterdrückt. Da bleibe ich lieber bei Bakers Ausdruck 😉

Obwohl diese beiden Biopathien, also Schizophrenie und Epilepsie, demnach eng miteinander verwandt sind, sind sie in anderer Hinsicht auch gegensätzlich: ein Öffnen der Augen und eine entsprechende starke Erregung in diesem Segment führt beim Schizophrenen zur Abspaltung der Wahrnehmung von der Erregung, während es beim Epileptiker zum körperlichen Anfall führt.

Konia erklärt diesen Unterschied mit Hilfe des Viertakts der Orgasmusformel:

Er argumentiert, daß sich im Gehirn des Schizophrenen entweder keine mechanische Spannung aufbauen kann, aus der sich eine orgonotische Ladung entwickeln würde oder daß, wenn sich eine mechanische Spannung entwickelt, der Übergang zur orgonotischen Ladung unterbunden wird. Das geschehe, weil das Gehirn des Schizophrenen keine orgonotische Ladung ertragen könne und sich deshalb akut abpanzert, was zur erwähnten Spaltung führt.

Beim Epileptiker hingegen wird die Ladung zwar anfänglich ertragen, dann aber in Gestalt eines „extragenitalen Orgasmus“ (Reich) vorschnell entladen, d.h. es kommt zum epileptischen Anfall.

Die beiden Biopathien trennt, daß sich beim Schizophrenen die Ladung nicht aufbauen kann, während der Epileptiker die aufgebaute Ladung nicht halten kann. Gemeinsam ist ihnen, daß sowohl der Schizophrene als auch der Epileptiker keine orgonotische Ladung im Gehirn ertragen kann.

Beides, das Trennende und das Gemeinsame, findet sich in der psychiatrischen Literatur dokumentiert, ohne daß die Psychiater ahnen, daß sie es mit orgonotischen Phänomenen zu tun haben, die nur mit Hilfe der Orgasmusformel erklärbar sind, nämlich einer Störung im Bereich der Wahrnehmung bei der Schizophrenie (Spannung → Ladung) und einer Störung im Bereich der Motorik bei der Epilepsie (Entladung → Entspannung), beides aufgrund von „unterdrückter okularer Panzerung“.

In seinem Buch Der Gesundheitsbegriff im Werk des Arztes Wilhelm Reich (Marburg 1995) hat Stefan Müschenich darauf hingewiesen, daß sich, wie heute als gesichert angenommen werde, „produktive psychotische Symptomatik und konvulsorische (zerebralinduzierte motorische) Energieentladung wechselseitig ausschließen“. Das stehe wiederum in Einklang mit Reichs Formulierung der Funktion des Orgasmus in der psychischen Gesundheit. In diesem Zusammenhang zitiert Müschenich aus dem berühmten Psychiatrie-Lehrbuch von Rainer Tölle:

Während einer psychotischen Episode treten meist keine Anfälle auf, und bei einem Teil der Patienten gehen die zuvor bestehenden Krampfströme im EEG zurück oder sie verschwinden sogar ganz. Diese Beobachtungen haben auf die Vermutung hingelenkt, daß anscheinend ein Antagonismus zwischen Krampfgeschehen und psychotischer Episode besteht (…) Pharmakologisch interessant ist, (…) das affektive und schizophrene Psychosen durch Auslösung epileptischer Anfälle in vielen Fällen wirksam bekämpft werden.

Müschenich führt dazu weiter aus, „daß die zur Behandlung von Schizophrenien verwendeten Neuroleptika zu Störungen der Sexualfunktion führen und die Krampfbereitschaft des Organismus erhöhen, während umgekehrt eine typische Nebenwirkung der Anti-Epileptika in der Induktion psychotiformer Verwirrtheitszustände besteht“ (Müschenich, S. 52f).

Andererseits wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob Schizophrenie und Epilepsie nicht viel gemeinsam haben. Clare J. Wotton und Michael J. Goldacre konnten nun anhand sehr weit zurückreichender Aufnahmebefunde einer großen Anzahl von Patienten nachweisen, daß Schizophrene eine zwei- bis dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, später an einer Epilepsie zu erkranken. Bei Epileptikern lag die Wahrscheinlichkeit später an Schizophrenie zu erkranken sogar um das Vier- bis Fünffache höher.

Man kann spekulieren, daß im ersteren Fall die okulare Panzerung schwächer wird und sich deshalb, frei nach Konia, der Spannungs-Ladungs-Viertakt zumindest bis zur zweiten (motorischen) Phase fortsetzen kann, während im letzteren (und offensichtlich weitaus häufiger auftretenden) Fall sich die Panzerung verschlimmert und der vorher noch mögliche Ladungsaufbau ganz unterbunden wird.

Zum Thema siehe auch die entsprechenden Überlegungen von Robert A. Dew in The Journal of Orgonomy (Vol. 8, No. 2, November 1974).