Posts Tagged ‘Natur’

Die soziopolitische Diathese

19. Juli 2019

 

Paul Mathews:
Die soziopolitische Diathese

 

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 23

9. Juli 2019

orgonometrieteil12

23. Was ist Wissenschaft?

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 22

25. Juni 2019

orgonometrieteil12

22. Induktion und Deduktion

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest* (Teil 1)

9. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.**

Würde man fragen: „Was war historisch gesehen das größte Problem der Menschheit“, so gäbe es sicherlich eine Vielzahl von Antworten. Einige mögen feststellen, dass es die Bezwingung von Krankheiten war, andere, die Verhinderung von Kriegen und das Erreichen von Kooperation, Brüderlichkeit und gegenseitiger Verständigung. Reichs Antwort war einzigartig: die emotionale Pest. Diese Pest des gepanzerten Menschen wurde von Reich als eine emotionale und charakterologische Biopathie definiert, die sich zerstörerisch auf dem sozialen Schauplatz ausdrückt (1). Die emotionale Pest blockiert nicht nur die Lösung der Probleme des Menschen, sondern sie verkompliziert diese und schafft neue. Es ist ein Muster, das Reichs Beschreibung der Schichten und Verflechtungen der neurotischen Struktur des Menschen nicht unähnlich ist (1, S. 322f)a. Diese komplexen Verflechtungen von emotionalen Pestmechanismen dienen dazu, die wahre Natur eines Problems so zu verschleiern, dass es nicht mehr zu lösen ist und es immer schwieriger wird, zu seinen Wurzeln zu gelangen. Das Ziel ist immer die Verfolgung von Wahrheit, Liebe und Leben. Nehmen wir zum Beispiel die geschickte Art und Weise, in der die Wahrheit Solschenizyns durch die emotionale Pest in den Medien und in der gegenwärtigen Administration der US-Regierung erstickt und erdrosselt wurde (2).

Die emotionale Pest ist die heimtückischste Abwehr des Menschen, seine ultimative Waffe gegen sich selbst, seine Freiheit und sein Leben. Einfach weil ihn tausende Jahre der gepanzerten Existenz versteift haben, findet er jene Aspekte seiner bio-kosmischen Natur am schrecklichsten und erschreckendsten, die ihm die Rationalität und Lebensfreude geben könnten, nach der er sich paradoxerweise in seinen tiefsten Gedanken und größten Schöpfungen sehnt und sie sogar gelegentlich erlebt.

Ein konsistentes Muster der Geschichte ist die Verfolgung jener Individuen, Institutionen und sozialen Bewegungen, die dem Verständnis und der Lösung des Rätsels des menschlichen Dilemmas, der „Falle“, am nächsten gekommen sind. Wann immer und wo immer die emotionale Pest durch eine Einsicht in ihre Krankhaftigkeit bedroht wird – sei diese Bedrohung eine Idee, eine Emotion oder ein lebendiger Ausdruck – hat sie versucht, sie zu zerstören. Reich stellte fest:

Der Pestkranke handelt unter einem strukturellen Zwang; er mag es noch so gut meinen, er kann nicht anders als pestkrank handeln; dieses Handeln ist ihm ebenso wesensgemäß wie dem genitalen Charakter das Liebesbedürfnis oder die Wahrheit; aber der Pestkranke leidet, und zwar unter dem Schutze seiner subjektiven Überzeugtheit, nicht unter der Einsicht in die Schädlichkeit seines Handelns (1, S. 258)b.

Die Pest nimmt sich selbst nicht als böse wahr und glaubt, dass alles, was sie tut, im Interesse ihres Konzepts des Guten notwendig ist. So erklärt Reich:

Es ist eines der wesentlichen Merkmale des Mordes am Lebendigen durch das gepanzerte Menschentier, dass er in vielerlei Tarnungen daherkommt. Der gesellschaftliche Überbau aus Ökonomie, Kriegsführung, irrationalen politischen Bewegungen und gesellschaftlichen Institutionen, die der Unterdrückung des Lebens dienen, überschwemmt die fundamentale Tragödie, unter der das Menschentier leidet, mit einer Flut von Rationalisierungen, Vertuschungsversuchen und Manövern, um vom eigentlichen Problem abzulenken; und er kann sich dabei auch noch auf eine vollkommen logische und in sich stimmige Rationalität verlassen, die nur gültig ist innerhalb des Rahmens von Gesetz versus Verbrechen, Staat versus Volk, Moral versus Sexualität, Zivilisation versus Natur, Polizei versus Verbrecher – und immer so weiter in der langen Geschichte des menschlichen Elends (3)c.

 

Fußnoten

* Dieser Artikel ist zum Teil das Ergebnis einer Seminarpräsentation von Professor Mathews an der New York University.

** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews, 1924-1986]

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 426f.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 317f.

b Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 341.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 514.
Mathews zitiert nach der besseren Übersetzung von Theodore Wolfe, 1945.

c The Murder of Christ, Farrar, Straus and Giroux 2013, S. 6.
Christusmord, Zweitausendeins, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

2. Buckley, W.F.: „The Strangled Cry of Solzhenitsyn“, National Review, 29. August 1975

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die soziopolitische Diathese (Teil 4)

6. November 2018

Paul Mathews: Die soziopolitische Diathese

Der verdrängte Christus: 14. Wer war Jesus?

5. Juli 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

14. Wer war Jesus?

Der orthodoxe Funktionalismus

26. April 2017

Ich bin immer wieder verblüfft, wie nahe doch die Orthodoxie dem orgonomischen Funktionalismus steht. Während der Katholizismus von der sozusagen „gradlinigen“ Emanation des Göttlichen geprägt ist (Gottvater zeugt den Sohn, der wiederum den Heiligen Geist schickt) und der Protestantismus mit seiner Kreuzestheologie von einem existentiellen Dualismus, nimmt die orthodoxe Kirche die Dreieinigkeit wirklich ernst. Sie prägt ihr gesamtes Denken. Wie das zum Ausdruck kommt, zeigt folgendes Beispiel:

In der linksliberalen Umweltbewegung ist der Mensch ein schädlicher Fremdkörper in der Natur und sollte am besten verschwinden, während bei den Konservativen sich der Mensch die Natur zum Untertan machen soll. Bei den einen hat die Natur, die zu einer Art Gottheit wird, Priorität, bei den anderen der Mensch, der sich im Auftrag Gottes die feindliche Natur aneignet. Die Auseinandersetzung dieser beider Lager prägt einen Gutteil des gesellschaftspolitischen Diskurses in der westlichen Welt. Die Herangehensweise der Orthodoxie ist eine grundlegend andere. Hier gehen der Mensch und die Natur beide aus dem, wenn man so will, „gemeinsamen Funktionsprinzip“ Gott hervor. Die Natur ist der unantastbare Tempel Gottes und der Mensch der Priester in diesem Tempel.

Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

29. Juni 2012

Das folgende ist eine Ergänzung zu Wenn sich die Natur gegen sich selbst richtet und geht auf eine Anfrage aus meiner schier unüberschaubar großen Leserschaft zurück.

Frager: In der Orgonomie wird Pathologie mit dem Verweis auf Panzerung erklärt. Diese behindere die natürlichen selbstregulatorischen Vorgänge, sei also etwas „widernatürliches“. Wenn aber alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

Peter: Selbstverständlich kann nichts „der Natur“ fremd gegenüberstehen, aber hier verwenden wir einen philosophischen, allumfassenden Naturbegriff, der jede mögliche Erfahrung übersteigt. Reich hingegen folgt einem ganz pragmatischen Gebrauch dieser Begriffe, der unmittelbar mit bioenergetischem Kontakt verbunden ist.

Die Position, daß es in der Natur keine Widernatur geben könne, ist allein schon deshalb – widersinnig, weil man sich mit der Behauptung, daß grundsätzlich alles zur allumfassenden Natur gehört, selbst außerhalb dieser allumfassenden Natur stellt, so als würde man nicht dazugehören, über der Natur stehen und könnte sie deshalb überblicken. Doch diese Illusion des „draußen vor“ geht auf die biophysische Struktur der Proponenten derartiger Anschauungen zurück.

Reich hatte von Anfang an darauf bestanden, daß es sinnlos ist, derartig hochabstrakt und abgehoben zu philosophieren. Von Anfang an hat er solche Bemerkungen von der Art „Das Unbewußte kann es nicht geben, weil dieser Begriff philosophisch gesehen ein Widerspruch in sich selbst ist!“ beiseite geschoben und als das abgetan, was sie in Wirklichkeit sind: pathologische Zwangsgrübelei. – Oder anders ausgedrückt: die Behauptung, daß alles Natur ist, ist zutiefst – widernatürlich. Es ist abstraktes, philosophisches Denken, das von einer haltlosen Scheinlogik bestimmt wird. Das, was Reich als „bloße formale Logik“ bezeichnet hat, im Gegensatz zur funktionellen Logik.

Das ganze erinnert an eine Einsicht, die dem Leben von C.S. Lewis die alles endscheidende Wende gab. Der große Apologet des Christentums erinnerte sich an seine Zeit als Atheist:

Mein Einwand gegen Gott war, daß das Universum so brutal und ungerecht zu sein schien. Aber woher nahm ich diese Vorstellung von Recht und Unrecht? Jemand bezeichnet eine Linie nicht als krumm, wenn er keine annähernde Vorstellung von einer geraden Linie hat. Mit was habe ich das Universum verglichen, als ich es als ungerecht bezeichnete? (Mere Christianity)

Lewis hatte Gott, etwas „Überweltliches“, für sich entdeckt, wobei die Gleichsetzung von Sittlichkeit und Geometrie („eine gerade Linie“) kein Zufall ist, sondern natürlich auf Kant („der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“) und von dort weiter zurück auf die antike Philosophie verweist.

Für Reich ging ein solches „Denken“ auf die Loslösung der Wahrnehmung von der bioenergetischen Erregung zurück, was zu einer Aufspaltung des Welterlebens in „Welt“ hier und „Jenseits“ dort führt:

Der jenseitige Gott legt dann an die Welt die Elle der Moral an. Auf diese Weise wird aus einer pathologischen Störung (okulare Panzerung) ein ganzes Gedankengebäude, das das Leben von Milliarden Menschen bestimmt.

Was in uns gegen die Ungerechtigkeit und Brutalität rebelliert, etwa wenn der Wind einen Baum fällt, der ein glücklich spielendes Kind erschlägt, ist zwar tatsächlich „das Göttliche“ in uns, doch das steht nicht außerhalb der Natur. Dies ist eine grundsätzlich andere Weltsicht als die von Lewis und Konsorten. Ich habe versucht sie in Warum ich kein Christ bin zum Ausdruck zu bringen, mehr schlecht als recht. Sie hat etwas mit Geometrie („dem gestirnten Himmel“) und unserem Mitgefühl zu tun, aber nichts mit dem psychopathologischen Alptraum des Mystizismus. Die Widernatur ist unser Feind. Egal wie sie zum Ausdruck kommt, ob in „logischen“ Widerlegungen der Orgonomie oder in irgendwelchen Vorstellungen von „Gott“. Oder mit anderen Worten: unterschiedslos alle Philosophien und Religionen beruhen auf einem psychischen Defekt und sollten nicht allzu ernst genommen werden, selbst wenn sie scheinbar die „Logik“ auf ihrer Seite haben.

Susanne Wind

21. Januar 2012

Als ich 12 war, habe ich angefangen mich für moderne Malerei zu begeistern und selbst mit einer unglaublich prätentiösen, frühreifen „Avantgarde-Malerei“ angefangen. Wenn ich mir das Zeugs heute angucke: ich habe null Talent zum Zeichen und Malen… In den folgenden Jahrzehnten wurde ich immer zynischer was jene moderne Malerei betrifft, die mich einst so begeistert hatte. „Würde all das Zeugs in Flammen aufgehen, hätte die Menschheit keinerlei kulturellen Verlust zu verzeichnen.“ Ich kokettiere gerne mit der erzreaktionären Haltung, die Ephraim Kishon hinsichtlich der modernen Malerei an den Tag gelegt hat, die er durchweg für Betrug hielt.

Die „offizielle“, vom Feuilleton gefeierte, moderne Kunst funktioniert lediglich über den Kopf. Beispielsweise kann man die berühmten „Fettflecken“ von Joseph Beuys nur als Kunst erfassen, wenn man sie als „Kommentar“ sieht zu bestimmten Bildern der Kunstgeschichte, der Geschichte Deutschlands und der persönlichen Geschichte des Künstlers. Kunst für Intellektuelle, die sich gerne reden hören!

Und dann gibt es wirkliche Kunst. Sie funktioniert, weil sie einen unabhängig vom Kontext bewegt und/oder zur Erstrahlung bringt. Man spürt die Bewegung und die Präsenz (Erstrahlung) der kosmischen Orgonenergie. In diesem Sinne ist diese und nur diese Kunst auch „politisch“: sie regt die gesunden (ungepanzerten) Anteile in uns an und ruft uns auf sich gegen den Irrsinn, der uns umgibt, zur Wehr zu setzen.

Eine solche Künstlerin ist Susanne Wind aus Hamburg: http://www.susannewind.de.

Wie kein anderer Maler hat sie auf Leinwand gebannt, wie sich die Natur in der Umgebung Hamburgs anfühlt. Sie versucht die Umgebung mit den unverstellten Augen und unverpanzerten Gefühlen eines Kindes wahrzunehmen. Ihre Bilder sind voll blauem „Orgonwind“ und voll blauer „Orgonerstrahlung“ – oder mit einem anderen Wort: voll orgonotischem Kontakt.

Susanne Wind:

In meinen Arbeiten widme ich mich der einzelnen Blume, dem Grashalm, dem Wind, dem Licht… Ich widme mich diesen kleinen und großen Dingen der Natur aus der Überzeugung heraus, daß mit Hilfe dieser schönen und lebendigen Dinge, Zerstörung oder geistige Leere überwunden werden kann.

Die Natur bietet einen gewaltigen Schatz an Ruhe und Gelassenheit. Die Verbindung mit der Natur ist eine Quelle der Kraft. Diese Eigenschaften der Natur zu erleben und dabei in ihrem Wesen sichtbar zu machen ist meine künstlerische Intention. Die Malerei ist mir das geeignete Medium dafür. Sie erlaubt mir das real Gesehene mit dem inneren Erleben zu verbinden.