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Die soziopolitische Diathese (Teil 4)

6. November 2018

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

Das konservative Syndrom

Der Konservative funktioniert mehr oder weniger verzerrt aus dem Kern heraus, d.h. die sekundäre Schicht wird auf zwei Arten abgewehrt: direkte Aggression (muskuläre Abwehr) oder moralische Unterdrückung (offene Sexualverneinung, Autoritarismus, Mystizismus). Er hat eine relativ dünne Fassade und es ist leichter, die Abwehrmechanismen zu durchschauen.

Wenn er Schuldgefühle hat, hängen die damit zusammen, ob er seine religiösen Ideale nicht erfüllt oder nicht in Harmonie mit der Natur lebt. Er wetteifert mit dem Vater, anstatt gegen ihn zu rebellieren, und er kann seine Absolution entweder von Gott oder von der Natur erhalten.

Da er jedoch sexuell unterdrückt ist, muss er seine sekundären Triebe bewältigen und kann sie nicht loswerden. Sein Moralismus und Autoritarismus sind ein Versuch, sie in sich und anderen zu kontrollieren (verzerrter Kontakt), und wenn er dazu nicht in der Lage ist, werden sie entweder in geheimen, perversen Fantasien oder – schlimmstenfalls – in schwerer Körperverletzung (Schwarzer Faschismus) ausgedrückt. Der Konservative benutzt seinen Intellekt, um der sekundären Schicht Ausdruck zu verleihen (1, S. 156)e, während der Liberale den seinen als Abwehr gegen die sekundäre Schicht verwendet; dies vergrößert die Fassade und ihre Komplexität und macht den Liberalen zu einem besonders schwierigen therapeutischen Problem. In der abschließenden Analyse führt die Abwehrhaltung des Liberalen gegen seine sekundäre Schicht zu weit größerem Durcheinander. Da der Konservative mit dem Vater konkurriert und sich mit ihm identifiziert5f, den intellektuellen Abwehrmechanismen nicht derartig hingegeben ist und über seine Aggression verfügt, neigt er dazu, individualistisch zu sein, verweist seinen Zentralismus hauptsächlich auf seine Familie und hat ein größeres Gefühl von Loyalität (wegen des Kontakts, wenn auch verzerrt), was sich als Patriotismus oder schlimmstenfalls als Chauvinismus manifestiert. Er identifiziert sich nicht mit der internationalen „Herde“, obwohl er sie in seiner schwarz-faschistischen Phase vielleicht als „überlegene Rasse“ (Mystizismus) dominieren möchte. Sowohl die schwarzen als auch die roten Faschisten wollen die Menschheit kontrollieren.

Die konservative Fassade ist relativ dünn, was die Struktur des Konservativen weitaus weniger komplex macht als die des Liberalen sowie viel leichter zu erkennen, zu beanstanden und, wenn nötig, zu bekämpfen. Genau aus diesen Gründen, glaube ich, ist es dem Konservativen nicht gelungen, die moderne Welt zu dominieren. Man sollte nie vergessen, was der schwarze Faschist (das Extrem des konservativen Spektrums) getan hat oder tun könnte – auch wenn sich die meisten Liberalen selten daran erinnern, was der rote Faschist (das Extrem des liberalen Spektrums) getan hat und derzeit tut.

Der konservative Charakter war der vorherrschende Typ bis zum Aufkommen des sogenannten Zeitalters der Vernunft; der Beginn der industriellen Revolution und das Wachstum der Technologie verstärkten die Kommunikation und machten die Massen für die hirnzentrierten liberalen Propagandisten zugänglicher. Die liberale Ideologie lockerte die Panzerung der grundsätzlich konservativen Massen, was zu einer Reaktion führte, die nicht zu einem ungepanzerten genitalen Charakter, sondern vielmehr zu einem gepanzerten liberalen Typus führte. Dieser liberale Typ musste sich gegen die konservative Struktur verteidigen, vor der er floh. Er tat dies, indem er seine oberflächliche intellektuelle Fassade als Abwehr gegen seinen Konservatismus und den Ausdruck seiner sekundären Schicht stärkte. Daher zog er mehr und mehr Energie in sein Gehirn und erzeugte so eine tiefe Spaltung zwischen seinen Organempfindungen und seiner Gedankentätigkeit; mit anderen Worten, eine Kontaktlosigkeit. So könnte man bemerkenswerterweise sagen, dass der Konservatismus sowohl historisch als auch charakterologisch eine frühere Stufe des modernen Liberalismus darstellt – eine Stufe, die der Liberale auf dem Weg zu mehr Gesundheit theoretisch erneut durchleben müsste6.

 

Fußnoten

5 Ein Artikel in der September-Ausgabe der Psychology today, 1974, mit dem Titel „Doves vs. Hawks; Guess Who Had the Authoritarian Parents“ von David M. Mantell, Dr. phil., bestätigt eindeutig die Identifizierung des Konservativen mit dem Vater, obwohl seine allgemeine Methodik und Interpretationen ernsthaft zu hinterfragen sind.

6 Dass Patienten in ihrem Charakter konservativer werden, wenn sie sich der Gesundheit nähern, wurde von einer Anzahl praktizierender Orgontherapeuten bestätigt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

e Der Mensch in der Falle, S. 230: „Auf der konservativen Seite des Spektrums bewahrt sich das Individuum einen gewissen Kontakt zum Kern, wenn auch einen verzerrten, was einen vollständigeren Selbstausdruck und Aggressionstoleranz ermöglicht. Wenn das Gleichgewicht gestört wird, beginnt das Individuum, seine Brutalität zu äußern; es rationalisiert sie mystisch als notwendig im besten Interesse der Gruppen von Auserwählten, die beteiligt sind.“

f Psychologie heute, „Tauben gegen Falken; Ratet mal, wer die autoritären Eltern hatte.“

 

Literatur

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Company, 1967
5. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1970
6. Reich, W.: Character Analysis. New York: Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1971

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 8 (1974), Nr. 2, S. 204-215.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Der verdrängte Christus: 14. Wer war Jesus?

5. Juli 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

14. Wer war Jesus?

Der orthodoxe Funktionalismus

26. April 2017

Ich bin immer wieder verblüfft, wie nahe doch die Orthodoxie dem orgonomischen Funktionalismus steht. Während der Katholizismus von der sozusagen „gradlinigen“ Emanation des Göttlichen geprägt ist (Gottvater zeugt den Sohn, der wiederum den Heiligen Geist schickt) und der Protestantismus mit seiner Kreuzestheologie von einem existentiellen Dualismus, nimmt die orthodoxe Kirche die Dreieinigkeit wirklich ernst. Sie prägt ihr gesamtes Denken. Wie das zum Ausdruck kommt, zeigt folgendes Beispiel:

In der linksliberalen Umweltbewegung ist der Mensch ein schädlicher Fremdkörper in der Natur und sollte am besten verschwinden, während bei den Konservativen sich der Mensch die Natur zum Untertan machen soll. Bei den einen hat die Natur, die zu einer Art Gottheit wird, Priorität, bei den anderen der Mensch, der sich im Auftrag Gottes die feindliche Natur aneignet. Die Auseinandersetzung dieser beider Lager prägt einen Gutteil des gesellschaftspolitischen Diskurses in der westlichen Welt. Die Herangehensweise der Orthodoxie ist eine grundlegend andere. Hier gehen der Mensch und die Natur beide aus dem, wenn man so will, „gemeinsamen Funktionsprinzip“ Gott hervor. Die Natur ist der unantastbare Tempel Gottes und der Mensch der Priester in diesem Tempel.

Was ist Wissenschaft?

4. November 2013

Wissenschaft bedeutet „(…) die verschiedenen Beobachtungen auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen (…). Nichts anderes ist die Aufgabe der Naturwissenschaft“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 260). „Der Fortschritt der Wissenschaft besteht in Rückführung von Erfahrungen auf primäre Ursachen und in fortschreitender Vereinheitlichung dieser Ursachen“ (ebd., S. 382).

Der gepanzerte Wissenschaftler hat keinen Zugang zum Leben, d.h. zum Kern, und entwirft entsprechend eine Wissenschaft, die nur auf Maschinen anwendbar ist: „Die Gesetze, die sich in Chemie, Physik und Mathematik über die Naturvorgänge finden, können nicht in Übereinstimmung gebracht werden mit den dem Gefühlsleben eigenen Funktionen“ („Orgonomic Functionalism, Part II“ Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, 1950, S. 2). Die Mechanik sei, so Reich, nur „eine besondere Abartung funktioneller Naturprozesse“ (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 103f).

Wissenschaftliche Entdeckungen bestehen im Grunde darin, daß der Entdecker Bewegung und Funktion sieht, wo man vorher nichts, bzw. Bewegungslosigkeit wahrnahm. So Reich in seinem 1941 verfaßten Aufsatz „The Attitude of Mechanistic Natural Science to the Life Problem“ (Orgonomic Functionalism Vol. 4, Summer 1992, S. 52-63).

Stellen wir uns vor, daß ein auf dem Boden liegender Stein plötzlich begönne sich zu bewegen, sich auszudehnen und zusammenzuziehen. Die unwillkürliche Reaktion auf ein solches Phänomen wäre Horror und Schrecken, ähnlich wie beim unerwarteten Anblick einer giftigen Schlange. Zwar ist jedes Objekt einer neuen Entdeckung an sich „lebendig“, d.h. es funktioniert; aber für das Auge des durchschnittlichen Beobachters ist es unsichtbar, starr, unlebendig. Die Entdeckung besteht in der Tatsache, daß man das Unsichtbare sichtbar macht, das scheinbar Unbewegliche beweglich, das Starre funktionierend, das Nichtlebendige lebendig. Verständlicherweise mußte die Bionforschung diese Abwehrreaktion seitens einer ahnungslosen Welt mit besonderer Intensität durchmachen. Denn was sie demonstrierte war genau die Tatsache, daß hohe Temperaturen anorganisches Material in „Energie-Bläschen“ bzw. „Bione“ mit lebensartigen Bewegungen unwandelt (…). Das heißt die Wirklichkeit steht nicht im Widerspruch zum Bild von dem Stein, der sich zu rühren beginnt.

Für den Arzt oder Lehrer, der Vegetotherapie praktiziert, ist es eine banale alltägliche Erscheinung, daß der Mensch die einzige lebende Spezies ist, die das unwillkürliche Leben in sich mit kulturellen Illusionen und einer mechanistischen Zivilisation erstickt und somit aus dem Bewußtsein entfernt und von natürlichen Aktivitäten abgeschnitten hat. Daher ist der Mensch von heute, trotz seiner angeborenen Sehnsucht nach Einsicht in die Lebensfunktion, durch eine enorme Angst vor die Pulsationen des Lebens in seinem Inneren gekennzeichnet. Die klinische Beobachtung zeigt uns immer wieder die Angst vor der vegetativen Plasmaströmung, d.h. die Angst vor dem Unwillkürlichen, das den Menschen von heute beherrscht. Die Beseitigung dieser Angst ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer medizinischen und pädagogischen Arbeit. Das Wissen von dieser Angst setzt die Motive, die häufig für das bösartige und unanständig Verhalten gegenüber neuen Entdeckungen vorgebracht werden, in ein neues Licht: sie werden bedeutungslos und zweitrangig. In Wirklichkeit sind die irrationalen Reaktionen auf eine neue Entdeckung nichts anderes als eine Manifestation der enormen Angst vor Motilität dessen, das nicht durch die Sinne wahrnehmbar ist oder das unbeweglich erscheint. (“Biophysical Functionalism and Mechanistic Natural Science”, International Journal of Sex-economy and Orgone Research, Vol. 1, 1942, S. 97-107)

„Es ist, als ob das menschliche Denken vom Statischen nicht loskommen könnte oder wollte. Es gibt immer wieder etwas Ruhendes, Unbewegtes in der Fülle des Bewegten. Es taucht in der zeitgenössischen Vorstellung vom ‚Kosmischen Staub‘ auf. Es erscheint als absolut, keinem Funktionsprozeß unterworfen“ (Äther, Gott und Teufel, S. 18).

Wie wir denken, hängt von unserer Panzerungsstruktur ab, wobei der unbewegliche Panzer das Element des „Absoluten“, des Unbeweglichen hineinträgt. Gleichzeitig zwingt uns die naturwissenschaftliche Herangehensweise dazu, den Panzer zu überwinden und genauso zu fließen wie die Natur fließt. In diesem Sinne ist die Naturwissenschaft „politisch“. Im Kapitel über „Die Sexualökonomie im Kampf gegen die Mystik“, sowie in „Einige Fragen der sexualpolitischen Praxis“ von Die Massenpsychologie des Faschismus, sieht man, daß es Reich beim Kampf gegen die Mystik (und damit gegen die faschistische Bewegung) stets darum ging, die Naturwissenschaft gegen die Mystik zu mobilisieren. Reich fragt: „Wurden im Kampf zwischen Naturwissenschaft und Mystizismus alle Möglichkeiten von der ersten ausgeschöpft?“ (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 161)

„Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen sich der Tatsache bewußt sind, daß, was jemand tut, ob er es weiß oder nicht weiß, auf irgendeiner Art von naturwissenschaftlicher Theorie beruht, einer naturwissenschaftlichen Methode der Herangehensweise an die Natur” („Man’s Roots in Nature“, Orgonomic Functionalism, Vol. 2, Fall 1990, S. 51).

Die Wissenschaft, die sich mit der Lebensfunktion beschäftigt, die Orgonomie, „beginnt ganz von vorn, auf grundsätzlich unabhängige Weise und ohne auf die Theorien der klassischen Naturwissenschaften zurückzugreifen. Nicht, weil sie das so möchte, sondern weil sie es muß. Ihr Ausgangspunkt ist weder das Elektron noch das Atom, weder eine lineare Bewegung im leeren Raum noch ein Weltgeist oder ein ewiger Wert. Ihr Ausgangspunkt sind die beobachtbaren und meßbaren Funktionen im kosmischen Orgonozean, aus dem alles Sein, das physikalische wie das emotionale, hervorgeht“ (Die kosmische Überlagerung, Frankfurt 1997, S. 22). Dies ist der Kern von Reichs Aussage, daß „die Orgonphysik von vollkommen neuen Beobachtungen und neuen theoretischen Annahmen ausgeht“. (Äther, Gott und Teufel, S. 150)

Hegel05

Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

29. Juni 2012

Das folgende ist eine Ergänzung zu Wenn sich die Natur gegen sich selbst richtet und geht auf eine Anfrage aus meiner schier unüberschaubar großen Leserschaft zurück.

Frager: In der Orgonomie wird Pathologie mit dem Verweis auf Panzerung erklärt. Diese behindere die natürlichen selbstregulatorischen Vorgänge, sei also etwas „widernatürliches“. Wenn aber alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

Peter: Selbstverständlich kann nichts „der Natur“ fremd gegenüberstehen, aber hier verwenden wir einen philosophischen, allumfassenden Naturbegriff, der jede mögliche Erfahrung übersteigt. Reich hingegen folgt einem ganz pragmatischen Gebrauch dieser Begriffe, der unmittelbar mit bioenergetischem Kontakt verbunden ist.

Die Position, daß es in der Natur keine Widernatur geben könne, ist allein schon deshalb – widersinnig, weil man sich mit der Behauptung, daß grundsätzlich alles zur allumfassenden Natur gehört, selbst außerhalb dieser allumfassenden Natur stellt, so als würde man nicht dazugehören, über der Natur stehen und könnte sie deshalb überblicken. Doch diese Illusion des „draußen vor“ geht auf die biophysische Struktur der Proponenten derartiger Anschauungen zurück.

Reich hatte von Anfang an darauf bestanden, daß es sinnlos ist, derartig hochabstrakt und abgehoben zu philosophieren. Von Anfang an hat er solche Bemerkungen von der Art „Das Unbewußte kann es nicht geben, weil dieser Begriff philosophisch gesehen ein Widerspruch in sich selbst ist!“ beiseite geschoben und als das abgetan, was sie in Wirklichkeit sind: pathologische Zwangsgrübelei. – Oder anders ausgedrückt: die Behauptung, daß alles Natur ist, ist zutiefst – widernatürlich. Es ist abstraktes, philosophisches Denken, das von einer haltlosen Scheinlogik bestimmt wird. Das, was Reich als „bloße formale Logik“ bezeichnet hat, im Gegensatz zur funktionellen Logik.

Das ganze erinnert an eine Einsicht, die dem Leben von C.S. Lewis die alles endscheidende Wende gab. Der große Apologet des Christentums erinnerte sich an seine Zeit als Atheist:

Mein Einwand gegen Gott war, daß das Universum so brutal und ungerecht zu sein schien. Aber woher nahm ich diese Vorstellung von Recht und Unrecht? Jemand bezeichnet eine Linie nicht als krumm, wenn er keine annähernde Vorstellung von einer geraden Linie hat. Mit was habe ich das Universum verglichen, als ich es als ungerecht bezeichnete? (Mere Christianity)

Lewis hatte Gott, etwas „Überweltliches“, für sich entdeckt, wobei die Gleichsetzung von Sittlichkeit und Geometrie („eine gerade Linie“) kein Zufall ist, sondern natürlich auf Kant („der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“) und von dort weiter zurück auf die antike Philosophie verweist.

Für Reich ging ein solches „Denken“ auf die Loslösung der Wahrnehmung von der bioenergetischen Erregung zurück, was zu einer Aufspaltung des Welterlebens in „Welt“ hier und „Jenseits“ dort führt:

Der jenseitige Gott legt dann an die Welt die Elle der Moral an. Auf diese Weise wird aus einer pathologischen Störung (okulare Panzerung) ein ganzes Gedankengebäude, das das Leben von Milliarden Menschen bestimmt.

Was in uns gegen die Ungerechtigkeit und Brutalität rebelliert, etwa wenn der Wind einen Baum fällt, der ein glücklich spielendes Kind erschlägt, ist zwar tatsächlich „das Göttliche“ in uns, doch das steht nicht außerhalb der Natur. Dies ist eine grundsätzlich andere Weltsicht als die von Lewis und Konsorten. Ich habe versucht sie in Warum ich kein Christ bin zum Ausdruck zu bringen, mehr schlecht als recht. Sie hat etwas mit Geometrie („dem gestirnten Himmel“) und unserem Mitgefühl zu tun, aber nichts mit dem psychopathologischen Alptraum des Mystizismus. Die Widernatur ist unser Feind. Egal wie sie zum Ausdruck kommt, ob in „logischen“ Widerlegungen der Orgonomie oder in irgendwelchen Vorstellungen von „Gott“. Oder mit anderen Worten: unterschiedslos alle Philosophien und Religionen beruhen auf einem psychischen Defekt und sollten nicht allzu ernst genommen werden, selbst wenn sie scheinbar die „Logik“ auf ihrer Seite haben.

Susanne Wind

21. Januar 2012

Als ich 12 war, habe ich angefangen mich für moderne Malerei zu begeistern und selbst mit einer unglaublich prätentiösen, frühreifen „Avantgarde-Malerei“ angefangen. Wenn ich mir das Zeugs heute angucke: ich habe null Talent zum Zeichen und Malen… In den folgenden Jahrzehnten wurde ich immer zynischer was jene moderne Malerei betrifft, die mich einst so begeistert hatte. „Würde all das Zeugs in Flammen aufgehen, hätte die Menschheit keinerlei kulturellen Verlust zu verzeichnen.“ Ich kokettiere gerne mit der erzreaktionären Haltung, die Ephraim Kishon hinsichtlich der modernen Malerei an den Tag gelegt hat, die er durchweg für Betrug hielt.

Die „offizielle“, vom Feuilleton gefeierte, moderne Kunst funktioniert lediglich über den Kopf. Beispielsweise kann man die berühmten „Fettflecken“ von Joseph Beuys nur als Kunst erfassen, wenn man sie als „Kommentar“ sieht zu bestimmten Bildern der Kunstgeschichte, der Geschichte Deutschlands und der persönlichen Geschichte des Künstlers. Kunst für Intellektuelle, die sich gerne reden hören!

Und dann gibt es wirkliche Kunst. Sie funktioniert, weil sie einen unabhängig vom Kontext bewegt und/oder zur Erstrahlung bringt. Man spürt die Bewegung und die Präsenz (Erstrahlung) der kosmischen Orgonenergie. In diesem Sinne ist diese und nur diese Kunst auch „politisch“: sie regt die gesunden (ungepanzerten) Anteile in uns an und ruft uns auf sich gegen den Irrsinn, der uns umgibt, zur Wehr zu setzen.

Eine solche Künstlerin ist Susanne Wind aus Hamburg: http://www.susannewind.de.

Wie kein anderer Maler hat sie auf Leinwand gebannt, wie sich die Natur in der Umgebung Hamburgs anfühlt. Sie versucht die Umgebung mit den unverstellten Augen und unverpanzerten Gefühlen eines Kindes wahrzunehmen. Ihre Bilder sind voll blauem „Orgonwind“ und voll blauer „Orgonerstrahlung“ – oder mit einem anderen Wort: voll orgonotischem Kontakt.

Susanne Wind:

In meinen Arbeiten widme ich mich der einzelnen Blume, dem Grashalm, dem Wind, dem Licht… Ich widme mich diesen kleinen und großen Dingen der Natur aus der Überzeugung heraus, daß mit Hilfe dieser schönen und lebendigen Dinge, Zerstörung oder geistige Leere überwunden werden kann.

Die Natur bietet einen gewaltigen Schatz an Ruhe und Gelassenheit. Die Verbindung mit der Natur ist eine Quelle der Kraft. Diese Eigenschaften der Natur zu erleben und dabei in ihrem Wesen sichtbar zu machen ist meine künstlerische Intention. Die Malerei ist mir das geeignete Medium dafür. Sie erlaubt mir das real Gesehene mit dem inneren Erleben zu verbinden.