Posts Tagged ‘Kultur’

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen (Teil 2)

16. Oktober 2020

 

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen

 

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

3. Juli 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 3)

22. April 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

David Holbrook, M.D.: DIE DREI SCHICHTEN DER BIOPSYCHISCHEN STRUKTUR (Teil 1)

2. Januar 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die drei Schichten der biopsychischen Struktur

 

Buchbesprechung: THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson (Teil 2)

22. Dezember 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Für diese Phase seiner Bewertung von Reich greift Robinson auf die verleumderischen Verzerrungen von Mildred Edie Bradys New Republic-Artikel vom 26. Mai 1947 zurück: „[Reich] etablierte bald eine lukrative Privatpraxis.“ „Orgonenergie konnte verwendet werden, um eine beliebige Anzahl von psychischen und physischen Krankheiten zu heilen, von Hysterie bis Krebs.“ „[Er] beobachtete die blaue Färbung von sexuell erregten Fröschen.“ Etc., etc. (Alles Kursive von mir – P.M.) Darüber hinaus wird Reich zu einem „religiösen Denker“, der „zu dem Schluss kam, dass die Religion, auch wenn sie reaktionär ist, der legitime Vorläufer seiner eigenen Wissenschaft ist“. Dies leitet er aus seiner offensichtlichen Fehlinterpretation von Christusmord und Die kosmische Überlagerung ab. Reich wird erneut eine „anti-intellektuelle Voreingenommenheit“ vorgeworfen, da Robinson, wie Rieff, nicht in der Lage ist, zwischen dem Intellekt als Abwehr und dem Intellekt des Kerns zu unterscheiden. Auf besonders raffinierte Weise missbraucht er Reichs Spekulation, Selbstwahrnehmungsprozesse könnten für den Ursprung der menschlichen Panzerung verantwortlich gewesen sein und behandelt sie wie ein Dogma: „Gleichzeitig erreichte die anti-intellektuelle Voreingenommenheit, die implizit in allen von [Reichs] Gedanken enthalten ist, schließlich eine explizite Formulierung: Der Mensch wusste zu viel für sein eigenes Wohl“ (S. 70).

Robinson ist besonders nachtragend gegenüber Reichs Konzept der emotionellen Pest und sagt: „Er hypostasiert alle Kritiker seiner Theorien zu ‚die emotionelle Pest‘ und erweist sich damit Freud mehr als ebenbürtig, was die Kunst des ad hominem-Arguments betrifft.“ Hier zeigt er nicht nur seine Unkenntnis der Definition der Pest durch Reich sowie von dessen wahren Motiven, sondern versucht auch, sich selbst gegen eine möglicherweise berechtigte Anschuldigung zu immunisieren.

Nachdem er eingeräumt hat, dass Reichs Gefühl der Verfolgung durchaus gerechtfertigt ist, kommt er zu dem Schluss: „Das war das traurige, aber (man kommt um das Gefühl nicht herum) angemessene Ende einer Karriere, die so zutiefst ernst und hoffnungslos grandios war, dass sie unmerklich in eine Farce verblasste“ (S. 73). Man kann sich nur fragen, warum Robinson überhaupt behauptet, Reich zu bewundern. Die Antwort liegt zweifellos nicht nur darin, dass er die Größe Reichs schemenhaft erahnt, sondern auch darin, im Namen der Sexualbejahung und unter dem Vorwand eines bewundernden Freundes, der ausgesprochen fair ist (vgl. S. 69, 70), die Bedrohung durch Reichs Theorie der Genitalität zu beseitigen; und natürlich auch in seinem Wunsch, durch „Neuinterpretation“ sich jener Aspekte von Reichs Werk zu bemächtigen, von denen er glaubt, dass sie seine politische Voreingenommenheit bestärken und bestätigen – was er in seiner Einleitung einräumt. So ist sein expliziter Vorsatz in diesem Buch, Freud selbst zu radikalisieren (in der Marcusianischen Wortbedeutung bzw. der der Neuen Linken) und jene Vertreter des „Freudschen“ Denkens, deren Theorien – speziell im sexuellen Bereich – revolutionäre Auswirkungen im politischen Sinne haben. Tatsächlich ist dies ein modernes Gegenstück (mit sehr unterschiedlichen Motivationen) zu Reichs seit langem aufgegebenem Versuch, Freud und Marx zu verschmelzen.

Robinson abstrahiert bei Roheim jene Aspekte seiner anthropologischen Erkenntnisse, die die Idee der Unvereinbarkeit von Kultur und Gesundheit unterstützen, insbesondere dessen Studien über die australischen Ureinwohner, deren Kindererziehung in jeder Hinsicht sexuell frei war, außer dem Inzesttabu (was Freuds Konzept des Urverbrechens unterstützte). Er führt Roheims Konservatismus bei der Lösung des Dilemmas der westlichen Gesellschaft auf dessen Loyalität zu Freud und die Fixierung auf den Pessimismus von Das Unbehagen in der Kulturc zurück. Robinson ist besonders beeindruckt von Roheims Erkenntnis, dass „der Schlüssel zum Wohlbefinden der Primitiven in der allgemeinen Permissivität ihrer Kultur [liegt]“. Dies ist ein wichtiger Punkt, da es mit der Identifikation des Autors mit Marcuse zusammenhängt. Freuds „Radikalismus“ läge in seinem Konzept eines Antagonismus zwischen Trieb und Kultur sowie in seinem Konzept des Todestriebs, den Norman Brown und Marcuse interessanterweise auf unterschiedliche Weise in ihre Philosophien aufgenommen haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

c Das Unbehagen in der Kultur ist der Titel einer 1930 erschienenen Schrift Sigmund Freuds.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 136-140.
Übersetzt von Robert (Berlin)

nachrichtenbrief142

24. November 2019

nachrichtenbrief141

23. November 2019

Über Panzerung, Krieg und Frieden

6. Juni 2019

 

Paul Mathews:
Über Panzerung, Krieg und Frieden

 

Wilhelm Reich, Revolutionär

20. Oktober 2018

Reich war ein Revolutionär. Er unterschied sich aber grundlegend von anderen Revolutionären wie Lenin, Hitler oder Castro. Diese stellten sich an die Spitze von „Bewegungen“, die nur durch absurde Zufälle und blanken Terror Einfluß über die Massen gewinnen konnten. Das alles war nichts organisch Gewachsenes und als ihre Macht (bzw. die ihrer Nachfolger) zusammenbrach, blieben die Gräber Millionen unschuldiger Opfer zurück, die für nichts und wieder nichts elendig verreckt waren. Währenddessen schritt unbeirrt der wahre Geschichtsprozeß voran, der nichts anderes ist als die Entfaltung der vegetativen Energie. Dieser Bereich war die Domäne Reichs:

Es ist eine echte, tief umwälzende Revolution der kulturellen Seinsverhältnisse, die wir durchleben. Es gibt keine Paraden, Uniformen, Medaillen keine Trommelwirbel und keinen Kanonensalut in diesem Kampf. Aber er kostet nicht weniger Opfer als eine Bürgerkriegsschlacht von 1848 oder 1917. Die Sinne des Menschentiers für seine natürlichen Lebensfunktionen erwachen aus jahrtausendealtem Schlaf. Die Umwälzung in unserem Leben greift an die Wurzel unserer emotionellen, sozialen und wirtschaftlichen Existenz. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 14)

Über Panzerung, Krieg und Frieden* (Teil 1)

14. August 2018

Paul Mathews: Über Panzerung, Krieg und Frieden