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Ironische und ernsthafte Wissenschaft

6. August 2026

Der Begriff „ironische Wissenschaft“ stammt aus dem 1996 erschienenen Buch Das Ende der Wissenschaft des Wissenschaftsjournalisten John Horgan. Er vertrat die These, daß in der Wissenschaft nichts Neues mehr zu entdecken sei. Theorien würden mittlerweile so formuliert, daß sie empirisch nicht widerlegbar, also reine Spielerei seien, die aber Prestige und vor allem Fremdfinanzierung sichere. Das was Wissenschaftler heute tun, sei „postempirische“, nur noch spekulative „ironische Wissenschaft“ ohne wirklichen Wahrheitsanspruch. Zurecht prangte Horgan Figuren wie Hawkins an, die nur noch hochspekulatives Zeugs verfaßten, dessen Erkenntnisgewinn (geschweige denn ein sich abzeichnender praktischer Nutzen) gegen Null tendierte.

Ich frage mich aber, ob es früher viel anders war. Beispielsweise sind Mikrobiologen sicherlich ständig mit Abiogenesis und Pleomorphismus konfrontiert, aber das wird sofort ausgeblendet und Proben als „kontaminiert“ weggeschmissen. Ähnlich werden Chemiker ständig über das stolpern, was Reich als „präatomare Chemie“ bezeichnet hat. Und so überall, vom angeblichen Urknall (der von jedem neuen Blick ins All widerlegt wird) bis hin zu den Theorien über unser Sonnensystem. Nicht ein einziges Mal haben die Wissenschaftler einigermaßen richtige Voraussagen gemacht, immer haben die Satelliten sie vom Hocker gehauen.

Die Leute sagen, die Orgonomie wäre ein gigantisches Wahngebilde. Ich glaube, auf die gängige Wissenschaft trifft das tausendmal mehr zu. Die Universitäten sind dann sowas wie Ideologiefabriken.

Die Evolution selbst zeigt, wie „ironisch“ Fortschritt sein kann. Man sieht in einem Aquarium sofort welche Pflanzen primitiv sind und welche fortgeschritten sind. Das verblüffende dabei ist jedoch, daß gerade die primitiven Pflanzen, z.B. Fadenalgen, eine wahre Pest sind, sie wachsen immer und überall, während die fortgeschrittenen Pflanzen unglaublich empfindlich sind. Wo ist da der Fortschritt und welchen Sinn macht er überhaupt? Der Biologe wird einwenden, dies sei alles ganz einfach mit Spezialisierung erklärlich. In isolierten ökologischen Nischen wären die höherentwickelten Organismen tatsächlich besser angepaßt als die unverwüstlichen primitiven, so daß sich der Fortschritt dort durchsetzen könnte. Funktionell gesehen ist hier aber gar kein Widerspruch. Man denke in diesem Zusammenhang an Reichs sich nach rechts hin immer weiter verästelnde orgonometrische Gleichung: Entwicklung und „isolierende“ Verästelung sind funktionell identisch!

Was wir im Wissenschaftsbetrieb so als „Fortschritt“ vor uns haben, entspricht dieser natürlichen Evolution: zunehmende Spezialisierung mit immer unbedeutenderen Ergebnissen, also das was Horgan beklagt. Man frägt sich genauso wie bei manchen Wasserpflanzen, welch einen Sinn ein solcher Fortschritt überhaupt macht, doch richtet man das Augenmerk auf die jeweilige „ökologische Nische“, macht dieser Fortschritt doch Sinn – und man sieht, daß es unendlich (?) so weitergehen kann mit dem „Spezialisierungs-Fortschritt“, wobei dieser dabei immer „fragiler“ wird.

Das besondere der Orgonomie ist nun, daß für sie wissenschaftlicher Fortschritt nicht primär diese immer weitere Verästelung bedeutet, sondern ganz im Gegenteil das Auffinden „primitiverer“ gemeinsamer Funktionsprinzipien (CFP). Während z.B. Reichs psychoanalytische Kollegen immer feinere psychologische Mechanismen offengelegt hatten, ist Reich zum „segmentären Wurm im Menschen“ „vor“-gestoßen.

Kurz gesagt: es kann stets nur immer voran gehen, der Fortschritt ist garantiert, es stellt sich dabei nur die Frage, ob er in einer peripheren Sackgasse endet (wie die gegenwärtige Wissenschaft und Gesellschaft), oder ob er mit der „kosmischen“ Gesamtentwicklung in Harmonie steht: um das zu garantieren, muß man aber zurück zum CFP schauen und entsprechend die Entwicklungsprozesse vernünftig koordinieren.