Posts Tagged ‘Offenbarung des Johannes’

Der verdrängte Christus: 19. Das ewige Evangelium

15. August 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

19. Das ewige Evangelium

Warum dieses religiöse Brimborium im NACHRICHTENBRIEF?

17. Dezember 2013

Ich bin, als Hamburger fast selbstverständlich, in einer vollkommen areligiösen Familie aufgewachsen. Wie das aber so ist, fühlt man sich dann gerade zu diesem exotischen Kram hingezogen, so daß eine meiner Hauptrollen als Familienclown die des protestantischen Predigers war. Jedenfalls ist dieses Zeugs fest in meinem Gehirn verdrahtet. Und, anders als religiös sozialisierte, verbinde ich keine persönlichen negativen Erfahrungen mit dem Thema. Etwa einem: „Peter, das ist Sünde!“ Entsprechend kann ich wirklich Predigten genießen. Je fundamentalistischer desto besser!

Der Vorteil der religiösen, insbesondere aber christlichen, Ausdruckweise ist, daß es hier fast ausschließlich um Emotionen geht. Und das nicht in einem trivialen Sinne, wie etwa in der Rede eines politischen Volkstribuns, sondern um Emotionen als kosmische Funktionen. Auf eine denkbar direkte Weise. Alles im Christentum läßt sich praktisch eins zu eins auf die Orgonomie übertragen.

Reich ging das langsam auf, als er sich Ende der 1940er Jahre auf sein Buch Christusmord vorbereitete und zum Entsetzen seiner Anhänger, etwa Theodore P. Wolfe, im krassen Widerspruch zu seinen antichristlichen Angriffen in Die Massenpsychologie des Faschismus und in Die sexuelle Revolution, den Religionen, insbesondere aber dem Christentum, positive Seiten abgewinnen konnte.

Das intensivierte sich nach dem ORANUR-Experiment, als er sich gezwungen sah, die Orgonomie einer drastischen Revision zu unterziehen. Im Widerspruch zu seinen Ausführungen in Äther, Gott und Teufel (sic!) mußte er eingestehen, daß es den „Teufel“ nicht nur als durch die Panzerung verursachte destruktive Triebe im Menschen gibt, sondern, daß er in der Natur doch etwas mehr ist als eine substanzlose Projektion der sekundären Schicht des gepanzerten Menschen. Mit der Entdeckung des DOR war die innere Auseinandersetzung auch des gepanzerten Menschen letztendlich ein kosmisches Ereignis. In diesem Sinne kann der Student der Orgonomie etwa mit der Offenbarung des Johannes weitaus mehr anfangen als fast jeder Christ, dessen Denken von der mechanistischen Zivilisation verbildet ist und der deshalb überall nur Metaphern und vage Allegorien sieht. – Wie gesagt: je fundamentalistischer eine Predigt, desto besser, denn was den Christen ansonsten vorgesetzt wird, ist rationalistischer Unsinn und fade bis zum Abwinken. Kein Wunder, daß die Gottesdienste der Amtskirche immer leerer werden!

Nach Reichs Tod hat kaum jemand jenen Reich wieder aufgegriffen, der beispielsweise Gebete veröffentlichte. Interessanterweise nicht mal jene, die offen in ein mystisches Fahrwasser gerieten. Da ist dann von allem möglichen mystischen Firlefanz die Rede, aber beispielsweise auf Reichs positive Äußerungen über den Katholizismus nehmen diese Leute praktisch nie bezug. Die Vertreter der offiziellen Orgonomie, vor allem im American College of Orgonomy, haben schlichtweg Angst davor, vollends als pseudoreligiöse Sektierer da zustehen. Praktisch der Einzige, der in dieser Hinsicht Reichs Weg konsequent weiterbeschritten hat, war Jerome Eden. Einen Eindruck vermittelt meine Eden-Seiten auf www.orgonomie.net.

Es gibt zwei Arten der „Spiritualität“, die von den Anhängern Reichs nach dessen Tod vertreten wurden. Bei Jerome Eden geht es fast ausschließlich um Emotionen im Sinne von Bewegungen der kosmischen Orgonenergie durch das Membransystem des Körpers und durch die Natur. Das ist das, was so mancher Leser des NACHRICHTENBRIEFs so irritiert. „Was soll der peinliche Scheiß!“ In der zweiten Art von „Spiritualität“, die von den „Reichianern“ vertreten wird, geht es um etwas grundsätzlich anderes. Ihnen ist es um „geistige“ Perspektiven zu tun, um „Spiritualität“ im Wortsinne, die in der Orgonomie immer zu kurz gekommen sei. In meiner Rezensionssammlung über „Reichianische Literatur“ habe ich diese Denkungsart ausführlich beschrieben.

Bei diesen Leuten geht es tatsächlich um jene bioenergetischen Vorgänge, die Reich in Äther, Gott und Teufel beschrieben hat: um Projektion der eigenen Panzerung nach außen! Wer eine derartige „Spiritualität“ im Namen Reichs vertritt, disqualifiziert sich automatisch. Reich:

„Mystizismus“ bedeutet (…) im strengen Sinne jenseitige und unwirkliche Veränderung der Sinneseindrücke und der Organempfindungen. Die Anthropologie lehrt uns, daß der Teufel mit Schwanz und Heugabel oder der Engel mit Flügeln ein spätes Produkt menschlicher Phantasie, keiner Wirklichkeit mehr nachgebildet, sondern aus einer Vorstellung geschöpft ist, die die Wirklichkeit verzerrt. „Teufel’“ sowohl wie „Engel“ entsprechen menschlichen Strukturempfindungen, die bereits grundsätzlich von denen der Tiere oder primitiven Menschen abweichen. Desgleichen sind „Hölle, „Himmel“, formlose blaugraue Geister, gefährliche Monstren und winzige Däumlinge Projektionen unnatürlicher, verzerrter Organempfindungen. (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 92)

Im Fall der „Reichianer“ hängen diese verzerrten Organempfindungen mit ihrer liberalen Charakterstruktur zusammen und der ihr eigenen spezifischen Augenpanzerung, die dafür sorgt, daß die Organempfindungen entsprechend verzerrt werden. Emotionen werden in Sensationen überführt, alles wird vage und uneindeutig (das genaue Gegenteil von religiösem Fundamentalismus) und nimmt eine Qualität an, die man am besten mit dem Begriff „zerebral“ beschreiben könnte. Ich bin darauf in Die Massenpsychologie des Buddhismus ausführlich eingegangen.

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