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Eine Notiz aus dem Jahre 1999

20. Juni 2022

Gestern hat mich wxy angerufen, um mir von einer Announce von xyz im Deutschen Ärzteblatt (?) zu berichten. In fünf Wochenendseminaren will sie Ärzte in „Orgontherapie original nach Wilhelm Reich“ (oder so) ausbilden. Und das unter dem Lassek-Logo (Ennegramm, Schlangen, Zeichen des orgonomischen Funktionalismus).

Im neuen Hamburger Körper, Geist & Seele findet sich auf dem Umschlag:

Heiko Lassek: Orgontherapie verbinden“ (?, sic!) und im Heft selbst heißt die Überschrift: „Die Kraft des Feuers erden – Orgontherapie nach Wilhelm Reich (…) verbindet der Mediziner (Lassek) die reichianische Orgontherapie mit den ‘Spontanen Bewegungen’ des Daoismus (…) Als Schüler von Professor Lu Jin Chuang (Universität Peking), dem Stammhalter der Tai-Ji Tradition, der in China anerkannt höchsten Schule des Daoismus (…) sich aus westlichen und östlichen Bezugssystemen entwickelnden Energiemedizin (…).

In Psychologie heute (Juni 1999) eine Buchbesprechung unter der Überschrift „Blockierte Orgonströme“ (Werner Köthke, Hans-Werner Rückert, Jens Simram: Psychotherapie? Psychoszene auf dem Prüfstand). Der „Eso-Mumpitz“ wird runtergemacht und „Orgonströme“ werden erwähnt, weil auch die Core-Energetik abgehandelt wird.

In einem alten Spiegel vom 16.3.98 (Nr. 12) lese ich zufällig ein Essay von meinem hochverehrten und geliebten Henryk M. Broder (der Typ, der 1997 in Psychologie heute über das Wilhelm Reich Museum geschrieben hat) – ein Essay über eine Biographie der Feministin Alice Schwarzer. Als er auf Schwarzers autoritäres Gehabe gegen andere Frauen zu sprechen kommt (das verblüffend dem Verhalten ähnelt, das manche Machos gegen Frauen zeigen!), schneidet er die psychologische Erklärung dieses Phänomens an.

Zunächst kritisiert er die besagte Biographin, die auf die Neo-Psychoanalyse Karen Horneys zurückgreift: Menschen, die als Kinder Demütigung erfahren haben, müssen als Erwachsene andere Menschen demütigen. Dagegen wendet Broder ein, daß eine solche Kausalität nie nachgewiesen wurde und daß man in den Kindheitsgeschichten etwa von Hitler und Albert Schweitzer identisches finden könne. Dann fährt Broder fort: „Dafür scheint ein anderer Zusammenhang plausibler, der mehr mit dem Erkenntnissen von Wilhelm Reich als mit der Psychoanalyse von Sigmund Freud zu tun hat.“ Das Dritte Reich hätte in vielen Gebieten ein Vakuum hinterlassen, u.a. was Autorität betrifft. „Doch ebenso wie es seine innere Logik hat, daß im Vatikan die größte Porno-Sammlung der Welt liegt, hat es auch einen organischen Grund, daß im fortschrittlichen, alternativen, ‘antiautoritären’ Milieu das Verlangen nach Autorität heftig wabert.“ Nur, daß hier der „Führer“ einen „alternativen“ Anstrich haben muß, wie etwa Alice Schwarzer. – Henryck, ich liebe Dich!

Der Dalai Lama war bei Biolek [einer Talk Show], wo er wortwörtlich das folgende über sich sagte:

Man hat gewisse Emotionen, man hat Wünsche, Hoffnungen, aber sie sind immer noch da. Und wir haben ja auch ein gewisses Training. Man muß also nicht unbedingt Gehorsam zeigen, sondern man analysiert: Was ist das Ziel, wenn man ein Mönch wird? Das Ziel ist die eigenen Emotionen zu überwinden. Wenn man diesen Status, diese Stufe erreicht hat, wo die Emotionen einen nicht mehr leiten, dann ist permanente Glückseligkeit.

Logisch! Nur leider das diametrale Gegenteil der Orgonomie.

Ich habe das neue Verlagsprogramm des yza-Verlages erhalten: die alte Mischung aus krypto-nazistischen Verschwörungstheorien, UFO-Schrott und Esoterik. Natürlich darf da das „Orgon“ nicht fehlen. Wie das geschieht ist sowas von bezeichnend: ein gewisser zab berichtet über „Orgon und Radionik: Die Welt feinstofflicher Energie (…) die neuste(n) Möglichkeiten, um feinstoffliche Energien anzuwenden“. Es folgt „Heilung durch Orgon Vitalenergie“ zur „Erhöhung Ihrer energetischen Vital-Schwingung“. Dann wieder zab über „Kundalini – vom Wesen der Lebensenergie und ihrer Reinigung“ und schließlich „Sexualität und Spiritualität – Von der Überwindung eines vermeintlichen Gegensatzes“. Es fängt mit der Orgonenergie an und endet über hirnzentrierte Allmachtsphantasien („Radionik“) in einer sexuellen Perversion, die das exakte Gegenteil der Sexualökonomie darstellt. Reich wird benutzt, um Reich zu zerstören! Das mündet schließlich im Faschismus: zab über „Karma und Reinkarnation aus vedischer Sicht“. Die Juden mußten ihr schlechtes „Karma“ abarbeiten….

Zwischen 1948 und 1962 sind von den 18 Millionen Rumänen 1 Million „verschwunden“, d.h. „verhört“ und dann liquidiert worden. Und das nicht etwa „trotz“, sondern wegen Marx. Das ist Klassenkampf – und er unterscheidet sich in nichts vom Rassenkampf der Nazis. Mit dem Unterschied, daß wir immer noch gegen die Nazis kämpfen, während die Kommunisten-Ratten… Schon mal von diesem Holocaust in Rumänien auch nur gehört?! [2022: dazu dies aktuelle Video.]

Gerade bin ich auf etwas aufmerksam geworden, was auch die „Weiterentwicklung“ dieses Kommunismus, wie sie jetzt abc vertritt (der mal in der emotion sich total begeistert über die Kollektivierung der Landwirtschaft in der UdSSR äußerte: 10 Millionen Tote!), betrifft: Seit der Einführung der Leibeigenschaft im mittelalterlichen Rußland drehte sich das gesamte russische Wirtschaftsleben darum, ohne Geld auszukommen. Es beruhte alles auf Sklavenarbeit, also „freiwilliger Arbeit“ und auf den Austausch von Naturalien. Von Peter dem Großen bis Stalin wurde also konsequent die Utopie verwirklicht, von dem die „Geldreformer“ heute träumen: den Bruch der „Zinsknechtschaft“! – OK, diese Argumentationsweise ist unfair…

Wie abc und praktisch alle Reichianer arbeite auch ich jetzt therapeutisch, wenn auch vorerst rein charakteranalytisch. Der Teddybär auf dem Sofa ist mein erster Patient. bcd hat mir diesen ersten Klienten vermittelt. Echt frappierend, aber ich bekomme zunehmend das Empfinden, daß sein gesamtes Innenleben, wie soll ich sagen, irgendwie „holzwolle-artig“ ist. Und sein Blick ist so stier, als wären seine Augen aus Glas. Absolut nervtötend ist aber, daß mein Patient praktisch nie was sagt. Aber in der Charakteranalyse ist ja auch ein „Nichtverhalten“ ein Verhalten. Aber trotzdem kann ich sicherlich mit Verständnis in der Community rechnen, daß ich bald mit diesem meinem Patienten körpertherapeutisch arbeite?! Sein (im wahrsten Sinne des Wortes) „hartnäckiges“ Schweigen zwingt mich einfach dazu! Immerhin habe ich damit angefangen den Patienten nackig zu behandeln. Übrigens ist mein Teddy-Patient derartig kataton, daß ich ihn ausziehen mußte. Praktisch macht er nichts selber. Ob ich mich hier als Anfänger übernommen habe?

Der menschliche Geist kann nur funktionieren, indem er bestimmte Teile der Wirklichkeit ausblendet. In der so geschaffenen Privatwelt ist er dann allmächtig. Das fängt beim Autofahrer an, der sein Auto und den Straßenverkehr beherrscht, weil er praktisch die gesamte Umwelt ausblendet, sofern sie irrelevant für das Autofahren ist. Und hört mit dem Psychotiker auf, der unerreichbar in einem eigenen Universum lebt. Je beschränkter und kontaktloser der Mensch ist, desto allmächtiger fühlt er sich (deshalb der „Erfolg“ von Dösbaddeln wie bcd, cde, etc.). Das entscheidende ist nun, daß der menschliche Geist prinzipiell so funktioniert. Leute wie def und efg können diese „prinzipielle“ „Allmächtigkeit“ und die idiosynkratische Beschränktheit nicht auseinanderhalten, weil ihnen die Distanz zu sich selbst fehlt. Der „Kleine Mann“ in Aktion!

Das besondere an Reich war nun, daß er sich erst gar nicht auf solche mentalen Spintisierereien eingelassen hat und sich dem Leib zugewendet hat, der wohl genauso auf der Grundlage von „Beschränktheit“ funktioniert (bestimmte Stoffe werden aufgenommen, bestimmte Stoffe ausgeschieden, der Rest wird ignoriert), aber eben nicht so praktisch unumschränkt willkürlich wie der menschliche Geist. Von dort ist Reich dann zur „Amöbe im Menschen“ vorgedrungen, die bei allen Lebewesen gleich ist und schließlich zur Orgonenergie, die überall im Universum exakt gleich funktioniert. Sie ist wirklich „unendlich“ beschränkt (sic!) und deshalb allmächtig! Exakt das, was efg und def illusorischerweise von ihrem „mind“ glauben! Und wegen dieser funktionellen Identität zwischen dem CFP der Natur und wirklich allen denkbaren philosophischen und religiösen Systemen funktioniert praktisch alles, was naive Spinner á la def so vorbringen. Kinder! Wirklich: offenbar kann man sich jahrzehntelang mit dem orgonomischen Funktionalismus beschäftigen, ohne ihn wirklich verstanden haben!

Und dann, daß wirklich jeder einzelne dieser Idioten (von efg bis def) allen ernstes glaubt, ausgerechnet er hätte die Lösung aller Probleme, er würde die Welt aus dem Angeln heben, er würde im Mittelpunkt der Welt stehen. Wie def, der über den Umweg seiner persönlichen Allergien zum Geistheiler geworden ist, schreibt: „more powerful than anything yet out there in the field of health, mental health, or spirituality“ – was nichts anderes bedeutet, als daß er größer ist als Freud, Buddha und alle anderen. Sowas Infantiles! Dazu kann ich nur neidvoll bcd, def und all den anderen zurufen: „Ich wollt’ ich wär so blöd wie du, dann wäre das Leben so einfach!“

1923 und DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS

27. Juni 2021

In der Massenpsychologie des Faschismus (1933, 1946) hat sich Reich mit der Dynamik von Nationalismus und Internationalismus auseinandergesetzt, exemplifiziert am Nationalsozialismus in Deutschland und dem Stalinismus in Rußland. Siehe dazu die Ausführungen von Paul Mathews in „People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest“ .

Laut Reich brachten die Begriffe „sozial“ und „sozialistisch“ (wie sie beispielsweise von den primitiven Christen praktiziert wurden) ursprünglich die Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit, internationalem Good Will und Zusammenarbeit zum Ausdruck, aber sie wurden von sogenannten National-Sozialisten aller Art – Hitler, Mussolini, Stalin usw. – verdreht und ausgenutzt.

Die Entwicklung läßt sich am zentralen Jahr 1923 festmachen, als in München der Ludendorff-Hitler-Putsch scheiterte und Hitler begann sich von der völkischen Bewegung zu distanzieren, die kaum je mehr sein würde als ein Auflauf von Trachtenvereinen und maximal kaum je mehr erreichen würde als der von Hitler später so sehr gehaßte Franco in Spanien: eine mediokre Neuauflage des Ancien Regime, also des „alten Staates“. Eine Institution, die Hitler samt „Recht und Gesetz“ als „jüdisch“ verachtete, da sie nach seinen vulgär-Darwinistischen Vorstellungen den „Kampf der Völker um Lebensraum“ nur behindert. Entsprechend war der „National-Sozialismus“ bereits 1923 an sein Ende gelangt und wurde infolge durch etwas ersetzt, was nur noch formal als „Nationalsozialismus“ bezeichnet werden konnte. Die kaiserlich-völkische Generalität hat das bis Kriegsende nie begriffen. Selbst Keitel mußte nach dem Krieg eingestehen, daß er nie so recht nachvollziehen konnte, worum es im Rußlandfeldzug mit den immer absurder und kontraproduktiver werdenden Vernichtungs- und Durchhaltebefehlen eigentlich gehen sollte! Es ging um die Ermöglichung eines umfassenden „Rassenkampfes“, von dem der Holocaust nur ein Aspekt war. Durch Einreißen der Grenzzäune sollte Politik durch Biologie ersetzt werden – jedenfalls eine „Biologie“, wie Hitler sie sich bei Ernst Haeckel u.a. angelesen hatte. (Wie ein solcher „Rassenkampf“ aussieht, kann jeder angesichts der Merkelschen Grenzöffnung jederzeit in seinem Alltag erleben!)

1923 trug sich spiegelverkehrt in Rußland ähnliches zu: mit dem Zusammenbruch der letzten kommunistischen Aufstände in Deutschland war das Konzept einer Weltrevolution gescheitert. Trotzki, der für diesen „Internationalismus“ stand, verlor sehr rasch seine Macht, Stalins Aufstieg begann und damit das Konzept vom „Sozialismus in einem Land“. Wie u.a. Reich konstatieren mußte, kulminierte das in einer mediokre Neuauflage des Ancien Regime mit „dem großen vaterländischen Krieg“ und über und über mit Limetta behangenen Generälen.

Unter der hier von niemandem erkannten Oberfläche trug sich 1941 etwas zu, dessen Bedeutung mangels dialektischem Denkens ebenfalls von fast keinem erfaßt wird: als die beiden faschistischen Regime gegeneinander antraten, war das eine verzweifelte Abwehrreaktion des bioenergetischen Kerns (Selbstbehauptung der Nationen) gegen den vordringenden Internationalismus. (Wiederspruch zum oben ausgeführten? Nein, DIALEKTIK!) Alle, die die Theorie des Präventivkrieges gegen die Rote Armee bezweifeln, haben gar nicht begriffen, unter welchem zunehmenden ungeheueren Druck Stalin seit 1923 stand. Er stand da als Verräter der Weltrevolution und Trotzki (egal wie marginalisiert, terrorisiert und schließlich schlichtweg tot er am Ende war!) war das ständig mahnende und beschämende Symbol dessen, was der eigentliche Sinn des „Roten Oktober“ gewesen war. Stalins implizites Argument gegen den Trotzkismus war, daß jede autonom verlaufende Revolution, wie etwa in Jugoslawien und China, nicht etwa zur Weltrevolution beitragen würde, sondern ganz im Gegenteil nur zu pseudo-sozialistischer nationaler Absonderung vom „Geschichtsprozeß“. Nur die siegreich zum Atlantik vorstoßende und damit die Kolonialreiche übernehmende Sowjetarmee wäre der Garant einer wirklichen Weltrevolution und damit Stalin in alle Ewigkeit gerechtfertigt. Mit seinem vermeintlichen „Angriffskrieg“ hat Hitler diesen Stalinistischen Generalplan ein für allemal vereitelt. Aus diesem Grund war Stalin 1941 wie vom Donner gerührt und 1945 alles andere als von Triumphgefühlen überwältigt und hat bei der Siegesfeier in Moskau seine Generäle vorgeschickt. Er war ein gebrochener Mann, da er wußte, daß der kommunistische Traum dank Hitler ein für allemal gescheitert war.

Man muß aufhören, die Geschichte moralisch zu betrachten. Ein „völkisches Deutschland“ wäre von der Roten Armee überrannt worden! Ein „Trotzkistischer“ Kommunismus wäre im Chaos versunken und von den Westmächten hinwegfegt worden. Unter allen denkbaren Szenarien wäre die Moral in Ozeanen von Blut ertrunken. Das ist so, weil die Massen gepanzert sind und entsprechend das Desaster desto größer ausfallen muß, je mehr sie versuchen die Falle zu verlassen: Hitlers Pseudo-Biologie und Trotzkis/Stalins Pseudo-Soziologie.

Charakterologisch war der Nationalsozialismus eine Mischung aus imperialistischem schwarzem Faschismus und völkischem extremem Konservatismus, während der Stalinismus eine Mischung aus expansivem rotem Faschismus und russischem Nationalismus (Konservatismus) war. Beides erklärt, warum nach dem Untergang der beiden Regime das normale deutsche und russische Leben weiterlaufen konnte und Figuren wie Gorbatschow, Jelzin und Putin möglich waren. Oder auch groteske quasi monarchistische Regime wie Ceausescus Rumänien oder Nordkorea. Als reiner Hitlerismus bzw. Trotzkismus wären Nationalsozialismus und Kommunismus in der autoritären Ära gar nicht lebensfähig gewesen.

Heute in der antiautoritären Ära spielt der Konservatismus keinerlei Rolle mehr. Der reine schwarze Faschismus etwa in Gestalt des Islamischen Staates kollabiert ebenfalls falls instantan, wenn er sich nicht mit dem Liberalismus verbindet, wie etwa in Deutschland, wo die Grünen und die SPD den Islamismus hoffähig machen. Der rote Faschismus prosperiert in einer untrennbar gewordenen Symbiose mit dem Liberalismus. Und niemand sieht, was geschieht. Wie auch, wenn selbst die Vergangenheit tabu ist!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 7)

27. Juli 2013

Daß die Juden in den 1930er Jahren keine Freunde (und erst recht keine Macht) hatten, wird im Zusammenhang mit der internationalen Konferenz von Evian, Frankreich, 1938 evident, die als sehr wichtig, wenn nicht entscheidend für das spätere Schicksal der deutschen Juden betrachtet werden kann. Wie es bei Wikipedia zu Recht heißt, war das Ergebnis der ganzen Konferenz eine „moralische Katastrophe“ für die westlichen Demokratien, da sich viele Länder schlichtweg weigerten (mehr) Juden aufzunehmen.

Hitler tat zunächst alles, um die Juden aus Deutschland zu vertreiben, indem er ihnen das Leben unerträglich machte. Nur leider konnten die Juden nirgendwo hin. Mit Beginn des Krieges betrachtete Hitler die Juden als seine Geiseln und die Ausreise wurde untersagt. Infolge mußten die Juden die Erfolge der Alliierten mit ihrem Leben bezahlen. Keine andere Menschengruppe war jemals dermaßen verraten und verkauft – und das mitten im 20. Jahrhundert!

Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus der Hölle:

Tatsächlich, das Gas wird knapp. Immer neue Transporte kommen. Einmal, als drei Tage die Zufuhren von Menschen zum Krematorium stockten – Waggonmangel, sagte die SS –, ist Höß in Eile nach Budapest gefahren. Dann rollen wieder die Züge und die Schlote rauchen. Auch jetzt läßt er die Aktion nicht gefährden. Er gibt Befehl, daß weniger Gas in die Gaskammern eingeleitet wird. Viele werden nur betäubt, nicht mehr getötet, kommen also noch lebend auf den Loren ins Krematorium und werden so verbrannt. Und noch einen Befehl gibt Höß, um Gas zu sparen: Vor den Krematorien werden im Freien Holzstöße errichtet. In das Feuer werden die Kinder ungarischer Juden geworfen. Die Kinder deshalb, weil sie das geringste Gewicht haben. Aus jedem Transport werden starke Männer ausgesucht, die müssen die Kinder – also auch ihre eigenen Kinder – lebend in die Flammen werfen. Als letzte werden diese Männer vergast. Unsere Genossen aus Birkenau schreiben uns: „Wir sehen, wie sich im brennenden Scheiterhaufen kleine Flammenkugeln bewegen und herauskriechen.“

Aus Verbitterung darüber, daß die verfolgten deutschen Juden von der internationalen Staatengemeinschaft schmählich im Stich gelassen wurden, hatte der jüdische Schriftsteller Stefan Lux bereits 1936 eine Sitzung des Völkerbundes in Genf gestürmt, um sich vor dem versammelten Auditorium eine Kugel durch den Kopf zu schießen.

Übrigens wird dieser Vorfall anschaulich dargestellt in der Eingangsszene des preisgekrönten Spielfilms Der Stellvertreter, der schwerpunktmäßig von dem bemerkenswerten SS-Mann Kurt Gerstein (und der mangelnden Unterstützung des Vatikans für sein Engagement gegen den Holocaust) handelt

Historiker haben genug Beweise für die Tatsache gesammelt, daß die Alliierten von Anfang an über den Holocaust Bescheid wußten und sich durchaus bewußt waren, was geschah und wo es geschah. Als die Massenvernichtung in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges erst richtig begann, hatten die amerikanische und die britische Luftwaffe die absolute Lufthoheit über Deutschland und viele von der Wehrmacht besetzte Länder, so daß ihnen die Juden-Deportationen nicht verborgen bleiben konnten. Sie hatten Tausende von Fotos aus ihrer Luftaufklärung sowie zahllose Nachrichten von Agenten vor Ort. Hinzu kommt, daß Tausende deutscher Kommunisten regelmäßig nach Moskau berichteten und unzählige deutsche und polnische katholische Gemeindepfarrer den Vatikan informierten. Aber obwohl den Alliierten die Vorgänge bis ins Detail bekannt waren, warfen sie nie auch nur eine einzige Bombe auf irgendein Konzentrationslager oder auf die Schienen, die zu ihnen führten!

Göring hat sich als Chef der Deutschen Luftwaffe immer darüber beklagt, daß die Angloamerikaner aufgrund der hochentwickelten Technologien in ihren Flugzeugen „ein Ei in einem deutschen Bahnhof treffen“ könnten – aber zur gleichen Zeit waren sie offensichtlich nicht in der Lage (oder nicht willens?) ein Konzentrationslager, das viel größer als beispielsweise ein Fußballstadion ist, zu bombardieren! Ist es nicht erstaunlich, daß über Jahre hinweg die Alliierten kaum einen Finger krümmten, um dem Holocaust Einhalt zu gebieten?

Zynischerweise galt unter SS-Männern die Arbeit als Wärter in einem Konzentrationslager als „der ungefährlichste Job auf Erden“, denn während sogar die Zivilisten (einschließlich Frauen und Kindern) in den Wohnvierteln der deutschen Städte tagtäglich dem „Moral Bombing“ der Alliierten ausgesetzt waren, wurde kein KZ je bombardiert. Etwas zugespitzt kann man sagen, daß die Eisenbahnlinien in die Vernichtungslager die einzigen Verkehrswege waren, die bis zum Ende des Krieges nie bombardiert wurden, obwohl doch Millionen von todgeweihten Juden auf ihnen Tag und Nacht transportiert wurden!

Der ganze Komplex wird durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung nochmal scharf beleuchtet.

Man könnte spekulieren, ob es einen klandestinen Konsens (bzw. eine emotionale Verschwörung im Sinne Reichs) gab, wonach die Alliierten nichts unternehmen würden, um die Schoah zu stören, – um dann nach dem Krieg elegant die moralische Schuld ganz alleine den Deutschen zuschieben zu können. In diesem Zusammenhang denke ich auch an einflußreiche Amerikaner wie den Unternehmer Henry Ford, der ein glühender Antisemit war und Hitler finanziell förderte, wo er nur konnte. Man kann davon ausgehen, daß Amerikaner wie er und seine Anhänger dem applaudierten, was in deutschen Konzentrationslagern vor sich ging, und ganz begeistert waren, „daß die Nazis für uns die Arbeit erledigen“.

Daß diese Vermutung gar nicht mal so abwegig ist, hat Edwin Black in seinem Buch Nazi Nexus: America’s Corporate Connection’s to Hitler’s Holocaust gezeigt. Ford war 1920 auf eine „Mitschrift“ der angeblichen „Protokolle der Weisen von Zion“ gestoßen und veröffentlichte sie zunächst in einer 91-teiligen Serie in einer Tageszeitung, die er extra zu diesem Zweck gekauft hatte, um sie dann als Buch, The International Jew, in einer Auflage von 500 000 Stück herauszubringen und als Postwurfsendung überall im Land zu verteilen. Ein Jahr später, Anfang 1921, erschien das Buch in Deutschland und war sofort ein großer Erfolg. Ford wurde Hitlers Held, der entscheidend dessen „Weltanschauung“ prägte.

Auch ansonsten wurde Hitler von amerikanischem Denken geprägt. Die Carnegie Institution hatte seit 1911 im Namen der „wissenschaftlichen Eugenik“ Abermillionen das Recht zum Leben abgesprochen. Sie sollten der „nordischen Rasse“ Platz machen. Alle sozialen Übel seien genetisch bedingt und entsprechend sollten „minderwertige Blutlinien“, etwa 90 Prozent der Menschheit, ein Ende gesetzt werden. Zu den Plänen gehörten Sterilisationsprogramme, Konzentrationslager und Gaskammern (sic!).

Diverse eugenische Maßnahmen wurden in den Gesetzesbüchern von 27 Bundesstaaten der USA verankert. Insgesamt wurden etwa 60 000 Personen zwangssterilisiert, andere wurden interniert, ihre Ehen für ungültig erklärt oder sie wurden sogar mittels medizinischer Vernachlässigung ermordet. Die Carnegie Institution in Zusammenarbeit mit der Rockefeller Foundation exportierte dieses Gedankengut, einschließlich der Idee, daß die Juden eliminiert werden müßten, mit Millionenaufwand an die Universitäten der Weimarer Republik.

Selbst Hitler studierte während seiner Festungshaft die amerikanische Eugenik und pries in Mein Kampf die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht als Vorbild für Deutschland. Hitler schrieb Madison Grant, der Führungsfigur der amerikanischen Eugenik, einen Brief, in dem er dessen Schriften als „meine Bibel“ bezeichnete. Der Leiter der American Eugenics Society, Leon Whitney, lobte umgekehrt später die Politik des Dritten Reichs, das das in die Tat umsetze, von dem die amerikanischen Eugeniker nur träumen könnten. Und natürlich wurden die „Blitzkriege“ und der Holocaust selbst nur durch amerikanische Technologie, insbesondere von General Motors und IBM möglich.

Bei den Nürnberger Prozessen wurden viele deutsche Ärzte und Krankenschwestern für Dinge zum Tode oder zu hohen Haftstrafen verurteilt, die die „Wissenschaft“ der westlichen Demokratien vorher propagiert hatten. Die „Euthanasie“ von „minderwertigen“ oder chronisch kranken Menschen wurde bereits 1883 von dem renommierten britischen Wissenschaftler Francis Galton in der Zeitschrift National Eugenics gefordert. In der Folgezeit hatte es reichlich nicht-deutsche (europäische und vor allem amerikanische) Wissenschaftler und Politiker gegeben, die verlangten, daß Millionen von schwachen und kranken Bürgern ihrer Nationen ausgerottet werden; wegen der „Rassenhygiene“, aus wirtschaftlichen Gründen oder als „Gnadenakt“.

Euthanasie von geistig Kranken wurde in vielen Ländern, einschließlich den USA, konzipiert und praktiziert (und natürlich auf Massenbasis in der Sowjetunion), bevor die deutschen Nationalsozialisten es taten – aber diese Beweise wurden von den Alliierten unterdrückt und bei den Nürnberger Prozessen nicht als Beweismittel zugelassen, so daß es so erscheinen mußte und sollte, als ob nur die deutschen Faschisten solch eine barbarische Idee entwickeln konnten. Siehe in diesem Zusammenhang auch:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=WgpaKkrZex4%5D

Das Konzept einer „Endlösung“, die als das typische Beispiel für das „barbarische Deutschland“ betrachtet wird, wurde von dem renommierten amerikanischen Harvard-Professor Charles Davenport eingeführt, Jahrzehnte bevor die deutschen Nazis diese Idee aufgriffen. Unter US-Wissenschaftlern war es vor 100 Jahren weithin anerkannt, daß weiße „Kaukasier“ europäischer Herkunft als die „Herrenrasse“ zu gelten hatten, während Juden und die geistig oder genetisch Kranken getötet und alle Schwarzen (die als Zwischenglied zwischen Tier und Mensch galten) nach Afrika zurückdeportiert werden sollten. Diese „wissenschaftlich“ verbrämte Emotionelle Pest, deren antisexuelle Kernsubstanz jedem Unvoreingenommenen sofort ins Auge springt, war also nicht auf die „bösen Deutschen“ beschränkt, sondern sie war de facto auch bei den anderen Nationen der Welt weitverbreitet.

Es war der Hexenwahn des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, daß der Hexenwahn zu Beginn der Neuzeit ebenfalls von den damaligen „Wissenschaftlern“ getragen wurde! Und – nicht nur Reichs soziologische Arbeiten in den 1930er Jahren, sondern gerade auch seine Laborarbeit zur „Lebensforschung“ war eine bewußte Antwort auf die Nazi-Barbarei: Reich wollte der lebensfeindlichen Nekrologie seiner Zeit eine wahrhaftige Biologie entgegensetzen.