Posts Tagged ‘Selbstsabotage’

Orgonomie, LSR, Charakteranalyse und „sexualökonomisches Marketing“

16. Oktober 2026

Wer in den letzten Jahren den Inhalt des Journal of Orgonomy verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, daß es zunehmend sozusagen „oberflächlicher“ geworden ist. Keine Artikel mehr über Orgonbiophysik, und selbst die über die medizinische Orgonomie enthalten sich weitgehend eines „orgonomischen Jargons“ und könnten in einer entsprechenden nicht-orgonomischen Zeitschrift erscheinen, ohne groß aufzufallen. Das gleiche gilt für Artikel über die soziale Orgonomie, die immer mehr den Inhalt dominiert. Teilweise kann man ganze Nummern durchlesen, ohne großartig auf spezifisch Orgonomisches zu treffen.

Ganz ähnlich ist es mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt bestellt. Es ist praktisch unmöglich mit Rückgriff auf Laska selbst einem Außenstehenden zu erklären, worum es eigentlich geht; was denn der Kern, die Essenz, dessen sein soll, für das die Namen LaMettrie, Stirner und Reich stehen! Im Laufe der Jahre, also seit der „Reichianer“ Laska Ende der 1970er Jahr Stirner für sich entdeckte, reduzierte sich sein damals langsam Gestalt annehmendes Projekt immer mehr auf Rezeptionsgeschichte bzw. „Repulsionsgeschichte“. Wie in der Charakteranalyse ging es zunehmend nicht mehr um die Deutung des Inhalts, sondern um die Analyse des Widerstands eben dieses Inhalts, bis von dem überhaupt nicht mehr die Rede war. Laska wollte nicht das vollends „zerreden“, was eh abgewehrt wird!

Beim American College of Orgonomy ist es ähnlich: da alles Tiefergehende, d.h. der eigentliche Inhalt der Orgonomie durch die gepanzerte Menschheit von vornherein abgeblockt und „bestenfalls“ (was hier gleichbedeutend mit schlimmstenfalls ist) heillos mystifiziert wird, ist es besser, das Publikum da abzuholen wo es ist, also wie in einer Orgontherapie vorzugehen: mit der Oberfläche anfangen.

So sehr ich diese Herangehensweise zu würdigen weiß, halte ich sie doch für problematisch. Erstens ist es eindeutig Selbstsabotage durch „Selbstzensur“. Auf diese Weise erscheinen jeweils das LSR-Projekt und die Orgonomie als geradezu langweilig. Das Faszinosum geht flöten, das erst mal das Publikum auf einen aufmerksam macht.

Es ist wie bei einer jungen Frau, die durch ihr Outfit und Gehabe auf den ersten Blick weitaus mehr verspricht, nämlich Sex, als sie zumindest anfangs zu geben bereit ist. Was soll der Augenaufschlag, die rotbemalten Lippen, das Dekolleté und die Nuancierung aller sonstigen weiblichen Körpersignale denn anderes bedeuten als eine Aufforderung zum Koitus?! Erst danach fängt das mühsame Geschäft des langsamen Überwindens der Widerstände an, bis es dann endlich wirklich zur Sache kommt. Sie würde als alte Jungfer sterben, wenn sie von Anfang an so deeskalierend auf dem Markt des Flirtens erscheinen würde, nämlich trocken, zugeknöpft und weit entfernt von jedwedem Sexappeal!

Wenn das so weitergeht, wird das LSR-Projekt und die Orgonomie genauso enden…

Verkomplizierend kommt die gottverfluchte lebensfeindliche Pornographie hinzu, die alles vergiftet, Konfusion erzeugt und Signale wertlos macht. Genau das ist ja auch ihre pestilente Funktion! Bei der Orgonomie ist es all das „Orgonit“ und der ganze restliche „energetische“, „spirituelle“, „esoterische“ Firlefanz, so daß man das Wort „Orgon“ kaum noch aussprechen mag. Bei LSR ist es all der pseudoaufklärerische Dreck, der, wie insbesondere von Nietzsche vorexerziert, alles „LSRische“ in einer Kakophonie erstickt, die irgendwo im Niemandsland zwischen LaMettrie und DeSade, Stirner und Marx, Reich und Freud/Marcuse/Foucault wie eine Giftwolke aus Schwefelwasserstoff wabert.

Sieben Fehlinterpretationen der Orgonomie

27. April 2026

1. Sowohl bei Freud als auch bei Reich sei die Störung der natürlichen Libido-Ökonomie die Ursache der Neurose. Tatsächlich betrachtete Freud jedoch das Ich als intrinsisch zu schwach, um mit den Trieben fertigzuwerden, so daß eine neurotische Entwicklung, d.h. das Auffahren diverser Abwehrmechanismen, unausweichlich sei, solle der Mensch nicht in haltloser Perversion a la de Sade versinken. Freud und Reich waren Gegensätze, auch wenn zumindest Reich das nicht recht wahrhaben wollte.

2. Gesunde Kinder sind nicht „polymorph pervers“! Beim gesunden Kind kommen spontan nur die orale und die genitale Libido zum Ausdruck. Insbesondere die anale Libido ist ein reines Kulturprodukt.

3. Reichs Lösung für die negative therapeutische Reaktion, also schlichtweg die Selbstsabotage der Patienten, wären befriedigende sexuelle Beziehungen gewesen. Nun, dagegen besteht ja gerade die Abwehr! Die Abwehrmechanismen müssen angegangen werden, bevor die Funktion des Orgasmus überhaupt greifen kann!

4. In der Orgontherapie gibt es keine „Atemtechnik“! Es geht darum, daß spontane naturgegebene Atmen zu befreien. Patienten das „richtige Atmen“ beibringen zu wollen oder es „einzutrainieren“, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Orgontherapie ist kein „Yoga“, sondern das diametrale Gegenteil!

5. Reich habe nur im Stalinismus einen Roten Faschismus gesehen. Lenin, Stalin und Mao hätten die ursprünglich emanzipatorischen Ansätze von Marx autoritär entstellt. Nun, Reich betrachtete auch die Labour-Regierung Englands nach dem Zweiten Weltkrieg als Roten Faschismus. Roter Faschismus ist nicht nur brutale Unmenschlichkeit unter linken Vorzeichen, sondern vor allem die politische Ausbeutung und zynische Perpetuierung der Hilflosigkeit der Massen. In dieser Hinsicht war Lenin für den in dieser Hinsicht arg naiven Reich die große Ausnahme, die Reich bis zum Ende gepriesen hat, wollte Lenin doch, daß der Staat unter Beteiligung aller Arbeitenden geleitet wird und in diesem Prozeß schließlich als überflüssig „arbeitsdemokratisch“ abstirbt. Im Vergleich dazu ist der Einfluß von Marx auf Reich eher marginal!

6. Soziopathen, Psychopathen und Faschisten hätten keine „dritte Schicht“, keine soziale Fassade, die die sekundären Triebe in Schach hält. Das mache sie so gefährlich. Vollständiger Unsinn! Ganz im Gegenteil haben sie eine sehr ausgeprägte soziale Fassade, nur daß diese ganz im Dienste der sekundären Schicht steht. Der Rote Faschist gibt vor, gegen die sekundäre Schicht zu sein, – um diese dann um so besser ausdrücken zu können.

7. Im Zentrum des politischen Elends steht, daß man immer den jeweils anderen die Schuld am menschlichen Elend gibt, während man das eigentliche Problem, nämlich die Emotionelle Pest, außer acht läßt. Oder anders formuliert: Moral („der Kampf gegen das Böse“) bringt immer das Gegenteil des Beabsichtigten hervor, nämlich Unmoral, das Böse. Versucht man nun in „orgonomischen“ Kreisen Beispiele aus der aktuellen Politik für diesen Mechanismus anzuführen, wird man sofort in eine pseudo-orgonomische politische Diskussion verwickelt, bei der es darum geht, der Gegenseite die Schuld zuzuschreiben. Das eigentliche Problem, das man doch nur exemplifiziere wollte, nämlich die zugrundeliegende Emotionelle Pest, fällt so wieder unter den Tisch.

By the way: Du lebst in einem rotfaschistischen Land!

David Holbrook, M.D.: LUSTANGST: HANDELN MENSCHEN TATSÄCHLICH IMMER IN EINER WEISE, DIE MIT IHREM EIGENINTERESSE ÜBEREINSTIMMT?

25. März 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Lustangst: Handeln Menschen tatsächlich immer in einer Weise, die mit ihrem Eigeninteresse übereinstimmt