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Tote Welt, Wiederverzauberung und das Orgon

6. September 2026

Als Kind hatte ich das deutliche Gefühl, daß die Luft „lebendig“ war. Es war ein seltsames Gefühl, in der Schule erfahren zu müssen, daß es sich dabei nur um Gas handelte, Stickstoff, Sauerstoff, Spurengase. Die Welt verwandelte sich in einen toten, langweiligen Ort. Und dann die Naturwissenschaftslehrer selbst: Sie hatten immer einen emotionslosen, gelangweilten, niedergeschlagenen Gesichtsausdruck, d.h. sie waren eine Verkörperung der toten Welt, die sie vermittelten. Der Biologieunterricht war kaum besser und ging bruchlos in den Sexualkundeunterricht über.

Das ist kein Plädoyer für eine „Wiederverzauberung der Welt“, sondern für einen grundsätzlich anderen Ansatz. Um was es geht, zeigt sich daran, daß in den Medien typischerweise einigermaßen gesunde Emotionen verspottet werden; alles, was die Gefühle anspricht, wird sofort lächerlich gemacht. Interessanterweise verspotten sie niemals verzerrte Gefühle, wie sie etwa bei CSD-Paraden zur Schau geführt werden. Dort wird die Welt wie kaum sonst „verzaubert“ – und gleichzeitig alles auf totes Fleisch reduziert.

Reich zufolge leiden „etwa 80% aller Frauen an vaginaler Anästhesie und Frigidität“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 385). Nach gängigen Standards gelten immer noch 70% der Frauen als frigide. Zur Abhilfe wurde Millionen Frauen gesagt, das läge allein daran, daß die Männer nicht zu oralen und manuellen Manipulationen greifen, nicht einfühlsam und romantisch genug sind, etc. Worum es wirklich geht, nämlich das Problem der Genitalität und die Lebensenergie, bleibt draußen vor. Sie sind innerlich so tot, wie sie sich die Atmosphäre vorstellen!

Was das generelle Ausweichen vor dem Wesentlichen betrifft, muß ich an folgende weit zurückliegende Geschichte denken: Der 1992 New Age-Guru Vincent LaDuke („Sun Bear“) war ein Geschäftemacher, der vermeintlich indianische „Spiritualität“ in Form von Seminaren und irgendwelchen Gimmicks vermarktete. Ausgerechnet James DeMeo pries ihn in seiner Zeitschrift Pulse of the Planet No. 2, S. 35. Siehe dagegen dazu Roman Schweidlenka: Altes blüht aus den Ruinen, Wien 1989, S. 77.

Schwedlenka schreibt über die authentische indianische Spiritualität, z.B. der Hopis:

Die indianische Botschaft – nicht zu verwechseln mit den esoterischen Lehren der neuen Schamanen, die der spirituelle Supermarkt unserer Gegenwart zu einem großen Modetrend werden ließ – hat nichts Okkultes oder Spektakuläres: Sie besagt, daß die Erde ein lebendiger Organismus ist, der Mensch nur ein kleiner Teil desselben; Achtung und eine nicht ausbeuterische Haltung gegenüber dem gesamten natürlichen Universum, verbunden mit einem einfachen, vom Prinzip des Teilens geprägten Lebensstils sind das „Geheimnis“ für die richtigen Handlungen der Menschen. (ebd. S. 9)

Schweidlenka weiter:

Auch für den indianischen Geschäftemacher Sun Bear scheint die Radioaktivität im Gegensatz zu den durch den Uranabbau sterbenden Indianern ein Anlaß zur Heiterkeit zu sein. Bei einem Vortrag in der BRD erklärte er: „Vor zwei Jahren hatte ich ein Programm in Frankfurt und da passierte der Unfall von Tschernobyl. Die atomare Wolke kam, und für Frankfurt wurde Regen vorausgesagt. Da fing ich schnell zu beten an. Ich sagte: ‚Donnerwesen, schickt das bloß woanders hin!‘ Dann ging es in Wiesbaden herunter. Tut mir leid.“ Auf der vom Aviva Verlag vertriebenen Kassette, die diese Worte enthält, ist sodann das laute, schallende Gelächter Sun Bears und seiner Fans zu hören. „Vieles im New Age scheint die Menschen auf das Grab vorzubereiten“, schreibt die US-Zeitschrift The Merry Mount Messenger (Nr. 3/87). Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ich glaube zwar auch, daß wir uns trotz der atomaren Bedrohung eine lebensbejahende innere Einstellung bewahren und aufbauen sollten. Nur wird uns diese nicht vom Damoklesschwert des schleichenden nuklearen Todes befreien. Die auf der Positivneurose und dem Dogma „mein Bewußtsein schafft die Realität“ aufbauenden Verdummungsstrategien des Neuen Bewußtseins lenken von unserer letzen Chance auf ein Überleben ab: Der weltweiten Solidarität im kompromißlosen Widerstand gegen den atomaren Holocaust. (ebd. S. 137)

Um sich über die originale Spiritualität der Indianer ein Bild machen zu können jenseits solcher Leute wie Sun Bear verweist Schweidlenka auf das Buch: Alexander Buschenreiter: Mit der Erde – für das Leben – Der Hopi-Weg der Hoffnung (Freiburg im Breisgau, 1989).

Das erinnert mich an den alternativen Umweltgipfel in Rio 1992, der von „spirituellen Zeremonien“, Yoga-Sitzungen etc. geprägt war. Bei einer „Massenmeditation“ streckten alle im Auditorium ihren Rücken und schlossen die Augen, nur die Indios, auf die die Kamera gerichtet war, saßen hilflos da und wußten nicht, was denn überhaupt Sache ist. Sun Bear hätte sicherlich mitmeditiert und das als alte indianische Überlieferung verkauft.

Dabei liegt es mir fern „indigene Spiritualität“ zu idealisieren. In Afrika (aber auch in Teilen von Asien und sogar Südamerika) sind zusammen 230 000 000 Mädchen und Frauen beschnitten bzw. genitalverstümmelt! Das entspricht exakt der gesamten weiblichen Bevölkerung der EU! Nicht nur, daß insbesondere die schwerste und radikalste Genitalverstümmelung, die Infibulation („pharaonische Beschneidung“) praktisch tödlich weh tut (manche Mädchen sterben am Schmerzschock), sondern noch schmerzhafter ist danach die Geburt von Kindern. Und nach der Geburt muß alles wieder zugenäht werden. (Da kann man sich ja vorstellen, welches Verhältnis diese Frauen zu ihren Babys gewinnen!) Man kann sich gar keine schlimmere, grausigere Art vorstellen, einen Menschen zu foltern. Und selbst die Männer leiden, weil jeder Beischlaf für die Frau und damit auch für den Mann eine schmerzhafte Folterung ist. Und warum das ganze? Aus Todesangst vor der angeblich unstillbaren, alles zerstörenden weiblichen Sexualität (deshalb auch die Verschleierung). In Afrika breitet sich dieser Brauch durch die neuen Verkehrsverbindungen, Flüchtlingsströme, etc. auch auf Stämme aus, die ihn noch nicht kannten, denn niemand will als unbeschnitten = unrein gelten.

Gnosis

23. Juli 2026

Die Grundaussage der Gnosis ist, daß mit „der Welt“, „der Natur“, „der Schöpfung“ etwas grundlegend nicht stimmt, d.h. daß der herrschsüchtige Demiurg böse, zumindest aber verblendet ist und deshalb verhindern will, daß wir die Früchte vom Baum der Erkenntnis pflücken – und infolge seine Plantage verlassen.

Reich und Laska (bzw. mit ihm neben Reich auch LaMettrie und Stirner) wurden wiederholt der Gnosis zugeordnet, was zunächst einmal deshalb abwegig ist, da die Orgonomie und LSR auf der Überzeugung beruhen, daß „mit der Natur alles seine richtig Bewandtnis hat“ und erst die Eingriffe durch den Menschen alles durcheinanderbringen. Man lese Reichs Äther, Gott und Teufel, betrachte LaMettries auf Selbststeuerung setzenden, wenn man so will, „vitalistischen Materialismus“, Stirners pädagogischen Ansatz (die Natur des Kindes sich ungehindert entfalten lassen) und Laskas Verachtung für alle Geisteswissenschaften („Unrat!“). Mit der Natur ist alles OK. Secundum Naturam!

Woher dann überhaupt die erwähnte Zuordnung zur Gnosis? Zunächst einmal ist offensichtlich nicht „alles in Ordnung“, wenn „die Natur“ durch den menschlichen Irrationalismus dermaßen dominiert werden kann! Reich konnte diesen „Einbruch der naturfeindlichen Moral“ nicht wirklich erklären, bis er im ORANUR-Experiment und der daran anschließenden Entdeckung des DORs, feststellte, daß eben nicht alles mit der Natur in Ordnung ist. Die naturwidrige Panzerung ist identisch mit dem DOR in der Natur und es gilt, dieses DOR zu sequestrieren.

Ist das nicht Gnosis mit dem ihr inhärenten Dualismus? Reich ist bei seiner Forschung unverhofft über bisher unbekannte Funktionen gestolpert und hat entsprechend ein paar seiner älteren Formulierungen relativiert oder eher dies dem Leser selbst überlassen. Man kann da das eine oder andere „gnostisch“ interpretieren, aber macht das Reich zu einem Gnostiker?

Natürlich ging es „L + S + R“ um die Befreiung des „authentischen Ich“ vom „Über-Ich“, das man mit „Gottes Stimme in uns“ und damit mit dem unterdrückerischen Demiurgen gleichsetzen könnte, aber das ist eine bloße Gnosis-Metapher kein Gnosis-Konstrukt. Will sagen: es ist nur ein Bild wie „Meine Gedanken schwingen sich auf wie ein Adler!“, was nicht bedeutet, daß meine Gedanken sich jemals als „Adler“, äh, „materialisieren“ werden. Genauso hat LSR über eine bloße Metapher hinaus substantiell nichts mit Gnosis zu tun.

Das sieht man allein schon daran, daß Gnosis vor allem Ritual ist: mittels Astrologie, Alchimie, Sexualmagie, Evokationen, Meditation, Yoga, etc. versucht der Adept sich von dieser Welt zu reinigen und sich dem fremden Gott, Luzifer, zu öffnen. Das funktioniert nur, weil er davon ausgeht, daß die materielle Welt imgrunde Geist ist und sich alles letztendlich dem Geist unterwerfen müsse. Deine Gedanken können sich entsprechend buchstäblich wie ein Adler erheben! Die Vorstellung ist also keine bloße Metapher mehr, sondern ein Konstrukt, das Realität werden kann.

Für Reich bzw. allgemein für die Orgontherapie ist dieser Kern der Gnosis, der „rituelle Weg“ und die Denunzierung der materiellen Welt als bloße Illusion, das diametrale Gegenteil der Wahrheit nämlich Spuk, Verblendung, Negierung der Selbstregulation, Sexualverneinung, Lebenshaß, Abpanzerung und DOR.

Vielleicht etwas schief formuliert, aber doch auf den Punkt gebracht: der gnostische Adept ist wie ein leeres Glas, das gefüllt werden muß, nach Reich hingegen muß das volle Glas geleert werden.

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 3. Orgontherapie, f. Die Atemsperre

16. Juli 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 3. Orgontherapie, f. Die Atemsperre

Krokodile der Orgonomie: Östliche Weisheitslehren aus Sicht der Orgonomie

13. Juni 2026

Fünf Beispiele:

Am bekanntesten ist Hatha-Yoga, d.h. Atemkontrolle und das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen für eine gewisse Zeit, bei denen die Muskeln teilweise extrem gestreckt werden. Diese Praxis beruht auf einer dualistischen Philosophie, derzufolge der Geist den Körper und seine Triebe unterwerfen muß, um schließlich unabhängig von ihm zu werden.

Einerseits ist das praktisch identisch mit dem Panzerungsprozeß aller Individuen in kranken Gesellschaften. Kleinkinder betreiben regelrecht „Yoga“, insbesondere Atemkontrolle, um mit den inneren Erregungen fertigzuwerden, die ihnen Probleme schaffen. Andererseits weist das Bewußtwerden der körperlichen Verspannungen den Weg heraus aus der Falle. In der Praxis werden jedoch nur die Folgen der Panzerung gelindert, indem künstlich eine Parasympathikotonie hervorgerufen wird, ohne daß die zugrundeliegende Sympathikotonie aufgehoben wird. Deshalb wirken Yogi so aufgesetzt, gekünstelt und merkwürdig kränklich!

Im Karma-Yoga geht es darum, sich in seinem Tun ganz der göttlichen Ordnung anzupassen und die eigensinnigen Regungen zu überwinden. Wir haben es hier mit dem zu tun, was Freud als „Über-Ich“ bezeichnet hat: die Verinnerlichung der gesellschaftlichen Normen, so daß sie zur Stimme des Gewissens werden – etwas absolut Heiliges. Beispielsweise lehrt die ach so grandiose Bhagavad Gita den Karma-Yoga: erfülle dort deine Pflicht, wo Gott dich hingesetzt hat!

Im Bhakti-Yoga geht es letztendlich darum, die gesamte Libido auf Gott umzuleiten. Reich hat sich dazu ausführlich in Massenpsychologie des Faschismus in Bezug auf den katholischen Marienkult ausgelassen (Reich 1946).

Wenden wir uns vom Hinduismus dem Buddhismus zu:

Der japanische Shingon (Mudra/Mantra/Mandala): durch Handstellungen, das Singen bestimmter Silben und die Visualisierung bestimmter Formen, die zusammen für eine Gottheit stehen, wird man eins mit diesem Ich-Ideal. Und fünftens: In Tibet wird das durch den tantrischen „inneren Yoga“ ergänzt, d.h. die Bewußtwerdung und Manipulation der inneren energetischen Strömungen durch Willenskraft.

Mit Hilfe des Ich-Ideals (OR) versuchen wir unsere sekundären Triebe (DOR) einzuschränken und schließlich zu isolieren und auszumerzen, auf daß die Genitalität triumphieren kann. Das ist Aufgabe dessen, was man „Kultur“ nennt: wir fühlen uns „erhoben“. Das Ideal des Buddhismus ist jedoch die Überwindung der Sexualität an sich! Ähnlich ist es beim Umgang mit den inneren orgonotischen Strömen bestellt, etwa den „Schmetterlingen im Bauch“, wenn man verliebt ist. Sie werden vom Genital weg und zum Gehirn hingeleitet.

Ich muß einräumen, daß ich vollkommen verwirrt bin, wenn „Reichianer“ diesen ultra-reaktionären lebensfeindlichen Müll ausgraben und damit ihren „Reichianismus“ ausgestalten! Wunderliche Gestalten.

Sieben Fehlinterpretationen der Orgonomie

27. April 2026

1. Sowohl bei Freud als auch bei Reich sei die Störung der natürlichen Libido-Ökonomie die Ursache der Neurose. Tatsächlich betrachtete Freud jedoch das Ich als intrinsisch zu schwach, um mit den Trieben fertigzuwerden, so daß eine neurotische Entwicklung, d.h. das Auffahren diverser Abwehrmechanismen, unausweichlich sei, solle der Mensch nicht in haltloser Perversion a la de Sade versinken. Freud und Reich waren Gegensätze, auch wenn zumindest Reich das nicht recht wahrhaben wollte.

2. Gesunde Kinder sind nicht „polymorph pervers“! Beim gesunden Kind kommen spontan nur die orale und die genitale Libido zum Ausdruck. Insbesondere die anale Libido ist ein reines Kulturprodukt.

3. Reichs Lösung für die negative therapeutische Reaktion, also schlichtweg die Selbstsabotage der Patienten, wären befriedigende sexuelle Beziehungen gewesen. Nun, dagegen besteht ja gerade die Abwehr! Die Abwehrmechanismen müssen angegangen werden, bevor die Funktion des Orgasmus überhaupt greifen kann!

4. In der Orgontherapie gibt es keine „Atemtechnik“! Es geht darum, daß spontane naturgegebene Atmen zu befreien. Patienten das „richtige Atmen“ beibringen zu wollen oder es „einzutrainieren“, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Orgontherapie ist kein „Yoga“, sondern das diametrale Gegenteil!

5. Reich habe nur im Stalinismus einen Roten Faschismus gesehen. Lenin, Stalin und Mao hätten die ursprünglich emanzipatorischen Ansätze von Marx autoritär entstellt. Nun, Reich betrachtete auch die Labour-Regierung Englands nach dem Zweiten Weltkrieg als Roten Faschismus. Roter Faschismus ist nicht nur brutale Unmenschlichkeit unter linken Vorzeichen, sondern vor allem die politische Ausbeutung und zynische Perpetuierung der Hilflosigkeit der Massen. In dieser Hinsicht war Lenin für den in dieser Hinsicht arg naiven Reich die große Ausnahme, die Reich bis zum Ende gepriesen hat, wollte Lenin doch, daß der Staat unter Beteiligung aller Arbeitenden geleitet wird und in diesem Prozeß schließlich als überflüssig „arbeitsdemokratisch“ abstirbt. Im Vergleich dazu ist der Einfluß von Marx auf Reich eher marginal!

6. Soziopathen, Psychopathen und Faschisten hätten keine „dritte Schicht“, keine soziale Fassade, die die sekundären Triebe in Schach hält. Das mache sie so gefährlich. Vollständiger Unsinn! Ganz im Gegenteil haben sie eine sehr ausgeprägte soziale Fassade, nur daß diese ganz im Dienste der sekundären Schicht steht. Der Rote Faschist gibt vor, gegen die sekundäre Schicht zu sein, – um diese dann um so besser ausdrücken zu können.

7. Im Zentrum des politischen Elends steht, daß man immer den jeweils anderen die Schuld am menschlichen Elend gibt, während man das eigentliche Problem, nämlich die Emotionelle Pest, außer acht läßt. Oder anders formuliert: Moral („der Kampf gegen das Böse“) bringt immer das Gegenteil des Beabsichtigten hervor, nämlich Unmoral, das Böse. Versucht man nun in „orgonomischen“ Kreisen Beispiele aus der aktuellen Politik für diesen Mechanismus anzuführen, wird man sofort in eine pseudo-orgonomische politische Diskussion verwickelt, bei der es darum geht, der Gegenseite die Schuld zuzuschreiben. Das eigentliche Problem, das man doch nur exemplifiziere wollte, nämlich die zugrundeliegende Emotionelle Pest, fällt so wieder unter den Tisch.

By the way: Du lebst in einem rotfaschistischen Land!

Du bist nicht Wilhelm Reich! (Teil 2)

20. Oktober 2025

Reich hat die „göttliche“ Dimension durchaus nicht ausgelassen. Die Frage ist nur, was für einen Gott Reich vertreten hat. Es fing alles damit an, daß er Freuds Atheismus überwunden hatte. Stichwort „ozeanische Gefühle“ gegen Freuds allmächtigen „Geist“, Körper (Reich) gegen Gehirn (Freud), Materie (Reich) gegen Geist (Freud), Natur (Reich) gegen Kultur (Freud), der bioenergetische Kern (Reich) gegen die „bürgerliche Fassade“ (Freud).

Genau hier beginnt die „Reichianische“ Mystik: die Spiritualität dieser Leute ist verkopft, verschroben und kompliziert, ist inspiriert von fernen Kulturen und lange zurückliegenden Zeiten und sie hat so gut wie nichts mit einem unmittelbaren Ausdruck des bioenergetischen Kerns zu tun.

Das ganze ist ein einziges Angebot, dem bioenergetischen Kontakt, dem „ozeanischen Gefühl“, „nach oben“ zu entkommen. In den Augen wegzugehen. Jedenfalls finde ich diesen Augenausdruck bei fast allen „Reichianern“. Er entspricht exakt dem, den man auch findet, wenn man nachts über die Reeperbahn geht und die Augenpartie der Sehmänner betrachtet, die die Sexshops, Pornokinos und Liveshows verlassen.

Die Entsprechung geht sehr weit. Man stelle sich vor, man sitze auf einer Parkbank und erlebt einen grandiosen Sonnenuntergang. Reicht dieses Erleben nicht vollkommen aus? Wäre es nicht eine ekelerregende Perversion, dabei anthroposophisch über den „Sonnengeist“ Christus und seine Blutspende für die Erde zu sinnieren oder an Ra, den ägyptischen Sonnengott, zu denken oder sich auf das Sonnen-Chakra zu konzentrieren und dabei die entsprechenden Mantras zu murmeln. Das wäre das Gegenteil von echter Spiritualität. Hingabe vs. Mind-Fucking.

Charakteristisch für solche Menschen ist auch, daß sie wirkliche Spannung nicht ertragen können, wie sie um Leute wie Reich und Jerome Eden herrschte. Das läuft ungefähr so ab: sie sehnen sich nach „action“ und Kontakt, dann kommt tatsächlich „action“ und Kontakt und sie flüchten „nach oben“ und träumen weiter von „action“ und Kontakt. Eine „spirituelle“ Stufenleiter, die zu immer mehr „Vergeistigung“ führt.

Ich kann an all dem, was uns an „Reichianischer“ angeblicher „Esoterik“ geboten wird, beim besten Willen nichts erkennen, was das orgonomische (for lack of a better term) Paradigma sprengen würde. Ganz im Gegenteil zeigt es nur mal wieder, wie vollkommen überflüssig die „spirituelle“ Ebene ist; daß sie nur eine einzige Funktion hat: vor den ozeanischen Gefühlen, vor der Überflutung des Ich zu bewahren. Es ist ein verzweifeltes Festklammern von Leuten, die ohne diesen Anker, in ihrer Psychose ertrinken würden.

Flucht! Dazu paßt auch das manische Ansammeln diverser Therapietechniken. Wie mal ein südindischer Ayurveda-Arzt gesagt hat: Ich habe 30 Jahre gebraucht, um mich in dieses System auch nur ansatzweise einzuarbeiten – während europäische Ärzte einen dreiwöchigen Kursus machen und dann als „Ayurveda-Spezialisten“ firmieren. Dieses wirre Kraut-und-Rüben-Herumtherapieren kann nur kontraproduktiv sein.

Da reiht sich dann die „Körpertherapie“ ein. Allein schon der Begriff „Körpertherapie“! Entweder weiß man, was man tut, oder man weiß es nicht! Entweder kann man 50 Meter weit schwimmen oder man ertrinkt auf dieser Strecke. Entweder ist man Orgontherapeut oder man ist es nicht. Entweder man ist Chirurg oder man ist es nicht – und Orgontherapie ist nichts anderes als (biophysische) Chirurgie!

Und dann immer dieses Halbwissen. Da ist dann beispielsweise von „Tao-Yoga“ die Rede, das irgendwie mit der „Orgontherapie“ gleichgeschaltet wird. Erst mal werden hier zwei Kulturkreise zusammengemanscht, die wenig miteinander verbindet. Yoga dient der Meisterung des Körpers, damit er der Meditation nicht im Wege steht: der Körper wird wie ein Esel gezüchtigt und unter das Joch (= Yoga) gespannt; die Seele soll hier auf Erden schon genauso frei und unabhängig vom Körper sein, wie später im Tode. Taoistische Übungen andererseits dienen nun weniger der Vergeistigung, sondern ganz im Gegenteil dem Drang nach einem ewigen körperlichen Leben (da der Taoismus ursprünglich kein Leben nach dem Tode kannte), indem die Lebenssäfte nicht sinnlos verausgabt werden: insbesondere durch Coitus reservatus und die Unterdrückung aller Emotionen und Affekte. Beide Traditionen sind im Zen in eins geflossen: die Apotheose des Sitzens und der Unterdrückung aller Gefühle.

Zerschlag das einheitliche Orgon mit deiner blockierten Wahrnehmung und deiner von „Reichianischen“ „Therapien“ irreversibel zerstörten biophysischen Struktur und du hast ein Trümmerfeld vor dir aus abgespaltenen Kräften: Engel-Geistern aus der spirituellen Welt vs. den Dämonen aus der materiellen Welt. Und dein ganzes späteres Leben dreht sich darum, diesen kosmischen Kampf mit Hilfe von „Energiearbeit“ auszufechten.

Ich bin mir sicher, daß ein Mensch, der spürt, wie sein Gehirn sich peristaltisch bewegt (das eigentliche Zeichen eines befreiten okularen Segments), anstatt in einem ständigen „Krampf der reinen meditativen Anschauung“ unbeweglich im Schädel zu ruhen – daß solch ein Mensch gar nicht in der Lage ist, die existierenden östlichen Meditationspraktiken auszuüben. Das ist wie mit der Verdauung: warum sollte ein in dieser Hinsicht gesunder Mensch, sich hinsetzen und „Verstopfung“ üben, um sich der Verdauung bewußt zu werden?! Und das täglich!

Was bedeutet eigentlich „Spiritualität“? Spiritualität ist die Kunst der Unterscheidung. Die Fähigkeit z.B. wahre Kunst von Mist zu unterscheiden. Angesichts dessen, was heute als „moderne Kunst“ gilt, kann man den spirituellen Verfall ablesen. Von dem degoutanten MÜLL, der uns als Esoterik verkauft wird, will ich gar nicht erst reden! Echte Spiritualität ist das Vermögen, wirkliche Tiefe von oberflächlichem Dreck, wie er zu 99,9 Prozent in „Esoterikläden“ angeboten wird, zu unterscheiden.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Yoga” und folgende

4. Juni 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Yoga“ und folgende

Rationalität und Irrationalität des Religiösen

11. April 2025

Charles Konia befaßt sich in seinem Artikel „Applied Orgonometry IV: Mysticism“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 39, No. 2, Fall/Winter 2005, S. 60-69) u.a. mit einem recht überzeugenden Argument gegen die von Elsworth F. Baker entwickelte „sozio-politische Charakterologie“, derzufolge Konservative („verzerrter Kontakt zum Kern“) zum Mystizismus neigen, Liberale („fehlender Kontakt zum Kern“) eher zum Mechanismus. Seit den 1960er Jahren, d.h. seit dem Aufkommen der antiautoritären Gesellschaft, hat nämlich die Linke ein auffallendes Interesse für den Mystizismus gezeigt.

Wie diesen offensichtlichen Widerspruch erklären? Bakers Formulierungen gehen nicht tief genug, d.h. der alles entscheidende bioenergetische Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen wird nicht klar formuliert: bei Konservativen steht die Emotion und das im Solar Plexus zentrierte „orgonotische System“ im Mittelpunkt, bei Liberalen die Sensation und das im Zentralen Nervensystem zentrierte „energetische Orgonom“.

Entsprechend können sich Liberale durchaus vom Ersatzkontakt „Mystizismus“ angesprochen fühlen, solange dieser ein „Head Trip“ bleibt. Während der „emotionale Rechte“ sich dem „unergründlichen Ratschluß Gottes“ unterwirft, versucht der „zerebrale Linke“, der sich zum Mystizismus hingezogen fühlt, die Welt in ihrem Innersten zu ergründen. Ein Gutteil dessen, was heute unter dem Titel „Orgonomie“ und 100 Prozent dessen, was unter dem Titel „Reichianismus“ abläuft, entspricht dieser Art von mystischer Perversion. Es ist Neurose, wenn nicht Emotionelle Pest und nichts außerdem.

Im Gegensatz zu den Mystikern der Rechten glauben die Mystiker der Linken, daß man im Diesseits Gesundheit („Ganzheit“) und Glück erlangen kann: holistische Medizin, spirituelles Wachstum, „Heilung“, etc. Typischerweise geht es um das Erlangen eines „höheren Bewußtseins“. Die Wahrheit hänge von der Sichtweise des Einzelnen ab, alles ist „relativ“. Von den etablierten Religionen, insbesondere aber von „Gott, dem Vater“ will man nichts wissen. Alles sei machbar.

Allen Arten von Mystizismus ist gemeinsam, daß sie Ersatz für sexuelle Befriedigung sind. Oder mit anderen Worten: ohne orgastische Impotenz kein Mystizismus.

koniamystik

Der Panzer verzerrt die ursprünglichen sexuellen Empfindungen und an ihre Stelle tritt der mystische Ersatzkontakt. Dieser ist antisexuell und gleichzeitig eben das: Ersatz für Sexualität. Bei den einen ist die Angst vor der Sexualität unmittelbar an die autoritäre Vaterfigur bzw. „Gott“ gebunden, bei anderen sind es pseudowissenschaftliche Theorien, die die antisexuelle Haltung rationalisieren. Man denke nur einmal daran, wie linke „Reichianer“ die Orgonomie mit Tantra, Taoismus, Yoga, Buddhismus und anderem extrem antisexuellen Theorien „erweitern“!

Zusammenfassend kann man sagen: Die religiösen Anwandlungen des Konservativen können inspirierend sein und auf tiefe zugrundeliegende Wahrheiten verweisen. Das zeigt sich etwa in Reichs Umgang mit dem Christentum in Christusmord. Die Entsprechung beim Linken bzw. „Liberalen“ ist fruchtlos, im Zweifelsfall destruktiv, in jedem Fall aber schlichtweg meschugge.

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Psychopharmaka” und folgende

16. Februar 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Psychopharmaka“ und folgende

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Phantasie” und folgende

31. Januar 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Phantasie“ und folgende