Archive for the ‘Psychologie’ Category

Die Sexualökonomie der modernen Pop-„Musik“

15. April 2017

Was heute aus dem Radio in unsere Ohren geschissen wird, wird von Jahr zu Jahr beschissener. Diese „Musik“ stachelt durch ihre Rhythmen und durch ihre wohlkalkulierten hypnotischen Melodien unsere organismische Orgonenergie an und verheißt entweder sentimentale „Liebe“ ohne die Gefahr körperlicher Nähe oder den schnellen Fick ohne die Gefahr seelischer Nähe, d.h. man wird auf keinen Fall „verletzt“.

So war es schon in den Goldenen Zwanziger Jahren. Reich beschreibt das 1932 wie folgt, wobei man „Jazz“ durch „Pop“ ersetzen muß – aber ansonsten das paßgenau auf heute übertragen kann. Reich:

[D]ie soziale Revolution befreit die Frauen nicht nur von ihrer materiellen Ausbeutung durch die Unternehmer und von ihrer Versklavung durch ihre Ehemänner sondern auch von der Unterdrückung ihres Sexuallebens und ihrer sexuellen Entwicklung. Und gerade das müßten wir all jenen Mädeln sagen, die, wie wir genau wissen, viel über diese Dinge sprechen, aber nicht zu uns in die Organisation kommen, weil sie glauben, daß sie das politische und sexuelle Wissen nicht notwendig haben. Diese Mädels, die auf dem Tanzboden sexuelle Befriedigung suchen, sich dabei verbrauchen und dadurch dem Kampf um die Befreiung der Frau verlorengehen, müssen wir heranziehen; wir müssen sie mit allen Mitteln für uns gewinnen; bei uns können sie doch den heute einzig möglichen Ausweg aus ihren Nöten finden. Denn drüben, im Lager der Kirche, der Bars und des amerikanischen „Jazz“ werden sie nicht nur materiell unterdrückt, sondern auch sexuell an ihrem Körper ausgebeutet, dort gehen sie körperlich und seelisch schließlich zugrunde, nachdem sie eine kurze Zeit, betäubt von dem Firlefanz des Lichterscheins und der bürgerlichen Lebensart, glauben, daß sie darin ihren Lebensgenuß finden. Sie gehören hierher zu uns, wo sie statt eines späteren Zusammenbruchs durch Geschlechtskrankheiten, seelische Erkrankung oder bürgerlich trostlose Ehe ein Leben zwar des harten Kampfes, aber auch der geistigen Befriedigung, des Sports und unter günstigen Umständen ein befriedigendes Sexualleben finden, was sie dort ja nur vergebens erwarten. Sie gehören in die Front gegen die schamlose Erniedrigung und Ausbeutung des weiblichen Geschlechts wie des gesamten Proletariats kämpfenden Mädels und Frauen, die den Sieg der unterdrückten Klassen über die Ausbeuter herbeiführen und den Sozialismus begründen wird. Es ist unsere Sache und Pflicht, sie davon zu überzeugen. (Der sexuelle Kampf der Jugend, S. 36)

Die Drecks-„Musik“, die uns die Massenmedien andienen, spielt unmittelbar mit der „Ausdrucksbewegungen des Lebendigen“ und damit der organismischen Orgonenergie. Sie tut das, indem genitale Liebe („große Musik“, Gefühlsernst) durch pornographischen Dreck („Lady Gaga“) ersetzt wird. Reich schrieb Mitte der 1940er Jahre:

Jeder musikalische Mensch kennt den Emotionszustand, den große Musik hervorruft. (…) Sie ist (….) ein Bewegungsausdruck des Lebendigen und ruft im Hörer „Ausdruck“ oder „Bewegtheit“ hervor. Man pflegt die Wortlosigkeit der Musik entweder als Zeichen von mystischer Geistigkeit oder aber als allertiefsten, in Worten nicht faßbaren Gefühlsausdruck zu bezeichnen. Der naturwissenschaftliche Standpunkt bekennt sich zur Deutung, daß der musikalische Ausdruck mit letzten Tiefen des Lebendigen zusammenhängt. Was man als „Geistigkeit“ großer Musik betrachtet, wäre demnach nur eine Umschreibung der einfachen Tatsache, daß Gefühlsernst identisch ist mit Kontakt mit dem Lebendigem jenseits der Sprachgrenze. (Charakteranalyse, Kiwi, S. 475)

Es gibt nichts Traurigeres, als ein junges Ding auf der Tanzfläche, dem von den Dreckschweinen in den Konzernspitzen seine Seele genommen wird, während es selbst glaubt, endlich frei zu sein.

Der linke Schwulinkski Wilhelm Reich

6. April 2017

Bei Freud ist eine Sexualbetätigung dann pervers, wenn sie auf das Fortpflanzungsziel verzichtet, bzw. es noch nicht erfüllen kann (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Frankfurt: Fischer Taschenbuch, 1992, S. 302). Dementsprechend muß Freud seinen Schüler Reich als ebenso pervers eingestuft haben, wie etwa einen Homosexuellen, jemand der sein „Steckenpferd reitet“ und die von der Fortpflanzung losgelöste Genitalität fetischisiert.

Die orgonomische Haltung zur Homosexualität hat Reich bereits 1932 in Der sexuelle Kampf der Jugend abschließend zusammengefaßt: Homosexualität ist eine Fehlentwicklung, die man, im Gegensatz zur Heterosexualität, behandeln kann. Der Krankheitswert zeigt sich auch daran, daß beim Homosexuellen die Befriedigung geringer ist als beim vergleichbaren Heterosexuellen. Doch solange die sexualfeindliche Erziehung Homosexualität erzeugt und die Betroffenen glücklich sind und nicht geheilt werden wollen, geht ihre Homosexualität niemanden etwas an.

Aus seiner großem psychoanalytischen Erfahrung heraus ist Reich zu dem Schluß gekommen, „daß die meisten ‚Homosexuellen‘ ihre Besonderheit einer Fehlentwicklung in ihrer Kindheit verdanken, und daß die Fixierung im allgemeinen um das vierte Lebensjahr herum erworben wird, weshalb ihr Ursprung den Betoffenen außerhalb des Bewußtseins bleibt. Reich konnte in zwölf Fällen eine Heilung erreichen, so daß zuvor Homosexuelle ein unwillkürliches Verlangen nach Frauen empfanden“ (Max Hodann: History of Modern Morals, S. 57, 1937 in England erschienen, 2013 von James DeMeo nachgedruckt).

Apropos Hodann: hier seine Beschreibung der Leunbach-Affäre, die das Ende der Sexpol markierte: Politischer Abtreibungsprozeß in Dänemark.

nachrichtenbrief5

1. April 2017

nachrichtenbrief3

28. März 2017

nachrichtenbrief2

26. März 2017

Der naive Wilhelm Reich

24. März 2017

Der genitale Charakter (etwa Reich oder William Blake) und der liberale Charakter (etwa Rousseau) haben eines gemeinsam: beide glauben, daß der Mensch im Wesentlichen gut ist. Der genitale Charakter übersieht die sekundäre Schicht und sieht nur den Kern (Reichs berühmte „Naivität“). Der kontaktlose Liberale sieht nur die Fassade (die liberale „Naivität“). Konservative wie Edmund Burke oder Montesquieu betrachten den Menschen im Wesentlichen als böse. Deshalb treten sie für die traditionellen restriktiven Institutionen (Religion, Monarchie, Klassenstruktur) ein und plädieren für Gewaltenteilung (wie sie in der Verfassung der USA klassisch verwirklicht ist); eine Art „Panzerung“ (check and balances), die die sekundären Triebe in Schach hält.

Schopenhauer und Reich (Teil 2)

19. März 2017

Das zweite, was bei mir an jenem Sonntagvormittag haftengeblieben ist, war die folgende Aussage Safranskis:

Schopenhauer war kein Buddha, und zu seinem Glück zwang er sich auch nicht dazu, es werden zu wollen. Klug ist er jener Tragödie ausgewichen, die darin besteht, daß einer versucht, den eigenen Inspirationen, den eigenen Einsichten hinterherzuleben. Schopenhauer hat sich nicht mit sich selbst verwechselt. Denn es geht nicht gut aus, wenn man versucht, sich selbst beim inspirierten Wort zu nehmen, versucht, es zu „verwirklichen“, „umzusetzen“, „anzueignen“. Man sollte das Selbst geschehen lassen. Selbstgeschehenlassen und nicht Selbstaneignung ist das Geheimnis des Schöpferischen.

Man denke an Freud und die restlichen Psychoanalytiker, die ironisch und mit kaum verhohlener Verachtung auf Reichs Gesundheitskonzept reagiert haben („orgastische Potenz“). Bis zum heutigen Tag werden genüßlich die vermeintlichen und wirklichen neurotischen Züge bei Reich hervorgekehrt. Ein Mann, „der sich mit sich selbst verwechselt hat“, und schließlich an der Eigenstilisierung scheiternd ein tragisches Ende genommen hat.

Zunächst einmal ist hier einzuwerfen, daß Reichs aller erster Beitrag, sein Vortrag über Peer Gynt vor der psychoanaltischen Vereinigung im Jahre 1919 genau davon handelt: dem Konflikt zwischen dem Draufgänger, der das Leben lebt, und den ach so klugen „Schopenhauern“, an denen das Leben vorbeizieht.

Tatsächlich geht es um die Todesangst vor Bewegung, vor der Hingabe, vor der Konsequenz. Es ist genau jene Angst, die uns in der Falle hält – und die Safranski als höchste Weisheit preist.

Ihr haßt Reich, weil ihr das Lebendige haßt! Ihr habt Angst von der Bewegung der Lebensenergie in euren Gliedern zerrissen zu werden. Eure gesamte Weisheit, all eure Philosophie und „Wissenschaft“ ist Ausdruck dieser Angst. Was ihr verbreitet, ist nicht nur wertloses Geschwafel, es ist mörderisches Geschwafel!

Schopenhauer und Reich (Teil 1)

18. März 2017

Vor Jahren habe ich zufällig bei der sonntäglichen Hausarbeit einige Stellen aus einer Radiosendung über Schopenhauer mitbekommen. Das übliche bildungsbürgerliche Geschwafel, von dem jedoch zwei Stellen bei mir haften geblieben sind.

Zunächst einmal folgende Aussage des Schopenhauer-Biographen Rüdiger Safranski:

Schopenhauer hat vom Leib, vom Willen, vom Leben gesprochen ohne Messianismus. Unser Leib wird uns nicht erlösen, unser Wille auch nicht. Er hat die Ohnmacht der Vernunft gegenüber dem Willen drastisch gezeigt. Aber er war „der rationalste Philosoph des Irrationalen“ [ … ]. Er wußte: man muß dem Schwächeren beistehen, der Vernunft. Für die Torheit, den Willen, diesen Riesen, zu sich selbst befreien zu wollen, hatte er nur Verachtung übrig.

Ich glaube, dieser Gedanke, bzw. diese Gefühlslage, bestimmt einen Gutteil der „Reich-Hasser“, selbst wenn sie es so nicht ausformulieren können. An dieser Front spielte sich auch der Konflikt zwischen Freud und Reich ab.

Das tragische an dieser Auseinandersetzung ist, daß es die grundsätzlich falsche Front ist. Es geht nicht darum, den „rationalen Geist“ gegen die „irrationalen Triebe“ zu verteidigen, sondern darum rationale (primäre) Triebe von irrationalen (sekundären) Trieben zu scheiden, rationale von irrationalen Vorstellungen. Ich denke dabei beispielsweise an die vollkommen irrationalen Vorstellungen der „Schopenhauers“ und „Freuds“ über Kindererziehung, in deren Folge weiterhin primäre in sekundäre Triebe verwandelt werden und die Unvernunft immer weiter wuchert.

Daß ein Volkspädagoge wie Safranski diesen verhängnisvollen Ungeist im 21. Jahrhundert mit der Geste des großen, illusionslosen Aufklärers noch immer verbreiten kann, ohne sich lächerlich zu machen… Das meinte ich mit „bildungsbürgerlichem Geschwafel“. Was für ein Mief, was für ein ekeliges Miasma!

Eine Ergänzung zu „Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht“

17. März 2017

Oh Mensch! Geb Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit
will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Nietzsches Gedicht faßt sein Konzept der ewigen Wiederkehr des Gleichen zusammen. Worum geht es? Warum ist die Welt „tief“? Was ist die ewige Wiederkehr? Was hat es mit dem Weh und mit der Lust auf sich?

Die Welt ist tief, weil es diesen Moment wirklich gibt! Und zwar in zeitlicher und in räumlicher Hinsicht. Die Welt ist kein flüchtiger Schein hinter der es eine „wirkliche Welt“ gibt. Jeder Moment ist von unendlicher Bedeutung, ist buchstäblich ewig, weil er sich EXAKT so bereits unendliche Male ereignet hat und sich EXAKT so in Zukunft unendlich oft wiederholen wird. Warum? Weil die Welt eine Einheit ist und zwar in existentieller Hinsicht. Das bedeutet, ich und die Welt sind eins. Wiederholt sich alles so, wie es jetzt ist, mit dem einzigen Unterschied, daß sich eine Amöbe auf dem Beinhaar einer Spinne im Amazonas nicht nach links, sondern nach rechts bewegt, dann ist das nicht dieser Moment – es wäre nicht mehr ich. Ich bin mit allem unlösbar verbunden. Das ist auch der Grund, warum sich alles unendlich oft wiederholt – wie ein unerbittliches, grauenerregendes Uhrwerk.

Das ist Nietzsches Philosophie. Kein Wunder, daß er sie nie explizit formuliert hat, denn allzuschnell wird das zu einer mehr als wackligen Trivialität, was ihn zutiefst erschüttert hat. Aber vergessen wir sein mechanistisches Modell! Was Nietzsche beschreibt, ist das Gefühl von Kontakt, das mit dem ewigen Kreislauf der Kreiselwelle und dem ewigen Wechsel von Expansion und Kontraktion verknüpft ist. Ihr höchster Ausdruck ist die orgastische Plasmazuckung. Diese Erfahrung ist grundsätzlich anders, als was Mystiker sich darunter vorstellen.

Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Eine Ergänzung zu „Peter der Griesgrämige“

16. März 2017

Betrachten wir zunächst die Hauptgleichung der Orgonomie (hier in sehr verkürzter, „amputierter“ Form!):

Zutiefst haben wir die „orgonotische Strömung“. Was das ist, wird am ehesten noch anhand der Orgontherapie deutlich. Die Beseitigung der Augenblockierung führt zum Kontakt mit der Umwelt (dreidimensionales Sehen), die Beseitigung der Zwerchfellblockierung zum Kontakt mit dem eigenen Selbst, dem Körper (dreidimensionales Fühlen) und die Beseitigung der Beckenblockierung zum Kontakt mit dem Kosmos (orgastische Potenz). Dies geht jeweils einher mit einem Gefühl zunehmender Tiefe. Zunächst sieht man die atmosphärische Energie, dann, nach der Öffnung des Zwerchfells, fühlt man sie durch die eigenen Glieder fließen (und lernt entsprechend den Körper wirklich als dreidimensionales Gebilde zu empfinden) und schließlich wird man eins mit diesem Fließen, d.h. wird eins mit der kosmischen Strömung, die in ihrer Überlagerung die Galaxien und damit die Materie aus dem primordialen Orgonenergie-Ozean bildet. Hier setzt die Panzerung an. Indem sie die orgonotische Strömung unterbindet, macht sie die Welt flach, raubt ihr jede Tiefe und führt bei den gepanzerten Menschen zu Derealisation, Depersonalisation und einer generellen orgastischen Impotenz.

Konkret kommt die orgonotische Strömung in der kreiselwellenartigen Bewegung (dem „Orgonom“, siehe Die kosmische Überlagerung) und der orgonotischen Pulsation (siehe Äther, Gott und Teufel) zum Ausdruck.

In der alten, autoritären Gesellschaft führte die Abpanzerung der orgonotischen Strömung dazu, daß die Menschen einseitig aus dem durch das autonome Nervensystem (Plexus solaris) verkörperte orgonotische System heraus empfanden und entsprechend eine konservative, reaktionäre, wenn nicht faschistische Charakterstruktur hatten. In der neuen, antiautoritären Gesellschaft ist es zu einer ebenso einseitigen Verschiebung hin zum Orgonom gekommen, das durch das zentrale Nervensystem verkörpert wird. Die Menschen sind „zerebral“ und von ihren Emotionen getrennt, entsprechend liberal, sozialistisch, wenn nicht kommunistisch strukturiert. Den Unterschied sieht man im gesamten Auftreten. Man vergleiche etwa einen heutigen „typischen Deutschen“ mit einem typischen Türken! Ein „Erdogan“ wäre heute in Deutschland undenkbar!

Aus der obigen Gleichung ist ersichtlich, daß sich die Kreiselwelle in der „Welle“ und im „Puls“ äußert, die Pulsation selbstredend in Expansion und Kontraktion.

Die „Welle“ steht für den Schwung nach vorne, wie er etwa archetypisch im Sprung des Tigers zum Ausdruck kommt – oder in der Flucht der Gazelle. Dem Sprung ging ein mühsames und langwieriges Verfolgen und Lauern voran, der wilden Flucht das Grasen. Das letztere steht für den „Puls“, das „Mahlen auf der Stelle“, die Arbeit am Kleinklein. In der autoritären Gesellschaft „lebte man, um zu arbeiten“. Nur so waren die horrenden Kriegsanstrengungen und das Wirtschaftswunder möglich. Für den antiautoritären Menschen sind das „Sekundärtugenden, die Auschwitz erst möglich gemacht haben“. Arbeit ist eine Last („Ausbeutung“), stattdessen wird umverteilt und konsumiert, man gibt sich der Hedonie hin.

Die entsprechenden Erörterungen über Kontraktion und Expansion erübrigen sich ebenso, wie eine detaillierte Beschreibung, wie sich diese energetischen Funktionen in der neueren Geschichte des Kapitalismus widergespiegelt haben bzw. wie dessen Entwicklung wiederum die jeweiligen Charakterstrukturen perpetuierten. Man braucht nur die Augen aufmachen!