Posts Tagged ‘liberal’

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 5)*

5. April 2018

von Paul Mathews

Durch dieses Verhalten zeigt der moderne Liberale, dass er nicht wirklich „liberal“ ist, sondern tatsächlich ein pestkranker Charakter mit einer langen Geschichte der Unterstützung für die subversivsten zerstörerischen Kräfte in der Gesellschaft – und alles im Namen der Humanität!

Der ehemalige polnische kommunistische Funktionär Wladyslaw Tykocinskin deckte bei der Diskussion der Strategie der kommunistischen Geheimdienste im Westen auf:9

Ihr sucht im Inland immer nach Kommunisten. Aber sie – die echten Kommunisten des Geheimdienstes – wollen keine Kommunisten. Sie wollen Bürger mit Geld und Einfluss. . . . Sie umschmeicheln die Intellektuellen und die nicht-kommunistischen Linken und lassen sie die Arbeit machen. Sie wollen sie nicht als Mitglieder der Kommunistischen Partei, sondern als Strohmänner, die Zugang zur Gesellschaft haben. . . . Um der Welt zu beweisen, dass du die Welt rettest und dass du die Welle der Zukunft bist, brauchst du respektable Menschen – keine Arbeiter, sondern Studenten, Lehrer, Kirchenmänner, Professoren und Ärzte.

Wenn wir die Liberalen dafür verurteilen, dass sie sich Modju zur Verfügung gestellt haben – berufen wir uns bloß auf das Prinzip „schuldig, weil gedanklich eine Verbindung hergestellt werden kann“? Nicht ganz, denn funktionell gesehen, ist die Wahl derer, zu denen du dich gesellst, Produkt deiner Charakterstruktur und eine Projektion deiner Identifikationen. Der wichtigste Punkt ist, dass der moderne Liberale ein Pestcharakter ist, der Modju genausoviel benutzt, wie Modju ihn benutzt – wie ein Paar in einer sado-masochistischen Beziehung. Er braucht Modju, um seine neurotische Abwehr intakt zu halten; er kann unverfälschte Aggression, er kann das Leben nicht ertragen. So versteckt er sich hinter Modju, der ihn benutzt, und plädiert, wenn nötig, auf unschuldig: „Du siehst, ich bin nicht des Verrats schuldig. Ich wurde von Modju reingelegt.“ (Fassade, oberflächliche Schicht.)

Modju dagegen funktioniert im Wesentlichen von der sekundären Schicht aus, mit einem Lippenbekenntnis, andere gegen diese Schicht zu verteidigen.10 Paradoxerweise ist er sowohl offener, bzw. direkter, als auch subversiver als der Liberale. Der Liberale ist in seinen Übertretungen weniger offensichtlich und macht sich sogar selbst vor, dass er ein „herzensguter“ und „fairer“ Kerl sei, ohne zu wissen, dass es „Herzensgüte“ und „Fairness“ im Dienste von Niedertracht und Ungerechtigkeit ist, um Reich zu paraphrasieren (5).

 

9 New York Times, 8. März 1967.

10 Siehe das Schema der sozio-politischen Charaktertypen (1, S. 126).

 

Anmerkungen der Übersetzer:

n Leiter der polnischen Militärmission in West-Berlin (1957-1965), lief am 16. Mai 1965 zu den Amerikanern über.

 

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

5. Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 4, Nr. 3

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 2)*

27. März 2018

von Paul Mathews

Reich hat erklärt: „Die schändliche Kreuzigung Christi ist nur zu verstehen, wenn wir die verborgenen, hinterhältigen und wohldurchdachten Methoden der emotionalen Pest gründlich durchschauen“ (4)b. Den modernen liberalen Charakter müssen wir in diesem Zusammenhang verstehen, denn er ist in der Tat ein emotionaler Pestcharakter, dessen Funktionsweise das menschliche Glück zerstört; einer, der wie der Rote Faschist das Leben im Namen seines Schutzes zerstört. Er ist zahlreicher als die professionellen und ideologischen Sozialisten oder Kommunisten (obwohl, einer von ihnen zu sein, seine nächste Stufe der politischen und charakterologischen Abwärtsentwicklung sein wird). Er ist daher bedeutender und einflussreicher als sie, da er in einer viel besseren Position ist, um eine größere Anzahl von Menschen zu täuschen. Er täuscht durch seinen Anschein der politischen Objektivität und mit seiner wortgewandten Intellektualität; er verschleiert damit seine charakterologische Vorliebe für Kollektivismus und „Pazifismus“ und seine von Schuldgefühl motivierten Konzepte von Gerechtigkeit und Bürgerrechten. In zukünftigen Artikeln hoffe ich, die spezifischen menschlichen Probleme, die durch das Dilemma der liberalen Charakterologie entstehen, eingehender zu erforschen. („Liberaler“ bedeutet in diesem Artikel zukünftig „moderner Liberaler“, sofern nicht anders angegeben.)

In seinem Artikel „Die Wahrheit versus Modju“ sagt Reich (5):

Der „liberale Geist“ ist in Bezug auf diese Toleranz auf eine sehr schlechte Weise vom rechten Weg abgekommen. Es wird bald ganz klar werden, dass unter dem Deckmantel dieses Schutzes, den die Pest genießt, unzählige Morde begangen wurden . . . nur für Modju.
So sind solche [liberalen] Slogans mehr als gehaltlos. Sie sind mörderisches Gerede . . .

In Christusmord sagt er (4)c:

Der „Christusmord“ wird geschützt durch . . . OFFENE VERTEIDIGUNG DES MÖRDERS, wenn und sofern es geschieht, dass mit dem Finger auf ihn gezeigt wird, Verteidigung insbesondere durch sogenannte „Liberale“.

Obwohl Reich den Begriff „moderner Liberaler“ nicht verwendete, ist aus seinen vielen Verweisen auf diese „sogenannten ‚Liberalen‘“ offensichtlich, dass es sich genau um den Charaktertypus handelt, den er meint. Kann man leugnen, dass „mörderisches Gerede“ und „OFFENE VERTEIDIGUNG DES MÖRDERS“ symptomatisch für pestartiges Verhalten sind?

Bei der Klärung der Natur des Pestcharakters hat Reich weiter ausgeführt: „Da jede Wahrheit die Frustration innerhalb des Organismus vergrößert, muss der Pestcharakter unbedingt die Wahrheit hassen“ (5). Es ist dieser Hass auf die einfache Wahrheit, der die wahnsinnigen intellektuellen Begründungen der Liberalen hervorbringt und die erstaunliche Blindheit hervorruft, die ihre Wahrnehmungen und Ideen charakterisiert. Wie oft wird der Begriff „undifferenziert“ abwertend und mit Verachtung verwendet. Dies hier ist nicht in einem anti-intellektuellen Sinne gemeint, denn im Gegensatz zu Intellektualisierungen, die lediglich der Abwehr dienen, basiert die echte Intellektualität auf einer kontaktvollen Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Die pestilente Natur des Liberalen wird in unserer Zeit immer deutlicher, wenn er sich für vorgebliche idealistische Beweggründe einsetzt, die von Modjus allzu häufig manipuliert und schlussendlich kontrolliert werden. Großzügigkeit könnte uns dazu bringen, diese Tatsache als Produkt der Schuldgefühle des Liberalen, der Naivität, der Angst vor Aggression und anderer neurotischer Mechanismen zu interpretieren. Das Verhalten des Liberalen ist jedoch geprägt von Destruktivität auf der sozialen Bühne und dadurch, daß er sich in Institutionen organisiert – seien dies nun Kreuzzüge für FRIEDEN, SEX oder BÜRGERRECHTE – die durch ihre Abwicklung das Gegenteil ihrer vordergründigen Ziele garantieren. Selbst ein so kompromissloser Bürgerrechtler wie Bayard Rustind musste zugeben, dass die Bürgerrechtsbewegung seit 1965 „ganz und gar zersplittert“ ist. Er forderte den Ausschluss von Dr. Benjamin Spock aus SANEe wegen „politischer Naivität“, weil der, um den Krieg in Vietnam5 zu beenden, mit Maoisten und Trotzkisten zusammengearbeitet hat.

Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, wie sich die Liberalen wahllos an den Elementen ausgerichtet haben, die dem tatsächlichen sozialen Fortschritt am meisten abträglich sind, sei es in Petitionen, Märschen, Sitzstreiks oder mit anderen Mitteln, die benutzt werden, um Druck für Veränderungen auszuüben. Ich habe schmerzlich mit angesehen, wie sich diese Beweggründe nicht auf die Erreichung des verkündeten humanitären Ziels bezogen, sondern – wie bei jeder „Volksfront“, die von der emotionalen Pest gelenkt wird – um die Ziele der Pest zu fördern. Weder die unverblümte Verachtung und der Hass der Separatistenf noch die Androhung körperlicher Gewalt können diese Liberalen davon abhalten, sich und die Gesellschaft vor ihrem selbstmörderischen Schuldgefühl niederzuwerfen. Daniel Moynihang (von dem anzunehmen ist, dass er eher ein umweltbedingter als ein charakterologischer Liberaler ist), hatte kürzlich folgendes seinen liberalen Mitstreitern in Americans for Democratic Actionh zu sagen:6 „Liberale müssen irgendwie die sonderbare Herablassung überwinden, mit der sie alles verteidigen und wegdiskutieren, wie skandalös es auch immer sei, was Neger einzeln oder gemeinschaftlich anrichten könnten.“

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

 

5 New York Times, 8. Mai 1967.

6 New York Times, 24. September 1967, S. 1.

 

Anmerkungen der Übersetzer:

b Christusmord, Zweitausendeins, S. 178.

c Christusmord, Zweitausendeins, S. 175.

d Afroamerikanischer Bürgerrechts-Aktivist, Berater von Martin Luther King Jr. Wurde führender Stratege der Bürgerrechtsbewegung von 1955 bis 1968.

e 1957 gegründete Organisation gegen das atomare Wettrüsten. Der Name „SANE“ kam von den Konzepten, die Erich Fromm in seinem Buch The Sane Society vorstellte.
Benjamin Spock (1903-1998), US-amerikanischer Kinderarzt und Psychiater, der die Psychoanalyse für die Kindererziehung popularisierte. Seit 1962 Co-Vorsitzender von SANE. Stand 1968 vor Gericht, weil er während des Vietnamkrieges dazu aufgerufen hatte, den Wehrdienst zu verweigern.

f Gemeint ist die militante Black Power-Bewegung. [Anmerkung von PN]

g Stellvertretender Arbeitsminister unter Kennedy und Präsident Lyndon B. Johnson, widmete viel Zeit dem Krieg gegen die Armut. Verließ 1965 die Johnson-Administration. Danach Professor an der Harvard University.

h 1947 gegründete Organisation, für pro-gewerkschaftliche und liberale Innenpolitik. Erreichte in den frühen 1960er Jahren starken Einfluss, als einige ihrer wichtigsten Mitglieder ausgewählt wurden, sich der Regierung von US-Präsident John F. Kennedy anzuschließen.

 

(4) Reich, W.: The Murder of Christ. New York: Orgone Institute Press, 1953
(5) Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 1, Nr. 3

Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Eine Ergänzung zu „Peter der Griesgrämige“

16. März 2017

Betrachten wir zunächst die Hauptgleichung der Orgonomie (hier in sehr verkürzter, „amputierter“ Form!):

Zutiefst haben wir die „orgonotische Strömung“. Was das ist, wird am ehesten noch anhand der Orgontherapie deutlich. Die Beseitigung der Augenblockierung führt zum Kontakt mit der Umwelt (dreidimensionales Sehen), die Beseitigung der Zwerchfellblockierung zum Kontakt mit dem eigenen Selbst, dem Körper (dreidimensionales Fühlen) und die Beseitigung der Beckenblockierung zum Kontakt mit dem Kosmos (orgastische Potenz). Dies geht jeweils einher mit einem Gefühl zunehmender Tiefe. Zunächst sieht man die atmosphärische Energie, dann, nach der Öffnung des Zwerchfells, fühlt man sie durch die eigenen Glieder fließen (und lernt entsprechend den Körper wirklich als dreidimensionales Gebilde zu empfinden) und schließlich wird man eins mit diesem Fließen, d.h. wird eins mit der kosmischen Strömung, die in ihrer Überlagerung die Galaxien und damit die Materie aus dem primordialen Orgonenergie-Ozean bildet. Hier setzt die Panzerung an. Indem sie die orgonotische Strömung unterbindet, macht sie die Welt flach, raubt ihr jede Tiefe und führt bei den gepanzerten Menschen zu Derealisation, Depersonalisation und einer generellen orgastischen Impotenz.

Konkret kommt die orgonotische Strömung in der kreiselwellenartigen Bewegung (dem „Orgonom“, siehe Die kosmische Überlagerung) und der orgonotischen Pulsation (siehe Äther, Gott und Teufel) zum Ausdruck.

In der alten, autoritären Gesellschaft führte die Abpanzerung der orgonotischen Strömung dazu, daß die Menschen einseitig aus dem durch das autonome Nervensystem (Plexus solaris) verkörperte orgonotische System heraus empfanden und entsprechend eine konservative, reaktionäre, wenn nicht faschistische Charakterstruktur hatten. In der neuen, antiautoritären Gesellschaft ist es zu einer ebenso einseitigen Verschiebung hin zum Orgonom gekommen, das durch das zentrale Nervensystem verkörpert wird. Die Menschen sind „zerebral“ und von ihren Emotionen getrennt, entsprechend liberal, sozialistisch, wenn nicht kommunistisch strukturiert. Den Unterschied sieht man im gesamten Auftreten. Man vergleiche etwa einen heutigen „typischen Deutschen“ mit einem typischen Türken! Ein „Erdogan“ wäre heute in Deutschland undenkbar!

Aus der obigen Gleichung ist ersichtlich, daß sich die Kreiselwelle in der „Welle“ und im „Puls“ äußert, die Pulsation selbstredend in Expansion und Kontraktion.

Die „Welle“ steht für den Schwung nach vorne, wie er etwa archetypisch im Sprung des Tigers zum Ausdruck kommt – oder in der Flucht der Gazelle. Dem Sprung ging ein mühsames und langwieriges Verfolgen und Lauern voran, der wilden Flucht das Grasen. Das letztere steht für den „Puls“, das „Mahlen auf der Stelle“, die Arbeit am Kleinklein. In der autoritären Gesellschaft „lebte man, um zu arbeiten“. Nur so waren die horrenden Kriegsanstrengungen und das Wirtschaftswunder möglich. Für den antiautoritären Menschen sind das „Sekundärtugenden, die Auschwitz erst möglich gemacht haben“. Arbeit ist eine Last („Ausbeutung“), stattdessen wird umverteilt und konsumiert, man gibt sich der Hedonie hin.

Die entsprechenden Erörterungen über Kontraktion und Expansion erübrigen sich ebenso, wie eine detaillierte Beschreibung, wie sich diese energetischen Funktionen in der neueren Geschichte des Kapitalismus widergespiegelt haben bzw. wie dessen Entwicklung wiederum die jeweiligen Charakterstrukturen perpetuierten. Man braucht nur die Augen aufmachen!

Die US-Wahlen und das Wesen der Demokratie

31. Oktober 2016

Im US-Wahlkampf sehen wir, viel deutlicher als in Europa, den Unterschied zwischen liberal (linksliberal) und konservativ (rechtsliberal), teilweise bis zur geradezu karikaturhaften Illustration der entsprechenden Ausführungen von Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle Die ersteren sind mehr im Kopf gepanzert, die letzteren mehr im Körper (Muskelabwehr). Um das zu sehen, muß man nur nach Amerika blicken!

In einer einigermaßen intakten Gesellschaft gibt es eine entsprechende Zweiteilung, d.h. ein Zweiparteiensystem mit der Pulsation zwischen liberal (Expansion) und konservativ (Kontraktion). Beide Sichtweisen der Welt sind notwendig, damit die Gesellschaft stabil bleiben bzw. organisch wachsen kann. Regierten immer nur die Liberalen, würde die Gesellschaft sehr schnell ihre Identität verlieren und zerfallen. Bei den Konservativen würde sie stagnieren und wäre ebenfalls dem Untergang geweiht.

Das Fragwürdige an den gegenwärtigen US-Wahlen ist die Tendenz, dieses Zweiparteiensystem aufzulösen. Es entspricht dem anti-autoritären Zerfall der Gesellschaft in lauter „Stämme“, was die Demokratie nachhaltig zerstört. Wenn jedes Sonderinteresse im Parlament eine Gruppierung hat, die nie Verantwortung für das Ganze wird tragen müssen, ist das Endergebnis nicht „mehr Demokratie“, sondern das Chaos, das nur in einer Diktatur münden kann.

Außerdem macht sich durch den Koalitionszwang die Politik selbständig, löst sich vollständig vom Wähler und Wahlen werden zur Farce. Ich werde nie vergessen, daß ich in Hamburg explizit die CDU gewählt habe, um Rotgrün zu verhindern. Was bekam ich? Eine schwarzgrüne Senatsmehrheit!

Irrsinniges Gebrabbel unter dem Mond

20. Januar 2016

In Christusmord hat Reich „schöpferische Gedanken“ mit dem „Gegenstück des Kleinen Mannes“ über fünf Seiten hinweg kontrastiert. Aus dem Gedanken der Freiheit wurde unsere Porno-Gesellschaft, aus dem einheitlichen Äther wurden bei Rudolf Steiner unterschiedliche „Äther“ für unterschiedliche Naturbereiche, aus der Gesetzlichkeit wurde Bürokratie, aus der Psychologie wurde, daß jeder sich zum Psychotherapeuten aufschwingt, aus dem medizinischen Orgonomen wurde der Reichianische Körpertherapeut („Muskelquetscher und Panzerdrücker“), aus dem gesunden Kind, das artige Kind, das keine Probleme macht, etc. Dergestalt richtet der gepanzerte Mensch seine aus der Arbeitsdemokratie erwachsene Kultur so ein, daß sie ein Hort des Gegenteils der Arbeitsdemokratie wird: der Emotionellen Pest.

Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Orgonomie herumschlagen muß, ist eine Begrifflichkeit, der man sich bedienen muß, um in der gepanzerten Welt verstanden zu werden, die aber mechanistisch bzw. mystisch verzerrt ist und die bioenergetisch bestimmte Wirklichkeit deshalb nicht adäquat wiedergeben kann. Man denke etwa an die sozio-politische Orgonomie, die mit Begriffen wie „konservativ“ und „liberal“ hantieren muß, welche sich im Laufe der Geschichte mit unterschiedlichsten Inhalten gefüllt haben und ohnehin zunehmend jede Bedeutung verlieren. Oder man nehme Reichs Auseinandersetzung mit kontaktelektrischen Phänomenen, bei denen „positive Elektrizität“ und „negative Elektrizität“ („Ladungstrennung“) wie dazu geschaffen sind, orgonotische Vorgänge quasi unsichtbar zu machen.

Bereits 1931 beklagte Reich im Bereich der Ethnologie und Sexologie:

Wir sehen, wie wenig die hochtrabend wissenschaftlichen Kategorien der „Monogamie“, „Polygamie“, „Polyandrie“, „Promiskuität“ mit [den bei den Trobriandern] nur von der genitalen Bedürfnisbefriedigung gelenkten und geregelten Sexualbeziehungen zu tun haben. Diese Paare sind ebensowohl monogam wie gelegentlich polygam, bei Festen sogar promiskue; doch die Klassifizierungen sagen nichts aus in [der Trobriandrischen Gesellschaft] und bekommen erst ihren Sinn und Gehalt als Prinzipien unserer moralistischen Regulierungsbestrebungen, nicht mehr. Auch bei uns decken sie keinen Tatbestand. Auch bei uns sind die sexuellen Beziehungen verschiedenstartig. Der Unterschied zum Primitiven – das sei besonders hervorgehoben, weil es unsere sexualökonomische Betrachtungsweise von jeder anderen in jeder Beziehung trennt – liegt nicht darin, daß jene polygam oder promiskue und wir monogam leben; es läßt sich auch keine monogame Forderung aus dem monogamen Leben der Primitiven, wie manche Sexualforscher und Ethnologen versuchen, ableiten, sondern er ist einzig und allein ausgedrückt in der sozialen Ordnung des Geschlechtslebens und in der verschiedenartigen Erlebnisweise der Umarmung, die von jener abhängt. Der Genitalapparat an sich ist mit allen seinen Konsequenzen hier wie dort gleich angelegt (…). Und das macht das Kopfzerbrechen unserer Sexualforscher aus, daß er ihre Kategorien der verschiedenen „-gamien“ nicht kennt, sondern nur das Ziel der Sexualbefriedigung. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 40f, Hervorhebungen hinzugefügt)

Den Anthropologen und Soziologen ist es um oberflächliche „objektivierbare“ Erscheinungen zu tun, Reich um das „innere“, „subjektive“ Erleben, d.h. um die Bioenergetik, die sich vor allem in den Emotionen und dem Gefühl der Befriedigung zeigt. An diesem Gegensatz muß jede Diskussion um unsere gesellschaftlichen Zustände scheitern. Beispielsweise führt Reich weiter aus, daß es in unserer Gesellschaft Entsprechungen zu den sexuellen Festivitäten der Trobriander durchaus gibt, etwa gemeinsame Bordellausflüge der Studenten, „die Wanderungen der Jugend, die zu genitalen Betätigungen führen“, etc. (heute ließe sich ganz anderes anführen!). Der zentrale Unterschied, der einzig ausschlaggebende Punkt sei: „Unsere Sexualfeste enden mit Katzenjammer aus der unerfüllten, ja vor sich selbst meist verschleierten und mit Heuchelei und ‚Ehrbarkeit‘ verdeckten Erwartungen genitaler Befriedigung. Diese Einrichtungen der Primitiven haben sich bis in unsere Zeit, wenn auch in anderer Form, fortgesetzt, sie verloren nur ihren sexualökonomischen Wert, statt zu befriedigen, steigern sie bloß die sexuelle Spannung“ (ebd., S. 46, Hervorhebungen hinzugefügt).

Man nehme auch Reichs folgende Aussage:

Es gibt in unseren Kulturkreisen sicher nicht weniger genitale Umarmung als in den primitiven; die Promiskuität der männlichen Jugend ist sicher ausgesprochener. Die eheliche Untreue ist infolge des strengeren ökonomischen und moralischen Druckes und infolge der Genitalstörungen sicher verbreiteter als bei den „Wilden“. (ebd.)

Unsere heutigen Pseudointellektuellen können ganze Bücher, etwa über „Sex“ schreiben, ohne jemals zu diesem Kern durchzudringen, der das ganze Gelaber mit einem Satz aufhebt! Sie sind verfangen, gefangen in der gepanzerten Begrifflichkeit. Auf diese Weise wird Wissenschaft, ein zentrales Element der Arbeitsdemokratie, zu einem Organ der Emotionellen Pest.

Angesichts des allgegenwärtigen irrsinnigen Gebrabbels verfiel Reich in die Haltung des „stillen Beobachters“ und versetzte sich von der „Bühne“ auf die „Wiese“ (siehe Menschen im Staat und Die kosmische Überlagerung). Ein schönes Bild hat auch Rocko Schamoni gefunden:

Hitler und die Orgonomie (Teil 1)

14. August 2014

Es hat etwas Befriedigendes, am Anfang einer Biographie über Joseph Goebbels (Narziß Goebbels. Eine psychohistorische Biographie) Reich zitiert zu sehen.

Im ersten Kapitel geht es um jene Gruppe, aus der Goebbels entwachsen ist und die die Hauptstütze des Nationalsozialismus war: das Kleinbürgertum, das durch den Untergang des wilhelminischen Deutschland sich gezwungen sieht, die sie tragenden gesellschaftlichen Strukturen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu diene insbesondere die Aufrechterhaltung der gewohnten Feindbilder.

So steht [das Kleinbürgertum] den Vertretern des Großkapitals feindlich gegenüber, und zwar als unbewußte Wahrnehmung der ökonomischen und damit auch der sexuellen Freiheit, wie Wilhelm Reich darstellt, weshalb es Adolf Hitler und Joseph Goebbels später ein Leichtes sein wird, aus einem latenten einen massiv-aggressiven Antisemitismus in der Bevölkerung aufzubauen. (S. 18)

Reichs Analyse fassen die Autoren wie folgt zusammen:

Eine politisch-gesellschaftliche Diktatur, wie der Nationalsozialismus sie darstellt, gründet ihr Fundament auf Begriffe wie Reinheit, Ehre, Pflicht, Tapferkeit und Disziplin, wodurch ein vermehrter Druck auf die zwangsmoralischen gesellschaftlichen Vorstellungen ausgeübt wird. Da diese permanente sexuelle Selbstbeherrschung und die Angst vor der eignen Sexualität den Kleinbürger überfordern, entsteht eine Führersehnsucht, um die eigene individuelle (und damit auch sexuelle Verantwortung) abzugeben, womit die Strukturlegung für den reaktionären Menschen gegeben ist. (S. 19)

Reich hält Hitlers Persönlichkeit, oder gar die eines Goebbels, für vollständig nebensächlich und denkbar uninteressant. Ihm ging es darum, wie die Massen auf solche Knallchargen haben hereinfallen können. Die Frage ist demnach: Was geht in den Massen vor?

Daß [die] Massenorganisierung gelang, lag an den Massen und nicht an Hitler. Es lag an der autoritären, freiheits-ängstlichen Struktur der Menschen, daß seine Propaganda Wurzeln fassen konnte. Daher kommt das, was an Hitler soziologisch wichtig ist, nicht aus seiner Persönlichkeit, sondern aus der Bedeutung, die er von den Massen bekommt. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 57)

Es geht darum, ob die Massen ihr Leben selbst in die Hand nehmen oder irgendeinem „Obama“ folgen, weil der ihnen verspricht, er werde sie an die Hand nehmen und sie „betreuen“. Es geht um die Übernahme von Eigenverantwortung.

Die Grundlage von Eigenverantwortung ist der ungehinderte „psychische“ Kontakt mit seiner Umgebung. „Psychohistorie“, wie sie in immer neuen Büchern über die Nazi-Größen zelebriert wird, verlagert jedoch die Energie ins Gehirn („Grübelei“, „Logelei“) und verstärkt dadurch die Kontaktlosigkeit des Lesers. (Sie ist in etwa mit dem Marxismus vergleichbar, dessen „Analysen“ den gleichen blöde machenden Effekt haben. Kein Wunder, daß Psychoanalyse und Marxismus bei „Intellektuellen“ so beliebt sind!)

goebbels

Und dann ist da etwas, was die Bücher über die Protagonisten des Dritten Reiches schlichtweg ungenießbar macht: Es wird nie diskutiert, daß Leute wie Hitler und Goebbels nicht einfach nur „böse“ waren und Lügen verbreitet haben, sondern vor allem auch Wahrheiten ausgesprochen haben, die nie über die Lippen unserer vermeintlichen „Demokraten“ kommen. Reich:

Es ist nie aus den Augen zu verlieren, daß Hitler stets an den berechtigten Haß des Massenmenschen gegen die Scheindemokratie und das Parlamentssystem anknüpfte – und mit viel Erfolg! (ebd., S. 233)

Für den gepanzerten Menschen ist Hitler ein absolutes Faszinosum. Manchmal will es scheinen, daß der Spiegel und das ZDF kein anderes Thema kennen und das Jahr ein, Jahr aus, über Jahrzehnte hinweg. Der paranoid-schizophrene Charakter Hitler hatte und hat diesen Erfolg seit nunmehr über 90 Jahren, weil er auf verzerrte Weise drei Dinge ansprach, die schlichtweg wahr sind:

  1. Seine Darstellung „des Juden“ ist fast eine perfekte Beschreibung der Emotionellen Pest im allgemeinen und des pestilenten Charakters im besonderen.
  2. Sein extremer Rassismus verweist darauf, daß der Mensch ein Tier ist und entsprechend gesellschaftliche Probleme letztendlich biologische Probleme sind.
  3. Sein Kampf gegen die christliche Mitleidskultur, mit dem er die abendländische Kultur vor dem Untergang bewahren wollte, ist von geradezu prophetischer Bedeutung.

Mit traumwandlerischer Sicherheit sind es gerade diese drei Aspekte, die dämonisiert werden: jedwede Analyse des Bösen als charakterologisches Problem ist Anathema, die biologische Bestimmtheit des Menschen, selbst seine Zweigeschlechtlichkeit, wird radikal infrage gestellt und christliche Tugenden werden auf masochistische Selbstverleugnung zugespitzt. Beide christliche Kirchen sind zu Todfeinden des deutschen Volkes mutiert. Auf diese Weise wird Hitler immer ein Faszinosum bleiben!

Ein weiteres Moment wird gerne verdrängt, da es zu sehr nach Apologetik klingt. Rechte Bewegungen appellieren immer an das Gesunde im Menschen, das „gesunde Volksempfinden“, während die Linke immer an das Kranke in den Menschen appelliert: wie bedürftig (infantil) doch alle „Unterdrückten“ seien, man müsse „Widerstand“ (sic!) leisten. Der Nationalsozialismus hingegen handelte zentral von nichts anderem als von Gesundheit und Schönheit und ihrer Erhaltung („Rassereinheit“). Siehe dazu den ausgezeichneten Film von Peter Cohen Architecture of Doom.

Die Frage stellt sich, ob die Nationalsozialisten wirklich „Rechte waren“, betrachtete sich doch Hitler als „Deutschen Lenin“. Man führe sich dazu folgendes Video zu Gemüte:

Es läßt sich trefflich darüber streiten, ob der „Kampf gegen Rechts“ nicht Etikettenschwindel ist. Bzw. kann man streiten, solange man auf der oberflächlichen Ebene von Politik, Ökonomie, Soziologie und Psychologie verharrt.

Die Orgonomie behauptet, daß der ideologische Unterschied zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen letztendlich auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen. Den grundlegenden bioenergetischen Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ hat Charles Konia in seinem Blog herausgearbeitet.

Aber zurück zur Frage, ob „Nazis“ wirklich „rechts“ stünden. Das obige Video will uns suggerieren, daß dies vollkommener Unsinn sei: natürlich seien National-Sozialisten Linke, was denn sonst?! Nun, die meisten Menschen haben dieses ach so „offensichtliche Faktum“ nicht so gesehen. Aber man kann dieses Thema von der Warte der Ideologie her ohnehin nicht sinnvoll behandeln.

Die beste Annäherung an das Thema ist, wie stets bei solchen Dingen, wenn man nach einem entsprechenden Problem in der Gegenwart sucht. Hier bietet sich der Islamismus an, der ohne jeden Zweifel „rechts“ ist: es geht um konsequente Fortschrittsfeindlichkeit, um blinden Glauben an Autoritäten, um Frauenfeindlichkeit, Kulturimperialismus, Rassismus, Geschäftemacherei, Machismo, Klassenunterschiede, Gewaltverherrlichung, etc.pp. Am eindeutigsten „rechts“ ist der alles durchdringende Mystizismus im Islam.

Der Islam ist zweifellos rechts und zweifellos wurde er von Menschen geschaffen und geprägt, die auch von ihrer Charakterstruktur rechts waren. Aber wie Charles Konia in seinem Buch The Emotional Plague (S. 256) ausführt, gibt es auch im Islam Menschen mit einer „linken“ Charakterstruktur. Konia zufolge erkennt man sie daran, daß es ihnen vor allem um ihre kulturelle Identität zu tun ist.

Wie ihre pseudo-liberale Entsprechung im Westen zieht es sie zu linksgerichteten politischen Versammlungen, etwa Demonstrationen von Feministinnen, oder sie schließen sich antiamerikanischen Antikriegs-Bewegungen an. Sie identifizieren sich mit den Unterprivilegierten und Außenseitern und betrachten Amerikaner als Rassisten, die gegen Moslems Vorurteile hegen. Ihre Identität gruppiert sich um die muslimische „Opferrolle“ und nicht um das westliche Land, das sie aufgenommen hat. Sie tragen Schleier nicht so sehr aus religiöser Überzeugung, sondern als Zeichen des Protests und um ihre „Gruppenidentität“ zu feiern. Sie blühen auf, wenn sie Kontroversen hervorrufen und beim Debattieren sozialer und politischer Fragen, weil auf diese Weise Energie in ihr Gehirn hochgezogen wird.

Ähnlich muß man die Nationalsozialisten betrachten. Beispielsweise war Goebbels von der Charakterstruktur her wohl doch eher ein „Linker“, während Himmler ein „Rechter“ war.

Die Frage, wie man die „Bewegung“ als ganzes einordnen soll, läßt sich nur beantworten, wenn man den Nationalsozialismus in die gesamte Geschichte des Abendlandes einordnet, wie Konia es getan hat. Dann geht es schlicht um die Frage, ob intellektuell durchschaubare mechanische Kräfte das Geschehen bestimmen (Mechanismus) oder ein undurchschaubarer Gott bzw. „die Vorsehung“ (Mystizismus). Diese beiden grundsätzlich unvereinbaren Weltanschauungen gehen auf die Charakterstruktur ihrer Anhänger zurück. Diese bioenergetische Ebene wird zwar von politischen, ökonomischen, soziologischen und psychologischen Verwerfungen überlagert, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, kommt aber letztendlich doch zum tragen.