Posts Tagged ‘Gewaltenteilung’

David Holbrook, M.D.: „HOMO POLITICUS“ (Teil 2)

17. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

„Homo Politicus“ (Teil 2)

 

Blogeinträge August 2012

6. April 2018

Im NACHRICHTENBRIEF wird gegenwärtig Paul Mathews‘ Artikel „Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters“ aus dem Jahre 1967 veröffentlicht. Hier wie sich die orgonomische Soziologie ein halbes Jahrhundert später darstellt:

Blogeinträge August 2012

  • Die Emotionelle Pest gedeiht im Sozialismus
  • Das System der gegenseitigen Kontrolle in der amerikanischen Regierung ist gescheitert
  • Die Gefahren im Kapitalismus
  • Wie Linke und Rechte die Amerikaner betrachten
  • In der Politik ist die Linke im Vorteil
  • Der freie Markt ist nicht das Problem
  • Kennzeichen eines linken Ideologen

Der naive Wilhelm Reich

24. März 2017

Der genitale Charakter (etwa Reich oder William Blake) und der liberale Charakter (etwa Rousseau) haben eines gemeinsam: beide glauben, daß der Mensch im Wesentlichen gut ist. Der genitale Charakter übersieht die sekundäre Schicht und sieht nur den Kern (Reichs berühmte „Naivität“). Der kontaktlose Liberale sieht nur die Fassade (die liberale „Naivität“). Konservative wie Edmund Burke oder Montesquieu betrachten den Menschen im Wesentlichen als böse. Deshalb treten sie für die traditionellen restriktiven Institutionen (Religion, Monarchie, Klassenstruktur) ein und plädieren für Gewaltenteilung (wie sie in der Verfassung der USA klassisch verwirklicht ist); eine Art „Panzerung“ (check and balances), die die sekundären Triebe in Schach hält.

Wo ist in der heutigen Orgonomie der Einfluß des Marxismus auf Reich geblieben?

13. September 2016

Der Einfluß des Dialektischen Materialismus auf Reich zeigt sich beispielsweise im Umgang mit vulgär-materialistischen und gleichzeitig idealistischen Erklärungsmustern des Zeitgeschehens. Das Internet wird beispielsweise angesichts der Präsidentschaftswahlen in den USA von zwei Fragen dominiert: erstens welche wirtschaftlichen Interessen wirksam werden und welche geheimen Absprachen und Seilschaften im Hintergrund wirken, etwa die Rothschilds und die Rockefeller. Das läßt sich dann beliebig ausspinnen und mit allem möglichen Material unterfüttern, denn natürlich und legitimerweise versuchen die Reichen und Mächtigen jenseits des imgrunde lächerlichen „one person, one vote“ Einfluß auf Politik und Gesellschaft zu nehmen. Genauso legitim und zwingend notwendig ist es, diese geheimen Machenschaften an die Öffentlichkeit zu zerren. Eine Demokratie ist Bürgerkrieg mit anderen Mitteln (Gewaltenteilung, Parteienstreit, freie Medien)!

Niemand kann diese Mechanismen bestreiten, doch beim Offenlegen der materiellen Interessen und Verschwörungen geht man nicht etwa in die biosoziale Tiefe, sondern bleibt bei oberflächlichen Phänomenen, bleibt ökonomistisch und, wenn man so sagen kann, „psychologistisch“. Der Orgonomie geht es aber um die tiefere (charakter-) strukturelle bzw. bioenergetische Ebene. Das ist ähnlich wie bei Marx, dem es nicht darum zu tun war, daß die Kapitalisten Gewinne machen wollten und zu diesem Beginnen die Gesellschaft manipulierten, sondern um die strukturellen Zwänge, denen sie unabhängig von ihren Intentionen ausgesetzt sind. Oder mit anderen Worten: Ausbeutung endet erst, wenn man das kapitalistische System und damit die Klassengegensätze abschafft.

Reich mußte erkennen, daß diese politökonomische Herangehensweise noch immer zu oberflächlich ist, das ändert aber nichts daran, daß die „Marxsche Denkfigur“, d.h. die Frage nach strukturellen Zwängen korrekt ist.

Es ist immer wieder erhellend, wie irritiert vermeintliche „Reichianer“ auf Charles Konias ausschließlich (charakter-) strukturelle Sichtweise soziopolitischer Fragestellungen reagieren! Ich verweise auf seinen Blog http://www.orgonomie.wordpress.com. Ähnlich reagierten zu Reichs Entsetzen die damaligen Stalinistischen Pseudo-Marxisten auf das Weltgeschehen. Das Buch Menschen im Staat und das Kapitel über „Masse und Staat“ in Die Massenpsychologie des Faschismus handelt zu einem guten Teil davon, daß der Marxismus mehr ist als moralistisches Bloßstellen von „Profitinteressen“.

Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 2)

23. April 2016

Ähnlich wie in der CORE-Arbeit betrachtete sich Reich auch in der Sozial-Psychiatrie als den einzigen, der genug Erfahrung besaß, um sie praktisch ausüben zu können. Noch 1946 hatte Reich geschrieben, daß man im sozialen Verkehr nicht die Techniken der charakteranalytischen Behandlung anwenden könne (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 514, siehe auch Reichs Vorwort zu Der Krebs).

Die Praxis sollte sich für ihn als verhängnisvoll erweisen, denn ihre Anwendung fand die entwickelte Sozial-Psychiatrie in seiner Gerichtsverhandlung, die er nicht mit juristischen Tricks (die in der Grundlagenforschung nichts zu suchen haben), sondern mit wissenschaftlichen (medizinischen und sozialhygienischen, d.h. dem Thema immanenten) Mitteln durchstehen wollte. Er beklagt die „charakterologische Fehlkalkulation“ in Gerichtsprozessen, „das Vernachlässigen der irrationalen Motive bei kriminellen Handlungen und bei Rechtsentscheidungen“. Deshalb wollte er in seinem öffentlichen Verfahren die irrationalen Motivationen seiner Gegner bloßlegen, wie er es früher im Behandlungszimmer unter vier Augen getan hatte (vgl. Jerome Eden, Hrsg.: Earth on Trial, Idaho 1988, S. 41f).

Das ständige Offenlegen und Infragestellen der Motivation anderer ließ Reich für den Uneingeweihten als paranoiden Verrückten erscheinen, der überall dunkle Machenschaften sieht. Man kann sagen, daß Reich diesem letzten seiner wissenschaftlichen Experimente zum Opfer gefallen ist, da man erstens dergestalt nicht mit der unpersönlichen Justiz und Bürokratie umgehen kann und zweitens auf diese Weise der Mythos von Reichs angeblicher paranoider Schizophrenie aufkam (bzw. die „definitive Bestätigung“ fand), der bis heute die Rezeption seines Werkes erschwert.

Hinzu kam Reichs unangenehm totalitär wirkende, da die Gewaltenteilung unterminierende, Forderung, an den Gerichten „Kommissionen für Sozial-Pathologie“ einzurichten, wie er es bereits in seiner eigenen Organisation mit der Aufstellung des EPPO (Emotional Plague Prevention Office) vorexerziert hatte. Was für „Stalinistische“ Untertöne dies hatte, zeigt sich an folgendem Beispiel: Bei einem Treffen mit seinen Schülern brachte er das Gerücht zur Sprache, daß ihre finanziellen Beiträge für den orgonomischen Forschungsfonds in seine Taschen wandern würden. Er hatte festgestellt, daß viele der Ärzte von den Gerüchten wußten, aber keiner ihnen nachgegangen war, wodurch sie, seiner Meinung nach, zu verstehen gaben, daß die Gerüchte vielleicht etwas für sich hatten. Reich zog dies ans Licht und sagte, daß er nun kein Geld mehr annehme, „bevor nicht all dieser Schmutz und Mist aus der Arbeit entfernt worden ist“.

Dem Tondukument dieses Treffens folgend beschreibt ein heutiger Student der Orgonomie das weitere Geschehen wie folgt:

Die Ärzte einer nach dem anderen zur Rede stellend fragte er: „Was haben Sie sich dabei gedacht? Warum haben Sie nichts gegen das Gerücht getan? Warum haben Sie Geld gegeben? Was dachten Sie, wohin es gehen würde? Haben Sie es freiwillig gegeben?“ Nach viel Drucksen und Gestottere (man konnte sich das Sichwinden bildhaft vorstellen) war das Hauptgefühl, das bei den meisten Doktoren aufzusteigen schien: „Ich fühlte mich schuldig, auf ihren Schultern zu reiten“, und: „Ich dachte, Sie würden das Geld verdienen, daß es für Laborausrüstung und so was verwendet wird“. Mit anderen Worten, keiner von ihnen kannte seine eigenen Beweggründe genau oder hatte es auf sich genommen herauszufinden, wozu ihre Beiträge dienen würden. (…) Die Einheitlichkeit von Reichs Herangehensweise war offensichtlich und seine Hartnäckigkeit emotionalem „Dreck“ hinter den Kulissen nachzugehen war bewundernswert. Dies war eine beeindruckende Demonstration dessen, was er als die Ausübung der praktischen Sozial-Psychiatrie bezeichnet hat. Nachdem die Atmosphäre gereinigt war, endete das (…) Treffen mit der Bemerkung: „Ich fühle mich nun viel besser, wo alles raus ist“, was bei allen Anwesenden Anklang fand. (Pulse of the Planet, No. 3, S. 100)

Wie können sich Erwachsene in der Öffentlichkeit (in einer individuellen Therapiesitzung ist es etwas anderes) derartig vorführen und zur Schnecke machen lassen? Fragwürdig ist auch die begeisterte Reaktion des heutigen Studenten der Orgonomie. Das ganze erinnert beklemmend an die Art, wie die Kommunisten mit ihren eigenen Leuten umgesprungen sind, insbesondere an die Versammlungen während der chinesischen Kulturrevolution, wo „Abweichler“ sich vor der Gruppe selbst anklagen mußten. Was für ein totalitäres System könnte sich aus der Orgonomie entwickeln!

Hier gehört auch her, wie Ilse Ollendorff den Reich vom Anfang der 1950er Jahre beschreibt:

Reich fürchtete zu dieser Zeit, daß ich weggehen könnte. Er fürchtete sogar, daß ich ein Gegner werden und ihn verleumden würde. Um sich dagegen zu schützen, benutzte er jetzt genau dieselben Methoden, die er so wütend bei anderen, besonders bei den Stalinisten, bekämpfte. Er verlangte immer wieder von mir, „Geständnisse“ über meine Gefühle der Furcht vor der Arbeit niederzuschreiben, über gelegentliche Gefühle von Furcht vor ihm und Haß gegen ihn, und er nahm diese „Geständnisse“ an sich und schloß sie ein. (Wilhelm Reich, München 1975, S. 150f)

Andererseits kann man Reichs Herangehensweise, bei der Einzelne aus der Gruppe herausgegriffen werden, auch vor dem Hintergrund betrachten, daß das Individuum in der Masse zur Irrationalität neigt. Meist ist die irrationale Meinung des Einzelnen eine Funktion der Gruppe, zu der er gehört. Die Masse ist der Sitz der irrationalen Ideologie, die das Individuum vertritt. Nimmt man es aus der Masse heraus, erweist es sich als unerwartet einsichtsvoll und klug. Reich hat versucht, den Einzelnen zur Besinnung zu bringen, ihn wachzurütteln. Dabei benutzte er die Gruppe, denn die ist, wie er aus seiner Sexpol-Arbeit wußte, nicht nur Sitz der Irrationalität, die ein Hitler ausnutzen konnte, sondern auch Schlüssel zum rationalen Kern.

Im Kampf gegen die Emotionelle Pest rät Reich u.a.:

Wenn nötig enthülle offen deine Schwachpunkte, sogar deine Geheimnisse. Die Menschen werden verstehen. („Truth Versus Modju“ Orgone Energy Bulletin, Vol. 4, S. 162-170)

Die Masse funktioniert irrational, wenn sie aus Monaden besteht, die voreinander ihr Innenleben hinter einer Maske verbergen. Wird diese Maske weggezogen und der Einzelne im Kontext der Gruppensituation angesprochen, ist der Zauber der Massenirrationalität gebrochen: das natürliche Empfinden betritt den sozialen Schauplatz. Nichts anderes ist „Sozialpsychiatrie“.

Diese diffizile Dialektik von „anonymer Masse“ und Individuum ist das Geheimnis des Gegensatzes von Politik und faschistischer Irrationalität auf der einen und Arbeitsdemokratie und Rationalität auf der anderen Seite. Es ist der Gegensatz von Blauem Faschismus und Orgonomie. Es ist eine Gratwanderung, die der Menschheit den finalen Todesstoß versetzen könnte, sollte die Orgonomie in die falschen Hände geraten. Oder wie Reich im Rückblick auf seine Sexpol-Zeit sagte: „Ich hätte ein Führer sein können wie Hitler“ (Myron R. Sharaf: „Further Remarks of Reich: 1949“The Journal of Orgonomy, 7(1), S. 113-116, May 1973).

Deutsche Politik

9. April 2016

Das Elend der Politik liegt darin, daß stets ein schuldiger gesucht wird. Beispielsweise sind entweder die Deutschen die Täter oder die Opfer. Etwa hier:

Dazu ist zu sagen, daß alle irgendwo Recht haben, alle Positionen verständlich und nachvollziehbar sind (mit Einschränkungen, etwa die Gesetze der Logik), doch der alles entscheidende Faktor nie genannt wird: daß jeweils Opfer gesucht werden, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Immer ist irgendjemand anderes schuld, nur nicht die eigene Irrationalität, die sich eben hier zeigt: indem Polen Deutsche drangsalieren (oder umgekehrt), zeigen sie ihren eigenen Sadismus und ihre eigene Kontaktlosigkeit, die einer lebensfeindlichen Charakterstruktur entspringen. Dies, die lebensfeindliche Charakterstruktur, ist der Feind. Bei aller irrationalen Politik geht es um den Versuch mit ihr umzugehen bzw. sich ihr (der besagte eigenen Verantwortung) zu entziehen und nicht etwa um die vermeintlichen Sachfragen. Egal, ob wir andere Völker oder Religionsgemeinschaften dämonisieren oder idealisieren, etwa Juden oder Mohammedaner, es ist jeweils nur Ausdruck unserer verkorksten Bioenergetik. Man braucht nur mit offenen Augen in die Welt zu schauen! Hier ein schönes Beispiel für solch einen hellsichtigen Menschen (bitte anschauen!):

Ein beliebiges Beispiel: Auf der Gegenseite des Globus gerät ein Kernkraftwerk aufgrund außergewöhnlicher Umstände und außergewöhnlicher Verantwortungslosigkeit außer Kontrolle – und als Reaktion darauf begeht Deutschland ethnisches, soziales und ökonomisches Harakiri. In Baden-Württemberg triumphieren der „Multikulturalismus“ (d.h. die systematische Islamisierung), die endgültige Zerstörung des Bildungssystems und die systematische Unterminierung eines Wirtschaftstandortes, ohne den der Rest der Bundesrepublik ins Mittelmaß absinken würde.

Ähnliches Irrationales wiederholte sich bei der „Flüchtlingskrise“ im letzten Jahr, als auf bundesdeutschen Bahnhöfen eine merkwürdige „Erweckungsatmosphäre“ herrschte und die ganze Welt zu Recht dachte, die zum Irrationalismus neigenden Deutschen würden mal wieder unter wotanischen Blutwallungen leiden. Eine vollkommen irre Massenhysterie beim Empfang von verachtenswerten jungen Männern, die Frauen und Kinder zurückgelassen hatten und zu feige waren, in den Krieg zu ziehen, um für ihre Gemeinschaften zu kämpfen!

Diese weltweit einmalige Reaktion erinnert fatal an den Nationalsozialismus, als ebenfalls Scheinprobleme, die von wirren Intellektuellen vorformuliert worden waren, die Massen in ihren Bann zogen. Es handelte sich damals und handelt sich heute um eine „gescheiterte Biologische Revolution“. Während die liberalen und sozialistischen Parteien an die Vernunft und den Realitätssinn appellierten, zelebrierten die Nationalsozialisten geradezu „politische Gottesdienste“ und sprachen fast ausschließlich das Gefühl an – das Gefühl, daß es einer grundsätzlichen „Umkehr“ bedürfe. Dem wachen Beobachter sollte sofort klar sein, daß das alles nur Show war und man tatsächlich mit der eigenen Panzerung rang.

Heute verkörpern die Grünen den offensichtlichen Wahnwitz. Ich erinnere daran, daß es in Deutschland nur eine Partei mit einem bewaffneten Arm gibt: die Grünen mit ihren „autonomen“ Sturmabteilungen, die im Rahmen der „Bewegung“ (sic!) für Nötigung, Sabotage und Sachbeschädigungen zuständig sind. (Einer aus diesem Mordgesindel wurde sogar Außenminister!) Wahlveranstaltungen mißliebiger Parteien werden gestört, Wahlplakate niedergerissen (ich habe noch nie ein zerstörtes Grünes Wahlplakat gesehen!) und durch gezielten Terror jede politisch unkorrekte Öffentlichkeit ausgeschaltet.

1968 schrieb Ulrike Meinhof in konkret:

Wir wissen – von Freud, Reich, Mitscherlich u.a. –, daß wir Deutschen mehr Schwierigkeiten als andere mit unseren unterdrückten Aggressionen haben, weil wir die, die wir hassen müßten, die unsere Aggressionen unterdrücken und unterdrückt haben – Vorgesetzte, Eltern, die da oben –, nicht hassen dürfen.

Stattdessen hätten wir unseren Haß auf die Juden, Kommunisten und Kriminellen gelenkt (Ulrike Marie Meinhof: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aufsätze und Polemiken, Berlin 1986, S. 163f).

Ziemlich interessant, wie man sich damals auf Reich berief, um seinen neurotischen Ödipuskomplex gegen „Vorgesetzte, Eltern, die da oben“ zu mobilisieren. Wenn das kein Faschismus ist, dann weiß ich nicht! Ich meine, diese elenden, unsäglichen Kindsköpfe wollten dieses Land in einen Bürgerkrieg stürzen, „den Vietnam-Krieg in die Metropolen tragen“. Der neurotische („ödipale“) Kampf geht heute weiter und richtet sich gegen alles, was in diesem neurotischen Wahnsystem für den Vater steht. Was bei den Hitleristen die „jüdischen Plutokraten“ waren, wird heute von der Atomindustrie, Mercedes und „Stuttgart 21“ verkörpert. Politik hat nichts mehr mit Sachfragen zu tun, sondern degeneriert vollends zur Bewältigung emotionaler Probleme. Es geht nicht mehr um Realität, sondern Chimären.

Die wirkliche Biologische Revolution, d.h. die Bewältigung der neurotischen Struktur selbst, steht aus. Nur sie wird die Lösung bringen, die die Faschisten versprechen.

Die Menschenmassen, die so sehr leiden, biopathisch und sozial, werden gezwungen sein, rational zu denken und wieder Kontakt mit ihrem biologischen Grundwesen zu gewinnen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 410)

Eine Zusatzbemerkung: Ich werde von Lesern immer wieder aufgefordert, mich doch endlich hierzu oder dazu zu bekennen. Sie sehen einfach nicht, daß ich das nicht tun kann, solange dies ein orgonomischer Blog sein soll. Es geht um Bioenergetik und nicht um irgendwelche ach so grandiosen politischen Analysen!

Und schließlich noch etwas: In seinem Buch Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (Freiburg 2001) behauptet Fritz Erik Hoevels etwas, zu dem einem jede Menge Gegenargumente einfallen, das aber trotzdem „funktionell“ richtig ist: Leute wie Marx, Freud und Reich konnten trotz ihrer gesellschaftsstürzenden Denke überleben, weil zu ihrer Zeit, die Staaten noch wirklich unabhängig waren und etwa England sich niemals hätte von Preußen reinreden lassen, was subversiv tätige Emigranten wie Marx und Engels betraf. Auch war innerhalb der Staaten das Rechtssystem noch intakt, d.h. die Richter haben sich an den Wortlaut der Gesetzestexte gehalten, so daß es nicht wie heute reihenweise bizarre Überraschungen vor Gericht gab (Hoevels, S. 27). Wie gesagt, dem Leser werden jede Menge Gegenbeispiele einfallen, von der damaligen skandalösen „Klassenjustiz“ bis hin zum Völkerrecht, das es damals in diesem Ausmaß noch nicht gab, aber betrachtet man das ganze „funktionell“, nämlich nicht vom „Prinzip“, sondern vom Resultat her, hat Hoevels mit seiner Beobachtung vollkommen recht.

Die besorgniserregende Veränderung von der bürgerlichen Rechtssicherheit zur postdemokratischen Rechtsunsicherheit ist dem Übergang von der autoritären zur anti-autoritären Gesellschaft zu schulden. Dies geht einher mit dem Zusammenbruch der Gewaltenteilung und der Erosion der Staatlichkeit. Die Politik von Angela Merkel, die ganz auf Europa setzt, es zuläßt, daß ein Erdogan in Deutschland mitregiert und bei der „Energiewende“, der Schuldenkrise und der Flüchtlingskrise mit dem Recht nach dem Motto „legal – illegal – scheiß egal“ umgeht, ist das vielleicht beste Beispiel. Die lokale Autonomie bricht zusammen und es herrscht eine alles zersetzende „pubertäre Rebellion“, bei der den Autoritären die lange Nase gezeigt wird. Als Folge gibt es keinerlei Schutz mehr und fundamentale, politisch inkorrekte Gesellschaftskritik wird zu einem Vabanquespiel. Ich kann jederzeit im Knast landen oder gar an ein fremdes Land ausgeliefert werden!

Die drei Lügen der Orgonomie (Teil 3): Die Sozialstaatslüge

29. August 2015

Im krassen Gegensatz zu Marx war für Reich „klar, daß das ökonomische Elend Ergebnis statt Ursache der politischen Pest ist“ (Brief an Neill vom 8. Juli 1953). Oder wie Roland Baader es in seiner vernichtenden Kritik des Wohlfahrtstaates ausgedrückt hat:

Politik: Das ist – ein wenig überspitzt formuliert – die Installation falscher Systeme und die strategische Nutzung der sich hieraus permanent ergebenden Irritationen sowie die taktische Beherrschung des hieraus resultierenden endlosen Reparaturbetriebs. Deshalb birgt Politik auch immer und überall den Kern des Unmoralischen. (Fauler Zauber, Gräfelfing 1997, S. 20f)

Man höre sich die Sozialisten und sogenannten „Sozialdemokraten“ an, die immer mehr „Politik“ fordern!

Gewaltenteilung kann nur so lange erhalten bleiben wie eine Regierung sich auf die Verwaltung eines Landes (gemäß geltendem Recht) und auf den Schutz der bestehenden Rechtsordnung beschränkt. Sobald die Exekutive (Regierung) andere oder zusätzliche Zwecke verfolgt, sobald sie sich die Einrichtung von Privilegien, Ausnahmen oder Sonderrechten zum Ziel setzt – z.B. im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ – muß sie auch dazu „legitimiert“ werden, sich das zu diesem Zweck erforderliche „Recht“ nach Bedarf selbst zu schaffen, d.h.: Exekutive und Legislative müssen deckungsgleich werden – oder sich zumindest institutionell so weit annähern, daß sie „Hand in Hand“ wirken können. Genau diesen das Recht unterhöhlenden, die Gesetzgebung pervertierenden, die Exekutive usurpierenden und die Gewaltenteilung eliminierenden Zustand weisen die modernen Parlamente und Parteien aller sogenannten „Rechtsstaaten“ aus: Legislative (Abgeordnete) und Exekutive (Regierungsmitglieder) sitzen dort in trauter Gemeinsamkeit und spielen sich die Bälle zu, um alles durchzusetzen, was man demoskopisch und wahlwirksam als „Volksmeinung“ ermittelt zu haben glaubt. Dieser „Wille zur Mehrheit“ ist aber meist nichts anderes als die Reaktion auf verführerische Versprechungen über Sonderrechte oder Sonderdiskriminierungen bestimmter Gruppen, und seine gesetzgeberische Durchsetzung ist deshalb in diesen Fällen nichts anderes als Unrecht und Rechtszerstörung. (Baader: Kreide für den Wolf, Böblingen 1991, S. 176)

Baader zitiert Ludwig von Mises:

Das wichtigste Mittel der Politik des Destruktivismus ist (…) die Gewerkschaft (…) [Sie] hat sich zu einer Gewaltorganisation ausgebildet, die durch den Schrecken die ganze Gesellschaft in Schach hält, und vor deren Machtwort alle Gesetze und alle Rechte verblassen. (…) Wenn auch in andere rechtliche und organisatorische Formen gekleidet, ist die Sowjetmacht nichts anderes als der natürliche geschichtliche Abschluß der gewerkschaftlichen Bewegung. (ebd., S. 251f)

Für Reich sind Sozialisten „Feinde des Menschen“, weil sozialistische Gesinnung unweigerlich zu Dirigismus führt „und zwar in dem Ausmaß, in dem Sozialismus ernstgenommen wurde“ (Christusmord, Freiburg im Breisgau 1978, S. 136).

Damit bezog sich Reich durchaus nicht nur auf das Stalinistische Regime im russischen Imperium, sondern auch auf die Sozialisten in Europa und die Linksliberalen in Amerika. Entsprechend schrieb er 1949 an Neill, daß sozialistische Regierungen, wie z.B. diejenige Englands, für Politik und Emotionelle Pest weit stärker stehen würden, „als je irgendetwas zuvor“ (Zeugnisse einer Freundschaft, S. 343). Um die gleiche Zeit herum schrieb er:

Die Vorstellung, der Kapitalist sei für alle Not verantwortlich zu machen, wurde zu einer solch fixen Idee, daß sich die Politiker der Linken zu den reaktionärsten und lebensfeindlichsten Vertretern der gesellschaftlichen Ideologie entwickelten. („The Biological Revolution from Homo Normalis to the Child of the Future“, Orgonomic Functionalism, Vol. 1, 1990, S. 44)

Reichs damalige Haltung läßt sich auch indirekt an seiner vier Jahre später geschriebenen „Entgegnung“ auf die gegen ihn erwirkte gerichtliche Verfügung ersehen, in der er sich auf das „Naturrecht“ beruft (Ausgewählte Schriften). Naturrecht, für das Marx nur Verachtung übrig hatte, beruht im Kern auf dem selbstverständlichen Recht auf Selbstbesitz und damit naturnotwendig auf Eigentum (vgl. Orgonomic Functionalism, S. 44) und ist damit mit Linksliberalismus, Sozialismus und Sozialstaat unvereinbar (Baader: Kreide für den Wolf).

Das Adjektiv „sozial“ (ohnehin ein Euphemismus für „sozialistisch“) steht für eine inhärent faschistische Gesinnung. Um Baader zu zitieren:

Im Grunde genommen basiert die Wohlfahrts- und Sozialstaats-Idee auf dem Thomas Hobbes’schen Denkmuster vom „Kampf aller gegen alle“, dem ein schrecklich verzerrtes Menschenbild und anthropologische Total-Ignoranz zugrunde liegt. Nur wenn alle Menschen – so Hobbes – sich durch Vertragsschluß in einen allmächtigen Staat – den Leviathan – einbinden, kann es gesellschaftlichen Frieden geben. Das heißt im Klartext: Überleben ist nur durch Zerstörung des individuellen Freiheit möglich. Es ist unmittelbar erkennbar, daß dieser Gedanke zutiefst sozialistisch ist. Damit ist aber auch das vorgeblich so edle sozialistische (und „soziale“!!) Menschenbild als Fratze des „von Natur aus Bösen“ entlarvt. (ebd., S. 302)

„Sozial“ und die Orgonomie sind unaufhebbare diametrale Gegensätze.

Kleines Lexikon der Arbeitsdemokratie

24. Juli 2015

Natürlich hat ein „Lexikon“ in einem Blog keinen Platz. Dieses vorgebliche „Lexikon der Arbeitsdemokratie“ dient einzig dazu, möglichst komprimiert in die Gedankenwelt der Arbeitsdemokratie einzuführen.

Anarchismus: Reich war stets ein Gegner des Anarchismus, da dieser die strukturelle Freiheitsunfähigkeit der Massen nicht sieht und nicht erkennt, daß die hierarchische Ordnung der Gesellschaft nicht nur willkürlich ist, sondern durchaus einen rationalen Kern in den Notwendigkeiten des Arbeitsprozesses hat.

antiautoritär: Die traditionelle autoritäre Gesellschaft war repressiv, insbesondere was den Sexus angeht. Die antiautoritäre Gegenbewegung ruft Triebhaftigkeit und einen alles erstickenden Intellektualismus hervor mit einer vollständigen Trennung vom biologischen Kern.

Arbeit, lebensnotwendige: „Unter ‚lebensnotwendiger Arbeit‘ müssen wir jede rubrizieren, die zur Aufrechterhaltung der menschlichen Lebens und der gesellschaftlichen Maschinerie unerläßlich ist. Jede Arbeit also, deren Ausfall den lebendigen Prozeß schädigen und hemmen würde, ist lebensnotwendig“ (Massenpsychologie des Faschismus).

Arbeiterbewegung: Ursprünglich ein genuin arbeitsdemokratischer Protest gegen die Degradierung des Menschen zum Anhängsel der Maschine. Reich hat die Entartung zur Staatsgläubigkeit beschrieben, die den Menschen noch weiter zu einem Maschinenwesen erniedrigt.

Arbeitsenergie: Neben der Libido ist die Arbeitsenergie die zweite wichtige Äußerungsform der organismischen Orgonenergie. Während die Sexualenergie zur Bildung von Freundschaften, sexuellen Partnerschaften und Familiengemeinschaften führt, ist die Arbeitsenergie für die Bildung arbeitsdemokratischer Zusammenschlüsse von losen Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Wirtschaftsunternehmen verantwortlich.

Arbeitskraft: Die biologische Energie als Produktivkraft. Neben der Sexualität ist Arbeit eine der beiden grundlegenden Lebensfunktionen. „Je befriedigender das Geschlechtsleben ist, desto voller und freudiger ist auch die Arbeitsleistung“ (Massenpsychologie des Faschismus).

Arbeitsstörungen: Es besteht eine Entsprechung zu Störungen der sexuellen Befriedigungsfähigkeit. Ursachen können äußerlich (z.B. durch Mobbing) oder innerlich (neurotisch) sein. Genauso wie im Sexualleben wird der Gesunde (in einer freiheitlichen Gesellschaft) sein Leben so verändern, daß er Erfüllung in der Arbeit findet.

Arbeitsteilung: Die Spezialisierung ist nicht etwa Ursache von „Entfremdung“ sondern Wesen der Arbeitsdemokratie.

Ausbeutung: Unter Ausnutzung eines Machtgefälles wird die Sexual- und Arbeitsenergie der Schwachen ausgebeutet. Diese Ausplünderung ist nicht mit dem normalen Gewinnstreben zu verwechseln. Auf dem Verwischen dieses Unterschiedes beruht die Ideologie des Sozialismus.

Autorität: Autorität in einem Fachbereich besitzt jeder, der in diesem Fachbereich schöpferisch tätig ist.

Biologischer Rechenfehler: Die biologische Kapazität des Menschen für eine verantwortliche Selbstregulierung wird bei sozialen Veränderungen nicht beachtet, was den ständigen Wechsel zwischen Zeiten vermeintlichen Fortschritts und Zeiten des Rückschritts hervorruft.

biosozial: Arbeit und Sexualität entstammen der gleichen biologischen Energie.

Bio-Soziologie: Soziologie jenseits aller nationalen und klassenmäßigen Unterschiede.

Demokratie, formale: Der Unterschied zwischen formaler und Arbeitsdemokratie liegt darin, daß in der ersteren die Quantität (von Stimmen) die Entscheidung bestimmt, in der letzteren jedoch ausschließlich die Qualität (Fachwissen). Um Quantität zu messen, benötigt man keine Kontaktfähigkeit, sehr wohl jedoch um Qualität zu messen. Solange die Menschen kontaktlos bleiben, werden wir von der Diktatur der kontaktlosen Mehrheit bestimmt werden.

Diktator: Er sagt im Gegensatz zum Social Guide (gesellschaftlicher Wegweiser) was zu tun ist, wie es zu tun ist und wo die Ziele liegen. Und er verfolgt jeden, der diesen „höheren Eingebungen“ nicht folgt. Dabei bildet er sich nur ein tatsächlich zu führen, während er in Wirklichkeit von den mystischen Erwartungen der Massen geführt wird.

Elend: Elend hat nichts mit materieller Not per se zu tun, sondern beruht darauf, was den Kleinkindern und Jugendlichen angetan wird.

Entkolonialisierung: Der Rückzug des Westens aus den Kolonien im Namen der „Humanität“ und die verheerenden Folgen für Abermillionen Menschen ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was für Auswirkungen kontaktlose hehre Prinzipien haben, die die konkrete Freiheitsfähigkeit der Menschen nicht berücksichtigen.

Fachbewußtsein: „Bewußtsein heißt Rückwendung gegen den eigenen Ursprung.“ (Menschen im Staat) Fachbewußtsein bedeutet, daß man sich seiner Stellung im Arbeitsprozeß und allgemein im Lebensprozeß bewußt wird: aus ihm ist man hervorgegangen, von ihm ist man abhängig und ein integraler Bestandteil von ihm.

Gewaltenteilung: In seinen ersten Ausführungen zur Arbeitsdemokratie schwebten Reich sozusagen „Räte“ vor, die jedoch nicht wie einst die russischen Sowjets Orts- und Betriebseinheiten vertreten, sondern bestimmte Arbeitsinteressen und so das wirkliche Arbeitsleben besser widerspiegeln. Diese Arbeitsräte bestünden im Prinzip schon heute in Gestalt der Fachorganisationen. Reich denkt auch an die Konsumgenossenschaften, denen man nur Produktionsgenossenschaften gegenüberstellen müßte. Die Führung der Gesellschaft durch den „zentralen Arbeitsrat“ soll als einzige Funktion die innehaben, alle Arbeitszweige miteinander zu verbinden, ohne irgendwie über sie bestimmen zu dürfen. Realistischer wäre zum Beispiel die Forderung nach einer vierten, einer „konzeptiven“ Gewalt: einer Kammer, einem Senat, der aus Wissenschaftlern gebildet wird und wo einzig und allein Fachkenntnisse zählen.

Justiz: Die Justiz ist verpflichtet, die Gesetze den konkreten Umständen entsprechend anzuwenden und dabei das betreffende Gesetz selbst zu hinterfragen: Ist es noch zeitgemäß? Weshalb wurde es eingeführt und von wem?

Kritik: „Die Politiker kritisieren; sie sollten aufhören zu kritisieren. Marx und Hegel haben auch zu viel kritisiert. Die Marxistischen Bewegungen wurden statisch. Lenin war zu sehr Politiker in seinen Schriften. Ich glaube, die Politiker sind erledigt, alle.“ (Reich zu Myron Sharaf, Journal of Orgonomy, 1970)

die Massen: Die Massen verkörpern den Status quo, den ihre vorgeblichen „Führer“ nur exekutieren. Millionen sterben, Ländergrenzen verändern sich dramatisch – aber im Grunde ändert sich nichts.

Nichtarbeit: Reich hat streng zwischen Arbeit und Nichtarbeit, „die den Lebensprozeß schädigt“, unterschieden.

Not, materielle: Im Gegensatz zu Marx steht für Reich fest, „daß das ökonomische Elend Ergebnis statt Ursache der politischen Pest ist.“ (Brief an Neill vom 8. Juli 1953)

Politikanten: Reich unterscheidet zwischen sachlich ausgerichteten Politikern, wie Roosevelt, und den Politikanten, die deren Arbeit hintertreiben.

Social Guide: Im Gegensatz zum Diktator läßt der „Soziale Wegweiser“ die Menschen ihre Ziele und Mittel selbst wählen und wird ihnen helfen, wenn er darum gebeten wird, sich aber ansonsten aus ihren Angelegenheiten heraushalten. Niemals wird er Leuten sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Soziologie: Das Soziale ist dadurch gekennzeichnet, daß verschiedene Individuen sich entweder zu rationalen arbeitsdemokratischen oder in einer „emotionalen Verschwörung“ zu irrationalen Zielen zusammenfinden. In beiden Fällen bilden sich soziale „Organismen“, die eine Eigendynamik unabhängig von den Individuen gewinnen.

Soziopolitik („gesellschaftlich engagierte Politik“): Statt einfach zu regieren, wird aufgrund ideologischer Vorgaben in das Sozialgefüge der Gesellschaft eingegriffen (Aktivismus). Aktive Gesellschaftspolitik ist ein Ausdruck der Emotionellen Pest.

Staat: „Es ist (…) die politische Zerklüftung der Gesellschaft, die die Staatsidee, und es ist umgekehrt wieder die Staatsidee, die die soziale Zerklüftung erzeugt. Es ist ein circulus vitiosus, aus dem man nur herausspringen kann, wenn man sowohl der Zerklüftung wie der Staatsidee auf den Grund geht und beide auf einen gemeinsamen Nenner zurückführt. Dieser dritte Nenner ist (…) die irrationale Charakterstruktur der Menschenmassen.“ Massenpsychologie des Faschismus Geht man nämlich vom gepanzerten Organismus aus, ist es nur ein kleiner Schritt „zur staatlichen Auffassung der menschlichen Gesellschaft oder umgekehrt, von der Idee des absoluten Staates zur mechanistischen Auffassung des Organismus.“ So Reich in Äther, Gott und Teufel, wo er die Arbeitsdemokratie mit dem (ungepanzerten) Organismus gleichsetzt.

Streiks: Bei Streiks vermißt Reich den Willen zur Selbstbestimmung.

Verantwortlichkeit: Es ist irrelevant, ob Stalin, Hitler, Castro oder Khomeini eine schlimme Kindheit hatten, also letztendlich auch nur „Opfer“ waren. Das einzige was zählt, ist das Schicksal zukünftiger Generationen von Kindern.

Wahlverhalten: Es kommt auf die historische Situation an. In Zeiten des gesellschaftlichen Zerfalls wendet man sich der Rechten zu, in Zeiten der reaktionären Erstarrung der Linken.

Zwischenhandel: Der unproduktive Zwischenhandel müßte beseitigt werden und durch einfache Administration, die zwischen Konsumenten und Produzenten vermittelt, ersetzt werden. Zu Reichs Zeiten war das eine ziemlich haltlose Utopie, doch mit dem Internet wird sie zunehmend zur Wirklichkeit.