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Die „rotfaschistische Rückkehr“ Reichs nach Deutschland

19. September 2022

Wer hat eigentlich 1966 die Herausgabe von Die sexuelle Revolution initiiert und damit „Reich heim ins Reich geholt“? Vielleicht steckt ja die 1959 von Wolfgang Fritz Haug gegründete Zeitschrift Das Argument dahinter. Jedenfalls veröffentlichte er 1965 den Aufsatz

Bernhard Blanke/Reimut Reiche/Jürgen Werth, Die Faschismustheorie der DDR. In: Das Argument, H. 33/1965, S. 33-55

Dort (S. 48) wird die Faschismustheorie der DDR zwar kritisch betrachtet, aber prinzipiell der „bürgerlichen“ als überlegen erachtet. Von den Autoren wird neben linkskommunistischen Faschismus-Theoretikern wie August Thalheimer auch Wilhelm Reichs Theorie von der Massenpsychologie des Faschismus wegen ihres antibürgerlichen Gehalts positiv bewertet. (Hans-Helmuth Knütter: Die Faschismus-Keule. Das letzte Aufgebot der deutschen Linken, Frankfurt: Ullstein, 1993, S. 71)

Es kann gut sein, daß sich die Veröffentlichung des Reich-Buches gegen Ludwig Erhards angeblich faschistische Ideologie der „formierten Gesellschaft“ (vgl. Knütter, ebd.) und gegen seine damals aktuellen „anti-hedonistischen“ „Mäßigungs-Appelle“ richtete. (Geradezu tragikomisch ist dabei natürlich, daß Erhards Konzepte sich mit Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie überschneiden. [Selbst Erhards bis heute immer wieder gerne ausgebudelte Rede vom journalistischen Ungeziefer und Schmeißfliegen könnte von Reich stammen „No see’ems“.])

Wirklich komisch ist aber der Satz des konservativen Politikwissenschaftlers Klaus Hornung: Das totalitäre Zeitalter, Berlin: Propyläen, 1993, S. 287: „Klassische Faschismus-Analysen aus der Zeit der Weimarer Republik von August Thalheimer und Arthur Rosenberg bis Wilhelm Reich und Herbert Marcuse kamen [zur Zeit der Studentenbewegung] wieder auf den Markt, die die These vom ‚Faschismus‘ als dem Agenten und Söldner des Großkapitals wiederaufnahmen.“ Reich als Vertreter der Dimitroff-Formel!