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Die Orgonomie und die Energetik (Teil 3)

4. Mai 2015

Seit Franz Anton Mesmer wurde wohl kaum ein anderer Mediziner von der eigenen Profession derartig die Kollegialität verweigert wie dem Arzt Wilhelm Reich. Was immer man von den Theorien und der Praxis Mesmers halten mag, ist heute, nach 200 Jahren, seine entscheidende Rolle in der Geschichte der ärztlichen Psychotherapie nicht länger bestreitbar: Charcot, Freud und alles was danach gekommen ist, wäre ohne ihn undenkbar. Ich behaupte, daß auch Reich, ob seine Verächter Recht haben oder nicht, ob seine Theorien haltbar sind oder nicht, in nicht allzu ferner Zukunft eine ähnliche Ehre zu Teil werden wird: die Ehre in Darstellungen der Geschichte der Medizin als entscheidender Anreger neuer Entwicklungen erwähnt zu werden.

Schon heute wird in vielen Gesundheitseinrichtungen und selbst in Psychiatrien mit den „körpertherapeutischen“, bzw. „bioenergetischen“ Techniken Reichs gearbeitet – wenn auch durchweg in entstellter Form und manchmal unter Verschweigen des Urhebers. Aber auch etwa aus der psychiatrischen Diagnostik ist Reich nicht wegzudenken, z.B. stammt der Begriff „phallisch-narzißtischer Charakter“ von ihm (1926) und sein Buch Charakteranalyse war als Einführung in die psychoanalytische Technik und psychoanalytische Charakterologie (die er begründet hat) über lange Zeit, als die Psychiatrie noch psychoanalytisch orientiert war, unverzichtbar.

Schon Anfang der 1920er Jahre beschäftigte sich Reich als einer der ersten Psychoanalytiker in der Klinik von Wagner-Jauregg und im Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium mit den psychopathischen Persönlichkeitsstörungen oder, wie er es bezeichnete, mit dem „triebhaften Charakter“, wobei er sich auch intensiv mit der „multiplen Persönlichkeit“ auseinandersetzte, die er bereits damals auf den sexuellen Kindesmißbrauch zurückführte.

Es ist ein Skandal, daß seine damalige Arbeit, aus der er übrigens seine „Charakteranalyse“ entwickelte, in den betreffenden heutigen Arbeiten zum Thema nicht erwähnt wird. Aus der Charakteranalyse heraus, in deren Folge bei Patienten Strömungsempfindungen auftraten, entwickelte Reich in den 1930er Jahren eine umfassende Meßreihe, in der er die Emotionen der Angst und der Lust mittels Verstärkerröhren und einem Oszillographen darstellen konnte, indem er das elektrische Hautpotential ober- und unterhalb der Epidermis abnahm. Damit nahm er einen Teil der Forschungsarbeiten von Masters und Johnson aus den 1960er Jahren vorweg – und wieder wird Reichs Name in diesem Zusammenhang nirgendwo erwähnt.

Selbst in der Psychoanalyse wurde und wird er praktisch nirgends erwähnt. Man schlage irgendeine neuere Arbeit z.B. über Anna Freud auf und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, daß man nichts über Reich finden wird. Wenn er doch Erwähnung findet, werden ihm meist Dinge unterschoben, die mit seiner Arbeit nichts zu tun haben und teilweise geradezu das Gegenteil seiner Intentionen darstellen. Zum Beispiel wird er als libertärer Verkünder der sexuellen Befreiung hingestellt, während ganz im Gegenteil bei ihm stets die Eigenverantwortung im Mittelpunkt stand, d.h. die Macht sich nicht willenlos jeder Regung hinzugeben, sondern sich willentlich zu entscheiden. Seine Therapie zielte in all ihren Entwicklungsphasen letztendlich darauf ab, den Menschen diese Entscheidungsfreiheit zurückzugeben, so daß sie nicht etwa durch pornographische Manipulationen in der Werbung konditioniert werden können.

Reichs Ausgangspunkt war die psychoanalytische Libidotheorie, wie sie sich ihm Anfang der 1920er Jahre darstellte. Sie war quasi ein thermodynamisches Modell, in dem im Organismus bestimmte Quanta unzerstörbarer Energie gespeichert ist, die innerhalb unterschiedlicher, voneinander getrennter Systeme, z.B. als orale, anale oder genitale Libido umgewandelt, in Lustbetätigung verbraucht oder zu arbeitsfähiger Energie veredelt, bzw. „sublimiert“ wird.

Reichs originärer Beitrag bestand darin, dieses mechanistische Modell aufzubrechen, indem er die verschiedenen Libido-Kreisläufe, die nicht viel mehr als theoretische Konstrukte waren, mit dem realen aktuellen Sexual- und Arbeitsleben der Patienten verband. Er fand heraus, daß erstens die angeblich isolierten oralen, analen und genitalen (hysterischen) Pathologien eine Funktion der genitalen Befriedigung bzw. Frustration sind und daß zweitens nicht nur kein Gegensatz zwischen genitaler Befriedung und Sublimierung (Arbeit) besteht, sondern daß sie sich vielmehr wechselseitig bedingen.

Ein weiterer Schritt war dann in den 1930er Jahren die Klärung, um was für energetische Vorgänge es dabei im einzelnen eigentlich geht. Reich verband seine Orgasmustheorie mit der Arbeit des Chefs der Berliner Charité Friedrich Kraus, der in einer bis heute nicht aufgearbeiteten umfassenden Theorie den menschlichen Organismus als ein durch elektrochemische Prozesse betriebenes Energiesystem beschrieb. An den Grenzflächen zwischen zirkulierenden Salzelektrolyten und stationären Kolloidelektrolyten, die keine Membranen durchdringen können, bilden sich elektrische Potentiale, deren Ausgleich Energie erzeugt, wobei sich elektrische Energie in mechanische umwandelt und so das Biosystem betrieben wird.

Parallel mit dieser theoretischen Loslösung von der Psychoanalyse entwickelte Reich die „Vegetotherapie“, eine Art umfassender körperorientierter Verhaltenstherapie, in der im Rahmen einer charakteranalytischen Durcharbeitung der Widerstände durch Hinweise auf die Blockierungen des Atmens und auf chronische Muskelverkrampfungen an anderen Stellen des Körpers, sowie durch direkte Manipulation dieser chronisch verkrampften Muskulatur der Organismus zu einem ausgeglichenen vegetativen Tonus zurückgeführt werden soll. Gesundheit zeigt sich hier in einem vollständigen Funktionieren aller denkbaren Reflexe, insbesondere des Würgereflexes und letztendlich des 1937 von Reich zuerst beschriebenen „Orgasmusreflexes“, einer Ganzkörperzuckung auf dem Höhepunkt der geschlechtlichen Erregung.

Dieser Ansatz führte Reich in den Bereich der psychosomatischen Erkrankungen, die er, stark verkürzt dargestellt, auf die besagten chronischen Muskelverkrampfungen zurückführte. Insbesondere beschäftigte sich Reich mit der Krebserkrankung, bzw. mit dem, was er als „karzinomatöse Schrumpfungsbiopathie“ bezeichnete. Bösartige Wucherungen waren für Reich das späte Symptom einer schleichenden Erkrankung des Vegetativums, das sich aufgrund chronischer Sexualenttäuschung sozusagen in sich selbst zurückzog und die bösartigen Wucherungen stellten sozusagen ein letztes Aufbäumen von Teilen des Organismus gegen diesen schleichenden Sterbensprozeß dar. In seiner, hier extrem verkürzt dargestellten, umfassenden Krebstheorie hat Reich viele Ergebnisse der Psychoonkologie teilweise um Jahrzehnte vorweggenommen.

Am Beispiel des so verstandenen Krebses läßt sich besonders leicht aufzeigen, daß Erkrankungen größtenteils ein soziales Problem darstellen: d.h. das soziale Milieu ist dafür verantwortlich, wie harmonisch sich der Mensch entwickeln kann, ob er aus sich heraus gehen kann und Erfüllung in der Sexualität und in der Arbeit findet oder ob er es nicht kann. Das besondere bei Reich ist nun, daß er nicht nur solche „psycho-somato-sozialen“ Theorien vertreten hat, sondern konkret Schritt für Schritt den kausalen Zusammenhang von der Desorganisierung der Gesellschaft bis zur Desorganisierung des Gewebes aufzeigen kann.

Hier zwei Zitate, die ungefähr umreißen, in welcher geistigen Atmosphäre Reich die ersten Schritte hin zur Orgonomie unternommen hat.

Henri Bergson in Schöpferische Entwicklung (Zürich, o.J., S. 207):

Der menschliche Intellekt, wie wir ihn uns vorstellen, ist nicht mehr jener von Plato im Gleichnis der Höhle geschilderten. Seine Funktion ist es nicht mehr, leere Schatten vorübergleiten zu sehen, nicht mehr, jenseits seiner selbst gewandt, das aufglühende Gestirn zu schauen. Er hat anderes zu leisten. Angeschirrt wie Arbeitstiere im schweren Tagewerk spüren wir das Spiel unserer Muskeln und Gelenke, die Schwere des Karrens und den Widerstand der Scholle: handeln und sich als handelnd wissen, in Kontakt treten mit der Realität, ja sie – nur aber nach ihrer Bedeutung für das werdende Werk, für die Schürfung der Furche – leben, das ist die Funktion des menschlichen Intellekts. Dennoch badet uns ein wohliger Strom, dem wir die Kraft selbst zu Arbeit und Leben entschöpfen. Jeden Augenblick eratmen wir etwas von diesem Ozean von Leben, dem wir eingesenkt sind, fühlen wir, wie sich unser Wesen, oder doch der Verstand, der es lenkt, nur durch eine Art örtlicher Erstarrung aus ihm gebildet hat. Die Philosophie also kann nur die Anstrengung sein, sich diesem Ganzen neu zu verschmelzen.

Ein Beispiel dieser Tradition, die, wenn auch auf mystisch-abstrakte Weise, die Orgonomie beinahe wortwörtlich vorwegnimmt, findet sich in Karl Joels Seele und Welt – Versuch einer organischen Auffassung (1923). In einer zeitgenössischen Buchbesprechung heißt es:

Die Weltanschauung Joels ist eine organische und weist bei aller Selbstständigkeit Beziehungen zu Denkern wie Plotin, Schelling, Fechner, Bergson u.a. auf. Organisch ist sie, weil nach ihr das Leben die wahre, ursprüngliche Wirklichkeit ist, weil Geist und Materie nur verschiedene Stufen lebendigen Werdens sind, wobei der Geist, die Seele die Produktion und Variation in der Welt bedeutet, deren Erstarrung, Mechanisierung, Stabilisierung das Körperliche erzeugt. Die Welt als Ganzes ist eine Entfaltung und Entschließung der organischen Einheit, die in allem sich auswirkt. Die Welt ist durch und durch Funktion, sie ist eine Objektivation der ewig sich verkörpernden und ewig über alle Verkörperung hinausstrebenden schöpferischen Tat. Die Materie ist nur die passive, sinkende Seite des Weltlebens, das Komplement der Seele, die innere Sammlung, die im Materiellen sich entäußert. Gott ist das ewige Leben, das Leben in beständiger Erneuerung, die Einheit, während die Welt Vielheit ist. (Rud. Eisler in Neue Freie Presse)

So die Verlagswerbung in Joels Nietzsche und die Romantik (Jena, o.J.) wo er z.B. schrieb:

Gegensätze berühren sich nicht, sie sind vielmehr ursprünglich eins und treten auseinander als die abgekehrten Pole eines Ganzen; denn Heterogenes gibt keinen Gegensatz. Aller Gegensatz beruht auf Gemeinschaft. (S. 217)

Dies ist eine Vorwegnahme des Orgonomischen Funktionalismus, wenn nicht sogar der Orgonometrie.

Die klassische Physik kennt drei Thermodynamische Gesetze, die wie folgt orgonomisch interpretiert werden können:

  1. Energie kann nicht „erzeugt“ werden, sondern nur umgewandelt. Dies bedeutet, daß die Orgonenergie die letzte nicht weiter ableitbare Realität ist.
  2. Spontan gleichen sich alle Potentialunterschiede in der Natur aus. Dies nannte Reich „mechanisches Potential“, durch das Orgonenergie-Konzentrationen wieder abgebaut werden.
  3. Der absolute Nullpunkt von -273,2 °C = 0 K ist unerreichbar. Dieses sogenannte „Nernstsche Theorem“ weist darauf hin, daß die Orgonenergie ein durch nichts zu durchdringendes Kontinuum ist.

Alle Energetiker vor und nach Reich bauten und bauen ihre Theorien auf die ersten beiden Thermodynamischen Gesetze auf. Hans Hass stellt immerhin kurz die Theorie des Wiener Konstrukteurs und Fabrikbesitzers Kurt Wieser („der in machen Gedanken der Energontheorie nahekam“) aus den 1940er Jahren vor, die eine Ausnahme ist (Hass: Naturphilosophische Schriften Bd. 3, München 1987).

Hass zufolge machte Wieser den Vorschlag, den beiden Grundgesetzen ein drittes hinzuzufügen. (Wobei sowohl Wieser als auch Hass vergessen, daß der dritte Platz schon durch das wenig bekannte Nernstsche Theorem belegt war.) Wieser nannte es „Gesetz der zunehmenden Wirkung einzelner Energiequellen“, das besagt, daß „in einzelnen Fällen (…) sich einzelne Urkräfte andere Urkräfte um sich herum“ gliedern.

Hass erscheint Wiesers Gedanke,

daß Energie sich unter bestimmten Bedingungen zusammenballt, differenziert und in immer mächtigeren Potentialen – den Trägern des Lebensprozesses – manifestiert, (…) nicht unberechtigt.

Weiter schreibt Hass:

Auch hier stehen wir vor einer nicht weiter „erklärbaren“ Grundeigenschaften des besonderen Etwas „Energie“. Auf dieser Grundeigenschaften beruht letztlich die gesamte Evolution. Wohlgemerkt: Nicht die Gestalten erklären sich aus ihr – jedoch: daß es überhaupt zu solchen Gestalten kommen konnte. Der Physiker – für den die Organismen außerhalb seiner „Kompetenz“ liegen – mag kaum geneigt sein, ein solches Grundgesetz den beiden ersten anzufügen. Von der Energontheorie her finde ich dagegen diesen Vorschlag berechtigt. (Hervorhebungen hinzugefügt)

Wiesers „Vorschlag“ ist identisch mit der Reichschen Formulierung des orgonomischen Potentials – dem, durch Experimente nachgewiesen, spontanen Aufbau von Energiepotentialen.

Wieser, Hass und natürlich Reich stehen durchaus nicht allein da. So hat der berühmte Quantentheoretiker Erwin Schrödinger 1944 in seinem Buch Was ist Leben? ausgeführt, daß das Phänomen Leben nicht zum 2. Thermodynamischen Gesetz paßt. Deshalb warf er die Frage nach einem neuen Gesetz in der Physik auf und postulierte die „negative Entropie“, die nichts anderes als Reichs Orgonomisches Potential ist.

In neuerer Zeit hat der Physiker und Chemie-Nobelpreisträger Ilya Prigogine Zweifel an der Entropie-Lehre wachgehalten. Es sei ja keineswegs zutreffend, so der Spiegel (4/87) in einer Zusammenfassung der Arbeiten Prigogines, daß der Kosmos allenthalben in immer simplere Bausteine zerbröckle. Beweis seien

hochgradig komplexe Organismen, die im Laufe weniger Jahrmilliarden entstanden sind und dem Entropie-Gefälle offensichtlich entgegenwirken. Doch auch in der unbelebten Materie sieht Prigogine Eckpfeiler, die dem Entropie-Prozeß standhalten, so etwa die (…) Baryonen, kompliziert gebaute Elementarteilchen, die sich seit 20 Milliarden Jahren nicht verändert haben.

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 6)

2. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 6)

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Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 5)

26. März 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 5)

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Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 1)

7. Februar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 1)

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Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 6)

7. Januar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 6)

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Die Zukunft der Orgonomie (Teil 2)

18. Oktober 2014

Die Zukunft der Orgonomie ruht auf vier Pfeilern, von denen gegenwärtig alle vier brüchig, wenn überhaupt vorhanden sind:

  1. Orgontherapie: Ohne sie ist alles, was „innerhalb“ der Orgonomie getan wird, vom individuellen Charakterpanzer geprägt und damit kontraproduktiv. Konkret bedeutet dies, die Beiträge sind entweder mystisch oder mechanistisch entartet. Leider gibt es in Europa kaum Therapeuten.
  2. Orgonenergie-Akkumulator: Es ist eine der Tragödien der Orgonomie, daß beispielsweise in den 45 Jahren, in denen das Journal of Orgonomy erschienen ist, kein einziger Artikel über die therapeutische Anwendung des Orgonenergie-Akkumulators erscheinen konnte. Das geschah nicht nur aus Angst vor der FDA (der amerikanischen Bundesgesundheitsbehörde), sondern vor allem wegen der Befürchtung, aus der Arzthaftpflichtversicherung geworfen zu werden und damit die Approbation zu verlieren. Mit der Obama-Gesundheitsreform und der damit einhergehenden zusätzlichen Bürokratisierung kann die Situation nur noch schlimmer werden. Aus diesem Grund liegt die Zukunft der Orgonomie eher in Europa – solange das die EUdSSR noch zuläßt.
  3. Soziale Orgonomie: Ohne Studium und Handhabe der Emotionellen Pest ist die Orgonomie der Irrationalität der gepanzerten Menschen schutzlos ausgeliefert. Zu Reichs Zeiten waren es vor allem die konservativen Kräfte, die sich den Zielen der Orgonomie entgegenstellten (d.h. vor allem dem humanen Umgang mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen), heute sind es fast ausschließlich die sogenannten „progressiven“ Kräfte, die im Wege stehen. Beunruhigenderweise ist Europa in den letzten Jahrzehnten in einem Maße nach links gerückt, daß Ideologie alles bestimmt und Vernunft kaum noch eine Chance hat.
  4. Physikalische Grundlagenforschung: Hier gibt es zwei Probleme. Erstens erzwingt der gegenwärtige wissenschaftliche Standard einen derartigen Aufwand, daß eine Finanzierung zunehmend schwieriger wird. Ohne diese Anstrengung wäre orgonomische Forschung aber kaum mehr als Selbstvergewisserung. Zweitens ist die atmosphärische Orgonenergie seit Reichs Zeiten dermaßen geschädigt worden (ORANUR), daß die orgonotischen Phänomene immer schwerer dingfest zu machen sind. (Das energetische Absterben der Atmosphäre betrifft natürlich auch die drei ersten Punkte!)

Die Lage scheint ausweglos zu sein, doch das Schöne an der Orgonomie ist, daß jeder in jedem beliebigen Moment etwas Konstruktives tun kann. Man kann seine eigene Panzerung dadurch angehen, daß man sie zunächst einmal spürt. Man kann immer und überall die Orgonenergie beobachten. Man kann sich der Irrationalität in seiner Umgebung entgegenstellen. Und vor allem kann man sich bemühen, so funktionell wie nur irgend möglich zu leben. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlagen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen!

Alles hängt von den „Massen“ ab – alles hängt von uns ab. Jeder Erwachsene trägt die Verantwortung für sein Leben und die Umstände, unter denen er lebt.

Die Orgontherapie ist so zentral wichtig, weil ohne Orgontherapie alles nichts ist! Deshalb erscheinen in der Zeitschrift für Orgonomie vorerst fast ausschließlich Texte zur Orgontherapie.

Betrachten wir dazu das Emblem der Zeitschrift. Historisch geht es auf die zu Reichs Lebzeiten von Elsworth F. Baker herausgegebene Zeitschrift Orgonomic Medicine zurück, deren Symbol eine Äskulapschlange war, die sich um das Symbol des orgonomischen Funktionalismus schlängelte (siehe hier). Als Baker diese Zeitschrift 1968 unter neuem Titel fortführte (The Journal of Orgonomy), gesellte sich zur Schlange, die die Medizin symbolisiert, der Blitz als Symbol der Physik. Die neue Zeitschrift sollte nämlich auch die von Reich herausgegebene Zeitschrift CORE ersetzen, in der es vor allem um Orgonbiophysik gegangen war. Insgesamt symbolisiert das Emblem der Zeitschrift für Orgonomie die drei Hauptbereiche der Orgonomie: Medizin (Schlange), Physik (Blitz) und Kosmologie (Spiralgalaxie).

Entsprechend wird die Orgonomie in den drei Bänden von Die Entdeckung des Orgons beschrieben: Bd. 1: Die Funktion des Orgasmus, Bd. 2: Der Krebs und der nie abgeschlossene dritte Band über die orgonomischen Funktionalismus, dessen geplanter Inhalt sich aus Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung in etwa erschließen läßt.

Nochmal: Warum ist dann die Orgontherapie so überproportional wichtig? Weil –, um mit Kant zu sprechen: „Die Welt erscheint nicht so, wie sie ist, sondern so, wie ich bin.“ Bin ich gepanzert, ist alles nichts! Oder anders gesagt: Es müssen in Deutschland erst eine „kritische Masse“ an Menschen eine Orgontherapie durchlaufen haben, ehe man sich sinnvoll mit etwas anderem als der orgonomischen Medizin beschäftigen kann!

Und hier geht es wirklich um die Orgontherapie, nicht irgendeine „Körperpsychotherapie“ oder eine vom American College of Orgonomy nicht autorisierte angebliche „Orgontherapie“!

In einem Kalender habe ich folgenden Spruch des Schweizer Jesuiten und Zen-Meisters Niklaus Brantschen gefunden: „Wie ich gehe, so geht es mir; wie ich stehe, so steht’s um mich; wie ich laufe, so laufen die Dinge bei mir.“ Kant wird hier sozusagen „verkörpert“. Im Kommentar wird auf alltägliche Sprüche verwiesen wie „Laß den Kopf nicht hängen!“, „mit stolzgeschwellter Brust“, „Trag die Nase nicht so hoch!“

Das bedeutet aber nicht, daß die Orgontherapie eine „Körpertherapie“ ist. Ganz im Gegenteil!

Reich hat seinem Mitarbeiter Myron Sharaf gesagt: „Es sollte möglich sein, Orgontherapie durchzuführen, ohne den Patienten zu berühren, nur mit Reden“ (z.n. Sean Haldane: Pulsation, London 2014, S. 199).

Und Baker hat geschrieben:

Manchmal kann man Gefühle freisetzen und manchmal läßt das Festhalten nach, wenn man dem Patienten beschreibt, was er ausdrückt oder was er tun möchte, oder wenn man ihm einen Spiegel vorhält oder durch verständnisvolle Worte und nicht durch direkte Bearbeitung der Muskeln. Ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn man nur genug wüßte und aufmerksamer wahrnähme, könnte man die Therapie ganz und gar auf diese Weise durchführen. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 91)

Noch etwas: Die Orgonomie wird in Deutschland nur eine Zukunft haben, wenn die Orgontherapie hier eine Zukunft hat. Mehr: die Orgonomie wird nur in Deutschland eine Zukunft haben. Oder anders ausgedrückt: hat Deutschland keine Zukunft, hat auch die Orgonomie keine Zukunft.

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Psychopharmakotherapie – Psychotherapie – Orgontherapie

30. September 2014

Evan Mayo-Wilson (Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health) et al. konnten in einer Metaanalyse von 101 klinischen Studien nachweisen, daß nicht etwa Medikamente, sondern Gesprächstherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, sich am besten für soziale Angststörungen eignet.

Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, denn ursprünglich galten Psychopharmaka als Erlösung von der Psychoanalyse, die im psychiatrischen Alltag ihre Versprechungen in keinster Weise hat einlösen können. Und zweitens ist es zumindest in den USA so, daß die Psychiater fast vollständig die Psychotherapie aufgegeben und sich ganz auf das bloße Verschreiben von Pillen spezialisiert haben. Die vermeintlich minderwertige Psychotherapie wird Laien (d.h. Nichtmedizinern) überlassen. Aber offensichtlich hat die Psychiatrie aufs falsche Pferd gesetzt! Psychotherapie ist nämlich nicht nur effektiver, sondern hat im Gegensatz zu den Psychopillen auch dauerhafte Auswirkungen auch lange nach Ende der Behandlung.

Nicht nur die Psychiatrie, sondern das gesamte Gesundheitswesen ist fehlgegangen, denn es gib einen eklatanten Mangel an ausgebildeten Psychotherapeuten, so daß der Griff zur Pille auch von daher fast zwangsläufig ist.

Für die Studie analysierten Mayo-Wilson und seine Kollegen Daten von über 13 000 Patienten, die alle unter schwerer und langanhaltender sozialer Angst litten. 9 000 erhielten die übliche Medikation oder ein Placebo, 4 000 erhielten eine Psychotherapie. Nur wenige der analysierten Studien untersuchten die Kombination von Medikation und Gesprächstherapie. Es gab keinerlei Evidenz dafür, daß eine kombinierte Therapie besser als eine pure Gesprächstherapie ist!

Im Vergleich der Gesprächstherapien erwies sich die kognitive Verhaltenstherapie im Einzelsetting als am effizientesten. Wenn es denn nicht anders gehe, seien unter den Medikamenten die SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) am wirksamsten. Doch könnten Medikamente mit schweren Nebenwirkungen verbunden sein, viele Menschen sprächen überhaupt nicht auf sie an und die Symptome würden nach Absetzen der Pillen wiedereinsetzen. Bei sozialen Angststörungen sollten Medikamente deshalb immer nur die zweite Wahl sein.

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie dreht sich alles um die Beziehung zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen. Den Patienten soll dabei geholfen werden, ihre irrationalen Ängste anzugehen und ihr Ausweichen vor sozialen Kontakten zu überwinden. Sie sollen sich ihrer Angst stellen und lernen unangenehme Erregungszustände auszuhalten, d.h. die Orgonenergie und ihre Bewegung. Das ist genau der Gegenteilige Ansatz zur Psychopharmakologie, wo es darum geht, das Erregungsniveau zu senken und die Patienten im wahrsten Sinne des Wortes „cooler“ zu machen.

Die Nähe der Verhaltenstherapie zur Orgontherapie ist evident! Charles Konia schreibt über die Verhaltenstherapie:

Das rationale Element der Verhaltenstherapie befaßt sich mit dem Problem der Toleranz für Energie, etc. Darüber hinaus wird die lebenswichtige Bedeutung des orgonotischen Kontakts zwischen Patient und Therapeut nicht vollständig erkannt. Ihr Vorhandensein in der therapeutischen Beziehung ist eine Sache des Zufalls.

Genau das ist der Beitrag, den die Orgontherapie leisten kann. Es geht dabei nicht um spezielle Techniken, etwa „körpertherapeutische“ Interventionen, sondern darum, jeweils das zu tun, was langfristig einen geregelten Energiehaushalt sichert. Wie das geschieht, ob mit Techniken der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie, der Körpertherapie oder sonstigem, ist von sekundärer Bedeutung. Entscheidend ist, was der orgonotische Kontakt diktiert. In der Verhaltenstherapie hingegen wird mit festgelegten „Manualen“ gearbeitet und der Patient kann nur hoffen, daß der Verhaltenstherapeut seine Interventionen mit Feingefühl und im Sinne des gesunden Menschenverstandes durchführt. Der tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapeut kann sich dann gegebenenfalls mit dem beschäftigen, was in der mechanisch vorgehenden Verhaltenstherapie unangetastet geblieben ist. Im schlimmsten Fall werden die Symptome „kognitiv verarbeitet“, d.h. sie werden durch Gehirnpanzerung und die damit einhergehende Kontaktlosigkeit gebunden. Das war mehr oder weniger explizit Freuds Therapiekonzept („bewußte Verurteilung der Triebe“).

Letztendlich geht es in den gängigen Therapien immer darum die Energie des Organismus zu drosseln, zu binden oder zu „konditionieren“. Nichts davon funktioniert wirklich, weil sich die Natur nicht bändigen läßt. Es gibt nur einen Weg: das Lebendige seiner Bestimmung nach sich frei entfalten lassen, d.h. die Herstellung von Selbstregulation (Orgontherapie).

orgonthzwm

Die Falle verlassen!

29. August 2014

Panzerung kann man durchaus mit einer Art „Amputation“ vergleichen: wir haben ganze Bereiche unseres Körpers abgespalten, entsprechend erstarrt und zerstückelt ist unser Innenleben. Das spiegelt sich zweifellos auch in der neuronalen Struktur unseres Gehirns wider. Wir sind, mechanistisch ausgedrückt, sozusagen hoffnungslos „falsch verdrahtet“.

Neurologen aus den USA berichten jedoch über den Fall eines 56jährigen Mannes, dem vor 35 Jahren die rechte Hand amputiert worden war. Während dieser dreieinhalb Jahrzehnte wurde die betreffende Hirnregion anderweitig genutzt, doch offenbar kann sich dieses Areal nach der Transplantation einer neuen Hand seiner alten Funktion erinnern und von neuem beispielsweise dem Tastsinn dienen.

Schon allein die Erkenntnis, daß das Gehirn die Umstrukturierung während all der Zeit ohne Hand wieder rückgängig zu machen scheint, ist bemerkenswert, erklärt [Scott Frey von der Universität von Oregon in Eugene]. Für noch erstaunlicher hält er indes die Tatsache, daß dieser Vorgang eintritt, obwohl das Gehirn des Patienten zum Unfallzeitpunkt schon voll entwickelt war. Die Ergebnisse seien somit sehr bedeutsam für das Verständnis der Flexibilität des Gehirns bei Erwachsenen und in der Neurorehabilitation.

Das menschliche Protoplasma erstarrt nicht unwiderruflich, sondern bleibt bis ins hohe Alter erstaunlich flexibel und anpassungsfähig. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, daß wir bis zum Zeitpunkt unseres Todes die Möglichkeit haben, uns mit Hilfe der Orgontherapie zu verändern und zu erneuern: wir sind durch die Panzerung nicht unwiderruflich verstümmelt.

Eine Fallstudie der Johns Hopkins University (Daniel Dilks et al.) über einen Patienten, der infolge eines Schlaganfalls teilweise erblindet war, deutet darauf hin, daß das Gehirn von Erwachsenen genauso formbar ist, d.h. neue Nervenbahnen bilden kann, wie das von Kindern.

Der Schlaganfall hatte einige Nervenbahnen geschädigt, die die Information von den Augen zum visuellen Cortex im hinteren Teil des Gehirns übertragen. Als Folge war im oberen linken Teil des Gesichtsfeldes ein blinder Fleck entstanden. Tests zeigten jedoch, daß der vom Auge abgeschnittene Teil des visuellen Cortex auf Bildinformationen anspricht, die vom unteren linken Gesichtsfeld kommen. Etwas, was bei Erwachsenen nach der gängigen Theorie gar nicht auftreten kann, weil alles sozusagen bereits fest und unveränderbar „verschaltet“ ist. Schon vorher hatten Forscher berichtet, daß bei „erwachsenen“ Mäusen Neuronen im Gehirn nachwachsen können.

Diese Forschungsergebnisse deuten erneut darauf hin, daß die orgontherapeutische „Umstrukturierung“ des Charakters mit dem Ziel einen neurotischen, d.h. „unveränderbar verschalteten“, Charakter in einen lebendigen, einen Genitalen Charakter umzuwandeln, eine reale Möglichkeit ist. Es besteht keinerlei Grund für einen therapeutischen Nihilismus, der sich teilweise auf Reich beruft („Krumm gewachsene Bäume kann man nicht wieder geraderichten!“), der aber nichts anderes ist als Ausdruck von Lebensfeindlichkeit. Wer nicht an die eigene Veränderung glaubt, soll von den „Kindern der Zukunft“ gefälligst schweigen!

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=H3bccSp5OO8%5D

Orgontherapie (Teil III: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis) (Teil 3)

7. August 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie (Teil III: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis) (Teil 3)

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