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Was ist Orgontherapie? (Teil 2)

14. Juli 2015

Die Augen sind Spiegel der Seele, da sie Teil des Gehirns sind. Im ungepanzerten Zustand sind sie frei beweglich, lebendig, strahlend und „offen“. Sie stehen weder vor, noch sind sie eingesunken und die Haut in ihrer Umgebung hat eine gesunde Farbe.

Von der subjektiven Seite her kann man sagen, daß, während etwa Mystiker in einer zweidimensionalen Welt leben, ein ungepanzertes okulares Segment durch eine dreidimensionale Tiefenwahrnehmung gekennzeichnet ist (beidäugiges Sehen). Sind die unteren Segmente ebenfalls frei von Panzerung, erstreckt sich dieses „dreidimensionale Gefühl“ auf den gesamten Körper. Der Mensch fühlt sich wirklich in der Welt und nicht als bloßen „in die Welt geworfenen“ „Teilnehmer“, dem aus dem „Jenseits“ Botschaften zugehen („Entfremdung“).

Störungen in der oralen Entwicklung können sich in Erkrankungen wie Depression und Eßstörungen niederschlagen (Der Krebs, Fischer TB, S. 385).

Das gesunde orale Segment zeigt sich darin, daß man fähig ist Grimassen zu schneiden und kraftvoll zubeißen kann. Was Reich in dieser Hinsicht betrifft schreibt sein Mitarbeiter und Biograph Myron Sharaf:

Ich erinnere mich noch lebhaft der Genauigkeit, der Subtilität und der Scharfsinnigkeit von Reichs Nachahmungen. (Fury on Earth, S. 181)

Sein Freund Alexander Neill erinnert sich:

Ich habe nie wieder einen solch entspannten Menschen gekannt. Wenn ich sein Kinn berührte, ging es auf und zu wie ein geölter Kopferdeckel. Sein Körper war immer entspannt. (z.n. Ilse Ollendorff: Wilhelm Reich, München 1975, S. 8 )

Darüber hinaus zeigt sich die Entspanntheit des Mund- und Rachenbereichs in einer ausdrucksvollen Stimme. Eine biopathische Störung in diesem Bereich ist z.B. die spastische Dysphonie.

Ein gesundes Halssegment zeichnet sich durch einen frei beweglichen Hals aus. Bewegungen, die insbesondere bei Frauen Schönheit und Eleganz vermitteln – im Gegensatz zur „Halsstarrigkeit“.

Das Hauptkennzeichen einer Brustpanzerung ist die chronische Einatmungshaltung. Das dient sowohl der Einschränkung der Energieversorgung des Organismus, als auch der unmittelbaren Kontrolle der Emotionen. Deshalb ist die „Atemsperre“ der Grundmechanismus, mit dem die Neurose aufrechterhalten wird.

Es gibt drei Hauptmechanismen der Atemsperre: neben dem angespannten, aufgerichteten, unbeweglichen Brustkorb in erster Linie das angespannte und unbewegliche Zwerchfell, sowie, weniger wichtig, eine chronisch zusammengezogene Bauchmuskulatur.

Die traditionellen Atemübungen dienen dazu, die organismische Energie und die Emotionen, insbesondere Angst, einzudämmen. Im Gegensatz dazu will die Orgontherapie sie freisetzen. Zur Auflösung dieser Atemsperre werden deshalb keinerlei „Atemübungen” benutzt. Der Patient muß Angst und Spontanität ertragen lernen.

Der „Zwerchfellspasmus“ bildet Reich zufolge „das Zentrum der biopathischen Bewegungsstörung und der Sexualabwehr (…) schlechthin“ (Der Krebs, S. 209f). Das Zwerchfell ist ein sehr starker Muskel, mit dessen Hilfe wir uns selbst förmlich „abwürgen“. Den Zwerchfellblock kann man beispielsweise an einer Exspiration erkennen, bei der sich der Bauch vorwölbt. Ein anderes Beispiel ist die Lordose.

Das Zwerchfellsegment ist eines der Hauptgebiete für psychosomatische Erkrankungen. Elsworth F. Baker berichtet:

Ich habe einen Fall mit Symptomen erlebt, die typisch für eine Erkrankung der Gallenblase waren, einschließlich schmerzhafter Verstopfung, Empfindlichkeit und Krämpfe in der rechten oberen Bauchregion (Hypochondrium), Verdauungsstörungen, Völlegefühl im Überbauch, Blähungen und Gelbsucht; der ganze Symptomkomplex wurde durch Massage des Magenausgangs vollständig behoben. Als der Pylororuskrampf nachließ, konnte man ein Gurgeln hören, und die Symptome verschwanden. Ich nehme an, daß der Krampf auch den Sphinkter Oddi mitumfaßte und so den Gallenfluß behinderte und die Gelbsucht hervorrief. Zu dem Zeitpunkt, als der Verkrampfung sich löste, äußerte die Patientin auch viel Bitterkeit, die sie ihrem Mann gegenüber empfand. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 291f)

Reich ist auf den Orgasmusreflex zuerst beim Lösen des Zwerchfellsegments gestoßen und zwar durch das Provozieren von Erbrechen (wobei der Atem nicht angehalten werden darf). Interessant ist, daß der physiologisch so grundlegende Brechreflex bei so überaus vielen Menschen nicht funktioniert, bzw. nicht künstlich provozierbar ist und daß die moderne Medizin das Ausbleiben dieses grundlegenden Reflexes nicht als schwerwiegendes Krankheitszeichen wertet.

Die Bauchspannung ist eine „Widerstandsspannung“, die von vorne den Solar plexus schützen soll. Neurotiker reagieren extrem empfindlich, wenn nach dem Ausatmen knapp unterhalb des Brustbeins mit einem Finger Druck ausgeübt wird. Verhältnismäßig ungepanzerte Menschen, insbesondere Kinder, können im oberen Bauchbereich qualvolle Angstzustände empfinden. Die Atemsperre dient dazu, diese Angstquelle einzudämmen. Wie gesagt: der Patient muß lernen, diese Art von Angst zu ertragen.

Nachdem wir uns mit der Charakteranalyse und den sechs ersten „Panzersegmenten“ beschäftigt haben, kommen wir nun zum Kern der Orgontherapie: im Kern ist sie „Orgasmotherapie“, d.h. eine Therapie, die die orgastische Potenz als Ziel hat.

Zunächst ist zu sagen, daß entgegen dem gängigen Bild von den „sexbesessenen Anhängern Wilhelm Reichs“ in der Orgontherapie so gut wie nie von Sexualität die Rede ist. Es ist ziemlich genau wie beim Flirten: beide Parteien und ihre gesamte Umwelt wissen genau, worauf das ganze letztendlich hinausläuft, aber „es“ ist nie Thema.

Ziel der Therapie ist die Freilegung des bereits erwähnten „Orgasmusreflexes”: die unwillkürliche Kontraktion und Expansion des Organismus, die bei orgastisch potenten Menschen insbesondere während des sexuellen Höhepunkts in Erscheinung tritt. Andeutungsweise tritt beim Ungepanzerten die entsprechende Bewegung des Beckens bei jeder Ausatmung auf („Beckenreflex“).

Das Beckensegment ist das letzte Segment, das geöffnet wird. Infolge der Reinlichkeitserziehung und des Onanieverbots ertötet eine verkrampfte Beckenmuskulatur alle genitalen Gefühle. Entsprechend wird das Becken zurückgehalten (totes Becken). Im Unterschied zu den oberen Segmenten beherbergt das Beckensegment zwei erogene Zonen, die sich bei der Entpanzerung unterschiedlich äußern: das anale „Quetschen“ („Scheiße!“) und das „phallische“ Stechen („Fuck!“).

Durch das Öffnen dieses Segments wird ungemein viel Energie und entsprechend eine geradezu apokalyptische Angst freigesetzt („Orgasmusangst“). Man spricht auch von „Beckenangst“: die bis zum äußersten gesteigerte Angst vor dem endgültigen Kontrollverlust nach Öffnung des Beckensegments.

Elsworth F. Baker erinnert sich:

Reich war sehr zurückhaltend, den Orgonomen die Technik der Endphase beizubringen, da er glaubte, daß die meisten sie nicht richtig handhaben könnten und daß bei der Mehrheit der Patienten die Therapie besser vor dieser Phase abgebrochen werden sollte. („My Eleven Years with Wilhelm Reich (Part III)“ Journal of Orgonomy, 11(2), Nov. 1977, S. 172)

In Alexander Lowens „Bioenergetik“ kommt es zu einer verfrühten mechanischen Mobilisierung des Beckens, was künstlich eine Panzerungsstruktur erzeugt, die dem des Schizophrenen entspricht. Entsprechend wirken auch die Klienten der „bioenergetischen“ Quacksalberei.

Für Reich war Therapie nichts anderes als „biophysische Chirurgie“. Und genauso wie es selbstverständlich ist, daß die gewöhnliche Chirurgie auf wenige streng ausgewählte Spezialisten beschränkt bleiben muß, sollte es selbstverständlich sein, daß ebenfalls die „biophysische Chirurgie“ nur von medizinisch, psychiatrisch und orgonomisch ausgebildeten Fachärzten ausgeführt werden darf. Keinem Laien käme der Gedanke, einen anderen Menschen aufzuschneiden, weil aber, so Reich,

jeder Ignorant, da er selbst Emotionen hat, sich selbst für einen „Experten“ hält und deshalb meint, biophysikalische und psychologische Prozesse beurteilen zu können, ist die Situation in der Biopsychiatrie eine andere als in der Chirurgie. (Charakteranalyse, KiWi, S. 642)

Wer war Wilhelm Reich?

17. Mai 2015

Reich hat immer wieder unterstrichen, daß seine Lebensgeschichte durchaus nicht besonders oder auch nur bemerkenswert war. Auch seine Persönlichkeit kann uns ziemlich egal sein. Das einzige, was an diesem Mann interessant ist, sind seine Entdeckungen!

Er hat darauf bestanden, daß seine Theorien stets mit dem Namenszug „Wilhelm Reich“ verbreitet werden, da „Wilhelm Reich“ für etwas steht, nämlich die Orgasmustheorie.

Trotz allem Hype um den „Sex“ und seine gesundheitlichen Vorteile ist die moderne Wissenschaft von der Orgasmustheorie weiter entfernt als je. George Loewenstein (Carnegie Mellon University, Pittsburgh) et al. haben eine interessante Studie über den Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und Glück veröffentlicht. Alle vorangegangenen Untersuchungen hatten gezeigt, daß Leute, die mehr Sex haben, glücklicher sind. Um diesen Zusammenhang direkt zu überprüfen, nahm das Team um Loewenstein zwei Gruppen von Paaren. Die eine Gruppe wurde gebeten, doppelt so oft Sex zu haben. Die mechanistischen Forscher nahmen an, daß diese Gruppe nach drei Monaten glücklicher sei, als die Gruppe, die normal weitergelebt hat. Zur Überraschung und Enttäuschung der Forscher, war das genaue Gegenteil der Fall: die Gruppe hatte weniger Spaß am Sex, wollte weniger davon und war dezidiert unglücklicher. Die etwas hilflose Erklärung der Mechanisten (Mechano-Mystizisten) ist charakteristischerweise psychologisch: der Druck durch die Anweisung der Wissenschaftler hätte sie belastet und ihnen jede Freude am Sex genommen. Niemand scheint auf die simple Idee zu kommen, daß Geschlechtsverkehr in erster Linie eine bioenergetische Funktion hat, die sich selbst reguliert.

Die Orgasmustheorie kann man am besten im Zusammenhang mit der psychoanalytischen Neurosentheorie erklären. Was passiert, wenn ein Mensch von seiner Neurose befreit ist und seine „Libido“, d.h. seine Sexualenergie, nicht mehr in Symptomen und „charakteristischen“ Manierismen gebunden ist? Die Antwort ist nur allzu naheliegend: sie entlädt sich in einem befriedigen Sexualleben, d.h. im Orgasmus.

Demnach ist ein unneurotischer Mensch ein „orgastisch potenter“ Mensch und Psychotherapie sollte in erster Linie „Orgasmustherapie“ sein. Therapie soll dem Patienten die innere Fähigkeit zu einem befriedigenden Sexualleben geben.

Das besondere an Reich war, daß er wirklich der einzige war, der die logische Schlußfolgerung aus Freuds Libidotheorie gezogen hat. Freud und seine Kollegen kultivierten ihr „Unbehagen in der Kultur“, während Reich die Kapazität hatte, ein befriedigendes Sexualleben zu führen und für eine freiere Gesellschaft zu kämpfen.

Am Ende seines Lebens bezeichnete sich Reich als „der Entdecker der Lebensenergie“. Er konnte diese entdecken, weil er einer Denkweise folgte, die er später als „energetischen Funktionalismus“ bzw. „orgonomischen Funktionalismus“ bezeichnet hat.

Er bezeichnete die Lebensenergie als „Orgon“, weil er sie im Verlauf der Erforschung der Funktion des Orgasmus bzw. der „orgastischen Plamazuckung“ entdeckt hatte und weil eine ihrer am Anfang herausstechenden Eigenschaften die Aufladung von organischen Materialien („Isolatoren“) war.

„Funktionalismus“ steht für die Fähigkeit in Übereinstimmung mit der Natur zu denken, mit der Natur sozusagen „mitzuschwingen“. Diese Befähigung ist ein Aspekt der orgastischen Potenz.

Wer war Wilhelm Reich? Er hat die Orgasmustheorie formuliert, das Orgon entdeckt und den orgonomischen Funktionalismus begründet! Alles andere ist nebensächlich.

Reichs Kriterium für Gesundheit ist die ungestörte Pulsation des Organismus, der Organsysteme, der einzelnen Organe, des Gewebes, der Zellen und der Organellen.

Kennzeichen einer ausgewogenen Pulsation ist insbesondere ein Gleichgewicht der Innervationen des Sympathikus und des Parasympathikus. Ein Überwiegen des Sympathikus ist funktionell identisch mit einem Kontraktionszustand, während ein überwiegen des Parasympathikus einer überkompensatorischen Expansionsreaktion auf diese zugrundeliegende Kontraktion bedeutet. So konnte Reich z.B. das Asthma erklären. Betrachtet man sich die einzelnen Innervationen isoliert, scheint keinerlei funktionelle Systematik zu bestehen, doch Reich betrachtete die Innervation vom Standpunkt der Expansion, bzw. Kontraktion des Gesamtorganismus her. So kann man Gesundheit direkt an der Verteilung der Innervationen ablesen: im leicht expansiven Ruhezustand ist die Iris zusammengezogen, der Mund ist feucht, das Herz schlägt langsam und der Verdauungstrakt arbeitet heftig; ist dieser Organismus Streß ausgesetzt, kommt es zu gegenteiligen Reaktionen. Beim kranken Organismus ist diese grundlegende Pulsation gestört: die Iris ist chronisch geweitet, während der Kranke z.B. unter einem ständig trockenen Mund leidet, Bradykardie und Verstopfung vorherrschen – der Organismus funktioniert nicht mehr „logisch“, sondern chaotisch.

Es ist bekannt, daß es eine direkte Korrelation zwischen dem ungestörten Pulsieren z.B. der Mitochondrien und ihrer Funktionsfähigkeit besteht. Weitaus offenkundiger, da zugänglicher ist dieser Zusammenhang z.B. beim Verdauungstrakt, dessen Funktionsfähigkeit praktisch mit seiner Fähigkeit zur ungestörten Pulsation identisch ist. Das besondere bei Reich ist nun, daß er diese Betrachtungsweise auf den Körper als ganzes anwendet und die pathogenetische Bedeutung chronisch verkrampfter Skeletmuskulatur aufgezeigt hat. Seit jeher sind etwa Haltungsschäden bekannt, die auf eine chronisch verkrampfte Rückenmuskulatur zurückgehen, doch Reich hat diesen Ansatz auf die gesamte Muskulatur des Menschen übertragen.

So läßt sich z.B. eine direkte Korrelation zwischen Verkrampfungen der Kopfmuskulatur und den verschiedensten Formen des Kopfschmerzes aufzeigen, der Migräne und weiter mit bestimmten Formen der Epilepsie und sogar psychotischen Erkrankungen. Selbst neurotische Störungen, wie etwa zwangsneurotische Symptome, lassen sich mit bestimmten Mustern von Muskelverspannungen korrelieren. Reich stellte fest, daß man in dieser Beziehung dem Volksmund durchaus vertrauen kann: ein psychisch „halsstarriger“ Mensch leidet tatsächlich unter einer chronisch verspannten Halsmuskulatur.

So kann man sagen, daß Gesundheit mit einem gesunden Muskeltonus korreliert, wobei es bei Muskelverkrampfungen stets ausschließlich um chronische Verkrampfungen geht: ein Mensch mit einer verkrampften „Denkerstirn“ braucht nicht krank zu sein, solange er in der Lage ist, diese unter den passenden Umständen zu entspannen. Gesundheit ist also nichts Statisches, d.h. daß ein gesunder Mensch auch vor Angst erstarren kann – ist die Gefahr vorüber, entspannt er sich wieder: er pulsiert; während ein kranker Mensch ständig ängstlich erstarrt ist oder überkompensierend ständig vor Wut kocht.

Ziel der Reichschen Therapie ist, diese Pulsationsstörungen aufzuheben. Zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Wiederherstellung der physiologischen Atmung, dann das Herausarbeiten der Muskelverkrampfungen (ganz entsprechend dem psychoanalytischen „Bewußtmachen“) und ihre Lösung durch Verstärkung des Krampfes, so daß er sich klonisch lösen kann. Bei dieser Vorgehensweise stellte Reich fest, daß die Wiederherstellung der „groben“ Pulsationsfähigkeit auch auf die inneren Organe übergreift bis hinab auf die Zellebene.

Beim gesunden Menschen ist die Haut warm und gut durchblutet, der Körper ist entspannt und gleichzeitig elastisch aufgerichtet, das Gesicht ist „offen“ und entspannt, die Augen sind wach mit einem kontakt- und vertrauensvollen Ausdruck, die Irisreaktionen sind heftig, die Brust und das Zwerchfell sind passiv und aktiv frei beweglich, die Ausatmung ist vollständig und wird von einer kleinen Pause gefolgt, während die Einatmung ohne „Festzuhalten“ übergangslos in die Ausatmung übergeht.

Reich frägt, ob der Organismus in seiner Totalität gestört ist. In diesem Sinne kann ein Mensch mit einem gebrochenen Zeh oder einer vorübergehenden tiefen Verstimmung prinzipiell gesund sein, während ein Mensch der somatisch und psychisch keinerlei pathologischen Befund vorweist, aber z.B. nicht in der Lage ist, sich zu übergeben, wenn er den Finger in den Hals steckt, im Reichschen Sinne nicht gesund ist. Kriterium der Gesundheit ist das einheitliche, ganzheitliche harmonische Funktionieren des Gesamtorganismus. Durch vorübergehende mechanische Läsionen oder Infekte wird dieses Funktionsgefüge nicht gestört (vielmehr wird es eher noch angeregt, z.B. in der Immunreaktion), sehr wohl jedoch durch ein überhaupt nicht als krankhaft imponierendes verkrampftes Zwerchfell oder ein chronisch zurückgezogenes Becken. Langfristig führen solche Störungen des ganzheitlichen Funktionsgefüges zu lokalen Erkrankungen, etwa ein Magengeschwür, Hyperinsulinismus, Hämorriden oder Prostatakrebs. Erst hier setzt die heutige Medizin an, während Reich bereits dort anfängt, wo der Schaden noch nicht irreversibel ist.