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Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 4)

25. September 2020

Generell muß ich über Marx und Reich folgendes sagen:

1. Wenn die Leute vor Marx‘ Zeiten, sagen wir, ein hochherrschaftliches Schloß betrachteten, dachten sie an den Fürsten oder König und vielleicht an den Architekten und einige große Künstler als „die Erbauer“. Wenn ein Marxist dasselbe Gebäude (oder etwas anderes von Menschenhand Geschaffene) betrachtet, sieht er nur die „lebendige Arbeitskraft“ in irgendeiner Materie verdichtet bzw. „geronnen“. Es ist ähnlich wie Reichs Konflikt mit den Freudianern, die nur Symbole und „Komplexe“ und anderes verkopftes psychisches Zeugs sahen, während Reich die freie Libido in verspannten Muskeln und Verhaltenssymptomen erstarren sah. Es geht um Arbeitsenergie (Marxismus) und Sexualenergie (Psychoanalyse).

2. Im Vergleich zu vorangegangenen Arbeiten zum Thema habe ich meine orgonometrische Sicht auf die Marxsche Werttheorie geändert, die die Arbeit auf das rein quantitative Maß der Zeit reduziert. Eigentlich steht hinter dieser Theorie das zentrale Konzept des Dialektischen Materialismus von „Quantität schlägt in Qualität um“, die primäre Materie wird gewissermaßen zum daraus abgeleiteten „Geist“, was eben den „Materialismus“ konstituiert. Heute glaube ich, daß hinter dieser Denkfigur etwas Funktionelles steckt, nämlich die orgonotische Kreiselwelle. Bei der Arbeitsenergie geht die über lange Zeit gedehnte Pulsfunktion („Quantität“) plötzlich in die Wellenfunktion („Qualität“) über. Ähnlich wie bei der Sexualität, also dem Bereich der Sexualenergie: lange Reibung, kurzer Höhepunkt.

3. „Reich’s Marx“ ist im Wesentlichen der Anfang von Das Kapital. Hier beschreibt Marx in klassischer Weise die Funktion der lebendigen Arbeit. Kein Wunder, daß Reich davon fasziniert war. Jeder ist fasziniert, der das liest. Aber der Pestcharakter Marx konnte seine wesentliche Einsicht nicht entwickeln, und der Rest von Das Kapital ist unlesbarer pseudodialektischer Müll. Noch schlimmer sind Band 2 und 3, die erst von Engels auf der Grundlage von Notizen geschrieben wurden, die Marx hinterlassen hatte. Die einzige Funktion der riesigen Buchstabenwüste besteht darin, daß Marxisten auf dicke Bände angeblicher „Wirtschaftswissenschaft“ verweisen können.

4. Wie ich bereits angedeutet habe, produziert nicht nur der Arbeiter einen „Mehrwert“, sondern auch der Kapitalist. Die letztere Funktion wurde vor Marx von allen gesehen (siehe Punkt 1), aber seit Marx vernachlässigt man sie. Heute sagt man zum Beispiel, daß die Neger Amerika aufgebaut haben, was natürlich eine Absurdität ist. Warum hatten die Schwarzen dann in ihrer afrikanischen Heimat nichts aufgebaut? Der weiße Meistergeist hinter ihrer Arbeit war natürlich wesentlich. Wenn man Reichs Massenpsychologie des Faschismus aufmerksam liest, sieht man, daß er versucht hat, beide Standpunkte, beide „Mehrwerte“, in einem gemeinsamen Funktionsprinzip zu harmonisieren. Auf unheimliche Weise taten die Stalinisten dasselbe, als sie in einer fast schon psychotischen Weise Stalin als den führenden Kopf hinter den „Errungenschaften der Sowjetunion“ darstellten.

5. Was ist Kommunismus? Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, die Dutzende von „Marx-Bänden“ (fast alles Polemiken und endlose Notizen zu ökonomischen Fragen) sieht, hatte Marx nur drei Werke geschrieben: Das Kommunistische Manifest (zusammen mit Engels), den ersten Band Das Kapital und Fußnoten zum Gothaer Parteiprogramm der SPD. Und all das läuft auf das hinaus, was die vormarxistischen ursprünglichen Kommunisten der Arbeiterklasse lange vor dem Plagiator Marx gelehrt hatten:

Das Kommunistische Manifest: die rationale Organisation der Gesellschaft nach den Erfordernissen der Arbeit und nach denen, die tatsächlich die Arbeit verrichten (eine Art Arbeitsdemokratie = Sozialdemokratie).

Das Kapital: Arbeit wird in Zeiteinheiten gemessen.

Fußnoten zu Gotha: jeder Arbeiter sollte Bezugsscheine je nach der Zeit erhalten, in der er gearbeitet hat (Sozialismus) – später, in einer perfekten kommunistischen Gesellschaft, würde jeder diese Coupons nach seinen Bedürfnissen erhalten.

Offensichtlich gibt es hier eine gewisse Rationalität, denn auch beispielsweise medizinische Orgonomen werden streng nach der Zeit bezahlt, die Sie mit Ihren Patienten verbringen. Und in einem Wohlfahrtssystem erhalten die Bedürftigen „Bezugscoupons“ entsprechend ihren Bedürfnissen. Und es ist offensichtlich, wie all dies wegen der Emotionellen Pest allzuschnell in roten Faschismus („Stalinismus“) ausarten kann.

Bert, Klabund und Peter (Teil 2: Ein Abend im August. Fünf Gedichte von Peter)

22. August 2020

 

An der Quelle

Von der fernsten Warte aus,
Zwischen all den Eichen,
Weht Windeseile

Mein Auge wirft von oben
Herab auf die Wipfel.
Wir sitzen im Moos.

Über den Duft der Wiesen
Atme ich die Sonne.
Meer in deiner Brust.

Ähren wogen, weiße Gischt
Aufgefangen vom Grün,
Bleibt es im Kraushaar.

Eisenbraun wie totes Laub
Das Blau fällt in den Quell‘
Von Blättersproßen.

 

Alte und junge Bäume

Die gestandenen Bäume.
Geschrei der Balgen hassen?
Sie stützen das Firmament.

Bin ich gar ein Verräter?
Um mich her das Kirchenschiff,
Daß sie da sind, wirklich da.

Alles, was sie verkünden, ist.
Meine Gedanken laufen,
grüne Wolken zu werden?

Wie die jungen Triebe noch,
weg wie nervöse Jungen.
Nicht da, streben sie wonach?

 

Am Bach

Es grünt dicht.
In diesen Wipfeln hinoben,
Aus modrigem Grunde.

Singt der Wind.
Ohn‘ Wiederhall die Libelle,
Hin und her, vor, zurück.

Webt ihr Flies.
Für das eindringende Dunkel,
Der kristallene Bach.

Verheißt Dich.
Meandert im satten Grüne,
Fort in Deinen Augen.

 

Beim See

Beim See.
Zwischen den Buchen
Altvertrautes Lied.

Zweige
Singen vom Abgrund.
Ich verhalte mich.

Rühre
Nicht dran Goldsonne.
Luftmeer fließt durch mich.

Bitte,
Versinken ist schwer.
Vögel wie Fische.

Fallen.
Ferner Straßenlärm;
Er ist wie Brandung.

 

Im Hain

Grün vor dem Gold,
Da der Bräutigam mit ihr
am Horizont sich vereint.
Es ist hier.

Schwarze Krume
Spielt um mich herum verzückt.
Wird feucht und kühl und Schwere.
Es ist leicht.

Das Laub rauscht leis‘
und der beschwingte Tanz beginnt,
Es ist belebend ziehend.
Ein Drittes.

Schönster Moment
Wenn Himmel und Erde eins
zwischen heute und morgen.
Tief und jetzt.

 

Das Schreiben von Gedichten (oder das Malen von Bildern) ist immer ein ausbalancieren der beiden Funktionen „relative Bewegung“ und „koexistierende Wirkung“. Ich beschreibe die Bewegung des Windes in den Bäumen etc. Ein wirkliches Gedicht wird aber erst draus, wenn durch bestimmte Kunstgriffe diese realistischen Bilder sich überlappen und der aufmerksame Leser dergestalt aus Alltagsbewußtsein herausgerissen wird und „tiefer blickt“, um unerwartete Zusammenhänge zu sehen und vor allem mitzufühlen. Genauso auch in der Malerei. Es ist sinnlos einen Wald realistisch abzumalen, denn das kann jeder Photoapparat weitaus besser. Wirkliche Kunst wird erst draus, wenn eine „tiefere Wirklichkeit“ aufscheint.

Eine einfache Beschreibung ist kein Gedicht und eine akademische Zeichnung kein Kunstwerk. Dasselbe gilt umgekehrt auch für zu viel „dadaistische“ Abstraktion, wenn man überhaupt nicht mehr ergründen kann, worum es im Gedicht oder in der Zeichnung überhaupt geht. Es wird bedeutungsloses Geschmiere a la Kandinsky und der ganzen übrigen modernen entarteten „Kunst“. Kontakt ist sozusagen die Schnittfläche zwischen realistischer „relativer Bewegung“ und subjektivistischer „koexistierender Wirkung“. So auch etwa in der modernen Klassik: Richard Strauß (Programmusik, relative Bewegung) ist langweilig, der späte Arnold Schönberg oder gar Edgar Varese (absolute Musik, koexistierende Aktion) sind langweilig, aber bei Bela Bartok springt der Funke über, vor allem auch weil seine Werke nicht zusammengewürfelt sind, sondern eine organische Einheit ergeben (die koexistierende Wirkung „hält die Bewegung zusammen“). Voila, mein Lieblingsstück:

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 1)

20. März 2020

Was könnte „rechter“ sein, als zunächst einmal Hitler Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem man darstellt, was er wirklich wollte – jenseits von gut und böse! Er betrachtete sich selbst als „Künstler mit soldatischer Haltung“.

Was die meisten „Antifaschisten“ nicht sehen, ist, daß Hitler (laut Reich „der Generalpsychopath“ schlechthin) alles getan hat, um den Staat zu zerschlagen (den er als „jüdische“ Institution betrachtete). Das fast unglaubliche Chaos und das Zuständigkeitswirrwarr im nationalsozialistischen Staat waren gewollt. Die Starken sollten sich durchsetzen, ohne daß sich die Schwachen hinter „Recht und Ordnung“ verstecken können. Der „verschlagene Jude“ „David“ sollte keine Chance haben gegen den „gradlinigen Arier“ „Goliath“. In gewisser Weise war Hitler „antiautoritär“, d.h. die (sekundären) Triebe sollten frei walten können. Er war ein politischer Ökologe, d.h. der Mensch sollte zur Natur zurückkehren – und nach Hitler ist die Natur ein ewiger Kampf und vom Überleben der Stärksten geprägt. Eine absurd verkürzte Primitivversion des Darwinismus

Hitlers Weltbild war aber nicht nur soziopathisch und äußerst trostlos, er war auch ein „Künstler“, ein „Ästhet“. Über Wagner wurde er von Schopenhauers Vorstellung von der „Welt als Wille und Vorstellung“ beeinflußt – jedenfalls einer ebenfalls absurd verkürzte Primitivversion derselben. Der brutale Wille kommt in der Kunst zur Ruhe und erlebt seine Apotheose. Daher die Besessenheit der Nazis Kunstwerke zu stehlen; Wagner, klassische Musik usw. und vor allem Architektur. Dies war auch der zweite Grund für den Haß auf „den Juden“. Nicht nur, daß der schwache „David“ durch Tricks die Natur umging und den starken „Goliath“ tötete, der Jude zerstörte auch Kunst, Musik, alle Schönheit und damit das einzige, was das Leben, das an sich brutal und schmerzhaft ist, lebenswert macht und dem ganzen Kampf Sinn verleiht. (Orgonometrisch betrachtet sind Träume, und damit auch Phantasien, der Orgasmus im Bereich des koexistierenden Wirkung!)

Hitler war ein Alptraum von orgastischer Impotenz, sekundären Trieben und Ersatzkontakt. Reich war in jeder Hinsicht der „Gegenhitler“. Dies erklärt auch, warum Menschen Hitler folgten und warum Hitler bis heute die am meisten diskutierte Person der Weltgeschichte ist. Ein nicht abklingen wollendes Faszinosum! Die Leute können nicht genug von Hitler bekommen. Sie suchen nach Reich und landen aufgrund ihrer Orgasmusangst beim „Gegenreich“.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 47

4. Januar 2020

orgonometrieteil12

47. Die bioenergetischen Grundlagen dieses Buches

Der Kern des orgonomischen Funktionalismus, die Orgonometrie

27. Oktober 2017

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

nachrichtenbrief68

11. September 2017

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 6)

2. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 6)

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