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Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 3)

18. Juni 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Den Sinn der drei in Teil 2 genannten Horrorfilme zu verstehen, ist zentral bei der Erfassung dessen, worum es bei der Orgonomie und dem LSR-Projekt geht und warum die Menschen beides mit viehischer Angst meiden. Es geht um den tiefsten Terror und Horror, den ein Mensch erfahren kann! – Fangen wir mit folgender Stelle aus James Stricks Buch über Reichs „sexualökonomische Lebensforschung“ in den 1930er Jahren an (Wilhelm Reich, Biologist):

Einige Kritiker von Reichs Krebstheorie, vor allem die Schriftstellerin Susan Sontag, haben behauptet, daß Reichs Konzept von Krebs als einer Krankheit, die „durch sexuelles Aushungern“ oder „Aushungern des Lebensglücks“ entsteht, darauf hinausläuft, „das Opfer“ für seinen Krebs verantwortlich zu machen. Sontag schrieb dies in ihrem bekannten Buch Krankheit als Metapher, das sie inmitten ihres eigenen Kampfes gegen den Krebs in den späten 1970er Jahren verfaßte. Wie aus der posthumen Biographie ihres Sohnes David Rieff hervorgeht, war Sontag zutiefst deprimiert und empfand diesen und andere Angriffe als förderlich für ihren eigenen Geisteszustand. Sontags Reaktion ist verständlich, aber nicht unbedingt relevant für die Frage, ob Reichs Theorie tatsächlich gültig ist. Letztere Frage kann nur durch eine faire Prüfung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft geklärt werden. Ist die Beschreibung eines Prozesses, bei dem der Rückzug eines Patienten aus dem Leben zu einer Krankheit führt, gleichbedeutend mit einer Schuldzuweisung an das Opfer, oder könnte es sich lediglich um eine biologische Realität handeln, die für einen schwerkranken Patienten schwer zu akzeptieren ist?

Ihr Sohn beschreibt, wie Sontag ihren Tod nicht akzeptieren konnte und 30 Jahre lang gegen drei aufeinanderfolgende Krebserkrankungen einen heroischen Kampf führte mit allen möglichen und unmöglichen Therapien, – nur den Orgonenergie-Akkumulator hat sie, die doch stets, wie ihr Sohn in seinem Buch hervorhebt, eine „wissenschaftliche Rationalistin“ war, offensichtlich nie in Erwägung gezogen. Lieber ließ sie sich bis zuletzt mit genauso aussichtslosen wie schmerzhaften „wissenschaftlichen“ Therapien traktieren.

Sontag, „das moralische Gewissen Amerikas“, war in den 1950er Jahren mit Philip Rieff verheiratet, eine Ehe aus der der erwähnte David Rieff hervorgegangen ist. Ihr zu diesem Zeitpunkt bereits Ex-Ehemann Philip Rieff war einer der ersten, der nach 1957 mit einer gewissen Reichweite und auf relevante Weise über Reich geschrieben hat und zwar 1966 in seinem Buch The Triumph of the Therapeutic. Freud, C.G. Jung, Reich und D.H. Lawrence, hätten die Kultur untergraben, indem sie die Menschen lehrten auf ihre innere Stimme zu hören. Doch, so Philip Rieff, kann es Kultur nur auf der Grundlage eines Systems moralischer Forderungen geben, die sich im Menschen in „inneren Ordnungen“ niederschlagen, die festlegen, was falsch und richtig ist. Nur so sei ein sozial verträgliches Miteinander möglich. Es geht also um genau jene „inneren Hierarchien“, die „innere Polizei“, „die Stimme der Moral“, die, so die „Anti-Stirner“, ein erträgliches Leben erst ermöglichen. Mit anderen Worten, an sich ist Rieffs Buch ein Angriff auf Stirner bzw. „LSR“. Anders ausgedrückt: mit bricht Stirner die Hölle herein! Hell Raiser!

Dazu möchte ich eine längere Stelle aus meiner Rezension von Christopher Turners pestilenter Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron zitieren:

(…)

Turners „Beschreibung“ der bioelektrischen Versuche führt zur „Beschreibung“ der Vegetotherapie:

Ein Neurotiker könnte durch einen Orgasmus elektrisch nicht entflammt werden, argumentiert er [Reich], weil dessen libidinöse Schaltsysteme durcheinander geraten sind. Im Glauben, daß er die physiologische Grundlage von psychischen Störungen gefunden hatte, hoffte Reich seine Patienten auf der zellulären Ebene neu zu verkabeln. In gewisser Weise war es seine Version von Elektroschocktherapie, damals das beliebteste psychiatrische Werkzeug. (Turner 2011, S. 176)

Neurotiker konnten vom Orgasmus nicht „lit up“ werden, weil es ein Kuddelmuddel in ihren libidinösen Stromschaltungen gab. Nur Orgasmen könnten dies wieder geraderichten! Vom „Lügendetektor“ zur „Elektroschocktherapie“ nach jeder Menge „Orgasmen“ und, wie wir sogleich sehen werden, der „Masturbationstherapie“ schließlich hin zum „Orgasmatron“!

Die Beschreibung der Vegetotherapie, die Turner mit dem Ansatz von Franz Anton Mesmer verbindet, ist so geartet, daß die Reichsche Therapie dem Leser genauso grotesk vorkommen muß wie Reichs Experimente:

Während bei Reichs Laborversuchen die Probanden ermutigt wurden zu masturbieren, war seine Therapie vollständig andersgeartet. Er zielte darauf orgastische Potenz zu verbessern, aber dies wurde durch Massage von anderen Teilen des Körpers bewerkstelligt, in der Hoffnung, eine solche Behandlung würde muskuläre Blockaden lösen. Die Unterscheidung war für Reichianer wichtig – obwohl natürlich für ihre Kritiker die Trennungslinie extrem fein schien – denn richtiggehende „Masturbationstherapie“ war zu diesem Zeitpunkt eine konkurrierende Denkschule. (Turner 2011, S. 178)

Das letztere bezieht sich auf Johannes Irgens Strömme, einen der ersten Psychoanalytiker in Norwegen. Er wurde mit seiner „Masturbationstherapie“ bekannt. Das ist mir vollkommen neu, aber in schmuddeligen Dingen wie diesen ist der Ekeloid Turner plötzlich ein sehr gewissenhafter Rechercheur! Hauptsache beim Leser bleibt etwas hängen, was Reich in ein denkbar schlechtes Licht rückt.

Beispielsweise sei Reich, wobei sich Turner auf eine entsprechende Analyse von Susan Sontag (sic!) bezieht, in seinem Kampf gegen den Krebs genauso meschugge gewesen wie Hitler im dazu parallelen Kampf gegen die Juden als „Krebs der Gesellschaft“ (Turner 2011, S. 197f). Es ist kein Zufall, wenn Turner zwei Seiten weiter Reich in einer Weise zitiert, die den Orgonakkumulator assoziativ nach Auschwitz versetzt:

„Die Endlösung [final solution] für das Krebsproblem“ bestünde in – wenn er [Reich] denn einen Weg erarbeiten könnte, um es zu bewerkstelligen– einer Sache, die er jetzt als „Orgonakkumulator“ beschrieb, so Reich in seinem Tagebuch. (Turner 2011, S. 200)

Was Turner bei all dem umtreibt, wird vielleicht aus seinem Umgang mit Mesmer deutlich: Es geht um das drohende „Ende der Aufklärung“, d.h. um den des Kults um das Gehirn. Mesmerism and the End of Enlightenment (Mesmerismus und das Ende der Aufklärung) lautet denn auch ein Buchtitel, auf den sich Turner bezieht. Beide, Mesmer und Reich, gefährdeten diesen „Rückzug ins Gehirn“ mit Dingen, die pornographische Gehirnmaschinen wie Turner nur als grotesk imponieren können: autonome Körperreaktionen. Entsprechend reagieren sie mit Herablassung und Verachtung. Das kommt beispielsweise in Sätzen wie dem folgenden quasi pornographischen Satz über Reichs Patienten zum Ausdruck:

Sie lagen auf dem Rücken auf seiner Couch, atmeten tief, mit den Beinen in der Luft, eine Position, von der er glaubte, sie würde den Fluß der Emotionen erhöhen, wenn er in ihre Körper stocherte und sie manipulierte. (Turner 2011, S. 179)

Sie liegen da, schwer atmend und mit gespreizten Beinen, Reich über sie gebeugt und sie bearbeitend…

Übrigens beschreibt Turner die therapeutische Vorgehensweise Mesmers ebenfalls so, daß man unwillkürlich an einen sexuellen Übergriff denken muß:

Um diesen Heilstrom zu übertragen, saß er [Mesmer] mit einer Patientin [!] so, daß er ihre Beine zwischen seinen Knien zusammengedrückt hielt, ihre Daumen in seine Hände drückte, ihr intensiv in die Augen starrte und ihre Glieder streichelte, um das zu manipulieren, was er als ihren „innerlichen Äther“ bezeichnete. (Turner 2011, S. 177)

(…)

Die Hölle bricht herein wie in einem Sex-Science-Fiction-Horror-Film. Man führe sich dazu bitte die unten präsentierte zeitgenössische Karikatur über Mesmer zu Gemüte. Gleichzeitig zeigt das ganze, daß LSR und die Entdeckung des Orgons untrennbar sind – etwas, was Laska stets von sich gewiesen hat!

Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 2)

10. August 2021

Der Inhalt dieser Ausgabe ist viel zu umfangreich und komplex, als daß ich ihn besprechen könnte, deshalb hier nur jeweils ganz kurz zu jedem Aufsatz:

Experiments with Professor Roger Du Teil in Oslo, July and August, 1937 (S. 1)

Es geht u.a. um Experimente mit Bionen aus Erdboden, Holzkohle, Blutkohle, Gras und Moos, sowie das „Präparat 6“.

On the Natural Organization of Work in Work Democracy, Part II (S. 14)

Bei jedem Satz von 1939 spürt man, daß Reich aus der sozialistischen Bewegung stammt – wobei die ganze Ausrichtung aber durchaus antisozialistisch ist, sondern vielmehr libertär: der Staat soll sich den menschlichen Bedürfnissen angleichen, statt umgekehrt.

From Sexual Hygiene to the Cancer Problem (S. 25)

Das hat Reich im Mai 1938 geschrieben, entsprechend haben wir hier zwar bereits weitgehend den Inhalt von Der Krebs vor uns, nur daß alle energetischen Phänomene im Sinne der „Elektrik“, wie sie beispielsweise Friedrich Kraus formuliert hatte, erklärt werden.

Preface to BIONS AND CANCER (S. 37)

In diesem Vorwort vom Juli 1939 zu einer Version von dem, was schließlich als Der Krebs erscheinen sollte, erklärt Reich, dieses Buch werde nicht allgemein zugänglich gemacht werden, weil entsprechende Erfahrungen mit Die Bione davon abrieten.

Report On the Behavior of Staphylococcus and Streptococcus when Exposed to Electrical Current (S. 38)

Hier geht es um den Versuch seinen Schüler Jörgen Neergaard von dessen Osteomyelitis zu heilen, indem die Eiterbakterien durch einen sehr schwachen Strom geschwächt werden.

Properties of the S-bacillus (S. 42)

Im Winter 1937/38 geschrieben, geht es imgrunde um das gleiche Thema: die Bekämpfung von Krankheitserregern („T-Bazilli“), nur diesmal vermittelt durch („elektrisch“ geladene) Bione („PA-Bione“).

The Appearance of Bionous Tissue Disintegration (S. 45)

Als Reich das erste Mal lebendiges, ungefärbtes Krebsgewebe unter großer Vergrößerung betrachtet, fühlt er sich sofort an die Bion-Präparate erinnert, die er bisher untersucht hatte.

The Organization of Cancer Cells (S. 49)

Die obige Beobachtung führt unmittelbar zur orgonomischen Krebstheorie: bionös zerfallendes Gewebe reorganisiert sich neu zu Krebszellen, so wie Protozoen aus abgestorbenem Gras oder Moos hervorgehen.

Bion Cultures Available on October 1, 1938 (S. 52)

Ich konnte nie überzeugend erklären, wie angesichts der Bione eigentlich das Pasteurisieren, also das Sterilisieren durch Erhitzung funktionieren soll. Durch die Lektüre habe ich endlich begriffen, daß Hitze T-Bazillen (und entsprechende „Stäbchen“) nachhaltig zerstört, während Bione davon unberührter bleiben bzw. sich mit dem Abkühlen neu organisieren können.

Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 3)

7. September 2013

Im Gegensatz zur klassischen Krebstheorie ist es in der orgonomischen Krebstheorie gleichgültig aus welchem Körpergewebe die Krebszellen sich bilden, da sie alle gleichartige Neuschöpfungen sind. Entsprechend kann man mikroskopische Lebendbeobachtungen an beliebigen Körpergeweben zur Krebsfrüherkennung nutzen: an Exkrementen (Sputum, Kot, Urin), frischem Blut, Hautzellen, Schleimhautzellen, Gebärmutterausscheidungen, Vaginalabstrichen und allen anderen erreichbaren lebenden Zellen (Der Krebs, Fischer TB, S. 228) Siehe dazu auch Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: IV. Orgonomic Examination of Body Secretions” (Orgone Energy Bulletin, 4(2), April 1952, S. 103-115) und Eva Reich: „Early Diagnosis of Cancer of the Uterus (CaV) (Case No.13)“ (CORE, 7(1,2), March 1955, S. 47-53).

Über zeitgenössische Parallelentwicklungen in der Krebsdiagnostik durch Untersuchungen am Lebendgewebe berichten Myron R. Sharaf in „Priority in Reich’s Cancer Findings“ (Orgonomic Medicine, 1(2), November 1955, S. 145-150) sowie Chester M. Raphael in „Confirmation of Orgonomic (Reich) Tests for the Diagnosis of Uterine Cancer“(Orgonomic Medicine, 2(1), April 1956, S. 36-41). Man beachte: es handelt sich um Bestätigungen der Reichschen Ergebnisse, denn Reichs Priorität steht fest:

Blutkreislauf 1937-1942

Orgonomische Krebsforschung
Allmählicher Verlust der Bioenergie im Blutsystem.
Bluttests entwickelt in der Orgon-Bio-Physik 1938-1944 (Zerfallstest der roten Blutkörperchen, Autoklavierungs-Test, Kultur-Test, T-Bazillen-Test). Ausscheidungen untersucht seit 1937.

Biochemische und genetische Krebsforschung
Bis 1943 wurde das Blutsystem nicht als für die Diagnose von Krebs relevant betrachtet.
Interesse an Blutuntersuchungen entwickelte sich irgendwann nach 1943, d.h. nach der Veröffentlichung von „The Carcinomatous Shrinking Biopathy“ von Wilhelm Reich. Blutserum-Untersuchung. Keine Prüfung der Körperausscheidung. („Orgonomic and Chemical Cancer Research – A Brief Comparison“, Orgone Energy Bulletin, 2(3), July 1950, S. 139-142)

„(…) es kann vorkommen, daß im Lebendpräparat die Krebsdiagnose notwendig ist, während sie aus dem toten Farbpräparat noch in keiner Weise hervorgeht“ (Der Krebs, S. 271f). Wo der Histologe aufgrund von Farbschnitten noch „chronische Entzündungen“ sieht, kann Reich bereits Krebs diagnostizieren (ebd., S. 274f). „Die Diagnose ‚maligner Tumor‘ ist für die Bionforschung dann gegeben, wenn sich blasiger Zerfall der Zellen und spindelige, neuartige Formen im Lebend-Präparat auch nur vereinzelt zeigen“ (ebd., S. 275).

Daß die Reichsche Diagnose lebensrettend ist, zeigt Wilhelm Reich: „Public Responsibility in the Early Diagnosis of Cancer“ (Orgone Energy Bulletin, 1(3), July 1949, S. 110-116). Daß schon die rein psychiatrische Diagnose ohne alle Laborwerte ausreicht, zeigt beispielsweise folgende Beschreibung einer Patientin durch Reichs Mitarbeiter Simeon J. Tropp:

Verstandesmäßig begriff ich die tiefsitzende Resignation bei dieser Patientin; verstandesmäßig konnte ich es mit den somatischen Ergebnissen einer karzinomatösen Schrumpfungsbiopathie integrieren; aber ich konnte dabei keinen Zugang zum Sterbensprozeß finden; ich konnte ihn nicht wirklich sehen. Zwar sah ich die leblose Qualität beim Körper dieser Patientin; ich sah die Resignation im Körperausdruck. Ich wußte, daß sie sich in sich zurückgezogen hatte, wußte, daß es ihr fast unmöglich war wütend zu werden, und ich wußte auch, daß sie sexuell sehr zugeknöpft war, und doch begriff ich immer noch nicht die Bedeutung dessen, was vor meinen Augen lag. Ich habe einfach nicht die Krebsschrumpfungs-Biopathie gesehen. Wir sind derartig an Schlußfolgerungen durch Deduktion gewöhnt und sind derartig von Röntgenaufnahmen, Laborbefunden und klinischen Daten zur Diagnose von Krankheiten abhängig geworden, in die wir uns nicht hineinversetzen können, nicht sehen können, was der Organismus ausdrückt. Kurz gesagt, verstehen wir noch nicht die Sprache des Körpers. Bei der Krebspatientin ist es so, als ob der Körper sprach und sagte: „Ich will mich nicht bewegen; ich will nicht atmen; ich habe bereits begonnen zu sterben; ich will sterben.“ (Tropp: „Orgone Therapy of an Early Breast Cancer“, Orgone Energy Bulletin, 2(3), July 1950, S. 131-138)

Reich beschreibt vier Stufen in der Entwicklung von Krebszellen (Der Krebs, S. 268-283): In der ersten Phase kommt es zu einem massiven Auftreten von T-Bazillen, in der zweiten Phase zu entzündlichen Gewebsveränderungen, die in der dritten Phase zu blasigem Zerfall und der Formation von spindelförmigen Krebszellen führen. In der vierten Phase werden daraus schließlich richtiggehende „Amöben“, die die mechanistischen Krebsforscher gemeinhin für „Parasiten“ halten.

Dieser Zerfallsprozeß tritt „natürlich“ im Organismus des Krebspatienten auf, der deshalb unter etwas leidet, was Reich als karzinomatöse Schrumpfungsbiopathie bezeichnete: chronische charakterologische Resignation setzt sich auf Zellebene als biopathische Schrumpfung fort; gestörte äußere Atmung führt zu gestörter Zellatmung. Der Krebspatient und seine anorgonotische Veranlagung: er kann keinerlei Ladung halten und entlädt sie im bionösen Zerfall.

Über sich selbst berichtet Reich:

Bei mir selber entdeckte ich an der linken Seite der Zunge, wo eine Zahnbrücke dauernd am Zungenepithel rieb und eine kleine Erosion erzeugt hatte, T-Zerfall der Zungenepithelien, und ich konnte sogar eine T-Bazillenkultur erzielen. Das war vor etwa fünf Jahren, und ich habe noch immer keinen Krebs. Die rechte Zungenseite ergab keine T-Bazillen und hatte gesunde Epithelzellen. (ebd., S. 289f)

Gesundheit bedeutet also nicht Freiheit von Krankheitserregern, sondern die Fähigkeit mit ihnen fertigzuwerden.

Die Körperzellen des Krebskranken haben zu wenig orgonotische Ladung, wodurch sie die Tendenz haben in Bione zu zerfallen, die sich nun ihrerseits zu neuen Krebszellen reorganisieren können oder die weiter zu T-Bazillen zerfallen, die wiederum andere Zellen zum bionösen Zerfall anregen usw. Reich beobachtete auch, daß in besonders schweren Krebsfällen die Körperzellen nicht erst in Bione, sondern gleich in T-Bazillen zerfallen. Auch können im Spätstadium die Tumorzellen selbst in amorphe Massen aus T-Bazillen zerfallen (ebd., S. 244, 282f). Schon vorher kann man beobachten, daß gesunde Zellen beim Kochen in Kaliumchlorid in PA-Bione zerfallen, während krebskranke Zellen bei dieser Prozedur in T-Körperchen zerfallen (ebd., S. 232, 244).

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Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 2)

4. September 2013

Die Entstehung der Krebszellen ist identisch mit dem Problem der Biogenese (Der Krebs, Fischer TB, S. 250), was die Reichsche Theorie nach klassischen Begriffen als vollkommen absurd dastehen läßt (ebd., S. 249). Tatsächlich ist sie aber für jeden unvoreingenommenen Beobachter naheliegend – und sogar für den voreingenommenen:

[Das folgende] Vorkommnis mag den Leser überzeugen, daß der menschliche Organismus auch dort korrekt Bescheid weiß, wo er offiziell einer Fehlauffassung im Denken anhängt. Ich bereitete die erste Publikation über die Bione, den bläschenförmigen Zerfall der Materie und die Entwicklung der Protozoen im Herbst 1937 vor, etwa eineinhalb Jahre nach den ersten schlüssigen Beobachtungen. Ich hatte damals noch keine Ahnung von den zwei Grundtypen der Energiebläschen, den blauen PA und den schwarzen T-Bazillen, und ich wußte nichts davon, daß die blauen orgonhaltigen Energiebläschen die T-Bazillen töten. Ich wußte mit einem Worte noch nichts davon, daß ich je in die Lage kommen sollte, „Orgontherapieversuche am Krebs“ zu unternehmen. Da brach im Herbst 1937 die Hetzkampagne der norwegischen Mechanisten und Mystiker gegen meine Bionforschung los. In den Zeitungen erschienen, entgegen meinem ausdrücklichen Ersuchen um Ruhe, lange Artikel, die „endlich den Schleier von meinem Laboratorium“ zu lüften vorgaben. Eines Tages wurde mir öffentlich vorgeworfen, daß ich den Anspruch erhöbe, „den Krebs heilen zu können“. Ich war perplex, als ich dies hörte. Hatte ich selbst doch nicht die geringste Vermutung darüber. Ich hatte auch nie einen solchen Anspruch erhoben. Woher kam es, daß ein solcher „Vorwurf“ erhoben wurde, wenn man überhaupt von einem Vorwurf sprechen konnte. Erst viel später, nach der Entdeckung der tötenden Wirkung der blauen PA-Bione, begriff ich den Vorwurf. Die feindseligen „Kritiker“ hatten offenbar besser als ich geahnt, daß die Enthüllung der Biogenese der Protozoen die Türe zum Verständnis des Krebses weit öffnen würde. (ebd., S. 251)

Immerhin ist zu konstatieren, daß schon vor Reich

R. Krauss auf Grund von Versuchen von Swarzoff, der Tumorzellen aus Körperteilchen und Teilzellen entstehen sah, seine Hypothese aufstellte, „omnis cellula ex granula“ – und nicht, wie es sonst heißt: „ex cellula“. Daß sich Krebszellen aus „Körnchen“ zusammensetzen, paßt vortrefflich zu der orgonologischen (sic!) Beobachtung, daß sie sich aus Bionen organisieren. (ebd., S. 261)

Walter Hoppe verweist auf die zeitgenössische sowjetische Forscherin O.B. Lepischinskaja:

Lepischinskaja widersetzt sich der Rudolf Virchowschen Auffassung (1821-1902) „cellula e cellula“, d.h. daß alles Leben der Zelle nur aus der Zelle hervorgehen könnte. Sie behauptete, die Vorstellung, die Zelle wäre das letzte lebensfähige Element, befände sich in einer tiefen Krise. Sie betonte, Virchows Theorie wäre zu seiner Zeit verhältnismäßig fortschrittlich gewesen, als er die Medizin gegen „naturphilosophische Hirngespinste“ in materielle Bahnen lenkte, nämlich der Erforschung der Pathologie im Zusammenhang mit den in den Zellen vor sich gehenden Veränderungen. Heute aber wäre diese mechanistische Theorie Virchows schon veraltet und hielte den Fortschritt der Wissenschaft auf. „Inzwischen haben sich einige Forscher an die über 90 Jahre herrschende Theorie Virchows derart gewöhnt, daß sie schon nicht mehr auf diese Ideen verzichten können.“ (Hoppe: Wilhelm Reich und andere große Männer der Wissenschaft im Kampf mit dem Irrationalismus, München 1984, S. 100)

Wie vorher bei den Grasaufgüssen und den sich daraus entwickelnden Protozoen, hat Reich Filme gedreht, in denen man sieht, wie sich Krebszellen aus dem Zerfall lebenden Gewebes bilden. Frisches Krebsgewebe zeigte den gleichen bionösen Zerfall, den Reich schon aus anderen Bereichen kannte. Aus den Bionen reorganisierten sich die typischen Krebszellen und normale Zellen aus dem nicht von Krebs befallenen Gewebe des Patienten zeigten die Anfangsstadien des bionösen Zerfalls.

Krebszellen können durch blasigen Zerfall direkt aus einer normalen Zelle entstehen (Der Krebs, S. 272f) oder durch den blasigen Zerfall von zwei oder drei Zellen, die sich dann zu einer Krebszelle vereinigen (ebd., S. 273). So kann also durchaus eine normale Zelle sich in eine Krebszelle verwandeln, wie es der gängigen Krebstheorie entspricht, „in der Regel zerfallen aber mehrere gesunde Zellen blasig, fließen in einen Blasenhaufen zusammen, aus dem sich dann eine oder mehrere Krebszellen neu bilden“ (ebd., S. 273). In einem weiteren Schritt entwickeln sich aus diesen Krebszellen echte, vollständig autonome Amöben, die nach der klassischen Krebstheorie auf Infektion zurückzuführen sind (ebd., S. 279). Siehe auch Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: IV. Orgonomic Examination of Body Secretions“, Orgone Energy Bulletin, 4(2), April 1952, S. 103-115.

Die Krebszelle durchläuft verschiedene Stadien bis zu dem beweglichen amöboiden Protozoon. Die Entwicklung zum fließenden amöboiden Protozoon kann zwar unter dem Mikroskop verfolgt werden, und auch bei Mäusen kann diese Entwicklung beobachtet werden; dagegen kann sie bei Menschen nicht erreicht werden, da vorher der Tod eintritt. (Walter Hoppe: Biopsychische und biophysische Krebsentstehung im Lichte der Orgonomie & Die Behandlung eines malignen Melanoms mit Orgonenergie, Kurt Nane Jürgenson, Broschüre o.J.)

Über die zeitgenössische Bestätigung der amöboiden Struktur der Krebszellen durch klassische Forscher berichtet Richard Blasband in „Cancer Research – A Comment on the Literature“ (Orgonomic Medicine, 2(1), April 1956, S. 75-81). Über die frei beweglichen protozoalen Krebszellen siehe auch die neuere Arbeit von Alfons Weber über Carzinom-Protozoen in Heiko Lassek/Michael Gierlinger: „Blutdiagnostik und Bion-Forschung nach Wilhelm Reich“ (emotion 6, 1984, S. 132-134); auch die Arbeit von Enterline und Coman von 1950 (Gerald Pohler: Krebs und seelischer Konflikt, Frankfurt 1989, S. 107).

Reich kehrte mit seiner Lebendbeobachtung unter dem Mikroskop auf die Ursprünge der mikroskopischen Krebsforschung zurück z.B. zu Hoffmann, der im Krebsgewebe geschwänzte, amöbenartige Körperchen beobachtet hatte (Ekkehard Ruebsam: „Emotionale Blockierung und Krebs“, emotion 2, 1981, S. 58).

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