Posts Tagged ‘Mesmerismus’

Hilfe, ich sehe überall UFOs! (Eine Ergänzung zum gestrigen Blogeintrag)

1. August 2018

Alien Hunter, wo man außerirdische Lebensaktivitäten auf offiziellen NASA-Photos der Mondoberfläche ausmachen soll, hat den fatalen Einfluß auf mich, daß ich plötzlich überall Zusammenhänge ausmache, die gar nicht vorhanden sind. Hat man erst einmal seinen Geist darauf trainiert, aus jedem Muster, das man zu erkennen glaubt, welterschütternde Schlußfolgerungen zu ziehen, ist nichts mehr vor einem sicher. Beispielsweise sehe ich, wenn ich zum Himmel schaue, gigantische Raumschiffe, die sich in den Wolkenformationen verstecken bzw. hinter den Wolkenformationen stecken. Das ist eine der Gefährdungen des orgonomischen Funktionalismus; man sieht Muster, wo keine sind. Teilweise gemahnt das an die Wahrnehmung des Schizophrenen in einer psychotischen Phase! „Das ist doch kein Zufall, daß wir uns hier begegnen!“ „Hä??!“ – Paranoiker akzeptieren schlichtweg keine Zufälle, also keine sozusagen „Musterlosigkeit“.

Reich selbst wird oft eine paranoide Schizophrenie angedichtet, weil er „überall“ eine kommunistische Verschwörung sah, im Zusammenhang mit seinen „Raumkanonen“ die US-Luftwaffe und das Weiße Haus als heimliche Verbündete betrachtete und gegen treue Mitarbeiter zunehmend mißtrauischer wurde. Zunächst einmal hängt alles von der Einschätzung ab, die man von „Moskau“ und generell der sozialistischen Bewegung hat, davon, ob es UFOs wirklich gibt, davon wie man Reichs Mitarbeiter bewertet, etc. Vor allem zeigt sich hier aber die inhärente Gefahr des unvoreingenommenen Suchens nach gemeinsamen Funktionsprinzipien, also die Gefahr, die im orgonomischen Funktionalismus lauert. Von daher sollte man nochmals Reichs ausführliche Beschreibung eines Falls von paranoider Schizophrenie in Charakteranalyse durcharbeiten, wo es darum geht, daß die betroffene Patientin Dinge bzw. Zusammenhänge sieht, an denen Homo normalis wie blind vorbeigeht.

Wenn man beispielsweise, frei nach Hans Hass, ein Auto als zusätzliches Organ betrachtet, neben Organen wie Leber und Sprache (sic!), wird die Grenze zum Irrsinn fließend. Oder man denke an Reichs Konzept der Emotionellen Pest. Eine der passendsten Allegorien dafür findet sich in dem Science Fiction/Horror-Film Die Invasion der Körperfresser, also einem psychotischen Fiebertraum, der zu einem Drehbuch geronn. Wie etwa die Geschichte des Mesmerismus gezeigt hat, ist es vom Sehen und Manipulieren des organismischen Orgonenergie-Feldes zur spiritistischen Spökenkiekerei nur ein Schritt. Der entscheidende Unterschied zwischen dem Funktionalismus und dem krankhaften Obskurantismus ist, daß der erstere zwar zeitweise sozusagen „entgleisen“ oder dauerhaft mystisch entarten kann, es aber vom letzteren keinen Weg zum ersteren gibt. Schizophrene und Mystiker ertragen das einheitliche Strömen der Energie nicht, ziehen sich ängstlich zurück oder deskompensieren vollends.

nachrichtenbrief73

28. September 2017

Ergänzungen zu „Der Blaue Faschismus“ (Teil 1)

17. Januar 2015

Das folgende ist so etwas wie ein Anhang zu Der Blaue Faschismus.

Auf meiner Seite über Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur wird der mechano-mystische Charakter der quantenmechanischen Theorien David Bohms freigelegt. In „esoterischen“ Kreisen wird er geradezu als Prophet des neuen Zeitalters vergöttert.

Worum es geht, zeigt folgende Stelle aus einer mittlerweile aus dem Netz verschwundenen Website:

Bohm meinte, daß ein wichtiger Grund, warum sich die Menschen dieses Planeten, hinsichtlich Rasse, Nationalität, Religion und all dem anderen, feindlich gegenüberstehen, in ihrer Tendenz begründet liegt, alles in Bruchstücken zu sehen. Weil der Mensch sich selbst und alles um ihn herum als unabhängig und sich selbst genügend betrachtet, wird er ich-zentriert und abwehrend; „… (…) Er ist unfähig, die Menschheit wirklich als die grundlegende Realität zu betrachten, deren Ansprüche an erster Stelle stehen.“ Bohm zufolge beginnt dieses Problem der Fragmentierung auf der Ebene des Eigeninteresses (…). Bohm errichtete seine kommunistische Utopie auf der unhaltbaren Annahme, daß das Universum eine perfekt geordnete mystische Ganzheit ist (…). Die meisten Wissenschaftler sind unbeeindruckt von Bohms Verweis auf eine primordiale universelle Harmonie, die sich abwechselnd verbirgt und offenbart. Sie sind sich der chaotischen Zufälligkeit vollkommen bewußt, die Bohm, in seiner Liebe für perfekte Ordnung, nicht wahrhaben wollte. Sie sehen in der Natur, wie Bohr und Heisenberg es getan haben, das Unscharfe und Unsichere; nicht das Werk eines (…) Gottes, der, wie in der mittelalterlichen Theologie, ein Schweizer Uhrmacher ist.

Ein hervorragendes Beispiel für die gängige Mischung aus faschistischem Mystizismus und kommunistischen „Mechanismus“, die eine Karikatur der Orgonomie darstellt.

Das „Neue Zeitalter“ ist ein klaustrophobischer Alptraum, in dem alles mit allem verbunden ist, alles Bedeutung hat und man buchstäblich nicht frei atmen kann. Kaum entdeckt der Mensch in der Quantenphysik, daß die Natur nicht mechanisch ist, sondern Freiheit herrscht, deutet er alles so, daß der Mechanismus noch getoppt wird. Und kaum wird die Orgonenergie entdeckt, um nicht nur dem Mechanismus, sondern auch dem Mystizismus den garauszumachen kommt – folgendes:

Vor mir liegt ein Werbeartikel aus einer Esoterikpostille. Es dreht sich um „Elektrosmog“ und „Chemtrails“, also um die Leiden hysterischer Frauen und paranoider Männer. Statt einen Psychiater zu konsultieren, sollen sie sich mit „Orgonite“ wappnen. „Pranakristalle“, das „Orgonschild“ und das „Pranalicht“ (bzw. die „Orgonlampe“) soll vor Elektrosmog schützen. Für großräumige Bereiche wurde die „Akasha-Säule“ entwickelt. Statt in Metern wird ihr Wirkradius in Kilometern angegeben, so daß auch „Chemtrails“ aufgelöst werden können.

Ebenfalls auf der Grundlage des Orgonites funktionieren die „Pranatropfen“, die in ihren unterschiedlichen Ausführungen bestimmten „Erzengeln“ zugeordnet werden: Uriel, Jophiel, Raphael, Chamuel, Michael, Zadkiel und Metatron sowie Elohim höchstpersönlich. Er spricht alle „Chakren“ gleichzeitig an! Daneben gibt es noch den Pranakristall Brahman, der ebenfalls alle Chakren betrifft. Die Pranakristalle sollen einen mit Orgonenergie erfüllten Raum erschaffen, „welcher Schutz vor Elektrosmog und negativen Gedanken schafft“. Das bereits erwähnte Orgonschild eignet sich speziell für Notebooks und neutralisiert das von ihnen ausgehende DOR. Es werde dabei vollständig in Orgon umgewandelt.

Im Vergleich dazu wirkt jeder katholische Sektierer vom Opus Dei aufgeklärt, frei und rational!

Trevor Constable war einer der Ersten, der diese Gedankenwelt vertreten hat, dieses okkult verstellte Lebensgefühl, in dem Reich mit dem verbunden wird, was Europäer für Hinduismus und Taoismus halten, und nicht zuletzt mit Rudolf Steiners Anthroposophie. Es wäre durchaus möglich gewesen, daß das heute die Orgonomie ist! Siehe dazu meine Besprechung von Constables Buch The Cosmic Pulse of Life. Wie vollkommen absurd das alles ist, wird deutlich, wenn man an Reichs Massenpsychologie des Faschismus erinnert.

Constable war Co-Autor u.a. der beiden folgenden militaristischen Bücher und ein großer Verherrlicher der Deutschen Luftwaffe: Das waren die deutschen Jagdfliegerasse 1939–1945 (Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1972) und Holt Hartmann vom Himmel! Die Geschichte des erfolgreichsten Jagdfliegers der Welt (Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1971). Was für eine merkwürdige Synthese von Schwärmereien über Rudel und Hartmann mit…

Der Wikipedia-Eintrag zu Constable meint dazu:

Die beiden Historiker Ronald M. Smelser und Edward J. Davies rechnen die kontextlose und heroisierende Darstellung Hartmanns durch Constable und Toliver zu den Versuchen der Romantisierung und nachträglichen Verbrüderung mit den „Helden“ der „Sauberen Wehrmacht“, die nun im Kontext des Kalten Krieges an der Seite ihrer westlichen Waffenbrüder erneut gegen die Gefahr aus dem Osten stünden. Durch die fehlenden Quellenangaben und den Einfluß der dargestellten Offiziere auf die Präsentation seien diese Werke keine geschichtswissenschaftlichen Darstellungen, sondern Ausdruck von Popkultur.

Weiter im Gruselkabinett:

Das erste Mal traf ich auf den angeblichen „UFO-Kontakler“ Billy Meier über eine Bekannte, die mir ganz begeistert erzählte, daß 1963 bei Jerusalem ein verschollenes Evangelium von Jesus entdeckt worden sei, das ganz mit Reichs Auffassung der Jesus-Geschichte harmoniere, der Talmud Jmmanuel. Demnach habe, so meine Bekannte, Jesus nicht gesagt, daß den geistig Armen das Himmelreich gehöre, sondern den Wissenden. Ich wußte sofort, daß es sich nur um eine plumpe Fälschung handeln könne, denn in der revidierten Fassung macht Jesus‘ Aussage überhaupt keinen Sinn mehr. „Die Ersten werden die Ersten sein!“ – Meier, der diesen „Talmud“ veröffentlicht hatte, war für mich innerhalb von Sekunden erledigt. Übrigens ist dieses Machwerk antisemitisch: man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.

Später sah ich dann Meiers dilettantisch gemachten UFO-Photos und -Filme. Das einzige, was mich kurz pausieren ließ, waren Photos über seine angebliche Zeitreise 65 Millionen Jahre zurück zu den Dinosauriern, die seine außerirdischen Freunde mit ihm unternommen hatten. Insbesondere ein Flugsaurier sah erstaunlich realistisch aus. Wie sollte er das gefälscht haben? Noch überzeugender war ein Photo einer Raumfahrerin von den Plejaden. Die Frau war wirklich von überirdischer Schönheit und sah merkwürdig „humanoid“ aus. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man so ein Photo als Schweizer Bergbauer herstellen kann!

Schließlich stolperte ich im Internet über die denkbar einfache Lösung: die Dinosaurier hat er mit einer Polaroid-Kamera aus einem bekannten Bildband über die Urzeit aufgenommen.

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Und die Untertassen-Arierin „Asket“ war Tänzerin in einer amerikanischen Fernsehshow mit Dean Martin! Meier hatte sie vom Bildschirm abphotographiert!

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Wozu der ganze Betrug? Meier will seine krude New Age-Philosophie verbreiten, indem er sie Jesus und außerirdischen Blondinen in den Mund legt. Er möchte gerne, geltungssüchtig wie er ist, als Prophet einer Gemeinde vorstehen. Tatsächlich gehören zu seinen gläubigen Anhängern sogar renommierte Universitätsprofessoren, die den Talmud Jmmanuel zu ihrer neuen Bibel erkoren haben und ganze Abhandlungen darüber schreiben.

Ich erwähne Meier als Muster, um den Fall Nikolai Levashov besser einordnen zu können. Der russische „Geistheiler“ Levashov zählt sogar einst führende Orgonomen zu seiner Anhängerschaft. Ich habe bereits von meiner positiven Erfahrung mit der „Geistheilung“ berichtet, die Levashov praktiziert und lehrt. Als ich dem Levashov-Schüler, einem der besagten Orgonomen, damals, d.h. vor fast 25 Jahren, sagte, daß mich das, was er da mache, an den „Mesmerismus“ erinnert, wie ihn Jerome Eden praktiziert hat, reagierte er sichtlich verärgert. Es ginge gar nicht primär um die Beeinflussung des Energiefeldes des Patienten durch das Energiefeld des Therapeuten, sondern um the mind, den vom Körper unabhängigen „Geist“, der durch „gerichtete Intention“ wirksam wird. Überhaupt: durch Erzählungen erfuhr ich, daß Levashov-Anhänger extrem empfindlich reagierten, wenn man gegenüber dieser „Neuerung“ skeptisch blieb und die Orgonomie partout nicht „spirituell“ ergänzen wollte.

Es ging darum, den „orgonomischen Dogmatismus“ aufzugeben, offen und „wissenschaftlich“ zu sein – und die Philosophie von Levashov anzuerkennen, in der der körperlose „unsterbliche Geist“ des Menschen eine zentrale Rolle spielt. Die angebliche „Geistheilung“ war nur ein Vehikel für die Verbreitung eines obskurantistischen Weltbildes, das teilweise faschistoide Züge trägt.

Mir wurde erzählt, was Levashov doch für eine beeindruckende Persönlichkeit sei. („Beeindruckender als Reich!“) Ein echtes Wunderwesen und wissenschaftliches Genie mit einer bezwingenden persönlichen Aura. Um so enttäuschter war ich, als ich schließlich auf seiner Website Photos von ihm sah. Eine ausgesprochen unförmige und unsympathische Erscheinung mit null Charisma. Seine geschmacklosen Gemälde. Und all der pseudo-esoterische Unsinn und die Verschwörungstheorien, wie die einstige spirituelle Weltmacht Rußland, im Laufe der Geschichte ihre Vorherrschaft verlor, weil der spirituelle Schutzschirm, der das Reich umgab, brüchig wurde.

Ein einheitliches Psi-Feld des Reiches, das durch hochstehende Volkhvs mittels Pyramiden aufrechterhalten wurde, wurde nach der Zerstörung der Tempelstadt Asgard-Iryisky von Horden von Dschungaren, die die „kleine“ Hilfe schwarzer Magier benutzten, deutlich geschwächt.

Das erinnert alles fatal an Tolkiens Der Herr der Ringe! Absolut gruselig. Etwa das gleich Niveau, auch inhaltlich, wie L. Ron Hubbard und seine „Scientology“. Schlimmer!

Den zweiten Teil seiner Autobiographie bewirbt er mit folgendem Auszug:

Geboren in der UdSSR und in diesem Land dreißig Jahre lang vor meiner Abreise in die USA gelebt habend, war ich ganz sicher, daß das sozialistische Regime eine Schöpfung sozialer Parasiten war mit dem Ziel, den besten Teil der Nation zu zerstören – die starken Menschen, wie sie in der Thora und im Alten Testament genannt wurden – um das Rückgrat der Nation zu brechen und die Übriggebliebenen in Sklaven zu verwandeln… […] Ich möchte darauf hinweisen, daß ich auch in den USA keinerlei Freiheit gefunden habe! Im Gegenteil, ich sah ein weiteres parasitäres System, wo die Menschen zu Sklaven umgewandelt wurden, während sie sich selbst als frei betrachteten…

Soziale Parasiten haben sowohl das sowjetische als auch das amerikanische System geschaffen, um den besten Teil der Nation zu zerstören und so die Nation zu vernichten. „Die starken Menschen, wie sie in der Thora und dem Alten Testament genannt werden“ –, werden von „sozialen Parasiten“ zerstört. Erinnert Sie das an etwas? Etwa an ideologische Versatzstücke des Nationalsozialismus?

Aber zurück zu seiner Arbeit über die Historie Rußlands:

Der Inhalt dieses Buches entspricht den slawisch-arischen Veden und archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, die durch die „Einwände“ der „echten“ Historiker vollkommen zur Seite gewischt wurden. In gewisser Weise sind sie „im Recht“. Das Wort „Historie“ hat seinen Ursprung in einer Zusammenführung der beiden Wörter „von + Thora“, das bedeutet „Geschichten aus der Vergangenheit des jüdischen Volkes“. Tatsächlich hat das Buch von Veles nichts zu tun mit der Geschichte des jüdischen Volkes, einfach weil es die Vergangenheit des russischen Volkes widergibt. Aber ich sehe persönlich keinerlei Problem in ihm, da es keinen Versuch unternimmt, die Geschichte der Jüdischen zu verzerren oder die irgendeines anderen Volkes. Dieses Buch beschreibt die Vergangenheit der Slawen. Jetzt haben wir eine sehr interessante Situation: Juden haben das Recht, ihre Vergangenheit, ihre Geschichte wie alle anderen Menschen zu haben, außer uns, den Slawen, die ihre Vergangenheit nicht haben dürfen, zumal es eine große ist.

Wie die Juden eine eigene Geschichte haben, stehe den Russen auch eine (nicht-jüdische) Geschichte zu. Übrigens ist die in diesem Zusammenhang von Levashov präsentierte Etymologie gröbster Unfug. „History“ (bzw. russisch история = istorija) kommt vom griechischen Wort historia, das so viel wie „Wissen durch Ergründen“ bedeutet. Und mal ganz abgesehen von der Etymologie: Daß die Russen ein griechisches Fremdwort benutzen, weil es in ihrer eigenen Sprache für „Geschichte“ keines gibt, zeigt doch, daß sie keine Geschichtsschreibung kannten. Wie bei Billy Meier: allein schon wegen dieses erbarmungswürdigen Dilettantismus war für mich dieser Mann sehr bald gestorben. Daß er offensichtlich ein Antisemit zu sein scheint, macht das ganze nur noch schlimmer. (Woran erkennt man einen Antisemiten? Er ist vom Thema „Juden“ besessen und erwähnt es in den unmöglichsten Zusammenhängen. In diesem Fall wird zwanghaft die „Thora“ erwähnt.)

Der eine erfindet Kontakte zu den „Plejaden“, der andere beeindruckt sein Umfeld mit „Mesmerismus“ – um als Prophet, der das Schicksal des Planeten in den Händen trägt, auftreten zu können. Levashovs erstes Buch ist betitelt The Final Appeal to Mankind. Seine Anhänger insinuieren, sein Geist (mit anderen Worten: er) käme von einem anderen Planeten, um die Menschheit zu retten.

Es ist verblüffend, wie leicht man doch aus seinem Gleichgewicht gerissen werden kann. Wie leicht ich doch aus dem Konzept zu bringen bin. Je kruder der Betrug, desto überzeugender. Meiers, na ja, „aufwendige“ UFO-Photos konnten mir nur ein müdes Lächeln entlocken, aber aus Büchern bzw. vom Fernsehschirm abphotographierte Bilder haben mich verunsichert! Hätte Levashov nicht den Fehler gemacht, eine geschmacklose „slavo-arische“ Internetseite zu kreieren, wäre ich wohl heute noch unsicher, ob nicht vielleicht doch etwas dran ist an seinem letzten Weckruf an die Menschheit.

Es liegt mir durchaus fern, Meier und Levashov (pseudo-) rationalistisch abbügeln zu wollen! Wer meine Blogeinträge verfolgt hat, weiß, daß ich durchaus offen bin für Dinge, die von anderen schon vom Tisch gewischt werden, bevor sie sie überhaupt angesehen haben. Ich glaube gerne, daß Meier und Levashov über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen und in ihrem Umfeld Dinge geschehen, die „unerklärlich“ bleiben. Es ist nur immer eine Frage, wo die Quelle dieser Kräfte ist. Nehmen wir dazu ein letztes Beispiel: Benjamin Creme und seine Verkündigung des „Weltenheilandes“ Maitreya, dessen Kommen von gigantischen UFOs angekündigt werden wird.

Der Interviewer George Noory, der schon mehr als 5000 derartige lange Interviews über „esoterische Fragen“ hinter sich gebracht hatte, fühlte sich nach dem Interview mit Creme erstmals so schlecht, daß er befürchtete in Ohnmacht zu fallen, wenn er mit dem Gespräch fortfahren würde. Es sei das seltsamste und unheimlichste Gefühl, das er je in seinem Leben verspürt habe. Gleichzeitig berichteten Hunderte von Zuhörern der in den USA sehr populären Radiosendung Coast to Coast, daß sie sich nach der Sendung krank gefühlt hätten. Es war, als wäre der Antichrist aus den Pforten der Hölle geschritten…

Reichianischer Mystizismus (Teil 2)

27. August 2014

Es gibt einige Möchtegern-Orgontherapeuten, aber auch authentische Orgonomen, die in den letzten 25 Jahren sich der „Geistheilung“ zugewandt haben. Es sind durchweg Leute, die in der Vergangenheit durch ihre „spirituellen“ Interessen aufgefallen sind. Ich selbst wurde durch Zufall und ungewollt vor vielen Jahren zum Patienten eines solchen „orgonomischen Geistheilers“. Die Sitzung hat vielleicht 3 oder 4 Minuten gedauert, war nicht gerade von gegenseitiger Sympathie getragen und ich habe mich sogar innerlich gegen „diesen Humbug“ aufgelehnt, – aber trotzdem hat die Therapie gewirkt. Tatsächlich machte es „Knack“ in meinem Kopf und etwas Flüssigkeit lief aus meinen sinusitis-geschädigten verstopften Stirnhöhlen ab. Der Effekt war wohl nicht dauerhaft, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß „Geistheilung“ nicht schlichtweg Unsinn ist.

Zunächst die Frage, was man genau unter „Geistheilung“ versteht. In meinem Fall behauptete der Heiler, das Orgonenergie-Feld des Menschen hätte verschiedene Schichten und er würde diese unterschiedlichen Schichten manipulieren. Das entspricht in etwa der Methode von Franz Anton Mesmer, mit der ich keinerlei Probleme habe und die gut reproduzierbar ist. Eine ganz andere Geschichte sind Fernheilungen, die Rolle der Intention („Geist beherrscht Materie“) oder gar das Herabrufen von Geistwesen (der Heiler als Kanal geistiger „Heilenergien“, etc.). Einfache, d.h. energetische, Erklärungen, beispielsweise „Mesmerismus“, werden, wie auch in meinem oben beschriebenen Fall, nicht akzeptiert und auf „geistigen“ (mystischen) Theorien beharrt.

Selbst wenn man eingesteht, daß es „geistige“ Phänomene gibt, sind dies durchweg überraschende Einzelereignisse, die sich nicht wiederholen lassen. Bestimmte Aspekte des Lebendigen unterliegen nicht unserer Verfügungsgewalt, obwohl Einzelfälle vollkommen unerklärlich bleiben.

2004 haben Donn Young vom Comprehensive Cancer Center und Erinn Hade vom Center for Biostatistics der Ohio State University im Journal of the American Medical Association eine statistische Studie über das „Timing“ von über 300 000 Krebstodesfällen in Ohio zwischen 1989 und 2000 veröffentlicht. Die beiden Forscher konnten nachweisen, daß Krebskranke nicht in der Lage sind, ihren Todeszeitpunkt so hinauszuzögern, daß sie an Familienfeierlichkeiten noch teilnehmen können.

Der britische Psychologe Richard Wiseman von der Universität of Hertfordshire hat 2009 mit Hilfe des Netzwerks „Twitter“ anhand von 7000 Teilnehmern gezeigt, daß Remote Viewing nicht funktioniert, obwohl 38% der Teilnehmer an solche Phänomene glaubten und 16% sogar von sich behaupteten, über derartige Fähigkeiten zu verfügen.

An vier Tagen suchte Wiseman einen jeweils anderen geheimen Ort auf. Die Teilnehmer sollten ihm über Twitter diesen Ort beschreiben. Danach ließ er ihnen Bilder von fünf Orten zukommen, darunter eines vom Ort, wo er sich gegenwärtig befand.

In allen vier Versuchen wählte die Mehrheit ein falsches Bild aus. Sobald die Teilnehmer den tatsächlichen Ort kannten, sahen 31 Prozent von denen, die ans Paranormale glaubten, allerdings eine starke Übereinstimmung zwischen ihren Gedanken und dem richtigen Bild. Demgegenüber sahen nur zwölf Prozent der Skeptiker eine solche Übereinstimmung. Diese Art des Denkens würde Menschen dazu führen, Zusammenhänge zu sehen, die es in Wirklichkeit nicht gibt, folgert Wiseman aus seinen Ergebnissen.

Das Grundproblem der „Geistheilung“ und anderer derartiger Prozeduren, etwa Remote Viewing, liegt darin begründet, daß solche Phänomene nicht oder nur in einem sehr geringen Maße steuerbar und beherrschbar sind. Es ist sozusagen das funktionelle Gegenteil des Mechanismus, bei dem alles vorhersehbar und absolut verläßlich wie in einem Uhrwerk abläuft. Wenn versucht wird, paranormale Fähigkeiten in Nachäffung des Mechanismus zu „kult-ivieren“, beruht das auf einem grundsätzlichen Mißverständnis.

MechMys

Jede Schule, ja jeder „Guru“, der „östlichen Weisheitslehren“ vertritt ein anderes System, mit dem „subtile Energien“ reguliert werden sollen. Ein Beispiel ist „Tantra“ (siehe Die Massenpsychologie des Buddhismus).

Bedrohlich wird es, wenn „Reichianer“ dieses östliche Chaos mit ihren westlichen Mißverständnissen verschlimmern und ihre „Patienten“ mit Traditioneller Chinesischer Medizin („TDM“) oder Ayurveda malträtieren. Das wird dann als „Erweiterung“ der Orgonomie verkauft. Untergründig wird dem „Patienten“ ein raunendes „Die Weisheit der Jahrtausende blickt auf dich herab!“ vermittelt. Daß dieser anti-aufklärerische Mist ausgerechnet mit dem Namen „Wilhelm Reich“ verbunden wird…

Beispielsweise bot im Juni 2006 die in Berlin ansässige „Wilhelm Reich Gesellschaft“ ein Seminar über „Tantrische Geheimtechniken der Gralsblutlinie“ (sic!) an – und das alles unter dem Namen des Autors der Massenpsychologie des Faschismus (siehe auch meine Ausführungen zur Anthroposophie an anderer Stelle). Wie Max Liebermann angesichts der SA-Aufmärsche nach der „Machtergreifung“ sagte: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Dieses Thema habe ich bereits in einem älteren Blogeintrag in Zusammenhang mit der Akupunktur angeschnitten. Dort verwies ich auf eine Studie, die gezeigt hat, daß Akupunktur definitiv nicht so funktioniert, wie uns weisgemacht wird. Des weiteren verweise ich auf die bereits 2004 veröffentlichten „Gerac Studien“ (German acupuncture trials). Diese bisher größte Akupunktur-Studie hat erwiesen, daß es vollkommen schnurz ist, wo die Nadeln gesetzt werden, der (Placebo-) Effekt ist immer der gleiche. Den Sinologen und Medizinhistoriker Paul Unschuld verwunderte dieses Ergebnis nicht: der Kenner weiß, daß es innerhalb und außerhalb Chinas eine Unzahl von Akupunktur-Traditionen gibt. Oder mit anderen Worten: die Akupunktur-Punkte sind vollkommen willkürlich gewählt.

2009 wurde in den Archives of Internal Medicine eine Studie veröffentlicht, die zeigte, daß drei unterschiedliche Arten von Akupunktur sehr viel effektiver gegen Kreuzschmerzen wirken als die gängige Behandlung. Eine der drei Akupunktur-Anwendungen war jedoch nur eine vorgetäuschte Akupunktur mit Zahnstochern! (Die anderen beiden waren das Standardverfahren und Akupunktur, die auf den jeweiligen Patienten individuell abgestimmt war.)

Ich bezweifle nicht, daß Akupunktur etwas mit der organismischen Orgonenergie zu tun hat, jedoch sind „Meridiane“ (in denen die Orgonenergie angeblich fließt) und spezielle Nadeln nichts weiter als mechano-mystischer Hokuspokus. Das ganze erinnert an „Reichianische“ Therapien mit ihren lächerlich ausgefeilten Körperhaltungen und Körperübungen und all dem Firlefanz mit dem „Energie in Bewegung gebracht“ werden soll. Mit Orgontherapie hat das alles herzlich wenig zu tun. Sie wissen nicht, was sie tun!

Ich habe den leisen Verdacht, daß es mit der Craniosakaraltherapie auch nicht viel anders bestellt ist. Wie anfangs erwähnt, kämpfe ich mit chronischer Sinusitis. Eines Tages kam mir der Gedanke, mit den gespeizten Fingern meiner beiden Hände sanft meinen Schädelknochen zu massieren und ich stellter fest, daß dieser leichte Druck auf den Schädel zu dramatischen Ergebnissen führt: die Stirnhöhlen entleeren sich.

Jerome Eden: Franz Anton Mesmer (Teil 2)

22. August 2014

EDEN BULLETIN (Vol. 7, No. 1, Jan. 1980, S. 20)

Jerome Eden: Animal Magnetism and Life Energy, Exposition Press, Hicksville, NY, 1974

Dieses Buch beschreibt die Entdeckung von Dr. Franz Anton Mesmer, der oft fälschlicherweise als „Vater der Hypnose“ bezeichnet wird. Es beweist, daß Dr. Mesmer vor etwa zwei Jahrhunderten tatsächlich mit der Lebensenergie gearbeitet hat. Es präsentiert Mesmers tatsächliche Grundsätze und Verfahren, die das Lebensenergie-Feld des „Magnetiseurs“ anwenden – ein natürliches Verfahren, ohne Einsatz von Medikamenten, das in vielen bemerkenswerten Fällen, einschließlich bei Tieren und bei jungen, nicht der Sprache mächtigen Kindern, erfolgreich angewandt wurde. Dreiundzwanzig medizinische Fallgeschichten erscheinen hier, von Epilepsie bis hin zu Geisteskrankheit.

Eine geschichtlich Darstellung von Dr. Mesmer Leben, Arbeit und seinem Konflikt mit der Emotionellen Pest ist enthalten, sowie Edens komplette Übersetzung von Mesmers Aphorismen und große Teile von Mesmers Memoir of 1799.

Wir haben persönlich gesehen, wie der tierische Magnetismus bei Schmerzlinderung funktioniert, bei der Stärkung der Felder von lebenden Organismen im Kampf gegen Krankheit. Der tierische Magnetismus ist ein mächtiges Mittel und Dr. Mesmers Methoden verdienen eine ernsthafte Untersuchung. Wir haben erfahren, daß diverse Pflegeschulen dieses Buch als Ergänzung zu den regulären medizinischen Verfahren benutzt haben.

Erst vor kurzem, verbrannte eine junge Frau, eine Bekannte des Herausgebers, versehentlich ihr Auge mit einer angezündeten Zigarette. Die Verbrennung war schwerwiegend und die behandelnden Ärzte gaben zu verstehen, daß das Auge entfernt werden müßte. Mesmers Verfahren wurden sofort eingeleitet und zweimal täglich über etwa zwei Wochen hinweg fortgeführt. Nach der zweiten Anwendung des animalischen Magnetismus war die Frau in der Lage ohne Schmerzen zu schlafen; schmerzstillende Medikamente waren nicht mehr erforderlich. Nach einer Woche zeigte sich der Augenarzt erstaunt über die phänomenale Erholung des tief verbrannten Augengewebes und die teilweise Rückkehr des Augenlichts.

Aus Angst vor Mißbrauch von Mesmers Arbeit haben wir dieses Buch nie aktiv beworben. Jedoch gibt es eine eingebaute „Sicherung“ im animalischen Magnetismus: wenn der Behandelte gesundet, wird er weniger anfällig für den Einfluß des animalischen Magnetismus. Mit anderen Worten ist seine Anwendung selbstregulierend, genauso wie die Verwendung des Orgonenergie-Akkumulators selbstregulierend ist.

Soweit Edens Besprechung seines eigenen Buches. Hier weitere Falldarstellungen durch Eden:

Die folgenden Beispiele für die Anwendung von Mesmers Methode werden als weitere Belege für eine natürliche Heilungsweise vorgebracht, die der Menschheit schon immer zugänglich war, aber die durch Ignoranz und Angst über Jahrtausende mißverstanden oder umgangen wurde. Ich glaube, daß die unten vorgestellten Fälle auf der Grundlage der Funktionen der organismischen Lebensenergie (dem Orgon) hinreichend erklärt werden. Der expansive, vagotone Effekt der Orgonenergie wurde von Reich und anderen beschrieben. Soweit ich weiß, steht eine Untersuchung des natürlichen und „kritischen“ Schlafs sowie eine Untersuchung der natürlichen Anästhesie auf orgonomischer Grundlage noch aus.

Ich will hervorheben, daß ich weder Mediziner bin, noch je vorgegeben habe einer zu sein, und daß die folgenden Fälle nur das Ergebnis von Erster Hilfe sind, die größtenteils in einer kleinen Stadt an der Küste Alaskas gegeben wurde, wo der nächste Arzt ungefähr 200 Kilometer entfernt war. Ich war über vier Jahre lang Sanitäter bei der Navy und ich war Lehrer für Erste Hilfe. Vor diesem Hintergrund benutzte ich meine Kenntnisse über den tierischen Magnetismus ausschließlich, wenn es dringlich war und mit einiger Skepsis. Die Resultate übertrafen alle Erwartungen. Ich hoffe, daß diese Worte andere, die besser qualifiziert sind als ich, bewegen werden, diese Prozesse weiter zu untersuchen.

Fall 1: Eine Frau, Mitte 50, hatte seit mehreren Wochen unter quälenden Schmerzen in der linken Schulter und im linken Arm gelitten. Die Diagnose war Arthritis und in einem Krankenhaus waren ihr Medikamente und Körperübungen verschrieben worden, jedoch ohne Erfolg. Die Frau konnte ihren Arm nicht über die Höhe der Taille heben und sie benötigte fürs Ankleiden und Waschen Hilfe. Sie wurde auf einen Stuhl gesetzt, wobei ihre Handflächen auf ihren Knien ruhten. In Übereinstimmung mit Mesmers Methode wurde mit der Hand sanft und langsam von den Schultern bis zu den Fingerspitzen gefahren, wobei für 15 bis 30 Sekunden über dem Ort des größten Schmerzes innegehalten wurde. Nach 15 Minuten wurde die Frau gefragt, wie sie sich fühle. Zögernd hob sie den Arm. Ihr Gesicht drückte Überraschung aus, als ihr Arm bis über ihren Kopf reichte. Jeder Schmerz war verschwunden. Die Frau erklärte es als „ein Wunder“ und lief zum Telefon, um ihre Bekannten anzurufen. Bis heute, etwa zwei Jahre später, sind keine Symptome mehr aufgetreten.

Fall 2: Ein 12jähriges Mädchen fiel auf einer Treppe hin und verletzte ihren rechten Ellbogen. Sofort kam es zu einer Schwellung, die sich zusammen mit einer schmerzhaften Rötung am ganzen Ellbogen entwickelte. Der Vater des Mädchens war sehr beunruhigt, da in der Familie Fälle von Osteomyelitis aufgetreten waren. Widrige Witterungsbedingungen machten es unmöglich, an diesem Abend das Mädchen über die schneebedeckten Landstraßen Alaskas zu fahren. Ich gab dem Vater ein Exemplar von Mesmers Maxims on Animal Magnetism zusammen mit einer Belehrung über Mesmers Methode, um zu versuchen, die Schmerzen des Mädchens zu lindern. Es wurden Vorkehrungen getroffen, sie am nächsten Morgen ins Krankenhaus zu fahren, wenn es das Wetter erlauben würde. Am nächsten Tag erzählte mir der Vater, daß er Zeuge von etwas gewesen sei, was er immer noch nicht glauben könne, obwohl er es selbst getan hatte! Nachdem seine Tochter am vorangegangenen Abend eingeschlafen war, hatte er sich neben ihr Bett gesetzt. Er nahm ihre Hand in die seine und strich mit der anderen sanft über ihren verletzten Ellbogen, wobei er ihre Haut kaum berührte und die Länge der Bewegung von ihrer Schulter bis zu ihren Fingern ausweitete. Nach wenigen Augenblicken sah er überrascht, wie der gerötete Bereich vom Ellbogen zu ihrer Hand „hinabgezogen“ wurde und dann „hinaus aus ihren Fingern“. Er bemerkte, daß seine Handfläche heiß wurde, was er als „eine glühende Wärme“ beschrieb. Nach 30 Minuten waren alle Spuren der Schwellung und Rötung verschwunden. Und als sie am nächsten Morgen erwachte, zeigte das Mädchen keinerlei Anzeichen einer Verletzung.

Fall 3: Ein Tischler, Mitte 40, bekam starke Zahnschmerzen in einem Backenzahn rechts unten. Es war kein Zahnarzt verfügbar und wieder machte es das schlechte Wetter unmöglich, ihn ins Inland zur sofortigen Behandlung zu fahren. In Übereinstimmung mit Mesmers Methode wurde eine Menschenkette gebildet – einer hinter dem anderen reihten sich vier Menschen auf, wobei die Hände jeweils auf den Schultern des Vordermanns ruhten. Der erste Mann setzte sich vor den schmerzgepeinigten Tischler und legte einfach seine Handflächen auf beide Seiten des Unterkiefers. Es wurde kein Wort gesprochen. Nach 20 Minuten war der Mann vollkommen schmerzfrei. Eine Woche später zog ein Zahnarzt in Anchorage den schlimmen Zahn.

Fall 4: Ein 35jähriger Mann wurde von einer „Kniegelenkblockierung“ vollkommen lahmgelegt, die sich durch eine acht Kilometer lange Wanderung im hüfttiefen Schnee verschlimmert hatte. Der Mann war zwei Tage lang unfähig, sein Bett zu verlassen. Er konnte sein Bein nicht bewegen oder sein Knie beugen, ohne extreme Schmerzen zu verspüren. Eine Behandlung mit tierischem Magnetismus wurde eingeleitet. Nach einer Stunde langsamen, sanften Bestreichens von der Hüfte bis zu den Zehen löste sich der Schmerz vom Knie und nahm langsam ab, als er sich das Bein hinab bewegte. In weiteren 15 Minuten waren alle Schmerzen verschwunden. Der Mann war in der Lage sein Bett zu verlassen und seine Arbeit wiederaufzunehmen. Übrigens war dieser Mann der Verfasser selbst.

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Jerome Eden: Franz Anton Mesmer (Teil 1)

21. August 2014

Als Dr. Franz Anton Mesmer die Menschheit mit seiner Entdeckung des tierischen Magnetismus berührte, reagierte der gepanzerte Mensch, als würde er eine Hochspannungsleitung berühren, wie es für die Emotionelle Pest typisch ist. Dank der Arbeit des verstorbenen Dr. Wilhelm Reich wissen wir viel über die Handlungsweise des gepanzerten Menschen. So werden uns bestimmte menschliche Verhaltensmuster verständlich und es wird ein klareres Licht auf die anderenfalls dunkle und rätselhafte Geschichte von Mesmers Leben und Werk geworfen. Überdies glaube ich, daß Dr. Reichs Entdeckung der Lebensenergie (das Orgon) es nun möglich macht, Mesmers Entdeckungen neu zu bewerten, sie in funktionellen, bioenergetischen Vorgängen zu verwurzeln und so das Wissen des Menschen entlang von Pfaden auszuweiten, die durch Unwissenheit und Furcht bisher verschlossen waren.

Für jene, die mit Mesmers grundlegenden Entdeckungen nicht vertraut sind, lasse ich einen kurzen Überblick folgen:

Mesmer postulierte die Existenz eines universellen Fluidums, einer „subtilen Substanz“, welches das gesamte Universum durchdringt und „kein Vakuum zuläßt“. Dieses universelle Fluidum war, Mesmer zufolge, für alle natürlichen, zyklischen Prozesse verantwortlich – stellare Bahnen, die Rotation der Planeten, die rhythmischen Schwankungen der Gezeiten und Jahreszeiten, die Wanderungen der Fische und Vögel. Es bestimmte die Entwicklung und den Ausgang aller Krankheitsprozesse. Das harmonische, ununterbrochene Fließen des universellen Fluidums im Menschen war für die Gesundheit und das Wachstum grundlegend. Das Blockieren des natürlichen Flusses des universellen Fluidums führte zu Krankheit und Verfall.

In Übereinstimmung mit seiner Theorie bestand Mesmers Behandlung im Versuch, den harmonischen Fluß des universellen Fluidums im menschlichen Organismus wiederherzustellen, indem er entweder direkt die chronisch kontrahierte Stelle bearbeitete (um die Elastizität des Gewebes wiederherzustellen) oder indem er der betroffenen Stelle zusätzliches Fluidum „zuführte“ oder durch eine Kombination dieser beiden Verfahren. Obwohl Mesmer den Großteil seines Berufslebens vergebens danach strebte, eine objektive Bestätigung für seine Postulierung eines universellen Fluidums zu finden, stammte die Verifikation ausschließlich von den subjektiven Empfindungen seiner Patienten. Nichtsdestoweniger provozierten Mesmers gute Resultate in der Praxis, insbesondere bei bisher unheilbaren Krankheiten, einen derartigen Sturm an Verleumdungen und Herabsetzungen, daß die Welt fast 200 Jahre Angst davor hatte, sich mit seinem ursprünglichen Werk erneut zu befassen.

Bei der Suche nach den Gründen, warum der gepanzerte Mensch Mesmers Entdeckungen ablehnte oder mystifizierte (wie er alle Entdeckungen abgelehnt oder mystifiziert hat, die mit dem Naturgesetz zu tun haben), finden wir, daß hier die Angst vor primärem, orgonotischem Kontakt (Orgasmusangst, wie von Reich entdeckt und beschrieben) eine entscheidende Rolle spielte. Der gepanzerte Mensch kann direkten, unmittelbaren Kontakt nicht ertragen – weder den einfachen, durchdringenden Blick eines Kindes, noch die zärtliche Berührung der Liebe. Der gepanzerte Mensch empfindet ein•derartiges direktes „Berühren“ als Bedrohung für seine gepanzerte Integrität und muß es deshalb absondern, isolieren und zerstören. Da sich Mesmers Therapie mit dem Berührungssinn befaßte (oder, besser, mit Reichs „erstem orgonotischen Sinn“), ist es nicht verwunderlich, daß der tierische Magnetismus gewaltige irrationale Angriffe heraufbeschwor. Heute finden wir zwei große Bereiche ausweichenden menschlichen Bestrebens, die aus der Notwendigkeit erwuchsen Mesmers Arbeit zu zerstören, da sie das gepanzerte Dasein bedrohte.

Der erste Ausfluß ausweichenden Verhaltens in Bezug auf Mesmers Entdeckungen wird heutzutage „Hypnose“ genannt. Tatsächlich werden „Mesmerismus“, „Hypnose“ und „Magnetismus“ vollständig durcheinander gebracht und wie austauschbare Synonyme benutzt. Die Wahrheit ist, daß Mesmer keine verbalen, suggestiven Hypnosetechniken angewandt hat. Mesmers Technik wurde bei Kindern, Tauben und Blinden erfolgreich durchgeführt. Außerdem muß ich noch auch nur einen Hypnotiseur finden (wie ich es in meiner „Einleitung“ zu Mesmers Maxims on Animal Magnetism gesagt habe), der den verletzten Lauf eines Pferdes geheilt hätte! Derartige Fälle werden mit tierischem Magnetismus erfolgreich behandelt.

Der zweite Bereich ausweichenden Verhaltens wird im allgemeinen als „ASW“ (außersinnliche Wahrnehmung) bezeichnet. Bevor wir diesen Bereich betrachten, wollen wir uns kurz Mesmers Therapiesystem zuwenden. Die Behandlung durch tierischen Magnetismus bestand im direkten, unmittelbaren Kontakt. Mit den Händen wurde der kranke Körperteil berührt oder gestreichelt oder der ganze Körper wurde vom Kopf abwärts „überstrichen“. Nirgends in seinen grundlegenden Schriften (oder sonst irgendwo in seinem ursprünglichen Werk) „suggeriert“ Mesmer seinen Patienten, daß sie irgendetwas tun! Mesmer glaubte, daß der tierische Magnetismus eine physikalische Therapie war (wie sie es noch immer ist) und daß sie physiologische Veränderungen hervorrief. Die Art und Dauer der Behandlung wurde vollständig durch die Natur, das Ausmaß und die Entwicklung des individuellen Falles bestimmt. Eine erfolgreiche Behandlung ging spontan durch eine festgelegte Folge von Ereignissen: 1. „Perturbation“ (der Patient wurde sich zunehmend seiner Schmerzen bewußt); 2. „Koktion“ (wörtlich eine „Kochung“ oder das Erreichen des Siedepunkts der Symptome); 3. „Evakuation“ (eine Art von Entladung, Blutungen, Erbrechen oder Krämpfe); und 4. „Relaxation“ und Linderung der Symptome. Das Heilungskriterium war, wie Mesmer beteuerte, das Unvermögen den Patienten weiterhin durch tierischen Magnetismus beeinflussen zu können.

Selbst dieser sehr unzulängliche Überblick über Mesmers therapeutische Vorgehensweise sollte es dem Leser, der mit Reichs Werk vertraut ist, offenkundig machen, daß Mesmer in Wirklichkeit die organismische Lebensenergie seiner Patienten in Bewegung setzte. Eine Durchsicht von Krankengeschichten belegt Energiedurchbrüche, die von Mesmer und anderen als Krisis bezeichnet wurden.

An diesem Punkt sollte ich darauf hinweisen, daß Mesmers Technik weder unnatürlich noch übernatürlich ist. Heute, wie auch zu Urzeiten, hat die Mutter stets bei einem grün und blau geschlagenen Knie die zärtliche Berührung angewandt oder das wehtuende Bäuchlein gestreichelt. Das „Handauflegen“ ist eine noch immer weitverbreitete, wenn auch mystifizierte, theologische Praxis. Christus hat diese Methode angewendet, um die Kranken zu behandeln. Die Mystifikation setzte ein, als der gepanzerte Mensch diese natürlichen, bioenergetischen Phänomene übernatürlichen, „unerkennbaren“ Quellen zuschrieb. Indem wir uns jetzt am Faden der Wahrheit orientieren, können wir über das Wolkenreich der religiösen Mystifizierung hinausblicken, den Wundern von Lourdes und die Entwicklung von Organisationen wie etwa Christian Science. In dieser Hinsicht bleibt vieles zu erforschen und zu verdeutlichen, z.B. die Beziehung zwischen Denken (Gebet) und Energiebewegung (Wunder).

Bevor ich mit weiteren Betrachtungen über Mesmers Werk fortfahre, möchte ich den Leser daran erinnern, daß „nichts unmöglich ist“. Es scheint mir ziemlich logisch zu sein, daß, was immer der Mensch bisher mit Mitteln sekundärer Energiequellen (Chemikalien, Elektrizität, Atomenergie) erreichen konnte, eines Tages mit primärer, Orgonenergie erreichbar sein wird.

Dies im Sinne kehren wir zu Mesmers Methoden zurück, die er bis zu seinem Tod 1815 anwendete. Im Verlauf der Behandlung von Tausenden von Menschen beobachtete Mesmer viele unglaubliche Phänomene, die er unter der Bezeichnung „Somnambulismus“ oder „kritischer Schlaf“ zusammenfaßte. In bestimmten Patienten, die unter dem litten, was Mesmer „nervöse Störung“ nannte, rief der tierische Magnetismus einen schlafartigen Zustand hervor, in dem sich die Schärfe und der Umfang der Sinneswahrnehmungen dieser Personen in einem überraschenden Ausmaß vergrößerte. Die Patienten waren beim Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten in der Lage, die gewöhnlichen Grenzen der Sinnesorgane weit zu überschreiten. Mesmer glaubte, daß die individuellen Sinnesorgane nichts weiter als Erweiterungen des primären Wahrnehmungsapparats sind, den er als „inwendiges Sinnesorgan“ bezeichnete, das sich im Bauchbereich befände. Er zog den Schluß, daß der tierische Magnetismus den inwendigen Wahrnehmungsapparat aktiviere und ausweite, was wiederum die Wahrnehmungsfähigkeit der äußeren Sinnesorgane erweitere. Noch immer sind Fallgeschichten zugänglich, die von jenen wenigen dokumentiert wurden, die Mesmers ursprüngliche Methoden anwandten (vgl. Mesmerism in India von James Esdaille, M.D. und die britische Zeitschrift The Zoist aus dem 19.Jahrhundert, die die Arbeit von John Elliotson, M.D. dokumentierte). Unlängst bot der verstorbene Edgar Cayce ein Beispiel für einen Menschen, der somnambulante Fähigkeiten in einem erstaunlichen Ausmaß besaß.

Nach Mesmers Tod wurden diese einzigartigen Phänomene – die alle kennen, die sich dem tierischen Magnetismus unterzogen haben – von ihrer Verwurzelung in der Postulierung eines universellen Fluidums abgespalten. Allein das universelle Fluidum konnte derartige Kontaktphänomene adäquat erklären. Jedoch empfand der gepanzerte Mensch den Kontakt mit dem tierischen Magnetismus nicht nur als unerträglich, sondern er konnte auch die bloße Idee einer derartigen allgegenwärtigen Einwirkung nicht ertragen.

Mit der starren, immer vorbeizielenden Konsequenz des gepanzerten Menschen, haben die „Anhänger“ Mesmers seine ursprünglichen Prinzipien und Vorgehensweisen gemieden. Verstohlen ersetzte die Theorie der „Suggestion“ Mesmers Postulierung eines universellen Fluidums. Die Ausübung des tierischen Magnetismus wurde zur „Kunst des Mesmerierens“ und von dort aus zum „Hypnotisieren“. Wo Mesmer eine zärtliche Berührung angewandt hatte, benutzten die „Mesmerierer“ und Hypnotiseure verbale Kommandos. Mesmers ursprüngliche Techniken sind jedoch von der Hypnose genausoweit entfernt wie das Lachen eines Kindes vom pornographischen Kichern. Das Verdrehen des tierischen Magnetismus und das Ausweichen vor ihm, hat den Zugang zu fruchtbarer Forschung nur versperrt. Zum Beispiel bleibt die Arbeit mit ASW genau dort eingeordnet, wo sie schon vor 100 Jahren war. Die bloße Bezeichnung „außersinnliche Wahrnehmung“ verhindert das Verstehen von Problemen, die nur durch die Sinne wahrgenommen werden können, wenn man je von ihnen erfahren will! Das mechanistische Werfen von Würfeln und Münzen und die einengenden „Kontrollexperimente“, die für die derzeitige ASW-Forschung charakteristisch sind, kann nur dazu beitragen, daß diese Arbeit sich in einer vertiefenden Sackgasse festfährt.

Noch immer dient Mesmers gute Arbeit als Warnung und Vorbild. Es dauerte 200 Jahre, bevor die Vorstellungen über den tierischen Magnetismus richtiggestellt wurden. Aber sie wurden richtiggestellt. Vielleicht braucht es 2000 Jahre, bevor der Mensch die zärtliche Berührung der Lebensenergie ganz tolerieren kann. Aber er wird sie berühren müssen. Und dies ist, wie Dr. Wilhelm Reich schrieb, „eine wichtige Hoffnung“.

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Wilhelm Reich: Arzt und Physiker

8. August 2014

Dr. med. Wilhelm Reich steht mit seiner Entdeckung der Orgonenergie in einer kontinuierlichen Tradition von Ärzten, die der Physik neue Wege gewiesen haben. Diese Herangehensweise war äußerst fruchtbar, die umgekehrte, von der unbelebten Natur auf die belebte zu schließen, hat uns die mechanistische Genetik gebracht. Hier die Tradition, in der Reich steht:

Der Arzt Georg Bauer alias Agricola (1494-1555) hat die Gesteins- und Bergbaukunde begründet. Als größte Autorität auf dem Gebiet des Magnetismus in seiner Zeit und als Begründer der experimentellen Methode ist der Arzt William Gilbert (1540-1603) hervorgetreten. Von ihm stammt der Begriff „elektrisch“. Sein Berufskollege und Begründer der naturwissenschaftlichen Denkrichtung in der Medizin, Santoro Santorio (1561-1636), der auch eine medizinische Waage zum Studium des Stoffwechsels konstruierte, maß nicht nur als erster das Fieber mit dem Thermometer, sondern erfand auch den Feuchtigkeitsmesser. Der Mediziner und „Iatrochemiker“ Johann Baptist Helmont (1577-1644) unterschied erstmalig andere Gase vom „Element Luft“. James Hutton (1726-97), ebenfalls Arzt, war der Begründer der Geologie. Der Medizinprofessor Joseph Black (1728-99) entdeckte die spezifische Wärme und die Umwandlungswärme.

Der Professor der Anatomie Luigi Galvani (1737-98) half mit, die moderne Elektrizitätslehre zu begründen. Bizzi und Chiurco, zwei Mitarbeiter Walter Hoppes (der Anfang der 1970er Jahre die Orgonomie nach Deutschland brachte), schreiben über Galvanis Forschungen, mit ihnen hätte er sich als erster der Lebensenergie experimentell genähert. Obwohl er als Gründer der Elektrophysiologie anerkannt wird, begründete er in Wirklichkeit eine Theorie der Lebensenergie. Er nannte die von ihm entdeckte biologische Energie zunächst „animalische Elektrizität“, dann „galvanisches Fluidum“ und schließlich „Lebenskraft“. (Eine verblüffende Parallele zur Geschichte des Begriffs „Orgonenergie“.) Galvani ging sogar so weit, eine Verbindung zwischen der atmosphärischen Elektrizität, zwischen dem „elektrischen“ Ozean und dem Organismus zu postulieren. Diesen Punkt bringen die Autoren in Zusammenhang mit dem Konzept Benjamin Franklins (1706-90), der elektrostatische Phänomene mit einem pulsierenden „einheitlichen Fluidum“ erklärte (Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984).

Der Arzt Thomas Young (1773-1829) gelangte über die Beschäftigung mit der physiologischen Augenoptik zur Wiederaufnahme der Huygenschen Wellentheorie. Ein anderer Mediziner, William Prout (1785-1850), stellte die für die Entwicklung von Chemie und Physik so fruchtbare und nach ihm benannte Hypothese auf, daß die Atome der Elemente aus Mehrfachen des Wasserstoffatoms bestünden. Ernst Heinrich Weber (1795-1878), ein Professor der Anatomie und Physiologie, begründete experimentell mit seinem Bruder, dem Physik-Professor Wilhelm Edward Weber (1804-1891), die Wellentheorie. Sie machten die ersten Beobachtungen über den Unterschied zwischen Gruppen- und Wellengeschwindigkeit. Der berühmte Léon Foucault (1819-1868) war von Haus aus Mediziner. Mit seinen Pendelversuchen wies er experimentell die Achsendrehung der Erde nach, er maß die Lichtgeschwindigkeit und arbeitete über die induzierten elektro-magnetischen „Foucaultschen“ Wirbelströme.

Julius Robert Mayer (1814-1878) formulierte als erster den allgemeinen Energieerhaltungssatz. Durch Beobachtungen in seiner ärztlichen Praxis war er zu dem Schluß gelangt, daß mechanische Energie, Wärme und chemische Energie äquivalent seien. Auf dem gleichen Gebiet und in die gleiche Richtung, von der Biologie zur Physik hin, arbeitete der Professor der Physiologie Hermann von Helmholtz (1821-1894), der später Physik lehrte. Er erfand Instrumente zur Untersuchung der Augen, begründete die physikalische Theorie der Tonempfindung, beschäftigte sich mit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung und brachte z.B. die Hypothese von der atomaren Natur der Elektrizität auf. Der Physiologe Henry Gray (1825-1861) unterschied zwischen Leiter und Nichtleiter für Elektrizität.

Reich war über seine ausgeprägten naturwissenschaftlichen Interessen zur Medizin gelangt und hier vor allen Dingen zur Sexologie. So mußte er zwangsläufig auf Freud stoßen. Dessen Theorien gingen aus seiner neurologischen Forschung, aus der Darwinistischen Biologie (z.B. Onto- als Wiederholung der Phylogenese) oder beispielsweise aus der „Psychophysik“ Gustav Theodor Fechners (1801-87) hervor, der wiederum als Schelling-Schüler auf die deutsche Naturphilosophie zurückgeht.

Heute wird gerne so getan, als hätte Freud den Begriff „Energie“ (ursprünglich ein biologischer Begriff) nur als reine Metapher benutzt, doch war es für ihn vielmehr ein erklärendes Konstrukt. Reich hat dann gezeigt, daß diesem Konstrukt eine Wirklichkeit entsprach. Doch während Freud sich von seinem Hintergrund als Physiologe emanzipieren wollte, führte Reich den ursprünglichen naturwissenschaftlichen Ansatz weiter, kam zur Biologie und schließlich, wie viele Ärzte vor ihm, zur Physik und begründete dabei ähnlich wie der Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) ein neues naturwissenschaftliches Lehrgebäude. Die Systeme beider Männer reichten von Fragen der Medizin, oder z.B. der Erziehung, bis hin zu physikalischen Betrachtungen über Elektrizität und Gravitation. Es gibt auch eine direkte Linie von Mesmer zu Reich, denn der Mesmer-Schüler Puysegur erfand die Hypnose, wie sie von Freuds Lehrer Charcot praktiziert wurde.

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Außer über den dänischen Physiker und Schelling-Schüler Hans Christian Oerstedt (1777-1851) hatte die deutsche „Naturphilosophie“ fast keinerlei Einfluß auf die Physik. (Eine Ausnahme ist der Einfluß der „deutschen Lebensphilosophie“ auf Leute wie Heisenberg bei der Ausformulierung der Quantenmechanik.) Die Naturphilosophie hatte Oerstedt dazu gebracht, nach der Einheit in der Natur zu suchen. So schlug er die Brücke zwischen Elektrizität und Magnetismus. Entscheidenden Einfluß hatte die Naturphilosophie auf die Biologie (z.B. auf die Zellenlehre und Embryologie). Mit Reich sollte ein Ausläufer der Naturphilosophie (vermittelt durch Bergson, Freud und andere) mit ihren Hauptcharakteristiken (Lebensenergiekonzept und im weitesten Sinne „dialektische“ Betrachtungsweise) endlich auch der Physik zu konkreten Entdeckungen verhelfen, nachdem Goethe mit seiner Farbenlehre gescheitert war und nur im biologischen Bereich „subjektiver Farben“ wirken konnte.

Während in der Biologie die Mechanisten Anhänger der falschen Präformationslehre waren (der ganze Organismus sei schon im Keimei vollständig en miniature vorhanden), folgten die Vitalisten der richtigen Theorie der Epigenese (der Organismus entwickelt sich durch Neubildung aus der Keimenergie einer spezifischen Formkraft). Ähnlich nahm Reich die Naturgesetze nicht als gegeben, statisch und unveränderlich hin, sondern suchte ihre Genese zu ergründen, sie auf Orgonenergie-Funktionen zu gründen.

Freuds verzweifelter Kampf gegen Reich, um sein Lebenswerk zu retten

17. Februar 2013

Warum hat Freud auf der Sexualtheorie mit einer derartig sektiererischen Ausschließlichkeit, etwa gegenüber Jung und Adler, bestanden? Weil die Sexualtheorie die einzige Möglichkeit für Freud war, sich gleichzeitig gegen drei existentielle Bedrohungen für die Psychoanalyse zu immunisieren:

  1. Bestand die Gefahr, daß sie sozusagen in ihren Mutterboden zurückfallen und versinken würde: dem „okkulten Schlamm“ des „Mesmerismus“, der 100 Jahre zuvor den damaligen „Skeptikern“ zum Opfer gefallen war. Nicht nur, daß Sexualität das Antidoton zu jeder Art von „Religion“ war, auch sorgten die von Freud postulierten „Partialtriebe“ (anale Libido, orale Libido, etc.) dafür, daß jede einheitliche Lebenskraft gedanklich „zerstückelt“, sozusagen „dekonstruiert“ („weganalysiert“) wurde. Der Geist Mesmers wurde dergestalt gebannt.
  2. Die Psychoanalyse war kaum mehr als die Analyse von „Texten“ (Deutung der „freien Assoziation des Patienten“). Der Rückgriff auf die Sexualität, das „Animalische“ schlechthin, sorgte dafür, daß Freud als mehr dastand denn als bloßer Philosoph a la Schopenhauer und Nietzsche. Er ging quasi mit „materiellen Stoffen“ um, nicht mit bloßen Konzepten.
  3. Gleichzeitig war es Freuds Bestreben, die Psychoanalyse vom Arztberuf und der Biologie zu emanzipieren, insbesondere der Neurologie, seinem ursprünglichen Fachgebiet. (Nachdem er Psychoanalytiker geworden war, sollte er sich nie wieder mit der Entwicklung der Naturwissenschaft beschäftigen!) Die Sexualität war etwas, was anatomisch nicht greifbar war. „Libido“ konnte Dinge „besetzen“ und Dingen „entzogen“ werden. Neue Anatomische Entdeckungen konnten dieses System nicht gefährden.

Tatsächlich sollte Jung zu einer Art „Religionsstifter“ werden und Adler zu einer Art „Lebensphilosoph“ (Gemeinschaftsgefühl, Wille zur Macht, Philosophie des Als-Ob, etc.). Bei Reich löste sich die Psychoanalyse in Anatomie auf. Von „Deutung“ blieb bei ihm fast nichts.

Reich sollte zwar, im Gegensatz zu Jung und Adler, an der Sexualtheorie festhalten (sogar konsequenter als Freud selbst!), jedoch hatte er ihr das für Freud Wesentliche genommen: Mit seiner Genitaltheorie hatte er sie zu einer einheitlichen Kraft gemacht. Damit war „Mesmer“ wieder da, „Philosophie“ wurde wieder möglich und nicht zuletzt wurde die Psychoanalyse „remedizinisiert“. Alle drei Punkte werden bereits in der ersten Ausgabe von Reichs Die Funktion des Orgasmus (1927) deutlich: die Funktion des Orgasmus verband die Partialtriebe in einem System „kommunizierender Röhren mit einem gemeinsamen Flüssigkeitsstand“, die Genitalität gab Anlaß für sexualreformerische Traktate und Gesellschaftskonstruktionen, Angst war wieder eine Sache „der Nerven“ bzw. der Intoxikation mit nicht abgebauten „Sexualstoffen“.

freudssexualtheorie

Leben nach dem Tod? (Teil 1)

7. Juli 2012

1906 versuchte Duncan McDougall, ein Arzt aus Massachusetts, in einem Hospital das Gewicht der „Seele“ durch spezielle Präzisionswaagen zu bestimmen, die groß genug waren, um das Bett eines Sterbenden zu tragen. Genau im Augenblick des Todes gab es einen plötzlichen medizinisch unerklärlichen Gewichtsverlust zwischen 8 und 35 Gramm, so als hätte etwas Reales aber Unsichtbares den Körper verlassen (Werner F. Bonin: Lexikon der Parapsychologie, München 1976, S. 312).

Ist die Vorstellung von einem Leben nach dem Tode natürlich? Und steckt vielleicht sogar eine Realität dahinter?

In diesem Zusammenhang ist das Schicksal des „magisch-wissenschaftlichen“ „Animalischen Magnetismus“ von Interesse, der von Reichs Vorläufer in der Lebensenergie-Forschung, Franz Anton Mesmer entdeckt wurde.

Der Mesmerismus hat die relative Unabhängigkeit der „Seele“ (oder des „magnetischen Feldes“) vom Körper aufgezeigt. In diesem Bezugsrahmen entwickelte sich der Spiritismus des 19. Jahrhunderts:

Die frühe spiritistische Bewegung übernahm weitgehend den Deutungsrahmen und das Phänomenenrepertoire des Mesmerismus. Der somnambule Zustand kehrte als „Trance“ wieder; Geistersehen, Clairvoyance, Jenseitsreisen wurden als Fähigkeiten einer besonders „begabten“ Person, des „Mediums“, angesehen, das zum Mittler zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt geworden war; das Séance-Ritual und seine besonderen Bedingungen kristallisierten sich heraus, z.B. Dunkelheit und Kettenbildung der Sitzungsteilnehmer, damit die „fluidale Kraft“ durch sie hindurchströmen konnte und dem Medium bei der jenseitigen Kontaktaufnahme behilflich war. (Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Freiburg 1991, S. 977)

Als Zeitzeuge hat Nietzsche eine rationalistische Erklärung der spiritistischen Erscheinungen vorgebracht, die ganz in diese Richtung geht:

Ein Teil der intellektuellen Funktionen des Mediums verlaufen ihm unbewußt: sein Zustand ist darin hypnotisch (Trennung eines wachen und schlafenden Intellekts) Auf diesen unbewußten Teil konzentriert sich die Nervenkraft. – Es muß zwischen den durch die Hände verbundenen Personen eine elektrische Leitung nach dem Medium zu stattfinden, vermöge dessen Gedanken einer jeden Person in das Medium übergehen. Eine solche Leitung von Gedanken ist nicht wunderbarer als die Leitung vom Gehirne zum Fuße, im Fall eines Stolperns, innerhalb eines Menschen. Die Fragen werden durch die Intellektualität der beteiligten Personen beantwortet: wobei das Gedächtnis oft etwas leistet und bietet, was für gewöhnlich vergessen scheint. Folge der nervösen Emotion. – Es gibt kein Vergessen. – Auch unbewußter Betrug ist möglich: ich meine, ein betrügerisches Medium fungiert mit allerlei betrügerischen Manipulationen, ohne darum zu wissen: seine Art Moralität äußert sich instinktiv in diesen Handlungen. – Zuletzt geht es immer so zu, bei allen unseren Handlungen. Das Wesentliche verläuft uns unbewußt, und der Schelm ist sich unbewußt hundertmal mehr und häufiger Schelm als bewußt. Elektrizitäts-Erscheinungen, kalte Ströme, Funken sind möglich dabei. Gefühle angefaßt zu werden können die Sache der Täuschung sein, Halluzinationen der Sinne: wobei möglich ist, daß es für mehrere Personen Halluzinations-Einheit gibt. (Wie bei den alten orgiastischen Kulten.) Der Glaube an die Wiederbegegnungen mit Toten ist die Voraussetzung des Spiritismus. Es ist eine Art Freigeisterei. Wirkliche Fromme haben diesen Glauben nicht nötig. (Studienausgabe, Bd. 10, S. 16)

Im erwähnten Lexikon (S. 975) lesen wir weiter über den Spiritismus, daß er aus der nordamerikanischen Geisteshaltung hervorgegangen sei und demgemäß Spökenkiekerei mit naturwissenschaftlichem Fortschrittsglauben und philosophisch anspruchslosem Pragmatismus verbunden habe: eine „handgreifliche“ Spiritualität und ein „handgreiflicher“ religiöser Trost (von nachweisbaren Klopfzeichen damals bis zu Tonbandstimmen und sogar Videoaufzeichnungen heute). So sei er mit Christian Science vergleichbar. Ideengeschichtlich basierte er neben der eklektischen Synthese der kosmologischen Vorstellungen von Emanuel Swedenborg und Mesmer auch auf den Utopien Charles Fouriers. Fourier bezog mit seinem Frühsozialismus auch die Natur in die utopische Vision mit ein, außerdem schrieb er über „die Fehler des Systems, das die Liebe unterdrückt“ und hat so die Orgonomie verblüffend vorweggenommen (vgl. Helmut Dahmer: Libido und Gesellschaft, Frankfurt 1973). Die spiritistischen Geisterbotschaften beinhalteten die Kunde von einer besseren, „ungepanzerten“ Welt.

Die Frage ist nun, ob, wie sich der Spiritismus organisch aus dem Mesmerismus entwickelt hat, nicht ähnliches wiederum auf nordamerikanischem Boden bei der Orgonomie geschehen wird. Es ist wohl ein zwangsläufiger Prozeß, daß aus Funktionen der kosmischen Orgonenergie ideengeschichtlich Substanzen („Geister“) werden. Damit wiederholt sich im Theoriegebäude nur das, was sich auch in der Natur selbst ereignet: die ständige schöpferische Bildung von Strukturen und Substanzen. (Siehe Peter erklärt abschließend die letzten Fragen von Leben und Tod.) Es hat etwas Lebensfeindliches an sich, daß man diese Illusionen (diese „Substanzen“, z.B. „Geistseelen“) ständig wieder zerstören muß, um den wissenschaftlich-funktionellen Charakter der Orgonomie zu bewahren. Es ist möglicherweise pestilent, die religiöse „Simulation von Leben nach dem Tod“ wissenschaftlich zu zerstören. Pestilent, weil dieser Glaube Ausdruck von genitaler Liebe ist, die sogar den Tod besiegt. „Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich“ (Hld 8,6).

Der Spiritismus krankt daran, daß man alle seine Phänomene mit Telepathie und Telekinese erklären kann. Man möchte die geliebte Person sehen und das eigene organismische Orgonenergie-Feld ruft ihr Erscheinen hervor. Charakteristischerweise hat kein „Geist“ bisher irgend etwas von Bedeutung oder Tiefe verkündet. Das Traurige am Spiritismus ist, daß wir verzweifelt ins Jenseits hineinrufen, nur um das hohle Echo unserer eigenen Stimme zu vernehmen. Man lese nur Rudolf Steiner, Mohammed, die mormonischen Propheten oder irgendeine andere „Offenbarung“ aus den höheren Welten: man wird nur depressiv und will an die frische Luft. Wenn etwas tragisch ist, dann sind es diese höchsten Aspirationen des Menschen, denen all seine Hoffnung und Liebe gilt und die nichts weiter sind als Seelenfurze.

Und selbst wenn es Kontakt mit einem „realen“ „Gegenüber“ geben sollte: man schaue um sich, welche Hölle diese „Offenbarungen“ aus diesem Planeten gemacht haben! Als wären wir den Eingebungen des Teufels gefolgt. Satanische Verse! So ziehen z.B. die Neo-Spiritisten aus den „Tonbandstimmen aus dem Jenseits“ Hoffnung, während ihr Tun doch nur einen weiteren Schritt in der Zerstörung des Lebendigen markiert: sie verbinden sich mit der DORigen Welt der Elektronik. Wenn man selber „in Kontakt treten“ will, braucht man nur auf Mittel- oder Kurzwelle weißes Rauschen oder einen fremdsprachigen Sender suchen und das dann aufnehmen. Während der Aufnahme ruft man die Toten und wenn man dann das Tonband abspielt, wird man die Antwort hören. Schon sehr viele Skeptiker wurden so überzeugt! Dieses Phänomen ist vielleicht eng mit den DOR-Invasoren aus dem All verbunden. Jedenfalls ist jede Form von „Channeling“ ein Einfallstor der „Dämonen“. Ohnehin bedeutet das, was die Spiritisten behaupten, nichts anderes, als daß der Tod das Leben bestimmt! Was haben uns die Toten schon zu sagen? Kadaver, Faulgase, lebloser Kot, der abgetrennte Geist bestimmt das peristaltische, pulsierende Leben. Das DOR triumphiert über das ORgon.