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Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 4)

11. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

II. Die Entdeckung der Orgonenergie: 1. Die Bione

Die Einsicht, daß die Spannungs-Ladungs-Formel sowohl den menschlichen Organismus als auch die Funktionen von Einzellern beherrscht, führte zu einer Reihe von Versuchen mit organischer und anorganischer Materie. Die Lebensformel, so wie sie von Reich entdeckt wurde, war im anorganischen Geschehen nicht anzuwenden. „Es gibt in der nichtlebenden Natur keinen Vorgang, bei dem eine mechanische Füllung in eine elektrische Ladung umschlägt. Dort gibt es entweder nur den mechanischen Spannungs-Entspannungsmechanismus, oder nur den elektrischen Ladungs-Entladungsvorgang.“1 Die Funktionen des Lebendigen beruhen also auf einer ganz spezifischen Kombination der Funktionen des Anorganischen. Reich hielt es für wahrscheinlich, daß die Spannungs-Ladungs-Funktion den Schlüssel zum Problem der Biogenese liefern würde.2

Reich versuchte nun, organische Substanzen (trockenen Moos oder Gras) einerseits, und anorganische Substanzen (Kohlenstaub, feiner Sand, Metallstaub) andererseits, so anzuordnen, daß spontan Prozesse in Gang kommen, die nach dem Viertakt: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung ablaufen. Er erhitzte die Substanzen und ließ sie anschließend in steriler Lösung quellen. Dabei beobachtete er, daß gequollene Materie, sowohl organischer wie auch anorganischer Herkunft, in flüssigkeitsgefüllte Bläschen von etwa 0,5 bis etwa 3 µ Größe zerfällt.3 Diese Bläschen nannte er Bione.

Die Bione werden erst in 2000facher Vergrößerung unter dem Mikroskop sichtbar. Sie zeigen bereits die Funktion der biologischen Pulsation, d.h. sie bewegen sich mit langsam ruckenden oder schlängelnden Bewegungen durchs mikroskopische Feld. Ihr Inhalt schimmert stets blau bis blaugrün und vibriert in feinster Weise. Ihre Beweglichkeit hält solange an, wie die feinen pulsatorischen Bewegungen und wie das Blau der Bläschen. Unter schwierigen Bedingungen sind die Bione auch kultivierbar.4 Sie zeigen die Funktion der Teilung und Verschmelzung und können sich an organisierten lebendigen Gebilden wie Protozoen formieren. Reich erklärte die biologische Reaktion der Bione dadurch, daß er sie als „membranöse Bläschen auffaßte, die ein bestimmtes Quantum Energie im Flüssigkeitsinhalt umfassen“.5 Es zeigte sich auch, daß größere Bläschen sich kleinere einverleiben, und daß stark blau leuchtende Bione Bakterien und kleine Protozoen lähmen oder töten. Ferner töten sie Krebszellen, indem sie sie durchdringen; manche Bionarten lähmen Krebszellen aus Mäusetumoren schon aus der Entfernung.

Reich betont, daß die Energie, die in den Bionen wirkt, nicht von außen künstlich zugeführt wird, sondern aus dem blasigen Zerfall der Materie aus dieser selbst entsteht. Die Bione sind nicht fertige Lebewesen, sondern Träger biologischer Energie, Übergangsformen vom Leblosen zum Lebendigen. Versuche ergaben, daß die meisten Nahrungsstoffe, Eidotter, gekochtes Hühnereiweis, Käse, Milch, gekochtes Gemüse, Fleisch jeder Art aus Bionen, also aus Energiebläschen aufgebaut sind. Alle Samenarten und Geschlechtszellen sowie die roten Blutkörperchen sind selbst Bione.

Die Bionversuche wiesen also auf eine mächtige Energie hin. Diese Energie, die sich in den biologischen Reaktionen der Bione manifestiert, schien identisch mit der von Reich bislang hypothetisch geforderten Lebensenergie (vgl. Lebensformel) zu sein. Aber noch war diese Energie nicht meßbar. Ihre Existenz schien aheliegend, objektiv nachweisbar war sie außer bei den Bionen noch nicht. Der Nachweis, daß es sich um eine universale, auch die menschlichen Funktionen steuerende Lebensenergie handele, stand noch aus.

 

Fußnoten

  1. Reich, W. Der dialektische Materialismus in der Lebensforschung. Berichte über die Bioversuche in de: Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie, Bd. 4 H 3 Lag mir als Raubdruck vor.
  2. Vgl. Raknes, O., Wilhelm Reich und die Orgonomie, Frankfurt 1973, S. 33
  3. Vgl. hierzu und zu den folgenden Ausführungen Reich, W., Die Entdeckung des Orgons, in: Int. Zeitschrift f. Orgonomie S, 62ff Bd. I, Heft 2, 1951
  4. Diese Tatsache wurde von DuTeil in Nizza experimentell bestätigt. Vgl. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons, Der Krebs, a.a.O. S. 46
  5. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons, a.a.O. S. 64

nachrichtenbrief107

4. April 2018

Dr. Peter Strüver: Wilhelm Reich – Zwischen Psychoanalyse und Orgontheorie. Eine kurze fragmentarische Studie

26. November 2017

Warum? Warum falle ich immer wieder drauf rein? Da nimmt man interessiert, wenn nicht sogar fasziniert, das Buch eines „Reichianers“ in die Hand, läßt sich vom ambitionierten Buchtitel blenden – und landet als Leser schon nach wenigen Seiten in einem unheilvollen Gemenge aus Verwirrung, Kopfschmerzen, Frust und Wut. Immerhin beschäftigt sich der Sozialpädagoge, Sozialarbeiter und ehemalige DKP-Genosse Dr. Strüver seit 1970 mit Reich. Wobei „er aber keinesfalls einem neuen Biologismus und Naturalismus das Wort reden“ will (S. 114). Wie sieht das konkret aus? Dr. Strüver und Genossen „lebten in einer Art persönlicher sexueller Revolution“. Was das hieß? „Vollständiges Erleben der orgastischen Potenz (…) als unbedingter Kraftquell, um den studentischen, beruflichen, privaten, politischen und wissenschaftlichen Alltag einigermaßen emotional positiv gestaltend leben zu können“ (S. 115). Doch das konnte nicht dauerhaft gelebt werden, denn „allseitige sexuelle Empfindungen im Sinne der orgastischen Potenz können in der kapitalistischen, Entfremdung-produzierenden Gesellschaft nur schwer auf Dauer vom Individuum gelebt werden“ (ebd.). Danke, Dr. Stöver, endlich habe ich verstanden, was wirklich hinter dem Vorwurf von „Naturalismus“ und „Biologismus“ gegen Reich von Seite der Linken steckt: die Charakterstruktur des Kommunisten, die ich im folgenden etwas beleuchten werde.

Fangen wir mit einem Hinweis an, der mich faszinierte: auf S. 12 ist von einer „Helma Sanders“ die Rede, die 1980 den Film „Der subjektive Faktor“ veröffentlichte, in dem Reich-Bücher eingeblendet werden. War mir vollkommen neu. Danke! Aber: die Frau heißt Helke Sander! Diese groteske Nachlässigkeit ist symptomatisch für dieses Büchlein. An allen Ecken und Enden stolpert man über Fehler. Wie kann jemand, irgendjemand auf diesem Planeten, „Lazer-Therapie“ schreiben?! (S. 102). Absätze auf S. 65 sind identisch mit Absätzen auf S. 79, desgleichen S. 66 und S. 82. „Erläuterungen“ in den Fußnoten, die ja Klarheit herstellen sollen, erzeugen teilweise nur noch mehr Chaos. Eine Vortragsserie Reichs aus dem Jahre 1934 wird erwähnt: „Gemeint ist die Weiterentwicklung der Psychoanalyse zur Biogenese“ (S. 86). 1934 war von „Biogenese“ noch keine Rede. Und überhaupt…

Reichs Massenpsychologie des Faschismus. Damals die Juden. „Heute müssen Moslems und Asylbewerber dafür herhalten“ (S. 44). Auf der nächsten Seite beschreibt Dr. Strüver dann ganz richtig die Familienideologie, die Sexualfeindlichkeit, Ehemisere, kein Sex vor der Ehe – ohne auf den Gedanken zu kommen, daß wir genau diese „Massenpsychologie des Faschismus“ gegenwärtig importieren.

Oder irrwitzige Antagonismen, wie auf S. 87, wo von „Reich heute in Dänemark“ berichtet wird: 1. ein gewisser Robert Moore, der Boadellas „Biosynthese“ weiterentwickelt hat, 2. bei „Albert Fischer im Kopenhagener Labor wurde erstmals die biologische Färbungsreaktion (Bionexperimente) demonstriert“, 3. das dänische Landwirtschaftsministerium erforscht den ORAC. Albert Fischer fällt in die 1930er Jahre und war ein Feind Reichs, der diesen als „Phantasten“ betrachtete! Oder S. 25: Oslo 1934 bis 1939: „Grundlegung der Vegetotherapie“. New York 1939-1942: „Bionenforschung, Bioelektrizität, Entdeckung der Orgonenergie“, etc.

Alles in diesem desorganisierten „Buch“ sorgt für Durcheinander, etwa die grandiose Idee Dr. Strüvers von sich selbst in der dritten Person zu reden, so daß man auf Anhieb nie sicher sein kann, ob nun vom Autor selbst, von dem Reich-Biographen, den er zitiert, oder von Reich die Rede ist. Alle sind „er“! Oder diese tragikomische Fußnote: „Jantzen ebd., Hervorhebung v. Autor. Mit der Bezeichnung Autor ist natürlich der Verfasser dieses Buches gemeint“ (S. 112 Hervorhebung von Dr. Strüver). In Jantzens Text findet sich keine Hervorhebung! Und welcher Verfasser welchen Buches ist gemeint?

Und das ganze ist auch noch von einer nur als „zerebral“ („neuropsychologisch-informationstheoretisch-dynamisch-lerntheoretisch“, S. 117) zu bezeichnenden Schreibe gekennzeichnet, deren einzige Funktion es zu sein scheint, die Erregung von der Wahrnehmung zu trennen und dergestalt einen kontaktlosen Zustand herzustellen:

Mit A.N. Leontjew ist Sinn ja so zu definieren, daß dieser sich ursprünglich nur in Form der Emotionen äußert und erst später, mit der zunehmenden Differenziertheit der Tätigkeit, zusammenfällt mit der Realisierung der Motive. Durch diese Realisierung erlischt das Bedürfnis. Problem: Realisieren sich die Motive aber nicht – z.B. in einer offenen Lebensform auf Dauer, denn das war kaum durchzuhalten bei den aufgestauten lebensgeschichtlichen Bruchstellen der WG-Mitglieder – dann setzt eine erneute Suchbewegung ein. (S. 13)

Das ganze läuft hinaus auf eine Kritik an der Reichschen Sicht auf den Organismus, der bloß funktioniert, durch biologische Energie getrieben und dabei von Gegensatz von Zentrum und Peripherie bestimmt wird. Vielmehr gehe es um „das innere Milieu, das Gehirnzentrum also, als dynamische funktionelle Haupteinheit gedacht“… (S. 119) Und so weiter, frei nach der „Kritischen Psychologie“ des DKP-Genossen Klaus Holzkamp und sowjetischen Genossen in der Tradition Pawlows. Ein unerträgliches Gestammel, das nur das Lebensempfinden des kommunistischen Charakters beschreibt. Von wegen „Gehirnzentrum“!

Mir reichen schon geradezu psychedelisch wirkende Sätze des Autors wie der folgende: „Familiäre Trennungszusammenhänge mit juristischen und psychischen Folgen etc. erschweren die Eingliederung“ (der öffentlichen und familiären Wertsysteme) (S. 53).

Buchstäblich das einzige, was an diesem Buch interessant ist, ist ein Zitat aus einem 1970 bei rororo erschienenen Buch über „Sexualität und Sexualpolitik in Dänemark und Schweden“: Von jeher seien dort voreheliche Beziehungen akzeptiert worden. Diese Tradition weise verblüffend weit zurück. Praktisch hundert Prozent aller verheirateten hatten Beziehungen mit Geschlechtsverkehr vor der Ehe (S. 36f). Paßt gut zu James DeMeos Saharasia-Theorie.

Der ganze Wahnsinn dieses Machwerks steht nicht allein, sondern hat Methode. Buchstäblich hunderte Bücher und abertausende Aufsätze dieser Machart sind seit Reichs Tod erschienen. „Reichianer“ sind mit Abstand die schlimmsten Feinde der Orgonomie! Man nehme doch das „Buch“ Dr. Strüvers zur Hand! Dr. Strüver hat zur „Orgontheorie“ nicht viel mehr zu sagen als folgendes Zitat aus einem Aufsatz über „Fetisch und Foto oder: Das Abbild als das andere Kunstwerk“:

Experimente haben ergeben, daß sich mit gewissen Malereien (…) wenn man sie auf Menschen projiziert, einige Effekte erzielen lassen, die in Orgon-Akkumulatoren auftreten. William S. Burroughs, in Anlehnung an Wilhelm Richs Theorie der Lebensenergie, bedient sich der Sprache wie eines Akkumulators zum Auslösen spontaner Orgasmen. (S. 99)

So, auf dem Niveau Mildred Bradys, sind sie alle, diese „Freunde“ Reichs. Wer’s nicht glauben will, – ich verweise auf meine dreiteilige Rezensionsserie über „Reichianischer Bücher“:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

nachrichtenbrief78

17. Oktober 2017

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 5.a.

25. März 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

a. Biologie

Bisher unbekannte Biosphären

23. August 2015

Es gibt zwei verborgene Biosphären auf diesem Planeten, die in den vergangenen Jahren entdeckt wurden und die von ganz besonderer Bedeutung für die Orgonomie sind: Bakterien, die in den heißen Tiefen der Erde leben und Bakterien, die von reiner Energie leben. Beides verweist auf Reichs Entdeckung der Bione in den 1930er Jahren bzw. der „Orgonenergie-Bläschen“, wie er sie später bezeichnete.

Bestimmte Bakterien, „Elektrobakterien“, „essen“ und „atmen“ reine Energie (Elektronen). Man kann sie entsprechend mit Elektroden anlocken und auf diese Weise „füttern“, d.h. auf Batterien wachsen lassen. Bisher waren zwei Arten bekannt, Shewanella und Geobacter, weitere unterschiedlichste „Elektrobakterien“ werden gerade entdeckt. Sie verzichten auf komplizierte bio-chemische Zwischenschritte, bei denen Organismen Zucker verbrennen, um Energie in Form von Elektronen zu gewinnen, sondern sie ernten Elektronen direkt von der Oberfläche von Mineralien. Im Labor läßt man diese Bakterien gleich auf Elektroden wachsen, ohne alle Nährstoffe, die andere Bakterien benötigen. Es wäre so, als würden wir uns dadurch ernähren, indem wir unsere Finger in die Steckdose stecken! Da sie unabhängig von der Sonne sind, nimmt man an, daß sich im Inneren der Erde eine ganze Biosphäre aus „Elektrobakterien“ verbirgt.

Die unterste Krustenschicht des Ozeanbodens besteht aus der Basaltabart „Gabbro“. In diese Tiefen drang der Mensch erst 2006 vor. 2010 hat das von Stephen Giovannoni (Oregon State University) geleitete Integrated Ocean Drilling Programme in 1400 Metern unter dem Meeresboden im Gabbro ein differenziertes Ökosystem aus Bakterien entdeckt. Und das bei Temperaturen nahe dem Siedepunkt!

Das Leben schlägt einen Tiefenrekord nach dem anderen. Ich verweise auf meinen Blogeintrag Am Rande: Bione.

Man siehe auch meine Ausführungen über die Herkunft des Erdöls.

Heute geht man davon aus, daß Organismen, die an der Erdoberfläche an extreme Bedingungen angepaßt waren, langsam bis in diese Tiefen vorgedrungen sind. Reichs Forschung legt eine andere Sichtweise nahe. Er hatte gefunden, daß Materialien, wie etwa Eisenfeilspäne, sofort Bione bilden, wenn man sie vorher zum Glühen bringt und dann in Nährlösung taucht.

Es ist so, als wäre das Leben am äußeren Rande des flüssigen Magmas in den Tiefen der Erdkruste entstanden und breite sich zur Oberfläche hin aus, wenn die entsprechenden Lebensbedingungen gegeben sind. Käme es zu einer kosmischen Katastrophe, würde sich das Leben wieder Richtung Magma zurückziehen, um gegebenenfalls später sich wieder zur Erdoberfläche hin auszubreiten.

Wäre diese Theorie richtig, müßte man beispielsweise auf dem Mars bei Bohrungen auf Bakterien stoßen – wahrscheinlich identisch mit denen auf der Erde. Auch Erdöl und Erdgas (bzw. „Marsöl“ und „Marsgas“) wird man wohl finden. Methan (sic!) hat man schon gefunden.

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Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 2)

4. September 2013

Die Entstehung der Krebszellen ist identisch mit dem Problem der Biogenese (Der Krebs, Fischer TB, S. 250), was die Reichsche Theorie nach klassischen Begriffen als vollkommen absurd dastehen läßt (ebd., S. 249). Tatsächlich ist sie aber für jeden unvoreingenommenen Beobachter naheliegend – und sogar für den voreingenommenen:

[Das folgende] Vorkommnis mag den Leser überzeugen, daß der menschliche Organismus auch dort korrekt Bescheid weiß, wo er offiziell einer Fehlauffassung im Denken anhängt. Ich bereitete die erste Publikation über die Bione, den bläschenförmigen Zerfall der Materie und die Entwicklung der Protozoen im Herbst 1937 vor, etwa eineinhalb Jahre nach den ersten schlüssigen Beobachtungen. Ich hatte damals noch keine Ahnung von den zwei Grundtypen der Energiebläschen, den blauen PA und den schwarzen T-Bazillen, und ich wußte nichts davon, daß die blauen orgonhaltigen Energiebläschen die T-Bazillen töten. Ich wußte mit einem Worte noch nichts davon, daß ich je in die Lage kommen sollte, „Orgontherapieversuche am Krebs“ zu unternehmen. Da brach im Herbst 1937 die Hetzkampagne der norwegischen Mechanisten und Mystiker gegen meine Bionforschung los. In den Zeitungen erschienen, entgegen meinem ausdrücklichen Ersuchen um Ruhe, lange Artikel, die „endlich den Schleier von meinem Laboratorium“ zu lüften vorgaben. Eines Tages wurde mir öffentlich vorgeworfen, daß ich den Anspruch erhöbe, „den Krebs heilen zu können“. Ich war perplex, als ich dies hörte. Hatte ich selbst doch nicht die geringste Vermutung darüber. Ich hatte auch nie einen solchen Anspruch erhoben. Woher kam es, daß ein solcher „Vorwurf“ erhoben wurde, wenn man überhaupt von einem Vorwurf sprechen konnte. Erst viel später, nach der Entdeckung der tötenden Wirkung der blauen PA-Bione, begriff ich den Vorwurf. Die feindseligen „Kritiker“ hatten offenbar besser als ich geahnt, daß die Enthüllung der Biogenese der Protozoen die Türe zum Verständnis des Krebses weit öffnen würde. (ebd., S. 251)

Immerhin ist zu konstatieren, daß schon vor Reich

R. Krauss auf Grund von Versuchen von Swarzoff, der Tumorzellen aus Körperteilchen und Teilzellen entstehen sah, seine Hypothese aufstellte, „omnis cellula ex granula“ – und nicht, wie es sonst heißt: „ex cellula“. Daß sich Krebszellen aus „Körnchen“ zusammensetzen, paßt vortrefflich zu der orgonologischen (sic!) Beobachtung, daß sie sich aus Bionen organisieren. (ebd., S. 261)

Walter Hoppe verweist auf die zeitgenössische sowjetische Forscherin O.B. Lepischinskaja:

Lepischinskaja widersetzt sich der Rudolf Virchowschen Auffassung (1821-1902) „cellula e cellula“, d.h. daß alles Leben der Zelle nur aus der Zelle hervorgehen könnte. Sie behauptete, die Vorstellung, die Zelle wäre das letzte lebensfähige Element, befände sich in einer tiefen Krise. Sie betonte, Virchows Theorie wäre zu seiner Zeit verhältnismäßig fortschrittlich gewesen, als er die Medizin gegen „naturphilosophische Hirngespinste“ in materielle Bahnen lenkte, nämlich der Erforschung der Pathologie im Zusammenhang mit den in den Zellen vor sich gehenden Veränderungen. Heute aber wäre diese mechanistische Theorie Virchows schon veraltet und hielte den Fortschritt der Wissenschaft auf. „Inzwischen haben sich einige Forscher an die über 90 Jahre herrschende Theorie Virchows derart gewöhnt, daß sie schon nicht mehr auf diese Ideen verzichten können.“ (Hoppe: Wilhelm Reich und andere große Männer der Wissenschaft im Kampf mit dem Irrationalismus, München 1984, S. 100)

Wie vorher bei den Grasaufgüssen und den sich daraus entwickelnden Protozoen, hat Reich Filme gedreht, in denen man sieht, wie sich Krebszellen aus dem Zerfall lebenden Gewebes bilden. Frisches Krebsgewebe zeigte den gleichen bionösen Zerfall, den Reich schon aus anderen Bereichen kannte. Aus den Bionen reorganisierten sich die typischen Krebszellen und normale Zellen aus dem nicht von Krebs befallenen Gewebe des Patienten zeigten die Anfangsstadien des bionösen Zerfalls.

Krebszellen können durch blasigen Zerfall direkt aus einer normalen Zelle entstehen (Der Krebs, S. 272f) oder durch den blasigen Zerfall von zwei oder drei Zellen, die sich dann zu einer Krebszelle vereinigen (ebd., S. 273). So kann also durchaus eine normale Zelle sich in eine Krebszelle verwandeln, wie es der gängigen Krebstheorie entspricht, „in der Regel zerfallen aber mehrere gesunde Zellen blasig, fließen in einen Blasenhaufen zusammen, aus dem sich dann eine oder mehrere Krebszellen neu bilden“ (ebd., S. 273). In einem weiteren Schritt entwickeln sich aus diesen Krebszellen echte, vollständig autonome Amöben, die nach der klassischen Krebstheorie auf Infektion zurückzuführen sind (ebd., S. 279). Siehe auch Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: IV. Orgonomic Examination of Body Secretions“, Orgone Energy Bulletin, 4(2), April 1952, S. 103-115.

Die Krebszelle durchläuft verschiedene Stadien bis zu dem beweglichen amöboiden Protozoon. Die Entwicklung zum fließenden amöboiden Protozoon kann zwar unter dem Mikroskop verfolgt werden, und auch bei Mäusen kann diese Entwicklung beobachtet werden; dagegen kann sie bei Menschen nicht erreicht werden, da vorher der Tod eintritt. (Walter Hoppe: Biopsychische und biophysische Krebsentstehung im Lichte der Orgonomie & Die Behandlung eines malignen Melanoms mit Orgonenergie, Kurt Nane Jürgenson, Broschüre o.J.)

Über die zeitgenössische Bestätigung der amöboiden Struktur der Krebszellen durch klassische Forscher berichtet Richard Blasband in „Cancer Research – A Comment on the Literature“ (Orgonomic Medicine, 2(1), April 1956, S. 75-81). Über die frei beweglichen protozoalen Krebszellen siehe auch die neuere Arbeit von Alfons Weber über Carzinom-Protozoen in Heiko Lassek/Michael Gierlinger: „Blutdiagnostik und Bion-Forschung nach Wilhelm Reich“ (emotion 6, 1984, S. 132-134); auch die Arbeit von Enterline und Coman von 1950 (Gerald Pohler: Krebs und seelischer Konflikt, Frankfurt 1989, S. 107).

Reich kehrte mit seiner Lebendbeobachtung unter dem Mikroskop auf die Ursprünge der mikroskopischen Krebsforschung zurück z.B. zu Hoffmann, der im Krebsgewebe geschwänzte, amöbenartige Körperchen beobachtet hatte (Ekkehard Ruebsam: „Emotionale Blockierung und Krebs“, emotion 2, 1981, S. 58).

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Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 1)

29. August 2013

In seiner Schrift The Orgone Energy Accumulator von 1951 hält sich Reich unter dem Motto „Keine Propaganda ist die beste Propaganda!“ zugute, daß sich die Nachricht von der Entdeckung der kosmischen Orgonenergie zwar langsam, aber organisch verbreitet habe und deshalb nicht nach einem kometenhaften Erfolg genauso schnell aus der Öffentlichkeit verschwinden werde.

Reich hatte die Orgonenergie zwischen 1936 und 1939 in Norwegen im Rahmen seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“, die sich insbesondere mit Biogenese und Krebs auseinandersetzte, entdeckt und die Entdeckung 1940 in Maine abgeschlossen, als er feststellte, daß er nicht nur eine isolierte „Lebensstrahlung“, sondern eine atmosphärische Energie vor sich hatte. Bereits damals ging das auf eine sich über 20 Jahre erstreckende verwickelte Forschung zurück, die durch die Stichworte „Triebökonomie“, „Funktion des Orgasmus“, „Orgasmusformel“ (Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung) umrissen werden kann.

Am 17. Mai 1936 notierte sich Reich in seinem Tagebuch, daß er die „Vorstufen des Lebens“ in Erde entdeckt habe. Und am 15. Juni 1936: „Die bewegten Gebilde haben nichts mit ‚Keimen‘ oder Ähnlichem zu tun, sondern sind lebend werdendes Anorganisches.“ Das war „Präparat 1“: quellende Erde bei Zimmertemperatur. Es folgten Präparat 2 (Kohle), 3 (Ruß), 4, 5 und schließlich erweist sich Anfang 1937 Präparat 6 als „kultivierbar“: der Beweis, daß diese Gebilde, die Reich als „Bione“ bezeichnet Vorformen des Lebens sind. Die Bione hatte er bereits vor dem Mai 1936 beobachtet, als er mit seinem neuen Mikroskop herumspielte und verschiedene Experimente machte, die durch die oben genannte „Spannungs-Ladungs-Formel“ inspiriert waren, insbesondere die Beobachtung der Formation von Amöben in Grasaufgüssen. Die eigentliche Entdeckung der Bione, die unmittelbar zur Entdeckung des Orgons und zur Entwicklung des Orgonenergie-Akkumulators führen sollte, sind durch die genannten Präparate gekennzeichnet.

Gegen den naheliegenden Einwand, daß er durch das Quellen von Materie nur Keime und Sporen zum Leben erweckt hatte, unternahm er einen denkbar drastischen Schritt: er brachte die Materie, etwa Kohle, bis zur Weißglut und gab dieses weißglühende Material unmittelbar in zuvor autoklavierte, also absolut sterile, Nährlösungen ein. Das Ergebnis war eine sogar noch bessere Produktion von Bionen und dies unmittelbar nach Herstellung des Präparats, d.h. ohne jede „Reifungsphase“. 1939 machte er das gleiche mit Seesand und entdeckte auf diese Weise die „SAPA-Bione“, die eine extrem starke Strahlung hatten, die nicht nur unter dem Mikroskop als „Strahlenkranz“ sichtbar war, sondern auch nach außen strahlte, d.h. Isoliermaterial elektrostatisch auflud, Eisen magnetisierte und menschliche Haut bräunte. Reich versuchte diese Strahlung zu isolieren, indem er die Präparate in einen Metallkasten stellte und diesen mit Dämmplatten weiter abschottete: der Orgonenergie-Akkumulator war erfunden, denn diese Konstruktion, die sich durch seine Versuche am Elektroskop angeboten hatte, in der metallische und organische Materialien sich unterschiedlich verhielten, funktionierte auch ohne SAPA-Präparate, d.h. die Strahlung trat auch ohne diese auf.

Wir befinden uns im April 1940. Offensichtlich wurde die Orgonenergie akkumuliert, da das äußere organische Material (die Dämmplatten) die Orgonenergie anzieht und festhält, während das Metall das Orgon ins Innere weiterleitet, weil es diese Energie zwar auch anzieht, aber sofort wieder abstößt. Auf diese Weise entsteht ein Gradient von außen nach innen, ähnlich wie bei einer Membran in einem Organismus. Wie das vor sich geht, hatte Friedrich Kraus untersucht. Eine Forschung, die Reich insbesondere zu seinen „bioelektrischen Experimenten“ Mitte der 1930er Jahre inspiriert hatte.

Reich glaubte, mit der Entdeckung der Bione das Problem der „Biogenese“ (und damit gleichzeitig auch das Krebsproblem) gelöst zu haben.

Unter extrem hoher Vergrößerung, die zwar zu keiner größeren Auflösung führte, aber auch sehr kleine Bewegungen sichtbar machte, konnte Reich beobachten, daß die Bione pulsieren. Die Bione reagieren auf biologische Färbung, teilen sich wie Zellen und die Bione sind kultivierbar. Interessanterweise trifft das jedoch nur auf jene zu, die in einem elektrischen Feld wandern. Manche Bione, wie die aus Muttererde und aus Gras, organisierten sich spontan zu vollwertigen Protisten (Reich: „Functionalism in the Realm of the Bions“, Orgonomic Functionalism, 4, Summer 1992, S. 7-15).

Reich kam dazu seine Beobachtungen aus den Grasaufgüssen auf das Geschehen der Krebspathologie zu übertragen, weil Krebszellen einen ähnlichen Ursprung zu haben scheinen: aus einem Zellgefüge, in der jede Zelle ihre Aufgabe hat, geht durch Zerfall eine Ansammlung amorpher, freibeweglicher Amöben bzw. „Krebszellen“ hervor. Krebs interpretierte er in diesem Sinne als buchstäbliches Verfaulen bei lebendigem Leibe: „Die allgemeine Folge der biopathischen Schrumpfung ist Gewebs- und Blutfäulnis. Die Krebsgeschwulstwucherung ist nur eines ihrer Symptome“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 206).

Reich vergleicht dies mit den Vorgängen in einem klaren Bach, der aufgestaut wird und sich in einen stinkenden Tümpel verwandelt (ebd., S. 221). Der „Krebsprozeß gleicht (…) dem protozoalen Leben in einem Tümpel, in dem es keine Bewegung von Wasser mehr, dagegen zahlreiche Protozoen gibt“ (ebd., S. 224f). Beim Krebspatienten verwandeln sich „einzelne Gewebe (…) in Einzeller-Organismen verschiedener Größe und Form. Ginge dieser Prozeß ohne frühen Tod weiter, dann würde sich der betreffende Mensch (…) vollständig in Protozoen verwandeln“ (ebd., S. 234f).

Der Vielzeller hört zu funktionieren auf und der Einzeller gedeiht, wie in einem stehenden Wassertümpel, wo es keinen Energie- noch Stoffwechsel mehr gibt. Das Lebendige sinkt zurück und funktioniert auf der niedrigsten biologischen Stufe. Denn wo ein Vielzellorganismus nicht mehr leben kann, kann noch immer ein Einzeller und sicher ein Bion funktionieren. (ebd., S. 242)

Entsprechend sind die Amöben und anderen Protozoen in Grasaufgüssen nichts anderes als die „Krebszellen“ des Grases (ebd., S. 249). (Siehe auch die besonders klare Darstellung in Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: I. Introduction“, Orgone Energy Bulletin, 4(2) April 1952, S. 66-77.)

Eine weitere Parallele ist, daß Aufgüsse aus frischem jungen Frühlingsgras kaum Protozoen ergeben, während „schrumpfungsbiopathisches“ herbstliches Gras reichlich Protozoen liefert (Der Krebs, S. 250). Reich spricht im Zusammenhang mit den besagten „Tümpeln“ auch von den Ödemen bei Krebskranken, in denen sich aus der Flüssigkeit heraus Krebszellen bilden (Reich: „Experimenmtal Biogenesis: ‚Cancer Cells‘ in Experiment XX“, Orgone Energy Bulletin, 3(1), January 1951, S. 1-3).

Die Art der Krebszellen hängt von der Schwere der Krebserkrankung, d.h. vom Ausmaß der Gentalstörung ab. Bleiben die orgastischen Konvulsionen des Gesamtorganismus aus, verlagert sich die orgastische Entladung auf den Zellkern. Schließlich zerfällt der Kern vollständig in stark strahlende Bione. Ein Prozeß, der auf das Plasma und von dort auf andere Zellen übergreift. Dies erklärt die „Chromophilie“ von Krebsgewebe (Der Krebs, S. 241f). Aus dieser amorphen Bionmasse organisieren sich dann die autonomen protozoalen Krebszellen. Je kranker der Patient ist, desto primitivere Krebszellen reorganisieren sich aus der Bionmasse: das kann von Krebszellen gehen, die fast bis an das Niveau der zerfallenen Mutterzellen wieder reorganisiert werden, bis zu vollkommen anaplastischen Krebszellen, die den besagten Protozoen entsprechen.

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