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Das Weltgeschehen, die Medien und Modju* ** (Teil 1)

5. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.***

 

„Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden in lockende Gestalt….“
Shakespeare – Hamlet

Reich sagt: „Ich betone die Rationalität der primären Emotionen des Lebendigen“ (1)a. Ist es für irgendeinen Beobachter der heutigen Weltkulisse, bei ihren sozialen, politischen und militärischen Ereignissen, möglich – ihre Rationalität zu bestätigen? Das wäre in der Tat sehr zweifelhaft. Die Menschen sind verwirrter denn je. Sie sehen, dass Unterdrückung durch größere Unterdrückung ersetzt wird; sie sehen, wie Umweltbelange in Gestalt wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Belastungen zu Buche schlagen; sie sehen, dass die rechtschaffene Ausrottung der Korruption durch die Korruption der Rechtschaffenen ersetzt wird; sie sehen, wie eine Reaktion auf militärische Gewalt sich als Segen erweist für die militärisch und politisch Gewalttätigen; sie sehen die Sorge um Bürgerrechte, Gleichstellung der Geschlechter und Kinderrechte, die von den politisch Ruchlosen manipuliert werden; sie sehen die Suche nach sexueller und emotionaler Gesundheit, die von Pornografen und Gewinnsüchtigen beschmutzt wird. Kann ein solches Durcheinander korrigiert werden oder ist es hoffnungslos? Wenn es Hoffnung gibt, muss dies mit einem Verständnis der Wurzeln unseres Dilemmas einhergehen: dem gepanzerten Zustand der Menschheit und seinen charakterologischen und sozialen Folgen. Leider wehrt sich das gepanzerte Leben mittels Kontaktlosigkeit oder durch emotionale Pest-Angriffe gegen die Einsicht in seine Misere. Reich hat den Fall kurz und bündig dargelegt: „Die soziale Existenz des Menschentieres ist in der Tat bioenergetisch gesehen ein kleiner Gipfel auf dem riesigen Berg seiner biologischen Existenz“ (2)b.

Wenn wir uns darin einig sind, dass der Mensch gepanzert und orgastisch impotent ist, dann folgt daraus, dass dieser „kleine Gipfel“ ziemlich wackelig und gestört sein wird. Man kann die Art der Störung als jene Modi individuellen und sozialen Verhaltens definieren, die durch die Abwehr innerer Angst und Schreckens destruktive Folgen zeitigen. Einige dieser Verhaltensstrukturen und -arten sind:

 

1. Faschistische Charakterstruktur

a. Sehnsucht nach und Unfähigkeit zur Freiheit
b. Verlangen nach einem Führer
c. Massenirrationalität

2. Einfaches neurotisches Verhalten

a. Immobilität
b. Lustangst
c. Apathie und Resignation

3. Emotionale Pest

a. Hohe Energie – unüberwindliche Beckenblockade
b. mörderischer Hass auf das Leben und die genitale Liebe
c. das direkte oder maskierte Böse auf der gesellschaftlichen Bühne
d. charismatische Anziehungskraft und ausgefuchste Manipulation der schlechtesten Eigenschaften der Anhängerschaft.

 

Der Durchschnittsmensch ist sich dieser zugrunde liegenden Kräfte, die hier wirksam werden, nur sehr wenig bewusst. Er versucht, Probleme auf einen eher naiven und fragmentarischen Weg zu lösen. Es gibt wenig oder gar kein Verständnis für die Tiefe und Macht der biologischen Kräfte, die in einem titanischen Kampf zwischen Gut (primär, rational, gesund und genital) und Böse (sekundär, irrational, pervers und von der Pest befallen) wirksam sind. Dies liegt daran, dass durchschnittliche gepanzerte Menschen sich gegen den Kontakt mit ihrem Kern wehren. Wenn ihnen also gesagt wird, dass etwas für den „Frieden“ notwendig ist, glauben sie, dass es gut ist, weil es für ein „gutes“ Ideal ist. Wenn ihnen gesagt wird, dass der Schah des Iran ein brutaler Despot war, glauben sie, dass das Khomeini-Regime irgendwie besser sein müsse. Mit anderen Worten, die meisten Menschen denken gepanzert: mechanistisch oder mystisch. In Wahrheit verstehen sie weder genau was „gut“ noch was „böse“ ist. Sie haben keine Kriterien, die in natürlichen Funktionen und Wahrnehmungen verwurzelt sind. Sie haben kein Verständnis von Gesundheit oder Krankheit, ob sexuell, körperlich, emotional oder sozial. Sie sind vielleicht in der Lage, einen „komplett Gestörten“ oder ein tödlich verlaufendes Karzinom zu erkennen, aber sie haben keinen Sinn für emotionale Ödnis und Resignation bzw. die Existenz einer nicht-tumorösen Schrumpfungsbiopathie.

 

Anmerkungen

* Basierend auf Vorträgen, die an der New York University im Sommer 1980 gegeben wurden.

** „Modju“ ist ein von Reich geprägter Begriff, eine Verschmelzung der Namen zweier bösartiger Männer: Mocenigo, der Giordano Bruno an die Inquisition verraten hat, und Djugashvilli (Stalin).

*** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor für Sozialpsychologie, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Farrar, Straus and Giroux; First edition (1973), Seite 53.
Äther, Gott und Teufel, Nexus Verlag, 1983, S. 54.

b Ausgewählte Schriften, Köln 1976, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Ether, God and Devil. New York: Orgone Institute Press, 1949
2. Reich, W.: Bibliography on Orgonomy (1920-1952), „Prefatory Note“, Orgone Energy Bulletin 5:1, September, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Überlebende des Holocaust und die Krebs-Schrumpfungsbiopathie

16. Juli 2017

Eine vom Sheba Medical Center in Israel vorgestellte Studie hat gezeigt, daß das extreme Trauma des Holocaust noch Jahrzehnte später bei der Gesundheit der Opfer Folgen zeitigt. Sie erkrankten weit mehr an bestimmten Krebsformen als andere.

152 622 Überlebende wurden untersucht. Bei 22,2 Prozent wurde nach 1960 Krebs diagnostiziert, im Vergleich zu 16 Prozent bei der Kontrollgruppe. In der ersten Gruppe lag die Wahrscheinlichkeit für Lungenkrebs um 37 Prozent höher, für Darmkrebs waren es 12 Prozent. Interessanterweise gab es kein höheres Risiko bei Brust- und weiblichem Unterleibskrebs.

Für Reich war Krebs mit emotionaler Resignation und bioenergetischer Schrumpfung verbunden. Insbesondere Brust- und Gebärmutterkrebs sind mit sexueller Hemmung und Unbefriedigung verbunden. Also Faktoren, die nicht spezifisch auf Holocaust-Opfer zutreffen. Hier war die Bedrohung, psychoanalytisch ausgedrückt, nicht auf die Sexualtriebe gerichtet, sondern auf die Existenz selbst, die Ich-Triebe. Die Schrumpfung wurde von außen induziert, indem das Leben buchstäblich erstickt und ausgehungert wurde. Man ist an Reichs Ausführungen in Der Krebs erinnert:

Stellen wir uns die biologischen, physiologischen und seelischen Funktionen plastisch-räumlich vor; wir haben einen weiten Kreis mit einem Zentrum („Kern“) vor uns. Das Einschrumpfen der Kreisperipherie entspräche dem Einsetzen der charakterologischen und emotionellen Resignation. Der Kern, das Zentrum des Kreises, ist noch unberührt. Dieser Prozeß schreitet gegen das Zentrum zu fort, das den „biologischen Kern“ darstellt. Der biologische Kern ist nichts anderes als die Summe aller plasmatischen Zellfunktionen. Hat der Schrumpfungsprozeß diesen Kern erreicht, dann beginnt das Plasma selbst einzugehen. Dies fällt mit dem Prozeß des Gewichtsverlustes zusammen. (Fischer TB, S. 224)

Der verirrte Wilhelm Reich

5. Juni 2017

Die Kultur ist (…) auf Triebverzicht aufgebaut, und jedes einzelne Individuum soll auf seinem Wege von der Kindheit zur Reife an seiner Person diese Entwicklung der Menschheit zur verständigen Resignation wiederholen. Die Psychoanalyse hat gezeigt, daß es vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, sexuelle Triebregungen sind, welche dieser kulturellen Unterdrückung verfallen. (Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, 1924)

Das schrieb Freud zu genau jener Zeit, als Reich seine Orgasmustheorie formulierte und seine Charakteranalyse zu entwickeln begann, bei der es um die Auflösung der Kultur („Charakter“) geht.

Marx‘ Theorie läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts [zwischen Basis und Überbau] bewußt werden und ihn ausfechten. (Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, 1859)

Und hier wären wir wieder bei Freud, denn das obige Freudzitat hat einen Vorspann:

Wenn man von wenig bekannten inneren Antrieben absieht, so darf man sagen, der Hauptmotor der Kulturentwicklung des Menschen ist die äußere reale Not gewesen, die ihm die bequeme Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse verweigerte und ihn übergroßen Gefahren preisgab. Diese äußere Versagung zwang ihn zum Kampf mit der Realität, der teils in Anpassung an dieselbe, teils in Beherrschung derselben ausging, aber auch zur Arbeitsgemeinschaft und zum Zusammenleben mit seinesgleichen, womit bereits ein Verzicht auf mancherlei sozial nicht zu befriedigende Triebregungen verbunden war. Mit den weiteren Fortschritten der Kultur wuchsen auch die Ansprüche der Verdrängung. Die Kultur ist doch überhaupt auf Triebverzicht aufgebaut…

Freud und Marx passen gut zusammen, aber was ausgerechnet Reich hier zu suchen hat, erschließt sich mir nicht ganz. Hat doch Reich selbst 1936 im linkssozialistischen Organ Kamp og Kultur konstatieren müssen:

Bisher hat der Sozialismus als kulturelle Bewegung Schiffbruch erlitten, weil er die gleiche Angst mit dem Konservatismus geteilt hat und an die inhärente Unvereinbarkeit von Sexualität und Kultur glaubte. (z.n. Max Hodann: History of Modern Morals, S. 319)

Sensation oben, Emotion unten

12. Februar 2015

Reich zufolge sind die Emotionen unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der organismischen Orgonenergie. Bewegt sie sich zur Peripherie, hat man es mit Lust zu tun, fließt sie in die Muskulatur, mit Wut, fließt sie in die Brust, mit Sehnsucht. Fließt sie gegen die normalerweise vorherrschende Expansion zum Zentrum des Organismus führt das zur Angst („Stauungsangst“), eine einfache Kontraktion („Resignation“) zur Trauer.

In den letzten Jahrzehnten hat die Humanethologie gezeigt, daß Mimik und Gestik, mit der die Emotionen zum Ausdruck gebracht werden, bei allen Menschen weitgehend gleich sind: bei Eskimos, Pygmäen, Bayern und Maoris. Disa Sauter (University College, London) et al. konnte das gleiche auch für die entsprechenden Lautäußerungen nachweisen, als sie Briten mit den im Nordwesten Namibias lebenden Himba verglichen.

Unterschiede fanden die Forscher allerdings in Lautäußerungen, die Erleichterung ausdrücken sollten. Hier hatten die Himba deutliche Schwierigkeiten, die entsprechende Lautäußerung – ein Seufzen – richtig zuzuordnen. Auch bei anderen positiven Gefühlen wie sinnliche Freude und Stolz über einen Erfolg schnitten sie weniger gut ab. Die Wissenschaftler erklären dieses Ergebnis damit, daß in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit solche positiven Gefühle hauptsächlich mit Vertretern des eigenen Volks geteilt wurden und ein Verständnis über kulturelle Grenzen weniger wichtig war.

Man sieht: die Universalität der Emotionen führt die mechanistische Wissenschaft nicht etwa zu einer tieferen, umfassenderen Funktionsebene (nämlich die Biophysik), sondern zu einer höheren, begrenzteren (die Soziologie – die sich dann mittels natürlicher Auslese in den Genen verewigt).

Es ist natürlich möglich, daß solche Mechanismen die biophysikalisch vorgegebenen Emotionen bzw. „ihre Universalität“ modifizieren können, aber das macht eben nicht ihr Wesen aus.

Ohnehin wissen wir alle aus eigener Erfahrung, daß etwa Trauer und Schrecken weitaus spontaner Ausdruck finden, tatsächlich kann man sich kaum dagegen wehren, als etwa Freude und Stolz. Dazu müssen wir nur Haustiere beobachten, die sich ständig in einem expansiven (vagotonen) Zustand befinden. Er ist die Norm bei allen Lebewesen. Vor dieser Grundfärbung sind positive Emotionen so etwas wie „monochromatische Malerei“.

Erst die Kontraktion bringt so etwas wie Dramatik und Heftigkeit ins Spiel. Man vergegenwärtige sich nur eine Affenhorde, die den ganzen Tag gemütlich vor sich hin döst, bis sich plötzlich ein Leopard nähert.

Daß die Expansion und damit die Emotion Lust beim Menschentier natürlicherweise überwiegt, zeigt auch die Sprache. Peter Dodds (University of Veermont in Burlington) et al. konnten bei der Analyse des Gebrauchs von positiv bzw. negativ konnotierten Begriffen in zehn Sprachen nachweisen, daß die positiven Begriffe überwiegen und dies vermutlich für alle Sprachen gilt.

Für ihre Studie werteten sie systematisch Texte aus zehn Sprachen aus: Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Koreanisch, Chinesisch (vereinfacht), Russisch, Indonesisch und Arabisch. (…) Bei den Analysen kristallisierten sich etwa Zehntausend der am häufigsten verwendeten Begriffe in der jeweiligen Sprache heraus. Diese Wörter legten die Forscher dann rund 1900 Muttersprachlern zur Beurteilung vor. (…) Bei allen 24 Quellen von Wörtern und in allen analysierten Sprachen gab es mehr Begriffe, die über dem neutralen Bereich lagen – mit anderen Worten: Die Stimmung der Sprache ist im Durchschnitt eher positiv geladen. Die Forscher betonen, daß es sich dabei nicht um die Botschaften von ganzen Texten handelt, sondern um den Durchschnittscharakter der kleinsten Bausteine der Sprache – der Wörter.

Sensation (Empfindung, „Nervenerregung“) und Emotion (Gemütsbewegung, „Herausbewegung = e-motion“) sind grundlegend unterschiedliche Phänomene, die auf zwei separaten Funktionen der Orgonenergie beruhen: die Kreiselwelle und die Pulsation. Die Kreiselwelle strukturierte sich im Zentralen Nervensystem (Rückgrat und Gehirn), die Pulsation im Vegetativen Nervensystem. Das Zentrale Nervensystem steht für „Nervenerregung“, das Vegetative Nervensystem steht für „Gemütserregung“.

In Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie diskutiere ich die soziopolitischen Auswirkungen dieser bioenergetischen Gegebenheiten, in Die Massenpsychologie des Buddhismus die „spirituellen“. In diesem Blogeintrag geht es um die soziologischen.

Michael W. Kraus (University of California, San Francisco) et al. führten drei Experimente durch:

  1. Besser situierte Studenten waren schlechter in der Lage die Emotionen von abgebildeten Gesichtern abzulesen.
  2. Ihnen gelang es schlechter, die Emotionen eines Fremden während eines in der Gruppe ablaufenden Vorstellungsgesprächs einzuschätzen.
  3. Wurde den Versuchsteilnehmern das Gefühl vermittelt, daß sie einer niedrigeren Klasse angehören als der, zu der sie tatsächlich gehörten, verbesserte sich ihr Vermögen Emotionen zu lesen.

Die Erklärung von Kraus und seinen Kollegen ist rein soziologisch: die Ärmeren müssen sich mehr auf Freunde als auf Geld verlassen, um ihre alltäglichen Bedürfnisse zu befriedigen. Beispielsweise können sie sich keine Babysitter mieten, sondern müssen Freunde fragen.

Aus bio-soziologischer Sicht ist Sensation oben, Emotion unten, weil es bei der Klasseneinteilung um „Hochnäsigkeit“ und „Coolness“, d.h. „Gemütsruhe“ geht. Es geht um „aristokratisches“, gehirnzentriertes, überlegenes und „überlegendes“ Auftreten gegenüber „denen da unten“, die Spielball ihrer animalischen Gemütsregungen sind.

Die Atemsperre (Teil 1)

4. Februar 2015

Die Gesundheit, d.h. orgastische Potenz eines Menschen kann man unmittelbar aus seiner Atmung ersehen. Bewegt sich der Brustkorb mit der Atmung? Wölbt sich der Bauch bei der Einatmung nach außen? Oder bei der Ausatmung („paradoxe Atmung“)? Liegt letzteres vor, sieht man unmittelbar wie beim Kranken sich Kontraktion und Expansion wechselseitig behindern („Panzerung“), während sich beim Gesunden Kontraktion und Expansion harmonisch abwechseln. Der Kliniker hat also mit der Art der Atmung ein durchgängiges Kriterium für Gesundheit vor sich, an dem er unmittelbar ersehen kann, ob der Proband gesund ist, d.h. ob seine Pulsationsfunktion gestört ist oder nicht.

Gleichzeitig kann er an dieser Beobachtung ansetzen, um die Gesundheit, d.h. die Pulsation wiederherzustellen. Aus Alexander Lowens Beschreibung seiner ersten Therapiesitzung bei Reich, wird deutlich was gemeint ist:

Ich legte mich mit meiner Badehose bekleidet auf das Bett. (…) Er befahl mir, die Knie anzuziehen, mich zu entspannen und mit offenem Mund und entkrampften Kinnbacken durchzuatmen. Ich befolgte die Anweisungen und wartete ab, was passieren würde. Nach einer ganzen Weile sagte Reich: „Lowen, Sie atmen ja gar nicht.“ Ich behauptete: „Selbstverständlich atme ich, sonst wäre ich doch schon tot.“ Darauf er: „Ihre Brust bewegt sich aber nicht. Fühlen Sie dagegen meine Brust!“ Ich legte eine Hand auf seinen Brustkorb und stellte fest, daß er sich bei jedem Atemzug merklich hob und senkte. Meiner tat es eindeutig nicht. (Bioenergetik, rororo, S. 10)

So geht es praktisch allen Menschen in dieser Gesellschaft, da die natürliche Atmung das erste Opfer des Urkonflikts zwischen Bedürfnis und versagender Außenwelt und der daraus resultierenden Existenzangst des Kindes ist. Die Störung der organismischen Pulsation zeigt sich in der flachen Atmung bzw. der „Atemsperre“, wie Reich sie in Die Funktion des Orgasmus beschreibt. Der Organismus panzert sich zunächst in seinem Zentrum ab, d.h. im Zwerchfell und dessen Umgebung, dem Brustkorb und dem abdominalen Bereich.

Generell ist bei den Neurotikern die Atemsperre mit einer chronischen Inspirationshaltung identisch. Von Kindesbeinen an ist diese hochgezogene Brust und das Atemanhalten unsere Abwehr gegen Angstgefühle (Morton Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 79): Brust raus, Bauch rein (vgl. Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 270). Es tritt eine unnatürliche Pause zwischen der Ein- und Ausatmung auf und der Brustkorb gibt nicht nach, wenn man auf ihn drückt (Charles Konia: „Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, Vol. 21, May 1987, S. 100).

Daneben kann es aber auch Patienten geben, bei denen die Ausatmung blockiert ist. Bei ihnen gibt es eine Verlängerung der natürlichen Pause zwischen der Aus- und Einatmung und die Brust gibt nach, wenn man auf sie drückt. Diese schlaffe, eingefallene Brust weist auf Resignation hin und tritt bei zu Depressionen neigenden auf (ebd., S. 99f). Umgekehrt signalisiert die hochgestellte Brust eher eine reaktive Trotzhaltung (Elsworth F. Baker: „Orgone Therapy“,p Journal of Orgonomy, Vol. 12, November 1978, S. 202).

Bei der Krebsbiopathie wird die Energiebilanz zunehmend negativer. Der Organismus „veratmet“ regelrecht in letzter Resignation. Es ist auffallend, wie wenig Angst doch Krebspatienten vor dem Tod haben, verglichen mit dem Wechsel von Angst und Aggression bei kardiovaskulären Patienten.

Insbesondere auch bei Schizophrenen findet sich eine eingefallene vollkommen bewegungslose Brust. Wegen dieser Unbeweglichkeit und extrem reduzierten Atemtätigkeit ist die chronische Exspirationshaltung generell nicht so offensichtlich wie es im Vergleich die chronische Inspirationshaltung ist. Erst nach Aktivierung der Atmung wird die chronische Exspirationshaltung sichtbar (Robert A. Dew: „The Biopathic Diathesis: Introduction to the Pulmonary Biopathies“, Journal of Orgonomy, Vol. 6, May 1972, S. 41).

Die Mobilisierung der Brust am Anfang der Orgontherapie lädt den Körper nicht nur mit Energie auf, sondern konfrontiert den Patienten auch sogleich, vielleicht das erste Mal in seinem Leben, mit seinen unterdrückten und aus dem Bewußtsein verdrängten Emotionen. Zur Illustration möchte ich das obige Zitat aus Lowens Beschreibung seiner ersten Therapiesitzung bei Reich fortsetzen. – Er sah also, daß Reich frei atmete.

Ich legte mich wieder zurück und atmete erneut tief ein und aus; diesmal bewegte sich mein Brustkorb auf und ab. Nach einiger Zeit befahl Reich: „Lowen, lassen Sie den Kopf nach hinten fallen, und machen Sie die Augen weit auf!“ Ich tat es, und … mußte plötzlich laut aufschreien. (…) forderte Reich mich auf, den Kopf wieder zu heben – und sogleich erstarb der Schrei. Ich fuhr fort, tief durchzuatmen. Seltsamerweise hatte mich der Schrei nicht beunruhigt. Ich hatte keine emotionale Beziehung zu ihm. Ich fühlte keine Furcht. Nachdem ich abermals eine Weile geatmet hatte, bat mich Reich, den Vorgang zu wiederholen. Ich ließ den Kopf nach hinten fallen und machte die Augen weit auf. Der Schrei „kam“ abermals. Ich möchte nicht sagen, daß ich schrie, denn ich hatte nicht den Eindruck, daß ich es tat. Der Schrei „passierte“ mir einfach. Ich hatte auch diesmal eigentlich gar nichts mit ihm zu tun. Als die Sitzung beendet war und ich Reich verließ, hatte ich das Gefühl, daß mit mir doch nicht alles so in Ordnung war, wie ich gedacht hatte. Es gab „Dinge“ – Bilder, Emotionen – in meiner Persönlichkeit, die meinem Bewußtsein verborgen waren, und damals begriff ich, daß sie herauskommen mußten. (Bioenergetik, S. 11)

Das Brustsegment spielt demnach nicht nur als „Antriebsmotor“ des Organismus eine Rolle, sondern auch bei der Freisetzung unserer Emotionen, denn es nimmt an jeder emotionalen Äußerung teil:

Neben ihrer Funktion als Energiehemmung dient die Panzerung der Brust spezifisch dazu, die stärksten Ausdrücke von Liebe, Wut, Schwermut und Verlangen, als auch Angst, einzudämmen. (…) Der vollständige Ausdruck jedes tiefen Gefühls wird begleitet von einer Weitung der Brust. Die Brust wogt mit tiefem Verlangen. Sie keucht vor Wut und bebt beim Schluchzen. Umgekehrt wird sie so starr wie möglich gehalten, wenn diese Gefühle unterdrückt werden müssen. (Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 79f)

Die festgesetzte Inspirationshaltung beruht auf der Angst sich hinzugeben, letztendlich also auf der Orgasmusangst. Bei der unwillkürlichen Phase der genitalen Vereinigung fällt jede Ausatmung mit einer tiefen Penetration des Penis zusammen (Elsworth F. Baker: „Sexual Theories of Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, Vol. 20, November 1986, S. 191). Im Alltag spürt der Gesunde bei jeder Ausatmung eine angenehme Sensation in seinem Genital (Der Krebs, Fischer TB, S. 298). Reich behauptete dies von sich selbst (Baker: „My Eleven Years with Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, Vol. 10, November 1976).

Atembremsung und orgastische Potenz bedingen sich wechselseitig (Reich: „On the Historical Developement of Orgonomic Functionalism“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, April 1950, S. 54-62). Deshalb ist die Atemsperre der somatische Grundmechanismus der Neurose, an dem die Orgontherapie ansetzt.

Wie bereits angedeutet gehört zur Atemsperre zentral ein Zwerchfellspasmus. Das Zwerchfell bleibt ständig gesenkt, so daß es nie zu einer vollständigen Ausatmung kommt. Bei der orgontherapeutischen Befreiung des Zwerchfells beginnt sich, vorausgesetzt die über ihm liegenden Segmente sind bereits entpanzert, der Orgasmusreflex herauszuschälen, wenn auch in verzerrter Weise, da das Becken noch unbeweglich bleibt und am Reflex nicht teilhat, während sich der Oberkörper bereits mit jeder Exspiration nach vorn bewegt (Max M. Hughes: „Loosening of the Diaphragmatic Segment“, Journal of Orgonomy, Vol. 2, November 1968, S. 182).

Neben dem chronisch vor Angst kontrahierten Zwerchfell, das sich ausnahmslos bei allen Neurotikern in diesem Zustand befindet, ist auch die Bauchmuskulatur chronisch zusammengezogen (Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 85f).

In den 1930er Jahren konnten sowohl Reich als auch der Neuroanatom Harold Saxton Burr das bioenergetische Feld des Menschen nachweisen. Dieses Feld wird vom Solar Plexus, dem bio-energetischen Zentrum des Organismus generiert. Entsprechend läßt sich die organismische Energie nicht auf die Verbrennung von Sauerstoff reduzieren.

Reich beschreibt den „Energiegenerator“ in seinem Buch über die bio-elektrischen Experimente. Leider ist Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst gegenwärtig vergriffen

Bei diesen Versuchen stellte er fest, daß das bio-elektrische Potential absinkt, wenn man auf den oberen Bauch drückt, wo sich der Solar Plexus befindet.

Das gleiche ist der Fall, wenn man den Patienten wie zum Stuhl pressen oder ganz tief einatmen läßt. (…) Atmet die Versuchsperson aus, so steigt das Potential langsam wieder auf die ursprüngliche Höhe. (…) Bei der Einatmung wird das Zwerchfell gesenkt und drückt auf die unterhalb gelegenen Organe. Die Bauchhöhle verengt sich, während sich der Brustraum erweitert. Bei der Ausatmung geht umgekehrt mit der Verengung des Brustraums eine Erweiterung des Bauchraums einher. Eine zweite Erscheinung weist in die gleiche Richtung. Atmet man tief ein, dann vergeht jede etwa vorhandene vegetative Strömungsempfindung im Bauchraum. Hingegen stellt sich bei tiefem Ausatmen im Oberbauch und im unteren Teil der Brust ein der Angst bzw. der Lust ähnliches Empfinden ein. (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 122f)

Später konnte Reich zeigen, daß sich Gummistücke, die man auf den Bauch und andere Körperteile einer Versuchsperson legt, elektrostatisch desto besser aufladen, je freier die Atmung ist.

Läßt man Versuchspersonen, die schlecht reagieren, gut durchatmen, dann gelingt gelegentlich die Reaktion. Versuchspersonen mit starker vegetativer Erregbarkeit geben Reaktionen rasch und stark. (Drei Versuche mit Gummi am statischen Elektroskop, Oslo 1939)

Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 3)

7. September 2013

Im Gegensatz zur klassischen Krebstheorie ist es in der orgonomischen Krebstheorie gleichgültig aus welchem Körpergewebe die Krebszellen sich bilden, da sie alle gleichartige Neuschöpfungen sind. Entsprechend kann man mikroskopische Lebendbeobachtungen an beliebigen Körpergeweben zur Krebsfrüherkennung nutzen: an Exkrementen (Sputum, Kot, Urin), frischem Blut, Hautzellen, Schleimhautzellen, Gebärmutterausscheidungen, Vaginalabstrichen und allen anderen erreichbaren lebenden Zellen (Der Krebs, Fischer TB, S. 228) Siehe dazu auch Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: IV. Orgonomic Examination of Body Secretions” (Orgone Energy Bulletin, 4(2), April 1952, S. 103-115) und Eva Reich: „Early Diagnosis of Cancer of the Uterus (CaV) (Case No.13)“ (CORE, 7(1,2), March 1955, S. 47-53).

Über zeitgenössische Parallelentwicklungen in der Krebsdiagnostik durch Untersuchungen am Lebendgewebe berichten Myron R. Sharaf in „Priority in Reich’s Cancer Findings“ (Orgonomic Medicine, 1(2), November 1955, S. 145-150) sowie Chester M. Raphael in „Confirmation of Orgonomic (Reich) Tests for the Diagnosis of Uterine Cancer“(Orgonomic Medicine, 2(1), April 1956, S. 36-41). Man beachte: es handelt sich um Bestätigungen der Reichschen Ergebnisse, denn Reichs Priorität steht fest:

Blutkreislauf 1937-1942

Orgonomische Krebsforschung
Allmählicher Verlust der Bioenergie im Blutsystem.
Bluttests entwickelt in der Orgon-Bio-Physik 1938-1944 (Zerfallstest der roten Blutkörperchen, Autoklavierungs-Test, Kultur-Test, T-Bazillen-Test). Ausscheidungen untersucht seit 1937.

Biochemische und genetische Krebsforschung
Bis 1943 wurde das Blutsystem nicht als für die Diagnose von Krebs relevant betrachtet.
Interesse an Blutuntersuchungen entwickelte sich irgendwann nach 1943, d.h. nach der Veröffentlichung von „The Carcinomatous Shrinking Biopathy“ von Wilhelm Reich. Blutserum-Untersuchung. Keine Prüfung der Körperausscheidung. („Orgonomic and Chemical Cancer Research – A Brief Comparison“, Orgone Energy Bulletin, 2(3), July 1950, S. 139-142)

„(…) es kann vorkommen, daß im Lebendpräparat die Krebsdiagnose notwendig ist, während sie aus dem toten Farbpräparat noch in keiner Weise hervorgeht“ (Der Krebs, S. 271f). Wo der Histologe aufgrund von Farbschnitten noch „chronische Entzündungen“ sieht, kann Reich bereits Krebs diagnostizieren (ebd., S. 274f). „Die Diagnose ‚maligner Tumor‘ ist für die Bionforschung dann gegeben, wenn sich blasiger Zerfall der Zellen und spindelige, neuartige Formen im Lebend-Präparat auch nur vereinzelt zeigen“ (ebd., S. 275).

Daß die Reichsche Diagnose lebensrettend ist, zeigt Wilhelm Reich: „Public Responsibility in the Early Diagnosis of Cancer“ (Orgone Energy Bulletin, 1(3), July 1949, S. 110-116). Daß schon die rein psychiatrische Diagnose ohne alle Laborwerte ausreicht, zeigt beispielsweise folgende Beschreibung einer Patientin durch Reichs Mitarbeiter Simeon J. Tropp:

Verstandesmäßig begriff ich die tiefsitzende Resignation bei dieser Patientin; verstandesmäßig konnte ich es mit den somatischen Ergebnissen einer karzinomatösen Schrumpfungsbiopathie integrieren; aber ich konnte dabei keinen Zugang zum Sterbensprozeß finden; ich konnte ihn nicht wirklich sehen. Zwar sah ich die leblose Qualität beim Körper dieser Patientin; ich sah die Resignation im Körperausdruck. Ich wußte, daß sie sich in sich zurückgezogen hatte, wußte, daß es ihr fast unmöglich war wütend zu werden, und ich wußte auch, daß sie sexuell sehr zugeknöpft war, und doch begriff ich immer noch nicht die Bedeutung dessen, was vor meinen Augen lag. Ich habe einfach nicht die Krebsschrumpfungs-Biopathie gesehen. Wir sind derartig an Schlußfolgerungen durch Deduktion gewöhnt und sind derartig von Röntgenaufnahmen, Laborbefunden und klinischen Daten zur Diagnose von Krankheiten abhängig geworden, in die wir uns nicht hineinversetzen können, nicht sehen können, was der Organismus ausdrückt. Kurz gesagt, verstehen wir noch nicht die Sprache des Körpers. Bei der Krebspatientin ist es so, als ob der Körper sprach und sagte: „Ich will mich nicht bewegen; ich will nicht atmen; ich habe bereits begonnen zu sterben; ich will sterben.“ (Tropp: „Orgone Therapy of an Early Breast Cancer“, Orgone Energy Bulletin, 2(3), July 1950, S. 131-138)

Reich beschreibt vier Stufen in der Entwicklung von Krebszellen (Der Krebs, S. 268-283): In der ersten Phase kommt es zu einem massiven Auftreten von T-Bazillen, in der zweiten Phase zu entzündlichen Gewebsveränderungen, die in der dritten Phase zu blasigem Zerfall und der Formation von spindelförmigen Krebszellen führen. In der vierten Phase werden daraus schließlich richtiggehende „Amöben“, die die mechanistischen Krebsforscher gemeinhin für „Parasiten“ halten.

Dieser Zerfallsprozeß tritt „natürlich“ im Organismus des Krebspatienten auf, der deshalb unter etwas leidet, was Reich als karzinomatöse Schrumpfungsbiopathie bezeichnete: chronische charakterologische Resignation setzt sich auf Zellebene als biopathische Schrumpfung fort; gestörte äußere Atmung führt zu gestörter Zellatmung. Der Krebspatient und seine anorgonotische Veranlagung: er kann keinerlei Ladung halten und entlädt sie im bionösen Zerfall.

Über sich selbst berichtet Reich:

Bei mir selber entdeckte ich an der linken Seite der Zunge, wo eine Zahnbrücke dauernd am Zungenepithel rieb und eine kleine Erosion erzeugt hatte, T-Zerfall der Zungenepithelien, und ich konnte sogar eine T-Bazillenkultur erzielen. Das war vor etwa fünf Jahren, und ich habe noch immer keinen Krebs. Die rechte Zungenseite ergab keine T-Bazillen und hatte gesunde Epithelzellen. (ebd., S. 289f)

Gesundheit bedeutet also nicht Freiheit von Krankheitserregern, sondern die Fähigkeit mit ihnen fertigzuwerden.

Die Körperzellen des Krebskranken haben zu wenig orgonotische Ladung, wodurch sie die Tendenz haben in Bione zu zerfallen, die sich nun ihrerseits zu neuen Krebszellen reorganisieren können oder die weiter zu T-Bazillen zerfallen, die wiederum andere Zellen zum bionösen Zerfall anregen usw. Reich beobachtete auch, daß in besonders schweren Krebsfällen die Körperzellen nicht erst in Bione, sondern gleich in T-Bazillen zerfallen. Auch können im Spätstadium die Tumorzellen selbst in amorphe Massen aus T-Bazillen zerfallen (ebd., S. 244, 282f). Schon vorher kann man beobachten, daß gesunde Zellen beim Kochen in Kaliumchlorid in PA-Bione zerfallen, während krebskranke Zellen bei dieser Prozedur in T-Körperchen zerfallen (ebd., S. 232, 244).

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=NwKw63yxVqA%5D

The Journal of Orgonomy (Vol. 23, No. 2, November 1989)

13. Mai 2012

Die Krebs-Biopathie beginnt mit einer chronischen seelischen Resignation, d.h. die Lustfunktion, das Leben selbst wird eingestellt. „Die charakterliche Resignation geht der Schrumpfung des Lebensapparats voraus“ (Der Krebs, Fischer-TB, S. 209).

Resignation ohne offenen oder geheimen Protest gegen die Versagung der Lebensfreude muß als eine der wesentlichen Grundlagen der Schrumpfungsbiopathie angesehen werden. Die biopathische Schrumpfung wäre demnach eine Fortsetzung chronischer charakterlicher Resignation im Bereich der Zellplasmafunktion. (ebd., S. 223f)

Eines der Syndrome, die sich im plasmatischen System zeigen, ist das, was gemeinhin als „funktionelle Lähmung“ bezeichnet wird (ebd., S. 381). Dieser anorgonotische Lähmungszustand ist mit dem kontraktilen autonomen Nervensystem verbunden, d.h. der Motilitätsblock ist funktionell identisch mit einem Rückzug der Nerven (ebd., S. 363). Das autonome Nervensystem selbst zieht sich also zusammen, was wiederum für die typischen Krebsschmerzen verantwortlich ist. Die ziehenden Schmerzen, die

für Krebskranke charakteristisch sind, bezeichnet Reich zum Unterschied von Schmerzen, die durch Tumoren verursacht werden, als „Schrumpfungsschmerz“. Es handelt sich um einen Schmerz, der den Tatbestand widerspiegelt, daß sich die Lebensnerven von der erkrankten Stelle zurückziehen und an den Geweben „zerren“. Der Ausdruck „zerrender“ oder „ziehender“ Schmerz entspricht demnach durchaus dem objektiven Vorgang. (Walter Hoppe: „Zusammenstoß der Orgon- und Radiumtherapie in einem Falle von Hautkrebs“, Internationale Zeitschrift für Orgonomie, Band 1, Heft 4, März 1953)

Reich definierte „Biopathien“ als Erkrankungen der biologischen Pulsation, d.h. konkret eine Pulsationsstörung des autonomen Nervensystems (Sympathikotonie und reaktive Parasympathikotonie). Doch im speziellen Fall der Krebsbiopathie hört die Pulsation praktisch ganz auf und das autonome Nervensystem zieht sich, wie dargelegt, in sich zusammen. Es gibt keine Impulse mehr nach außen, die Energieproduktion wird eingestellt. Bei der Krebsschrumpfungsbiopathie geht es letztendlich nicht, wie in den diversen psychischen und somatischen Biopathien, um das Wechselspiel von Panzerung (gebundener Energie) und ungebundener Energie, sondern um die Pulsation und Nicht-Pulsation des Gesamtenergiesystems selbst (Der Krebs, S. 349).

In „Somatic Biopathies (Part 1)“ (S. 224-236) führt Charles Konia aus, daß bei somatischen Biopathien, die Energien, die die Panzerung nicht mehr binden kann, ins autonome Nervensystem abfließt und dort für die somatischen Symptome sorgt. In der Krebsschrumpfungsbiopathie sei dies jedoch anders: aufgrund der Schrumpfung des autonomen Nervensystems entlade sich die Energie nicht im autonomen Nervensystem, sondern im zweiten Bereich des plasmatischen Systems, d.h. im Gefäßsystem. Das äußert sich in den außergewöhnlich gut mit Blut versorgten malignen Tumoren. Siehe auch Konia: „Somatic Biopathies (Part 2: The Diaphragmatic Segment)“, Journal of Orgonomy, 24(2), November 1990, S. 183f.