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Das Elend der gegenwärtigen Psychiatrie

26. Januar 2016

Michaela Filiou et al. vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie (München) konnten vor kurzem zeigen, daß ein verbesserter Schutz der Mitochondrien, „die Kraftwerke der Zellen“, eine angstlösende Wirkung zeitigt.

Zunächst ist bemerkenswert, wie das Max-Planck-Institut seinen Bericht einleitet:

Über die biologischen Mechanismen, die Angststörungen zugrunde liegen, ist wenig bekannt. Demzufolge setzen gegenwärtige therapeutische Ansätze eher bei den Symptomen als bei den zugrundeliegenden Mechanismen an.

Nun, für Reich war Angst funktionell identisch mit bioenergetischer Kontraktion. Man denke an das sprichwörtliche zusammengekauerte „ängstliche Häschen“. Chronische Ängstlichkeit mit einer chronischen bioenergetischen Kontraktion, bei der es zu einer ständigen Erregung des Sympathikus kommt. Entsprechend sprach er von „Sypathikotonie“. Ihr zentraler Mechanismus ist die „Atemsperre“, d.h. die verminderte Versorgung des Organismus mit Sauerstoff, da der Neurotiker nicht frei atmen kann. Diese „Atemsperre“ bestimmt den Organismus als Ganzem, d.h. in den Geweben bis hinunter zur zellulären und subzellulären Ebene. Ich verweise auf Reichs „Bione“ und seine Krebsforschung (Die Entdeckung des Orgons: Der Krebs). In der Orgontherapie soll dieser umfassenden Kontraktion des Organismus durch körperpsychotherapeutische Auflösung der Atemsperre (Bewußtmachen von Haltung und Verhalten sowie direktes Angehen der chronisch kontrahierten Muskulatur, die ein freies Atmen unmöglich macht) und durch die vagotone Wirkung des Orgonenergie-Akkumulators, der das Körpergewebe auflädt, entgegengewirkt werden.

Filiou erklärt die Forschung am Max-Planck-Institut wie folgt:

Wir haben bereits früher herausgefunden, daß hochängstliche Mäuse molekulare Veränderungen in ihren Mitochondrien aufweisen. Jetzt haben wir gezeigt, daß die Behandlung mit einem Präparat, das diese mitochondrialen Veränderungen umkehrt, ihre Angst reduziert.

Dieses Präparat zum Schutz der Mitochondrien nennt sich „MitoQ“, ein Antioxidans. Möglicherweise wird es eines Tages zur Behandlung von Angsterkrankungen eingesetzt werden.

Das Problem ist natürlich, daß diese Forscher wegen ihres mechanistischen Ansatzes kein Gesamtkonzept der organismischen Zusammenhänge entwickeln können und deshalb praktisch blind an irgendwelchen Stellschrauben herumhantieren, deren Neujustierung unerwartete, vielleicht verheerende Folgen haben kann. Das eine Symptom, hier die Angststörung, mag verschwinden, doch tatsächlich verlagert sich vielleicht die gesamtorganismische Schädigung nur in andere Bereiche.

Medizin beruht auf einer Diagnose und einer entsprechenden Behandlung. Magengeschwüre werden mit Antibiotika behandelt, Grauer Star mit einer Augenoperation, etc. Die Ursachen für die Beschwerden werden beseitigt und der Organismus funktioniert wieder wie zuvor. So einfach ist das.

Genauso ist es mit emotionalen Störungen, etwa wiederkehrenden Panikattacken. Sie beruhen auf unterdrückten, im Brustsegment festgehaltenen Emotionen. Die Brustatmung wird mobilisiert, die zurückgehaltenen Emotionen ausgedrückt – und die Panikattacken kehren nicht zurück. So einfach ist das.

Die mechanistische Psychiatrie hat jedoch keinen Zugang zu den Emotionen. Das sieht man allein schon daran, daß nichtssagend von „psychischen Störungen“, statt „emotionalen Problemen“, gesprochen wird. Man versucht die „Kognitionen“ zu verändern, die „Hirnchemie“ wird mit Drogen („Psychopharmaka“) beeinflußt oder es werden die angeblichen Ursachen in der Kindheit aufgedeckt – was ungefähr so sinnvoll ist, als versuchte man bei somatischen Erkrankungen, etwa bei Gallensteinen, „die Einstellung“ der Patienten zu ändern. Die aktuelle Ursache für die auftretenden emotionalen Symptome, nämlich die Panzerung, wird nicht berührt und vielleicht sogar weiter verstärkt!

Zweifellos: vielen Menschen wird trotzdem mit Psychotherapie und Psychopharmaka bei ihren „psychischen“ Problemen geholfen, doch bleibt es ein elendes „Herumdoktern an den Symptomen“, ohne daß die eigentliche Ursache, die blockierten Emotionen, jemals berührt wird. Beispielsweise scheinen die Antipsychotika der letzten Generation wirklich bei fest umrissenen Problemen zu helfen, insbesondere bei Schizophrenie, aber die Psychiater stochern dermaßen im Dunkeln, daß sie sie, trotz teilweise schwerwiegender möglicher Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Diabetes, Herzerkrankungen), für alle möglichen „psychischen“ Probleme verschreiben. „Irgendwie“ wird es schon helfen!

Forscher von der Stanford University School of Medicine und der University of Chicago stellen fest, daß für viele Verschreibungen von atypischen Neuroleptika kaum ein Wirkungsnachweis vorliegt. Trotzdem werden sie in steigendem Maße für andere Psychosen als Schizophrenie, Autismus, bipolare Störungen, Delirium, Demenz, Depression und Persönlichkeitsstörungen angewendet. Während sie für einige Krankheitsbilder vielleicht tatsächlich indiziert sind, sind sie es für andere eindeutig nicht.

Nach den systematischen Erhebungen der US-Forscher wurden 2008 mehr als die Hälfte aller atypischen Neuroleptika für Beschwerden verschrieben, für die gar kein Wirkungsnachweis vorliegt.

Das ist keine Medizin mehr, auch keine „mechanistische Medizin“, sondern schlichtweg Quacksalberei.

Noch weiter geht der dänische Facharzt für Innere Medizin Peter Gøtzsche, dem zufolge sämtliche Psychopharmaka mehr Schaden als Nutzen bringen und von der Pharmaindustrie auf der Grundlage manipulierter Daten auf den Markt geworfen wurden. Reich sprach im Zusammenhang mit der Pharmaindustrie über den „chemischen Modju“. Gøtzsches Buch trägt den Titel: Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen. Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen.