
Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Ich“ und folgende
Die gängige Psychiatrie versuchte die Patienten über den Körper zu beeinflussen zunächst durch, ja, körperliche Folter (daher der Name „Klapsmühle“), später beispielsweise durch Schocktherapie, Schlafentzug und ähnliches, schließlich über die vermeintliche „Hirnchemie“. Auf der anderen Seite versuchten die Psychoanalyse und davon abgeleitete Systeme die Patienten über deren Ideen zu beeinflussen. Reich hingegen ist das Problem direkt angegangen. Das heißt, er hat sich nicht für die Symptome und die vermeintlich „hinter ihnen stehenden Ideationen“ interessiert, sondern für den konkreten Patienten, sein Gehabe, sein Benehmen, seine Körperhaltung, den Eindruck, den er vermittelt, seinen Charakter. Diesen geht es DIREKT anzugehen und dessen Funktion aufzulösen: die Verhinderung einer frei fließenden Lebensenergie – und letztendlich die Funktion des Orgasmus freizusetzen.
Diese Unmittelbarkeit, die sich weder um vermeintlich „objektive“ noch um vermeintlich „subjektive“ Gegebenheiten kümmert, da das „Objektive“ ideologisch verseucht und das „Subjektive“ das verinnerlichte Fremde ist, weit weg von jedem authentischen Subjekt, – diese Unmittelbarkeit ist durch und durch Stirnersche Geisteshaltung. In der Charakteranalyse bzw. Orgontherapie geht es darum „das Fremde in Eigenes zu verwandeln“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 353), indem die Entzweiung in Subjekt und Prädikat zur ursprünglichen Einheit zurückgenommen wird. Das ursprüngliche Kind ist nicht dies (etwa „süß“) oder das (etwa „ein Sturkopf“), also ein in diesem Fall hysterischer oder Zwangscharakter, sondern es ist schlichtweg es selbst. Ziel der Reichschen Therapie ist es, dich aus einem dank der Erziehung selbstentzweiten Besessenen wieder zu dir selbst zu machen, zum EINZIGEN.
Das, was Reich als „Charakterpanzer“ bezeichnet hat, nannte Stirner „Stabilität“ – im Sinne von Stillstand, „Damm gegen den Fluß“ – Panzerung:
… Wäre Ich nicht an meinen gestrigen Willen heute und ferner gebunden? Mein Wille in diesem Falle wäre erstarrt. Die leidige Stabilität! Mein Geschöpf, nämlich ein bestimmter Willensausdruck, wäre mein Gebieter geworden. Ich aber in meinem Willen, Ich, der Schöpfer, wäre in meinem Flusse und meiner Auflösung gehemmt. Weil Ich gestern ein Narr war, müßte Ich’s zeitlebens bleiben. … (ebd., S. 215)
Alle Prädikate von den Gegenständen sind meine Aussagen, meine Urteile, meine – Geschöpfe. Wollen sie sich losreißen von Mir, und etwas für sich sein, oder gar Mir imponieren, so habe Ich nichts Eiligeres zu tun, als sie in ihr Nichts, d.h. in Mich, den Schöpfer, zurückzunehmen. Gott, Christus, Dreieinigkeit, Sittlichkeit, das Gute usw. sind solche Geschöpfe, von denen Ich Mir nicht bloß erlauben muß, zu sagen, sie seien Wahrheiten, sondern auch, sie seien Täuschungen. Wie Ich einmal ihr Dasein gewollt und dekretiert habe, so will Ich auch ihr Nichtsein wollen dürfen; Ich darf sie Mir nicht über den Kopf wachsen, darf nicht die Schwachheit haben, etwas „Absolutes“ aus ihnen werden zu lassen, wodurch sie verewigt und meiner Macht und Bestimmung entzogen würden. Damit würde Ich dem Stabilitätsprinzip verfallen, dem eigentlichen Lebensprinzip der Religion, die sich’s angelegen sein läßt, „unantastbare Heiligtümer“, „ewige Wahrheiten“, kurz ein „Heiliges“ zu kreieren und Dir das Deinige zu entziehen. (ebd., S. 378f)

Das ist ein Anhang zu Funktionswechsel, du Affe! und gleichzeitig eine Ergänzung zu Orgonometrie bei Stirner.
Max Stirner zu lesen, ist manchmal nicht einfach, das gilt nicht nur für seine kleineren Schriften, die er vor Der Einzige und sein Eigentum für Periodika unter den Bedingungen der Zensur verfaßte und weil er mehr oder weniger in die Tagespolitik eingreifen wollte, sondern auch für sein besagtes Hauptwerk selbst. Man kann das Buch leicht so lesen, als wolle Stirner hier beispielsweise die Philosophiegeschichte wie ein zweiter Hegel darstellen. Tatsächlich wählt er aber nur aus, was seiner Argumentation zu paß kommt und destruiert alle „Dialektik“, die in der Weltgeschichte einen rationalen Ablauf erkennen will. Tatsächlich geht es ihm um einen radikalen Bruch. Nach der (im Hegelschen Sprachgebrauch) kindlichen Negerhaftigkeit der Fetischsierung der Materie und der (wieder im Hegelschen Sprachgebrauch) jugendlichen Mongolenhaftigkeit der Vergeistigung, die die Christen dazu brachte alle heidnischen Idole als null und nichtig zu zerschlagen, geht es Stirner darum, dem gesamten Spuk, d.h. nicht nur der „Materie“, sondern vor allem auch dem „Geist“, ein Ende zu setzen. Nach den Griechen und den Christen kommt ein Bruch und der Eigner tritt auf den Plan. Nach den Dingen und ihrer Abstraktion – Bruch: die unmittelbare Leibhaftigkeit tritt hervor. Das ist keine dialektische Entwicklung, sondern, ganz im Gegenteil, die beiden gegebenen Elemente („Materie“ und „Geist“) sind bloße Verzerrungen, Fehlwahrnehmungen, einer grundlegenden Realität, nämlich der Funktion.
Die Einheit des Eigners mit sich und der Welt wurde dadurch aufgelöst, daß der Eigner einen Teil seiner Eigenheit preisgab, wodurch ssich eine verselbständige Objektwelt herausbildete. (Bernd Kast: Die Thematik des „Eigners“ in der Philosophie Max Stirners, Bonn 1979, S. 237)
Der Eigner markiert den Bruch mit dieser dialektischen Entwicklung und den radikalen Neubeginn: Stirner hat die Entzweiung als Verdunkelung der Ursprünglichkeit aufgedeckt und nimmt sie im Eigner zurück. Er, der Eigner, ist der konkrete, existentielle Gegensatz zum dialektischen Fortschreiten von Bewußtseinsstufe zu Bewußtseinsstufe: „Ich bin Eigner der Welt der Dinge, und ich bin Eigner der Welt des Geistes“ (EE 72; ebenso EE 102). (ebd., S. 230)
Alles spielt eine Rolle nur in Bezug auf mich, dem Leibhaftigen. Die negerhaften Heiden waren Besessene, die auf einen bloßen Spuk hereinfielen, aber die mongolenhaften Christen, die das vermeintlich überwunden haben, waren noch größere Deppen. Die ersteren waren Kinder, die sich naiv an der Materie erfreuten, die letzteren bilderstürmerische Jugendliche, die der „Gedankenfreiheit“ frönten. Nunmehr aber tritt der erwachsene Germane an ihre Stelle und ist Eigner nicht nur der Dinge, sondern auch des Geistes. Stirner:
Wenn das Kind nicht einen Gegenstand hat, mit welchem es sich beschäftigen kann, so fühlt es Langeweile: denn mit sich weiß es sich noch nicht zu beschäftigen. Umgekehrt wirft der Jüngling den Gegenstand auf die Seite, weil ihm Gedanken aus dem Gegenstande aufgingen: er beschäftigt sich mit seinen Gedanken, seinen Träumen, beschäftigt sich geistig oder „sein Geist ist beschäftigt“.
Alles nicht Geistige befaßt der junge Mensch unter dem verächtlichen Namen der „Äußerlichkeiten“. Wenn er gleichwohl an den kleinlichsten Äußerlichkeiten haftet (z.B. burschikosen und andern Formalitäten), so geschieht es, weil und wenn er in ihnen Geist entdeckt, d.h. wenn sie ihm Symbole sind.
Wie Ich Mich hinter den Dingen finde, und zwar als Geist, so muß Ich Mich später auch hinter den Gedanken finden, nämlich als ihr Schöpfer und Eigner. In der Geisterzeit wuchsen Mir die Gedanken über den Kopf, dessen Geburten sie doch waren; wie Fieberphantasien umschwebten und erschütterten sie Mich, eine schauervolle Macht. Die Gedanken waren für sich selbst leibhaftig geworden, waren Gespenster, wie Gott, Kaiser, Papst, Vaterland usw. Zerstöre Ich ihre Leibhaftigkeit, so nehme Ich sie in die Meinige zurück und sage: Ich allein bin leibhaftig. Und nun nehme Ich die Welt als das, was sie Mir ist, als die Meinige, als Mein Eigentum: Ich beziehe alles auf Mich. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 14)
Was gemeint ist, wird durch die Fehl- bzw. Trivialinterpretation von Stirners (Anti-) Philosophie wohl am deutlichsten: Du und gar deine Ideen sind mir egal! Was springt vielmehr für mich dabei raus? Tatsächlich hat die Sprache (Gedanken) hier ihre Grenzen. Um sich verständlich zu machen, mußte Stirner, wie oben dargelegt, beispielsweise auf Hegels Darstellung zurückgreifen und von der Phylo- und Ontogenese des Menschen schwadronieren. Alles nur, um etwas schwer Formulierbares doch irgendwie zu vermitteln.
Der Einzelne ist nicht mehr Ziel-, sondern Ausgangspunkt, d.h. nicht ich habe einen Beruf, sondern umgekehrt: ich „berufe“. Wenn ich die Dinge und Gedanke zu meinem Eigentum mache und sie „verwerte“, d.h. sie so benutze, wie ich sie gewertet habe, funktionalisiere ich sie.

Die Künstliche Intelligenz (KI) erzeugt nicht nur die Zukunft, sondern auch eine völlig neue Vergangenheit. Sie beginnt mit Fernsehserien aus den 1950er Jahren, die es nie gegeben hat, und endet mit einer völlig synthetischen menschlichen Vergangenheit. Im Weltnetz finden sich jede Menge Bilder und sogar Filmausschnitte beispielsweise davon wie Star Wars ausgehen hätte, wenn die Geschichte in den 1950er Jahren verfilmt worden wäre. KI generiert sogar ein „Wilhelm Reich“: synthetische Bilder von Reich, die kaum noch Ähnlichkeit mit seinem tatsächlichen Aussehen haben. So werden schon heute entsprechende Youtube-Videos über ihn mit Hilfe von KI illustriert. Eine vollkommen künstliche Pseudowirklichkeit, die immer mehr die „wirkliche Wirklichkeit“ ersetzt. Wie unter Stalin: die Geschichte wird neu geschrieben. Der Weg zur völligen Kontaktlosigkeit, bei der der Mensch auch seine letzten Wurzeln verliert bzw. ihm jedwede Verwurzelung abhanden kommt.
Die diversen Gefahren, die uns die KI beschert, kann man beliebig weiter spinnen, alles richtig und wichtig, die wichtigste Gefahr der KI findet sich jedoch in der soziopolitischen Charakterologie. Alle Mainstream-Medien, die gesamte Wissenschaft und damit das Internet wird von der pseudoliberalen (kommunistischen) Ideologie beherrscht, an allen entscheidenden Stellen sitzen pseudoliberale (kommunistische) Charaktere, alle Meinungsmacher sind Pseudoliberale (Kommunisten). KI tut nichts anderes als aus diesem Pool zu schöpfen und das vorgegebene in immer neuen Variationen zu präsentieren. Überantworteten wir KI die Weltherrschaft, würden wir in einer kommunistischen Diktatur landen, wenn nicht schlimmeres – denn schließlich ist die menschliche Rasse für den Psycholiberalen (Kommunisten) nichts anderes als ein metastierender Krebs, der ausgemerzt gehört. KI wäre ein gottgleicher „Klimakleber“, der jeder Regung des Menschengeschlechts ein Ende machen würde!
Entsprechend ist zweierlei zu tun, wenn wir durch KI profitieren und nicht ausgerottet werden wollen. Erstens müssen wir uns, wie Reich schon angesichts der tumben Maschine mahnte (Massenpsychologie des Faschismus), von KI distanzieren und das auf eine fundamentale Weise. Was damit gemeint ist, kann man nicht darstellen ohne in „orgonomische“ Phrasendrescherei zu verfallen. Aus diesem Grund möchte ich weit zurückgreifen, auf die Religionsgeschichte, und mit Max Stirner argumentieren. Dazu zitiere ich Bernd Kasts Die Thematik des „Eigners“ in der Philosophie Max Stirners (1979):
Stirner bestimmt: den Menschen ganz als Subjekt, das sich nur dann selbst verwirklicht, wenn es nicht einen Teil seiner Selbst in ein Objekt projiziert. Die Religion nimmt das veräußerlichte, idealisierte, zum Objekt erhobene Ich wieder zurück ins Subjekt, ohne es aber von seinem objektiven Charakter zu befreien. (S. 99)
Kast zitiert Stirner:
Hier liegen alle Qualen, alle Kämpfe von Jahrtausenden; denn fürchterlich ist es, außer sich zu sein, und außer sich ist Jeder, der sich selbst zum Objekt hat, ohne dies Objekt ganz mit sich vereinigen und als Objekt, als Gegen- und Widerstand vernichten zu können.
Mit KI haben wir („natürliche Intelligenz“) uns selbst nach außen projiziert („künstliche Intelligenz“), verwechseln die KI dann mit uns selbst („Religion“) und lassen uns von diesem Fremdkörper beherrschen – wie von einem „Über-Ich“.
Es geht hier um den Kern unserer Existenz als gepanzerte Wesen. Es gilt die Panzerung (das Über-Ich) in uns zu vernichten und wirklich zu selbstgesteuerten Wesen zu werden. Es geht buchstäblich um alles, was die Orgonomie überhaupt ausmacht. Wobei KI in ihrer Wirkung auf uns tatsächlich noch am ehesten mit den Begriffen der Religion erfaßbar ist – weshalb wir mehr denn je zu wahrhaften Atheisten werden müssen!
Zweitens: Der Kampf gegen den pseudoliberalen (kommunistischen) Ungeist ist weitaus dringender und existentieller, als wir ihn uns bisher ausgemalt haben. Je weiter KI die Macht übernimmt desto näher rückt das Ende der Menschheit in der rotfaschistischen Hölle. Wir müssen also, wie dargestellt, KI ähnlich bekämpfen wie die Panzerung/das Über-Ich, und gleichzeitig das pseudoliberale (kommunistischen) Programm umschreiben und die pseudoliberalen (kommunistischen) Programmierer aus ihren Stühlen treten. Der anti-rotfaschistische Kampf (Antikommunismus) ist notweniger und dringender als jemals zuvor.
Die Lebensläufe von Heinrich von Kogerer und Reich haben sich zweimal überschnitten. Kogerer war Assistent des berühmten Wiener Psychiaters und Leiters der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik Julius Wagner-Jauregg. Hier machte Reich seine psychiatrische Facharztausbildung. Interessanterweise gründete Wagner-Jauregg 1922 ein psychotherapeutisches Ambulatorium als direkte Antwort auf das kurz zuvor gegründete psychoanalytische Ambulatorium, an dem sich insbesondere Reich hervortat, siehe etwa sein Buch Der triebhafte Charakter von 1922. Leiter des universitären „Gegenambulatoriums“ war Kogerer.
1933 brachte Reich sein Buch Charakteranalyse heraus, das den Untertitel trug „Technik und Grundlagen für Studierende und praktizierende Analytiker“. 1934 veröffentlichte Kogerer sein Buch Psychotherapie: Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. Ein Jahr später wurde es in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Band 2, Heft 3, 1935) kurz (zwei Sätze!) von „M.“ besprochen: das Buch werde „den modernen Problemen der Psychotherapie in keiner Weise gerecht, weil es ein Sammelsurium von Methoden, Anschauungen und Arbeitsweise in naiver, hoffnungsloser Weise zu vereinigen sucht“.
Mit diesem eklektischen Ansatz, bei dem insbesondere Alfred Adlers „Individualpsychologie“ eine gewichtige Rolle spielte, war Kogler ein direkter Vorläufer der Bemühungen des von Matthias Heinrich Göring geleiteten „Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“. Nach dem Anschluß 1938 ließ sich Kogeler begeistert gleichschalten. Wie der unselige C.G. Jung meinte er, die Psychoanalyse wäre auf die spezifisch „jüdische Psyche“ zugeschnitten.
Von aktuellem Interesse ist, daß seit längerem Bestrebungen in Gange sind, die unterschiedlichsten psychotherapeutischen Ansätze zu vereinigen – ähnlich wie unter Göring. Ich will damit nicht sagen, daß ein solches oberflächlich betrachtet ja löbliches Unterfangen von vornherein „nazi“ ist, realiter kann es aber immer nur ein Ausweichen vor dem Wesentlichen sein – also genau das, worunter die neurotischen Patienten leiden… Bezeichnenderweise tun sich heutzutage ausgerechnet „Reichianische“ Therapeuten darin hervor, aus der Psychotherapie (bzw. „Körperpsychotherapie“) ein unappetitliches Potpourri aus halbverdauten „Ansätzen“ zu machen…
Ernster zu nehmen ist der Fall der Ärztin Johanna Haarer. Sie verkörperte alles, was den Nationalsozialismus in seinem Wesenskern so abgrundtief Hassens- und Verachtenswert macht!
Haarer veröffentlichte im Dritten Reich den Bestseller (bis Kriegsende wurden 690.000 Exemplare verkauft, bis zur letzten Auflage 1987 wurden 1,2 Millionen abgesetzt). Ich kann und will hier nicht die ganze lebensfeindliche Pestilenz ausbreiten, deren Schaden in Deutschland noch Jahrhunderte nachwirken wird. Man lese sich den entsprechenden Wikipedia-Artikel über Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind selbst durch! Es ist das exakte, diametrale Gegenteil zu allem wofür die Namen LaMettrie, Max Stirner, Wilhelm Reich und A.S. Neill stehen! Schlimmer geht es einfach nicht. Emotionelle Pest in ihrer Reinform!
Mit derartigen Pfeifen und Arschlöchern mußte Reich in den 1920er und 30er Jahren ringen. Und man glaube nicht, daß die österreichischen, deutschen und skandinavischen Sozialdemokraten in diesen Jahren viel besser waren. Schließlich waren die Nationalsozialisten auch nur Sozialdemokraten! Ich verweise dazu auf Der Rote Faden. Gewisse Subjekte können sich Ihren „Antifaschismus“ deshalb sonstwo hinstecken! Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.
Wenn der Wille des Babys nicht vom ersten Tag an konsequent gebrochen wird, bekommt man zur Strafe „den kleinen Haustyrann“. Vom Schreien des Kindes muß sich die Mutter dabei nicht irritieren lassen, schließlich können Kinder in den ersten zwei Lebensjahren weder Schmerz noch Liebe empfinden und erinnern sich auch an nichts.
In einem Brief erinnerte sich Friedrich Engels an ein Gespräch mit Stirner im Herbst 1842:
Wir diskutierten viel über Hegelsche Philosophie, er (Stirner) hatte damals die Entdeckung gemacht, daß Hegels Logik mit einem Fehler anfängt: das Sein welches sich als Nichts erweist und so in Gegensatz zu sich selbst tritt, kann nicht der Anfang sein; der Anfang muß gemacht werden mit etwas das selbst schon unmittelbare, naturwüchsig gegebene Einheit von Sein und Nichts ist, und aus dem erst dieser Gegensatz sich entwickelt: Und dies war nach Stirner – das „Es“ (es schneit, es regnet), etwas das ist und zugleich auch Nichts ist. – Nachher scheint er dann doch dahinter gekommen zu sein, daß es (mit) dem Es, nicht minder als mit dem Sein und Nichts, doch Nichts ist. (z.n. H.G. Helms: Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, S. 75f)
In ihrer Besprechung von Stirners Der Einzige und sein Eigentum machen sich Marx und Engels über Stirners „undialektisches“ Denken lustig, denn der könne Übergänge, etwa vom Jüngling zum Mann nicht dialektisch erklären: (…) wir erfahren bloß, daß ‚Es‘ Dienst verrichten (…) muß (…)“ (Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, S. 75). Helms schließt sich der Häme an, wobei er aus Der Einzige und sein Eigentum zitiert. Helms:
(…) Ja, so wird Stirner im „Wegweiser für die galante Welt“ die feine Gesellschaft auf Stichen nach Fragonard oder Boucher im „Verkehr“ „gruppirt“ gesehen haben. „Man pflegt wohl zu sagen: ‚man habe diesen Saal gemeinschaftlich inne‘.“ Das pflegt bloß Stirner zu sagen, bei dem es „aber vielmehr so“ zu sein pflegt, „daß der Saal Uns inne oder in sich hat“, sodaß der arglose Leser meinen könnte, der Stirner, der hat „es“ doch „in sich“. „So weit die natürliche Bedeutung des Wortes Gesellschaft“, der Stirner augenblicklich die unnatürliche, die einzige Bedeutung folgen lassen wird. „Es stellt sich dabei heraus, daß die Gesellschaft nicht durch Mich und Dich erzeugt wird“, sonst wäre alles in Butter, „sondern durch ein Drittes“ – da ist es wieder, dieses „unheimliche“ „es“ oder „man“ –, „welches aus Uns beiden Gesellschafter macht, und daß eben dieses Dritte das Erschaffende, das Gesellschaft Schaffende ist.“ (Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, S. 120)
Schließlich zitiert Helms eine Stelle aus Der Einzige und sein Eigentum:
Der Gegensatz des Realen und Idealen ist ein unversöhnlicher, und es kann das eine niemals das andere werden (…). Der Gegensatz beider ist nicht anders zu überwinden, als wenn man beide vernichtet. Nur in diesem „man“, dem Dritten, findet der Gegensatz sein Ende; sonst aber decken Idee und Realität sich nimmermehr. (z.n. Die Ideologie der anonymen Gesellschaft, S. 129, 486)
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Im Kern des Gottesglaubens sah LaMettrie das Schuldgefühl, Stirner die verinnerlichten Hierarchien, bzw. das jenseits in uns, und Gott Reich das Über-Ich bzw. die Panzerung: das Fremde verdrängt das Eigene. Es geht nicht darum, ob es „horizontal“, also in unserer Umwelt einen „Gott“ gibt, d.h. irgendwelche ominösen Mächte, die man auch als „die Materie“ bzw. „Allmutter“ bezeichnen könnte, sondern um die „vertikale“ Frage, ob es ÜBER mir einen Gott gibt, ein „Über-Ich“, das mich besetzt, besitzt wie ein Dämon. Dann ist es auch egal, ob ich mich als „Atheist“ bezeichne, wie etwa die Marxisten, die trotzdem fromm sind, „vertikal“ von Schuld und Moral beherrscht werden, oder ob ich an die beseelte Natur glaube (Animismus), also formal „Theist“ bin, aber dabei im Sinne Reichs „ungepanzert“ bin.
Natürlich ist auch beides möglich bzw. ist beides meist ineinander verschränkt wie etwa in der Griechischen Stoa: der Mensch ist „horizontal“ eingebunden in einen Kosmos, in dem alles mit allem verknüpft ist, und (bzw. aber) es geht „vertikal“ um die Beherrschung der Begierden. Ob man dieses „Über-Ich“ personifiziert, wie dann später im Christentum, ist letztendlich egal, weshalb auch die Frage nach dem (A-)Theismus in die Irre führt. Deshalb konnte auch Reich von Marx und insbesondere Lenin so in die Irre geführt werden: weil Reich zumindest anfangs nicht klar zwischen „Gottlosigkeit“ und „Über-Ich-Losigkeit“ unterschieden hat.
Das bringt mich abschließend noch einmal zum leidigen Thema „irrationales Über-Ich“ vs. „rationales Über-Ich“: Stirner unterschied zwischen von oben eingegebenen und von der Umwelt angeregten Ideen. Das „irrationale Über-Ich“ ist sozusagen „vertikal“, gibt Befehle wie ein Puppenspieler, der seine Marionette dirigiert, das „rationale Über-Ich“ hingegen ist „horizontal“. Ich muß mich im gesellschaftlichen Raum orientieren und einpassen, was ich automatisch seit Kindheitstagen beim gemeinsamen Spielen und allgemein im Umgang über die Goldene Regel und etwa den Straßenverkehr lerne. Dadurch entwickele ich etwas (das „rationale Über-Ich“), das ich gerne als „Neben-Ich“ bezeichnen möchte: es ist nicht die „vertikale“ Stimme meines Vaters von oben („Über-Ich“), sondern die „horizontale“, d.h. die auf Augenhöhe befindliche Stimme meines Nebenmannes („Neben-Ich“). Keine (ver)inner(licht)e Instanz über mir im Sinne Stirners, sondern neben mir, d.h. ich identifiziere mich nicht mit dem Vater, sondern mit dem Bruder. Das Über-Ich ist „unappelierbar“ – mit dem Nebenmann hingegen „kann man sprechen“. Ich trage damit nicht meinen fremden Feind (Über-Ich), sondern meinen gleichgesinnten Freund (Neben-Ich) in meinem Inneren. Erinnert sei an Stirners „Verein“!
Beim Über-Ich spricht Stirner von den internalisierten Hierarchien, dem Jenseits oder vielmehr Gott in uns und, in Bezug auf die „frommen Atheisten“ von der Gesellschaft in uns. Beim Neben-Ich ist auch etwas in uns: Wollust ist nur möglich, wenn ich mich auf den Partner einlasse, mich mit ihm bzw. natürlich ihr identifiziere, ähnlich in der gemeinsamen Arbeit oder überhaupt in einem gedeihlichen zwischenmenschlichen Miteinander, Stichwort „Spiegelneuronen“. Beim Über-Ich sind meine Ich-Grenzen sozusagen nach oben hin („vertikal“) verschmiert, d.h. das Ich wird vom Über-Ich okkupiert, der Mensch ist nicht mehr er selber, sondern nimmt einen „Charakter“ an, spielt eine bloße Rolle und vergißt dabei, daß er dabei nur Schauspieler ist. Beim Neben-Ich sind meine Ich-Grenzen sozusagen zur Seite hin („horizontal“) verschmiert. Und genau hier ist auch eine Lücke in Stirners Gedankengebäude, denn ohne die Menschen „neben mir“, meine Mitmenschen gäbe es gar kein „Ich“, keine Sprache, kein Bewußtsein, kein Begriff von „selbst“ bzw. vom „Selbst“: ohne ein Außen gibt es kein Innenleben. Und selbst das ist noch rein akademisch, denn ohne soziale Umwelt gäbe es mich von Anfang an gar nicht, da ein einzelner Mensch nicht nur biologisch und materiell, sondern vor allem auch emotional gar nicht lebensfähig wäre. Beim Säugling ist das offensichtlich. Ich weiß natürlich, daß für Stirner die Familie und all das kein „Verein“ in seinem Sinne ist… – wie gesagt, da ist eine Lücke in seinem Denken. Sowohl bei La Mettrie (wie Christian Fernandes in seinem neuen Buch ausführt) und Reich (jedenfalls dem späten Reich – den Laska nicht mehr als so wichtig empfand) sehe ich diese Lücke nicht.
Das „Horizontale“ ist auch beim Militär wichtig: das „vertikale“ Befehl und Gehorsam ist, klar, unverzichtbar, aber imgrunde wichtiger für die Kampfkraft ist die „horizontale“ Kameradschaftlichkeit: ich muß mich auf meinen Nebenmann verlassen können, im Zweifelsfall mein Leben für ihn geben, und wir müssen ein eingespieltes Team sein. Potentiell stört da alles „Vertikale“ eher. Das machte absurderweise auch die Stärke der Wehrmacht aus, die dezidiert „horizontal“ funktionierte, mit weitgehender Entscheidungsfreiheit der unteren Ränge und einer landsmannschaftlichen Homogenität der Züge (beispielsweise waren der Unteroffizier und alle anderen im Zug meines Vaters Hamburger, die sich blind verstanden und in jeder Hinsicht die gleiche Sprache sprachen). Während die Alliierten, insbesondere die Amis und die Russen, starr auf zentrale Führung setzten und auf eine Durchmischung der Kader, damit die Einzelnen nur über die Führung verbunden waren. Problem ist, die Zentrale weiß gar nicht, kann gar nicht wissen, was gerade an der Front vor sich geht und die Soldaten können untereinander kaum kommunizieren. Ähnliches läßt sich über die Betriebsführung im täglichen Wirtschaftsleben sagen. Diversität ist unsere schlimmste Schwäche! – Das Über-Ich ist vollkommen kontaktlos banane, während das Neben-Ich nichts anderes ist, als eben das: Kontakt mit der Wirklichkeit.
Im platonischen Dialog Protagoras erläutert Hippias in einer sehr kurzen Rede ethische und politische Ansichten. Wie auch andere zeitgenössische Sophisten stellt er dort die Natur (phýsis) in einen Gegensatz zum in der menschlichen Gesellschaft geltenden Gesetz (nómos). Wenn Dinge einander ähnlich sind, so seien sie es von Natur aus; einige Menschen seien von Natur aus Verwandte, Freunde und Mitbürger. Das Gesetz hingegen sei ein Tyrann der Menschen und erzwinge vom Menschen Unnatürliches. https://de.wikipedia.org/wiki/Hippias_von_Elis
Hier gehört auch die Frage von Theismus und Über-Ich hin: Laska hat sich explizit gegen den bei Reich so wichtigen Komplex (Bachofen, Matriarchat, Trobriander, DeMeos Saharasia-Theorie, Historischer Materialismus – „Urkommunismus“) verwahrt und alles auf eine Utopie ausgerichtet. Diesen Unterschied zwischen „Gott über mir“ und „Gott neben mir“, findet sich beispielsweise noch bei den germanischen Göttern. Grabfunde, Überlieferungen, etc. weisen darauf hin, daß sich unsere heidnischen Vorfahren nicht groß um das Christentum scherten. Ein weiterer Gott, ein weiterer Kult, der problemlos in die existierenden Tempel und Kulte und Überlieferungen integriert werden konnte. Man war sozusagen auf Augenhöhe mit den Göttern. Ganz anders bei den Christen, die radikal alles „Heidnische“ zurückwiesen und schließlich sogar die Inquisition ins Leben riefen und den Staatsapparat einschalteten, um „Ungläubige“ grausam töten zu lassen. Für mich ich das ein fernes Echo des Unterschieds zwischen einer „Neben-Ich-Gesellschaft“ und einer „Über-Ich-Gesellschaft“.
— Ende der Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte —
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Was Laska Marx und Nietzsche vorgehalten hat, dreht sich in keinster Weise um Plagiatsvorwürfe, Prioritäten etc., sondern einzig um ihre Verweigerung einer (öffentlichen) Auseinandersetzung mit Stirner. Mich erinnert das etwas an die mecho-mystische Physik: angefangen mit der Rotverschiebung bis hin zu irgendwelchen Problemen der Elementarteilchenphysik: anstatt sich mit dem Sachverhalt „an sich“ auseinanderzusetzen, wird gleich der ganze Kosmos, der „Urknall“, „String-Theorie“ etc. involviert, um ein Teilproblem zu lösen. Entsprechend entwickelten Marx und Nietzsche umfassende Welttheorien, nur um mit dem Stachel Stirner fertigzuwerden. Hier gehört auch Nietzsches Rede vom „Nihilismus“ (bei Marx ist es Hegelisierend die „Entfremdung“) hin: die Menschen würden (wenn man Nietzsche sozusagen „rückübersetzt“) lieber ihre Gesellschaft in den humanen Grundfesten sprengen, den ganzen Planeten in die Luft jagen, statt sich mit LSR auseinanderzusetzen. Hat schon mal jemand Nietzsches „Nihilismus“-Meme mit dessen Angst vor Stirner verbunden? Laska meinte, Nietzsche wäre in den Wahnsinn, ins Nichts, geflohen, genau zu dem Zeitpunkt als eine Stirner-Renaissance drohte. Die Menschen sterben lieber, als der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. So als stünde LSR für das absolute Grauen, schlimmer als der Tod. Es ist das Grauen der Vampire und Gespenster vor dem Sonnenlicht – der Authentizität zwischen den Gedanken, von der ich oben sprach. Wenn der Lebenssaft in verdorrte Glieder fließt, ist das der Supergau, da alles Morsche und Versteinerte, das nicht mehr lebendig pulsieren und nachgeben kann, zersprengt wird.
Laska war an Reich geschult: entweder gibt es eine „sexualökonomische“ Selbstregulierung oder eine sexualfeindliche moralische Regulierung. Entsprechend kann man zweierlei zeigen: erstens, daß die moralische Regulierung durch und durch widersprüchlich ist und letztendlich immer das hervorruft, was sie bekämpfen will; zweitens, kann man die beiden Ansätze nicht vermischen, weil dabei nicht halb, sondern doppelt so viel Leiden herauskommt. Diese quasi manichäische Radikalität ist nur eins: konsequentes Denken. Und das ist wahrscheinlich das größte Tabu. Niemand wagt etwas konsequent zu Ende zu denken, sondern biegt immer vorher ab.
Stirner und Marx sahen das Subjekt nicht als das Eigentliche, „Authentische“, sondern nur als Phrase. Stirner hat das explizit gesagt, im Sinne, daß kein Wort, kein Begriff den Einzigen erfassen kann – man ist vor seinem Denken, sozusagen „Zwischen seinen Gedanken“. Bei Marx ist das Subjekt nur ein Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse, d.h. das Verhalten der Subjekte zueinander bzw. eine bloße Reflektion der von den Subjekten stets neu umgeformten materiellen Verhältnisse – es gibt sozusagen nur das Verhältnis.
Es ist ungefähr so, als würde ich (Stirner) sagen, daß es die Mondlandung nie gegeben hat und du (Marx) darauf antwortest: „Was! Du glaubst tatsächlich, daß es den Mond wirklich gibt?!“ Für das, worum es Laska geht (die „Verschwörung“ im Sinne des Über-Ichs) bleibt bei dieser Marxschen Denkfigur kein Platz mehr, da sich alles in „Verhältnisse“ auflöst und die Über-Ich-Problematik entsprechend ganz aus der Sicht verschwindet.
Bei Stirner löst sich das Subjekt in die Biologie auf, in das, was Reich als „Menschentier“ bezeichnet hat. Wir spielen zwar Rollen, tragen „Charaktermasken“, aber sie sind unsere Werkzeuge, während in der Welt des Wahnsinns, von der sich Stirner distanziert, sich die Menschen selbstvergessen über diese elende Schauspielerei, dieses degoutante Schmierentheater definieren. Und genau hier kommt Marx‘ Historischer Materialismus (wie er später bezeichnet wurde) ins Spiel, mit dem er Stirner überwinden wollte: das Leben ist das Kasperletheater des „Klassenkampfs“ und nichts außerdem. Am Ende stand das, was wir noch heute in Nordkorea bewundern können: wirkliches Kasperletheater, dreidimensional aus Fleisch und Blut. Man vertue sich nicht: all die krypto-Marxistischen Clowns bei den Grünen und den Sozialdemoratten sind genauso!
Und was ist nun mit denen, für die das Subjekt keine Phrase ist, die also, meinetwegen, an die „unsterbliche Seele“ glauben? Das sind die authentischen Konservativen, die einen verzerrten (mystischen) Kontakt zum „Menschentier“ in sich haben. Sie sind offensichtlich nicht vollkommen kontaktlos, während die Linke die reine Pest ist; emotionale Wüste, die letztendlich ein verwüstetes Land hinterläßt. Das beobachten wir gerade live in Deutschland!