Posts Tagged ‘Raserei’

Im Nietzscheanischen Fleischwolf

25. Juni 2026

Manche Menschen aalen sich in ihrer vermeintlichen „Biologie“: Männlichkeitskult, Lust am Töten, Negation des ausgelagerten Magens (d.h. des Kochens) durch blutiger, möglichst noch körperwarmer Rohkost, Rücksichtslosigkeit, Lust am „Bösen“. Man läßt die Sau raus! Sie glauben tatsächlich, daß sie sich als einer Karikatur von „Conan, dem Barbaren“ ihrer „primären Natur“ nähern. Tatsächlich sind es aber schlicht und ergreifend schwarze Faschisten, die entsprechend es kaum ertragen können, wenn man sie auf ihre verdrängte tatsächlich primäre Natur verweist, zu der Hingabefähigkeit gehört. Es treibt sie in Raserei, Zynismus und Verachtung. Phallische Abwehr gegen Analität.

Bei Linken ist es vollkommen anders. Sie zelebrieren ihre Analität und sehen auch so aus, als würden sie so riechen! Sie sind nur und ausschließlich Fassade bis hin zu toxischen Warnfarben wie etwa Blau in den Haaren, die signalisieren, daß hier eben keine „Biologie“ vorliegt, sondern Abwehr aller natürlichen Lebensäußerungen: Biohazard. Man denke nur an das garstige Auftreten von denkbar unweiblichen „Feministen“. Jede primäre Regung wird im Keim erstickt und das schon bei Kindern. Man denke nur mal an „Drag Queens“ in Kindergärten! Mit der Natur versöhnen sich diese nekrophilen „Naturschützer“ erst, wenn auch die letzte Naturlandschaft mittels Vogelschreddern in einen Industriepark verwandelt wurde.

Zusammen dominieren diese beiden Fraktionen des Antilebens, die schwarzen und roten Faschisten, den öffentlichen Diskurs abseits des grauen Schlaftablettenhauptstroms. Für die Orgonomie bleibt nicht mal ein schmaler Streifen zum Überleben. Die beiden Fraktionen der Lebensfeindlichkeit haben sogar den gleichen Helden: Nietzsche. Bei den Rechten brauche ich das nicht weiter auszuführen – und die Linken: allein schon der Bolschewismus wurde vollkommen zu recht als „Nietzscheanischer Marxismus“ gekennzeichnet. Als er noch radikaler Sozialist und Genosse Lenins war, äußerte Mussolini 1908 die Hoffnung, daß Nietzsche die Menschheit von der „Nächstenliebe erlösen“ werde.

Man darf auch nicht vergessen, daß Nietzsches Chaosgott Dionysos u.a. bei Herbert Marcuse als Heros der befreiten prägenitalen, vor allem analen Triebe und Gegenentwurf zur kapitalistischen Leistungsgesellschaft und deren „instrumenteller Vernunft“ galt. Die von Drogen und Alkohol geprägten Mysterienkulte dieses Gottes feierten die Sklaven und die anderen Außenseiter der antiken Gesellschaft gemeinsam, was ihn zu einem antiken Sinnbild für den Klassenkampf machte.

Für die Linken, Nietzscheaner im Kern, gibt es keine „ewigen Wahrheiten“, sondern die Moral wird „genealogisch“ zersetzt, d.h. nicht auf einen einheitlichen Ursprung zurückgeführt, sondern ihre zahllose Ursprünge verlieren sich im sich immer weiter aufspaltenden Wurzelgeflecht. In dieser Weltsicht ist alles Wille zur Macht, also Klassenkampf bzw. Kampf zwischen oben und unten mit der jeweiligen machtpolitischen Perspektive, die „die“ Wahrheit bzw. das definiert, was „gut“ und was „böse“ ist. Willkommen in der woken bunten Welt! Wir alle kennen das Zitat des Kinderfreundes: „Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.“ Später ergänzt von einer SPD-Türkin: „Wir stehen vor einem fundamentalen Wandel. Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein.“ Das Zusammenleben müsse täglich neu ausgehandelt werden. Eine Einwanderungsgesellschaft zu sein heiße, „daß sich nicht nur die Menschen, die zu uns kommen, integrieren müssen“. Willkommen in der Barbarei unter dem gemeinsamen Banner von Marx und Nietzsche!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 94)

22. Dezember 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Anfang 1845 verfaßte Marx seine berühmten elf „Thesen über Feuerbach“. Die dritte These ist auf die französischen Materialisten des 18. Jahrhunderts und damit auch bzw. vor allem auf LaMettrie gemünzt:

Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren. Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

Mit anderen Worten LaMettrie wird historisiert und damit auch seine These von den Schuldgefühlen. Niemand steht über der Geschichte und man muß sich in das Kollektiv, die gesellschaftliche bzw. geschichtliche Entwicklung einordnen. Der Stachel ist gezogen, die Befreiung vom Über-Ich, also die Aufklärung, dergestalt „durch Aufklärung“ unmöglich gemacht! – Unmittelbar darauf setzte Marx sich mit Die deutsche Ideologie an seine „historisch materialistische“ Kritik von Stirners Der Einzige und sein Eigentum

Um das richtig einordnen zu können, d.h. Marx als den „Ur-Stalin“ zu begreifen und damit Reichs Kampf gegen den „roten Faschismus“, folgendes: LaMettrie hat, sozusagen „ganz ahistorisch“, eine Orgasmustheorie vertreten: „Die Lust“, so schrieb er, „gehört zum Wesen des Menschen & zur Ordnung des Universums.“ Und weiter:

Nur die Ausschweifung & alles, was den Interessen der Gesellschaft schadet, fällt aus dieser Ordnung heraus und ist verboten; es gibt keinen anderen Gesichtspunkt der Tugend, als derjenige, was dem Staat nützlich ist. Die Fähigkeit, Lust zu empfinden, ist allen Tieren als gleichsam primäres Attribut gegeben; sie streben nach Lust um der Lust willen, ohne weiter darüber nachzudenken. Einzig der Mensch, dieses vernunftbegabte Wesen, kann sich bis zur Wollust erheben; und dies ist die wunderbarste Mitgift der Vernunft. … Wir verdanken unser Wohlbefinden einzig der Lust; sie hat die einzigartige Kette geschmiedet, die die Tiere & die Menschen verbindet; die Lust spricht zu mir über meine Organe & verbindet mich mit dem Leben. (z.n. Ursula Pia Jauch: Jenseits der Maschine, S. 346)

Der sexuellen Enthaltsamkeit schenkt LaMettrie sein besonderes Interesse, könne sie doch, wie Jauch referiert, „zu Persönlichkeitsveränderungen, zu Raserei, Hysterie und krankhaften Realitätsverzerrungen führen“ (S. 344). „Der Entzug von Liebesfreuden verursacht“, so schreibt LaMettrie, „Krankheiten“, weshalb sich die Wissenschaft um die Empfängnisverhütung kümmern müsse (S. 419).

Halten wir Begierden, die einer übersteigerten Phantasie entspringen, nicht mehr für unsere wirklichen Bedürfnisse, und es wird weniger Schlemmer, Zecher und Wüstlinge geben! Doch geben wir der Natur, was ihr gebührt! Man trinkt, wenn man Durst hat; man ißt, wenn man Hunger hat; und in der Liebe spürt man manchmal einen doppelt starken Drang: wer hätte nicht bisweilen Hunger und Durst zugleich nach gewissen Lüsten gehabt? Und wie viele trübe Wolken der Unzufriedenheit und Launenhaftigkeit ziehen, wenn diese Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, am Himmel der Seele auf, wo sie allein durch die Sonne der Lust wieder aufgelöst werden können (…). Ich übersehe durchaus nicht, daß gewisse schwächliche Naturen sich der Lust enthalten können oder vielmehr müssen, um sich wohl fühlen oder andere Vergnügungen besser genießen zu können. In allen übrigen Fällen aber ist die vernünftige Befriedigung der Wollust ebenso notwendig wie die der anderen Bedürfnisse; denn die Natur verwendet die gleichen Mittel, sie zu wecken (…). Das ist der Grund, weshalb (…) alle medizinisch versierten Philosophen in ihren Schriften ohne weiteres den Beischlaf empfehlen und kluge Ratschläge in Liebesdingen hinzufügen. (Anti-Seneca, S. 106f)

LaMettrie hatte ein Konzept von „Über-Ich“ und damit der Panzerung. In den Worten von Jauch:

Überhaupt hat der Bretone [also LaMettrie] ein für die Zeit unübliches Verständnis der Zensur. das sich freilich aus der Perspektive seiner psychologischen Anthropologie nachvollziehen läßt: Der Mensch ist ein Wesen, das Vorurteile und Denkbehinderungen „mit der Muttermilch“ (will heißen: schon mit den ersten sozialen Prägungen) aufnimmt. Die unhinterfragte Adaptation von „Autoritätsmeinungen“ entspricht einem Trägheitsgesetz des menschlichen Geistes, das seinerseits wiederum auf der mimetischen, imitierenden Struktur des menschlichen Lernverhaltens beruht. Daß einer nicht mehr „nachahmt“, sondern „selber“ zu denken beginnt, ist die Ausnahme, nicht die Regel. Analog dazu ist die Zensur zu betrachten als ein natürliches Übel, das zu jeder menschlichen Gesellschaft gehört. (S. 466)